Posts by Schloßgespenst

    Hoffentlich werden die Bauwerke zukünftig besser überwacht.

    Wünschenswert, aber vermutlich kaum machbar. Selbst wenn der rekonstruierte Goetheturm künftig die ganze Nacht von einer Kamera überwacht würde, würde diese wohl auch nicht jeden Winkel erfassen, und wenn sich dann eine vermummte Gestalt im Dunkeln ranschleicht, wird man ohnehin nichts verwertbares erkennen können. Die Chance, dass dieses Stück Sch... irgendwann geschnappt wird, ist eher gering. Ich denke, der neue Turm müsste einfach schwer entflammbar sein und mit selbsttätigen Löschvorrichtungen (Sprinkler) ausgestattet werden, wenn man ihn effektiv schützen will. Oder eben nicht mehr aus Holz bestehen.

    Dass die in der ausgebrannten Ruine stehengebliebenen Säulen damals überhaupt weggerissen wurden, ist schon ein Hammer. Andererseits: Wer weiß - hätte man die Ruine als Mahnmal stehengelassen, würde sich vermutlich heute niemand dranwagen. Außer der Dresdner Frauenkirche fällt mir keine als Mahnmal erhaltene Kirchenruine ein, die später aus ihrem Ruinendasein erlöst und wiederaufbaut worden wäre (wobei ich die zunächst aus diversen Gründen nicht und dann später doch wiederhergestellten Gotteshäuser wie die Magdeburger Johanniskirche oder den Königsberger Dom nicht mitzähle).

    In der heutigen Papier-Ausgabe der FAZ heißt es, Untergruppierungen von FDP und SPD haben eine Debatte angestoßen, an der sich nun auch Vertreter von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung beteiligen. Die SPD im Ortsbeirat 1, der auch für die Altstadt zuständig ist, hat inzwischen einen Antrag vorgelegt, in dem sie ein neues Dach und die Wiederherstellung der historischen Empore samt Säulen fordern. Die SPD hofft dabei auf finanzielle Unterstützung durch den Bund. Eigenartigerweise hat neben SPD und FDP die Linkspartei für den Antrag gestimmt und neben den Grünen ist die CDU dagegen.


    Der Baudezernent Schneider und der Planungsdezernent Josef zeigen sich bislang "ambivalent". Schneider verweist u.a. darauf, dass zunächst geprüft werden müsse, wie genau ein zu rekonstruierender früherer Zustand dokumentiert ist und ob eine hölzerne Empore mit heutigen Brandschutzvorschriften vereinbar ist. Josefs Sprecher sagt immerhin, man wolle Rekonstruktionsideen nicht gleich eine Absage erteilen, andererseits habe das Bauwerk in seinem heutigen Erscheinungsbild einen "eigenen Stellenwert".

    Hab ich neulich in der Papier-FAZ gelesen und war echt bewegt von zu viel Engagement.

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    „Jedes Haus, das steht, ist rettbar, das ist mein Prinzip“


    Wahnsinn - warum gibt es nicht viel, viel mehr von solchen großartigen Menschen? Ich ziehe meinen Hut vor den beiden!

    Das stand heute auch in der FAZ. Ich könnte das Kotzen kriegen - so ein ortsbildprägendes Schmuckstück wird zugunsten von zwei Reihenhäusern plattgemacht. :kopfwand:
    Und in der FAZ stand, die Denkmalschutzbehörde habe das Haus besichtigt, aber festgestellt, dass man es nicht unter Denkmalschutz stellen "kann".


    Hier heißt es:


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    So gab es beispielsweise mit einem Referenten vom Landesamt für Denkmalpflege eine Besichtigung vor Ort innen und außen – mit dem Ziel, das Haus unter Denkmalschutz zu stellen. „Ergebnis der Behörde: Eine Unterdenkmalschutzstellung kommt laut Landesamt nicht in Frage“,

    Was heißt eigentlich "nicht können", "kommt nicht in Frage"? Es ist enttäuschend, dass solche Aussagen in den beiden Artikeln einfach so wiedergegeben werden. Da muss ein Journalist doch zumindest mal nachhaken und fragen "Warum denn nicht" bzw. "Kann es sein, dass Sie es nicht wollen?" o.ä.
    Es ist doch auffällig, wie viel unter Denkmalschutz gestellt wird und wie viel nicht. Die Behörde hat doch einen Ermessensspielraum, und mit einer ordentlichen Begründung kann man mit Sicherheit so ziemlich alles schützen, was man will.

