Posts by Königsbau

    Oder meinst Du das gegenüber der Neuhauser Straße, also das 47er, Neuhauser Straße 47? Nix da! Das ist zwar ein billig anmutender Bau der 50er, aber Du weißt schon, dass der ungleich besser ist alles, was heutuztage zu erwarten wäre?

    Dem kann ich nur zustimmen. Das Haus besitzt zwar keine bemerkenswerte Architektur, aber es ist dem bescheidenen Wiederaufbau verhaftet und tut niemandem weh. Im Gegensatz zu vielem, was heutzutage in unseren Städten gebaut wird.

    Gerade die Verbundenheit mit einem Stadt- oder Ortsbild hängt aber ja entscheidend davon ab, wie lange man sich an einem Ort aufhält, lässt aber aus, dass sich Menschen auch ohne diese Verbundenheit interessieren und teils auch überregional engagieren.

    Also, es gibt eine örtliche Verbundenheit und eine emotionale Verbundenheit, beides bedingt sich aber nicht gegenseitig.

    Ich glaube ihr habt schon verstanden, was ich mit Verbundenheit meinte, wir sind hier ja in einem Stadtbild-Forum.

    OB Klett wollte sicher nur das Beste für den Standort Stuttgart und seinen Wohlstand. Mit der Bewahrung der historischen Bausubstanz hatte er jedoch nichts am Hut. Diesbezüglich zeigte er nicht die geringste Verbundenheit mit der Stadt. Die Folgen beklagen heute Einheimische wie Zugezogene gleichermaßen. Als Gegenbeispiel fällt mir Wilhelm von Boddien ein, dessen in jungen Jahren entstandene Verbundenheit mit Berlin sich heute durch ein Schloss manifestiert.

    Ich glaube, entscheidend ist nicht die Frage Alteingesessen oder Zugezogen, sondern die Bindung an bzw. Verbundenheit mit einer Stadt. Damit steht und fällt auch das Engagement für den Erhalt historischer Bauten und ein lebenswertes Stadtbild. Ich habe nur ein paar Jahre in Freiburg und Nürnberg gewohnt, aber das genügte, dass mir seither beide Städte und deren weitere Entwicklung sehr am Herzen liegen.

    Wohnhäuser in diesem Stil gab es in Berlin aber wohl nicht? Deswegen erscheint es mir auch so deplatziert. Man beachte das Nachbargebäude rechts, das ist, selbst in wohl nicht erhaltenem Originalzustand, viel typischer für Berlin. Überhaupt scheint die Traufhöhenregel von einst, die das Stadtbild von Berlin so stimmig wirken ließ, bei Neubauten gar nicht mehr beachtet zu werden.

    Gibt es in Berlin historische Beispiele für derartige Wohnhäuser? Ich denke da halt eher an amerikanische Großstädte. Also mir gefällt es nicht besonders, auch wenn der Ansatz lobenswert ist.

    Ich bezog mich in erster Linie auf die Farbigkeit, mit der man einer sehr dürftigen Architektur etwas Individualität verleihen will. Das war in der Nachkriegszeit so, und in diesem Fall geht man genauso vor.

    Wobei mich das "Regensburger Viertel" an den Wiederaufbaustil der Nachkriegszeit erinnert, der ja weite Teile Nürnbergs prägt. Auch damals versuchte man, die äußerst schlichten Gebäude mit heiteren Farbtönen etwas freundlicher zu gestalten. Irgendwie schließt sich der Kreis damit wieder.

    Frankfurt wird vor allem wegen der in Deutschland einzigartigen Hochhauskulisse geliebt, die ein wenig Flair von Amerika oder Weltstadt vermittelt. Alles andere ist etwas für einen Kreis zäher Liebhaber.

    Hat daran nicht einmal der Wiederaufbau der Altstadt etwas geändert? Das wundert mich etwas, weil ich erwartet hätte, dass damit auch wieder etwas mehr Bewusstsein und Wertschätzung für die Baugeschichte Frankfurts einhergeht. Wie beurteilt denn dein Freundeskreis die Neue Altstadt?

    Der Marktplatz wird eben hingenommen, als Relikt des schnellen Wiederaufbaus. Aber niemand mag ihn, jedenfalls ist mir noch nie jemand begegnet der diesem Ensemble irgendetwas Positives abgewinnen konnte. Die regelmäßigen Versuche einer optischen Aufwertung wirken auch ziemlich hilflos, solange das eigentliche Problem, nämlich die architektonische Dürftigkeit der Bebauung, bestehen bleibt.


    Aber damit wieder zurück zu Frankfurt.

    Bei der Ästhetik haben die Architekten sehr viel experimentiert, denn sie wollten nicht, dass der Bau von der Optik als Betonklotz oder zu monoton wahrgenommen wird.

    Die Experimente gingen offensichtlich schief. Das ist Architektur wie aus einer Dystopie. Die Verantwortlichen sollten selbst dort wohnen müssen.

    1.) bin ich gegen eine Reko, weil es keine Mehrheit in der Bevölkerung gibt. 3.) wird der Bau von der absoluten Mehrheit der Bevölkerung als integraler Teil ihrer Stadt akzeptiert.

    Beides bezweifle ich stark. Ich glaube, der Bau wird von der Bevölkerung als Platzhalter hingenommen, das bedeutet nicht dass eine Rekonstruktion eines weitaus wertvolleren Bauwerks an der Stelle unerwünscht wäre. Das erinnert mich übrigens an die Diskussion über unseren Stuttgarter Marktplatz, wo genauso eine seit langem bestehende, unbefriedigende Situation der Sehnsucht nach der alten Schönheit gegenübersteht. :wink: