Posts by Senator

    Dieser Bahnhof könnte genauso in die Hose gehen, wie Kassel Wilhelmshöhe. Die Architektur ist ja mehr als beliebig, um nicht zu sagen billig.


    Dass immer mehr Banhöfe zu Einkaufszentren umfunktioniert werden liegt hauptsächlich an dem anachronistischen Ladenschlussgesetz. In Ländern, in welchen der Besitzer und nicht die Regierung über Öffnungszeiten befindet sind Bahnhöfe (abgesehen vom Lebensmitteleinzelhandel) Verkehrszentren geblieben.


    Man hätte ja zur Abwechslung mal ein gutes Bahnhofsgebäude hinstellen können, doch die Zeit der grossen Bahnhofsarchitektur (s. geplante Projekte in Stuttgart und München) scheint vorbei zu sein.

    Es ist schon merkwürdig, worauf manche Menschen so kommen. Aber solange die Gesellschaft ein solches Verhalten subventioniert, scheint es wohl auch gesellschaftlich erwünscht zu sein.
    Schade, dass wir den Herren Adorno und Horkheimer für derartige kulturelle Grosstaten nicht mehr danken können.

    An Spaceboy:
    Meine volle Zustimmung, im Jahre 1927 konnte wirklich keiner ahnen, welch ekelhaften Exzesse dem 20 Jahre später folgen sollten. Zwar waren die damaligen Architekten Gropius, Mies und Corbusier auch nach dem Kriege tätig. Die verhunzten Bauten stammen doch zumeist von irgendwelchen gescheiterten Nachahmern, welche die Botschaft von 1927 auch nicht verstanden (oder absichtlich missinterpretierten). Corbusiers Werk ist auch zunehmend umstrittener. Der Kommunist Corbusier (irgendwoher muss er ja seine menschenverachtende Einstellung der Stadt haben) hatte allerdings auch kein Problem damit, sich Marechal Petain (Vichy) anzudienen.

    Dieses grosse Haus ist von Peter Behrens (vgl. Bostchaft in Petersburg !).


    Bei der Weissenhofsiedlung geht es auch nicht nur um Corbusier und seine merkwürdigen Ansichten der Stadt und des Lebens, damit täte man den anderen Architekten Unrecht.

    Es gab anlässlich eines möglichen Verkaufes des Bundes eine Diskussionsrunde des Architekturforums (u.a. Roland Ostertag und Fritz Auer) der Tenor war schon eher pro Reko. Aber Herr Auer hatte sich, als ich ihn Tags darauf fragte, ob er da Hoffnung habe sehr zurückhaltend geäussert. Die Stadt weiss gar nicht, welchen Schatz sie hier hat, die Siedlung ist im Ausland wesentlich bekannter, als in BaWü. Ich denke, auch diese Chance wird man in Stuttgart wieder verschlafen.

    Ich weiss, dass ich mich jetzt gleich sehr beliebt machen werde ...


    Aber in Stuttgart gab es tatsächlich Bauwerke von Weltrang, die Weissenhofsiedlung. Vor 2 Jahren gab es eine Diskussion, die im Kriege zerstörten Häuser zu rekonstruieren, dann hätte die Siedlung ohne weiteres auf die Antragsliste des UNESCO Weltkulturerbes gesetzt werden können. Leider wird daraus wohl nichts. Die Weissenhofsiedlung wurde "nach dem Kriege nazifiziert" (R. Ostertag) und dabei bleibt es wohl. Wenn sie in alter Schönheit (sic!) wiederauferstüde, hätte Stuttgart etwas einmailges von architektonischem Weltrang und das relativ günstig.


    Dennoch könnte man auch Schloss-, Schiller-, und Marktplatz wiederherstellen, vielleicht auch noch die lange zerstörten Renaissancearchitekturen "Neues Lusthaus" und "Neuer Bau".


    Nein, es nicht schizophren für Bauhaus und für Renaissance zu sein. Beides wäre ein Sieg der Kultur über das banale ...

