Posts by Schloßgespenst

    Ach ja, das ist ja die alte Streitfrage zu diesem Thema:
    Was ist das schlimmste:


    a) daß die Keller abgerissen werden
    b) daß am Neumarkt teilweise modernistische Architektur entsteht
    c) daß die Wände aus Beton gebaut werden
    d) wenn gar nichts passiert und die Brachen um due Frauenkirche bleiben


    (Sie können noch jemanden anrufen...)


    Für so ziemlich jede der 4 Anworten haben wir hier im Forum jemanden gehabt, der "hier" schreit, und jeder hat auch irgendwie recht. Mich ärgert auch auch alles maßlos. Aber da ich deswegen weder mich noch Herrn Prisco aufhängen werde (ersteres bringt nichts, letzteres ist strafrechtlich relevant), muß ich mich irgendwie mit dem ganzen arrangieren.


    a) Schwerer Verlust. Andererseits: Wieviele alte Keller besichtige ich denn in anderen Städten, gehe ich nicht meistens sowieso am Gbeäude vorbei und freue mich an der Fassade? Und wie einzigartig sahen die meisten der Keller hier wirklich noch aus? Naja...


    b) Ätzend, diese Glasdächer! Da hilft einem eigentlich nur die Hoffnung, daß das Gebäude irgendwann mal den Eigentümer wechselt, der es dann umbaut und Fassade und Dach etwas erträglicher gestalten lässt. Immerhin sind die Prisco-Häuser ja gewissermaßen "umbaufähig", also nicht 50 Meter hoch und mit liegenden Rechtseckfenstern oder so, sie wäre als Rohbauten ja durchaus brauchbar (wenn man dann richtig weiterbauen würde)


    c) Doof. Die Ostzeile in Ffm wurde ja schließlich auch traditionell Stein für Stein (und Balken) gemauert. Aber wenn der Putz erstmal drüber ist und hoffentlich auch hält - und die Fassade gut aussieht, dann gerät dieser falsche Baustoff vielleicht in Vergessenheit...


    d) Ich weiß, Peter (willkommen im neuen Forum übrigens), Dir wäre es lieber, aber Ihr anderen: Was wäre denn, wenn die nächsten 20 Jahre am Neumarkt überhaupt nichts passieren würde? Wenn der (abgesehen von der vollendeten Frauenkirche) noch so aussehen würde wie zu DDR-Zeiten. Und man würde zwischen Kellerfundamenten hin und herspringen. Das wäre auf Dauer auch irgendwie frustrierend, oder?


    Wie auch immer - am Neumarkt ist einiges schiefgelaufen, aber nun wird eben gebaut. In der Frankfurter Altstadt würde man wahrscheinlich jubeln über die Probleme, die wir hier mit Dresden haben, den dort hat man entweder viel, viel widerlichere Klötze reingepropft (und natürlich auch sämtliche Fundamente vernichtet) oder man hat genau da, wo Fachwerkhäuser in engen Gassen standen, römische Fundamente freigelegt. Die liegen jetzt da und sind - sorry - nicht gerade spannend, und ein Wiederaufbau der Häuser, die dort gestanden hatten (vielleicht auch in verinfachter Form) war damit vom Tisch, so daß zwischen Dom und Römer, wo früher ein dichtes Gewirr von Gassen war, gähnende Leere herrscht. Auch nicht wirlich eine Alternative..........

    Ich nenne dann also auch mal die Städte, die ich schon selber gesehen habe und die mir gerade einfallen (das z.B. Görlitz wunderschön ist, weiß ich, ich will auch unbedingt mal hin, aber ich war noch nicht dort, deshalb laß ich's weg)


    Wiesbaden 4
    Weimar 3
    Heidelberg 5
    Passau 5
    Meißen 4
    Erfurt 4
    Marburg 3
    Stralsund 4
    Lüneburg 4
    Würzburg 1
    Potsdam 2



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    Also ich finde, Wiesbaden gehört auch in die Liste. Was das laut Johan gemischte Stadtbild angeht: Klar, dort gibt's auch einige Bausünden, und auch die Atstadt ist leider auch nicht ganz frei davon. Das trifft aber auch z.B. auf Heidelberg zu (wo man unter anderem für einen riesigen Kaufhof samt Parkhaus und eine Betonmensa etliche Altstadthäuser geopfert hat). Aber andererseits hat Wiesbaden ein unermeßliches Reservoir an gründerzeitlichen Häuserzeilen (ganze Viertel praktisch ohne Neubauten) mit prächtigen Fassaden und wohl die meisten alten Villen in Deutschland, dazu Jugendstil- und Klassizismusbauten. Und für eine Stadt dieser Größe (270.000 Einwohner) dürfte ein so großer alter Baubestand in Deutschland einzigartig sein.

    Weil Ihr vom Mittelstreifen Unter den Linden geredet hattet: Ich fand es immer ziemlich schade, daß man die Linden nicht einfach komplett über den Mittelstreifen ablaufen kann, weil man an jeder Straßenkreuzung erstmal über drei Straßen gehen muß, um wieder auf den Mittelstreifen zu kommen. Es gibt einfach keine Fußgängerampeln in Laufrichtung. Ändert sich da vielleicht mal was?

    Ich hab's im alten Forum schon mal geschrieben - ich habe ernsthafte Zweifel, ob der PdR wirklich nächstes Jahr wegkommt. Der wird immer mehr zum Kultobjekt durch diese blöden überflüssigen Zwischennutzungsveranstaltungen. Die Ostalgiker werden noch mal für den Palast auf die Straße gehen, wartet's ab! Im FDJ-Hemd oder wahlweise im Dynamo-Berlin-Trikot und die Dadaär-Flagge schwenkend.


