Posts by Stephan

    Über das Chaos beim Bau der EZB:


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    Wenig verlockende Alternativen für die EZB - Die Bauarbeiten auf dem Großmarkthallenareal im Frankfurter Ostend gehen weiter, als sei nichts geschehen. Die Gründungspfähle für den geplanten Doppelturm werden wie vorgesehen gesetzt. [...] Doch tatsächlich ist die EZB mit Hochdruck bemüht, die Schlüsse aus dem Debakel zu ziehen, das sie bei der Suche nach einem Generalunternehmer für das ambitionierte Vorhaben erlebt hat. Wie berichtet, hatte nur ein Unternehmen ein Angebot abgegeben. Das lag bei mehr als 1,5 Milliarden Euro und damit überaus deutlich über jenen 850 Millionen Euro, die innerhalb der EZB als Limit genannt worden waren. Schon diese Summe hatte einen ordentlichen Aufschlag auf jene 500 Millionen Euro bedeutet, die bisher offiziell als Maximum genannt worden waren. Die EZB brach das Ausschreibungsverfahren daraufhin vorzeitig ab und kündigte an, nun alle Optionen zu prüfen. [...] Denkbar wäre ein Verbleib am alten Standort, dem Eurotower. Die Flächen, die von der expandierenden Notenbank in absehbarer Zeit zusätzlich benötigt würden, könnten in der Umgebung gemietet werden. In Frage kommen das Degussa-Areal, das vom nächsten Jahr an neu bebaut werden soll, oder das Hochhaus Kaiserkarree, das auf dem Rheinhyp-Areal an der Ecke von Neuer Mainzer Straße und Taunustor gebaut werden soll. [...] Wie zu hören ist, steht die EZB in engen Gesprächen mit der Commerzbank, der sie schon als Mieterin des alten Commerzbank-Turms und des Eurotheums verbunden ist. Die Commerzbank hatte vorgehabt, ihren alten Turm nach dem für 2011 geplanten Auszug der EZB wieder selbst zu nutzen. Da liegt es nahe, das frei werdende Gebäude der Börse in Hausen ins Spiel zu bringen, das der Commerz Real gehört - entweder als Ausweichstandort für die EZB oder für die Geschäftsbank. [...] Mit Kopfschütteln ist registriert worden, wie schlecht die Bank bei der Ausschreibung beraten worden ist. Die Anforderungen an die Bauunternehmen sollen äußerst komplex und voller Fallstricke gewesen sein; die Baufirmen sind aber längst nicht mehr bereit, ins Risiko zu gehen, nur um Umsatz zu machen. Sie kalkulieren einen Risikozuschlag ein. [...] Für weniger als eine Milliarde Euro wird der statisch aufwendige Coop-Entwurf auch dann kaum zu haben sein. Den Wettbewerb einfach zu übergehen und eine schlichte Hochhauskiste an den Main zu stellen ist undenkbar. Die EZB wird am Ende abwägen müssen, wie viel es ihr wert ist, sich eine Blamage zu ersparen. Viel spricht dafür, dass die Notenbank ein paar Euro mehr lockermacht, um im Ostend zu bauen.


    http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~E97F931668CBD4ADFB23C2A54ED8E8A76~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell\r
    http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2 ... ss_aktuell

    SPIEGEL-ONLINE hat ein Interview mit dem russischen Architekten Michail Below geführt, der ein Verfechter traditioneller Formensprache ist.


    Ein paar Auszüge:



    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,567592,00.html\r
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 92,00.html

    In der F.A.Z. schreibt Wolfgang Pehnt über das "Neue Bauen" in der Zwischenkriegszeit. Von Pehnt erschien 2005 sein Standardwerk „Deutsche Architektur seit 1900“ in der Deutschen Verlags-Anstalt.



    http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EB9DAA816C6B04A8C878DBDC2ECCC08BD~ATpl~Ecommon~Sspezial.html?rss_aktuell\r
    http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF41441 ... ss_aktuell

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    Wowereit im Staatsopernstreit
    Spätes Erstaunen - Klaus Wowereit hat von allem nichts gewusst. „Erstaunt“ sei er gewesen, nachgerade „überrascht“ vom Ergebnis des Architektenwettbewerbs um die Sanierung des Zuschauersaals der Staatsoper Unter den Linden, erklärte der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Berlins bei einer eilig anberaumten Pressekonferenz im Roten Rathaus.


