Posts by Der Münchner

    Ja, Schloßgespenst, das macht keinen Sinn. Die politisch weit "links" stehenden Fans betrachten den Balkon ja aufgrund Thälmanns Ausrufung der sozialistischen Republik als Ikone. Aber selbst bei einer Verwendung im Stadtschloß wäre es immer noch derselbe Balkon, sogar an historisch korrektem Ort. Die Flügel des Staatsratsgebäudes können ja wohl kaum so wichtig sein, oder?
    Jetzt soll da eine Eliteschule o.ä reinkommen. Na ja.
    Für mich ist das so, als hätte man die Frauenkirche in Dresden neben der Ruine wiederaufgebaut.

    Ich wundere mich immer noch darüber, daß man das Schloßportal aus dem Staatsratsgebäude neben dem PdR nicht für die Rekonstruktion des Stadtschloßes verwenden wird. Da würde doch den Rufen nach Authentizität wenisgstens ansatzweise genüge getan.
    Im Ergebnis werden wir dann dasselbe Schloßportal zweimal nebeneinander am selben Platz haben, das ist doch kurios.

    Eigentlich müßten die Medien so etwas viel mehr anprangern. Bundesbauten, die von Steuergeldern errichtet wurden und schon zwei, drei Jahre nach ihrer Fertigstellung Rost- und Schimmelflecken besitzen, sind doch ein handfester Skandal. Da wurden mehrere Hundert Millionen Euro verbaut und man bekommt im Ergebnis eine Beton-Lochfassade mit Feuchtigkeitsproblemen.
    Das wird wohl unten gehalten, um den Unmut der Bevölkerung in der jetzigen wirtschaftlichen Situation nicht noch anzuheizen. Trotzdem ließe sich daraus eine richtig schöne Grundsatzdiskussion über qualitatives Bauen in Bezug auf Materialien und Form vom Zaun brechen. Da wären die Herren Braunfels und Konsorten aber gewaltig in der Defensive.


    Davon abgesehen ist es auch dieser Abgeordneten-Kindergarten mit seiner blauen Fassade zur Spreeseite eine ästhetische Zumutung.

    Antiquitus


    Ja, die letzten Monate waren bei mir beruflich sehr ereignisreich, daher hatte ich mich aus dem Thema Architektur eine Weile zurückziehen müßen, ohne dabei daß Interesse verloren zu haben. Bin dennoch über einige Entwicklungen auf dem Laufenden. 8)


    Ich konnte mir nicht verkneifen, mal die Führerin der Stadtrundfahrt auf die Ruine der Gedächtniskirche anzusprechen. Nach dem Motto:
    " Wollt Ihr die schreckliche Ruine nicht mal rekonstruieren?"


    Sie reagierte verständnislos und argumentierte, daß die Berliner die Kirche gar nicht anders kennen würden und sie ja ein Mahnmal wäre. Ich erklärte ihr, daß ich sie auch nicht anders kennen würde, aber sie dennoch gerne wieder intakt sehen würde.
    Man muß eben überall schon mal psychologische Vorarbeit leisten, damit die Menschen eines Tages nicht völlig überrascht werden. :gg:

    @GanskeStortSett


    Vielen Dank für den Link.
    Da kann man wieder das übliche Architekturgewäsch nachlesen:


    " qualitativ höchstes Niveau" und " entspricht in seiner Leichtigkeit, inneren Logik und selbstverständlichen Eleganz dem Profil einer Sammlung, die private Passion mit musealem Anspruch verbindet".


    Wenn man das liest, würde man gar nicht erwarten, daß das Gebäude in seiner WAHREN Logik und Kubatur eher einem metallverrbeitendem Betrieb am Stadtrand entspricht. :gg:

    Philon


    Das haben Sie korrekt dargelegt. Zudem könnte man den Ideologen entgegenhalten, daß sie selbst ausschließlich nach einer 80 Jahre alten Mode bauen, nämlich Bauhaus.
    Diese Leute schöpfen die Vielfalt der Möglichkeiten in der Architektur ungefähr genauso aus, wie ein Buschtrommler die Möglichkiten der Musik ausschöpft. Hier stehen wir lauter Buschtrommlerns gegenüber, die uns weismachen wollen, daß sie die höchstentwickelte Form eines Orchesters darstellen.

