Posts by Karasek

    Nachdem das Dresdner Elbtal jetzt Weltkulturerbe ist überlegt man nun übrigens auch in der Oberlausitz ob die Gegend wegen ihrer Umgebindehäuser nicht einen Antrag als schützenswerte Kulturlandschaft stellen sollte.
    Zur Info: Umgebindehäuser sind eine Mischung aus slawischer Blockhütte und fränkischem Fachwerk. Unten wurde als Blockhütte angefangen und ringsrum baute man eine freistehende Ständerkonstruktion drumrum welche das Fackwerk trug.
    Das sieht dann so aus:
    http://www.umgebindeland.de/de…uh_schulplatz.0967841.jpg


    Die Gegend erstreckt sich vom Elbsandsteingebirge über das Oberland südlich von Löbau, das Zittauer Gebirge und Nordböhmen ins Iser- und schließlich bis ins Riesengebirge.
    Auf deutscher Seite begeistern sich die Leute mehr und mehr für die Häuser, leider aber findet sich niemand für die teilweise riesigen Faktorenhöfe. Die haben etwa diese Größe:
    http://www.spreequell-land.homepage.t-online.de/bild1.jpg
    Auf der tschechischen Seite führt immerhin der Tourismus und die Wochenendhäuschen- Kultur zum Erhalt der Häuser. Auf polnischer Seite allerdings fehlt scheinbar die kulturelle Verbundenheit und die Häuser verfallen zu Hunderten.

    Hier noch ein paar wenige Bilder von mir aus Teltsch.


    Der Markt ist der Grund warum die Stadt Weltkulturerbe ist. Der ist wirklich so schön böhmisch das es schon kitschig ist:




    Schlechtes Bild, aber böhmischer gehts nicht. Hach, schöööön:




    Einzelnes Haus am Markt:




    Hmm, das ist das Grab eines südböhmischen Adligen... aber welcher. Ich glaube es waren jedenfalls die Neuhaus, ....wenn mich nicht alles täuscht.



    Bürgerhaus:




    Mehr habe ich nicht, da es nur Zwischenstation war. Allerdings werde ich wohl nochmal einen Wochenendausflug nur für das Städtchen machen, denn es ist wirklich außerordentlich schön.
    Bis 1945 war sie übrigens ein mehr oder weniger deutsche Stadt.

    Denkmalschutz und Rekonstruktionen in Polen muß man differenziert sehen. Zum einen gibt es zweifelsohne eine weit höhere Bereitschaft zur Rekonstruktion, mitunter ganzer Altstädte. Das ist vor allem unter dem Aspekt beachtlich das Polen weitaus ärmer als Deutschland ist und war, aber auch ärmer als die DDR war. Trotzdem hat man sich Danzig und Warschau geleistet, und dazu AFAIK noch ein paar kleinere Städte wie z.B. Hirschberg, welches wohl nach dem Krieg teilweise abgefackelt wurde.
    Ich sage differenziert weil man diese Bemühungen einschränken muß: mit explizit deutschen, evangelischen und speziell ländlicheren Kulturgütern geht man anders um. Das spürt man vor allem in den ehemals deutschen Gebieten. Die zutiefst deutschen und evangelischen Friedenskirchen in Schlesien wurden z.B. mit deutschem Geld restauriert. Heute wirken sie wie Ufos, da sie, früher außerhalb der Städte aufgestellt, heute wie deutsche Inseln in polnisch geprägten Vororten stehen.
    Oder nehmen wir die Umgebindehäuser oder tiroler Bauernhäuser am Riesengebirge. Beide sind mehr oder minder dem Verfall preisgegeben, weil es privater Bürgerinitiative bedürfte und diese nicht zustandekommt. Oder die preussischen Schlösser im Hirschberger Tal. Viele wurden in den letzten Jahrzehnten bewußt ruiniert, weil man sie als Baumaterial- Spender mßbrauchte oder mutwillig anzündete.
    Das sind die Schattenseiten wenn man ganze Volksgruppen austauscht und die neue Volksgruppe ein Kulturland vorfindet das wenig mit ihrer Kultur zu tun hat.

    So, hier sind noch paar Bilder.



    Das heilige Grab



    Innenhof des Rathauses



    Wappen des Matthias Corvinus am Rathaus (er besaß als Ungarnkönig 30 Jahre die Nebenländer der böhmischen Krone, wozu Görlitz wie auch Bautzen gehörte. Bautzen hat auch ein solches Wappen)



    Kaisertrutz mit Reichenbacher Turm. Der Name entspringt der Tatsache das die Schweden darin den kaiserlichen Truppen widerstanden.



    Obermarkt



    Der älteste Teil des Rathauses. Das goldene Teil oberhalb der Uhr ist ein Löwe der bei Neumond (glaub ich) pfeift.



    Rathaustreppe mit Justitia (ohne Augenbinde), Verkündigungskanzel und Corvinus- Wappen.



    Ratsapotheke



    Biblisches Haus



    Handelshof innen. Die Mehrzahl der Häuser am Untermarkt haben derartige Innenhöfe. Über die Geländer hat man früher die Tuchwaren gehangen.



    Kloster Marienthal bei Görlitz. Derzeit ändert man gerade die Farbgebung, weg vom Rot- Weiß aus DDR- Zeiten (auf der linken Seite zu sehen) hin zu einem Rose- Weiß mit grünen Dächern. Besser so.

    Quote from "Antiquitus"

    herzlichen willkommen im forum! :)


    schön, wenn neulinge gleich schöne bilder liefern! vielen dank! :)
    wäre klasse, wenn wir mit noch mehr material über görlitz versorgt werden würden... zeit und lust vorausgesetzt.. ;)


    wird der schönhof eigentlich innen vollständig restauriert? alle malereien? wie sieht es denn mit den vorlagen aus (an einer stelle ist ja kaum noch etwas zu erkennen)?


    Mehr Bilder von Görlitz (oder Ostsachsen, Schlesien, Nordböhmen) sind kein Problem, bin fast jedes Wochenende unterwegs... :)
    Der Schönhof ist bereits vollständig restauriert. Die Malereien hat man so erhalten wie man sie bei den Arbeiten fand. Die Wandmalereien sind meist kaum noch erkennbar, die Deckenmalereien jedoch sind noch erstaunlich frisch. Da man keine Vorlagen hat scheint man lediglich den derzeitigen Zustand konservieren zu wollen.
    Niedlich war das man bei den Arbeiten z.B. noch eine alte Toilette fand. Ein enger Gang, 3m tief, 60cm breit und 1,6m hoch. :D
    Interessant ist das das Schlesische Museum nicht nur den Schönhof in Besitz nehmen wird sondern auch das dahinter angrenzende Haus, was AFAIK barock mit älterem Ursprung ist. Das allerdings hat man teilweise entkernt um bessere Ausstellungsräume zu erhalten. Im historisch erhaltenen Teil dieses Hauses wiederum gibt es links und rechts vom Eingang zwei unerhört hohe Räume, deren Verwendung in früherer Zeit mir nicht ganz klar ist.