Posts by baukunst-nbg

    Damit keine weiteren überflüssigen Gedanken aufkommen: hier vier Variationen für die Hauptmarkt-Westzeile. Alle Fotomontagen von mir.


    Istzustand:



    Verschönerung Nr. 15



    Wiederaufbau Nr. 11/13



    Nr. 11, 13 und 15:



    Na, was meint Ihr? 11+13 geht so gar nicht, aus 15 könnte man was machen. Der Dacherker entspricht dem Vorkriegsbau.

    Quote from "Nämberch"

    ... Überaus dämlich hingegen fand ich den Satz eines Zuhörers: "macht doch gleich ein Glasdach über die Altstadt und lauft mit mittelalterlichen Klamotten rum" ...


    Aber wahrlich symptomatisch.

    Na, wer wird denn aufgeben, Philon,keiner hat gesagt, daß es leicht wird! Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen! Nürnberg ist eine Herausforderung! Ich hätte dich warnen sollen: lieber esse ich ein Pfund rohe Chilis, als daß ich mir so was antue ... ;) Ich kenne das Gschmarri lang genug, aber bei der Baulustveranstaltung im Pellerhof war es fast noch schlimmer, und jetzt wird der Hof wieder aufgebaut, und jeder will dabei sein. Aber damals habe ich erschreckend dumme, einseitige Personen erlebt, die einfach mit Kunstgeschichte nichts anfangen können. Dabei hatte ich von Architekten doch eine gewisse Bildung erwartet, aber es ist weitgehend nur plumpe Interessenverfolgung und unreflektiertes Nachplappern entsprechender Parolen. Das hat sich damals mit der Scheuklappenposition der Denkmalpflege zu einer explosiven Mischung verbunden. Doch kein gebildeter Mensch, den ich seitdem getroffen habe, ist gegen den Wiederaufbau von weiteren Häusern. Andererseits ist eine Extremposition natürlich in der Diskussion sehr schwer zu behaupten, denn natürlich kann ich niemandem einen bestimmten Geschmack oder eine Meinung vorschreiben. Ich weiß trotzdem, daß man diesen "Argumenten" beikommen kann, aber es bedarf einer wirklich sehr guten Vorbereitung, und das sollten wir - beginnend mit einer Analyse der Argumente und der "Tiefschläge" - konkret tun. Nach dem Spiel ...


    Ich glaube, Du kannst angesichts solcher Betonköpfe nachvollziehen, was Mulzers Arbeit bedeutete. Die Altstadtfreunde sind jetzt allerdings ein arrivierter Verein, erhalten Preise und werden offiziell in die Ecke des weißen Denkmalschutz-Ritters gesetzt, der natürlich unbestritten wertvoll ist, und auch ich bin überzeugtes Mitglied, das ist ja selbstverständlich. Aber: wehret den Anfängen! Mulzer hat in seinem Bericht über das Fleischhaus im Altstadtbericht 2000 noch ein flammendes Plädoyer für die Rekonstruktion des Gebäudes gehalten, und ist auch auf die sich entwickelnde Rekonstruktionskultur in Deutschland eingegangen. Er schrieb, so erinnere ich mich dumpf, daß die Altstadtfreunde jahrelang glaubten, in Nürnberg angesichts des einigermaßen glimpflich ausgegangenen Wiederaufbaus ohne solche Rekonstruktionen auskommen zu können, aber die Entwicklung der letzten Jahre hätte gezeigt, daß gerade diejenigen, die sich mit Argument des Schutzes des gelungenen Wiederaufbaus gegen Rekonstruktionen wenden, diesen mit der Zulassung völlig unpassender Gebäude praktisch der Lächerlichkeit preisgeben (sprich handlungsunfähig sind). Dem gegenüber sprach sich Mulzer für zumindest für punktuelle Rekonstruktionen aus und wußte, daß Taten erforderlich sind. Ich stimme mit ihm überein, gerade weil ich weiß, daß er eine ausgewogene Meinung hatte und auch vieles am Wiederaufbau schätzte, aber dennoch nicht aufhörte, bei Fehlentwicklungen zu warnen, und diesen Weg gilt es weiter zu gehen.


    Auf jeden Fall: toll daß Du da warst, um den Kindergarten zu erleben, und jetzt weg mit dem Frust!