    Meine einzige Hoffnung: Die Infobox am Potsdamer Platz hatte am Ende auch viel Fans, und es gab Plädoyers für den Erhalt - und das Ding wurde dann am Ende doch wie geplant abgerissen. Hoffen wir mal, daß das Vorhaben wirklich durchgezogen wird!

    Okay, das sind jetzt doch mehr pragmatische Gründe: Klar ist ein Bauhaus-Kasten schneller gezeichnet und als Modell gebaut als ein Jugendstil-Bau oder auch etwas klassizistisches.


    Aber, wie gesagt, wie kommt es, daß es teilweise als Frevel angesehen wird, ein Gebäude zu entwerfen, das aussieht wie eines von vor 100 Jahren (z.B. Hotel Adlon). Wieso sagt "man" nicht einfach "ja, sowas kann man entwerfen, ich entwerfe aber lieber was modernes mit Glasfassade und Flachdach, jeder wie er mag", sondern "So etwas entwirft man nicht". Wieso gilt es als falsch, auf frühere Architekturformen zurückzugreifen, die vor 1920 liegen?

    Stimmt, wenn's nicht Geld und nicht idiot..., äh, ideologische Gründe sind, dann bleibt eigentlich nicht mehr viel übrig für Bisky, außer vielleicht geschmackliche Gründe. Aber wenn der jetzt langsam weich wird, dann wird das ewige Rumgezicke der PDS vielleicht auch weniger.

    Ich bin echt beeindruckt - das geht ja jetzt richtig zügig voran in DD! Da bin ich echt gespannt auf Bilder. Aber Freund Prisco hätte statt einer tollen Grundsteinlegungs-Show lieber überlegen sollen, ob er nicht den einen oder anderen Keller rettet.


    Naja, und über die Dächer dieses Blocks haben wir hier ja genug geflucht. À propos? Was macht eigentlich PeterBerlin? Ist er auch im neuen Forum angekommen oder plant er gerade einen Eierwurf- Anschlag auf Prisco?


    Na jedenfalls scheint jetzt die Phase des jahrelangen Planens und der Präsentationen vorbei zu sein, und sogar das häßliche Polypei-Hauptquartier verabschiedet sich. Freuen wir uns doch erstmal über all das, da sind mir Kleinigkeiten wie Sitzbänke erstmal relativ egal...

    Man hört und liest oft, daß die Patzschkes und andere Architekten, die historisierend bauen, von Kollegen nicht ernstgenommen oder sogar angefeindet werden. Der Spiegel hatte vor einiger Zeit Mühe, überhaupt mit den Patzschkes in Kontakt zu treten, weil die sich wegen schlechter Erfahrungen mit der Presse erst zierten. Eine Bekannte, die Architektur studiert sagte mal, daß solche Architekten in der Branche etwa so einen Ruf haben wie die Volksmusiker in der Branche der Musiker.


    Mich würde interessieren, wie so ein schlechter Ruf zustandekommt. Da offenbar viele von Euch Architekturstudenten sind, würde ich gerne wissen:


    Wird einem im Studium so eine Abneigung gegen alles traditionelle (außer Bauhaus), alte, historische, historisierende systematisch eingeimpft? Sind alle Profs und Dozenten so? Gibt es auch welche, die das Ganze wenigstens neutral sehen? Kommt man auch erfolgreich durch's Studium, wenn man offen ein traditionelles Architekturverständnis vertritt und auch solche Entwürfe macht? Wie sind Eure Erfahrungen?


    (Ich selbst habe Jura studiert. Da gibt es auch viele verschiedene Ansichten, Mindermeinungen, Theorienstreit etc. , aber ich hatte immer den Eindruck, daß die Rechtsgelehrten sich trotz abweichender Meinung untereinander achten. Aber das ist natürlich nicht vergleichbar, denn man kann alles vertreten, entscheidend ist in der Praxis aber, was die Gerichte sagen. Bauen kann man hingegen wirklich alles)

    @ Ben


    Also, dieses Gebäude (seh ich zum ertsen Mal) finde ich richtig gut! Rechts sind wohl Altbauten mit dabei. Und dieser ovale Innenhof - naja. Aber ansonsten, die Fassade ist okay, und ein Schrägdach mit richtigen Gauben - da kriegt man ja Freudentränen in die Augen! Endlich mal nicht dieses (leider schon Berlin-typische) Staffelgeschoß mit Flachdach, was sonst immer oben draufpappt wird. Hoffentlich wird das Ding auch genauso gebaut!

    Die Fassaden (mindestens 3, besser alle 4) sind gewiß das wichtigste. Aber außen historisch und innen alles topmodern - da wäre ich dagegen. Denn dann bekommt da Ganze so einen ungesunden Las-Vegas-Touch ("welcome to Wilhelm's Palace"). Man solte zumindest Die Raumeinteilung weitgehend der alten angleichen, damit wenigstens die Möglichkeit besteht, irgendwann nach und nach die Prunkräume zu rekonstruieren. Wenn das Geld dafür da ist....


    Der Vergleich mit MA und WÜ hinkt aber etwas, denn das sind ja echte, nur teilweise zerstörte Schlösser, keine Rekonstruktionen. In Berlin muß ja alles komplett neu geplant werden.


    Also: Zur Not nur die Fassaden, aber wenn's geht, bitte auch dahinter halbwegs historisch!