Posts by Apollo

    Ich habe mir bei allen größeren Wiederaufbauprojekten mittlerweile eine andere Haltung zugelegt als noch vor 5 Jahren. Damals war ich der Meinung, alles muss direkt und auf der Stelle wieder so ästhetisch sein, wie es mal war, was nicht zwangsläufig eine Vollreko ist, aber eben ästhetisch. Nur leider leben wir nicht in den Zeiten, in denen Ästhetik in Architektur oder Städtebau einen herausgehobenen Wert besitzt, da muss man ehrlich sein, heute zählen Rendite und Energieeffizienzklassen (wie das schon klingt :angry: ).
    Egal ob Potsdam, Dresden, Frankfurt, all diese Projekte sind Projekte im Fluss. Ich sehe mittlerwiele alles als Zwischenstadium. Man muss schauen, was man aktuell raus holen kann, bei einem Projekt geht mehr, beim anderen weniger, aber die Vollreko wird es wohl nie geben, zumindest nicht unter den aktuellen Bedingungen.
    Und dann muss man eben sehen, dass man nach den bestehenden Möglichkeiten das beste aus den Bedingungen raus holt und was ganz wichtig ist, sich für die Zukunft keine Optionen verbaut.
    Somit ist die städtebauliche Komponente immer das wichtigste, heißt, dass der historische Stadtgrundriss wieder kommt, dass die Parzellen halbwegs stimmen. Wenn dies durch gesetzt ist, dann ist mehr als der halbe Weg geschafft, weil es für die Zukunft alle Perspektiven offen hält. Dann ist wichtig, dass man mit einigen Rekos der stadtbildprägenden und kunsthistorisch wertvollen Bauten einen Fuß in die Tür bekommt, dass Menschen die Geschichte des Ortes wieder erfahren können.
    Und dann, dann geht es um die Zwischenräume, das, was man heute Füllbauten nennt. Und hier muss man auf ein möglichst verträgliches Bild drängen. Das gelingt wie in Frankfurt mal besser, wie in Dresden mal schlechter, oder ist Durchschnitt wie in Potsdam.
    Aber aus meiner Sicht sind in Frankfurt, Dresden und Potsdam 3/4 des Weges in den betreffenden Arealen gemacht. Alles andere bringt die Zeit, wie es schon immer war und es immer sein wird. Das, was nicht herausragend ist, wird irgendwann abgerissen und durch neues ersetzt und zwar solange, bis das Ensemble oder der einzelen Bau für so herausragend gehalten wird, dass er irgendwann über der Zeit und den Moden steht. Ja, dann wird er zum Denkmal. Diese über Jahrhunderte stattgefundene natürliche Selektion der besten Bauten jeder Epoche wurde durch den Zweiten Weltkrieg außer Kraft gesetzt, aber sie setzt nun wieder ein. Das eine geht, das andere kommt. Die Kulturgeschichte geht weiter. Und wenn es nicht nochmal solch ein tiefgreifendes, alles außer Kraft setzende Ereignis geben wird, dann wird die Zeit dafür sorgen, dass die Städte wieder ansprechender aussehen. Nur das braucht eben seine Zeit. Die großen europäschen Städte sahen ja nicht nach 30 Jahren so aus, wie sie aussehen. Es sind Jahrhundertkunstwerke.

    Ich bin ja sonst immer dafür das Politische so weit wie möglich aus den Architekturdiskussionen raus zu halten, weil nämlich genau das passiert, was wir jetzt sehen, nämlich dass völlig verschieden gelagerte Komplexe schön miteinander vermengt werden, dann wird verkürzt und dann macht man eine schöne Schlagzeile draus: "Kreuz triumphiert über koloniales Erbe".


    Ich frage nur: Geht's noch?


    1. Das Schloss war zuerst da. Es stand, bevor Deutschland überhaupt Kolonien hatte. Die Idee vom ORIGINALEN Wiederaufbau kam, noch bevor man überhaupt an die heutige Nutzung und das Humboldtforum dachte. Und anstatt die Gemäldegalerie in diesem 1-A Bau unterzubringen (die eigentlich viel besser ins Konzept gepasst hätte), stellt man nun die Kunst aus Asien und Afrika aus. Es ist also nicht die europäische Kunst, die hier gezeigt wird. Deutschland nutzt dieses Wiederaufbauprojekt aller erster Klasse dazu, den ansonsten vielleicht eher weniger beachteten Kulturen die beste Bühne zu bieten, die Berlin überhaupt im Angebot hat. Wenn es hier einen Triumph gibt, dann den, dass sich die außereuropäischen Sammlungen im einstigen Herz Berlins präsentieren können.