    Hallo Münchener !


    Ich habe in diesem Forum nie behauptet, dass Stuttgart schön sein, Stuttgart ist nur angesichts viel hässlicherer Städte einigermassen erträglich. Aber mit gefällt München vom Stadtbilde her wesentlich besser. Die Lage Stuttgarts in diesem Loch ist in der Tat beklemmend, fast so schlimm wie in Wuppertal.

    Und jetzt noch einige Fakten, um die Lokalpatrioten zu befriedigen:



    Die idyllische Lage brachte Stuttgart den Ruf, eine der sieben schönsten Städte der Welt zu sein; so schrieb schon der berühmte Gelehrte und Weltreisende Alexander von Humboldt. Stuttgart ist die Landeshauptstadt Baden-Württemberg und zugleich die Kernstadt einer Region mit über 3 Millionen Einwohnern. Sie zählt zu den reichsten Städten Europas und ist Deutschlands reichste Grossstadt

    Stuttgart ist die Geburtstadt des Automobils . Daimler-Benz (jetzt Chrysler) und Porsche haben hier ihren Sitz.

    Stuttgart ist die größte Weinbaugemeinde Deutschlands unter den Großstädten.

    Stuttgart ist Deutschlands Erfinderhochburg Nummer eins . Die Region Stuttgart gehört zu den Top drei Regionen in Europa, welche die meisten Patentanmeldungen im Jahr anmelden. Es verwundert kaum, dass die Region Stuttgart auch zu den forschungsintensivsten Regionen Europas gehört.

    Als Kulturstadt ist Stuttgart in der ganzen Welt bekannt. Das Stuttgarter Ballett schaffte es zu Weltruhm unter der damaligen Leitung von John Cranko.
    Die Staatsoper Stuttgart wurde mehrmals zum Opernhaus des Jahres gekürt und gehört zu den besten der Welt. Stuttgart verfügt über die reichste Kleintheaterszene Deutschlands. Vom Mundarttheater bis hin zum internationalen Varietetheater ist alles auf unzähligen Bühnen in der Region Stuttgart vorhanden. Nicht zu vergessen die weltberühmten Orchester und die internationale Bachakademie Stuttgart.
    Auch als Musicalmetropole hat sich Stuttgart einen Namen gemacht.

    Als Architekturstadt hat sich Stuttgart weltweit einen Namen gemacht. Massenweise Architekten kommen von hier die in der ganzen Welt ihre Spuren hinterließen (sic!). Auch in der Region Stuttgart gibt es viele architektonische Höhepunkte zu besichtigen wie etwa den ersten Fernsehturm der Welt.

    Die Großstadt im Grünen, zwischen Wald und Weinreben. Eine Vielzahl von Parks und Parklandschaften, Seen, Naherholungsgebiete und Wiesen laden zum Verweilen ein - in und um Stuttgart. Stuttgarts "grünes U" setzt sich aus vielen aneinandergereihten Parks zusammen und hat eine Fläche von 5,6 qkm! Zum Vergleich der Englische Garten in München 3,7 qkm und der Central Park in New York 3,4 qkm. Somit ist Stuttgart eine der grünsten Metropolen Europas. Und die Deutsche Stadt mit dem grössten Waldanteil.


    Die Mineralwasservokommen in Bad Cannstatt sind nach denen in Budapest die zweitgrössten Europas.


    Stuttgart ist mittlerweile die sechstgrösste Stadt Deutschlands und hat sogar mehr Einwohner als Washington.

    Es gab früher eine Rivalität zwischen S und LB, die Stuttgarter waren nicht begeistert, dass Ludwigsburg plötzlich Hauptstadt wurde. Daraufhin boten sie ein Grundstück am heutigen Berliner Platz zum Bau eines neuen Schlosses an, dieses wurde dann aber doch an heutiger Stelle errichtet. Ich denke, heute gibt es zwischen S und LB keine RIvalität mehr, im Gegensatz zur Hassliebe zwischen den Württembergern (Stuttgart) und den Reichsstädtern (Esslingen).


