Posts by Akanthus

    Die als spektakulär bezeichneten Funde bei der Freilegung der Kellerräume des Corps de logis müssen im Gesamtkontext betrachtet werden, dann stellt sich diese überzogene Begrifflichkeit anders dar. Ein spektakulärer Fund wäre z. B. der Grundstein zum Corps de logis, ein Münzkonvolut aus den Sammlungen des Schlossmuseums oder andere bedeutende Zeugnisse aus dem Kontext der Barockresidenz.

    Das Gelände um das heutige Schloss wurde mit den mehrfachen Umbauten der Renaissanceanlage und insbesondere mit der Errichtung des Barockschlosses wiederholt tiefgründig und großflächig verändert. Die Lage der älteren Fundfragmente stimmt längst nicht mehr mit der ursprünglichen überein, so dass nur noch bedingt Rückschlüsse gezogen werden können.

    Darüber hinaus wurden die teils verschütteten Kellerräume im Auftrag der damaligen Joachim-Ernst-Stiftung Ende der 1940er Jahre freigelegt, um nach verbliebenen Ausstellungsobjekten zu suchen. Diese wurden ab 1943 u. a. in den ebenerdig liegenden Kellern des Corps de logis konzentriert, um sie dann auslagern zu können, wozu es leider nicht mehr kam. Alle bedeutenden Dinge wurden entweder durch den Bombenangriff zerstört, anschließend geplündert oder durch die Stiftung aufgefunden. Noch heute finden sich an den bei Altgrabungen wiederentdeckten Funden Brandspuren.

    Im Ergebnis werden die Fundstücke dieses Jahres auf nimmer Wiedersehen im Depot der Archäologen verschwinden, Schlossbesucher können davon nicht partizipieren.


    Die Mitteilung, dass die freigelegten Kellerräume wieder verfüllt wurden, ist nicht korrekt. Der hofseitige Flur und der Nordraum bleiben erhalten und werden in die Neunutzung einbezogen.

    Im nördlichen Raum entsteht gerade die Unterfahrt für den neuen Aufzug. Zuvor wurden dafür 15 Bohrpfähle mit je neun Metern Länge gesetzt. Es besteht die Hoffnung, dass die aufgefundenen alten Sandsteinplatten für die Neuauslage des verbleibenden Fußbodens des Kellers ausreichen. Diese Fläche wird ebenfalls in die Nutzung integriert. Der ca. 8,5 Meter hohe Flur bildet den Zugang zu den vorhandenen östlichen Kellerräumen. Die neu zu errichtenden Flure darüber stellen die Kommunikation zwischen dem Aufzug und den Räumen in den jeweiligen Etagen her.

    Die nach Süden und Westen angrenzenden Außenwände wurden aus statischen Gründen mit freigelegt und auch deshalb, um sie mit einem Nässeschutz zu versehen. Mit fortschreitendem Rohbau werden nur diese Bereiche wieder mit dem Erdaushub verfüllt.


    Weitere News:

    https://www.schloss-zerbst-ev.de/html/neuigkeiten.htm



    Bostonian

    Vielen herzlichen Dank für die lobenden Worte, die motivierend wirken.


    Jakob

    Die Stadt Zerbst ist nach fast zehnjährigem Rechtsstreit wegen 5 unrechtmäßiger (!) Rücküberführungsansprüche Eigentümerin des Schlosses. Die Stadt unterstützt die Baumaßnahmen des Fördervereins nach Stadtratsbeschluss mit 10 % Anteil. Mehr geht nicht, da die Stadt sich, wie viele Kommunen, in der Konsolidierung befindet.


    Das Kulturministerium stellt sich in den letzten Jahren immer schon quer bei der Kofinanzierung von Bundesmitteln. Nur mit Nachdruck gab es magere, der Bedeutung unseres Objektes nicht angemessene Beträge aus Denkmalpflegemitteln. Weder das Land, noch die Stiftung Schlösser und Gärten haben irgendein Interesse an der Übernahme des kostenintensiven Objektes.


    Ich sehe eher Finanzierungsmöglichkeiten aus Russland. Über Jahre aufgebaute Kontakte wurden jedoch durch die Pandemie zunichte gemacht bzw. ruhen. Keine Ahnung, wann man hier wieder „normal“ weiterarbeiten kann.

    Aufnahmen von Schlossräumen der Zeit vor 1918 habe ich lediglich 11 in meinem Sammlungsbestand. Sie zeigen aber nur 8 Räume und sind zur Hälfte von sehr schlechter Qualität. Das ist im Verhältnis zu den 203 Zimmern und Sälen des Schlosses leider äußerst gering. Im Rahmen meiner nunmehr 30 Jahre währenden intensiven Forschungen zum Schloss habe ich nicht mehr aufspüren können.


    Hinzu kommen aber noch zwei Raumansichten auf zwei Gemälden: Hauptaudienzzimmer von 1888 und Zedernkabinett von um1900. Auf beiden Gemälden sind die wunderbaren Möbel des königlich-preußischer Hof- und Kabinettsbildhauers und Meisters des friderizianischen Rokokos, Johann Michael Hoppenhaupt d. Ä., zu sehen.


    Auf die Frage, warum die Politik nicht ausreichend unterstützt, hätte auch ich gern eine Antwort. Das bürgerschaftliche Engagement des Fördervereins mit vorzeigbaren Ergebnissen ist bereits so hoch, dass ich in der Beantragungsphase des aktuellen Großprojektes vom Fördermittelgeber die Frage gestellt bekam: Will der Verein das wirklich im Ehrenamt umsetzen? Hätte ich damals (Antrag vom Februar 2018, Baubeginn August 2021!!!) gewusst, wie viel unnötige Bürokratie auf mich und den Verein zukommt, hätte ich ganz schnell die Finger davon gelassen. Eine Verschlankung des bürokratischen Wahnsinns, der viele Projekte massiv be- oder gar verhindert, durch die Politik wäre schon hilfreich.


    Fazit: Aber wenn man einmal in einem solch spannenden und nachhaltigen Projekt arbeitet, wie es das Zerbster Schloss nun einmal ist, kann man nicht wirklich davon lassen …

    Inventarklebezettel oder Brandstempel sind mir für Zerbst aus den Akten nicht bekannt. Die einzig noch erhaltenen Möbel des Altbestandes, ein kleiner Tisch und ein paar Armlehnstühle, die sich heute im Schloss Mosigkau bei Dessau befinden, tragen keine Inventarnummern. Nur die Gemälde erhielten nach 1918 nach der Übertragung auf die Joachim-Ernst-Stiftung Inventarnummern.


    Nach dem Übergang des Zerbster Schlosses in den Besitz der Linie Anhalt-Dessau 1797 war es nicht mehr bewohnt und konnte bereits im 19. Jahrhundert besichtigt werden. Die neuen Besitzer hatten kein Interesse am Barock und waren nur sehr selten in Zerbst. Mit der benannten Übernahme wurde ein komplettes Schlossinventar angelegt, das heute meine wichtigste Arbeitsgrundlage bildet. Allerdings sind die darin benannten Objekte nur summarisch aufgeführt, aber nur sehr selten beschrieben. Nummern wurden nicht vergeben. Eine Inventarisierung mit einer Nummernvergabe im 19. Jahrhundert kann ich mir nicht vorstellen. Das Schlossinventar blieb, soweit es die wenigen Fotos vor 1918 zeigen, im Wesentlichen bis zur Abdankung erhalten.


    Von Möbel in den Schlössern der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz sind mir beim Altbestand Inventarzettel bekannt.

    Hier ein Auszug aus meiner Baumonographie:

    Die beiden Supraporten sind mit zwei erhaltenen Gemälden im Dienerschaftszimmer hinter den nördlichen Kaiserzimmern der Würzburger Residenz identisch. Es handelt sich um eine „Sommerlandschaft“, bezeichnet „peint par / F. H. Paradyen / 1749“ (118 cm x 164 cm) und eine „Winterlandschaft“, bezeichnet „F. H. Paradyen / peint“ (118 cm x 164 cm). Die Gemälde gelangten nach 1918 in Münchner Privateigentum, erworben aus dem Besitz des abgedankten Herzogs von Anhalt. Im Jahr 1989 erwarb die Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen beide Bildnisse.


    Detailfotos darf ich aus rechtlichen Gründen hier nicht einstellen, aber Raumansichten.

