Posts by Georg Friedrich

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!

    Baugruppe West: Mainfranken-Frankenhöhe
    Wohnhaus aus Burgbernheim und Dorfschmiede aus Westheim



    Wohnhaus aus Burgbernheim (ehem. Hirschengasse 4, Landkreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim): Erbaut 1680, Umbau des Westgiebel 1798, Abbau 1981, Wiederaubau 1989-1991




    Rechts: Dorfschmiede aus Westheim (Landkreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim, Gemeinde Illesheim), erbaut 1780, Abbau 1985, Wiederaufbau 1985-1986



    Baugruppe West: Mainfranken-Frankenhöhe
    Göpelanbau aus Ergersheim und Ölmühle aus Flederichsmühle



    Was ein wenig an einen Kirchenchor erinnert, ist ein sog. Göpelanbau.



    Der Göpelanbau aus Ergersheim (Landkreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim) wurde 1892 erbaut, 2000 abgebaut und 2001 wiederaufgebaut.




    Göpelanbauten - auch "Umried" genannt (nach dem kreisförmigen Herumtreiben der Pferde um den Göpel) - gehörten ab ungefähr 1860 zu den wichtigen Baumaßnahmen auf den Dörfern. Da damals das Dreschen und Futterschneiden aufhörte eine Handarbeit zu sein, sich jedoch kaum ein Bauer eine Dampfmaschine leisten konnte, griff man ab 1850 vielerorts auf das Prinzip des Tiergöpels (vergleichbar einer Rossmühle) zurück. Die reichen Bauern besaßen ein Lokomobil. Erst im 20. Jahrhundert setzten sich Diesel- und Elektromotoren durch.




    Die Ölmühle aus Flederichsmühle (Landkreis Aschaffenburg, Gemeinde Mömbris) wurde 1810 erbaut, 1986 abgebaut und 1988-2000 wiederaufgebaut. Pflanzliche Öle waren nicht nur als Nahrungsmittel von großer Bedeutung, sondern dienten auch als Beleuchtungsmittel für Lampen, als Schmiermittel für Maschinen, zur Herstellung von Medikamenten und Seifen oder der Wollwäscherei und Gerberei. Die wichtigsten ölhaltigen Nutzpflanzen waren Raps, Lein, Flachs, Hanf und Mohn, aber auch verschiedene Nüsse und Bucheckern wurden zur Ölgewinnung herangezogen.









    Ja, Bilder vom Amtshaus aus Obernbreit und (ganz wenige) von der Mühle aus Unterschlauersbach werden noch folgen. Das Amtshaus aus Obernbreit ist sicher ein großer Verlust für das Ortsbild des kleinen Marktes. Glückerlicherweise wurde es zumindest vor der totalen Vernichtung gerettet. Museen wie das Fränkische Freilandmuseum sind ja immer ein zweischneidiges Schwert. Eigentlich will man solche bedeutenden Häuser dort gar nicht vorfinden, sondern sähe sie viel lieber an ihrem Entstehungsort liebevoll erhalten, gehegt und gepflegt. Stattdessen wurden die meisten Gebäude vermutlich gerade noch rechtzeitig vor dem völligen Verschwinden durch den Modernisierungswahn und die Geldgier abrisswilliger Hauseigentümer oder Gemeinderäte bewahrt.

    Gibt es Widerstand seitens der Bürger oder gar einiger Politiker gegen den Abriss des Caritas-Hauses?
    Wie soll man so eine Aussage interpretieren: "Die Stadt wollte laut Sprecher Ralf Peterhanwahr kein Statement zu den Entwicklungen rund um das ehemalige Caritas-Haus abgeben." - Klingt tendenziell danach, dass Stadt und Investor unter einer Decke stecken...