    Natürlich ist das Stadtbild von Stuttgart, verglichen mit den meisten andern Städten keine grosse Zumutung, aber ich verweise nochmals auf meine Liste, der nach 1945 beseitigten Architekturen. Städte wie Köln oder Dortmund waren einfach kaputt, daran kann man nicht drehen. Der Zerstörungsgrad von Stuttgart betrug aber nur 30% (München 33%) damit war Stuttgart nach Bielefeld (26%) die am geringsten zerstörte Stadt mit mehr als 300,000 Einwohnern. So sieht die Stadt heute allerdings nicht mehr aus, leider.


    Ein Professor von mir meinte, Stuttgart sei früher ein "Gesamtkunstwerk" gewesen. Humboldt (ich weiss nicht welcher von beiden) bezeichnete es als "eine der sieben schönsten Städte der Welt".

    Nachtrag zum Thema Rekonstruktion, Geld und Staatsverschuldung:


    Für die meisten Deutschen eine undenkbare, wenn nicht absurde Vorstellung. Aber muss der Staat das denn machen ?
    Mitnichten, Private können das wesentlich besser. Es gibt gerade in den USA zahlreiche Beispiele, dass vom Staat zum Abbruch vorgesehen historische Bausubstanz erhalten werden kann (vorausgesetzt, es ist gewollt)

    Es ist schon bemerkenswert, wie man von einem winzigen Bildchen angesichts des Neuen Schlosses schliessen kann, es sei Original wiederaufgebaut worden. Ich erinnere nochmals an die Fenster, auch die Rückseite zum Akademiegarten ging daneben.


    Die Säule am Schlossplatz war bis 1863 ohne Figur, das Foto ist demnach vor 1863 angefertig worden, der Hang ist ja auch noch vollkommen unbebaut.


    Und die grossen, symmetrischen Fenster, auf der Karlsplatzseite sind definitiv eine schlechte Zutat des 20. Jahrhuderts !

    An Max:


    Ich möchte doch künftig bitten, einen weniger agressiven Ton anzuschlagen, dieser Diskussionsstil ist merkwürdig.


    Neues Schloss:
    Der Wiederaufbau ist vollkommen gescheitert, das Schloss ist eine Fassade mir einer hochnotpeinlichen Füllug.
    Man muss "Tomaten auf den Augen haben", wenn man das nicht sieht. Schon die Fensterteilung ist verräterisch, dazu die fehlenden Schornsteine, von aussen sichtbare Neonröhren und Zwischendecken. Fehlender Figurenschmuck, das Ding ist alles, aber nicht authentisch.


    Altes Schloss:
    Hier wurde nach dem Kriege der Fehler begangen die 1933 von Bonatz verbrochenen Renovierungen wiederum an diesen Herrn zu übertragen.
    Die Fenster sind viel zu gross, viel zu regelmässig, die Gauben gab es früher auch nicht, die Dächer waren leicht abgewinkelt. Diese Bogen über den Fenstern sind eine Katastrophe, statt Bunstsandstein wurde Schilfsandstein verwandt. Insgesamt ein netter, gescheiterter Versuch !


    Wiederaufbau der Altstadt:
    Mit enstprechen gutem Willen (Geld war in S ja wohl genug vorhanden) wäre eine Historische Meile Schlossplatz-Schillerplatz-Marktplatz-Eberhardstrasse ohne weiteres möglich gewesen.
    In Danzig wurde das gemacht, auch in Breslau, in Florenz, in Turin. Aber in Stuttgart war der Wille dazu nicht vorhanden.

    Bei meiner Liste habe ich mich nur auf die herausragenden Bauten beschränkt, nicht erwähnt, z.B. der grosse Bazar (abgerissen), die Hospitalkirche (Verhunzt), der Dom (abgerissen), das alte Steinhaus (abgerissen), das Landschaftsgebäude (abgerissen), wesentliche Teile der Hauptstätterstrasse (abgerissen), Kaufhaus Schocken (jetzt ein "schicker" Neubau vom Kulturschänder E. Eiermann), Friedenskirche (Teilabriss)
    Man könnte Tage verbringen, die Heimsuchungen des Herrn Klett aufzuzählen ...

