Posts by Mephistino

    Quote from "Reinhard"

    Gott sei Dank läuft den Revisionisten die Zeit davon... :D


    eine in diesem zusammenhange eher unglückliche Formulierung, denn die Befürworter des PdR wollen ja den status quo halten, während die Schloßbefürworter die Revisionisten im eigentlichen Wortsinne sind. Wegen der negativen Färbung des Wortes würde ich aber ganz darauf verzichten, um nicht in unsachliche Polemik abzugleiten.

    Das wohl abstruseste argument gegen "klassische" Architektur, das ich bisher gehört habe ist folgendes:


    "Durch rekonstruktionen oder historisierendes Bauen schwindet der Wert der historischen Architektur, der Relikt-Charakter und damit das Bedürfnis des Schutzes gehen mit der Schaffung vergleichbarer Bausubstanz zurück und schliesslich verloren. Andererseits waren es gerade abriß und kriegszerstörung, die den Wert der historischen architektur erst begründet haben."


    (ich weiß leider nicht mehr, wer das gesagt hat)


    Dabei lässt derjenige völlig außer Acht, dass er nach seiner eigenen Definition wertlose Architektur schafft. Ausserdem mag diese Argumentation bei Kunstwerken ohne Gebrauchswert durchaus zutreffend sein, der Gebrauchswert von Architektur wird dabei aber völlig außer Acht gelassen.
    Zudem ist ein Ganzes immer mehr als nur die Summe seiner Elemente. Ich weiß nicht, warum ein gotischer Wohnturm zwischen anderen gotischen Häusern weniger wertvoll und schutzbedürftig sein soll als zwischen Glaskuben und Plattenbauten...

    Da stellt sich dann wieder die Frage nach den kosten. wenn die Fenster eh erneuert werden, Sprossenfenster einzubauen ist eine sache, aber noch gute oder gerade erst eingebaute sprossenlose fenster durch Sprossenfenster zu ersetzen, ist doch mit Kosten verbunden.
    Allerdings bieten einige firmen auch dioe nachträgliche Montage von "vorgeblendeten" Fensterkreuzen/Fenstersprossen an.

    Ich hab gestern mit einem befreundeten Journalisten gesprochen, der die Sache ebenfalls verfolgt und der ist der Ansicht, dass die Zeichen auf Reko (zumindest der Goldenen Waage und der anderen beiden bedeutenden Häuser) stehen. Sobald er von neuigkeiten erfährt setzt er mich in Kenntnis, was ich der Forumsgemeinde natürlich nicht vorenthalten werde

    hab mich letztens mit einem PDS-Mitglied unterhalten


    "... der PdR muss als Zeichen des Sozialismus und zum Andenken an die DDR künftigen Generationen erhalten bleiben. ... "


    Auf die Frage, wie der PdR zu Nutzen währe, wusste er auch keine Antwort...


    Aber nicht alle Mitglieder der PDS sind Betonschädel, auch wenn das durchaus auf einige repräsentanten dieser Partei zutrifft

    Rostock verfügt mit eutershagen über ein geschlossenes Viertel in 50ger Jahre Bebauung, bei der man sich große Mühe gegeben hat, ein ansprechendes Stadtbild zu schaffen. Die dortigen Wohnungen sind zwar vom Zuschnitt nicht mit Gründerzeitlern zu vergleichen(zum Teil kleine, sehr hohe Räume), aber deutlich besser als die Wohnungen in den 70ger Jahre Blöcken in anderen Stadtvierteln (wobei ich mit meiner 70ger Jahre Bude auch ganz zufrieden bin) Auch ist dieser Nachteil nicht unabänderlich hinzunehmen, denn die Baukonstruktion lässt durchaus Veränderungen am Zuschnitt der Wohnungen zu.
    Die Geradlinigkeit und Monomentalität der Bebauung, die sparsam aber geschickt eingesetzten Zierelemente, die trotz der weitgehenden Einheitlichkeit des Grundmusters erreichte Vielfalt an Gestaltungsmitteln, die jedem Haus ein individuelles Gesicht geben, die weitläufige Anlage des Viertels mit viel grün und nicht zuletzt die Kopfsteingepflasterten Straßen machen den besonderen Reiz dieses Viertels aus.


    Reutershagen gilt als Flächendenkmal und ist nicht von Verfall oder abriß bedroht.


    http://www.bpn-rostock.de/_download/Tuermchenschule1.jpg


    "... Wat dem ehn sin Uhl ist dem annern sin Nachtigall..."
    oder so ähnlich...