    Offensichtlich ist Behindertengemeinschaft nicht sehr zufrieden mit der neuen Altstadt. Es wäre jetzt gut, wenn die Dom-Römer GmbH auf sie zugeht, auch wenn es nur eine Hand voll Gebäude sind, die im Fokus der Kritik stehen. Eine Modifizierung der Feinheiten für Behinderte würde sowohl die Lebensqualität erhöhen, als auch das Image verbessern.
    http://www.fnp.de/lokales/fran…refreiheit;art675,2938540

    Eine etwas bornierte Haltung, wie ich finde. In Berlin hat das beim Humboldtforum bekanntlich dazu geführt, dass das Dach durch Betonkästen verschandelt wird, weil unbedingt ein Aufzug eingebaut werden musste, damit jeder barrierefrei auf die (ohnehin schon massiv störende) Dachterrasse gelangt. Hier in Frankfurt hat man offenbar fast durchgehend Lösungen gesucht und gefunden, und nun wird trotzdem noch gemeckert. Irgendwann ist auch mal gut...


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    Bis auf eine Ausnahme können zwar alle Gewerbeeinheiten behindertengerecht betreten werden – abschüssiges Gelände wurde begradigt, Aufzüge in Häusern installiert, Eingänge mit Rampen versehen. Aber: Nicht alle Gebäude sind, wie von der FBAG erhofft, für Behinderte auch über den Haupteingang erreichbar. Konkret stört sie, dass Behinderte bei vier Gebäuden nur einen Nebeneingang nutzen können, in einem Fall per Klingel eine mobile Rampe anfordern müssen und beim „Roten Haus“ sogar nur der Straßenverkauf stufenlos erreichbar ist, nicht aber der Innenraum.

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    Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH kann die Kritik zwar nachvollziehen, hält sie aber für polemisch. „Die Hintereingänge, von denen immer die Rede ist, sind normale Eingänge.“ Die Stadt habe viel in die Barrierefreiheit investiert. Bei der „Goldenen Waage“ habe man beispielsweise ein ganzes Gebäude nur für die Erschließung aufgewendet. „Wir haben es so gut gemacht, wie möglich“, sagt Guntersdorf. Einfach sei das nicht gewesen. Die Stadt musste ihre Pläne etwa der engen Bebauung und den historischen Vorgaben anpassen. Die ursprünglichen Alstadtgebäude seien eben nicht barrierefrei gewesen. „Bis auf eine Ausnahme kommt jeder überall hin.

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    Auch, dass es sich bei den Gebäuden um historische Rekonstruktionen handle, lässt sie als Argument nicht gelten: Letztlich seien es doch Neubauten und keine Originale. Und diese sollten ausnahmslos barrierefrei sein. „Ich verstehe nicht, warum die Stadt im Fall der Altstadt Ausnahmen macht.“

    Ja, das gefällt mir auch sehr gut. So hätten viel mehr Gründerzeit-Baulücken gefüllt werden können. Ist zwar nicht Patzschke, aber tausendmal besser als das meiste von dem, was heute als modern und cool in solche Ecken und Lücken reingekotzt wird.

    Warum sie notwendig sind, wurde im DAF von Benutzer "morgenroete" erläutert. Ist offenbar eine Vorschrift der Feuerwehr, siehe hier:


    http://www.deutsches-architekt…hp?p=596722&postcount=939

    Hand aufs Herz - weißt Du auch, was genau das Blinklicht bringen soll? Das wird da nämlich nicht erklärt. Von "erläutern" kann man da nicht gerade sprechen. Kann es jemand erklären? Soll die Feuerwehr anhand des Blinklichts erkennen, welches Haus brennt? Und warum sehe ich weit und breit, in Frankfurt und in engen Altstädten anderorts keine anderen Häuser mit so einem Ding?

    Aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Möglichkeit einer Rekonstruktion der Nordseite des Marktes zwar vorhanden war, nicht jedoch die Praktikabilität der Rekonstruktionen, finde ich persönlich das Ergebnis durchaus gelungen.

