Posts by Mündener

    Die Bürgerhäuser jedoch überzeugen auch mich in England grundsätzlich nicht. Prachtvolle Bürgerhäuser wie in Lübeck oder Erfurt, die aus einer entwickelten lokalen Handwerkerkultur entstanden, oder mittelalterliche Stadtpaläste wie Regensburg gibt es dort schlichtweg nicht

    Dem kann ich nicht ganz folgen. Es mag sein, dass man in englischen Großstädten vergeblich nach diesen Bauten sucht. Aber gerade auch in den kleinen Marktorten findet man Beispiele, die in Sachen Ornamentik (gerade Fachwerkbauten) mitunter mit französischen Pendants mithalten können.
    http://s0.geograph.org.uk/photos/15/69/156935_47fd28f3.jpg
    in Stratford St Mary, Suffolk
    http://www.beenthere-donethat.org.uk/images.big/lavenham43big.jpg
    in Lavenham, Suffolk
    (Lavenham kann als Fachwerkstadt sehr wohl mit dt. Beispielen verglichen werden)
    und auch in sonst eher fachwerkarmen Gebieten finden sich schöne Gebäude, etwa Ashleworth Manor...
    http://s0.geograph.org.uk/photos/93/16/931619_2ef7a682.jpg
    ...oder King John's Hunting Lodge in Axbridge, Somerset
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…2C_Axbridge.jpg

    Beim Vergleich mit Lübeck gibt es ein Problem: in der Zeit, als in Lübeck die prachtvollen Bürgerhäuser der Backsteingotik entstanden (13. - 16. Jahrhundert) wurde in Englands Städten grundsätzlich nicht mit Stein (Backstein miteinbezogen) gebaut.


    Quote

    Auch englische Fachwerkstädte wirken verglichen mit ihren deutschen Pendants immer recht mickrig.

    Die Städte die man in England heutzutage als groß bezeichnen kann ( London, Birmingham, Manchester, Liverpool, ...) sind entweder im genannten Zeitraum Dörfer (Birmingham) bzw. Kleinstädte (Liverpool, Manchester) gewesen (deren vorindustrielle Bausubstanz fast gänzlich verschwunden ist) , oder sind im Laufe ihrer Geschichte mindestens einmal komplett neu wiederaufgebaut worden (nach dem großen Brand von London 1666). Fachwerk findet man in größeren Mengen heute hauptsächlich im Osten (Suffolk, Essex) , im Südosten (Kent, Sussex, Surrey) und im westlichen Herefordshire, außerdem noch im gewissen Ausmaß in Städten wie York oder Canterbury.
    Das Hauptproblem dabei liegt in der Definition des Terms "Stadt". Denn ummauerte Städte, wie sie im mittelalterlichen Nord- und Süddeutschland in großer Zahl vorkommen, waren und sind in England kaum vorhanden. Der Großteil der Städte, die im mittelalterlichen England eine Rolle gespielt haben, würden in Deutschland als große Haufendörfer bezeichnet werden. In England wurden Stadtmauern ausschließlich vom König errichtet, und dies geschah meist nur in großen und in grenznahen Städten (etwa an den Grenzen zu Wales und Schottland). Beispiele des letztgenannten Typen sind heutzutage, nachdem sie ihre Strategische Funktion irgendwann verloren hatten, zu kleinen Dörfern verkommen (z. B. New Radnor, Wales oder Clun, Shropshire).
    Bleiben also noch die großen Städte und die wenigen Städte, denen ein soeben erläutertes Schicksal erspart blieb. In den Städten, die kontinuierlich groß gewesen sind, wurden logischerweise auch kontinuierlich die alten Bauten durch Neue ersetzt. Dort ist also nur noch wenig Substanz zu finden. Bleiben noch Städte wie Canterbury oder Sandwich (beide Kent). Beide hatten eine Stadtmauer und beide besitzen noch einiges an historischer ( auch mittelalterlicher) Bausubstanz ( Galerie zu Sandwich siehe Kent Seite 3).


    Quote

    das sind Städte in einer Liga, an die keine britische Altstadt heranreicht.

    In GB konzentriert sich die historische Bausubstanz ( auch die Fachwerkbauten der Gotik und Renaissance ), im Gegensatz zu Deutschland beispielsweise, viel weniger auf die Städte, sondern mehr oder weniger auf Bestimmte Regionen (siehe oben). Dort findet man dann auf dem Land und in den Städten dieselben prächtigen oder weniger eindrucksvollen Beispiele des englischen Fachwerks.
    Wer sich einen "Überblick" verschaffen will, kann also ganz England systematisch mittels dieser Seite
    Listed Buildings Online | British Listed Buildings abgrasen. :cool:

    Also kann man sagen, dass es zwei unterschiedliche Stile gibt: den "Inn-Salzach-Stil" im Bereich östliches Oberbayern und Salzburg/Salzach, und den im Bereich Nord- und Südtirol, der zeitgleichen Stilen in Venetien ähnelt (z. B. in Udine, Venzone, Vittorio Veneto)

    Ravensberger
    Ja, das stimmt. Deshalb hab ich ja in der Überschrift auch bewusst "Inn-Salzach-Stil" in Anführungszeichen gesetzt.
    Eigentlich ist die Inn-Salzach-Bauweise eine regionale architektonische Tradition über die Epochen der Gotik, der Renaissance (im betroffenen Gebiet eher zu vernachlässigen) und des Barocks.


    Markus
    In Rattenberg und auch in Innsbruck habe ich Fenster mit spätgotischen Laibungsprofilen gesehen, die aber augenscheinlich nie Kreuzstöcke besessen haben.
    http://www.tirol.tl/images/cms/126…Ortszentrum.jpg

    (siehe rotes Haus rechts)
    Ich schätze, dass Diese zum Zeitpunkt der Erbauung des Hauses (der Häuser) zumindest in manchen Fällen noch unverglast waren, und folglich nur mit Klappläden (wie in Hall) geschlossen wurden.


    P.S.: Ich habe mich nebenbei mal an einem Nachbau eines Hauses in der Inn-Salzach-Bauweise des späten Mittelalters auf Basis meiner bisherigen Kenntnisse versucht.

    Siehe: Mittelalterliches Haus im "Inn-Salzach-Stil" by MedievalEurope - Google 3D Warehouse

    "Inn-Salzach-Stil" ist der Name einer epochenübergreifenden Stilrichtung (vom 14. Jahrhundert bis ins späte 18. Jahrhundert) der Profanbaukunst in den Regionen entlang der Flüsse Inn und Salzach (daher der Name) sowie in Teilen Südtirols. Er zeichnet sich durch monumentale Gestaltung der Fassaden durch weitgehenden Verzicht auf Ornamentik (zumindest während der Gotik) sowie schlichte, gerade Fassadenabschlüsse (Ausnahme: geschwungene Giebel im Barock ) aus.

    Herrengasse, Wasserburg am Inn, mit den typischen Kastenerkern

    Charakteristisch im Bereich der Fassadengestaltung sind zudem Erker mit segmentbogenartigen unteren Abschlüssen und Arkaden (diese sind den Baustilen entsprechend zunächst gotisch spitzbögig, später wurde im Barock der Rundbogen allgemein üblich. Häufig besitzen die Bauten des Inn-Salzach-Stils Grabendächer (Grabendach – Wikipedia) oder Satteldächer mit geringen Dachneigungen.


    Fassadengliederung wie diese spitzbögigen Nischen ist eine seltene Erscheinung




    Die spitzbögigen Arkaden sind ein Charakteristikum des Inn-Salzach-Stils im späten Mittelalter


    Damit endet mein Wissen...

    Nun die Fragen:

    1.
    Seit dem Barock wurden hölzerne Sprossenfenster allgemein üblich. Da mir bislang bei Bauten des Inn-Salzach-Stils keine anderen Arten Fenster aufgefallen sind, stellt sich mir die Frage, wie zum Beispiel die Fenster bei Bauten des Inn-Salzach-Stils im späten Mittelalter ausgesehen haben.
    Wahrscheinlich waren es die spätgotischen Kreuzstockfenster wie fast überall in Europas Steinbauten zu der Zeit. Dafür spricht diese Ansicht der Bruckgasse in Wasserburg am Inn aus dem frühen 20. Jahrhundert.

    Quelle: Wikipedia

    2.
    Wie sah/sieht das Innere dieser Bauten aus. Sind die Häuser massive Steingebäude, oder haben sie hölzerne Innengerüste.


    Ich hoffe, jemand kann diese Fragen beantworten.

    Ich schätze dass neben den hohen gotischen Steinhäusern auch noch ein Paar der Blockbauten aus dem Mittelalter stammen. Denn Beispiele aus der Schweiz haben gezeigt, dass Blockhäuser mitunter älter werden können als die ältesten noch erhaltenen Fachwerkhäuser.

    Das ganze Forum ist voll von Beschwerden und Klagen über den Verlust einst so bedeutender Stadtkerne wie dem von Frankfurt, Hildesheim, Braunschweig, Halberstadt usw. Allerdings dürfte es doch einiges an Literatur aus der Vorkriegszeit geben. Ich suche nach guten (und eventuell noch erhältlichen) Büchern zu den vom Kriege nicht verschonten Groß- und Kleinstädten Deutschlands und Europas.
    Ich fange gleich mal an:

    BAU- UND KUNSTDENKMÄLER VON WESTFALEN
    Stadt Münster
    Max Geisberg
    entstanden in den Jahren 1932-1941
    6 Bände + Register

    Bitte um weitere Literaturhinweise...