Posts by typo2708

    Ja, wenn man ein gutes Auge für Blickwinkel hat kann sich eigentlich (fast) jede deutsche Stadt sehen lassen. Ich finde, solche vorteilhaften Bilder sollten häufiger gezeigt werden, damit man auch immer wieder etwas Aufbauendes zu Gesicht bekommt. Nicht immer nur Abrisse, Bausünden und Verschwundenes. Das, was wir noch haben, verdient es, so schön wie möglich präsentiert zu werden.

    Danke Riegel für deinen letzten Beitrag. Du hast die Situation in Nürnberg genau so zusammengefasst wie ich sie auch beurteile.

    Nürnberg hat beste Voraussetzungen für einen „Austausch durch Rekonstruktion“, es scheitert in dieser Stadt bislang nur am fehlenden Willen, aber gewiss nicht an der städtebaulichen Grundlage.

    Natürlich spreche ich ursus nicht das Recht ab, es entschieden anders zu sehen. Wir werden uns da wahrscheinlich nicht einig werden, das ist aber auch nicht notwendig. Ich bin gegen Diskussionen, an deren Ende immer der Konsens stehen muss.

    Mich als Stuttgarter schmerzt verständlicherweise am meisten der Zustand meiner Heimatstadt. Die einstige Altstadt gibt es nicht mehr, dafür eine große Zahl von Nachkriegsbausünden. Am schlimmsten finde ich den Marktplatz, ich will gar nicht wissen was Touristen darüber denken. Das hässliche Rathaus, die primitiven Häuser mit Flachdächern. Also aus Stuttgarter Perspektive ist die harsche Kritik an Nürnbergs Wiederaufbau jedenfalls nicht nachvollziehbar. Es ist eben alles relativ.

    Allerdings ist für mich der Verlustschmerz bei Städten wie Dresden oder Magdeburg sehr viel größer als bei Nürnberg, denn dort gibt es weiträumig gar keine Bezüge zur historischen Stadt mehr, da wurde einfach alles restlos beseitigt.

    Gerade wegen dem „Bratwurst-Image“ würde ich lieber in Nürnberg leben als in Frankfurt mit dem „Bankenturm-Image“. Nürnberg hat sich seine lokale Eigenart bewahrt und nie versucht, eine ganz andere Stadt* zu werden. Das ist viel wert.


    *im Sinne eines „globalisierten“ Stadtbilds.

    Kein Mensch hat sich für das Nachkriegs-Pellerhaus interessiert. Erst als ein Wiederaufbau ins Gespräch kam entdeckten die Architekten und Denkmalpfleger ihre Liebe zu dem belanglosen Gebäude. Verlogen und durchschaubar, weil es diesen Leuten gar nicht um den Erhalt wertvoller Bausubstanz geht, sondern einzig um die Verhinderung einer Rekonstruktion, die für die Nürnberger zum Initialerlebnis werden könnte.

    Es liegt in der Natur der Sache, dass Rekonstruktionen als eher konservatives Anliegen betrachtet werden. Ebenso naheliegend ist es, dass viele Intellektuelle, die sich eher der links-progressiven Seite verbunden fühlen, dies mit Argwohn betrachten. Man sollte nicht erwarten, dass sich an diesem Gegensatz grundsätzlich etwas ändert, man kann jedoch darauf bauen dass sich so mancher Skeptiker durch die positive Bilanz von Rekonstruktionen umstimmen lässt.

    Was Sigmaringer Strasse betrifft so wünsche ich doch mehr die originalen Bauweise der Gründerzeit, besonders am Dachgeschoss. Alles was man traditionel baut hat etwas "unhistorisches" und vom Allerwelt.

    Dieses Gebäude könnte einfach auch in London oder St. Petersburg stehen.

    Das ist durchaus richtig. Gerade weil traditionelle Neubauten nicht die Qualität der historischen Vorbilder erreichen würde ich, wo immer möglich, die Rekonstruktion des Originals vorziehen. Siehe auch meine Signatur. :wink:

    Architekten, die solchen Abrissen das Wort reden sind etwa so integer wie Tierschützer, die sich für die Großwildjagd einsetzen.

    Ich konnte Bregenz auch gerade wegen solcher Häuser im Stadtbild immer etwas abgewinnen, leider scheint man darauf keinen Wert mehr zu legen.

    Was sind die Handvoll Rekonstruktionen im Vergleich zu dem, was Jahr für Jahr an scheinbar unbedeutender, aber liebenswerter Architektur aus unserer Welt verschwindet?

    Schade, dass das Projekt "Mannesmannufer 3" nicht verwirklicht wurde. Das hätte neue Maßstäbe neoklassischer Großstadtarchitektur gesetzt.

    "Sigmaringer Straße 17a" ist allerdings auch sehr gut.

    Mäckler trägt mit seiner Architektur selbst zu den Zuständen bei, die er immer wieder in Interviews beklagt. Insofern schenke ich dem Mann kein Gehör mehr. Er hätte alle Möglichkeiten mit gutem Beispiel voranzugehen. Stattdessen lamentiert er schon seit 20 Jahren, ohne dass es irgendwelche positiven Folgen gehabt hätte.

    Du hast schon recht, Rastrelli. Ich wollte den Abriss mit meiner Aussage auch nicht rechtfertigen, nur meine Befürchtung zum Ausdruck bringen, dass Häuser in dem Zustand besonders gefährdet sind, weil sie auf den ersten Blick nicht mehr viel Wert offenbaren. Da geht der Daumen dann eben schnell nach unten, besonders bei Entscheidern die bezüglich historischer Bausubstanz nicht so sensibilisiert sind wie unsereins.

    Wenn solche Gründerzeitgebäude schon vorher derart zugerichtet (entstuckt, heruntergewirtschaftet, graffitibesudelt) wurden muss es nicht wundern, wenn darin nichts Erhaltenswertes mehr erkannt wird. Das Beispiel dürfte nicht das einzige bleiben. Klassiker hat die richtige Parole ausgegeben - die halt leider zu selten befolgt wird.

    Das mit den „Gestaltungsbereichen“ ist nett gemeint, aber viele Sprayer suchen gerade die illegale Aktion als Herausforderung. Denen kann man mit sowas nicht kommen.

    Wo Andreas in den letzten Beiträgen „parteipolitisches Wunschdenken“ ausmacht ist mir schleierhaft. Langsam wird diese reflexhafte Empörung unserer „woken“ Teilnehmer wirklich lächerlich.


    Berlin wird von rot-rot-grün regiert, München von rot, Stuttgart bis vor kurzem von grün und jetzt schwarz. Ich sehe da keine politische Kausalität, die Ursache für die Graffiti-Problematik dürfte vielmehr in der fehlenden Qualität und Wertschätzung des öffentlichen Raums liegen. Siehe Beitrag #157. Ist man in Berlin oder Stuttgart stolz auf die Schönheit der Stadt? Eher nicht. Ist man es in München? Ich glaube ja. Und worauf man stolz ist, das beschädigt man nicht.

    Es ist aber auffallend, wenn man mal einen Stadtspaziergang in München mit einem in Berlin vergleicht. Da braucht es keine Statistik, sondern einfach zwei Augen.

    Das ist offensichtlich. Allerdings garantiert der Wohlstand einer Stadt allein kein gepflegtes Stadtbild. Sonst gäbe es z.B. hier in Stuttgart nicht so viele Schmierereien. Das Stadtbild von München ist in weiten Teilen sehr attraktiv, auch wegen der Qualität der Bausubstanz. Stuttgart oder Berlin haben dagegen viele heruntergekommene Bereiche, wo dann eben die "Broken-Windows-Theorie" sichtbar wird. Hässliche Architektur wird nicht wertgeschätzt und zieht daher Verwahrlosung und Vandalismus magisch an.