Posts by Schloßgespenst

    In der Tat. Aber, wie schon mehrfach geschrieben, wurde eine Rekonstruktion vor wenigen Jahren erst aufgrund der Kosten seitens der Stadt verworfen und stattdessen das flache Metalldach aufwändig saniert.

    Richtig. Und, das macht die Sache besonders ärgerlich, offensichtlich war um die Jahrtausendwende das Geld für eine Reko noch da. In dem unten verlinkten Artikel zu der Flachdachsanierung aus dem Jahr 2012 wird es indirekt angesprochen:

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    Es ist also keine Rede mehr von dem Plan, das provisorische Dach der 60er Jahre auszubauen und aufzustocken, um „das Erdgeschoss in Teilbereichen für Läden und Einzelbetriebe“ umnutzen zu können. Das hatte vor mehr als zehn Jahren, als Frankfurt eine „Kulturmeile Braubachstraße“ entwickeln wollte, ein Architektenwettbewerb gefordert. Als dann die Entwürfe für das neue Dach gefunden waren, gefielen sie dem Magistrat nicht und wanderten in die Amtsschubladen.

    Der Rathaus-Nordbau am Paulsplatz wird für 4,6 Millionen Euro saniert. Allerdings in einer Sparversion ohne die einst geplante große Umgestaltung.


    Wie bereits mehrfach erwähnt, hatte der damalige Wettbewerb grauenhafte Entwürfe hervorgebracht, von denen dieser noch lange nicht der schlimmste war - aber auch eine fast originalgetreue Rekonstruktion des Daches. Die Ecktürme waren mit dabei, der Architekt hatte nach meiner Erinnerung lediglich die Gauben durch merkwürdige Schlitze im Dach ersetzt, und genau das hatte den Preisrichtern missfallen. Es war zunächst die Rede davon, dass dieser Entwurf in die engere Wahl komme und überarbeitet werden solle. Und dann schmiss die Stadt plötzlich hin, teilte das Preisgeld unter allen 22 oder 24 Teilnehmern auf und verfolgte das Projekt nicht weiter. Ich habe bis heute nicht ganz verstanden, was da damals ablief, vielleicht hatten die Verantwortlichen plötzlich wegen der Kosten die Hosen voll - aber wir standen auf jeden Fall schon einmal kurz vor einem rekonstruierten Mansarddach.

    Richtfest fürs „Blobel-Haus“

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    „Wir haben unseren Frieden mit dem Bau gemacht. Er fügt sich hier jetzt wunderbar ein. Es wäre ein Fehler, wenn man das ignorieren würde. Von den Proportionen her kann ich die Argumentation von Blobel und von Kaiser schon nachvollziehen. Gerade was das erste Obergeschoss anbetrifft. Das ist schon besser als der Vorgängerbau“, räumte Torsten Kulke, der Vorsitzende der GHND, ein.

    Hmm... wie darf man das verstehen?

    Niemand der Verantwortlichen dürfte derzeit auf die Idee kommen, dieses Außenteil der Rotunde abzureißen.

    Nun, von "derzeit" hat auch niemand etwas gesagt. Es ging eher um "am ehesten eines Tages möglich", also um eine langfristige Option, d.h. wenn man in absehbarer Zeit mit Situation mit der großen Lücke und dem U-Bahn-Eingang nicht mehr zufrieden ist und den Bau eines Solitärs über der Rolltreppe als städtebaulich unbefriedigend empfindet, dann wäre dies eine denkbare Lösung.

    Kommen wir noch einmal darauf zurück:


    Quote from erbse

    Die Schirn muss umziehen!

    Umziehen kann und wird sie nicht, und ein Abriss ist in den nächsten Jahrzehnten völlig illusorisch, das dürfte unstreitig sein.