    Nun, das Ergebnis dieses Wettbewerbs, dessen drei preisgekrönte Entwürfe teils einen völligen Neubau, teils eine grundsätzliche Umgestaltung des von Richard Paulick in den fünfziger Jahren im Rokokostil erbauten Saals vorsehen, liegt seit zwei Monaten auf dem Tisch, und Wowereit hätte reichlich Zeit gehabt, seine Überraschung zu formulieren. Stattdessen zog er es vor, als Zuschauer die Debatte zu verfolgen, die in der Öffentlichkeit um den geplanten Abriss des denkmalgeschützten Opernsaals entbrannte. Nun ist die Sache entschieden, der Paulick-Saal bleibt erhalten, keiner der drei Wettbewerbsentwürfe wird realisiert. [...]


    Wowereit im Staatsopernstreit: Spätes Erstaunen - Bühne und Konzert - Feuilleton - FAZ.NET

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    Die US-Botschaft ist kein absolutes Desaster -
    An diesem Freitag wird in Berlin die US-Botschaft am Pariser Platz eingeweiht. Die Architektur der US-Repräsentanz ist, gelinde formuliert, schwach: Die Fassaden, die Fenster, das Vordach – sie sind alles andere als ein Augenschmaus. Doch glücklicherweise ist der Bau von einem starken Ensemble umgeben. Das neue Botschaftsgebäude der Vereinigten Staaten in Berlin ist keine gute Architektur. Das zu erkennen war nicht schwer, seit vor einigen Wochen die Bauplanen fielen und die Gerüste abgebaut wurden. Die Fassaden sind unentschlossen gegliedert, die Fenster mit ihrem Sonnenschutz klobig, die Übergänge zu den benachbarten Gebäuden linkisch. Der Schlitz in der Front zum Pariser Platz wirkt unmotiviert, das geschwungene, lausig verlötete Vordach läppisch.
    Besonders schwach zeigt sich der Abschnitt gegenüber dem Holocaust-Mahnmal, wo die Gebäudeteile hin- und herspringen, wo sich Empfangspavillon und seitliches Treppenhaus in unsympathisch eingedunkeltem Glas präsentieren, dem gleich Glas, das man auch am Aussichtsturm für den Botschafter wiederfindet, der angesichts des ansonsten getriebenen Sicherheitsaufwands in fast aufreizend sichtbarer Weise auf dem Tiergarten-Flügel des Hauses thront. Keine gute Architektur. [...] Jetzt bilden die alles in allem durchschnittlichen Bauwerke am Platz eine Einheit: die Häuser Liebermann und Sommer zu beiden Seiten des Brandenburger Tores, der private Luxus des Hotel Adlon, der Repräsentationsanspruch der französischen Botschaft und der Dresdner Bank, das Geschäfts- und Wohnhaus gegenüber dem Adlon. Allein die bemüht nonkonforme Akademie der Künste konnte für ihre Glasfassade eine Ausnahme ertrotzen. Heute ist sie tagsüber ein schwarzes Loch, das durch die Ecklage am Platz zum Glück nicht allzu sehr auffällt. [...]


    http://www.welt.de/kultur/arti…utes_Desaster.html#reqRSS

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    27. Juni 2008 Am Tag nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Neubaupläne zu ihrer Zentrale im Frankfurter Ostend vorerst auf Eis zu legen, melden sich in der Immobilienbranche schon die ersten Skeptiker, die bezweifeln, dass das markante, 185 Meter hohe Hochhaus nach den derzeitigen Plänen von Coop Himmelb(l)au überhaupt errichtet wird. Die EZB werde es sehr schwer haben, „überhaupt voranzukommen“, sagt ein Kenner der Materie. [...] Das Projekt war auf Grundlage der Pläne von Coop Himmelb(l)au auf 500 Millionen Euro geschätzt worden. Dem Vernehmen nach hat eine Arbeitsgemeinschaft von Züblin und BAM ein Angebot von rund 1,4 Milliarden Euro abgegeben. Die Notenbank soll ihre Bausumme intern zwischenzeitlich noch einmal aufgestockt haben.