    2. Ohne Zweifel ist die Kolonialgeschichte kein Ruhmesblatt der europäischen Geschichte. Aber erstens muss zunächst einmal nachgewiesen werden, was wirklich geraubt wurde und was rechtmäßig erworben wurde. Ferner muss man auch positiv sehen, wie viele Exponate so auch gerettet wurden und nicht in dunklen Kanälen verschwunden sind oder einfach zerstört wurden. Man schaue in den Irak, nach Syrien, in den Jemen, nach Afghanistan, Mali, Sudan ... die Liste ist endlos. Wie viele Kulturgüter ersten Ranges wurden hier in den letzten Jahren zerstört und sind so auf immer verloren. Dies ist keine Rechtfertigung für Raub, aber bei Dingen, die nun einmal seit Jahrhunderten hier in Europa sind, sollte man sich aktuell schon fragen, ob diese zumindest aktuell hier nicht besser aufgehoben sind. Denn kulturelles Wissen ist auch Weltwissen. Und drittens sind die Exponate auch die Botschafter ihrer Länder in Deutschland und Europa. Und als diese sollte man sie heute zuallererst sehen. Mittler in ferne Welten, die uns vielleicht dabei helfen, andere Kulturen mehr zu verstehen, anstatt immer zu denken, wir wüssten es moralisch sowieso immer besser.


    3. Die christlichen Kirchen in Deutschland. Dazu muss man sich eigentlich jeden Kommentar verkneifen. Eine Institution, die derart konsequent an der eigenen Abschaffung arbeitet, da kann man nicht mal mehr Mitleid haben, die innere Verfasstheit, das ideologiche Fundament, alles ist ein Trümmerhaufen. Ich könnte hier jetzt seitenlange Dinge aufzählen, aber ich lasse es lieber. Vielleicht reicht ja folgender Gedanke: Nur wer selber stark ist, wer selber an etwas glaubt, wer selber reinen Herzens ist, der kann auch andere respektieren. Die christlichen Kirchen verzwergen sich vor lauter Korrektheit und moralischer Überhöhung bei gleichzeitger Selbstaufgabe derart selbst, dass sie faktisch ihre Existenzberechtigung aufgeben. Wer nach der zweiten Wange immer noch eine dritte, vierte und fünfte hinhält, der ist irgendwann nicht mehr demütig, er ist schlicht dumm.


    Was bleibt? Das Schloss und der Wiederaufbaugedanke waren zuerst, die außereuropäischen Sammlungen wollte kein Fan des Schlosswiederaufbaus in dem Bau haben, es waren bestimmte Gruppen, die dies als Kompensation brauchten. Wer jetzt die Fakten derart verdreht, dies als gewollten Triumph über bestimmte Kulturen zu sehen, der hat weder die Gensese des Schlossprojektes verstanden, noch die intellektuellen Fähigkeiten, Zusammenhänge korrekt zu verknüpfen, im Gegenteil, der der solche Zusammenhänge in dieser Art und weise konstruiert, der bereitet bewusst genau jene Empörungswelle vor, die er selbst angeblich zu verhindern sucht.
    Das Humboldtforum war von Anfang an ein Kompromissprojekt, sowohl architektonisch wie auch was die Nutzung angeht. Anstatt nun das beste daraus zu machen und dem ganzen eine positive Geschichte zu geben, nämlich dass sich außereuropäische Kulturen nun im Herzen Berlins präsentieren können, können es bestimmte Leute nicht lassen und müssen auch dies wieder verdrehen. Letztlich hilft das keinem, nicht dem Schloss, nicht dem Humboldtforum, nicht den Besuchern, schlicht niemandem!

    ich denke man muss erst mal abwarten. Alles ist im Fluß. Niemand kann heute sagen was wann wie gebaut wird. Nicht mal der Standort ist klar. Geschweige denn die Architektur.
    Es wird noch viel Wasser den Main runter fließen. Das ist eine Jahrhundertentscheidung. Und irgendwas sagt mir, dass man in Frankfurt den großen Wurf will, der eben gleich zieht mit Sydney oder Hamburg. So zumindest lese ich die Präferenzen, die zwischen den Zeilen immer deutlicher werden.
    Sonst tippe ich auch auf einen Standort am Wasser und auf eine skulpturale Lösung für die Oper. Was aus dem Schauspiel wird, muss man abwarten.
    Ich sehe aber für das historische Schauspielhaus aktuell auch am ehesten die von heimdall angesprochene Lösung nach dem Thurn und Taxis Modell. Alles andere ist doch arg unwahrscheinlich. Ich hoffe, dass man bei der Initiative zum Wiederaufbau des Schauspielhaus eine andere Variante als die Maximalforderung mit denkt. Das jetzige Modell aus Schauspielhaus, Eckbau und Arkaden halte ich für wünschenswert aber völlig utopisch. Ich hoffe man verzettelt sich da nicht.

    Die Orangerie ist natürlich toll geworden. Auch die neu gestaltete Seite ist überraschend gut und macht einen wertigen Eindruck.
    Der Park ist okay. Man muss mal abwarten wie es im Sommer aussieht, wenn alles blüht und zudem muss das auch alles mal ein paar Jahre wachsen.
    Dann kommt aber das große Aber. Die restliche Bebauung ist völlig missglückt. Viel zu riesig. Viel zu uniform. Da hilft auch der Natursteinsockel nix. Das ganze Quartier könnte auch eine sanierte Platte sein. Man hätte hier zum Blockrand übergehen sollen und die Fassaden viel stärker differenzieren müssen. So ist es eine Wohnbatterie geworden in schlechtester DDR-Tradition. Man wird dieses Projekt wie auch den gesamten Postplatz in 15 Jahren als großen städtebaulichen Fehler ansehen.

    @ Konstantin
    aber wie ist denn der Sandstein, der in historischen Gebäuden verbaut wurde und erst heute sichtbar ist? Der muss dann doch total bunt gemischt in seinen Tönen sein. Hat hier jemand mal ein Beispiel eines historischen Baus, der früher gestrichen war und heute den Blick auf den Sandstein zulässt, wo aber die Steine noch historisch sind? Gleicht man dann die Farbtöne dort auch an oder wie geht man da vor?

    Auch wenn ich kein Moderator bin, trotzdem dieser Hinweis:
    Bitte gebt bei Fremdbildern, auch wenn sie bereits gemeinfrei sein sollten, immer die Quelle an. Das kann euch sonst böse auf die Füße fallen. Also bitte Kaiser Karl, füge einen entsprechenden Verweis an!



    In Bezug auf die Simon-Galerie muss ich sagen, dass ich erst mal froh bin, dass es nun endlich ein zentrales Erschließungsgebäude für die Museumsinsel gibt. Das war überfällig und ein useum dieser Güte braucht das heute!



    Zur Gestaltung bleibt ein gemischter Eindruck, es hätte sicher schlimmer kommen können, trotzdem ist es in der Grundgestaltung viel zu ambitionslos als dass es einen gleichberechtigten architektonsichen Beitrag zur Museumsinsel leisten könnte. Es ist nicht mal ein modernes Gebäude. Das wäre ein Bau von Frank Gehry gewesen, der ja hierzu einen Vorschlag gemacht hatte. Das hätte man sicher auch kritisch diskutieren können, ob das an der Stelle gepasst hätte oder nicht. Aber das was da heute steht, das ist eben nicht mal ein Bau im Sinne der klassichen Moderne. Es ist eine Fortsetzung der Bauten, die die Republik seit Mitte der Nullerjahre überfluten und die besonders in Berlin ihren Platz gefunden haben, leider.


    Es ist die etwas wertigere Ausführung des gleichen Architekturkonzepts, was wir auch am Leipziger Platz sehen oder an vielen anderen Stellen. Es ist schlicht langweilig. Andere sagen, es hält sich vornehm zurück. Für mich ist es schlicht öde. Ja, man hat die Säulen irgendwie neu interpretiert. Ja, mit viel gutem Willen kann man grobe Kubaturen einer Tempelanlage erkennen bzw. sich diese zusammen dichten. Letztlich erklärt sich diese "Architektur" aber nicht von selbst, weil sie dafür viel zu banal ist und ihr auch gar keine architektonsichen Mittel außer Material und dem rechte Winkel verbleiben, um irgendwie so etwas wie eine schöne Atmosphäre in diesem hochklassigen Ensemble zu kreieren.



    Gleiches gilt für den neuen Flügel am Pergamonmuseum. Man hat wieder zu sehr den Fokus auf das innere Raumprogramm und den Platzbedarf gelegt. Ja, dass nun ein kompetter Rundgang über zwei Etagen möglich ist, ist für den Museumsbesucher echt klasse. Nur man hat bei allen funktionalen Erwägungen vergessen, was man dafür opfert, nämlich das Pergamonmuseum, wie wir es kennen. Der Bau ist an sich sehr einfach, aber trotzdem monumetal. Seine zentrale Wirkung erzeugte der Bau aber durch die Innenhofsichtigkeit. Der Innenhof war die Agora des Baus, hier wurde die Atmosphäre dieses Baus kreiert. Diese Wirkung wird nun vollends entfallen. Das ist extrem schade. Und da spielt die zukünftige Gestaltung des Flügels gar keine so große Rolle. Man nimmt dem Museum durch diesen vierten Flügel einfach seine noble Geste, seine Identität. Und das wird weh tun!

    Die Frage wurde hier schon mehrfach gestellt aber nie beantwortet oder ich habe es überlesen.
    Da im Barock und später auch die Sandsteinelemente gestrichen wurden, war ursprünglich ihre Sichtigkeit ja nie vorgesehen. Somit wird man doch keinerlei Energie in die Auswahl der Steine investiert haben. Irgendwann ist man dann zur Sichtigkeit übergegangen. Folglich muss das Ergebnis bei historischen Bauten, die nie für einen Sandstein ohne Farbe vorgesehen waren, doch noch viel wilder und konfuser gewesen sein. Oder sehe ich da jetzt etwas komplett falsch?
    Folglich ist es doch jetzt ein Luxus, dass man schon beim Einbau ein halbwegs harmonisches Ergebnis erzeugt. Klar. Wenn hier vorsätzlich betrogen wurde, muss man die Beteiligten zur Rechenschaft ziehen. Trotzdem bleibe ich dabei. Es ist ein Naturprodukt. Und das kann man ja durchaus auch sehen. Und in extremen Fällen kann man bestimmt mit entsprechenden Produkten den Unterschied abmildern.
    Man braucht einfach mal etwas mehr Gelassenheit. Es gibt Schlimmeres als eine etwas zu stark marmorierte Säulentrommel.

    Ich finde es extrem bedauerlich, dass solche Künstler, die heute die Videospiele gestalten, für den Architektenberuf weitgehend verloren sind. Denn sie tragen den Berufsethos in sich, den man heute in der Architektur verzweifelt sucht. Kreativität, Mut, Vision, ja, das was man Kunstverständnis nennt.
    Die Architektur hat sich derweil zu einer Bürokratieform entwickelt, die mehr auf DIN-Normen achtet als ihrer eigentlichen Profession nachzugehen, nämlich durch kreative Ansätze Stadtraum für die Menschen zu gestalten.
    Das stimmt auf der einen Seite extrem traurig, auf der anderen aber auch sehr hoffnungsfroh, denn man sieht, dass es diese Talente noch gibt, man muss sie aus dem virtuellen Raum nur wieder in die "reale" Welt holen.
    Ich hatte das Vergnügen, vor einiger Zeit eine VR-Brille von Occulus testen zu können. Jeder, der so etwas noch nicht probiert hat, sollte dies unbedingt mal machen. Denn diese Technik wird die Welt revolutionieren und ist meiner Meinung nach die größte Erfindung nach dem Automobil und dem Flugzeug. Das Potential dieser Technologie können wir heute noch gar nicht ermessen und wir werden Architektur und Kunst in einer nie gekannten Forum erleben können.
    Meine Hoffnung ist, dass es die Menschen dazu anregen wird, kritisch zu hinterfragen, warum so erlebte Architektur nur virtuell und nicht real spürbar ist. Daher finde ich die Projekte, die Städte wie Köln, Berlin oder Dresden über VR für Menschen erlebbar machen, so wichtig, weil sie den Menschen so real vor Augen führen, wie Städte einst aussahen und welchen Verlust an Historie, Klasse und Ästhetik die deutschen Städte hinnehmen mussten und dass dieses ästhetische Erleben Anlass für eine ganz andere Wahrnehmeung von Stadt wird und den Handlungsdruck auf die Entscheider massiv verstärkt :D

    Ich hatte ganz versäumt, suebicus für seine Ausführungen zu danken. Mir war diese starke kulturelle Prägung, die letztlich auf die Religionszugehörigkeit zurück geht, bisher so nicht bewusst, auch wenn ich es besser hätte wissen müssen.
    Auch wenn es architektonisch nicht so ausgeprägt ist, umso krasser fällt dieser Unterschied aus, wenn man sich näher mit dem Rheinland beschäftigt. Die kulturelle Prägung durch das katholische Köln zieht sich bis in den Westerwald hinein, während das Siegerland in besonderer Weise eine fast antikölsche Kultur ausgebildet hat. Dies zeigt sich durchaus auch architetonsich, ist aber heute nicht mehr so leicht erfahrbar, weil Siegen beispielsweise sehr stark an historischer Bausubstanz eingebüßt hat, ist aber bis heute in massiven kulturellen Unterschieden der Kölner und der Wittgensteiner Seite zu erkennen, die größer nicht sein könnten.
    Daher ist das Beispiel Baden-Württemberg so interessant, weil wir hier nicht nur kuturelle Spuren, sondern auch architektonische Eigenarten finden, die diese Unetrscheide beispielhaft demonstrieren. Ich denke, Karlsruhe und Heidelberg könnten nicht unterschiedlicher sein und das obwohl die Städte recht nah beieinander liegen. In einer Zeit, in der die christliche Religon beinahe marginalisiert ist, vergessen wir manchmal, welch enorme Bedeutung die Konfessionszugehörigkeit bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts hinein hatte.

    Letztlich versauen die Fenster alles. Wie konnte mal so einen Aufwand betreiben und dann solche Fenster einbauen? Da fasst man sich nur noch an den Kopf.
    Dadurch ist das ganze Konzert des Baus im Eimer. Er wirkt ohne Seele, tot. Und dann spiegeln die Fenster auch noch derart extrem. Was hätten hier historische Sprossenfenster aus Holz für einen positiven Effekt gehabt.
    Entweder war es eine böse Retourkutsche des Architekten dafür, dass er einen Gründerzeitbau wiederaufbauen musste oder es war einfach Unfähigkeit oder es war mal wieder der Denkmalschutz. Aber wenigstens wurde der Bau im seiner Nachkriegsoptik wiederhergestellt und nicht komplett abgerissen. Den Rest muss man dann in 15 Jahren ergänzen.

    Es gibt Überlegungen zum Abriss eines Nachkriegsbaus am Adenauerplatz, drei der vier Eckbauten sind ja furchtbare Nachkriegsbauten, nur noch einer ist historisch. Nun könnte zumindest ein Bau fallen, der direkt hinter einem der Eckbauten liegt.

    Quote from morgenpost

    ..Es geht um das Areal, das sich hinter dem markanten Gebäude des Architekten Helmut Jahn Ecke Kurfürstendamm und Lewishamstraße in Richtung Charlottenburger S-Bahnhof bis zur Waitzstraße erstreckt. Geht es nach dem vorgestellten Entwurf, soll das alte Panorama-Hotel abgerissen und um drei Stockwerke höher wieder neu aufgebaut werden. Gleichzeitig soll anstelle der Parkpalette an der Ecke Waitzstraße ein Hochhaus mit Mietfläche für Gewerbe, Praxen und Büros errichtet werden. Dazwischen hat Architekt Max Dudler 43 Mietwohnungen und 40 Einheiten für studentisches Wohnen eingeplant....

    Quelle: https://www.morgenpost.de/bezi…ll-abgerissen-werden.html


    Aber ihr ahnt es schon, es gibt Gegenwind. So wollen zum Beispiel die Grünen den Bestand erhalten, auch ansonsten hält sich die Begeisterung seitens der Politik in Grenzen. Naja, was soll man auch anderes erwarten, wenn es um Baudenkmäler der Güte Panorama-Hotel geht :kopfwand:


    Ich fürchte, dass man so langsam zusehen muss, dass diese 70-er Jahre Bauten fort kommen, bevor in einem Anfall von Nostalgie und Realitätsverweigerung ein Bau nach dem anderen unter Denkmalschutz gestellt wird. Zu Gute kommt uns dann wohl nur noch, dass Bauten aus dieser Zeit sowohl von den Grundrissen, den Deckenhöhen und vor allem der Bauqualität nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen und oft auch gar nicht zu akzeptablen Preisen energetisch saniert werden können. Denn sonst prophezeihe ich in 10 Jahren eine Welle der Unterschutzstellung dieser furchtbarsten aller Epochen.
    Daher gilt: Weg mit dem Kram, solange es noch geht!

    Ich habe trotzdem etwas Sorgen was die Alterung angeht. Ob das in 15 Jahren noch immer so gleichmäßig hell aussieht? Naja. Mal schauen. Hoffen wir das beste.
    Die Freitreppe ist jedenfalls nicht schlecht. Der Übergang zum Neuen Museum ist planerisch allerdings nicht geglückt. Damit meine ich die Positionierung von Freitreppe und rechter Mauer vor dem Neuen Museum. Das wirkt bei dem Blick vor der Treppe stehend in Richtung Neues Museum nicht komplett durchdacht.

    Ich verstehe manchmal die Denke der beteiligten Leute nicht. Weil es eigentlich gegen jede menschliche Logik ist.
    Ich hatte das im Forum vor einiger Zeit ja schonmal geschrieben.
    Schauen wir doch mal auf ein Beispiel und nehmen Apple. Die waren in den 70-ern sehr erfolgreich, danach ebbte es zusehends ab und man war in den 90-ern fast am Ende. Doch dann kam ein Geistesblitz, man veränderte etwas und ging mit völlig neuen Ideen an die zugegebenermaßen triste Lage und ersann erst den i-Mac und dann folgte das i-Phone. Gerade letzteres war ein riesiger Publikumserfolg und prägt die Gesellschaft bis heute.
    Dieses Beispiel ließe sich eins-zu-eins auf die städtebauliche Situation in Deutschland übertragen. Man hatte in den 70-ern eine Idee, die führte aber sukzessive in den Ruin bis man dann neue Wege beschritt und nach 30 Jahre nun endlich wieder Projekte hat, die die Menschen begeistern.
    Aber jetzt kommt das Problem. Niemand käme ja bei Apple auf die Idee, ein Produkt, was sehr erfolgreich ist, einzustellen, weil man meint, man hat die Menschen genug beglückt, jetzt holen wir einfach den Kram wieder aus den Regalen, den schon in den 80-ern keiner mehr wollte.
    Und genau das macht man im Städtebau. Man hat endlich ein Konzept, was von den Menschen angenommen wird und was breiten Erfolg hat und dann sagt man: Moment, neeee, jetzt reicht es, weg damit und her mit dem alten Kram. Das ist gegen jede menschliche Logik. Es ist schlicht irre!

    Jaja. So ist es immer. Am Ende war jeder dafür. Oh Wunder. Auch wenn hier im aph jeder weiß dass dem nicht so war.
    Aber wenn man wenigstens draus gelernt hätte. Aber was ist das Resümee? Die neue Altstadt ist ein riesiger Erfolg den ja heute scheinbar jeder schon immer wollte aber diesen großen Erfolg fortsetzen? Ne. Das will dann doch wieder niemand. Merkst du was?


    Ich nenne das zynisch und Volksverdummung. Und da wundern sich diese Leute dass immer weniger Menschen diese Strategien bei Wahlen goutieren.

    Ach wie schade. Da kommen einem fast die Tränen. Aber auch da sieht man wieder wie auch beim Lloyd-gebäude, dass es nicht zwingend der Zweite Weltkrieg war, sondern dass man auch ohne Zerstörungen der Gründerzeit massiv zu Leibe gerückt ist.
    Und diese Abneigung spürt man ja in Teilen bis heute. Ich finde das höchst bedauerlich.