    Noch etwas, das mich immer wieder erstaunt ist, dass das selbe argument sowohl für als auch gegen eine Sache gebraucht werden kann, wenn man nur gut genug definiert, subsumiert und interpretiert. Das sollte doch eigentlich jedem die Austauschbarkeit und Beliebigkeit von sachfremd geführten Diskussionen und Argumentationen vor Augen führen... ber auch dieser Blick scheint von Elfenbeintürmen verbaut zu sein...

    " ... Mit religiösem wahn muss 'tabula rasa' gemacht werden, für soetwas ist in der neuen Zeit kein Platz mehr ..."(Walther Ulbricht zur Leipziger Universitätskirche)


    In solche Statements lassen sich andere, wie mein Zitat lückenlos einreihen... es ist schon erschreckend, welcher Ungeist noch immer in Deutschland umgeht...

    Zu Hameln fällt mir eine Geschichte ein, ein investor hat in den 80ger jahren mehrere mit Fachwerkhäusern bebaute Grundstücke erworben, die Häuser abgerissen und wollte einen Supermarkt und Häuser mit Eigentumswohnungen dort bauen. Nur eine ältere dame weigerte sich hartnäckig, ihr Grundstück zu verkaufen, so dass der Investor nicht bauen konnte. Nach dem Tod der dame, inzwischen hatte sich die sachlage so geändert, dass der Investor nicht mehr bauen wollte/konnte hat das Haus dann von den Erben gekauft, aus Gnatz abgerissen und die grundstücke dann als Bauland weiterveräussert...


    Obs stimmt... ich weiß es nicht, aber es passt zu dem, was in vielen deutschen Städten abgelaufen ist.


    Oder um meinen erdkundelehrer zu zitieren: "Der einzige unterschied zwischen Bombardierung und Flächensanierung ist, ob erst die Einwohner oder erst die Häuser platt gemacht werden..."

    Der Saal macht im derzeitigen Zustand eigentlich einen bautechnisch recht gesunden Eindruck. Da währe es meiner Ansicht nach nicht nur schöner sonder vielleicht sogar günstiger, ihn originalgetreu wieder herzustellen...
    s sieht so aus, als ob Kollhoff die Emporen wesentlich breiter machen will und diese dann von den Säulenreihen stützen will. Durchaus möglich, dass dahinter die Tonnengewölbe mit dem Kasettenstuck erhalten bleiben.

    Mich erschreckt, wie politisierend die Debatte um den PdR geführt wird. Die selben rgumente, die jetzt für den Abriß des PdR gebraucht werden, wurden nämlich seinerzeit verwendet, um z.B. den Abriß der Leipziger Universitätskirche und anderer historisch wertvioller Bausubstanz herangezogen. Ich bin ein absoluter Gegner der "Geschichtsaufarbeitung mit der Abrißbirne", denn diese wird immer zu verstimmungen und Spannungen führen.
    Währe die Debatte sachlich, nach städtebaulichen, architektonischen oder nutzpraktischen Gesichtspunkten geführt worden, währe der Palast wahrscheinlich schon weg und die Bauarbeiten zum Schloß schon im Gange.


    Statt auf Sachen wie "sozialistischer Schandfleck", "Symbol der Kommunistenherrschaft" und Ähnliches zu pochen, sollte man sich mal darauf konzentrieren, welchen Nutzen der PdR noch hat oder haben kann. Die Kosten für eine Renovierung des Gebäudes, die ja Voraussetzung für eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung ist, sind so immens, dass es sich schon wirtschaftlich nicht lohnt. Dazu kommt, dass der PdR architektonisch ungeeignet ist, sich in das historisch gewachsene Stadtbild einzupassen. Diese Argumente sind absolut ausreichend, den Abriß ohne politischen Aspekt zu begründen und durchzusetzen.
    Und wenn dann schon mal Baufreiheit herrscht, ist es doch das naheliegendste, das stadtschloß wieder aufzubauen, zumindest äußerlich dem Original entsprechend (wobei mir natürlich die Komplettrekonstruktion am liebsten währe)


    so, das ist meine Ansicht zum Thema.


    Zwar ein Bau der 50er, aber dennoch sehr gelungen: das Hochhaus in der langen Straße in Rostock. Wurde übrigens gebaut, um in der als Seezeichen relevanten Skyline Rostocks den im Krieg zerstörten Turm der Jacobikirche zu ersetzen.


    Ich denke die ersten wirklichen Hochhäuser dürften die Regensburger Patriziertürme sein, hier der "Goldene Turm":


    Das Krochhochhaus in Leipzig ist ja ein Rückgriff auf diese Tradition...