    Das angekündigte Stadtgespräch war wohl wenig inspirierend, wie die NN heute berichtet. Man ging einen Kuschelkurs, es ging offenbar nur um die Frage, wie gut neu gebaut wurde. Rekonstruktionen nach dem Krieg waren offenbar ebensowenig Thema wie der Umstand, daß der Wiederaufbau Nürnbergs nur deswegen häufig als gut bezeichnet wird, weil man hier als Einäugiger unter vielen Blinden bestehen kann (und außerdem die in gewissem Maße zutreffende Qualität des Nürnberger Wiederaufbaus auch eine durch die Medien gebetsmühlenartig eingetrichterte Meinung darstellt).

    Leider nur unvollständig, ich hatte ausdrücklich gesagt, daß mein Herz für die Wiederherstellung des früheren Zustandes schlägt. Aber immerhin steht drin, daß ich das Fehlen der Ausstattung bedauerlich finde. Außerdem ist ein Link auf die wohl wichtigste Nürnberg-Website enthalten ;)

    Ich glaube, daß den meisten Altstadtfreunden das gar nicht so bewußt ist, welche Möglichkeiten hier speziell bestehen. Aber man sollte sich auch hier für die Wiederherstellung einsetzen. Die Häuser haben es einfach verdient, nicht mehr verkrüppelt herumzustehen, sondern ihre ursprüngliche, eindrucksvolle Aussage wiederzugewinnen; es handelte sich großteils um Gebäude von künstlerisch gehobener Qualität von namhaften Architekten und keineswegs "Durchschnitts"-Gründerzeitlern aus dem Katalog (nichts gegen die, aber ihr wißt schon was ich meine). Vor allem glaube ich, daß man in den fraglichen Fällen tatsächlich auch die Eigentümer dafür gewinnen könnte, die Giebel wiederherzustellen; immerhin würde das den Wert der ohnehin denkmalgeschützten Immobilie stark steigern. Seht euch mal Emil Hechts Café Imperial (mittleres Beispiel) gleich am Bahnhof an, das wäre doch eine extrem "starke Marke", auch die Nürnberger Bank (letztes Beispiel), richtig prägnante Gebäude, die man auch noch besser vermarkten könnte. Angesichts der Nutzfläche dürfte der Aufwand für den Giebel jeweils vertretbar sein. Wäre da nur nicht der Einwand mit der baulichen Unterhaltung eines solchen Zierrates ...

    Hier Adlerstraße 36 jetzt und vielleicht später. Den Baldachin vor dem Disco-Eingang kann man sich ja auch noch wegdenken;)




    Laßt uns hoffen, daß ein historisch getreuer Wiederaufbau kommt und keine "zeitgemäße" Konstruktion oben aufgesetzt wird.


    Weitere Fotomontagen - von meinen Lieblingsgebäuden des "Nürnberger Stils" - im Nachkriegsprovisorien-Strang!

    Ich bin ein großer Fan des "Nürnberger Stils", der eine zu wenig bekannte Sonderleistung der lokalen Architektur des Historismus darstellt. Eine Reihe schöner Gebäude haben den Krieg überdauert, aber leider das wichtigste verloren, nämlich ihren repräsentativen Giebel! Dabei wäre es kein Problem, die Gebäude zu ergänzen und die Schätzchen wieder in alter Pracht erscheinen zu lassen, die in ihrer Aussage doch unvergleichlich getrübt sind. Gerade für das Stadtbild wäre es auch eine große Bereicherung, sie wieder vollständig zu sehen. Ein Beispiel war die Obstmarktfassade des Baus am Fünferplatz, hier kommen noch mehr Gebäude. Ich denke, auch Kenner sind ob der möglichen Wirkung überrascht:







    Philon: Mir gefällt der Palazzo Farnese auch besser als Hauptmarkt 18, nur soviel zur Versöhnung ;)


    Nämberch: nur Geduld, ich habe einiges in Vorbereitung. Adlerstr. 36 ist für mich übrigens keine (Voll-) Rekonstruktion, sondern eine Restaurierung bzw. Teilwiederaufbau eines Stumpfes und für mich völlig unproblematisch. Doch selbst bei solchen Objekten droht eine Kaputtrestaurierung.

    fury: immerhin wäre das Bratwurstglöcklein ein ziemlich profaner Teil der Moritzkapelle ;)


    Letztlich wäre ein Maßnahmenpaket ideal, bestehend aus:


    1. Sanierung historischer Gebäude
    2. mindestens punktuelle Rekonstruktionen
    3. Ergänzung / Behebung von Kriegsprovisorien und -Stümpfen
    4. Fassadenverbesserungen z. B. durch Sprossenfenster und Kalkputz, Erker, Chörlein, Figuren, Ausleger und sonstigen Zierrat
    5. "Aufräumen" in der Stadt mit Verkehrsschildern, Möblierung, Aufstellung geschmackvoller Leuchten, Straßenbelag usw.
    6. Überzeugung der Öffentlichkeit von der Wichtigkeit der Punkte 1-5 für die nachhaltige Stadtentwicklung.


    (keine Rangliste!)


    Ziff. 5 ist eine ureigene öffentliche Aufgabe, aber selbst dazu reicht's oft nicht bei der Stadt. Die anderen Punkte sind primär eigentümerbezogen, wenn auch eine durch einen Privateigentümer alleine bezahlte Rekonstruktion eher im Lichte der Investitionsrendite als infolge von Liebhaberei und Überzeugung möglich erscheint.

    Da nicht Frau Lauterbach, sondern Herr Enderle als Pellerhof-Verantwortlicher für die Altstadtfreunde teilnimmt, ist zu hoffen, daß eine deutliche Stellungnahme für den weiteren Wiederaufbau historischer Gebäude erfolgt.


    Zum Schneckendorf-Bau: Immerhin zeigt der Bild-Vergleich auch die Qualitäten des Rathauses auf. Ich überlasse es jedem selbst zu urteilen, ob die Gemeinsamkeiten zwischen der Vorkriegs-Nordseite des Hauptmarktes oder dem Schneckendorfrathaus einerseits und dem Palazzo Farnese andererseits stärker sind. Zur Assymetrie möchte ich auch nochmal auf den alles andere als symmetrischen Vorkriegszustand hinweisen und darauf, daß im Mittelalter Symmetrie eher die Ausnahme war. Als Dominanzgeste ist die Symmetrie in der Neuzeit zur Blüte gelangt, und woher in der Nachkriegszeit die Symmetrie-Paranoia kam, dürfte unschwer zu erraten sein. Die Fassade des heutigen Pellerhauses ist wohl eines der wenigen Beispiele annähernder Symmetrie, die durch die Einbeziehung der Ruine bedingt war. Doch auf dem Dach sind einige Stangen außerachsial angeordnet - interessanterweise bezeichnen diese aber wiederum die Platzmitte des Egidienplatzes ... - Ich meine allerdings, daß der Streit ums Rathaus hier einer um des Kaisers Bart ist, denn die größeren, teils erheblichen gestalterischen Probleme in der Altstadt lauern anderswo.

    Bitte verzeiht, wenn ich mich nicht in die Moraldiskussion einmische, sondern wieder auf die Gebäude zurückkomme; ich verstehe auch bestens den Wunsch, etwas vom alten Nürnberg zurückhaben zu wollen, habe aber einen etwas anderen Blickwinkel. Also, packt an!


    Hauptmarkt


    Norimbergus, vielen Dank für deine detaillierte Stellungnahme, die sicher viel Zeit in Anspruch genommen hat - das liest sich sehr gut. Auch ich kann ziemlich allen Punkten zustimmen.


    Westseite


    Zu den veränderten Baulinien: das bezog sich im Prinzip nur auf die Ecksituation zur Waaggasse. Das heutige Eckhaus (Hotel), an dem ich übrigens das mächtige, fast gaubenlose Dach schätze, wenn auch die Fassade unansehnlich ist, steht nur in seinem südlichen Teil auf der Baulinie, dann kam ein kleiner Vorsprung, von dem ab bis zum Eck (Turmhaus) die Baulinie etwas weiter in den Platz hinein ragte.



    Die Verengung der Waaggasse dürfte eine der problematischsten Aufgaben eines Umbauprogramms darstellen - die Waaggasse wird heute intensiv als Verkehrsweg genutzt, nicht zuletzt durch Bus- und ggf. Straßenbahnlinien, die dort verkehren, auch dürfte die IHK etwas dagegen haben, ihren Haupteingang in eine dunkle Gasse verschwinden zu lassen (ich höre schon: "Die müssen dann eben umdisponieren!"). Im übrigen halte ich auch eine Umgestaltung von Nr. 15 für eine erste, leicht zu verwirklichende Maßnahme, um voranzukommen und Lust auf mehr zu machen. 11/13 wären tatsächlich Vollrekonstruktionskandidaten; wer ein paar Milliönchen zuviel hat, könnte auch die phantastische Hof- und Innenarchitektur von Nr. 11 wiederherstellen lassen. Das Hotel am Hauptmarkt gefällt mir auch von der Kubatur her gut, aber die Fassade ist natürlich indiskutabel. Sofern die Rekonstruktion der Ecksituation zur Tuchgasse nicht durchsetzbar wäre, müßte man eine optische Umgestaltung des Hauses erwägen.


    Südseite


    Die Südseite ist in ihrer Ausgestaltung wirklich nicht schön, der ganze Block wirkt sehr uninspiriert und langweilig. Allerdings gefällt mir als Nutzer die Terrasse mit der Aussicht auf den Hauptmarkt sehr gut. Ich würde sie auch bei einem Neubau der Südseite in irgendeiner Form gerne wiederhaben.



    Ebenso ist das ehemalige Café Kröll mit seiner geschwungenen Innentreppe kultig. Möglicherweise ließe sich hier auch der bestehende Bau als Basis für eine Verbesserung der Südseite verwenden.



    Auch ich finde bedauerlich, daß es keinen Architekten gibt, der Neubauten in einer Art Neo-Nürnberger Stil entwirft und baut, oder zumindest Architektur entwirft, die das Flächendenkmal Nürnberger Altstadt kongenial ergänzen. Trotz der vielfältigen und profilierten Bautraditionen und großer Konkurrenz unter den Architekten scheint sich hier noch keiner in das Feld neuartig lokaltypisch bezogener Architektur vorzuwagen. Gerade die Südseite hielte ich insoweit, und da stimme ich Norimbergus zu, für ein vertretbares Betätigungsfeld. Die alten Fassaden waren tatsächlich auch nicht so prickelnd; mir persönlich geht es nicht primär um die sklavisch genaue Wiederherstellung eines historischen Zustanden, sondern um das Straßen- und Platzbild. Ich denke, im Hinblick auf die "unscheinbaren" Häuser an der Südseite könnte man auch einen Neubau wagen, der gegenüber der Vorkriegssituation keinen Nachteil bietet, oder diesen vielleicht sogar übertrifft.


    Nordseite


    Mir persönlich gefällt der Schneckendorf-Bau, wie schon gesagt, auch ganz gut. Die alte Nordseite war eigentlich nur die Brandmauer des Hauses, dessen Fassade zur IHK wies, mit ein paar Vorbauten. Ich gebe zu, daß das Alte hier unübertroffen malerisch war. Doch würde ich hier das "Neue" lassen, das mir schon etwas ans Herz gewachsen ist.



    Wenn ringsherum die Qualität stimmt, kommt das Rathaus auch zur Geltung, im übrigen finde ich alleine vom Typ her ein Rathaus als passendes Gebäude für einen Marktplatz. Auch der Palazzo Farnese am Campo del Fiori ist groß und sachlich, wenn auch von vornehmen Proportionen und würdevoll.



    Ein steileres Dach würde ich dem Gebäude nicht unbedingt verpassen, die kaum auffälligen parabelförmigen Gauben sind eines vieler interessanter Details, die dem Gebäude eine gewisse Qualität geben.



    Auch das Vordach zum Hauptmarkt zeigt bei näherem Hinsehen überraschende Gestaltungstiefe.



    Sicher ist, daß es sich handwerklich um eines der besseren Gebäude in Nürnberg handelt.



    Neptunbrunnen


    Zur (wohl etwa 850.000 Euro kostenden) Versetzung des Neptunbrunnens habe ich bislang nichts Neues gehört, verweise aber nochmals auf die im DAF geführte, interessante Diskussion, zu der ich folgende Fotomontage beigefügt habe, wobei sich der Brunnen aber nicht am historischen Standort befindet. Als Entschädigung für den Stadtpark habe ich eine Riesenfontäne vorgeschlagen, ähnlich der im Park Herrenhausen.



