Posts by Schloßgespenst

    In Forchheim möchte man offenbar einen modernen Klotz bauen, damit die Stadt mal in einer Fachzeitschrift für Architektur auftaucht. Unfassbar, was mittlerweile als Beweggrund angegeben wird. Man mag sich gar nicht ausmalen, was passiert, wenn auch noch andere Städte auf die Idee kommen, dieses Ziel verfolgen. Hätte man etwa in Frankfurt die Priorität gesetzt, in einer Fachzeitschrift zu stehen, wäre die nunmehr entstehende Mini-Altstadt niemals gebaut worden, sondern der verlinkte ursprüngliche siegreiche Wettbewerbsentwurf. Das hat das mit Forchheim zu tun. (war aber auch nicht so furchtbar schwer, den Zusammenhang herzustellen, oder?)

    Was den Umgang mit historischer Bausubstanz und die Neubauten seit der Nachkriegszeit angeht, kann sich Mannheim durchaus mit Kassel messen. Ich habe manchmal den Eindruck, man hat schon frühzeitig resigniert wegen der vom Krieg weitgehend verschonten und berühmteren Nachbarstadt Heidelberg und hat sich gar nicht erst angestrengt, weil man glaubt, ohnehin nicht mithalten zu können - also lieber gleich richtig modern und hässlich. Wie eine Frau, die ihre hübsche Nachbarin beneidet, aber gar nicht erst versucht, etwas aus sich zu machen, vielleicht ein paar Unfallnarben behandeln zu lassen und sich wenigstens hübsch zu frisieren - sondern sich lieber gleich noch zahlreiche weitere Schnittwunden ins Gesicht ritzt, einen Bürstenschnitt rasieren lässt und sich fiese Tattoos und Piercings verpassen lässt. Wie auch in Kassel, kann man in Mannheim, wenn man seinen Zug verpasst hat und Zeit totschlagen muss, in der Bahnhofsbuchhandlung einen Bildband betrachten, in dem diverse Ansichten aus der Vorkriegszeit, der Nachkriegszeit und heute gegenübergestellt sind - und man kriegt das Heulen.


    Eine rühmliche Ausnahme bildet das Schloss, das nicht nur das Glück hatte, nicht abgerissen zu werden, sondern nach Jahrzehnten mit einer Mischung aus Walm- und Flachdächern inzwischen ja sogar sein historisches Mansarddach zurückbekommen hat.

    Das habe ich auch schon gedacht bei diesen vielen "Altstadtfeldmannposenfotos" der letzten Monate. Krass!
    Zugute zu halten wäre allerdings, daß er sich nicht scheut, daß auch ein Glanzlicht der neuen Altstadt auf ihn abfälllt, somit scheint es mir ein Zeichen, daß er sich zumindest des Projektes nicht "schämt", es wohl gelitten zu sein scheint, man sich als OB in dessen Aura aufhalten kann

    Ja, wenn sich ein Oberbürgermeister mit einem solchen Projekt "schmückt", dann ist das zumindest immer noch besser, also wenn er sich davon distanziert. Dass anfängliche Kritiker umschwenken, ist ja kein Einzelfall, wenn man etwa an die Architekten Jochem Jourdan und Dietrich Wilhelm Dreysse denkt, die am Anfang gegen jegliche Rekonstruktionen zwischen Dom und Römer regelrecht gewettert und darüber gelästert haben - und nun selbst welche davon bauen. Die werden sich auch darin "sonnen".


    Das zeigt aber vielleicht auch, dass es doch keine komplett verbohrten Ideologen sind, wie mancher Wortführer im BDA. Von dort kam ja auch (neulich irgendwo gelesen) der dümmliche Einwand, die Altstadt sei "ein Fake, weil sie ja auf der Betondecke einer Tiefgarage steht". Dieser Einwurf hätte am Dresdner Neumarkt gepasst, wo ja noch bis Anfang der 2000er Jahre zahlreiche historische, oftmals gut erhaltene Kellergewölbe vorhanden waren, die dann fast komplett zugunsten einer riesigen Tiefgarage vernichtet wurden. In Frankfurt hingegen ist der Abriss der Altstadtreste und der anschließende Bau der Tiefgarage ja nun schon vor Jahrzehnten passiert und kann wohl kaum den Leuten angelastet werden, die nun einige der historischen Häuser rekonstruieren. Hätte man vorher die Tiefgarage abreißen und das Loch mit Erde auffüllen sollen, damit der Untergrund etwas authentischer wird?

