Posts by Schloßgespenst

    In jedem anderen Land hätte man das Salzhaus schon aus Gründen der Selbstachtung wiederaufgebaut. Ein Witz, dass ausgerechnet so eine gebaute Naivität der Rekonstruktion eines der wertvollsten Gebäude in Deutschland im Weg steht, weil irgendwelche Bestandswahrer des Nachkriegs-Chics darauf bestehen.

    Wie ich bereits dargelegt hatte, sind allein die immensen Kosten für Abriss und Neubau ein Problem, das man nicht einfach wegwischen kann. Erkläre mal einem Steuerzahler (der nicht im APH-Forum angemeldet und nicht bei Stadtbild Deutschland Mitglied ist), dass die Stadtverwaltung ein intaktes, funktionierendes Gebäude abreißt und stattdessen ein altes Bauwerk rekonstruiert. Wie gesagt, wenn die Bestandsbauten aus irgendeinem Grund sowieso wegmüssten, wäre das etwas einfacher. Was meinst Du, warum Berlin eine Art Stadtschloss zurückbekommt? Weil die Dahlemer Museen marode sind und über kurz oder lang ohnehin teure Neubauten errichtet worden wären - nun macht man's eben etwas größer, teurer und schöner, aber abgerissen und neu gebaut worden wäre ohnehin.


    Eine andere - zumindest denkbare - Variante wäre, Abriss und Neubau (bzw. Fassaden-Umbau bei Frauenstein) durch einen privaten Investor durchführen zu lassen, von dem die Stadt die rekonstruierten Gebäude dann für 30 Jahre anmietet. Oder, falls die Flächen in den beiden Häusern ohnehin entbehrlich sein sollten, man trennt sich ganz davon, und der Investor kauft die Häuser mit der entsprechenden Bauverpflichtung und nutzt sie anderweitig. Oder die Stadt baut wie beim Dom-Römer-Projekt selbst und veräußert die fertiggestellten Rekos bzw. Erbbaurechte daran, und dann wohnt eben jemand da oder richtet seine privaten Büros o.ä. darin ein. Dazu müssten die beiden Häuser irgendwie ausparzelliert werden. Das alles setzt natürlich einen entsprechenden politischen Willen voraus.


    Der große Fehler ist aber schon damals gemacht worden, als man die beiden Häuser nicht originalgetreu (wie den Römer, das Steinerne Haus oder das Goethehaus) und auch nicht leicht vereinfacht (wie andere Teile des Rathauskomplexes), sondern als grobe Neuinterpretation wiederaufgebaut hat.

    Sehr interessant, was da konkret zum Salzhaus in Wikipedia steht:


    "Der originale historische Bau ist dennoch bis heute nicht aus dem kollektiven Gedächtnis der Stadt verschwunden. So gab es noch in den 1980er Jahren in der Bürgerschaft Bestrebungen, auch das Salzhaus im Zuge der Rekonstruktion der Ostzeile des Römerbergs originalgetreu wieder zu errichten, was einzig am Geldmangel scheiterte.
    ......
    Das Salzhaus schreit förmlich nach Rückkehr! Der liebe Gott hat nicht ohne Grund dafür gesorgt, dass noch so viel vom Salzhaus für einen späteren Wiederaufbau überlebt hat ;-)! Ich bin zuversichtlich, dass hier dereinst einmal eine Stadtbildreparatur stattfinden wird. Schade, dass nicht schon in den 1980er Jahren jemand hierfür gespendet hat, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

    Ich hatte schon das eine oder andere mal darauf hingewiesen:


    Das große Problem ist, dass das Nachkriegs-Salzhaus eine völlig andere Stockwerkaufteilung und andere Proportionen hat als das historische Salzhaus. Beim Haus Frauenstein, bei dem die Proportionen m.E. weitgehend übereinstimmen, könnte man dem heutigen Betonbau eine rekonstruierte historische Fassade vorblenden. Das wäre ein vergleichsweise überschaubarer Aufwand. Beim Salzhaus hingegen müsste man mit Ausnahme des (m.E. bereits mit leicht zurechtgestauchten Proportionen) rekonstruierten Erdgeschosses alles abreißen und neu bauen, und dazu noch mit zwei historischen Fassaden. Das kostet natürlich ein vielfaches. Aber es hat natürlich keinen Sinn, das eine zu rekonstruieren und das andere nicht.


    Ich wünschte, man würde bei den beiden Häusern eine Belastung mit Asbest, Naphthalin oder sonstigem Dreck oder irreparable statische Probleme feststellen, so dass sie so oder so abgerissen und neu gebaut werden müssen. Dann würde sich bestimmt eine Mehrheit finden, dann würde sich kaum jemand die 50er-Jahre-Platzhalter zurückwünschen.

    Er hat aber doch Recht. Guck doch, was aus den meisten historischen Kaufhäusern geworden ist. Außer in Görlitz ist mit etwas Glück hier und da noch eine Fassade erhalten. Ansonsten haben Konzerne wie Karstadt bedenkenlos solchePrachtbauten abgerissen und durch solche Klötze ersetzt (nur ein Beispiel aus Wiesbaden). In Italien oder Frankreich mag es anders sein, aber in Deutschland mussten und müssen Kaufhäuser doch meistens immer wieder neu, modern und geräumig sein. Und über Parkdecks verfügen.

    Neuer Markt 18, Eckbau zur Frankenstraße (hat seit 2016 einen besseren Anstrich als hier zu sehen):



    https://commons.wikimedia.org/…chnacker_in_Wikipedia.jpg


    Also, einen besseren Anstrich kann ich auf meinem Foto von 2017 nicht erkennen. Aber ich finde, das ist ein gutes Beispiel für angepasstes Bauen, also einen Füllbau, der sich respektvoll unterordnet und nicht unangenehm auffällt. Natürlich geht es noch viel besser - aber eben auch viel schlechter, wie man an einigen nagelneuen, grottigen Füllbauten in der Frankfurter Neu-Altstadt sehen kann.




    Dieser Plattenbau ist mir auch aufgefallen: Erstaunlich, wie viel Mühe sich vereinzelte DDR-Architekten beim Plattenbauen gegeben haben.




    Im übrigen bin ich im letzten Jahr zu einem Fan dieser Stadt geworden. Es war mein erster Besuch seit 2003. Damals war die Stadt noch reichlich heruntergekommen, nur teilweise saniert. 2017 lief ich durch eine wie aus dem Ei gepellte, tiptop-restaurierte Altstadt aus einem Guss, jedes Haus eine Augenweide - Wahnsinn. Hier könnte man glatt leben... cclap:)

    Dass Mike Josef nun das (erfolgreiche) Altstadt-Konzept möglichst rasch ad acta legen möchte, ist doch bekannt.

    Mir schon, aber einigen hier war es offensichtlich noch nicht bekannt.


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    Ihm und OB Feldmann geht es vor allem darum, sich durch den Bau neuer Trabantenstädte auf heute noch vorhandenen Grün- und wertvollen Ackerflächen zu profilieren.

    Das können sie meinetwegen auch gerne tun, zumal eine Trabantenstadt vor den Toren einer Großstadt heutzutage nicht unbedingt so aussehen muss, sondern auch so aussehen kann, also nicht per se etwas schlechtes ist. Aber solche Projekte schließen ja Rekonstruktionen im historischen Stadtkern nicht aus; man käme sich dabei ja gerade nicht ins Gehege. Mir würde es reichen, wenn ein Dezernent sich nicht für Rekos interessiert, sie aber auch nicht aktiv verhindert.

    Es hat aber auch niemand gesagt, dass nach dem Dom-Römer-Projekt nichts mehr von der Sorte kommt.

    Doch, genau das hat jemand gesagt. Und zwar nicht irgendjemand, sondern ausgerechnet der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef.


    Weitere Rekonstruktionen zerstörter Gebäude lehnt er allerdings ab. Dadurch würde die neue Altstadt ihre Einmaligkeit verlieren.


    Er ist knapp 35 Jahre alt, also noch ein paar Jahrzehnte vom Ruhestand entfernt; da kann man nur hoffen, dass er sich in absehbarer Zeit ein anderes Betätigungsfeld sucht.

    Schöne Neuigkeiten, auch wenn das historische Dach offenbar leider nicht rekonstruiert werden soll (dabei würde damit sogar einiges an zusätzlicher Nutzfläche herausspringen). Dennoch ein schönes Gebäude. Man vergleiche nur mal mit dem denkmalgeschützten, gerade mal 18 Jahre jüngeren Ledigenheim in Frankfurt.

    Sehe ich auch so... ich muss dem Wallfahrtsdom in Neviges durchaus eine gewisse künstlerische Ästhetik beimessen, von den jüngeren Kirchen ist diese aufgrund der Andersartigkeit m.E. eine der besseren.

    Richtig, solche Kirchen sind wahrlich nicht das Problem. Ich gestehe ihnen gerne eine Koexistenz mit schönen, alten Kirchenbauten zu - solange diese nicht dafür weichen müssen bzw. mussten.