    Holzhofstraße 8 ist leider offenbar kein eingetragenes Denkmal, vgl. Liste der Kulturdenkmäler in Mainz-Altstadt

    Wirklich ein beeindruckender alter Hausbestand. Mich erinnern einige der verputzten Häuser mit vorkragenden Geschossen nicht nur an Nördlingen, sondern auch ein wenig an Dinkelsbühl. Leider lässt der allgemeine Umgang mit diesem Stadtbild sehr zu wünschen übrig: Mindestens eine wirklich üble Nachkriegsbausünde an prominenter Stelle (Herzog-Georg-Straße 16), ein sehr deutlicher Sanierungsrückstand, Sprossenfenster und Fensterläden weithin unbekannt (obwohl man anhand einiger jüngerer Sanierungsmaßnahmen diesbezüglich eine Tendenz zur Besserung feststellen könnte) und hässliche geteerte Straßen für den geheiligten Straßenverkehr, wo eigentlich eine Fußgängerzone mit Kopfsteinpflaster sein müsste (wirklich radikal scheint die Umleitung der B 16 ja nicht gewesen zu sein). Und zu allem Überdruss leben auch noch zu viele Leute im Siedlungsbrei außerhalb der Altstadt, was deren Leerstandsproblem weiter verschärfen dürfte. Es gäbe viel zu tun...

    Wenn die Bilder halbswegs repräsentativ für die Region sind, sollte die allgemeine Entwicklung positiv sein. Viele Häuser scheinen erst kürzlich frisch saniert worden zu sein, andere sind eingerüstet. Sehr erfreulich ist natürlich ebenso, dass die Gemeinden das Problem leerstehender, verfallender Häuser erkannt haben - der bayerischen Politik ist dieses Thema ansonsten ja bis heute nicht selten völlig egal.


    Allerdings ist in meinen Augen abzusehen, dass selbst wenn große Fortschritte in Sachen Sanierung gemacht und viele Jurahäuser dauerhaft vom Abriss gerettet werden sollten, die für diese Landschaft charakteristischen Legschieferdächer mehr und mehr zugunsten einfacher, handelsüblicher Ziegeldächer verschwinden dürften. Offenbar lassen sich die alten Schieferplatten auf den Dächern schwer wiederverwenden (oder will man es einfach nicht?), während der Neukauf von ein paar Tonnen Schiefer pro Hausdach heute kaum mehr zu bezahlen ist.

    Im März 2011 habe ich wegen des sehr bedenklichen Umgangs mit der Altbausubstanz der Altstadt eine E-Mail an zahlreiche Memminger Politiker und an die Stadtverwaltung geschrieben:



    Von einem Mitarbeiter des mit dem Thema der Altstadtsanierung betrauten Stadtplanungs- und Vermessungsamts erhielt ich folgende Antwort:



    Von den genannten Herren, an die mein Schreiben dankenswerterweise weitergeleitet wurde, erhielt ich keine Antwort.


    Von den vielen Politikern - es dürften ungefähr zehn gewesen sein -, an die ich die E-Mail verschickt habe, hat nur einer geantwortet. Es war ein Mitglied der Grünen (die zugebenermaßen sehr oft einen höheren Sensibilisierungsgrad für Fragen des Denkmalsschutzes zeigen als die bloßen Wirtschafts- und Machterhaltparteien). Von den SPD- und CSU-Granden kam nichts, genausowenig von den Mitgliedern der kleinen Kommunalparteien.


    Baugruppe West: Mainfranken-Frankenhöhe
    Köblerhaus aus Oberfelden und Häckerhaus aus Ergersheim



    Mittig groß im Bild ein Köblerhaus aus Oberfelden (Landkreis Ansbach, Gemeinde Colmberg), rechts angeschnitten ein Häckerhaus aus Ergersheim (Landkreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim)
    Das Köblerhaus wurde 1702 erbaut, die Stufengiebelwand 1864 erneuert. 1981 wurde das Gebäude abgebaut und 1981-1982 wiederaufgebaut.
    Das Häckerhaus wurde 1706 erbaut und ebenfalls 1981 abgebaut und 1981-1982 wiederaufgebaut.
    Das Köblerhaus schauen wir uns im Folgenden von innen näher an...