    Doch selbst für die Summe von 850 Millionen Euro wollte niemand den Neubau erstellen. Die Ausschreibung soll 261 Ordner mit englischem Vertragstext umfasst haben. Der Projektsteuerer und die zuständige Anwaltskanzlei sollen Bedingungen formuliert haben, die keines der Bauunternehmen erfüllen wollte. „Die haben die neuen Machtverhältnisse noch nicht begriffen“, sagt ein Insider. Allein für die Kalkulation des Angebots hätten die Bauunternehmen einen sechsstelligen Betrag investieren müssen. Wie zu hören ist, haben Hochtief und Alpine davon Abstand genommen, ein Angebot abzugeben. [...] Die EZB, die schon 140 Millionen Euro für das Grundstück und die Planungen investiert hat, gibt die Verzögerung mit mindestens einem Jahr an. Die Bauarbeiten könnten höchstens drei Jahre ruhen, bevor die Baugenehmigung neu beantragt werden muss. [...]


    http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~E9BD1914FC3E94B419F8071313B08BE5C~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell\r
    http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2 ... ss_aktuell

    Völlig überraschend hat die Europäische Zentralbank die Pläne für ihr neues Hauptquartier auf Eis gelegt und stoppt den Bau im Frankfurter Ostend. Während ich dies schreibe, höre ich erstaunlicherweise trotzdem noch den enormen Baulärm. :augenrollen:


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    Die Europäische Zentralbank (EZB) stoppt überraschend den Bau ihres neuen Hauptsitzes im Osten Frankfurts. Offenbar gelingt es nicht, einen Bauunternehmer zu finden, der mit dem vorgesehenen Budget auskommt. Der Wolkenkratzer soll eine halbe Milliarde Euro kosten. [...]


    http://www.welt.de/finanzen/article2145383/EZB_legt_Plaene_fuer_neues_Hauptquartier_auf_Eis.html\r
    http://www.welt.de/finanzen/article2145 ... f_Eis.html

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    Ein Turm soll versöhnen - 23. Juni 2008 Vor 40 Jahren wurde sie gesprengt. Bis 2017 soll zumindest ihr Turm wieder stehen: Die Hof- und Garnisonkirche, die unter Friedrich Wilhelm I. von 1730 bis 1735 nach Plänen von Philipp Gerlach errichtet wurde, prägte Potsdam.


    Es hat schon in Dresden lange gedauert, die Frauenkirche wiederherzustellen. Doch in Potsdam, wo die Wiederherstellung des historischen Stadtbilds immer erst gegen den Widerstand der stärksten politischen Kraft, der Linkspartei, zu einem hohen Preis durchgesetzt werden muss, sind die Heilungsprozesse noch schwieriger. [...] Am Montag wurde auf dem Grundstück der Kirche erst ein Gottesdienst gefeiert und dann eine kirchliche Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet. Sie soll den Turm bauen. Ihr gehören die evangelische Kirche und die Stadt an, die zwei Grundstücke, aber kein Geld beisteuert. Das Land gibt 100 000 Euro. [...] Die Stiftung baut, das Geld sammelt die Fördergesellschaft, die 400 000 Euro mitbringt. Der Turm allein wird auf 25 Millionen Euro veranschlagt. Mögliche Spender hätten „klare Verhältnisse“ bei den Garnisonkirchenfreunden gefordert, berichtete der ehemalige Bundesminister Manfred Stolpe, die seien nun geschaffen worden.


    Die Garnisonkirche wird keine Gemeinde mehr haben. Ihr Turm soll „City-Kirche“, „Versöhnungszentrum“ sein und, wenn es nach Stolpe geht, eine Ausstellung über den Widerstand gegen die NS-Herrschaft aufnehmen.


    http://www.faz.net/s/Rub5925252BCC9C45B880812B358AC3FFA4/Doc~E766B40ED2A9A43C0915323F21B45F9CE~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell\r
    http://www.faz.net/s/Rub5925252BCC9C45B ... ss_aktuell

    Im ersten Teil der FAZ-Serie "Anders Wohnen" wird die Krämerbrücke in Erfurt vorgestellt. Im Artikel befinden sich auch 6 sehr schöne Bilder!



    http://www.faz.net/s/RubFED172A9E10F46B3A5F01B02098C0C8D/Doc~E4A0C1E49B8C04B88AB059594F26CE9CD~ATpl~Ecommon~Sspezial.html?rss_aktuell\r
    http://www.faz.net/s/RubFED172A9E10F46B ... ss_aktuell


    http://www.kraemerbruecke.de/\r
    http://www.kraemerbruecke.de/
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kr%C3%A4merbr%C3%BCcke\r
    de.wikipedia.org/wiki/Kr%C3%A4merbr%C3%BCcke



    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bild:Kr%C3%A4merbr%C3%BCcke_Erfurt.jpg&filetimestamp=20070928103402\r
    de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 0928103402


    http://www.erfurt.de/kraemerbruecke/bruecke.html\r
    http://www.erfurt.de/kraemerbruecke/bruecke.html

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    Ende Januar 1996 wurde das Teatro La Fenice in Venedig bei einem Großbrand völlig zerstört. Drei Jahre später begann sein Wiederaufbau. Ein Rechtsstreit verzögerte die Arbeiten, aber von vornherein war klar, dass das Opernhaus rekonstruiert werden würde, „wie es war und wo es war“. Im Dezember 2003 wurde das Fenice wiedereröffnet, mit demselben flachen Parkett und den teilweise sichtbeschränkten neobarocken Logen, die es nach dem ersten Feuerschaden im Jahr 1836, ein knappes halbes Jahrhundert nach seiner Einweihung, erhalten hatte. Schalltechnische Neuerungen am Orchestergraben, an den Sitzen und den Logenverhängen verbesserten die Akustik erheblich. Ein Architektenwettbewerb fand nicht statt.


    Der Streit um die Neugestaltung des Innenraums der Berliner Staatsoper Unter den Linden dreht sich im Wesentlichen um die Frage, ob die Lindenoper mit derselben historischen Sensibilität behandelt werden muss wie das Teatro La Fenice. Stimmt man dem Vergleich zu, ergeben sich für die Sanierung weitreichende Konsequenzen. Lehnt man ihn ab, ist alles möglich, selbst der völlige Neuanfang. Berlin ist das Gegenteil einer geschichtlich gewachsenen Stadt. Seine Geschichte besteht fast nur aus Brüchen, die Diskontinuität ist das einzig Kontinuierliche seiner Entwicklung. [...] In diesem Scherbenhaufen gab es immer ein paar Inseln, die sich der Furie des Verschwindens widersetzten. Eine davon ist die Staatsoper, deren ausgebrannter Innenraum bis 1955 durch Richard Paulick in Anlehnung an Knobelsdorffs Original von 1742 aus barocken Stilelementen rekonstruiert wurde. [...] Die akustischen und räumlichen Bedingungen, die sich Daniel Barenboim als Generalmusikdirektor wünscht, gibt es bereits an der Deutschen Oper, ohne dass das Haus in der Bismarckstraße davon künstlerisch wie finanziell profitiert hätte. Der historische Saal ist eben doch ein Teil des Kunstgenusses, der die Zuschauer trotz Sichtbeschränkung und Klangdefizit in die Lindenoper zieht. Baugeschichte kann man nicht hören, aber man kann sie sehen und berühren. Auch dieses Erlebnis gehört zur Oper. Der Opernstiftungsdirektor Stefan Rosinski, als Juror ein Befürworter des Roth-Entwurfs, hat jetzt der Debatte eine neue Wendung gegeben. Rosinski preist nicht nur die akustischen und optischen Vorteile der Totalsanierung, er stellt die Zerstörung des alten Opernsaals als historischen Fortschritt dar. Der „totalitäre Raum“ Paulicks spiegle eine Nationalgeschichte der Verdrängung, er drücke sich vor dem Problem „der Darstellung des Schreckens im Medium der Bühne“ nach dem Holocaust. Damit hat der Opernstreit die äußerste in Deutschland denkbare Eskalationsstufe erreicht. Wer hierzulande über Marmorsäulen, Deckenlüster und Proszeniumslogen redet, kann offenbar die Opfer der Massenvernichtung nicht aus dem Spiel lassen. [...]