    "Oktavian", um eine Komplettrekonstruktion wird es auch keinesfalls gehen. Selbstverständlich nicht. Es geht um eine Rekonstruktion des Portals, eventuell der Seiten und der Kuppel, also um das äußere Erscheinungsbild. Selbstverständlich ist im Inneren ein modernes Bühnenhaus nötig. Von einzelnen rekonstruierten bzw. historisch angelehnten Elementen, z.B. im Foyer, vielleicht mal abgesehen.

    Exakt. Und das war in unserer Diskussion hier doch eigentlich auch allen klar. Den Glasvorbau mit den Goldwolken abreißen, historische Nord- und Westfassade rekonstruieren und innen alles freilegen und restaurieren, was heute noch vorhanden ist. Wie an der Wursttheke darf's natürlich auch gerne etwas mehr sein, aber mehr fordern würde ich nicht.

    Nochmal nachlesen hilft dem eigenen Gedächtnis auf die Sprünge:


    Aus dem FAZ-Artikel:


    Vieles aber ist unter Mörtel und Mauerwerk, Verblendungen und Putz verschwunden. Wer die rechteckigen Träger in den Foyers betrachtet, wird kaum ahnen, dass sich darunter noch die alten runden Säulen des Schauspielhauses verbergen.


    Ein schlichtes Treppenhaus aus honigfarbenem Holz führt hinunter, mit hölzernen Handläufen auf der östlichen, üppig verzierten schmiedeeisernen auf der westlichen Seite.


    die beiden metallenen Schwäne aus dem Haupteingang stehen heute in einer Werbeagentur an der Waldschmidtstraße. Und eine der großen Eingangstüren verwendet derzeit das Theater Willy Praml als Tempeltor seiner „Iphigenie“ – seit Jahren liegt die Tür auf dem Gelände der Naxoshalle.

    Und auch die Bilderstrecke im FAZ-Artikel ist immer wieder interessant.



    Ich habe kürzlich eine Ansichtskarte entdeckt, welche den einst auf der Nordostseite des Schauspielhauses gelegenen Garten samt Terrasse zeigt:



    (1904 gelaufene Ansichtskarte, ohne Verlagsangabe)


    Die Fläche ist heute ja komplett überbaut, aber die Fassaden haben irgendwie überdauert, wie man auf diesem Bild der hier schon öfters verlinkten Bilderstrecke sieht.

    Vielleicht zur Erinnerung noch mal hervorholen, was ich im Jahr 2016 dazu gefunden hatte:


    Oh wow das ist ja der Hammer das wusste ich nicht! Aber ich war schon oft dort dann kann man so nicht sehen oder?
    Gibt es da noch mehr oder ist dies der einzige Teil?
    Wo genau ist das? Kann mir das jemand an einem alten Bild einzeichnen zeigen?



    Bitte sei mir nicht böse, aber angesichts eines solchen Bestandes kannst Du mir hier doch nicht allen Ernstes schreiben "im Prinzip das ganze historische Gebäude" sei noch da. Entschuldigung, ich habe immer mehr den Eindruck, dass man hier ob des (nachvollziehbaren Schocks) über diesen unnötigen Verlust des Schauspielhauses sich nun die "noch vorhandene Originalsubstanz" herbei redet.

    Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt:


    Mit "das ganze Gebäude" meinte ich, dass es nicht nur "Teile" sind, was so klingt wie "ein paar kleine Mauerreste" oder "irgendwo hinten eine Ecke". Tatsächlich steht aber der Bau mit seinen alten Mauern und dem Bühnenturm, den man ja auf Luftbildern gut erkennen kann, noch da. Es ist wahrscheinlich mehr oder weniger nur noch eine Art Rohbau, der erhalten ist, aber wir haben hier ja auch schon Bilder von bis heute unversehrt erhaltenem Fassadenzierat u.ä. gesehen, im heutigen Innenhof. Und was hinter eckigen Säulen oder glatten Wänden noch verborgen ist, weiß ich nicht - vielleicht einiges, vielleicht wenig, vielleicht auch nichts. Aber beim Gesellschaftshaus im Palmengarten hätte ich auch nie gedacht, dass hinter den öden Wänden gründerzeitliche Pracht verborgen ist - oft wurde ja bei den modernisierenden Umbauten nicht alles vernichtet, sondern vieles auch nur zugebaut, wie etwa auch beim Reichstag.


    Und mit "historisch" war einfach "alt" gemeint, also nicht im Sinne von "original erhalten", sondern "das alte Gebäude".

    Diese (ganz kurze) Diskussion hatten wir vor ein paar Jahren schon mal. Vielleicht hilft diese Luftaufnahme dabei, sich eine Meinung zu bilden.


    Es scheint auch noch Platz für Erweiterungen, sprich weitere Rekonstruktionen zu geben, es sei denn diese leeren Grünflächen hätte es vor der Zerstörung schon gegeben.

    Nicht nur Teile davon, sondern abgesehen von den beiden geschredderten Schaufassaden im Prinzip das ganze historische Gebäude. Ergibt sich alles durch Lektüre dieses Forums-Strangs.


    Aber Oktavian hat insoweit Recht, als die beiden Fälle tatsächlich nicht vergleichbar sind. Bei der Alten Oper standen alle vier Fassaden komplett mit eher wenigen Schäden, und auch im Innern war noch einiges erhalten - und das wiederum hat man dann beim Wiederaufbau (der eigentlich eher ein Neubau hinter den alten Fassaden war) leider vernichtet; in Frankfurt wechselten sich schon immer herausragende Wiederaufbauleistungen mit erschütternden Abbruchorgien ab, und manchmal traf sogar beides auf einmal aufeinander.

    Zweifellos, ja.


    Aber beim ehemaligen Reichsluftfahrtministerium hätte man (= Bundesregierung oder Bundestag) ja auch zu dem Ergebnis kommen können, dass Hermann Görings einstiger Amtssitz für einen Minister der Bundesrepublik untragbar ist, so dass man das "politisch kontaminierte" Bürogebäude an einen privaten Investor verkauft und für das Ministerium etwas neues baut.


    Aber bei der Garnisonkirche geht es ja um etwas ganz anderes, nämlich um ein schönes, historisches Bauwerk, das ein Stadtbild wieder bereichern soll. Wenn man den städtebaulichen Aspekt in den Vordergrund stellt, kann man auch als linker, atheistischer Pazifist für den Wiederaufbau einer einstigen Militärkirche sein.

    In den alten Markt alias Krönungsweg passt Gastronomie auch nicht wirklich hinein. Es geht m.E. weniger um Gerüche als um Lärm; vor allem aber ist in der relativ engen Gasse kein Platz für Außenbestuhlung, so dass nur sehr kleine Lokale Platz hätten, und einen urigen alten Gewölbekeller gibt's unter den Häusern ja auch nicht - nicht mal einen rekonstruierten, denn unten drunter ist ja die Tiefgarage. Aber auf den Hühnermarkt passt Gastronomie ja drauf.

    Stimmt, und das hasserfüllte "Voll Nazi" aus dem (linken) Feuilleton, den Neudenkern oder der Ex-SED richtet sich erstaunlicherweise immer nur gegen die Garnisonkirche oder andere preußische Bauwerke. Ich habe noch nicht mitbekommen, dass man sich in diesen Kreisen (die ja stets auf dem Hochsitz der Moral sitzen) etwa über die Tatsache echauffiert hätte, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin im ehemaligen Gebäude des "Stellvertreters des Führers" untergebracht ist, oder das Bundesfinanzministerium in Görings "Reichsluftfahrtministerium"

    Zumal letzteres im Gegensatz zu der Kirche auch tatsächlich aus der Nazizeit stammt und nicht nur ein Mal von einem Nazi betreten wurde, sondern einen solchen als Hausherren hatte.

    Die B-Ebene, also die Unterführung zwischen dem Bahnhofsvorplatz und dem Bahnhofsviertel (Bereich Kaiserstraße), die all die Drogenhändler magisch anzieht, sollte m.E. verschwinden. Alles, was unter der Erde ist, zieht das Gesocks an, ist noch schwerer zu kontrollieren, und auch andere Verbrechen fallen weniger auf, für Opfer ist das Entkommen schwieriger und für die Täter leichter. Und wer nicht zusammengeschlagen wird, der läuft durch stinkende Pisse oder Kotze - das alles passiert bevorzugt im Untergrund, und da wäscht auch der Regen nichts weg wie oben unter freiem Himmel.


    Was tun? Einfach zuschütten und den Zugang zu U-und S-Bahn nur noch vom Hauptbahnhof selbst bzw. vom Vorplatz aus belassen, wäre eine Möglichkeit. Das würde aber für Reisende und andere Passanten bedeuten, dass sie immer über die verkehrsreiche Straße müssen, also die Ampel abwarten müssen oder aber sich selbst gefährden. Daher würde ich am liebsten Autos und Fußgänger tauschen lassen: Der Durchgangsverkehr wird unterirdisch am Bahnhof vorbeigeschickt, etwa so wie beim Theatertunnel, und oben fährt nur noch die Straßenbahn; der Rest ist für Fußgänger. Das Ganze wäre vermutlich noch nicht mal so teuer, weil der Tunnel an sich ja schon da ist; nur die Geschäfte müssten raus und Ein- und Ausfahrtrampe dazugebaut werden. Ob die Statik da unten für Autos reicht, weiß ich natürlich nicht, und ein Haken könnte die Deckenhöhe sein, die wohl kaum für Lastwagen ausreicht - es sei denn, man sagt, Lkws können eben nicht durchfahren, sondern müssen einen ganz anderen Weg nehmen.