    Aber was zumindest denkbar wäre, ist ein Teilabriss: Wenn man den rechts zu sehenden halbrunden, verglasten Teil hinter dem (bereits abgebrochenen "Tisch") abreißen, also die Rotunde "freilegen" würde, nähme man der Schirn nur einen kleinen Teil weg, nämlich das Schirn-Café, das für die eigentliche Nutzung entbehrlich ist. Die Ausstellungsräume, also das, worauf es eigentlich ankommt, liegen in dem langgestreckten Querriegel und blieben unangetastet. Und schlechter als heute aussehen würde das Gebäude mit einer freigestellten Rotunde m.E. auch nicht, vielleicht sogar besser. Und man könnte die gesamte restliche Südseite des Marktes rekonstruieren.



    Quote from Riegel




    Man sieht vielleicht, dass die Fassade nicht einfarbig ist, sondern durch einen helleren und dunkleren Ton gegliedert farblich wurde. Mir gefällt das jedenfalls besser als die doch etwas in die Jahre gekommene bzw. fast kitschige gelb-braune Farbe des Altbaus daneben.






    Ich finde die Farben auch zu knallig, und ob das Kackbraun mit dem satten, fast gelben Ocker historisch korrekt ist, darf man wohl bezweifeln. Vor allem aber der jetzt neu entstandene scharfe Kontrast ist m.E. problematisch. Es wirkt, als hätte man eine alte Schwarz-Weiß-Aufnahme in ein Farbfoto hineinkopiert.


    Das linke Haus müsste etwas farbiger werden, und das rechte Haus im Gegenzug etwas dezentere Farben erhalten; ein dem Farbton des Mainsandsteins ähnliches Rotbraun neben einem blasseren Beige fände ich gut. Aber das sind zum Glück Dinge, die man später noch korrigieren kann, wesentlich leichter als z.B. die verrutschten Fenster bei der behämmerten Goldenen Schachtel.

    Die einzigen die sich von eventuellen Urheberrechtsklagen beeindruckt zeigen, sind die Politiker.

    Da hast Du wohl noch das Theater um den "Tisch" vor der Schirn im Kopf, dessen Abriss dem gierigen Architekten eine sechsstellige Summe eingebracht hat. Aber es wäre m.E. naiv, zu glauben, dass die Architekten der Füllbauten alles mit sich machen lassen. Zum einen hat der Kollege ihnen vorgemacht, wie es geht, und zum anderen haben die alle einen öffentlichkeitswirksamen Wettbewerb gewonnen und sich in einem Bauprojekt verewigt, das bundesweit beachtet und medial begleitet wird. Und sie haben sich bewusst gegen angepasste oder gar historisierende Architektur und für schräge, provokative Formen- und Materialwahl entschieden. Da kann man sich vorstellen, dass man mit dem Ego eines einzelnen Architekten den Hühnermarkt füllen könnte - und wie die sich wehren würden, wenn jemand an ihrem "spannenden Kontrast" rütteln will!


    Der einzige gangbare Weg ist, den jeweiligen Architekten selbst mit dem Umbau seiner eigenen Fassade zu beauftragen. Wenn das Honorar stimmt, tun die ja so einiges und drehen sich auch mal um 180 Grad, siehe Jochem Jourdan, der vom Modernisten und scharfen Rekonstruktionsgegner vorübergehend zum begeisterten Fachwerk-Rekonstrukteur wurde.

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    Ich wage es zu bezweifeln, dass ein Architekt - sollte er den Klageweg bestreiten - tatsächlich auch letztinstanzlich noch Erfolg hätte, denn das geistige Eigentum am Entwurf wird durch Umbaumaßnahmen doch überhaupt nicht berührt.

    Wenn man die Fassade austauscht - und darauf liefe es ja zumindest bei Härtefällen wie der Hundehütte hinaus - ist selbstverständlich das geistige Eigentum des Architekten berührt. Und zwar bis 70 Jahre nach seinem Tod. Der Architekt der Gießener Zeile im Hessenpark hat sich vor ein paar Jahren wegen eines ohne sein Einverständnis am rückseitigen Eingang angebrachten Windfangs (!) aufgeblasen und wie ein Rumpelstilzchen sein Urheberrecht verteidigt und mit rechtlichen Schritten gedroht - wohlgemerkt "sein Urheberrecht" an Fassaden, die vor einigen Jahrhunderten ganz andere Leute entworfen hatten. Zugegeben, ein Extremfall, aber Architekten, die an einem so prominenten Projekt mitgewirkt haben, traue ich alles in dieser Richtung zu.