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    Für mich ist jede Rekonstruktion doch immer ein Museum, es ist Kulisse. Das hat sogar Fried Lübbecke nach dem Krieg gesagt, der so etwas auch nicht wollte. Er hatte zusammen mit dem Denkmalpfleger Zimmermann bei der Beibehaltung der Struktur etwas Zeitgemäßes geplant, aber keine Rekonstruktion.

    Interessant. Wäre es nach Fried Lübbecke gegangen, hätte man zwischen Dom und Römer wohl so weitergemacht wie beim Salzhaus und Haus Frauenstein. "So'n bisschen ähnlich wie früher mit ein paar Spolien, aber sonst doch eher modern". Naja, teilweise wird ja nun genau das gemacht.

    Naja, man könnte sie vielleicht noch vor den Restaurant-Flachbau quetschen. Aber dann stünde die Kuppel (Bild) ja halb auf der Aussichtsterrasse (Bild), halb auf dem Dach, das nicht mehr die Form wie vor der Zerstörung hat - das sähe seltsam aus. Die Kuppel würde Platz wegnehmen sowie vor allem die Sicht versperren, und der gläserne Bauhaus-Pavillon voller Leichtigkeit käme nicht mehr richtig zur Geltung, sondern würde teilweise durch einen wilhelminischen Klump verdeckt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemals in Erwägung gezogen wird. Man bedenke, dass nach wie vor die Leute entscheiden, die auch, ohne dass die Meinung des Fördervereins sie interessiert hätte, entschieden haben, dass eine Aussichtsterrasse mit Restaurant aufs Dach kommt - die Leute, die möglichst viel Museum und möglichst wenig Schloss haben wollen.

    Von Verschwörungen hat niemand etwas gesagt, auch wenn Du den Begriff gleich drei Mal verwendest. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass der nordwestliche Gebäudeteil so geplant und gebaut wurde, dass der Weiße Saal nicht mehr (nicht einmal in seiner Grundstruktur) rekonstruierbar ist. Das ist eine Tatsache. Wenn das nicht mit dem Umstand zusammenhängt, dass der Weiße Saal einem Umbau aus der Zeit Wilhelms II. entstammt - womit dann? Und die Seitenkuppeln können nicht nur "erst mal nicht", sondern gar nicht wiederkommen, weil die Dachterrasse mit Restaurant auf das Dach gesetzt wird. Oder willst Du auf der Südwestseite eine einzige Seitenkuppel errichten?

    Bereits seit Jahren steht auf der Seite des Fördervereins:

    http://berliner-schloss.de/akt…er-schloss-humboldtforum/

    ...aber das Geld für die Dachterrasse mit Restaurant steht ja zum Glück schon bereit. Und die wird auch gebaut - und wo soll dann da noch eine Eckkuppel hin? Für zwei hässliche, den Bau verschandelnde Betonklötze war auch Geld da - und niemand ist auf die Idee gekommen, die darin unterbrachten Funktionen, deren Notwendigkeit ohnehin zweifelhaft ist, in den rekonstruierten Seitenkuppeln unterzubringen. Und da glaubst Du noch an eine spätere Rekonstruktion? Der Förderverein hat hier eben - leider - nicht das Sagen. Sonst wären wohl auch nicht bezüglich des Weißen Saals Fakten geschaffen worden.

    Natürlich nicht. Die stammen aus der Regierungszeit Wilhelms II. und sind deshalb wie alle baulichen Zutaten aus dieser schrecklichen Ära geächtet und tabu und werden konsequent verleugnet. Deshalb hat man ja auch von Anfang an dafür gesorgt, dass eine spätere Rekonstruktion des Weißen Saals garantiert unmöglich ist. Denn der war ja auch böse. Glücklicherweise stammt die Kuppel aus den 1840er Jahren, sonst könnten wir uns die ebenfalls in die Haare schmieren.

    Ja, aber als Horrormeldung. Wer von der Fachpresse gelobt und getätschelt werden will, - darum geht es ja - der muss eben so etwas bauen wie die Forchheimer Stufenpyramide.

    Danke für die Bilder. Man kann sicherlich nirgendwo in Frankfurt schöner aus der U-Bahn kommen, außer vielleicht an der Station Alte Oper, wo man aber den Kopf drehen muss - hier steuert man direkt auf die Goldene Waage zu. Die Lösung, den U-Bahn-Zugang so "einzuhausen", ist brillant. Wenn man das mal mit früher vergleicht, als man unter freiem Himmel rauskam und dann neben dem fiesen Technischen Rathaus stand...