    Was meinst Du denn damit? Dass rekonstruierte Gebäude an dieser Stelle nicht richtig nutzbar wären? Dabei geht es mir an der Nord-West-Seite des Marktes gar nicht so sehr um Rekonstruktionen, sondern darum, dass hier so ziemlich die schlechtesten Entwürfe realisiert wurden - es gab genügend gute Alternativen unter den Wettbewerbsbeiträgen, aber ausgerechnet die wurden aussortiert. Mit einer Zeile aus vier oder fünf angepassten Füllbauten (leider sind die ausgeschiedenen Beiträge nicht verfügbar, ich finde sie jedenfalls nicht), die das Original vereinfacht nachbilden oder aber sich mit ihrer Formensprache harmonisch einfügen, wäre ich zufrieden gewesen.

    Für mich steht angesichts dieser lausigen Häuserzeile bereits seit langem die Route fest, die man nehmen sollte, wenn man auswärtige Besucher mit einem kurzen Altstadt-Rundgang beeindrucken möchte:


    Mit der U4 bis Haltestelle Dom/Römer, dort den Aufgang wählen, mit dem man aus dem Haus Markt 8 (Großer Rebstock) heraustritt und direkt vor der Goldenen Waage steht. Nachdem man letztere bewundert hat, schlendert man ein wenig westwärts bis vor Markt 28 (Gewürzgarten) und Markt 26 und wendet sich dann dem roten Haus zu. Dann dreht man um und geht nach Norden auf den Hühnermarkt. Nachdem man den Blick in alle Richtungen hat schweifen lassen, läuft man durch die Gasse Hinter dem Lämmchen zum Römerberg. Für den Rückweg steht als Alternative zur U-Bahn (nach erneuter Passage der Gasse HdL) der Durchgang am Esslinger vorbei zur Braubachstraße zur Verfügung. Dort nimmt man die Straßenbahn.




    Das Thema ist leider vom Tisch. Der Brunnen bleibt, wo er ist und kommt nicht vor die Goldene Waage. Denkmalschützer hatten befürchtet, dass er einen Transport nicht unbeschadet übersteht. Stand gestern in der FAZ.

    Wollen wir hoffen, dass die gegenwärtige Aufstockung bleibt. Jeder Glaube an eine Rekonstruktion des Erbauungszustandes dürfte sich ohnehin als Illusion erweisen. Wenn es mies läuft, dann lassen sie einen Kulka ran und es wird wie das Sanierungsergebnis des Senckenberg Museums. Oder es gibt gleich ein Staffelgeschoss zur besseren Raumausnutzung.

    Treffend und erschöpfend beschrieben. Genau das befürchte ich auch.


    Und auf dem Luftbild sieht man auch gut, dass der Bereich des "großen Inenhofs" mit dem vorderen Teil ein sehr harmonisches Ensemble bildet. Und leider wird das meiste davon abgerissen, weil man die Fläche mit einem Hochhaus bebauen darf und der Investor das sicher auch tun wird. Schade, ich hätte mir in den Bauten aus der Kaiserzeit ein Hotel gut vorstellen können. Abreißen könnte man die häßlichen 60er-Jahre-Anbauten - aber das reicht Investoren natürlich nicht.


    http://www.hessenschau.de/wirt…m-verkauf-details100.html



    Leider sind die historischen Fotos von dir @Schloßgespenst allesamt nicht mehr von ImageShack abrufbar (siehe). Vielleicht kannst du die nochmal in die APH-eigene Galerie hochladen? Alte Bilder von dem Bau wie auch Innenaufnahmen sind an sich sehr schwer zu finden im Netz. Vllt. kann ja jemand noch welche ergänzen, danke!

    Ja, danach hatte mich vor Wochen hier schon jemand gefragt. Jetzt sitze ich eh am PC, und im Fernsehen läuft nur der Heidi-Klum-Mist - also ich stell mal was zusammen.

    Der Ruf nach Rekos ist nur deshalb so laut, weil die Gegenwartsarchitektur so schlecht ist.

    Nein, nicht nur. Auch und nicht zuletzt deshalb, weil im Zweiten Weltkrieg und den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten so entsetzlich viel von der historischen Architektur vernichtet worden ist. Es fehlt einfach so vieles, was man vermisst und gerne zurückhätte. Welches andere europäische Land ist denn in einer vergleichbaren Situation? Am ehesten vielleicht noch Polen, aber dort hat man sich schon frühzeitig einiges zurückgeholt. In Frankreich etwa ist Rekonstruktion kein Thema, weil die Altstädte und die gründerzeitlichen Prachtbauten alle noch da sind. Ausnahmen wie Royan mag es geben, aber sonst: Schau Dir nur Straßburg an - wen soll da das Thema Rekonstruktion interessieren?