Posts by Mündener

    Ich bin ja erstaunt, dass mit dem Dom zu Münster eines der - meines Erachtens - besten Vergleichsbeispiele noch nicht genannt wurde:



    Quelle: https://commons.wikimedia.org/…rale_St._Paulus_Front.jpg - Autor: Zairon


    Der Kreisfries am Ansgariikirchturm scheint mir aber ein Unikat zu sein - weder an einer westfälischen (z.B Soest, Hohnekirche, Südseite) noch an einer friesischen Kirche (etwa Marienhafe, dort allerdings Backstein -> nur bedingt vergleichbar) aus der Zeit konnte ich etwas Ähnliches finden.


    Was die Verwendung von Natursteinen unterschiedlicher Färbungen angeht - im Norden hatte man neben den örtlichen Feldsteinen häufig nur die Wahl zwischen Backstein und Natursteinen, die von weit her kamen, etwa Wesersandstein oder rheinischer Travertin. Ich weiß im Falle des Ansgariikirchturms nicht, welchen Stein man im Endeffekt verwendet hat, aber es ist davon auszugehen, dass man in Bremen nach dem teuren Steinimport wenig wählerisch bei der Verwendung war, mangels Alternativen.

    Ich halte die Entwicklung in Lübeck sogar langfristig für bedeutender als die großen genannten Rekonstruktionsprojekte - sie zeigt nämlich, dass man mit entsprechend strengen Vorgaben, die über den Stadtgrundriss hinausgehen, auch heute noch in der Lage ist, ansprechende Architektur und vor allem ein städtebaulich gelungenes Gesamtbild herzustellen - und das weitestgehend ohne Rekonstruktionen, sondern einfach durch die Einhaltung lokaler Charakteristika.


    Der nächste wichtige Schritt wäre ein Viertel, wo man ebendies ohne einen Kontext wie die Lübecker Altstadt, die solche Vorgaben geradezu erzwingt, hinbekommt.

    Das Haupttragwerk des Gebäudes stammt sehr wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert, zu erkennen an den gekehlten Kopfbändern, die ab dem frühen 17. Jahrhundert in Ostwestfalen aus der Mode kamen. Für noch älter halte ich es nicht, aus verschiedenen Gründen (Häuser des 15. Jahrhunderts sind in Westfalen recht selten, zudem gab es in der Region im 16. Jahrhundert ein starkes Bevölkerungswachstum nebst einhergehendem Bauboom, und die eher geringe Größe des Hauses spricht dafür, dass es in dieser Zeit als Teil eines neuen Hofs erbaut wurde).


    Da man aber derartige Datierungen nie ohne technische Hilfsmittel verifizieren kann, würde ich eine dendrochronologische Datierung empfehlen (solange Interesse daran besteht, das Alter des Hauses genau zu kennen). Die Aussichten auf Erfolg der Datierung halte ich für recht gut, da recht viel Originalsubstanz (diverse Hauptständer, Kopfbänder und Rähme sowie die Querunterzüge) erhalten ist.


    PS: Habe den Beitrag leider nur halb gelesen (bis Rietberg) und daher die Lage völlig falsch verstanden :peinlich: . Teil 1 meines Datierungsversuchs gilt immer noch, Teil 2 ist nun natürlich irrelevent.


    PPS: Ich habe gerade nochmal ein wenig recherchiert - es gibt aus der näheren Umgebung eures Hauses einige Bauten aus dem 15. und 16. Jahrhundert, am bemerkenswertesten ist das Hallenhaus vom Hof Wehlburg in Wehdel (mehr dazu hier, auf Seite 20ff), desweiteren steht im Heimatmuseum Haselünne ein Haus mit einem Innengerüst von 1504 (Hof Klus). Diese Situation würde eine dendrochronologische Untersuchung des Hauses nochmal interessanter machen :D

    Wenn ich es richtig gesehen habe, ist die Zütphen-Kapelle in einem recht starken Winkel angebaut, sodass man den Giebel in jedem Falle gesehen hätte. Ich habe versucht, eine möglichst genaue orthogonale Ansicht der Südseite mit allen Anbauten zu zeichnen, ohne irgendetwas zu verzerren (ist mir nicht gelungen, die Anbauten sind größtenteils zu schmal). Das Haus Köppe ist ebenfalls recht schräg angebaut, aber dennoch so, dass man die Fassade ganz gut erkennen kann (die Verzerrung ist aber dennoch sichtbar - hoffentlich).