    Staatsoper-Sanierung: Der Saal ist Teil des Kunstgenusses - Debatten - Feuilleton - FAZ.NET

    In Köln gibt es Streit zwischen einem Vertreter der "Moderne" und der türk. Religionsbehörde, für die er eine Moschee baut. Knackpunkt ist die Innengestaltung, für die die FAZ nur ein Wort übrig hat: Kitsch!


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    [...] n Sachen Innengestaltung des Gebetsraumes liegt der Architekt Paul Böhm mit dem Bauherrn, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (Ditib), über Kreuz. Dabei geht es hier um sehr viel mehr als um eine Geschmacksfrage. [...] n Sachen Innengestaltung des Gebetsraumes liegt der Architekt Paul Böhm mit dem Bauherrn, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (Ditib), über Kreuz. Dabei geht es hier um sehr viel mehr als um eine Geschmacksfrage. [...] Während er seine klare, moderne Architektursprache im Inneren fortführen möchte, beabsichtige die Ditib, den Gebetsraum traditionell ausmalen zu lassen und damit einen anderen Architekten zu beauftragen. [...] Auch die Ditib, die sonst Wert darauf legt, mit offenen Karten zu spielen, schweigt: Mehrere Anfragen dieser Zeitung, ihre Position darzulegen, blieben unbeantwortet. [...] Die Grundzüge des Konflikts, der ins Zentrum des Verhältnisses zwischen Architekt und Bauherrn reicht, sind auch so zu ermessen. Neben rechtlichen berührt er ästhetische und weltanschauliche Aspekte: Werden Außen und Innen, Hülle und Kern des Gebäudes dieselbe Sprache sprechen? Einerseits wird der katholische Baumeister Paul Böhm für die Ausgestaltung eines islamischen Gotteshauses nicht ohne einen muslimischen Kollegen auskommen können. Denn er wird nicht allein entscheiden können und wollen, welche Koranverse um die Kuppel geschrieben werden oder welche Kalligraphie die beste ist. [...] Doch muss Paul Böhm darauf insistieren, dass dies in enger Abstimmung mit ihm geschieht und die Ausgestaltung zu seiner Architektur in Beziehung steht. Innen und Außen müssen sich entsprechen, wenn Einheit und Qualität des Baus nicht leiden sollen. [...] Dem Vernehmen nach möchte der Bauherr den türkischen Innenarchitekten Volkan Altinkaya beauftragen. In Deutschland war er schon mehrfach tätig, auch in der großen Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh, die im Spätsommer eröffnet werden soll, malt er die zentrale Kuppel aus. Bestimmend sind dort blattvergoldete Stuckverzierungen sowie graue, türkis- und bordeauxfarbene Ornamente, die zu den „traditionellen“ Bauformen „passen“. [...] Historische Formen und Muster werden, auch in aufwendigen Materialien wie Marmor und Alabaster, schwülstig überboten und trivialisiert: Kitsch. Diese Innenarchitektur, die Vergangenes nur kopiert, ist mit der gemäßigt modernen Formensprache Paul Böhms unvereinbar. [...] Sollte die Ditib darüber hinwegsehen und eine Moschee haben wollen, deren Innenleben nichts (mehr) mit ihrem Außenleben zu tun hat, würde sie damit auch Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit wecken. Denn ein solcher Zwitter stünde im Widerspruch zu ihren erklärten Zielen, die Integration und den interreligiösen Dialog zu fördern. Mit der Offenheit des Ortes, die mit den schalenartigen, zur stilisierten Weltkugel geformten Teilen der freistehenden Kuppel nach außen bekundet wird, wäre es im Innern vorbei. Dort will sich, so die Grundaussage des Gebetsraumes, die Gemeinde wie zu Hause fühlen. Dass sie Wurzeln in einer fremden Umgebung geschlagen hat und sich dieser Nachbarschaft gegenüber kommunikativ verhalten will, würde nicht vermittelt.