    Ein "Köbler" war in Mittelfranken und der Oberpfalz ein Kleinbauer, der über so wenig Land verfügte, dass er zusätzlich einer weiteren, meist handwerklichen Beschäftigung nachgehen musste. Der mainfränkische "Häcker" bezeichnete nicht nur den Weinbauern, sondern auch Klein- und Kleinstbauern, denen nur soviel Grund gehörte, dass das Land ohne Pflug nur mit Hand und Hacke bestellt werden konnte. Weit verbreitet für Kleingüter war einst zudem der Begriff "Selden" (Sölden), deren Inhaber entsprechend "Seldner" genannt wurde.








    Baugruppe West: Mainfranken-Frankenhöhe
    Bauernhaus aus Herrnberchtheim




    Der Besuch des Fränkischen Freilandmuseums hat durchaus etwas von einem Wandertag...



    Das Bauernhaus aus Herrnberchtheim (Landkreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim, Gemeinde Ippesheim) stammt im Kern aus dem Jahr 1772. 1823 und 1907-1911 wurde das Gebäude durchgreifend umgebaut. 1982 wurde das Haus abgebaut und 1982-1984 wiederaufgebaut.



    Baugruppe West: Mainfranken-Frankenhöhe
    Schäferei aus Hambühl


    Die Schäferei aus Hambühl (Landkreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim, Gemeinde Baudenbach) wurde 1744 erbaut, 1979 abgebaut und 1979-1981 wiederaufgebaut. Das Gebäude war im Laufe seiner Geschichte nicht nur Schäferei. Es diente nicht ausschließlich der Schafzucht, sondern war Hirten- und Schäferwohnung, Viehstall, Krankenstube, Herberge für durchreisende arme Leute, Nachtwächterunterkunft, Armenhaus und sogar Amtshaus.
















    Das ist der Schlupfkarren des Schäfers, eine mobile Wohn- und Schlafunterkunft für einen Wanderschäfer.

    Eingangsbereich: Hofanlage Aumühle
    Stadel aus Betzmannsdorf und Aumühle aus Ansbach



    Hinter den Bäumen liegt ein Stadel aus Betzmannsdorf (Landkreis Ansbach, Stadt Heilsbronn): Erbaut 1712, abgebaut 1988, wiederaufgebaut 1997-1999






    Aumühle (Stadt Ansbach, Ortsteil Eyb): Erbaut 1599, umgebaut 1679, 1697, 1703, abgebaut 1987, wiederaufgebaut 1988-1990

    Eingangsbereich
    Gasthaus Zur Krone aus Oberampfrach, Korbhaus aus Knittelsbach und Stall und Lager aus Bad Windsheim




    Gasthaus zur Krone aus Oberampfrach (Landkreis Ansbach, Gemeinde Schnelldorf)



    Das Gasthaus wurde 1704/1705 erbaut, 1885 umgebaut, 1977 abgebaut und 1979-1980 im Museum wiederaufgebaut.




    Mittig das Korbhaus aus Knittelsbach (Landkreis Ansbach, Gemeinde Wilburgstetten): 1821 erbaut, 2005 abgebaut, 2005-2006 wiederaufgebaut
    Als "Korb" verstand man im südlichen Mittelfranken ein zusätzliches Haus auf einem Bauernhof, in dem die Alten wohnten nachdem der Hof an die junge Generation übergeben wurde.



    Stall und Lager aus Bad Windsheim: Erbaut 1622, 1982 abgebaut, 1983-1984 wiederaufgebaut


    Wenden wir uns nach der Windsheimer Altstadt nach ein paar Jahren Zwischenpause dem sehenswerten Fränkischen Freilandmuseum zu. Das Museum wurde 1976 vom Bezirk Mittelfranken gegründet. Mit dem Aufbau wurde 1979 begonnen, 1982 der erste Bauabschnitt eröffnet. Heute beherbergt das Fränkisches Freilandmuseum etwa 100 wiederaufgebaute Gebäude aus ganz Franken und aus sechs Jahrhunderten. Mittlerweile zählt das Museum zu den bedeutendsten seiner Art in Europa. Neben dem historischen Häuserbestand besitzt das Museum noch eine umfangreiche Sammlung zur Alltagskultur und Volkskunst in Franken sowie ein kulturgeschichtliches Archiv (Bilder, Fotos, Filme, Pläne, Schriftstücke, Tondokumente).


    Bei einem gut dreistündigen Museumsbesuch, wie ich ihn unternommen habe, lässt sich nur ein kleiner Teil der wiederaufgebauten Häuser begutachten. Wollte man sich alles anschauen, müsste man wohl mindestens zwei Tage einplanen.

    Quote from "youngwoerth"

    Ich finde das IHZ für einen aus DDR-Zeit stammenden Solitär recht untypisch. Dass er kaum sozialistisch wirkt, ist wohl der Zusammenarbeit mit den Japanern zu verdanken. M.E. erhaltenswert, die ganzen schäbigen Blöcke im Panoramahintergrund finde ich entbehrlicher.


    Klar wäre es nicht schlecht, die Blöcke im Panoramahintergrund zu entsorgen, trotzdem kann nicht übersehen werden, dass das IHZ auf das Gebiet einer barocken Stadterweiterung geplanzt wurde und so in meinen Augen eine viel höhere Priorität hätte. Seine Zentralität ist einfach eine ganz andere. Praktisch jede Fernpanoramaaufnahme der Berliner Innenstadt wird durch diesen Bau "geprägt".

    Der Bau des Regensburger Doms und des Ulmer Münsters war zwar jeweils sehr viel weiter fortgeschritten als der des Kölner Doms, aber auch dort wurden zumindest die Turmfassaden erst im 19. Jahrhundert fertiggestellt. Anstelle von spitz zulaufenden gotischen Maßwerkturmhelmen gemäß den gotischen Planungen dachte man in Regensburg zunächst als Turmabschluss auch an zwei welsche Hauben wie bei der Frauenkirche in München als Ehrerbietung an die Hauptstadt, was jedoch glücklicherweise dann doch nicht umgesetzt wurde.

    Die "Hängenden Gärten" haben zwar etwas von 20er Jahre Bauten, dürften an dieser Stelle jedoch unpassend sein. Sollen die Neubauten im Rahmen der Umgestaltung des Rathausquartiers auf Freiflächen entstehen oder werden/wurden zuerst Vorkriegsbauten plattgemacht, um uns dann allen Ernstes das Ganze als Stärkung der Altstadt zu verkaufen?


    Beziehen sich die Pläne für die Neubauten an der Breiten Straße auf die Parzellen der abgerissen Fachwerkhäuser Breite Straße 13 und 15?


    Sehr bedauerlich sind die Ansichten des Stadtbaurats Rolf Suttmann, dem die "moderne Architektur, der Verzicht auf die Zuckerbäckerarchitektur" gefallen habe. Mit solchen Leuten, die sich selbst in Altstadtbereichen einer traditionellen Architektursprache verweigern und unbelehr modernistisch weiterbauen wollen, ist eine Besserung der seit Jahrzehnten katastrophalen Lage nicht möglich.

    Oh Gott... Die Poststation und die anderen Gebäude an der Goschwitzstraße scheinen die bedeutendsten Bauten zu sein, deren Erhalt der Minimalkompromiss sein müsste, wenn dieses zerstörerische Projekt schon nicht mehr gänzlich zu Fall gebracht werden kann.


    Was braucht es, dass unsere Politiker endlich vom Glauben an Einkaufszentren abkommen, für den sie sogar den baulichen Kahlschlag ganzer Quartiere befürworten?

    Die Neupfarrkirche soll für sechs Millionen Euro einer Sanierung unterzogen werden. Im Rahmen der Sanierung des Sockels soll die Kirche durch den Bau eines Aufzugs barrierefrei gemacht werden. Die Kirche soll anstelle des jetzigen Grüns einen sandfarbenen Anstrich erhalten. Neue "künstlerisch gestaltete" Kirchenfenster sollen die Innenverglasung der 60er Jahre ersetzen. Die Bänke aus den 60er Jahren sollen ebenfalls durch ein "variables Gestühl" ausgetauscht werden.


    Siehe: http://www.mittelbayerische.de…d_fuer_die_neupfarrk.html