Posts by baukunst-nbg

    Quote from "Booni"

    (...)Wie sehen die Häuser eigentlich von innen aus? Und wie die spätklassizistischen Häuser? Ist da noch Schmuckausstattung vorhanden?


    Viele der Gründerzeitgebäude sind innen sehr gut erhalten und ausgestattet, von Malerein, Mosaiken, Glasfenstern und Stuck bis hin zu komplett ausgestatteten Luxusbädern mit 100 Jahre alten Wannen. Auch die - natürlich viel einfacher ausgeführten - spätklassizistischen Häuser, leider oft in bemitleidenswertem Zustand, haben viele bauzeitliche Details wie Stuckdecken, ornamentierte Treppen und Türen usw.

    @ursus: Ich glaube, es fällt vielen Deutschen schwer, sich einigermaßen in Dich hineinzuversetzen. Die Offenheit dafür täte aber gut. Viele leiden an einer Blockade, eine derart konsequente Position nachzuvollziehen. Zu arg ist die Kompromißbereitschaft zur höchsten Kunst stilisiert, als daß man zugeben könnte, was man wirklich will. Gleichzeitig hadert man mit (suggerierten) Schuldgefühlen, wenn man der "Vernunft" nicht argumentativ Tribut zollt. Das ist die Verbeugung vor Wirtschaft und Verkehr, die du gemeint hast. Mich stört zwar zuweilen Dein Zynismus, aber auch ich bemerke immer wieder bei mir selbst, daß ich oft hin- und hergerissen bin. Eine kleine Provokation hilft da durchaus, aber das soll nicht heißen, daß in Österreich alles besser ist ;)


    Zurück zum Thema: Landsberg ist wunderbar, das habe ich so als Stadt nicht gekannt. Ich muß da bald mal hin, seit langem wieder nach Bayerisch Schwaben.

    Quote from "Schloßgespenst"

    (...) Man denkt ja fast an Paris... :o


    Gar nicht schlecht geraten. So haben das auch Zeitgenossen offenbar schon gesehen, wie aus der amtlichen Denkmalliste hervorgeht, die das Ensemble wie folgt beschreibt (Hervorhebung von mir). Der Rang des Ensembles ist fachlich unbestritten.


    [quote]Das Ensemble setzt sich zusammen aus der Bebauung der Hornschuchpromenade und Königswarterstraße mit den anschließenden Nebenstraßen und der in der Mitte gelegenen kleinen Parkanlage samt Allee. Entlang der Nordseite der hier 1835 eröffneten ehem. Ludwigsbahn, der ältesten Eisenbahnstrecke Deutschlands, wurde 1838 eine schmale städtische Grünanlage, die Promenade, angelegt. Die hier nördlich verlaufende "obere Weinstraße" wurde erst 1890 in Promenade umbenannt, bis sie schließlich ab 1912 als Hornschuchpromenade an einen Wohltäter der Stadt erinnert. Auch die südlich verlaufende ehem. Bahnhofstraße, seit 1875 Königswarterstraße, hatte ihren Namen nach einem vermögenden Wohltäter der Stadt erhalten. Hiermit dokumentieren bereits die Namen die Denkmalbedeutung als repräsentative Anlage des wohlhabenden und einflußreichen Bürgertums von Fürth im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.
    An diesen beiden Straßen entstanden nämlich seit 1883 meist viergeschossige herrschaftliche Mietshäuser mit sehr aufwenig gestalteten Sandsteinfassaden in den Formen des späten Historismus (Neurenaissance, Neubarock, Deutsche Renaissance). Der architektonische Ausbau wurde im frühen 20. Jahrhundert abgeschlossen mit einer eigenständigen Fürther Ausprägung der Architektur der Jugendstilzeit. Die Geschlossenheit der leicht konvergierenden Anlage - mit dem Park in der Mitte und einer schmalen Westfassade, die durch die Einschnürung an der Luisenstraße entstand und die mit der Fassade von Rudolf-Breitscheid-Straße 51 ebenso eine repräsentative Gestaltung aufweist - bewahrt eine von Zeitgenossen mit Pariser Boulevards verglichene städtebauliche Einheit. Der außergewöhnlich gut erhaltene Baubestand dehnt sich teilweise als symmetrisch aufeinander bezogene Baugruppen bis in die kleineren Nebenstraßen aus, so daß diese von der Gesamtanlage nicht zu trennen sind.
    Bis heute ist hier der vornehmste Wohnbereich des wohlhabenden Bürgertums der Handels- und Industriestadt Fürth anschaulich, der in seiner fast lückenlos erhaltenen Geschlossenheit zudem eines der eindrucksvollsten gründerzeitlichen Stadtquartiere Bayerns und Deutschlands darstellt.
    Es sind jedoch auch Störungen zu vermerken, wie die Anwesen Hornschuchpromenade 11 und 19, wie die Neubauten Königswarterstraße 82 und 84 anstelle einer Fabrikantenvilla.[quote]

    Nur ein paar Anmerkungen:


    - das "mittelalterliche" Bild dürfte darauf beruhen, daß man die Stadt nach der Auslöschung im 30jährigen Krieg nicht als Planstadt, sondern auf dem alten Grundriß wiederaufgebaut hat (Somit haben Nürnberg und Fürth doch etwas gemeinsam...). Meines Wissens haben nur drei Gebäude die Brandschatzung überstanden: die Michaeliskirche, die Synagoge und eines der Amtshäuser. (Allerdings meine ich auf dem obigen Bild mit der Goldschmiede zu sehen, daß die schrägen Streben des Fachwerks im 1. OG an den Brustriegeln angeblattet sind, alles andere ist aber verzapft. Oder irre ich mich da? Jedenfalls habe ich bislang kein "mittelalterliches" Fachwerk in Fürth entdecken können.)


    Diese Art des Wiederaufbaus und das Fehlen katholischer, fürstlicher oder großbürgerlicher Bauherren und entsprechend repräsentativer Bauaufgaben dürfte auch dazu geführt haben, daß der Barockstil in Fürth in einem Status gestalterischer Tendenzfolge steckengeblieben ist, als ein richtiges Leben zu entfalten. Die Aussagen von ursus halte ich aber nicht nur von der Formulierung her zu weitgehend, auch wenn es sich freilich nur um eine persönliche Meinung handelt.


    zu Norimbergus: die Ähnlichkeit ist richtig, Fürth hat teils sehr ländliche Anklänge, und war ja auch barockzeitlich nicht besonders groß. Vielleicht sind einige der Sandsteingiebel - wie bei den Bauernhöfen im Umland - ja auch erst im Laufe des 18./19. Jh. an Stelle ehemaliger Fachwerkgiebel getreten.


    - zur "häßlichen Gründerzeitwucherung" o. ä.: Fürth hat im wesentlichen drei prägende Bauphasen, nämlich Barock, das zweite Drittel des 19. Jh. und die Gründerzeit. In die Barockzeit fällt der Wiederaufbau der Altstadt sowie die barocke Stadterweiterung (z. B. Alexander-, Bäumenstraße), in die "klassizistische" Zeit gehören die als so monoton empfundenen Straßenzüge v. a. der heutigen südlichen und südwestlichen Altstadt (Rosen-, Mathildenstraße etc.) - allerdings zu Unrecht verachtet, da die Bauqualität, gerade im Detail, doch den Vergleich mit heutigen Neubauten wohl kaum zu scheuen braucht. Prachtvolle Bauten entstanden dann in der Gründerzeit v. a. südlich der Bahnlinie zwischen Logenhaus und Paulskirche sowie an der Hornschuchpromenade, Königswarter- und Nürnberger Straße mit Seitenstraßen. Hier gibt es schon sehr stattliche Bauten, die vornehmsten Ansprüchen genüg(t)en. Ich kann nur ein paar Gelegenheitsfotos von Hornschuchpromenade und Königswarterstraße beisteuern, vielleicht kann Philon bei schönem Wetter ja mal einen kleinen Spaziergang unternehmen :)


    Hornschuchpromenade


    Nr. 4-10 v. l. (Die beiden Häuser mit den spitzen Laternenhelmen, Nr. 5 und 6, waren ursprünglich Einfamilienhäuser)


    Nr. 7


    Nr. 8


    Nr. 10


    Nr. 13


    Eingang von Nr. 13


    Kopfbau Hornschuchpromenade/Luisenstraße


    Ecke Luisenstraße / Nürnberger Straße


    Ecke Luisenstraße/Königswarterstraße


    Blick entlang der Königswarterstraße


    Leider sind nicht alle der Prachtbauten in allerbestem Zustand:

    Ist das die Chance?