    Die Generation der türkischen Migranten, die hier aufgewachsen ist und Deutschland als ihre Heimat ansieht, brächte damit nicht ihr eigenes, sondern ein von den Vätern oktroyiertes Selbstverständnis zum Ausdruck. Der Bau wäre geteilt, seine Botschaft auch, und die einladende Geste der Architektur verkäme zur Attitüde: Der Außenstehende soll die Moschee gut finden, aber drinnen bleibt man lieber unter sich. Die Moschee würde zur Mogelpackung, zum Trojanischen Pferd. Der Architekt muss wissen, wofür er sich hergibt.

    Moderationshinweis: Ungültigen Link gelöscht.


    Backstein: Der Stein, der Wind und Regen trotzt - Immobilien - FAZ

    Das Projekt erscheint viel versprechend. In der kalifornischen Stadt Napa - sind Weintrinker unter uns? - entsteht derzeit am Flussufer ein neues Stadtviertel im "europäischen Stil". In Deutschland würden Künstler und Intellektuelle dagegen wahrscheinlich Sturm laufen. Guckt's euch einfach selbst an: http://www.mspsinc.com/riverfrontOverview.html\r
    http://www.mspsinc.com/riverfrontOverview.html


    Visualisierungen: http://www.mspsinc.com/riverfrontRenderings.html\r
    http://www.mspsinc.com/riverfrontRenderings.html


    Viele Bilder aus der Region, u.a. auch Baustellenbilder des Projekts: http://forum.skyscraperpage.com/showthread.php?t=151698\r
    forum.skyscraperpage.com/showthread.php?t=151698

    Philon schrieb:


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    ich war ohnehin immer dafür ein Mahnmal für alle Opfergruppen zu errichten.


    Genau das habe ich auch befürwortet. Durch die Entscheidung jeder Opfergruppe ein eigenes Mahnmal zu errichten ist eine gewisse "Rivalität" in Bezug auf Standort, Größe und künstlerischen Wert (Prestige) aufgekommen. Jetzt könnten sich einzelne Gruppen - wieviele gibt es eigentlich noch? - benachteiligt fühlen, wenn sie einen Standort vorgeschlagen bekommen der ihnen aus verschiedenen Gründen nicht zusagt. Ein Mahnmal an prominenter Stelle ist schließlich prestigeträchtiger und zieht mehr Aufmerksamkeit auf sich, als meinetwegen in einem Hinterhof.


    Im ARTNET habe ich folgendes zu den, teils bizarren, Wettbewerbsvorschlägen gefunden:


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    [...] Erinnern wir uns: Man war auch von den ersten Wettbewerbs-Runden zum Holocaust-Denkmal enttäuscht. Stand man damals ratlos vor einem Karussell, dessen Gondeln um einen Davidsstern rotierten, kann man nun unter den Ergebnissen zum Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen den warmen See mit exotischen Pflanzen von Rudolf Herz bestaunen oder Lukas Duwenhöggers Wachturm, der mit einer sechs Meter hohen, tuckigen Teekanne gekrönt ist. In diesem Kontext wirkt die Plattitüde von Holger Beisitzer schon als gelungener Einfall: Er hat selbstbewusst das Wort „homosexuell“ als drei Meter hohen Schriftzug in den Tiergarten gestellt. Das verblüfft temporär – ungefähr so, wie es die überdimensionierte Aspirin-Tablette macht, die als Imageträger zur WM vor dem Reichstag aufgestellt wurde. Ingo Vetter, Sabrina Cegla und Amit Epstein begnügen sich mit dem Anfangsbuchstaben des Wortes, nicht weniger bescheiden. Sie asphaltieren den Park mit einem großen Monogramm, dessen typografische Linien als Wege angelegt sind und die für Abschnitte durch ein Heckenlabyrinth führen. Sie veranschaulichen das erheiternd mit einem bestickten Tuch als Entwurfsmodell. Ein Event-Garten als Denkmal? [...] Es ist schon erstaunlich, wie die Künstler ihre eigenen Entwürfe interpretieren. Das Überschreiten einer mit Magnolienknospen aus massivem Muranoglass dekorierten Brücke beschreibt Raimund Kummer als „besonders rhythmisches Erlebnis zur Bewusstmachung von Zeit und Wahrnehmung“. Piotr Nathan, der sein Denkmal dem Outside-Cruising widmet, erklärt die Form eines Urinflecks zum „Sinnbild von Leben und Tod“ und bei Alexej M. Gross soll allein der schräge Boden eines Glashauses Bewegungsschwierigkeiten verursachen, die „als ein Zeichen für das erlittene Schicksal der Opfer stehen“. Das steht den Beschreibungen von Christian Phillip Müller um nichts nach, denn auf seinem orangefarbenen Schiffsbug gibt es partiell verteilt beheizte Sitzflächen – ihr „Wärmeabdruck symbolisiert die Abwesenheit der im KZ ermordeten Homosexuellen“.


