Posts by Mündener

    Ich habe letztens im Rahmen eines Projekts an der Uni eine Rekonstruktionszeichnung der Düsseldorfer Gemäldegalerie im Zustand 1763-1795 angefertigt und dachte mir, dass sie hier vllt auch jmd. interessiert.



    Da die eingebundenen Bilder scheinbar automatisch extrem komprimiert werden, hier nur ein Vorschaubild und der Link zu einer Version mit akzeptabler Auflösung.

    Ein wunderbarer Garten, ein sehr elegantes Schloss - und vor allem ein gutes Beispiel dafür, wie enorm gute Fenster ein Bauwerk aufwerten, oder - wie in diesem Fall - überhaupt erst wirken lassen.


    Vielen Dank für die schönen Bilder!

    Im Umfeld von Soest gäbe es auch noch den Dachstuhl der Ostönner Kirche, der übrigens noch etwas älter ist, als es Derjenige von Notre-Dame war - er stammt aus der Erbauungszeit der Kirche, aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.



    Eigene Aufnahme


    Die Besichtigung war mir möglich zum Tag des Offenen Denkmals letztes Jahr - selbstverständlich auf eigene Gefahr. Der Zustand dürfte etwa im Normalbereich bei kleineren Stadtkirchen und Dorfkirchen hierzulande sein - Zutritt nur bei unbedingter Notwendigkeit. In diesem Fall musste man durch eine schmale Lücke zwischen dem originalen Kehlbalken und einem rostigen Zuganker darunter kriechen. Der Brandschutz ist mit "nicht vorhanden" noch freundlich umschrieben.


    Kurz gesagt - wenn hier mal ein Feuer ausbrechen sollte, könnte die Feuerwehr sehr wahrscheinlich nur noch beim Abbrennen dieses 850 Jahre alten Stücks Zimmermannskunst zuschauen.

    Ich habe noch ein weiteres Beispiel gefunden, ein Haus aus Kürnbach, ebenfalls im Kraichgau, laut (offensichtlich moderner) aufgemalter Datierung ins Jahr 1539. Ich denke, man kann dem aber durchaus Glauben schenken, solch eine Datierung zieht man sich nicht mal eben aus der Nase. Interessant ist hier, dass das Fachwerkbild noch weitestgehend den Mustern des alemannischen Fachwerks entspricht und die Kehlbalken sogar noch angeblattet sind. Mit diesem Vergleich wird es wahrscheinlicher, dass es auch im Elsass einige derartige Spätdatierungen geben dürfte.

    Habe soeben noch ein Vergleichsbeispiel für die überkreuzten Streben gefunden, das Haus Zabergäustraße Nr. 16 in Kleingartach (Stadtteil von Eppingen). Das Haus ist inschriftlich (laut Text, kein Bild der Inschrift) ins Jahr 1507 datiert, passt insofern zu unserer zeitlichen Einordnung des Stils.


    Desweiteren gibt es im gleichen Ort mit der alten Kelter von 1475(d) ein Bauwerk im reinen alemannischen Stil. Wie auch in Riquewihr existierten beide Stile im gleichen Ort, sodass man davon ausgehen kann, dass dies in Baden, dem Elsass und evtl. der Pfalz keine Seltenheit war.


    Zu guter Letzt beweist der Fachwerkaufbau des Kirchturms in Eibensbach, wie fließend der Übergang von der Überkreuzstrebe zur K-Strebe in dieser Region teils war.

    Die überkreuzten Kopf- und Fußstreben ohne Anblattungen würde ich sehr wohl als mittelalterlich werten. Zum einen gibt es vergleichbare Befunde von rechtsrheinischer Seite, aus dem Kraichgau (Eppingen) und dem unteren Neckartal (Hirschhorn und Neckargemünd). In Eppingen und Hirschhorn finden sich überkreuzte Streben ohne jegliche Anblattungen (Eppingen Bild 1, Bild 2; Hirschhorn) in Kombination mit teils angeblatteten Steigbändern , desweiteren eine reduzierte Form in Neckargemünd, hier ebenfalls mit angeblatteten Steigbändern und einem Freigespärre (Bild), außerdem ein Beispiel aus Hirschhorn mit derselben Reduktionsform. Letztere reduzierte Form findet sich an gleicher Weise mit angeblatteten Steigbändern an einem Haus in Hunawihr (Link). Auffällig ist hier außerdem, dass in allen drei Fällen die Steigbänder nur oben angeblattet sind.


    Diese Kombination spricht in meinen Augen dafür, dass diese Strebenformen den letzten Jahren des spätmittelalterlichen Fachwerkbaus in der Region (wohl um 1500 und kurz danach) zuzuordnen sind. Ein weiteres Beispiel aus Hirschhorn legt desweiteren nahe, dass es sich dabei um Übergangsformen zwischen dem südhessischen und dem alemannischen Fachwerk handelt.


    Wenn man nun bedenkt, dass die entsprechenden Fachwerkformen gerade im südhessischen Raum bis weit ins 16. Jahrhundert in Gebrauch blieben, und andererseits die erstaunlich späte Datierung des archaisch anmutenden Bauernhauses aus Artolsheim (Bild) ins Jahr 1561 betrachtet, so könnte man annehmen, dass im Elsass manche mittelalterlichen Fachwerkformen auch später im 16. Jahrhundert noch Anwendung fanden. Dies könnte etwa auf das oben genannte Haus in Hunawihr zutreffen. Auch ein Gebäude in Weißenburg (Bild) mit einem Datierungsstein mit der Jahreszahl 1582 am Kamin (Bild) könnte demnach evtl erst zu diesem Zeitpunkt gebaut worden sein. Zur Klärung bräuchte man nun allerdings dendrochrononlogische Datierungen.

    Saint-Hippolyte

    11, Rue des Remparts:


    https://goo.gl/maps/fVYbTAas5c9NcriAA


    Ein sehr unsicherer Fall - Blattsitze oder Ähnliches sind nicht zu erkennen, einziger Hinweis auf ein möglicherweise spätmittelalterliches Erbauungsdatum ist der vorgesetzte Brustriegel (wirklich aufgeblattet ist der nicht), zudem ist am Eckständer ein großes Zapfenloch zu sehen; ein Beweis dafür, dass die heutige Fassade nicht die Ursprüngliche ist.

    Reichsfeld


    47, Rue Mathias Ringmann


    https://goo.gl/maps/gtnAMUEs2yJ7Aon49


    Handelt es sich hierbei um einen mittelalterlichen Bau? Die Frage stellt sich auch nur, wenn man die linke Traufseite betrachtet, aber mir scheinen die Fußstreben doch zumindest auf die Schwelle aufgeblattet zu sein. Meiner Erfahrung nach ist der ältere Baubestand in den Dörfern der Vogesentäler eher dürftig, Reichsfeld scheint aber eine Ausnahme zu bilden - es gibt dort noch eine Anzahl an Fachwerkbauten aus dem späten 16. Jahrhundert.

    Ich habe noch ein Gebäude in Oberehnheim aufgetrieben.


    Obernai/Oberehnheim

    7, Rue de la Chapelle:
    https://goo.gl/maps/RggHxZ4nN4i2aDyi6


    Es handelt sich um einen weitestgehend verputzten, traufständigen Bau mit einer spitzbögigen Hofzufahrt. Am einzigen nicht verputzten Bauteil, dem nördlichen Giebel kann man einen angeblatteten Kehlbalken sehen sowie den Balkenkopf des Rähms der Straßenfassade - ersteres Detail belegt, dass der Bau bis zum Dach aus dem Mittelalter stammt, Letzteres, dass das komplette OG zumindest ursprünglich eine Fachwerkkonstruktion war.


    Ergänzung: Ich habe gerade festgestellt, dass auch an der teils freiliegenden Schwelle der Traufseite ein zugespachtelter Blattsitz zu erkennen ist.

    Auf dem vorhin gesendeten Luftbild kann man erkennen, dass 2 Kappen an der Grenze zwischen dem dritten und vierten Langhausgewölbe eingestürzt sind - sie scheinen aber wohl die Kanzel verfehlt zu haben. Hier dazu ein sehr gutes Innenbild.

    Die Glasmalereien sind ebenfalls ein Werk des 19. Jahrhundert - nichtsdestotrotz ein Bedeutendes. Die Orgel ist ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert, hinter einem barocken Prospekt. Bliebe als wahrscheinlich bedeutendstes festes Ausstattungsstück das barocke Chorgestühl, zu nennen wäre noch die neugotische Kanzel.


    Von alldem werden wohl Orgel und Glasmalereien am stärksten gefährdet bzw. bereits beschädigt sein. Alles andere dürfte wohl leichtere Schäden davongetragen haben, durch Rauch und Löschwasser.

    Glück im Unglück ist, dass der abgebrannte Teil im Wesentlichen aus der Hand von Viollet-le-Duc stammt, der seine Arbeit ja bekanntlich hervorragend dokumentiert hat - der Wiederaufbau des Vierungsturms sollte daher seitens der Dokumentation kein allzu großes Problem darstellen.

    Nachdem hier seit Längerem nichts mehr passiert ist, geb ich mal wieder was zum besten.


    Zunächst mal wieder eine kleine Stadtzeichnung, die ich heute fertiggestellt habe - diesmal sogar in Farbe.



    Und dann noch eine ältere Zeichnung, seit Langem mal wieder eine klassische Architekturansicht; zwei Platzseiten im Stile des französischen Hoch- und Spätmittelalters.


    Ich bin mir ziemlich sicher, dass damit gemeint war, dass das Zierenberger Rathaus der älteste inschriftlich datierte Fachwerkbau Hessens ist, was auch stimmt.
    Die älteste bisher gefundene Bauinschrift an einem Fachwerkbau in Deutschland befindet sich übrigens am Haus Ackerhof 2 in Braunschweig von 1432.

    Die Löcher in der Mitte der Steine lassen sich sehr einfach erklären, siehe hier.


    Die unterschiedliche Schärfe der Kanten dürfte wahrscheinlich auf die unterschiedliche Verwitterungsbeständigkeit der verwendeten Steinarten zurückzuführen sein.