    Quote

    Schließlich wurde im Nachkriegswestdeutschland mehr Denkmalsubstanz zerstört als in der DDR, denn der Modernisierungsfuror paarte sich hier mit ökonomischer Potenz. Dabei konnten auch ideologische Aversionen eine Rolle spielen, wie das Beispiel des 1960 abgerissenen Braunschweiger Schlosses zeigt. In beiden deutschen Staaten wurden Bauten haftbar gemacht für das, was in ihnen stattgefunden hatte. Heutigen denkmalpflegerischen Standards entspricht das nicht.

    Ja. Und? Das stimmt doch alles.

    Willst Du damit sagen, dass jedes der neugebauten Häuser nach 25 Jahren so heruntergekommen sein wird, dass eine Sanierung nötig wird, die genauso teuer wird wie ein Neubau? Woher kennst Du so genau den Instandsetzungsbedarf jedes Hauses? Tut mir leid, aber das sind alles Allgemeinplätze und geschwurbelte Behauptungen ins Blaue hinein. Wenn Du wenigstens ein konkretes Beispiel benennen und vorrechnen könntest (welches Haus, für das welche Baukosten aufgewendet wurden und das wie viele Wohnungen à wie viel Quadratmeter enthält?), dann könnte man das vielleicht noch nachvollziehen.


    Und dann auch noch der Verweis auf den Bund der Steuerzahler - seit wann ist dessen Meinung denn für irgendein Projekt der öffentlichen Hand ein Entscheidungskriterium? Hier wird ja gerade so getan, als würden wir von einem zweiten BER reden. À propos Flughafen: Den dreimal so teuren Flughafen Kassel-Calden hat man auch durchgeboxt, und nun braucht ihn keiner, und von einer ansatzweisen Auslastung kann keine Rede sein. Hamburg hat die fast zehnmal so teure Elbphilharmonie durchgezogen. Zur Erinnerung: Es geht um ein paar Wohn- und Geschäftshäuser im historischen Zentrum der Stadt, nicht um irgendein abgehobenes Projekt.



    Quote

    Und dann sind wir bei so hohen Mieten, dass sie sich nur die leisten können, die eben gern noch ne Drittwohnung in der Nähe des Flughafens Frankfurt haben wollen.

    Wie schon gesagt: Das mit der Drittwohnung ist bei hohen Mieten wesentlich unwahrscheinlicher als bei Eigentum oder Erbbaurecht.

    Quote from Heimdall

    Und schon damals wäre es politisch kaum durchsetzbar gewesen, eine Fachwerkaltstadt zu bauen, um diese mit städtischen Mietwohnungen zu bestücken. Das hätte geheißen, das Projekt um ca. 88 Millionen Euro zu verteuern (was der Prognose der Verkaufserlöse entsprach),

    Pardon, aber das ist doch eine Milchmädchenrechnung. Die Bewohner hätten ja nicht kostenlos da drin gewohnt, sondern hätten Monat für Monat und Jahr für Jahr (ja, von mir aus zur Not auch recht gesalzene) Mieten gezahlt. Und zwar unbegrenzt, für alle Ewigkeit d.h. so lange, wie die neue Altstadt existiert; zwischenzeitlichen Leerstand hätte man hier wohl ausschließen können.


    Wenn man Mietwohnungen baut, bekommt man naturgemäß nicht auf einen Schlag viel Geld, sondern es kommt im Laufe der Zeit periodisch rein - das ist doch auch nichts neues. Natürlich darf man die Instandhaltung nicht außer acht lassen, aber dafür kommen Mietzahlungen zeitlich ungedeckelt und mit der Möglichkeit der Erhöhung im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten (man kann z.B. auch eine Indexmiete vereinbaren).


    Aber ich verstehe auch die ganze Angst vor leerstehenden Wohnungen reicher Kronberger und einem "toten Freilichtmuseum" nicht. Das Areal ist noch im Bau. Die Eröffnung ist erst im Herbst nächsten Jahres. Wir wissen doch noch gar nicht, wer dort am Ende wohnen wird, als Eigentümer oder Mieter.

    Tja, Eigentümer, Mieter oder - dritte Möglichkeit - weder noch. Die Vermutung ist zumindest nicht ganz fernliegend, denn bei der Ostzeile scheint es so zu sein, und dass Petra Roth aus ihrem Haus im ruhigen, friedlichen Nieder-Erlenbach auszieht, kann ich mir nicht vorstellen. Ein paar abendliche Spaziergänge durch die Altstadt im Jahr 2019 könnten aufschlussreich sein.