    Es gibt ein wenig Fortschritt zu zeigen - und diesmal auch ein besseres Bild. Ich habe mich dazu entschlossen, die Zeichnung zu aquarellieren, allerdings nur mit Sepiatönen, und vermutlich auch nur die Kirche selbst.



    Sobald die Zeichnung fertig ist, kann sie gerne für jegliche Zwecke, die der Erinnerung an die Ansgariikirche sowie ihrem Wiederaufbau dienen, verwendet werden.


    PS: Hier ist die fertige Zeichnung zu finden.

    Ich dachte mir, man könnte das Wochenende nutzen, um das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden.



    Dargestellt ist der Zustand der 20er und 30er Jahre. Wenn es Fehler gibt, bitte ich um Korrektur. Ansonsten gibt es neue Bilder, sobald ich mehr gezeichnet habe.


    PS: Die Zeichnung ist nicht schief, sondern die Aufnahme derselbigen :D

    Habe noch ne Dorf-Zeichnung - diesmal ein planmäßig angelegtes Straßendorf mit Wehrkirche (siehe den Längsschnitt weiter oben) und Weinbergen.



    ...und dann hätte ich noch ein paar einfache Skizzen zu diversen Details der letzten Dorfzeichnung, etwa Grundrisse und Innenansichten von Kirche und Burgkapelle, und eine Ansicht des Pfarrhauses.


    Ich habe mittlerweile keinen Überblick mehr darüber, was hier schon bekannt ist/erwähnt wurde und was nicht - aber ich meine, das folgende Gebäude hier noch nicht gesehen zu haben.


    Es handelt sich um den Torbau der Burg Eisenhardt in Belzig, der ein beachtliches, zweijochiges Zellengewölbe besitzt.



    Quelle: Wikipedia, Autor: Gregor Rom, hochgeladen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.

    Tatsächlich stellt der Turm in der Story des Spiels eines der wichtigsten Relikte der alten Menschheit dar, einen Verteilerturm für die Befehle zur Wiederherstellung der Erde für zukünftige Generationen. Gewisse Ähnlichkeiten mit Rottweil kann man allerdings nicht bestreiten.


    Ich bringe aber nochmal ein anderes Beispiel in die Runde ein. Es handelt sich um das Spiel "Kingdom Come: Deliverance" des tschechischen Entwicklerstudios Warhorse Games.


    Das Spiel erzählt eine Episode aus der spätmittelalterlichen Geschichte Böhmens, und spielt in einer zentralböhmischen Landschaft entlang des Flusses Sázava/Sasau im Jahr 1403. Erzählt wird die Geschichte des Konflikts zwischen dem Böhmischen König Wenzel IV. und dem Ungarischen König Sigismund von Luxemburg, und die daraus entstehenden Folgen für die Bevölkerung. Man selber spielt den Sohn eines Schmieds im Bergbaustädtchen Silberskalitz (Stříbrná Skalice). Nachdem direkt am Anfang der Ort niedergebrannt wird und man Familie und Heimat verliert, muss man sich in der recht großen offenen Spielwelt durchschlagen und hocharbeiten.


    Erstaunlich an diesem Spiel ist zunächst einmal der völlige Verzicht auf Fantasy-Elemente und desweiteren die akribische Recherche im Vorfeld und die darauf folgende Rekonstruktion der spätmittelalterlichen Landschaft, die zwar einige kleinere Fehler aufweist, aber im Großen und Ganzen ein glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit abgibt. Rekonstruiert wurden dafür unter anderem ein Kloster, drei Burgen, eine komplette befestigte Kleinstadt und diverse Dörfer und Weiler nebst einigen Pfarrkirchen.


    Nun ein paar Bilder - zunächst die Stadt (es handelt sich um den Ort Rattay an der Sasau (Rataje nad Sázavou)
    Dazu noch zum Vergleich eine zeitgenössische Ansicht des Ortes.



    Außerdem das Kloster (heutiger Zustand hier)



    Und zu guter letzt noch die Burg Talmberg/Talenberg (Talmberk)




    Und wieder eine aktuelle Ansicht.


    Besonders viel Mühe gegeben wurde sich allerdings bei der Gestaltung der Innenräum, insbesondere bei Kirchen und Kapellen, für die in mühevoller Kleinarbeit Wandmalereien und Ausstattung neu kreiert wurden. Beispiele:





    Copyright für sämtliche Bilder liegt beim Entwickler, Warhorse Studios.


    Für mich eines der besten Spiele überhaupt, auch weil es beweist, dass man nicht tief in die Fantasie-Kiste greifen muss, um ein atmosphärisches Spiel mit einer spannenden Geschichte zu erzählen.

    Bei mir in der Nähe (Keferloh) gibt es eine Zuckerhutglocke aus dem 13. Jahrhundert, die vermutlich kaum jemand kennt. Ich habe sie bisher ein einziges Mal erklingen hören - am Patronatstag der Kirche auf meine Bitte hin.


    Die Münchener Region besitzt eine Vielzahl historisch bedeutender Glocken und Geläute, neben dem sehr wertvollen Geläut der Frauenkirche seien vor allem die zwei sehr guten Glocken der Pippinger Wolfgangskirche zu erwähnen, beide 1485 von Ulrich von Rosen gegossen, und immer noch im originalen Eichenglockenstuhl (erstaunlicherweise überlebten sie den Brand der Kirchturmspitze nach Blitzschlag 1794). Und in der Frauenkirche hängt sogar eine kleine Glocke des 14. Jahrhunderts quasi auf Augenhöhe der Besucher, die Chorherrenglocke im nördlichen Seitenschiff - sie erfährt leider in etwa so viel Beachtung wie das Grabmonument des Conrad Paumann (dieser tolle Fußabdruck ist ja sooo viel interessanter).



    Ältere Glocken, aus dem 13. Jahrhundert und früher sind aber meines Wissens recht selten im Umkreis von München. Neben der oben genannten Keferloher Glocke fällt mir sonst nur die Gilchinger Arnoldusglocke ein (eine Zuckerhutglocke aus dem späten 12. Jahrhundert), die mittlerweile im Kirchenschiff hängt.


    Daher ist es umso bedauerlicher, dass beide Glocken nicht mehr regelmäßig erklingen.

    Handelt es sich bei dem Turm wirklich um den Turm einer ehemaligen Leutkirche (ich denke, dass damit die Pfarrkirche für die Klosterlaien gemeint ist)? Auf der Merian-Ansicht des Klosters, der ja bekanntlich noch den gotischen Zustand darstellt, erscheint der Turm als damals einziger Glockenturm der Klosterkirche, interessanterweise damals schon mit einer Welschen Haube. Will sagen, man hat diesem Turm irgendwann ganz bewusst sein gotisches Aussehen zurückgegeben, und dies muss vor 1898 geschehen sein, wie dieses Photo beweist. Alternativ kann es auch sein, dass es Merians welsche Haube so nie gegeben hat.


    Der Grund für die Erhaltung des Turms auch nach dem barocken Umbau dürfte indes recht simpel sein und darin liegen, dass die barocken Fassadentürme zur Zeit Zucallis nicht errichtet wurden, sondern erst 1853/54 (Nordturm) und 1906/07 (Südturm), sodass der gotische Glockenturm auch weiterhin benötigt wurde.


    Zuletzt noch zur Leutkirche, eine Solche könnte es östlich des Klostergeländes gegeben haben, wenn man der Merian-Ansicht glaubt. Beweise dafür konnte ich allerdings bislang nicht finden, nur in der Denkmalliste taucht sie als Teil des Bodendenkmals Kloster Ettal unter der Bezeichnung "abgegangene Klosterpfarrkiche Hl. Kreuz" auf, allerdings ohne genauere Angaben zu ihrer einstigen Lage.


    PS: Ich stelle mir gerade vor, wie toll es wäre, wenn es einen bayerischen Wenceslaus Hollar gegeben hätte, der mit derartiger Akribie und Liebe fürs Detail die ganzen romanischen und gotischen Klosterkirchen Oberbayerns vor ihrer Vernichtung im Barock und während der Säkularisation zeichnerisch verewigt hätte. Schade, dass es das nicht gab...

    Tatsächlich habe ich nur mit Bleistift und Aquarell (genauer gesagt: mit Wasser verdünnte chinesische Tusche) gearbeitet.


    Was die Berge angeht, gebe ich Franka recht, und erweitere die Aussage noch. Mir sind die Berge nicht nur zu kräftig geraten, sondern auch der Übergang von Wald zu Bergen funktioniert allenfalls mäßig gut. Der Grund dafür liegt in meiner mangelnden Erfahrung mit derartigen Hintergründen - die Zeichnung ist meine erste Stadtansicht in einer derartigen Perspektive mit einem weiten Blick über die Landschaft.

    Im englischen Exeter hat man in einer ähnlichen Situation (im Boden liegende Reste der mittelalterlichen Brücke) genau eine solche Freilegung durchgeführt - das Ergebnis kann sich sehen lassen.



    Quelle: Wikipedia, Autor: Nilfanion


    In Dresden hätte eine Freilegung aufgrund der einerseits beträchtlichen ehemaligen Ausmaße und Bedeutung der Brücke, und andererseits aufgrund des weitgehenden Fehlens von Zeugnissen der mittelalterlichen Stadtgeschichte eine nochmals größere Bedeutung als bei diesem Beispiel.

    Naja, für Golvins zeichnerische Versiertheit brauchts bei mir noch ne ganze Weile :D


    Wobei ich mich durchaus schon mit Aquarell versucht habe (in einer etwa zweieinhalb Jahre alten Ansicht der Stadt Sandomierz um 1400), aber in diesem winzigen Maßstab geht das leider fast zwangsläufig auf kosten der Details. Golvins Stadtansichten sind auch i. d. Regel deutlich detailärmer, meist werden bei den Häusern nicht einmal Fenster angedeutet.


    Was mich bei Golvin jedoch wirklich stört, ist die oft sehr nachlässige Recherche, die dann in wunderschönen, aber historisch total inkorrekten, ja teils widersinnigen Zeichnungen resultiert. Seine Darstellung von Notre-Dame im Bau etwa zeigt die Kathedrale in einem Stadium, in der von den frühgotischen Türme vom Anfang des 13. Jahrhunderts gerade erst die Untergeschosse im Bau sind, die hochgotischen Umbauten des Querhauses aus der Mitte desselben Jahrhunderts aber bereits vorhanden sind. Nachdem schon Viollet-le-Duc diese Umbauten ausführlich untersucht hat, aufwendige Rekonstruktionszeichnungen dazu erstellt hat und sogar den Rückbau zweier Langhausjoche initiiert hat, wäre dieser Fehler doch eigentlich vermeidbar gewesen, oder?


    Bei seiner Darstellung von Nantes im 15. Jahrhundert verhält es sich ähnlich, die Kathedrale ist dargestellt als beinahe vollendet mit den Türmen noch im Bau - einem Zustand, den es so nie gab. Der Neubau der Kathedrale ab dem 15. Jahrhundert verlief gebau umgekehrt - der einzige Teil, der noch in diesem Jahrhundert fertig wurde, waren ironischerweise die Türme. Das Langhaus war im 16. Jahrhundert noch im Bau, erst im 17. Jahrhundert wurde der südlichen Querhausarm errichtet und das Vorhandene gewölbt, alles weitere stammt erst aus dem 19. Jahrhundert. Eine einfache Google-Suche (Suchwort: Nantes Cathédrale Histoire) hätte ihm unter anderem diese Ansicht aus dem 19. Jahrhundert gezeigt, die ein durchaus anderes Bild als das Seine von der Kathedrale zeigt und ihn auf Gedanken gebracht hätte, die letztendlich mit Sicherheit diesen Fauxpas vermieden hätten.


    PS: Habe zu Nantes noch eine (mittelmäßige) Rekonstruktionszeichnung des spätmittelalterlichen Zustands gefunden.

    Quote from UrPotsdamer

    Das kann aber auch ein Fehler bzw eine Vereinfachung in der Visu sein...

    Möglicherweise ist es das - an den Segmentbogenfenstern des Seitenflügels ist die Textur um 90 Grad gedreht, und man kann sehen, dass dort recht - sagen wir mal - schnell und oberflächlich texturiert wurde.


    Zudem wäre es bei einer solchen Fassade mit einer recht komplexen und feinen Tiefenstaffelung mit vielen kleinen Versätzen grober Unsinn, mit Riemchen zu arbeiten.

    Quote from Konstantindegeer

    Hoffentlich wird die Fassade nicht nur Riemchen auf Styropor sondern vorgemauerter Vollstein.

    Man kann in den Visualisierungen bereits deutlich erkennen, dass es Riemchen werden - an sämtlichen Bögen laufen die Backsteinlagen gerade durch und das Fugenmuster der Laibung passt nicht zu demjenigen der Bogenfront.