Posts by Karasek

    Nauen ist eine der wenigen ostdeutschen Städte mit Bevölkerungszuwachs, sogar in der Innenstadt. Weshalb es dann trotzdem so viele unsanierte Häuser im Innenstadtbereich gibt erschließt sich mir nicht ganz.
    In diesem Fall kann man dem System Bundesrepublik wohl eher nicht den Vorwurf machen das die Bevölkerungsimplosion langfristig die Städte genauso zerstört wie das, schneller, die DDR auch gemacht hätte.


    Jedenfalls danke für die Bilder, von der brandenburgischen Provinz würde ich gerne viel mehr sehen. :)

    Wer bitte würde am Arsch der Welt, in einer schrumpfenden, armen Stadt kurz vor Sibirien, ein Renaissancehaus rekosntruieren wenn er für ca. 1/3 des Geldes auch ein echtes Renaissancehaus restaurieren kann? Oder eine großbürgerliche Villa?
    Nee, alles was man hoffen kann ist das sich irgendwann mal jemand findet der dieses Eckhaus restauriert. Wahrscheinlicher ist aber der Abriss.

    Quote from "bilderbuch"

    Allerdings sollte man denken, dass das ein Weltrangplatz eigentlich nicht nötig hat, oder?


    Nun ja, ein Platz von europäischem Rang wirkt natürlich durch sich selbst. Ich war ja lange nicht mehr auf dem Altmarkt, aber ich bin mir sicher das tut er jetzt. Wenn ihn mir jetzt so vor meinem geistigen Auge vorstelle... Cafes und Restaurants haben Tische und Stühle auf die Straße gestellt, Touristen aus aller Welt lassen bei lokalen Spezialitäten entspannt den Charme des Ortes auf sich wirken, Reisegruppen lassen sich bewundernd den Platz erklären, die Reichen und Schönen flanieren von exklusivem Shop zu exklusivem Shop, Kinder planschen Im Wasser des Brunnens dessen Plätschern eine behagliche Stimmung verbreitet... ich bin mir sicher genau so muß ich mir den Platz jetzt vorstellen, oder? :zwinkern::lachen:

    Danke für die Bilder. Ich kenne zwar die Stadt, aber nicht unbedingt aus den gezeigten Perspektiven.
    Sach mal, Du warst nicht zufällig zum Tag des offenen Denkmals in der Stadt? Jedes Jahr werden dort viele Villen, das Stadbad und einiges mehr geöffnet, aber ich schaffe es leider nie dorthin.


    Die Zeitgenossen sind "eine Interessensgruppe Dresdner Architekten und engagierter Bürger, die sich um eine zeitgemäße und ehrliche Architekturwahrnehmung bemühen." Also Architekten mit Ehefrau.
    Der Artikel geht in dem Stil weiter. Der Verzicht auf Grün und Stadtmöbel ist toll und richtig, nur Aufzüge u.ä. hätte man in die angrenzenden Gebäude integrieren sollen. Dem "NH-Hotel und dem „Dresdner-Bank-Remake“, fehlt jedoch das klare Bekenntnis entweder zur differenzierten Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses oder zu dessen klarer und logischer Neuinterpretation." Sandsteinplatten sind typisch dresdnerisch und keine "Offenbarungen an die Chancen zeitgemäßer Architektur." Außerdem wollen sie das der Wochenmarkt von der Lingnerallee auf den Markt kommt.


    Nun ja. Wenn der Platz von europäischem Rang ist muß ich wohl doch wieder mal hin. Ich kann mich erinnern das da alle Leute immer bloß vorbeiliefen und sich der Großartigkeit gar nicht bewußt waren. Aber vielleicht ist das ja neuerdings anders?

    Das nächste Haus habe ich schon öfters gezeigt, denn es ist jedes Jahr offen. Jetzt allerdings ist es fertig saniert. Das Haus ist im Kern spätgotisch, in der Renaissance überformt und mit Einbauten des Barock.
    Blick in die zentrale Halle. Das das Haus so steril weiß getüncht ist ist nicht gerade mein Geschmack (das es im Bild nicht weiß ist lag an den Lichtverhältnissen):




    Blick zur Treppe:




    Alle Holzeinbauten stammen aus der Zeit um 1700:




    Detail:




    Und Blick von oben hinab. Dort wo sich die Dame und der Herr unterhalten befindet sich eine vollständig restaurierte und funktionsfähige Schwarzküche mit ca. 6m hohem Abzug. Sie wurde sogar einmal in Betrieb genommen. Die Türen passen IMHO gar nicht, aber sie waren wahrscheinlich preiswert:




    Bald mehr.

    Ich hatte dieses Jahr wenig Zeit für den Tag des offenen Denkmals, aber ein paar Bauten in Görlitz habe ich doch gesehen. Dieses Haus am Untermarkr z.B. kannte ich von innen noch nicht:




    Wie man sieht ist es noch unrestauriert... da hätte ich schon schlimmeres ahnen können. Die zentrale Halle war vollgestellt mit den abgelegten Sachen ganzer Straßenzüge. Der Nebenraum war leer:




    Am Ende der Treppe erwartet man sich natürlich eine Abfolge weiterer Räume, dem ist aber nicht so. Ist man die Treppe hochgestiegen steht man in einem 2x2m großen, fensterlosen Raum. Man kann nur umdrehen. Geht man die Treppe in der Zentralhalle hoch sieht es dann so aus:




    Komplett entkernt, aber wie man sieht wurden die Strukturen schon so weit neu aufgemauert das wenigstens kein weiterer Verfall droht.
    Blick von der anderen Seite zur Treppe (die Dachratten im Fenster hatten überall ihre Hinterlassenschaften verteilt):




    Die Deckenstruktur des Untergeschosses liegt frei:




    Ein Lichtblick:




    Hier gehts ab in den Keller. Leider war er zappenduster so das ich nicht reingehen konnte:




    Demnächst folgen ein paar Lichtblicke bzw. ein echtes Highlight.

    Leider berichten die Medien ja nur von Görlitz und Umgebung. Von meinem begrenzten Einblick allerdings sind die Zerstörungen weiter südlich stärker. Ich glaube am meisten hat es Bertsdorf-Hörnitz getroffen. Leider habe ich da nie eine Fotoserie gemacht, aber Bertsdorf ist eines der schönsten Umgebindedörfer und hat mehrfach Wettbewerbe gewonnen.
    So sah es aus als der kleine Bach zum Fluß anschwoll:


    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/albums/userpics/normal_100_1187.jpg\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/album ... 0_1187.jpg


    Und was ich so gehört habe... selbst Leute die selbst nicht betroffen waren sind völlig aufgelöst. Zum Glück sind Umgebindehäuser sehr stabil, aber die Straße soll zerstört sein und die Bachmauern sind weggerissen. Ich würde ja paar Bilder machen, aber man will ja auch kein Voyeur sein.

    Mal paar Bilder aus der MDR- Galerie


    Der Kristinasee auf tschechischer Seite liegt direkt gegenüber von Zittau. Dessen Damm ist auch gebrochen (wird in den Medien nicht erwähnt), was zur Springflut in Görlitz beitrug:
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/albums/userpics/normal_P1040712.JPG\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/album ... 040712.JPG


    Hinterhermsdorf in der hinteren Sächsischen Schweiz ist so schon äußerst schlecht zu erreichen. Jetzt ist auch noch eine Zufahrtsstraße hin:
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/albums/userpics/normal_DSC03956.JPG\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/album ... C03956.JPG


    Vor Görlitz gibt es die Neisseauen, die haben einen Teil der Flut aufgefangen (und natürlich der Stausee auch):
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/albums/userpics/normal_100_7627.JPG\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/album ... 0_7627.JPG


    Die Altstadt von Görlitz liegt zum Glück höher, aber die Uferstraße hats erwischt. Frustrierend daran ist das nach Jahren der Stagnation dort gerade erst eine größere Anzahl an Häusern saniert wurde:
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/albums/userpics/normal_G%C3%B6rlitz_2010_027.jpg\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/album ... 10_027.jpg