    Fotomontage: baukunst-nuernberg.de


    Ich bin übrigens gegen eine Versetzung an einen anderen Ort in der Altstadt, da der Multiplikatoreffekt am Hauptmarkt am größten wäre. Der Raum zwischen Jakobs- und Elisabethkirche ist übrigens kein Platz, sondern für mich ein Überbleibsel spätwiederaufbauzeitlicher Irrwege. Warum sollte man zum Flickschustern solcher Fehler einen seiner kostbarsten Schätze nehmen. Der Brunnen wäre für mich dort als einer der schönsten Platzbrunnen rausgeworfenes Geld. Nur der Hauptmarkt ist der richtige Platz für den Neptunbrunnen.

    Zu Adlerstraße 36: Es besteht konkrete Hoffnung, daß das Haus als Denkmal anerkannt wird. In den "Nürnberger Altstadtberichten", Heft 23 (1998), S. 23-32, gibt es einen Artikel von Harald Pollmann mit dem Titel "Keine Rettung mehr für Adlerstraße 36?", hier finden sich u. a. auch etliche Fotos von dem Gebäude aus verschiedenen Jahrzehnten. Fraglich ist aber, wie es mit dem Stumpf weitergeht, hoffentlich wird er nicht zeitgemäß ergänzt, sondern historisch getreu restauriert. Es ist nur ein idealistischer Käufer gefragt, die Altstadtfreunde dürften finanziell momentan nicht in der Lage sein. Alleine für die Sanierung des Hauses Hintere Ledergasse 43 werden einige (!) Millionen Euro notwendig sein. Wer sich einen Altstadtbericht schicken lassen will, kann diesen sicherlich gegen Entgelt (leider weiß ich den Preis nicht) beim Verein - Altstadtfreunde Nürnberg e. V., Obere Krämersgasse 16, 90403 Nürnberg, Fax 0911 - 8 10 89 34, E-Mail mailto:info@altstadtfreunde-nuernberg.de">info@altstadtfreunde-nuernberg.de - beziehen oder antiquarisch suchen.

    Ich denke, dieser Strang ist geeignet, um die an anderer Stelle immer wieder geäußerten Rekonstruktionswünsche bezüglich der Nürnberger Altstadt zu kommentieren. Dabei gehe ich von einer subjektiv "gefühlten" Rangliste aus und versuche Finanzierungsaspekte, da müßig, zunächst auszublenden.


    1. - Pellerhaus (Vorderhaus)
    2. - Hauptmarkt (v. a. Nord- und Westseite)
    3. - Toplerhaus
    4. - Grolandhaus
    5. - Viatishaus
    6. - Gartenbauamt
    7. - Steppe; Tucherstrasse, Herzgasse, Hans-Sachs-Gasse, Martin-Treu-Strasse (vormals Dötschmannsplatz)
    8. - Patrizierhäuser in der Schildgasse (v. a. Ort der Unterzeichnung der "Goldenen Bulle" von 1356)
    9. - Moritzkapelle und Bratwurstglöcklein


    zu 1.: sehr unwahrscheinlich, da das Vorderhaus ein Denkmal ist. Rechtlich gibt es hier überhaupt keine Handhabe, einen Abriß durchzuführen. Wenn überhaupt, müßte das 50er Jahre Pellerhaus transloziert werden. Das geht aber nicht, weil es mit dem historischen EG und dem Hof eine Einheit bildet.


    zu 2.: Das Schneckendorf-Rathaus ist ebenso wie das Pellerhaus ein Denkmal und daher ein Abriß absolut unwahrscheinlich. Außerdem gehört es zu den ansehnlicheren Bauten der Nachkriegszeit, das ist auch meine Meinung. Natürlich war der Vorkriegsbau malerischer, kein Thema. Aber ich finde, andere Maßnahmen hätten in Nürnberg Vorrang. Für die Rekonstruktion der Westseite müßte man erst einmal die Häuser Nr. 11, 15 und 17 kaufen. Weiteres Problem ist, daß die Waaggasse sehr stark verbreitert wurde, so daß das frühere Turmhaus heute mitten in der Straße stünde. Ich habe da mal für das DAF (Forum) eine wenn auch etws ungelenke Montage erstellt, da bezweifelt wurde, daß die mit Sicherheit kommende Straßenbahn und Rekonstruktion sich vertragen könnten:



    Foto/Montage: baukunst-nuernberg.de


    Die Wiederherstellung von 11-17 würde eine umfassende Planung und ein nicht einfaches Genehmigungsverfahren erfordern, nachdem die historischen Grundstücksgrenzen nicht mehr bestehen und auch die Baulinien selbst an dieser Stelle leicht verändert sind. Wohl wäre der leichtere Weg, nur Fassadenrekonstruktionen zu machen, womit viele leben könnten, aber hämischen Architekten sowie orthodoxen Denkmalpflegern eine Steilvorlage gibt.


    zu 3.: Für den Wiederaufbau des Toplerhauses müßte man die dortigen Wohnhäuser kaufen und eine Abriß- und Baugenehmigung für den Neubau erhalten. Denkmalpflegerisch gehören die Häuser zum Altstadtensemble, und man muß befürchten, daß es heißt, es handele sich um ein abgeschlossenes Ensemble, das durch eine Rekonstruktion des Toplerhauses gestört werden würde. Die Wirkung der Fassade im Zusammenspiel mit der Burg ließe sich aber wiederherstellen. Fraglich ist aber die Dokumentation des Baus, es sollte aber einiges an Plänen vorhanden sein.


    zu 4.: Das Grolandhaus stünde heute isoliert mehr oder weniger mitten auf der Tetzelgasse, wie ein Stockzahn gegenüber dem Scharrergymnasium, am Rande einer 50er-Jahre-Auflockerungs-Hundewiese. Hierzu nochmals der Verweis auf meine Website mit entsprechenden Vergleichsbildern. Es ist fraglich, ob es alleine so gut wirken würde. Die Schwierigkeiten bei einer Rekonstruktion werden angesichts der von Riegel im Strang "Fachwerkbauen in Nürnberg" diskutierten Bauweise plastisch; jedenfalls wäre es sicher nur eine Spekulation, wie es gewesen sein könnte. Natürlich stört das einen echten Rekonstruktionsbefürworter nicht!


    zu 5.: Das Viatishaus wäre natürlich eine tolle Sache, denn der Obletter-Block ist wirklich unansehnlich. Andererseits ist er deswegen so viel flacher als das Vorkriegsgebäude, weil die im Wiederaufbau geschaffene Blickachse von der Lorenzkirche zur Burg sonst verstellt wäre:



    Foto: baukunst-nuernberg.de


    Ich fände es durchaus bedauerlich, wenn diese liebgewonnene Beziehung wegfiele; durch den Neubau an Stelle von Betten-Nagel wird sie schon beeinträchtigt. Das heutige Gebäude, könnte man es erwerben, bedürfte aus optischen Gründen jedoch tatsächlich eines Ersatzes.


    zu 6.: Das Gartenbauamt habe ich schon einmal montiert, hier gilt im Prinzip das gleiche wie für das Toplerhaus, wenn auch keine Blickbeziehung mit der Burg im Hintergrund herstellbar ist.



    Fotomontage: baukunst-nuernberg.de


    Auch hierfür müßten Wohnhäuser weichen und auch Grundstücks- bzw. Baulinien verändert werden. Ich halte das eher für eine unwahrscheinliche Maßnahme.


    zu 7.: Großflächige Rekonstruktionen des früher sensationellen Altstadtkerns und späteren "Steppe" wären natürlich extrem wünschenswert, insbesondere die Tucherstraße mit ihren drei berühmtesten und weiteren wunderbaren Höfen war mit das beste, was Nürnberg zu bieten hatte. Dort müßten aber extrem viele Häuser abgerissen und ersetzt werden, was die Sache unpopulär machen würde. Allenfalls im Wege der Salamitaktik könnte man hier wohl mit Einzelmaßnahmen vorankommen, ansonsten wohl nur aufgrund eines zentralistisch-autoritären politischen Programms. Vielleicht sollte man überlegen, einen Anfang mit der Tiefgarage am ehemaligen Dötschmannsplatz zu machen:



    Fotomontage: baukunst-nuernberg.de


    zu 8.: Das finde ich einen neuen und interessanten Gedanken, selbst wenn auch hierfür Wohnbebauung weichen müßte. Als historische Stätte wäre es für mich besonders reizvoll, den dortigen Innenraum wenigstens ansatzweise wiederherzustellen, der sehr berühmt war.