    Es gehört zwar nicht hierher - aber mir fällt bei solchen Perspektiven wieder auf, wie vorbildlich doch beim Quartier II.1, links im Bild die Dachgestaltung ist - es wirkt von oben wie eine gewachsene Dachlandschaft, und trotzdem gibt es Dachterrassen und einen Mini-Lichthof. Das Quartier ist vor gut 10 Jahren entstanden, und besser ist es am Neumarkt seitdem hinsichtlich der Dachgestaltung nicht geworden, sondern schlechter. Der Quartier-II.1-Architekt hat einfach nur die Tatsache berücksichtigt, dass man von der nahen Frauenkirche aus alles von oben sehen kann - eine Selbstverständlichkeit, könnte man meinen. Schade, dass das nicht zum Maßstab für später realisierte Objekte wurde.

    Diese Häuserreihe ist wirklich komplett missraten. Und das direkt am Markt!

    Da sind wir mal einer Meinung.


    Aber Hoffnung auf eine Verbesserung kann man kaum haben, denn selbst wenn ein einziger Millionär alle fünf Murkshäuser kaufen und die Fassaden gründlich umgestalten wollte - es bliebe als schwer überwindbares Hindernis immer noch das verfluchte Urheberrecht der Architekten, die sich jede noch so kleine Änderung verbitten, und "verbitten" heißt in diesem Fall im Zweifel Einstweilige Verfügung etc. Leider.

    Wenn wir jetzt anfangen, sogar solche Neubauten zu verteufeln und in den Dreck zu ziehen, die in ihrer Formensprache durch und durch traditionell sind, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir nicht mehr Ernst genommen werden.

    Entschuldige mal - ich habe hier nichts "durch den Dreck gezogen", sondern Kritik geübt und diese auch begründet. Du kannst gerne anderer Meinung sein, aber mehr auch nicht.


    Quote from erbse

    Ganz genau. Das ist an dieser Stelle nicht meckern auf hohem Niveau, sondern einfach überflüssige und pingelige Kritik. Die Braubachstraße ist hervorragend gelungen! Ich sehe dieses Ensemble sogar als richtungsweisend für innerstädtische Neubauten an.

    Und Du hast mir gerade noch gefehlt. Du kannst hier gerne den Jubelperser geben, der alles restlos super findet, aber als "überflüssig" muss ich mir meine kritischen Anmerkungen ausgerechnet von Dir nicht bezeichnen lassen.


    :augenrollen:

    Mich stört nicht nur der Anblick, sondern auch die Intention des Architekten. Wenn man das Dom-Römer-Projekt nicht mit modernistischem Firlefanz wie asymmetrischer Fensteranordnung torpediert, dann eben mit Sichtbeton. Ja, und den verteufele ich. Auch wenn das von Dir gezeigte Beispiel aus der Schweiz gar nicht so schlecht aussieht - hier in der Frankfurter Braubachstraße handelt es sich eben um die Nachbildung einer Fassade, die vor über 100 Jahren überwiegend aus Naturstein war - und bestimmt nicht so betongrau aussah.

    Zu Braubachstraße 31: In diesem Artikel, welches nur noch über das Webarchiv auffindbar ist, heißt es, dass das grau die ursprüngliche Farbe ist, und dass der bislang rot-gelbe Nachbarbau "Braubachstraße 33" ebenfalls in einem "warmen grau" angestrichen werden soll. Die beiden Gebäude bildeten ursprünglich ein Ensemble, auch hat "Braubachstraße 33" sein Obergeschoss verloren. Es wurde nicht wiederaufgebaut.


    Ich frage mich nur, wie aktuell das noch ist. ?(

    Nicht nur das veränderte Tell-Zitat zeigt, dass die Braubachstraße 29 eher eine Reminiszenz an das einst von Senf errichtete Gebäude wird, das Christoph Thomas vom Büro Knerer und Lang als am Übergang vom Jugendstil zur Moderne beschreibt. So hatte Senfs Haus etwa eine Natursteinfassade, die mit einigen Betonelementen versehen war. Der Neubau bekommt nach Thomas’ Angaben eine Sichtbetonfassade.


    „Das Ziel ist es, mit vorhandenen Fotos das Gebäude in seiner Kubatur und Form wiederherzustellen, aber mit anderen Mitteln“, sagt Thomas am Dienstag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Wir haben versucht, eine eigene Sprache zu entwickeln.“


    Ich wusste es.


    Und Sichtbeton hätte im Dom-Römer-Projekt m.E. nicht zugelassen werden dürfen.

    Schon lange. Das Betonhaus hat ja zur Finanzierung des Fortunaportals seine Schuldigkeit getan, gefiel Jauch abr offenbar nach ein paar Jahren nicht mehr. Potsdam färbt geschmacklich ab....

    Interessant. Ich konnte ohnehin noch nie nachvollziehen, wie man - als Wahl-Potsdamer, der mit einem solchen Privatvermögen ausgestattet ist - in einem langweiligen Neubau wohnen kann. Wenn man doch eigentlich nur die Qual der Wahl hat...

    Man müsste noch in einem zweiten Schritt die Straßenbahn in die Berliner Straße verlegen (da ist eh Hopfen und Malz verloren) und die Straße zur Fußgängerzone machen....

    Widerspruch! Die Straßenbahn fährt seit über 100 Jahren da durch und gehört zur Altstadt. Das ist ja gerade jetzt einer der reizvollsten Fahrtabschnitte, und der Ebbelwei-Express fährt schließlich auch hier entlang. Dann sollte man lieber die Autos aus der Straße verbannen.

    Nochmals: Der Glauburger Hof, Braubachstraße 31, ist eine Fassadenrekonstruktion. Nur die Ornamentik wurde etwas verändert.

    Sicher, und formal ist die Fassade auch sehr gelungen. Aber die Farbe eben leider nicht. Wenn man diese mit der Ursprungsfassung vergleicht, so ist die Fassadengestaltung nach der Überarbeitung natürlich erheblich verbessert, aber die Farbe, ein Ockerton, wäre nach der vorherigen Planung besser gewesen. Ich werde den Eindruck nicht los, als wolle der Architekt mit dem Betongrau eine zu große Nähe zum Original vermeiden und klarstellen, dass es eben doch alles "nicht echt" ist. Von mir aus ist das Jammern auf hohem Niveau, aber es ist eben so unnötig und nicht erklärbar (wenn man sich nicht meinem Erklärungsversuch anschließen möchte).

    Die Geschmäcker sollen ja verschieden sein, aber ich finde die betongraue "Rohbaufassade" des Glauburger Hofes nicht schön. Hat was von der Berliner U-Bahnstation am Bundestag.....

    Das ist mir - auch vor Ort - auch schon unangenehm aufgefallen. Ich kann nur hoffen, dass man sich irgendwann zu einem Anstrich entschließt. Sichtbeton geht gar nicht.

    Es ist, wie es ist - die gesamte Häuserzeile ist von links nach rechts ein komplett vermurktes Konstrukt, mit verfälschenden und verzerrten Nachahmungen der historischen Vorgängerbauten, entworfen und finanziert von arroganten Ignoranten. Aber: Mir ist das alles immer noch lieber als das, was dem Neumarkt vor ein paar Jahren an derselben Stelle stattdessen blühte oder besser gesagt drohte, nämlich so etwas oder das hier.

    Das Haus Wanebach müsste ja ebenfalls mit aufgebaut werden. Die drei derzeitigen Ersatzbauten sind ja baulich eng miteinander verknüpft, da kann man nicht mal eben nur so das neue Salzhaus abreisen....leider....

    Also das zweite von links. Hier links angeschnitten sieht man den heutigen Bau. Hmm, vielleicht sollte man kleiner anfangen und dem Goldenen Schwan, auf beiden Bildern zu sehen, sein Originaldach zurückgeben. Das wäre im direkten Vergleich ein Klacks... smile:)