    @ Däne:

    Es eigentlich nicht wirklich Glück im Unglück, sondern eher Unglück nach Unglück …

    Die Innenausstattung wurde 1919 komplett ins Dessauer Stadtschloss überführt, das sich noch im Besitz des abgedankten Herzogs befand. Da die herzogliche Familie nicht mehr flüssig war, wurden wertvolle Stücke in den 1920er Jahren veräußert. Leider ist gar nicht nachvollziehbar, wohin die Objekte gingen, da es reine Privatsache war. Die Gemälde in der Würzburger Residenz, die aus dem Entreesaal des Zerbster Schlosses stammen, waren ein reiner Zufallsfund von mir und nur anhand der Malersignatur identifizierbar gewesen.

    Der größte Teil der Ausstattung des Zerbster Schlosses ging bei der Zerstörung des Dessauer Schlosses am 7. März 1945 komplett verloren. Nur wenige Wochen danach traf auch das Zerbster Schloss am 16. April das gleiche Schicksal.


    @ Jakob

    Eine Auktion ist mir nicht bekannt, es dürfte sie auch nicht gegeben haben.

    Ich stehe mit Eduard von Anhalt seit vielen Jahren in Kontakt. Auch sein Verwalter sucht händeringend nach Unterlagen. Durch die hohen Verluste 1945 ist fast nichts nachvollziehbar.

    Zunächst möchte ich mitteilen, dass ich mich über das Interesse im Forum und die „Likes“ sehr freue. Sehr gern beantworte ich auch die Rückfragen. „Heimdall“, genervt bin ich keinesfalls. Manchmal geht es leider nur nicht so schnell, da ich sehr eingespannt bin.


    Mit dem neuen Großprojekt wird das Corps de logis um eine Fensterachse nach Westen erweitert und durch eine neue Wand (leider sehr massiv) geschlossen. Später soll dort partiell weiter angeschlossen werden. In den südlichen Bereich der dann entstehenden, übereinander gelegenen Nordräume wird ein Aufzug integriert, um die Barrierefreiheit zu erreichen. Der Flurbereich im Süden stellt dann die Anbindung an alle Etagen dar. Der barrierefreie Zugang erfolgt ebenerdig von Norden. Der Aufzug hat Haltestellen in 5 Etagen, auch schon im Bereich des noch nicht zugänglichen Daches. Der Aufzug wird so positioniert, dass er nach der Errichtung des historischen Daches darin verschwindet und nicht mehr sichtbar ist.


    Aktuell wird das Kellergeschoss des Corps de logis von Schuttmassen der Sprengung befreit. Auf den Grundmauern wird dann das aufgehende Mauerwerk errichtet. Aktuell sind Archäologen mit Brüste und Pinsel am Werk …


    Das Projekt umfasst auch den Einzug von Decken im noch offenen oberen Bereich des Corps de logis und das Aufbringen eines Übergangsdaches. Außerdem werden Fenster eingebaut. Innenarbeiten (Putz, Türen, Elektrik etc.) erfolgen leider nicht. Damit ist der älteste Teil des Schlosses dann gesichert, den die Landesdenkmalpflege bereits aufgegeben hatte.


    Leider sind die Sanierung der Decke im Bereich des Mittelrisalits des Ostflügels und die Errichtung des Übergangsdaches den extremen Preissteigerungen am Baustoffmarkt zum Opfer gefallen. Das ist bereits der vierte gescheiterte Anlauf in diesem Bereich.

    Die Innenausstattung des Schlosses, die bis 1918 noch nahezu komplett aus der Zeit des Barock und Rokoko erhalten war, ist fast vollständig verloren gegangen. Mit der Abdankung des herzoglichen Hauses ging das Inventar des Zerbster Schlosses laut Vertrag komplett an die Familie. Die 203 Zimmer und Säle des Schlosses wurden 1919 komplett beräumt. Das betraf nicht nur das Mobiliar, sondern auch wandfeste Ausstattungen, Öfen, Intarsienfußböden etc. Im Rahmen der sogenannten Zweiten Fürstenenteignung kehrten 1927 einige wenige Stück zurück ins Schloss. Davon wurden Teile ab 1943 ausgelagert und befinden sich heute irgendwo in Rußland. Der Rest ging beim Brand des Schlosses und durch Plünderungen verloren.


    Vom Altbestand sind noch 10 Brüsseler Wandteppiche der Zeit um 1750 erhalten, die sich im Depot des Deutschen Historischen Museums befinden. Drucke in Originalgröße zeigen wir im Wohnzimmer und im Schlafzimmer des Appartements der Fürstin Johanna Elisabeth. Außerdem entdeckte ich zwei Supraportengemälde aus dem Entreesaal, die sich heute in der Würzburger Residenz befinden. Drucke in Originalgröße sind wieder am alten Platz zu sehen. Aus dem Bestand des Schlossmuseums haben wir aus Privatbesitz eine Zerbster Fayencevase zurückerworben, die im Fayencezimmer stand. Eigentlich handelt es sich dabei um Diebesgut, aber so ist es nun einmal …


    Weiteren, eventuell noch vorhanden Stücken auf die Spur zu kommen ist sehr schwer, da fast keine Innenaufnahmen vor 1918 und keine detaillierten Zimmerinventare existieren. Der aussagekräftige Zettelkatalog des Museums ist im Schloss verbrannt.

    Mit jeder Sicherungsmaßnahme entstanden seit 2005 nach dem Einzug von Decken Räume, die seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr existierten und nicht zugänglich waren. Der Förderverein hat die Räume je nach Möglichkeit ausgestaltet und sukzessive in die Nutzung einbezogen. Im Schloss sind folgende Ausstellungsräume vorhanden:


    Corps de logis Keller, Schlossküche: 3 Räume

    Corps de logis Erdgeschoss Schlossgeschichte und Baumeister: 4 Räume

    Ostflügel Erdgeschoss Hofseite, Schlossgeschichte: 7 Räume

    Ostflügel Erdgeschoss Ausstellungsräume, Schlossgeschichte und Förderverein: 3 Räume

    Ostflügel Erdgeschoss, Lapidarium: 1 Raum

    Ostflügel 1. Obergeschoss Appartement Fürst Friedrich August: 5 Räume

    Ostflügel 1. Obergeschoss Appartement Fürstin Johanna Elisabeth: 11 Räume

    Ostflügel 2. Obergeschoss Partnervereine und Sonderausstellung: 14 Räume


    Ausstellungsräume gesamt: 48


    Auf Grund von Baumaßnahmen sind aktuell die Schlossküche und die 3 unteren Ausstellungsräume nicht zu sehen. Die Räume im 2. Obergeschoss sind auf Grund der Pandemie nicht geöffnet.


    Aktuell können 28 Ausstellungsräume besichtigt werden.


    Für Festlichkeiten dient hauptsächlich die Eingangshalle im Erdgeschoss. In diesem Jahr fanden neben Hochzeiten die Hoftafel und der 17. Schlossabend darin statt. Zur Hoftafel wurden Dreigangmenüs serviert, zum Schlossabend Zweigangmenüs.

    Das Projekt „Fenster und Türen nach historischem Vorbild“ wurde erfolgreich abgeschlossen. Insgesamt wurden 62 Fenster und 2 Balkonfenster sowie 6 Doppelflügeltüren eingebaut. Durch die neuen Fenster im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss haben sich die Klimaverhältnisse in den Räumen und die Außenwirkung erheblich verbessert. Die Eingangshalle, die dem Förderverein als Hauptveranstaltungsraum und Ort für Trauungen dient, wurde mit den Türen erheblich aufgewertet.

    Start des Projektes „Fenster und Türen nach historischem Vorbild“


    Mit den seit 2005 durch den ehrenamtlich tätigen Förderverein Schloss Zerbst e. V. realisierten elf Sicherungsmaßnahmen wurden sukzessive verschiedene Bereiche des Schlosses vor dem Verfall bewahrt und die kulturell-musealen Nutzungen erweitert.


    Mit den wiederhergestellten Raumkubaturen des Schlosses waren viele Zimmer und Säle nach Jahrzehnten erstmals wieder zugänglich. Eine Grundvoraussetzung für die Ausgestaltung und Nutzung der Räume war der Bau provisorischer Fenster, was der Förderverein in Eigenleistung realisierte. Nur so konnten die Räume vor Witterungseinflüssen und Wandalismus geschützt und die dringend notwendige Austrocknung des Gebäudes forciert werden.


    Infolge des aus Kostengründen genutzten einfachen Holzmaterials weisen die Fensterrahmen inzwischen massive Schäden auf. Ein Austausch ist zum Schutz der Bausubstanz und der Einrichtungen dringend erforderlich. Außerdem waren die genutzten Glasfolien infolge der UV-Strahlung schon nach wenigen Jahren spröde, so dass ganze Partien ausbrachen. Mehrmals musste bereits ein aufwändiger und kostenintensiver Wechsel erfolgen. Nun stehen jedoch die Wirtschaftlichkeit und die Nachhaltigkeit in Frage.


    In diesem Kontext entstand die Projektidee zur Herstellung und zum Einbau neuer Fenster im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Ostflügels. Die unteren Ausstellungsräume, der Eingangssaal und die Toiletten des Erdgeschosses haben im Laufe der Jahre insgesamt acht Fenster nach historischem Vorbild erhalten, so dass bereits gute Erfahrungswerte zum Schutz der Bausubstanz vorliegen. Nunmehr sollen die in diesen Etagen fehlenden Fenster ergänzt werden. Die Denkmalrechtliche Genehmigung dafür liegt vor.


    Mit dem zu Beginn des neuen Jahres startenden Projekt werden 27 Fenster im Erdgeschoss und 35 Fenster sowie 2 Balkonfenster im ersten Obergeschoss eingebaut. Zuvor ist es notwendig, die provisorischen Fenster auszubauen und die Fensterlaibungen rohbautechnisch zu bearbeiten. Parallel werden die Fenster und Fensterbänke nach historischem Vorbild hergestellt. Dann erfolgt das Einsetzen der 64 Fenster.


    Ein zweiter Teil des Projektes besteht in der Herstellung und dem Einbau von sechs Doppelflügeltüren im Eingangssaal des Schlosses. Mit dem Einzug der Decke im Rahmen der ersten Sicherungsmaßnahme 2005/06 hat der Förderverein in Eigenleistung provisorische Türen hergestellt. Die einfachen Türen sind nunmehr verschlissen und müssen insbesondere zum Schutz vor Einbruch und Wandalismus ausgetauscht werden. Unter den Aspekten der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sind analog der Fenster auch hier vorläufige Türen nicht mehr vertretbar. Einem überlieferten Foto von 1927 zufolge werden die Doppelflügeltüren nunmehr rekonstruiert. Auch hierfür liegt die Denkmalrechtliche Genehmigung vor. Die Türen dienen ebenfalls dem Schutz der Bausubstanz. Außerdem wird der Saal, in dem u. a. Konzerte und Hochzeiten stattfinden, erheblich aufgewertet.


    Für das Projekt stehen Bundesmittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm VIII und Denkmalpflegefördermittel des Landes Sachsen-Anhalt zur Verfügung. Zuwendungen kommen auch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt. Die Eigenmittel setzen sich aus einem Zuschuss der Stadt Zerbst/Anhalt als Eigentümerin des Schlosses, was von den Fördermittelgebern gefordert wird, und aus Spenden zusammen, die der Förderverein in diesem außergewöhnlichen Jahr mühevoll eingeworben hat. Die Investitionssumme beläuft sich auf 281.000,00 €. Der Vereinsvorstand bedankt sich herzlich bei den Zuwendungsgebern und den Unterstützern des Projektes.


    Ursprünglich waren die bereits im August 2018 gestellten Anträge für die Umsetzung der Sicherungsmaßnahme VIII gedacht. Doch ein Jahr später wurde klar, dass die Finanzierung der Maßnahme durch nicht bereitstehende Mittel der Förderer nicht funktioniert. Glücklicher Weise gelang 2020 unter hohem Aufwand die Umwidmung der Förderung, so dass nun die Fenster und Türen hergestellt werden können.


    Die für das Projekt bewilligten Mittel sind für Denkmalpflegeförderungen gebunden und können nicht für andere Zwecke eingesetzt werden. Der Vorstand des Fördervereins ist stolz darauf, die Bundes- und Landesmittel sowie weitere Gelder nach Zerbst geholt zu haben. Anderenfalls wären diese in Denkmale in anderen Orten geflossen. Die Vergabe der Leistungen an zwei Zerbster Unternehmen und ein weiteres Unternehmen in Sachsen-Anhalt ist eine Form der Wirtschaftsförderung, die den Vereinsvorstand gerade in diesen schwierigen Zeiten mit Freude erfüllt.


    Das neue Projekt „Fenster und Türen nach historischem Vorbild“ und das in der Phase der Baugenehmigungs- und Bauausführungsplanung befindliche Großprojekt „Umsetzung des kulturellen Nutzungskonzeptes“ sind wesentliche Meilensteine in der Sicherung und Weiterentwicklung des Zerbster Schlosses.

    Zuwendungsbescheid über rund 2 Millionen Euro eingetroffen


    Zweieinhalb Jahre nach Antragstellung sowie vielen Modifikationen, Dokumentenlieferungen und Prüfungen ist nun der lang ersehnte Bescheid ergangen. Insgesamt werden nun etwa 2,4 Millionen Euro in die Sanierung des Zerbster Schlosses fließen. Initiator und Bauherr ist der Förderverein Schloss Zerbst e. V. Die Realisierung des Großprojektes „Umsetzung des kulturellen Nutzungskonzeptes“ erfolgt von Juli 2020 bis März 2022 ausschließlich im Ehrenamt! Schwerpunkte der Maßnahme sind die Umsetzung des Brandschutzkonzeptes, die Sicherung des oberen Teils des Mittelrisalits und die Herstellung der Barrierefreiheit mittels eines Aufzuges. Details sind hier einsehbar:


    https://www.schloss-zerbst-ev.de/html/bau_2020.htm

    Im mittleren Nordraum des Corps de logis fehlt seit 1945 durch einen Sprengbombeneinschlag das Gewölbe über dem Kellergeschoss. Nach der Herstellung der hölzernen Schalung wird dieses große Gewölbe nun originalgetreu rekonstruiert. Der Raum wird später Bestandteil der fürstlichen Grablege sein. Das Aussehen der drei dafür vorgesehen Kellergewölbe sollen den Grufträumen, die einst im Westflügel lagen und nicht mehr existieren, so nahe wie möglich kommen. Parallel werden die schmiedeeisernen Gitter saniert bzw. ergänzt und Fenster nach historischem Vorbild gebaut.


    Seit Juli 2018 führt der Förderverein die nunmehr elfte Sicherungsmaßnahme am Zerbster Schloss aus. Im Fokus steht das Corps de logis, der älteste Teil des Barockschlosses. Vom 1681 bis 1696 errichteten Hauptflügel existiert nur noch ein Fünftel, die anderen Teile dieses Traktes wurden 1948-52 gesprengt. Geschichtlich ist dieser Schlossbereich aber von großem Interesse, verbrachte doch die spätere russische Zarin Katharina II. einen Teil ihrer Jugend im zweiten Obergeschoss des noch existenten Corps de logis.


    Innerhalb des ersten Bauabschnittes der Sicherungsmaßnahme VI wird desolates, akut absturzgefährdetes Mauerwerk abgetragen. Anschließend werden Fehlstellen wiederhergestellt. Außerdem wird in der Kelleretage das historische Deckengewölbe im nordöstlichen Eckraum saniert. Im angrenzenden Nordraum erfolgt die Rekonstruktion der völlig fehlenden Gewölbedecke. Oberhalb des Erdgeschosses werden Stahlbetondecken eingezogen, um dem Corps de logis wieder den nötigen statischen Halt zurückzugeben. Die Innenräume erhalten Putz sowie Türen, Fenstern und Beleuchtung.


    Auf Initiative des Vorsitzenden des Fördervereins Schloss Zerbst e. V. und durch Beschluss des Zerbster Stadtrates wird angestrebt, die fürstliche Grablege, die sich seit 1948 provisorisch in der St. Bartholomäikirche befindet, wieder im Schloss zu etablieren. Es handelt sich dabei um 17 künstlerisch und kunsthistorisch sehr wertvolle Särge. Durch das Vorhandensein der Särge der Eltern der russischen Zarin Katharina II. – Fürst Christian August von Anhalt-Zerbst und Fürstin Johanna Elisabeth – hat die Grablege eine außerordentlich hohe Bedeutung. Es ist perspektivisch geplant, die Särge in zwei Gewölben im Souterrain des Corps de logis aufzustellen.



    Von Schutt und Bäumen befreites Corps de logis, dahinter Baukran für die aktuellen Arbeiten.

    Das nunmehr stark geschädigte, partiell durchbrochene Gewölbe befindet sich in der Nordostecke oberhalb des Kellergeschosses. In diesem Raum sollen perspektivisch die Renaissancesärge des Anhalt-Zerbster Fürstenhauses zur Aufstellung kommen. Dieser Bereich wird vom Architekten, vom Statiker und vom Prüfstatiker ohnehin derzeit bearbeitet, da er im Rahmen der Sicherungsmaßnahme VI/1 voraussichtlich ab Ende Mai dieses Jahres saniert werden soll. Siehe dazu mein Beitrag hier vom 23.12.2017.
    Momentan ist noch unklar, wie das völlig durchnässte, seit Jahrzehnten im Nordwestbereich nicht mehr mit der Wand verbundene Gewölbe mit einem überschaubaren Finanzaufwand erhalten werden kann. Der gesamte Bereich ist in der Bearbeitung äußerst problematisch. Aber erste Strategien liegen schon vor, der Erhalt des Gewölbes ist eine zusätzliche Herausforderung.

    Mit großer Freude kann ich heute berichten, dass der Förderverein in dieser Woche einen Förderbescheid über 685 T € Bundes- und Landesmittel erhalten hat. Damit wendet sich der Verein der grundhaften Instandsetzung des Nordteils des Schlosses zu, der die größten Schäden aufweist. Nach Beplanung und Ausschreibung werden die Bauarbeiten voraussichtlich ab April an den unteren beiden Etagen des Corps de logis beginnen. Dazu werden Teile der weit außer Lot stehenden, einsturzgefährdeten Nordostecke abgetragen und bis zur Bearbeitungshöhe neu aufgemauert. Außerdem werden die noch vorhandenen historischen Gewölbe aus der Erbauungszeit saniert und ein 1945 zerstörtes Gewölbe ergänzt. Im hohen Kellergeschoss soll perspektivisch die fürstliche Grablege, die sich einst im Westflügel befand, neu etabliert werden. Neben der seit Ende November laufenden Baumaßnahme am Ostflügel ist es ein weiterer großer Schritt.


    Ich wünsche allen Forums-Teilnehmer frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr.



    Blick von der Dachebene in den unteren Bereich des Corps de logis

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    Natürlich ist im Land Sachsen-Anhalt Geld vorhanden, aber die Mittel des Bereiches Denkmalpflege (Kulturministerium) werden meiner Einschätzung nach vorrangig in die Weltkulturerbestätten und in Objekte im Harz als Touristenregion gesteckt. Bei den Summen, die in diesem Jahr nach Wittenberg flossen, wird einem regelrecht schwindelig. Da haben andere Denkmäler und Initiativen oft das Nachsehen. Aber nach 5 Jahren Ablehnung hat der Förderverein Schloss Zerbst nun doch mal wieder Mittel (siehe oben) bekommen. Aber es sind noch weitere Mittel aus einem anderen Landesministerium angekündigt. Mehr dazu, wenn der Bescheid da ist.

    Ja, natürlich, habe ich seit Jahren enge Kontakte zum Bundestagsabgeordneten unseres Wahlkreises, sonst hätten wir die Bundesmittel niemals bekommen. Auch die Kontakte zum Landtagsabgeordneten sind in dieser Sache sehr förderlich. Das sind halt die Tatsachen ...

    Danke „Wissen.de“ für die freundlichen Worte. Für die benannte Sicherungsmaßnahme stehen u. a. auch Bundesmittel und Mittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zur Verfügung. Allerdings sind es fünfstellige Beträge, keine Millionen. Aber immerhin ist der Förderverein mit seinem Engagement bei diesen Einrichtungen „angekommen“ und wird unterstützt, was auch eine Form der Würdigung ist. Darüber bin ich sehr froh.