Posts by Königsbau

    Die Italiener und Franzosen haben auch eine andere Ausgangslage. In unseren ohnehin schon hässlichen Innenstädten scheinen manche einfach nach der Broken-Windows-Theorie nur einen Schritt weiter zu gehen. Graffiti ist da nur ein Symptom von vielen. Neu ist, dass jetzt sogar historische Kulturgüter ersten Ranges betroffen sind. Wird auch das Stadtschloss Ziel von Vandalismus sein? Mittlerweile durchaus denkbar.


    Graffiti-Schmierereien müssen deutlich geächtet werden, die bisherige Linie, das als Zeichen der "Subkultur" zu tolerieren, ist nicht haltbar.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Broken-Windows-Theorie

    In Deutschland wäre auch einiges ohne Krieg abgerissen worden. Dafür spricht die Umgestaltung der Städte, die schon in den 20er Jahren erfolgte (z.B. in Berlin). War eben das Heimatland der "Moderne" (Bauhaus). In französischen oder italienischen Städten gab es dergleichen ja nicht. Vergleichbar mit Deutschland war allenfalls Großbritannien, wo nach dem Krieg ähnlich rücksichtslos mit den historischen Stadtzentren umgegangen wurde. Vermutlich weil die Stadtplaner in beiden Ländern nach den Kriegszerstörungen ihre Chance gekommen sahen, die Innenstädte ohne den "historischen Ballast" ganz neu zu gestalten. Auch in den USA wurde (ganz ohne Kriegseinwirkung) in den letzten hundert Jahren enorm viel historische Bausubstanz vernichtet. Das New York der 50er Jahre sah noch ganz anders aus als das heutige.

    Und wieder einmal bestätigt sich: Die Gegnerschaft von Rekonstruktionen kommt fast ausschließlich von links. Das können einige hier im Forum noch so oft bestreiten, es bleibt ein Fakt. Dass sich (sogenannte) Konservative, wie Heimdall schon sagte, aus Desinteresse oder Opportunismus den Argumenten dieser Gegnerschaft anschließen, macht es nicht besser.

    Wenn es nur um den Ausblick ginge könnte man ja auch in der Banlieue von Paris wohnen, da gibt es auch einige Ausblicke zum Eiffelturm.


    Ich habe außerdem soeben gelernt, dass man läppische "Altstadtzitate" in Köln zu goutieren hat, in Würzburg oder Nürnberg jedoch nicht.

    Vielleicht hat Riegel einen richtigen Punkt getroffen. Auf diesen ganzen dekorativen Überschwang musste ja geradezu so etwas wie das Bauhaus folgen. Man kann auch nachvollziehen, dass dies vielen Menschen damals wie eine Art Erlösung vorkam. Heute dagegen, wo die schmucklose, funktionale Architektur dominiert, sehnen wir uns wieder nach Ornament und Details - es muss damit ja nicht wieder übertrieben werden.

    In Berlin wurden unzählige wundervolle Bauwerke wie dieses beseitigt. Dafür hat man jetzt sowas wie den "Kotti" oder den Mehringplatz. Die Stadt hat sich selbst entstellt. Um das alte, prachtvolle Berlin kann man nur trauern, oder man ist mit dem zufrieden was noch existiert und wendet sich auch anderen schönen Orten zu. Träumereien, in denen alles mögliche wiederaufgebaut wird, gebe ich mich nicht mehr hin. Für das Stadtschloss als großes Ausnahmebeispiel muss man, gerade in einer Stadt die sich mit der eigenen Vergangenheit schwer tut, schon unglaublich dankbar sein.

    Die Wahl in Wien hat die Regierenden deutlich bestätigt. Es wird also so weitergehen in der Stadt, die Abrisspolitik scheint den Wähler nicht zu stören. Na dann macht's nur so weiter.

    In den sechs ostdeutschen Ländern gehört die DDR aber nunmal zur Geschichte. Und in den Lebensgeschichten und Erinnerungen der ostdeutschen Familien kommt sie nun einmal vor. Dass dies bei einigen Wessis auf völliges Unverständnis stößt, das kennen wir schon. Schade, ich hätte gedacht, dass wir im 30. Jahr der Deutschen Einheit weiter wären.

    Die einen sagen "Nicht alles war schlecht in der DDR". Ich sage "Nicht alles war schlecht, trotz der DDR". An diesem Staat selbst gibt es nichts zu verklären. Eigentlich sollte das 30 Jahre danach Konsens sein.

    Eigentlich schon verrückt, dass dieses "Marx-Engels-Forum" mit dem Denkmal überhaupt nicht komplett in Frage gestellt wird, angesichts des gegenwärtigen Ikonoklasmus. Sagt natürlich auch viel über den politischen Zeitgeist (nicht nur in Berlin) aus, dass die Erfinder von Sozialismus und Kommunismus im Gegensatz zu anderen historischen Figuren nichts zu befürchten haben. Ich habe dieses Denkmal bei jedem meiner Berlin-Besuche bewusst gemieden. Das ganze Gebiet zwischen Spree und Alexanderplatz ist in meinen Augen ein von einem Unrechtsstaat hinterlassenes städtebauliches Elend, das sich nur ewige Ostalgiker schönreden können. Ich war immer froh wenn ich danach wieder zurück am Ku'damm war.

    Ist in BW nicht anders. Nur dass hier die maroden Gebäude gleich ganz abgerissen werden und man dann etwas hinstellt was mehr zum Selbstverständnis der fleißigen Schwaben passt. Hauptsache praktisch, sauber und modern, das Stadtbild ist nicht so wichtig.

    dann kann man einfach nur entsetzt und traurig sein, wie die Nachkriegsstadtplaner die Stadt systematisch verhunzt haben.

    Die DDR hat das auch in der historischen Mitte Berlins so umgesetzt. Weg mit den wenigen erhaltenen Relikten der bürgerlichen Stadt, nichts mehr sollte in sozialistischen Zeiten daran erinnern. Das gab es in dieser Form im Westen nicht.

    Nö, da hat wieder jemand die falsche Wortwahl benutzt. Das hört sich eben so an, "wer diese Zuneigung nicht teilt kann nur ein Banause sein". Mag ich nicht, sowas.

    Müssen muss man gar nichts. Ich mag das heutige Magdeburg nicht, na und? Ich verlange auch von niemandem, für Stuttgart zu schwärmen. Und bitte jetzt nicht mit dem historischen Bedeutungsvergleich kommen, ich meine das gegenwärtige Stadtbild.