Posts by Mephistino

    In die Liste der städte, die Straßenbahnen abgeschafft haben aufzunehmen: Stralsund (um 1970) und Wismar (1938)


    Im Ruhrgebiet wurde vor einigen Jahren ein Straßenbahnmuseum plattgemacht, die Exponate überwiegend verschrottet und die Gebäude abgerissen.


    Tatra-Wagen gab es in allen gängigen Spurweiten, Untermeterspur (900), Meterspur (1000), Übermeterspur (1100), Normalspur (1435), Sächsische klafterspur (1450), Leipziger spur (1458), russische Breitspur (1524) und Petersburger Spur (1800), ebenso LOWA Werdau, Gotha und REKO Schöneweide Fahrzeuge.


    Jedem Straßenbahn-Fan kann ich nur einen besuch in Gotha ans Herz legen, wo die Prototypen der Fa. Waggonbau Gotha, die bis 1968 Straßenbahnen baute, teilweuise noch gefahren werden.


    Rostock hat auch ein paar Prachtstücke zu bieten:
    - Wagen 26 und 28 (MAN Wismar, halboffen Bj 1926) Wagen 26 befindet sich fahrbereit im Betriebsmuseum der RSAG und kann für sonderfahrten gemietet werden, Wagen 28 steht als nicht fahrtüchtiges ausstellungsstück (Leihgabe9 in Wismar im Museum.
    - Wagen 1 (Gotha GTW4 Bj 1961, ältester erhaltener Gelenkwagen mit schwebendem Mittelteil) steht fahrtüchtig im Betriebsmuseum der RSAG und kann gemietet werden.
    - Wagen 46 (LOWA Werdau KTw2Z, Bj 1951)
    - Wagen 48 (LOWA Gotha KTw2Z, Bj 1952)
    - Wagen 148 (LOWA Gotha KBw2E, Bj 1953)
    48 ist nach einem Verkehrsunfall nicht mehr fahrtüchjtig und wird derzeit restauriert, 46 und 148 sind fahrtüchtig und können gemietet werden.
    Wagen 655 (Gotha KTw2E, Bj 1958) nicht fahrtüchtig, wird als sandlore genutzt
    Wagen 650-654 (LOWA Zweischser, zu verschiedenen zwecken umgebaut)
    sind noch als Arbeitswagen im Dienst
    Wagen 04 (RSAG-Eigenbau-Turmlore Bj. 1904) betriebsbereit, steht im RSAG-Museum

    Das "Theater des Friedens", ehemals "Metropol" in Rostock, ein Kinobau der 20ger Jahe, der bis vor einigen Jahren noch als Kino in Betrieb war, wurde von "Wildeinbauten" der 70ger Jahre befreit und wird heute gastronomisch genutzt. Dabei ist die original Saalstruktur erhalten und kann (zumindest theoretisch) noch für Kinovorstellungen genutzt werden. Nicht die optimale Lösung, aber annehmbar, zumal die original 20ger-Jahre Klos echt eklig waren...


    Schloß Wolfshagen wurde noch vor Kriegsende von der SS gesprengt, um dort eingelagertes Kriegsgerät, Munition und Unterlagen zu vernichten.


    Schloß Remplin fiel einer Brandstiftung gegen Kriegsende zum Opfer (der Schloßturm steht übrigens noch)


    Das Palais in Neubrandenburg und Das schloß in Schwedt wurden meines Wissens nach auch durch Kriegseinwirkungen zerstört.



    Abrisse intakter Schloßanlagen waren eher selten, meist ging diesen eine Zerstörung durch Kriegseinwirkung oder Brände voraus.


    Schloß Putbus ist da ein Sonderfall, Das Schloß sollte in den 50ger Jahren von den Umbauten der kaiserzeit befreit und in den klassizistischen Urzustand zurückversetzt werden (eine in den 50gern durchaus übliche Methode der Denkmalpflege, denkt man das Kröpeliner Tor in Rostock, die Stiftskirche in Quedlinburg oder die Frauenkirche in Arnstadt) dann war das Geld alle und das Schloß (ohne Dach) wurde durch Witterungseinflüsse zerstört und schliesslich abgerissen...


    In einigen Uckermärkischen Dörfern hat es vor allem NACH 1990 Abrisse von Schlössern und Herrenhäusern gegeben, viele wertvolle Schlösser verfallen oder sind nur noch Ruinen (so auch das Stammhaus meiner Familie in Jagow)

    und in 30 Jahren haben wir dann das Thema wie mit den Externsteinen: War doch nix...
    da findet man ein paar Reste von Rammlöchern in der Bodenstruktur und schon weiss man, wozu die Konstruktion gedient hat... naja, wir alle wissen ja (woher eigentlich?) dass in der Frühgeschichte sonnenobservatorien gebaut wurden, also muss das ja wohl sowas sein. und dann rekonstruieren wollen... mich schwant ein neorekonstruktivismus á la Saalburg, stonehenge, etc.


    aber wenns Touris anlockt, immer gerne

    Den ioederaufbau der Denkmalkirche befürworte ich natürlich, allerdings muss ich sagen, dass mir die moderne Laterne auf der domkuppel ganz gut gefällt. dadurch und durch das Fehlen der umlaufenden Ballustrade wirkt die Kuppel "kuppeliger", runder, nicht so "langgezogen" wie die ursprüngliche Form. Die heute fehlenden Laternen der kleinen Seitenkuppeln können aber ruhig wieder aufgesetzt werden.

    Ich fürchte, soweit denken die architekten nicht, sonst würden sie nämlich den Unsinn dieser These erkennen... Ich unterstelle architekten jetzt mal ein gewisses Maß an Intelligenz, mindestens soviel, dass es ausreicht, sich durchs Abitur zu mogeln...

    Wenn der Kasten unnütz ist, besteht zumindest die hoffnung, dass er zeitnah wieder abgerissen und durch einen praktischeren und schöneren bau ersetzt wird...

    wahrscheinlich das selbe Spiel wie immer, eine bank kauft ein lukratives Grundstück mit maroder aber denkmalgeschützter Bausubstanz und lässt diese komplett verkommen. danach wird abgerissen und das Bauland gewinnbringend verkauft.


    Die Stadt Prenzlau hat solche Machenschaften "geahndet", indem sie derartige Grundstücke zu Gartenland zwangsumgewidmet hat, auf dem nicht neu gebaut werden kann. der verlorenen bausubstanz nützt das freilig wenig...

    Das währe Kitsch, denn die Gotik kennt derart reichen figurenschmuck nicht. In der Gotik ist die skulptur Teil eines Geschlossenen Ganzen und bildet mit dem sie umgebenden Maßwerk ein größeres Ornament, in dem sie selbst nicht mehr als skulptur wahrgenommen wird.
    Wenn du Drachen, Trolle Elben und zwerge unterbringen willst, solltest du als Grundstil den Barock wählen.


    Zudem ist das Bauen im gotischen Stil heute gar nicht mehr zulässig, viele Eigenheiten der Gotik, wie gemauerte Gewölbe, geschlossene Wendeltreppen, Spitzbögen und ähnliches wiedersprechen den heutigen Bauvorschriften, von Wärmedämmung ganz zu schweigen... und in ein gotisches Haus gehört eine Hypocaustenheizung mit Feuerofen, der den emmissionsschutzbestimmungen wiederspricht

    Im Gegensatz zu den Klostergebäuden war die Paulinerkirche immer Teil der Universitätstradition, auch wenn sie nicht der Universität gehörte.
    Studierendenzahlen sind ja auch eine so abstrakte Größe, dass sie den Rektor und die Universitätsbehörden vollig unvorbereitet überfällt und es keine Möglichkeit zur regulierung derselben gibt... Ausserdem hat Leipzig einen enormen Leerstand an Bürofläche, z.B. im Hochhaus, dass es kein Problem darstellt, dorthin auszuweichen. Für die größeren Lehrveranstaltungen wird das neue Hauptgebäude und die Aula sowieso nicht genutzt werden, von daher ist dieses Argument in Bezug auf die Kirche völlig uninteressant.
    Die Kostenfrage stellt sehr wohl ein Kriterium dar, denn das Geld, das da verbaut wird, ist das Geld der Steuerzahler. In Zeiten, in denen Universitäten aufgrund ihrer Finanzen Lehrstühle vakant halten müssen, in denen nicht ausreichend Bücher zur Verfügung stehen und in denen nicht einmal das Beheizen der Hörsääle sichergestellt ist, sind solche Bauvorhaben fast schon als Verbrechen zu (dis)qualifizieren, zumal es ja Alternativen gibt.
    Das du die Rostocker Universitätskirche nicht kennst, tut dabei nichts zur Sache, es ändert nichts an ihrer touristischen Anziehungskraft.
    Was sollen denn in einer AULA für Veranstaltungen stattfinen, bei denen die äulen im Wege währen? Erntemaschinenausstellungen? Rockkonzerte? Preisschiessen? Fussballspiele? Oktoberfest? Das soll eine aula, ein Rum, für würdige Veranstaltungen werden, keine Sport- und Mehrzweckhalle.
    Was die Kunstwerke angeht, da geht es eben nicht nur um die Wahrnehmung. Welchen Besucher der gemäldegalerie ist denn beim betrachten der Sixtinischen Madonna bewusst, dass er vor einem Hochaltar steht, der als würdiger Rahmen für die heiligen Sakramente geschaffen wurde? Ausserdem sind Epitaphien strenggenommen ja Gedentsteine, die gerade wegen der nähe zum Hochaltar und der damit verbundenen göttlichen Gnade (darüber, was diese nun tatsächlich bedeutet, lässt sich streiten) dort aufgestellt wurden. in einem komplett profanen Gebäude haben sie eher den charakter von Trophäen, der dem andenken der dargestellten Persönlichkeiten in keinster Weise gerecht wird. Die Aufstellung der Kanzel, die Ort des Geistlichen bei der Predigt und der Ausrufung des heiligen Geistes ist. in einem profanen Gebäude, womöglich noch als Rednerpult für politische Veranstaltungen, ist eine Beleidigung der Kanzel als liturgisches Gerät und des christlichen Glaubens.
    Friedrich Engels hat mal gesagt: "wer seine Vergangenheit verleugnet hat keine Zukunft". Die Universität hat in der Tat nur dann eine Zukunft, wenn sie sich profiliert. und das kann sie im Zuge der unsinnigen deutschen Bildungspolitik derzeit nur durch ihre Tradition. Tritt sie diese mit Füßen oder versucht sie krampfhaft modern zu sein, dann werden ihr die studierenden über kurz oder lang wegbleiben. Das selbe droht, wenn aufgrund der Kosten der aula (und der anderen Prestigebauten) kein Geld mehr für Bücher und Lehrkräfte da ist. Aber weiter als bis zum Universitätsjubiläum scheint man in Leipzig nicht zu denken. Oder vielleicht doch, und man hat die Säulen aus dem Entwurf entfernt, um die Aula, wenn sie nach dem Jubiläunm ihre Schuldigkeit getan hat, als Sport- und Mehrzweckhalle verkaufen zu können...

    Im Gegensatz zu der Kritik, die uns immer wieder an den Kopf geknallt wird, argumentieren wir eben nicht "selbstgefällig" und "ideologisch verblendet" sondern sachlich und nach ästhetischen, städtebaulichen und kulturhistorischen Argumenten, auch wenn man ideologische argumentationen nie ganz ausschließenm kann, besonders wenn ideologische, als sachlich getarnte Argumente entkräftet werden müssen.


    Die ganze Diskussion um das Paulineum und die Universitätskirche ist doch nur entstanden, weil man das Karl-Marx-Relief möglichst schnell weg haben wollte, bestimmt nicht aus ästhetischen und kulturellen, sondern ausschliesslich aus ideologischen Gründen. Da das Relief aber signifikanter Bestandteil des Statik des Gebäudes ist, kann es nicht so ohne weiteres abgenommen werden. Der derzeitige Universitätsbau im Stil der 60ger Jahre würde im sanierten Zustand vom Standpunkt der Zweckmäßigkeit und Funktionalotät her vollauf den Ansprüchen der Universität genügen. Der derzeitig geplante Aulabau scheint lediglich mit einem möglichst großen Zeigefinger auf die Sünden Ulbrichts zu zeigen um von irgendwas abzulenken... von den eigenen Sünden, vom Selbstverwirklichungsdrang des Rektors, von der Ideologie in der ganzen Sache... ich weiss es nicht und ich ewill es auch gar nicht wissen.


    Nun aber zu den sachlichen Überlegungen: Zum ersten sind wir uns darüber ja scheinbar einig, dass der 60ger-Jahre-Klotz da sonicht stehen bleiben soll. Er erfüllt zwar die funktionellen, nicht aber die ästhetischen und städtebaulichen Anforderungen an ein derart wichtiges Gebäude.
    Was an die Stelle des alten Paulineums treten soll, ist dabei ersteinmal zweitrangig. Es geht ja hier um die Universitätskirche. Fangen wir doch mal mit dem schnöden Mammon an. Die Rekonstruktion der Paulinerkirche wird nachweislich deutlich weniger Geld kosten, als die geplante Aula, zudem könnte man einen nicht unerheblichen Teil aus Spenden finanzieren. Die Unterhaltung beider Gebäude wird zunächst etwa gleich teuer werden, wenn es in den Bereich von Sanierungen und größeren Reperaturen geht, wird aber die geplante Aula aufgrund ihrer komplizierten Konstruktion einen deutlich höheren aufwand darstellen. In Zeiten knapper Kassen ist Sparsamkeit immer ein starkes Argument.
    Zur Funktionalität: das Gebäude soll primär als Aula für akademische Festveranstaltungen dienen, aber auch für Ausstellungen, Konzerte, Vorträge etc. genutzt werden. Nehmen wir das Beispiel der rostocker Universitätskirche. Diese erfüllt alle diese aufgaben zur Genüge, kann zudem noch für Gottesdienste genutzt werden und zieht Touristen an. Die letzten beiden Aufgaben kann der aulaentwurf nur bedingt oder gar nicht erfüllen. Auch aus dem funktionalen Blickwinkel sprechen die Tatsachen also eher für die Kirche.
    kommen wir zum Städtebaulichen Aspekt. Der augustusplatz hat zumindest an seiner Westseite seine Proportionen nach dem Kriege kaum verändert. Das in den 50ger Jahren errichtete Opernhaus entspricht in Größe und Form weitgehend dem Vorkriegsbau, die nördliche Zeile der Westseite hat ebenfalls weitgehend ihren Charakter der Vorkriegszeuit bewahrt. Das Neue Gewandhaus passt sich, wenn auch mit moderner Formsprache und Gestalt, den Proportionen und Größenverhältnissen des Platzes an. Lediglich das Hochhaus ragt aus dem wohlproportionierten Platz deutlich heraus. es wird jedoch optisch durch die umstehende bebauung in den Hintergrund gedrängt und nicht als direkter Bestanmdteil des Platzensembles wahrgenommen. Nun nimmt die aula aber gerade an diesem Hochhaus Bezug und sticht deutlich, aus der übrigen Bebauung hervor, wirkt wie ein Fremdkörper, der den Betrachter optisch zu erschlagen droht. Freilich hat die Aula auch eine Stadtbildprägende Wirkung, jedoch eine vernichtende. Sie verdeckt vom Augustusplatz aus den Blick auf den Turm der Nikolaikirche und die restliche Altstadt, als wolle sie diese der Wahrnehmung entziehen. Die Paulinerkirche an dieser stelle passte sich nicht in die umliegende Bebauung ein, sondern gab mit ihren Formen und Proportionen überhaupt erst die Grundlage für die übrige Gestaltung des Platzes. Sie ließ den blick an ihrem hohen Dach entlanggleiten und leitete ihn auf die Türme der dahinter liegenden Stadt.
    Sie lud in die Stadt ein, zeigte als Vorzeichen, was den Besucher noch in der stadt erwartete und stellte mit ihrem schlanken Gibel einen wilkommenen Kontrast zu den Traufenständigen Gebäuden am Platz dar, ohne aus de Gesamtbild herauszuragen. Man könnte sie fast mit der Gestalt der gütigen Mutter, die im Kriese ihrer (erwachsenen) Kinder sitzend sich von diesen zwar abhebt, mit ihnen aber das geschlossene Ganze der harmonischen Familie bildet. Die Aula hingegen stellt sich, wenn wir bei diesem Vergleich bleiben wollen eher als hochnäsig nach hinten gebeugte Stiefmutter, die Hand zur Züchtigung erhoben, dar, die ihre Schutzbefohlenen brutal niederdrückt. Besonders deutlich wird dieser Vergleich werden, wenn man die aula von der "Rückseite" her betrachtet, wo sie wie ein Fremdkörper aus der Dachlandschaft ragt und auch hier den Blick auf sich zieht.
    Schliesslich bleibt da noch der Kunst- und Kulturhistorische Aspekt. Selbst wenn die überragenden Kunstwerke der Paulinerkirche, die Renaussanceepitaphien, die Skulpturen, die Kanzel und andere Einrichtungsstücke in der Aula einen würdigen Platz finden, so werden sie dort doch nur zu Ausstellungsstücken degradiert, die ihrer natürlichen Umgebung entrissen und ihrer ursprünglichen Bedeutung beraubt ein geduldetes aber sinnloses Schattendasein führen. Nur in der wiedererstandenen Paulinerkirche würden diese kulturhiostorisch bedeutsamen Kunstwerke eine wirklich würdige Bleibe finden, denn nur dort bilden sie mit dem Raum, den sie füllen und dem Gebäude, das sie beherbergt, eine funktionale und harmonische Einheit und nur dort kommen sie sowohl ihren kust- und kulturhistorischen wert und ihre Bedeutung betreffend wirklich zu der Geltung, die ihnen zukommt.
    Zudem würde die Kirche, anders als die Aula, ihrer städtebaulichen Funktion als Teil der gewachsenen Stadt erfüllen, indem sie einen wichtigen Punkt und bereich im Organismus Altstadt markiert. Die aula könnte dieser funktion nur sehr eingeschränkt nachkommen, denn sie ist kaum auf den ersten Blick als das zu erkennen, was sie im Städtebaulichen Kontext darstellen soll. Die kunst- und architekturhistorische Bedeutung der Kirche als bedeutende mitteldeutsche Hallenkirche mit markantem Ostgiebel, kunstvoller Maßwerkausstattung und wohlproportionierter Raumaufteilung, mit Gewölben und Maßwerkfenstern und dem kunstgeschichtlich einmaligen östlichen Rosettenfenster wird die Aula jedenfalls niemals erreichen.
    Ja auch die aula stellt ein Kunstwerk dar, eine Synthese aus moderner Bauweise und Gestalt und leise zitierten gotischen Elementen. Sie ist ein geschlossener künstlerischer Entwurf, der durchaus seinen Wert hat. Das will ich hier auf gar keinen Fall in Abrede stellen. Trotzdem ist sie verglichen mit der Paulinerkirche bei fast jeder Betrachtungsweise die zweite Wahl. Zudem wird ihr wegen der fehlenden Konsequenz, sich entweder ganz zur Moderne oder ganz zur Gotik zu bekennen, immer der Ruf anhaften, nur ein Kompromiß zu sein, obwohl gerade diese Synthese den Wert des Entwurfs ausmacht.
    Zuguterletzt möchte ich auch auf die identitätsbildende Funktion des Gebäudes zu sprechen kommen. Die Universität Leipzig ist eine alte und traditionsreiche Universität, eine der ältesten im deutschsprachigen Raum. Sie wurde zu einer Zeit gegründet, als die kirche nun einem die Maßgebende Institution in Europa war. Das gebäude Paulinerkirche, das von Anfang an zur Universität gehörte, hat sich dabei deutlich in das Bewußtsein der Universität eingeprägt und stellte zu jeder Zeit einen Teil der Tradition der Universität dar. Die gesamte Tradition ist auf dieses Gefüge ausgerichtet sie bricht mit dem Wegfall eines signifikanten Teils ihrer selbst unweigerlich zusammen. Um die Identität der Universität aus der Masse der heutigen Gesellschaft herauszuheben ist es notwendig, sich nicht nur fachlich sondern auch traditionell zu profilieren. Mit dem Versuch, krampfhaft ein modernes Image zu schaffen, tritt die Universität jedoch in den Kries der farb- und gesichtslosen modernen "Bildungssupermärkte" und verleugnet den Geist der Universitas und ihre eigene Identität. Die Paulinerkirche ist in der Lage, genau die Säule der akademischen Tradition und Identität Leipzigs darzustellen, die das Bewusstsein der Studenten, Mitarbeiter und Professoren für die Identität der Universität als Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, als Verbindung von Forschung und Lehre und als Hort der Wissenschaft und akademischen Freiheit trägt. Ob eine moderne Aula dieser Funktion nachkommen kann, kann ich nicht sagen. Ich fürchte aber, wenn sie es nicht kann, wird der dadurch entstehende idelle Schaden nicht absehbar sein.


    Ich denke, ich habe meine Gedanken zur Problematik Aula oder Kirche, die leider zu der tatsache Aula statt Kirche geworden zu sein scheint, klar dargelegt. (AY)

    Wie ich inzwischen erfahren habe, steht das Staatsratsgebäude unter Denkmalschutz, also werden auch die Skulpturen da bleiben müssen, wo sie sind. Da, wenn ich recht informiert bin, das portal auch auf die Domseite gehört, wird es keinen Blickwinkel geben, der beide Portale zeigt...


    Ausserdem kann ich mir gut vorstellen, dass der Nutzer des Gebäudes, die Wirtschaftsschulen "ihr" Portal gerne komplett behalten wollen...

    Ich weiss nicht, ob hier jemand die Stadt Prenzlau kennt...
    Der Prenzlauer Molkereibesitzer Franz Wienholz sah sich 1889 plötzlich mit einer mächtigen Konkurenz konfrontiert, als die uckermärkische Molkereigesellschaft eine Großmolkerei einrichtete. Um seine Firma vor dem Untergang zu bewahren begann er zu experimentieren und erfand das technische Verfahren zur Fetthärtung und damit zur industiellen Margarineherstellung. In unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums baute Wienholz seine "Milchzucker- und Margarine-Fabrik", ein eindrucksvoller neogotischer Backsteinbau, in Kubatur und Gestaltung den schottischen Herrensitzen nachempfunden. Burgartig thronte das Fabrikgebäude über der Stadt.


    Nach dem Tode von Wioenholz gerieten die erben in finanzielle Schwierigkeiten, verkauften zunächst die Patente, dann auch die Fabrik. Das Gebäude selbst uberstand den 2. Weltkrieg weitgehend unbeschädigt, die Produktionseinrichtung wurde aber 1946 von den Russen demontiert.
    Das fabrikgebäude fiel an die Stadt und wurde als Gewerbefläche vermietet . Nach einem Blitzeinschlag anfang der 70ger Jahre wurde es nur notdürftig in Stand gesetzt, in den 80gern brannte es nochmals, ebenfalls ohne dass anschliessend notwendige sicherungsarbeiten vorgenommen wurden. Anfang der 90ger wurde der komplette Komplex von einer KFZ-Werkstatt erworben und für deren Verhältnisse, ohne Beachtung der Statik umgebaut und teilweise genutzt. die ungenutzten Teile der Fabrik verfielen immer weiter.
    Der letzte mir bekannte stand war, dass die Fabrik im Jahre 1999 Baupolizeilich gesperrt wurde wegen akuter Einsturzgefahr. Ich hoffe, sie ist zwischenzeitlich noch nicht abgerissen worden. Die Denkmalpflege hat mehrmals unter der Begründung, Industriearchitektur sei als Zweckarchitektur nicht besonders schützenswert, die Aufnahme in die Denkmalsliste abgelehnt.


    Hier ein Bild:


    Das Dach im linken Bildteil ist ein Nachkriegsprovisorium, der rechte Flügel ist in den 80gern abgebrannt. Zum Komplex gehören noch mehrere nebengebäude im selben Stil, die Wellblechkonstruktion im vordergrund ist ein Schleppdach der Werkstadt

    wenn wir "Glück" haben, weitet sich die derzeitige politische Kriese zu einem Krieg aus, dabnach ist dann garantiert wieder viel platz für neues...


    ne, jetzt mal den zynismus beiseite, es wird aber tatsächlich langsam Zeit, für einen neuen Baustil...

    Nun ja, man schafft ja Arbeitsplätze in den Einkaufszentrum, so etwa 200 werden es schon sein... Die etwa 4-500 Arbeitsplätze, die verloren gehen, weil sich die umliegenden einzelhändler nicht mehr halten können, werden vorsorglich verschwiegen und dann auf andere Ursachen wie die derzeitig angespannte wirtschaftliche Lage und die leeren Kassen geschoben....
    Schwerin ist also kein Einzelfall.


    Traurig ist nur, dass die Europäuische Union diesen Unfug auch noch unterstützt... manchmal hab ich wirklich das Gefühl, Brüssel zahlt Geld für den Abbau von Arbeitsplätzen...

    Ich weiss nicht, obs hier her passt, aber die Rostocker Neptun-Schwimmhalle macht auch einen sehr angenehmen Eindruck. Der monumentale Neoklassizistische Klinkerbau ist zwar ein Kind der 50ger Jahre, aber mit seinem Marmorsaal und den original erhaltenen Internieur macht sie doch schon was her und ist dabei doch recht modern ausgestattet. Ein Erweiterungsbau aus den 70gern stört das Bild der Anlage zwar ein wenig, aber alles in allem lohnt es sich doch. Und die gute Nachricht, das Teil steht komplett unter Denkmalschutz...