    Schloßgespenst


    Kann ich mal machen, aber leider gibt es aus München auch immer mehr schlechte Nachrichten. Zusammen mit der Schrannenhalle am Viktualienmarkt ist das die einzige Reko in München. Im Gegenzug wurden wir von Coop Himmelblaus Anbau an der Kunstakademie beglückt und gestern im ZDF-Heute-Journal mußte ich mit Entsetzen die Pläne für ein neues Museum nahe der Pinakothek erblicken. Da hat sich ja schon die einfallslose Pinakothek der Moderne breitgemacht und jetzt soll da noch ein Museum für zeitgenössische Bilder entstehen. Leider habe ich auf die Schnelle den Namen nicht richtig mitgekriegt (sowas wie Buntthaus-Bilder o.ä.). Der Neubau von einem deutsch-britischen Architektenteam besteht aus einem Glaskasten mit einem rechtwinklig angestzten zusätzlichen Glaskasten mit Farbe Rosa.
    Da sind wir wieder im innovativen deutschen Architektur-Traumland.

    Meine Erfahrung aus der Reisebranche ist die, daß die Gäste mittlerweile mit den Füßen abstimmen. Keiner bucht gerne sogenannte Hotelbunker, sondern achtet schon im Katalog auf Kleinteiligkeit und Atmosphäre. Leider wird diese Entwicklung noch nicht überall verstanden, sonst hätte man in Bulgarien oder Kroatien nicht aufwändig die alten Sozialistenhotels saniert.

    Bert


    Ja, ich fand den Kollhoff-Entwurf auch klasse. Der Mann ist zwar kein grundsätzlicher Traditionalist, sondern eher ein Anpasser an bestehende Strukturen, aber eben auch kein Modernist aus Überzeugung.
    In Berlin hat er ja für den Alex 150 Meter hohe Türme rund um den Fernsehturm vorgeschlagen, dafür in Dresden einen gelungenen Entwurf für den Kulturpalast. Ich kann mich noch an diese ermüdenden Diskussionen im alten Forum erinnern, wo irgendeine Architektin aus Dresden von Heldentempel-Fassaden schwadronierte.
    So ist es eben dauernd in Deutschland: Ein Schritt vor und zwei zurück.
    Es fehlt ständig der große Wurf. Der Dresdner Neumarkt ist der größte Schritt, den wir in Deutschland in Bezug auf tradtionelle Baukunst seit 60 Jahren gegangen sind. Hoffen wir, daß es kein Einzelfall war.

    Mit dem Neumarkt ist ein wichtiger Anfang in Dresden gemacht. Das Spekatuläre an der Sache ist, daß es einen Anfang wie diesen nach 1945 kaum irgendwo gegeben hatte. An diesem historischen Kern mit Frauenkirche und seiner "harmonischen" Fassung müßten sich dann Neubauten rings um den Neumarkt messen lassen. Was gibt es eigentlich Neues vom Umbau des Kulturpalastes? Ist der Kolhoff-Entwurf engültig Geschichte? :weinen:

    Wenn die Frankfurter einen Verein wie die GHND in Dresden gründen, dann 10 Jahre durchhalten und jeden Bebauungsplan hinterfragen, um jedes einzelne Haus kämpfen und ihre Mitglieder bei der Stange halten, dann könnten sie es schaffen, 2 qkm Altstadtfläche zurückzuerobern.


    Ich weiß, daß klingt jetzt ein bischen negativ. Ist doch aber realistisch, oder?

    Hallo zusammen,


    Jetzt melde ich mich nach 1 1/2jähriger Abwesenheit im Forum zurück. Da ich bisher nur im alten Forum in langen Diskussion mit Jürgen aus Nürnberg, Mark aus Zürich oder dem Berliner in Erscheinung getreten bin, kennen mich hier nicht Alle. Antiquitus kenne ich aber noch von unseren Treffen in Dresden (ich war mit Freundin da :zwinkern: )


    Wie es der Zufall will, war ich am Wochenende 08.10.-10.10.05 nach über zehn Jahren mal wieder in Berlin und Potsdam und habe daher die o.a. Tour ebenfalls gemacht.
    Mein Resumee: Potsdam braucht nur noch sein Zentrum mit Stadtschloß wiederherstellen, dann ist es eine Traumstadt, die durch seine Lage und sein Umland locker als Kulturregion mit der Toskana oder der Provence auf eine Stufe gestellt werden kann.
    Berlin ist in weiten Teilen immer noch eim Alptraum, so schön die vereinzelten Verbesserungen auch sein mögen. In Berlin weiß man gar nicht, wo man mit dem Abreißen beginnen sollte. Mein Tipp: Erst mal rund um den Bahnhof Zoo, damit der erste Eindruck nicht gleich so ehrlich ist :gg: