Posts by rakete

    ich finde das projekt ganz okay, weil


    - ein plattenriegel abgerissen wird
    - die strasseneinmündung wiederhergestellt wird
    - keine hotels oder büros, sondern wohnungen entstehen.


    diese bedürfen halt marktgerechter grundrisse und mietpreise.


    nüchtern betrachtet erweist sich doch der neumarkt als ziemlicher krampf aus touri-abzocken, hotels und leerständen. "richtiges" leben findet dort kaum statt. das mag für diesen speziellen platz gehen. aber was dort schon kaum funktioniert, sollte nicht auch noch massstab für die hauptstrasse werden.


    oder kurz gesagt: besser bewohnte florana-häuser als eine leere "schütz-residenz".

    nun ja, die zielgruppe der von spacecowboy gezeigten projekte dürfte eine ohnehin andere sein.


    @kv2d:
    selbstverständlich lässt sich der strassenausbau weder bestellen noch abbestellen.
    im vorliegenden fall wurde die wesentlichste verbesserung im übrigen durch die verlegung der bundesstrasse b6 auf eine völlig neu gebaute trasse entlang der bahngleise erzielt. diese entlastung vom durchgangsverkehr bekamen die anlieger tatsächlich kostenlos.

    wer profitiert vom ausbau von anliegerstrassen?
    die anlieger.


    also haben sie sich auch an den kosten zu beteiligen. das ist immer und überall so.
    dass sie sich immer und überall darüber beklagen, ist routine.


    doch durch solche massnahmen wird auch der wert der grundstücke und immobilien gesteigert.
    siehe oben.
    wer sollte denn sonst den srassenausbau bezahlen? "die städte" drucken kein geld. es müsste dann also von den menschen kommen, die von diesen massnahmen nicht profitieren. das wäre ja wohl erst recht nicht dolle.

    dieses gebäude wird trotzdem eine architektonische peinlichkeit.
    blindfenster bei einem neubau - so etwas dürfte es eigentlich gar nicht geben. zumindest nicht bei einem, der einen wettbewerb gewonnen hat. erst recht, weil bessere entwürfe im rennen waren.
    es gibt gute zeitgenössische architektur. man muss sie nur bauen.

    da hast du völlig recht.


    die gepflasterten gassen auf den obigen fotos waren vorher asphaltiert. hier wurde eine deutliche aufwertung erreicht.
    angesichts solcher beispiele kommt natürlich die frage auf, wieso eigentlich immer noch geld in den osten fliessen muss. doch diese frage ist leicht beantwortet:
    was neu gebaut oder frisch saniert wurde, ist selbstverständlich in einem besseren zustand als vergleichbares im westen, wenn es schon 20, 30 oder gar 40 jahre alt ist. infrastruktur (wie brücken, kanalisation, etc), die noch nicht erneuert wurde, war jedoch zumeist seit inzwischen über 70 jahren sich selbst überlassen. am beispiel dresden konkretisiert: der frisch gepflasterte neumarkt macht die dringend notwendige sanierung des blauen wunders nicht überflüssig. auch wenn sie dann noch schöner im vergleich zu einer dann noch angeschmuddelteren rheinbrücke aus den 60ern aussehen wird.


    nebenbei bemerkt: strassen- und platzgestaltungen in der alten brd waren seinerzeit ja keine billiglösungen. im gegenteil. die berüchtigten bepflanzten betonkübel statt bäumen, betonbrüstungen statt geländern und gehwege aus betonstein waren teuer und - wie sich inzwischen herausstellt - kein nachhaltiger beitrag zur stadtraumgestaltung. die "luxus-umgestaltungen" im osten liegen auch in der einsicht begründet, fehler der vergangenheit nicht zu wiederholen. besser einmal pflastern und pflanzen als aller 30 jahre schmuddel-look beseitigen.
    diese logik setzt sich zum glück überall durch. in bonn wurde und wird die fussgängerzone samt angrenzender bereiche in diesem sinne saniert. selbst essen hat den burgplatz neu gestaltet. beispiele aus hannover kennst du sicher am besten. vergleiche diese stadt mit ihrem antlitz von vor 20 jahren und du wirst feststellen, wie viel sich seit dem auch in hannover gebessert hat.
    abschliessend eine provokante these: bestimmt verzögern die transferleistungen für den stadtumbau ost so manches projekt im westen. aber andererseits sind dessen anschauliche erfolge vielleicht auch mit ein grund dafür, dass heute die ergebnisse des wiederaufbaus in der brd überhaupt kritisch hinterfragt werden. zumindest von denen, die nicht nur schlaglöcher zählen, sondern die sich in den innenstädten wohlfühlen wollen. wenn dem so ist und (wie vielleicht in frankfurt) konsequenzen folgen, hat der stadtumbau ost indirekt auch auf westdeutsche kommunen einen positiven einfluss - zum wohle unserer städte.

    ich kann reikianer nur zustimmen.
    leipzig ist tatsächlich eine kleine, grosse stadt, die sich mit kaum einer anderen vergleichen lässst. auch ich freue mich, wenn ich bilder aus connewitz sehe. urbanität fernab von touri-trampelpfaden - wo gibt es das sonst im osten?


    spacecowboys fotos vom city-hochhaus zeigen aber noch mehr:
    nicht nur die tausenden gründerzeitler machen den reiz der stadt aus. auch die seen, parks und wälder, die in den letzten 20 jahren aus den tagebau-mondlandschaften entstanden sind, gehören inzwischen wie selbstverständlich dazu. vor 10 jahren wurde der cospudener see noch geflutet. bald schon wird der dreimal grössere zwenkauer see wirklichkeit sein. es ist faszinierend, diese entwicklung vom city-hochhaus verfolgen zu können. von dort sieht man auch, dass nach der wende nicht nur saniert, rekonstruiert und neu gebaut wurde, sondern dabei glücklicherweise dem stadtbild neue akzente verliehen wurden. ob messe, stadion oder gerade das gondwanaland - die projekte reichen weit über das niveau üblicher zweckbauten hinaus. noch erfreulicher ist, dass die innenstadt von nachhaltiger stadtplanung profitieren wird. die neue uni, der city-tunnel und das entstehende museumsviertel sind vorbildliche beispiele dafür.


    alles in allem: ohne wiedervereinigung wäre das alles nichts geworden. aber auch als nicht-leipziger kann man froh darüber sein, dass die fördergelder in dieser kleinen, überschaubaren stadt sinnvoll investiert werden.

    ach komm, nürnberg wird doch auch anerkannt.


    aber hier geht´s ja um augsburg. und deshalb: vielen dank für diese galerie. besser als an anderen bauten lässt sich am rathaus das selbstverständnis einer stadt ablesen. das augsburger gehört ohne zweifel zu den beeindruckensten.

    (@ heiji: von was ist dresden eine kunst- und kulturhauptstadt?)


    @ all:


    der staatshaushalt ist kein selbstbedienungsladen.
    fördergelder k ö n n e n bewilligt werden. dazu m ü s s e n aber die anträge zumindest den förderrichtlinien entsprechen.
    im konkreten fall ist nur ein vierspuriger ausbau der königsbrücker strasse förderfähig, weil eine zweispurige trassierung keine hinreichende verkehrliche verbesserung zum ist-zustand bringen würde. die kleine variante ohne fördermittel zu verwirklichen, ist der stadt unbenommen. zumal die ohnehin knappen fördermittel dann für drängendere projekte wie ortsumgehungen verwendet werden könnten.
    ähnliches gilt für viele andere der genannten projekte. es gibt keinen hinreichenden grund für die förderung eines konzerthallen-neubaus, wenn auch im kulturpalast ein erstklassiger konzertsaal errichtet werden kann. von solchen luftblasen wie einem konzertsaal im johanneum bei gleichzeitiger auslagerung des verkehrsmuseums oder einem tunnel unter dem blauen wunder ganz zu schweigen.


    unterm strich kann man der verwaltung ihren - förderrechtlich verordneten - realitätssinn vorwerfen. aber was bedeutet dieser vorwurf in hinblick auf die kritiker?


    @ karasek: eine angemessene nutzung von schloss hubertusburg wäre in der tat sehr zu begrüssen!

    dase, gib´s auf.
    du bist teil der daf-fraktion, der es um pauschalabwertung des aph-forums und seiner mitglieder geht.
    dass sich die ganze diskussion überhaupt nur entspinnen konnte, weil du deine fotos hier gepostet hast, spielt dabei keine rolle.


    wieso sollte der architekt nicht eine grosse cornflakes-packung entworfen haben wollen? liegt doch nahe.

    na ja, zumindest scheint schlossgespenst humor zu haben:
    ich habe mal den isbn-code seines beispiels eingegeben und heraus kam


    karl popper, gesammelte werke, band 3 "logik der forschung"


    würde ganz gut zu diesem bau und seiner bestimmung passen.


    ansonsten kann ich dase nur beipflichten. das "a" kommt in diesem forum eindeutig zu kurz. verschwörungstheorien über politiker/ denkmalschützer/"modernisten" und eigene "visionen" werden gern zum besten gegeben, bei der auseinandersetzung mit realer architektur geht es über ein "das gefällt mir/nicht" oft nicht hinaus.
    an einer diskussion darüber, ob sich van egeraat von einem barcode hat inspieren lassen, kann ich mich nicht ernsthaft beteiligen.

    @schlossgespenst:


    trotz aller polemik ist das hier ja noch immer so eine art architekturforum.
    also warum genau kannst du mit dem "strichmuster" an den wänden nicht viel anfangen?


    in italien, dem ursprungsland der die wissenschaft revolutionierenden renaissance, sind derart gestaltete kirchenmauern keine seltenheit. pisa und florenz sollen als beispiele genügen. in der deutschen renaissance wurde das leipziger dominikanerkloster erst aufgehoben und danach der universiät übereignet. und eine - im übertragenen sinne - renaissance soll auch die uni mit dem neuen campus erfahren. (das material für die fassaden stammt übrigens aus italien.)


    ganz ehrlich: diese assoziationskette erscheint mir weitaus durchdachter und hintergründiger als dein vergleich mit einem supermarkt-scanner.
    selbstverständlich kann einem die gestaltung auch nicht gefallen. aber zwischen "damit nicht viel anfangen können" und nicht gut sein, klafft zuweilen eine lücke, die dadurch entsteht, wenn gewöhnliche erwartungshaltungen auf ein aussergewöhnliches projekt treffen.


    wie - offenbar - hier.

    die nikolaikirche steckt nicht im grauen aschenputtelrock.
    dach und fassade wurden rund um die wendezeit erneuert, das innere mitte/ende der 90er. bonbonfarben war sie nie.


    zum café felsche: grundstück und gebäude haben nie zur uni gehört. es ist bemerkenswert, dass der private eigentümer sich darauf eingelassen hat, sich dem gesamtplan von eea unterzuordnen. dadurch wird das paulinum beidseitig von bauten flankiert, die sich auf das herz der uni beziehen. so entsteht statt stückwerk ein ensemble.


    wenn der moderne unfähigkeit vorgehalten wird, urbane plätze zu erschaffen, so kann der augustusplatz mit oper, hauptpost, gewandhaus und uni als eines der gegenbeispiele gelten. es kommt nicht darauf an, wann oder wie gebäude errichtet wurden, sondern mit welcher stilistischen sorgfalt. wenn die stimmt, ist alles okay.

    ich glaube nicht, dass da noch folien kleben. das baugerüst ist doch bereits entfernt.


    der verschiedenfarbige polierte granit sieht nun mal unterschiedlich aus.
    die verschiedenen schattierungen nehmen dem bauwerk die strenge, auch der eher dunkel daherkommende eindruck (in der dachpartie kommt schiefer zum einsatz) macht sinn: durch beides wird sich das hellere und klarer strukturierte paulinum noch deutlicher hervorheben.


    wer das projekt kennt, weiss, mit welcher detailversessenheit selbst die hoffassaden geplant wurden. dass dabei zeit- und kostenrahmen gesprengt wurden, kann dann nicht mehr verwundern. und das ist denn auch die tragische nachricht: kein bauherr ausser der öffentlichen hand kann sich so etwas leisten. darum werden wohl leider auch künftig rastermass und sandsteinplattenverblendung bei neubauprojekten üblich bleiben.

    ich hoffe vor allem, dass der eigentümer - und der ist in diesem fall bekannt - für die abrisskosten aufkommen muss.
    entweder er hat das geld - dann muss er sich fragen lassen, warum er das gebäude nicht wenigstens gesichert hat. oder er hat das geld nicht - dann muss er sich fragen lassen, warum er das objekt nicht verkauft hat. gern darf er die rechnung auch mit der übertragung des grundstücks begleichen.
    das gebäude einstürzen zu lassen, die abrisskosten auf die allgemeinheit abzuwälzen und das grundstück zu behalten, geht jedenfalls nicht.

    nun ja, verkehrsplaner wollen halt nicht als visionslos gelten.
    in den 90ern wurde jahrelang an einer u-bahn (= unterirdischen s-bahn-verbindung) vom hbf, prager strasse, staatskanzlei, albertplatz, bhf neustadt mit einfädelung in mickten geplant. der damalige ob wagner hat das ganze dann ende der 90er gestoppt.


    wenn auch manches vielleicht etwas wirr erscheint, so ist es doch dennoch gut, dass es planer gibt. manches wird ja dann doch irgendwann wirklichkeit.