    In Anbetracht dieser Anhäufung von Beliebigkeit und Banalität, prätentiösem Gequatsche und Schwindel erregender Selbstüberschätzung kann man die Favorisierung der Jury für den eleganten Entwurf von Michael Elmgreen und Ingar Dragset gut nachvollziehen – wenn auch eine erneute Auslobung und Debatte anhand der eingereichten Arbeiten der konsequentere Schritt gewesen wäre. Elmgreen & Dragset schlagen einen Baukörper aus glattem, anthrazit eingefärbtem Sichtbeton vor, der sich in seinen Proportionen auf die Stelen des Holocaust-Denkmals bezieht, jedoch größer dimensioniert ist und auch stärker gekippt und geneigt ist – warum eigentlich? – als seine Vorlagen. Im Inneren des Hohlraums, durch eine Luke einsehbar, läuft die Endlosschleife eines Kurzfilms, der ein sich küssendes Männerpaar zeigt. Der Betrachter wird zum Kontrolleur, der Innenraum zur Zelle, zum Schutzraum und Versteck oder einfach nur zum Kino. [...]


    http://www.artnet.de/magazine/features/schachtebeck/schachtebeck05-09-06.asp\r
    http://www.artnet.de/magazine/features/ ... -09-06.asp


    Abgelehnter Entwurf eines Wachturms mit Teekanne, unbedingt ansehen!
    http://www.artnet.de/magazine/features/schachtebeck/schachtebeck05-09-06_detail.asp?picnum=6\r
    http://www.artnet.de/magazine/features/ ... p?picnum=6

    Hurra, Berlin bekommt ein noch ein Mahnmal!


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    Ein Mahnmal für verfolgte Homosexuelle


    Mit einem Denkmal am Tiergarten wird in Berlin an die von den Nazis verfolgten Homosexuellen erinnert. Kulturstaatsminister Neumann weiht am Dienstag zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister Wowereit den Quader ein, in dessen Fenster ein Film mit sich küssenden Männer zu sehen ist. [...]


    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,555541,00.html\r
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 41,00.html


    Der Entwurf besteht aus einem Sichtbeton-Kubus mit Fenster...


    http://www.zeit.de/news/artikel/2008/05/26/2538269.xml\r
    http://www.zeit.de/news/artikel/2008/05/26/2538269.xml
    http://www.berlin.de/landespressestelle/archiv/2008/05/23/101131/index.html\r
    http://www.berlin.de/landespressestelle ... index.html
    http://www.norwegen.no/culture/painting/elmdragsetdenkmal.htm\r
    http://www.norwegen.no/culture/painting ... enkmal.htm
    http://www.tagesspiegel.de/kultur/;art772,2538269\r
    http://www.tagesspiegel.de/kultur/;art772,2538269
    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2008/01/2008-01-29-denkmal-verfolgte-homosexuelle.html\r
    http://www.bundesregierung.de/Content/D ... uelle.html