    Altstadt: Vier Jahre Stillstand im «Herrenbräu«


    Wie die NN heute berichten, wird das Lokal im 1. Stock des zuletzt diskutierten Hotelgebäudes wegen Investitionsstau vorerst nicht weiterverpachtet. Auch dieses Gebäude gehört Gerd Schmelzer, der immerhin das andere Eckgebäude - Nr. 9 - mit Sprossenfenstern und einem von den Altstadtfreunden organisierten Erker versehen ließ und damit zu dem derzeit schönsten Privatgebäude am Hauptmarkt machte. Andererseits ist er kein glühender Verfechter historischer Architektur, sondern steht der Epochenfrage wohl eher neutral gegenüber.

    Wenn die besondere Bedeutung des Kölner Archivs gemeint ist, gebe ich gerne zu, daß ich zu den 99% gehörte, wobei ich davon ausgehe, daß schon ein beträchtlicher Teil der Menschen weiß, daß es überhaupt Stadtarchive gibt.


    Ermutigend ist für mich aber, daß man durchaus Aha-Effekte erreichen kann, z. B. wenn man in Nürnberg eine Schulklasse zum Pellerhaus führt und dann sieht, wie denen die Augen übergehen, wenn man ein Bild vom Vorkriegsbau zeigt. Bildung ist ultra-wichtig!

    unify, als Potsdam-Fan lese ich hier immer gerne mit, danke für die regelmäßige Berichterstattung.


    Ich möchte deinen letzten Punkt hervorheben.


    Wie mir erst neulich wieder besonders eindringlich klar geworden ist, kann man die Bedeutung der Aufklärung über das qualitätvolle Gewesene gar nicht überschätzen. Im Nürnberg-Strang ging es neulich um eine Diskussionsveranstaltung, bei der sich die Modernisten sowie in noch höherem Maße deren irregeleitete Anhängerschaft vor allem durch erschreckende Unkenntnis der Baugeschichte der Stadt "empfohlen" haben. Da fehlt es derart an für eine Diskussion essentiellem Wissen, daß wir uns es gar nicht vorstellen können. Mir ist es dann wie Schuppen von den Augen gefallen: Gerade die Unkenntnis - und das bedeutet vor allem die Absenz des pädagogischen Effekts wiederaufgebauter Häuser - ist schuld (ja!) an der verlorenen Wertschätzung und damit der Gefährdung der Städte und des baulichen Erbes.


    Ohne diesen Gedanken auswalzen zu wollen, steht für mich fest, daß die Wissensvermittlung und Aufklärung über die Baugeschichte von unschätzbarem Wert ist. Denkt an euch selbst: die Faszination für die historischen Gebäude dürfte bei fast jedem von uns bei der literarischen Beschäftigung mit den Bauwerken entstanden sein.


    Rekonstruktion beginnt im Kopf - auch in dem der anderen!

    Hier nochmals der Istzustand der Westzeile und die mögliche Verbesserung einschließlich dem Versuch, das Hotel zu modifizieren. Ich persönlich finde die Erker beim Hotel allerdings einen Tick zu übertrieben, irgendwie paßt es nicht. vielleicht gäbe es noch eine andere Lösung zur Auflockerung des strengen Daches.


    Ist:



    Kann:



    Fotomontagen: baukunst-nuernberg.de

    Quote from "Pilaster"

    Bestens, Baukunst! Danke.


    Hast Du fuer das Hotel auch eine Manipulation? :)Und was ist mit dem Drahtgitter am rechten Bildrand?


    Danke! Aber für das Hotel habe ich noch keinen Vorschlag. Sein Grundstück stimmt nicht mit der Vorkriegsbebauung überein, so daß man nicht einfach ein Vorkriegshaus darüberlegen kann. Und bei der Fassade bräuchte ich etwas mehr Muße, um sie zu verbessern. Sieht für mich nicht einfach aus. Klar könnte man Phantastereien bringen, die gut aussähen, wie zum Beispiel Eckerker, Aufsetzen eines Treppengiebels, Schließung einer Fensterachse, Reduzierung der Panorama-"Chörleinkette" im 1. OG usw. Aber die zurückhaltende Verbesserung wie beim Haus Nr. 15 und bereits geschehen bei Nr. 9 sieht grundsätzlich am besten aus, ist aber bei der Hotelfassade schwierig. Mal sehen, was sich machen läßt.


    Das Drahtgitter rechts ist ein Taubenschutz von der Frauenkirche.