    zu 9.: Interessanterweise wird hier eher selten der Wunsch nach diesem berühmten Ensemble geäußert, vielleicht, weil der Wunsch nach Bürgerhäusern dringender ist als der nach Sakralbauten, von denen Nürnberg auch heute noch eine vortreffliche Auswahl zu bieten hat. Aber ich denke, daß das eine noch am ehesten wahrscheinliche Maßnahme sein wird, denn der Platz ist frei, der Gedanke ist bekannt, und sogar der eingelassene Pflasterstein spricht: "der Wiederaufbau bleibt künftigen Generationen vorbehalten". Auch ist hat das Projekt eine übersichtliche Größe, und die Nutzung sollte überhaupt kein Problem darstellen. Gerüchteweise soll der Eigentümer des Schürstabhauses von diesen Rekonstruktionsplänen eher weniger angetan sein, da seine Südfassade erheblich verschattet werden würde...


    Übrigens: es gibt daneben noch viele wartende Ergänzungen und Halbrekonstruktionen, siehe den Strang "Nachkriegsprovisorien - Nürnberg".

    Quote from "Philon"

    ...


    Mit Sicherheit nicht, aber ich sehe auch nicht, warum das die Alternative sein sollte. Die erhaltene Bausubstanz hat auf jeden Fall Vorfahrt. ...


    Es war auch etwas überspitzt und provokativ ausgedrückt. Ich meinte nur, wenn sich niemand um das Haus kümmern würde, weil sich die Altstadtfreunde lieber um Rekonstruktionen bemühen sollten, wäre es wohl verloren. Ich wollte nur die Wertschätzung auch bestehender historischer Gebäude herauskitzeln, da sich die meisten hier hauptsächlich mit Rekonstruktionswünschen melden, aber gar nichts dazu sagen, was ihnen der Erhalt des Bestehenden überhaupt bedeutet. Grundsätzlich unterstelle ich selbstverständlich jedem, der sich für Wiederaufbauten einsetzt, auch für den Erhalt historischer Gebäude einzutreten.


    Ich glaube aber, daß wir etwas vom Thema abgekommen sind ... ich antworte auf die Reko-Vorhaben im Nürnbergs-Wiederaufbau-Faden.

    Die Sache hat zwei Seiten. Einerseits habt ihr Recht, Frau Lauterbach ist bislang nicht gerade durch rekonstruktionsfreundliche Bemerkungen aufgetreten. Auch gibt es Stimmen, die ihr vorwerfen, sich nicht entschieden genug für die Ziele der Altstadtfreunde einzusetzen, zum Beispiel in der öffentlichen Debatte um das Bauen in der Altstadt. Als Mulzer-Nachfolger hat man allerdings auch eine undankbare Aufgabe, es ist schwer hier ein eigenes neues Profil zu finden.


    Zum anderen sind Rekonstruktionen nicht das alleinige Ziel der Altstadtfreunde. Ihre Leistungen sind derart großartig und ausfüllend, daß eine Kritik, sie würden zu wenig für Nürnbergs Altstadt tun, blanker Hohn wäre. Da gibt es eine Menge Leute, die viel Geld spenden, ehrenamtlich arbeiten oder in ihrer Freizeit wirkliche Bauarbeiten verrichten und - bitte entschuldigt - nicht nur Kaffeeklatsch im APH-Forum machen - ohne dabei dessen Bedeutung schmälern zu wollen.


    Bezeichnenderweise hat kein einziger hier zu den vor wenigen Tagen im parallelen Strang eingestellten Fotos vom nun gerüstfreien Haus Weißgerbergasse 10 irgend einen Ton geäußert, soweit ich das erkennen kann. Erkennt niemand, wie wichtig die Rettung dieser Häuser ist? Welchen Aufwand - finanzieller und zeitlicher Art - es bedeutet, eine einzige solche Baustelle zu haben? Wäre es euch lieber gewesen, dieses uralte Haus abgerissen zu sehen und dafür einen Neubau, dafür eine Rekonstruktion eines anderen Hauses an anderer Stelle? Das, liebe Leute, könnte ich nicht ertragen, bei aller Rekonstruktionsbegeisterung.


    Dennoch will ich nicht verhehlen, daß die Öffentlichkeitsarbeit der Altstadtfreunde, und das ist im wesentlichen die Vorsitzende, noch wesentlich profilierter für die Verhinderung sündiger Neubauten, die Bewahrung des Altstadtcharakters und des historisch getreuen Wiederaufbaus als bevorzugte Alternative zum Neubau eintreten sollte.