    Wie man sieht gab es in Ebersbach bei Görlitz schon höhere Fluten, nur kann sich keiner mehr an sie erinnern (naja, bis auf die eine):
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/albums/userpics/normal_HOCHWASSER_019.jpg\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/album ... ER_019.jpg


    Kleingartenanlagen sind ob der Lagen am stärksten betroffen (bei der meines Vater stand das Wasser 1,20m hoch, jetzt hat er 30cm Schlamm):
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/albums/userpics/normal_Garten_-_08_08_2010_006.JPG\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/album ... 10_006.JPG


    Das der Mandaudamm in Zittau mal überspült werden könnte glaubte wohl keiner. Sonst dümpelt die Mandau 30cm tief in einem 5m tiefen Damm dahin:
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/albums/userpics/normal_IMG_0624.JPG\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/album ... G_0624.JPG


    Das größere Problem sind IMHO aber die kleinen Dorfbäche. Die schossen auf einmal gewaltig durch die an den Bachlauf gebauten Ortschaften, so das besonders Umgebindehäuser darunter zu leiden hatten. Hier Bertsdorf am Zittauer Gebirge, das immer noch gesperrt ist:
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/albums/userpics/normal_CIMG0066.JPG\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/album ... MG0066.JPG


    (Quelle für alle Bilder: http://www.mdr.de/galerie/sachsen/thumbnails.php?album=224&page=1\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/thumb ... 224&page=1)


    Moderationshinweis (Aedificium):
    Direkt eingebundene Bilder in Links umgewandelt.

    Quote from "Exilwiener"

    Ich stehe ja nicht gerade auf Sensationstourismus und gerade in GR soll dieser gerade die Einsatzkräfte behindern, aber hast Du vielleicht doch das eine oder andere Bild davon. Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte...


    Ist wenigstens Dein Heimatort besser davongekommen?


    Alles Gute jedenfalls! In Bogathynia soll ja leider alles hin sein...


    Naja, wenn man fies wäre würde man sagen das dort schon vorher alles hin war. Aber fies sind wir natürlich nicht. :zwinkern:
    Aber die Polen und Tschechen hat es härter getroffen. Chrastava/Kratzau, wenn Dir das was sagt (liegt an der Brücke der Schnellstraße kurz vor Liberec/Reichenberg, von Zittau aus gesehen), hat es besonders übel getroffen.
    Bei mir ist gar nichts, nur der Garten wurde gut durchgespült. Beim Nachbarn lief der Keller voll. Alles nichts ernstes. Die Freibäder wurden alle überflutet, für die ist die Saison vorbei. Paar kleinere Brücken sind weg, paar Gleise wurden unterspült, viele Bachmauern sind dahin (die die Gemeinden vorsorglich alle den Grundstücksbesitzern vermacht haben). Aber es ist lange nicht so schlimm wie 2002, nur kennen wir sowas in dieser Ecke halt gar nicht (2002 war hier ja gar nichts).


    Bilder habe ich keine, aber beim MDR gibts eine gute Zuschauergalerie:
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/thumbnails.php?album=224\r
    http://www.mdr.de/galerie/sachsen/thumb ... ?album=224

    Hier in der Oberlausitz sind generell die kleinen Orte stärker betroffen, die Medien konzentrieren sich aber leider eher auf Görlitz. Dort sind wie gesagt die Nikolaivorstadt betroffen sowie natürlich das Neisseufer, was allerdings nur eine einzelne Straße ist. In Zittau ist Ost (Plattenbauten) und die Weinau betroffen. Dort ist der Tierpark abgesoffen. Am stärksten gewütet hat die Flut in den Gebirgsdörfern. Oybin, Jonsdorf, Großschönau, Bertsdorf-Hörnitz und Olbersdorf waren oder sind noch gesperrt. Weiter in Richtung Bautzen ist Cunewalde gesperrt. Das heißt es wird viel Schaden an privaten Umgebindehäusern geben.
    Von Bad Muskau habe ich noch nichts gehört.


    Übrigens war im Zittauer Gebirge an diesem Wochenende das touristische Highlight, die Historic mobil, geplant. Ein Bergrennen mit historischen Rennmaschinen hoch nach Lückendorf, ein Oldtimertreffen in Jonsdorf und ein Dampflokfest der Kleinbahn mit extra hierher verbrachten Dampfloks. Alles komplett ins Wasser gefallen, und wie man hört sollen wohl auch ein paar Gleise der Kleinbahn unterspült sein. Aber kein Vergleich zur Weißeritztalbahn 2002.

    Doll. Wenn man bedenkt wie schnell der Wiederaufbau ging, und wie lang der Bau stehen wird, und wie zeitlos und überzeugend er wirkt, und wie er von den Menschen angenommen werden wird... da hat die Moderne nicht viele Argumente.


    PS: nur ein prachtvolles Barockportal fehlt mir irgendwie (auch auf den gesamten Platz bezogen), aber das sind Luxuseinwände...

    Quote from "ursus carpaticus"

    Das wäre indes eine wirklich Ehre!
    Was kann man sich konkret drunter vorstellen? DDR-Propagandafilme über den dekadenten Westen? Kottan ermittelt wurde ja ÄFÄAjN nichtin Zittau sodern an authentischen Vorstadt-Scjhauplätzen gedreht (die abeer allesamt nicht so romantisch wie Zi aussehen).
    Also was? Wien als Sinnbild für Vergammelung? Dies in Zittau und unweit vom heute polnischen Niederschlesien?


    Der Film wurde vor 2 oder 3 Jahren gedreht und sollte wohl im Wien der 50er spielen. Die Einstellungen die man verwendete waren ein gründerzeitlicher Solitär, schräg gegenüber ein simpler Barockbau, beide unsaniert, dazwischen 'ne buckelige Pflasterstraße, und als Hintergrund eine verwüstete, überwucherte Brachfläche anstelle mehrerer weggerissener Häuser mit Blick auf die unsanierten Rückseiten der Markthäuser.

    Notizen aus der Provinz

    Das war gestern:



    Um diese Vorhaben geht es:
    Böhmische Straße 9: Der Erker war schon zum Teil abgestürzt, die Sanierung sollte sofort beginnen.
    Der Markt: Die Planung für die Sanierung und Umgestaltung ist angeschoben. 2011 sollte es losgehen.
    Innere Weberstraße 37 und 39: Der private Besitzer wollte sofort mit der Sanierung beginnen.
    Noacksches Haus: Das wohl bedeutendste frühbarocke Haus Sachsens soll ab 2012 saniert werden.




    Das ist heute:




    Eine gute Meldung:



    Die Uhreninsel ist zu einer echten Dreckecke verkommen, die die zweifelhafte Ehre hatte als vergammeltes Wien in Filmen zu agieren.
    Von der erwähnten Breitestraße 2 hoch zum Markt wurden seit der Wende mindestens 5 Häuser weggerissen, darunter AFAIK auch ein sehr schönes Barockhaus. Die kommen leider alle nicht wieder.



    Und das Letzte:



    :x

    Quote from "ursus carpaticus"


    Segen der Autobahn :kopfschuetteln:
    So was traut sich bei uns nicht einmal die ÖVP in halbwegs intellektuellem Rahmen mehr zu verzapfen.
    Da kann man, wenn der die Fördertöpfe leer sind, besser gleich auf den Weihnachtsmann hoffen...


    An was liegt es wohl dann, dass Leben zur selben Zeit einzog als die Autobahn fertig wurde? Ich kenne Pirna auch noch aus der Zeit als eine in meiner Erinnerung ständig verstopfte Straße die einzige Verbindung nach Dresden war. Da machte Pirna stellenweise einen recht verschlafenen und durchschnittlichen EIndruck. Das jetzige Bauvolumen allerdings sehe ich in sonst keiner sächsischen Kleinstadt. Also woran liegt es? Nicht zufällig doch daran, dass die Stadt nun eine attraktive Wohnalternative für wohlhabende Dresdener geworden ist, weil sie jetzt stressfrei erreichbar ist?

    Sehr interessantes Update. In Pirna wird wohl von allen sächsischen Kleinstädten derzeit am meisten gebaut. Bin richtig erstaunt über den Umfang. Da merkt man den positiven Einfluß der Autobahn.