    Es gibt in der Tat Pläne, die Bahndirektion in ein Hotel umzubauen. Vor Jahren zeigte bereits ein Konzern aus der Schweiz Interesse, Der jetzige OB hatte das Gebäude vor kurzem wieder als Hotel ins Gespärch gebracht.
    Das Gebäude ist allerdings als Hotel problematisch zu nutzen. Die Innenwände sind bis zu 80 cm stark. Es dürfte wohl auf eine Entkernung hinauslaufen. Auch ist das Gebäude so riesig, dass man sich ohne Probleme darin verlaufen kann. Der Nordflügel aus den 50 er Jahren ist nicht denkmalgeschützt und kann abgerissen werden.
    Im Gebäude befinden sich noch mehrere funktionsfähige Paternoster und die ehemalige Kantine der Bahn.

    Zur Zerstörung Stuttgarts muss ich dennoch feststellen, dass die Stadt von allen Städten im Süden Deutschlands nach Wiesbaden, Freiburg, München und Augsburg eine der am wenigsten zerstörten war, weit weniger als Mannheim, Karlsruhe, Frankfurt, Nürnberg, Heilbronn, Pforzheim, Würzburg, Darmstadt, Mainz.
    Die bedeutenden Architekturen wurden eben doch erst nach dem Kriege zerstört:


    Kronprinzenpalais
    Kleines Haus
    Landesbibliothek
    Akademie
    Naturkundemuseum
    Hauptstaatsarchiv
    Techn. Hochschule (2 Flügel)
    Rathaus (Vorderseite und Dach)
    E.Ludwig Gymnasium
    Garnisionkirche
    Marstall
    Königin Olga Bau
    Wilhelmsbau
    Friedrichsbau
    Hauptpost
    Alter Bahnhof
    Rothebühlkaserne (Mittelrisalit)


    oder stark verschlichtert


    Villa Berg
    Gewerbemuseum
    Altes Schloss
    Neues Schloss
    Marquardtbau
    Baugewerkeschule
    etc


    Und mit viel gutem Willen hätte selbst die Altstadt wieder aufgebaut werden können (s. Danzig).
    Stuttgart wurde aber sofort autogerecht umgestaltet (Heuss Autobahn, Adenauer Autobahn). Die Planungen waren schon um 1938 vorhanden, da war Altbausubstanz (Haupstätter Str, Rote Str) nur im Wege und das ist eben das Verdienst des Herrn Klett. In den 60 er Jahren war Stuttgart die Autogerechteste Stadt der Welt mit Strassen, die so geplant wurden, dass deren Kapazität (rechnerisch) bis heute nicht erreicht ist (ausser Berufsverkehr).
    Der Aufbau in München ist da wesentlich besser gelungen !

    Aus der "Welt" 1999:



    Wie Stuttgart sein Gesicht verlor
    Das Ergebnis des Schlossplatz-Wettbewerbs ist die Fortsetzung der Nachkriegssünden mit anderen Mitteln



    Von Dankwart Guratzsch



    Nun also scheint es unumkehrbar. Stuttgarts Schlossplatz wird nie wieder das, was er einmal war. Das klaffende Loch an seiner Westseite, Hinterlassenschaft einer geschichtliche und ästhetische Werte missachtenden Verkehrsplanung der fünfziger Jahre, bleibt bestehen. Das ist das Ergebnis des dreistufigen Wettbewerbs "Kleiner Schlossplatz", mit dem sich Stuttgarts Stadtverwaltung schwer getan hat und der die Jury zuletzt in eine Zerreißprobe trieb, die in schroffer Konfrontation endete: 16 Stimmen für den Sieger-Entwurf, elf dagegen.


    Den Triumph davongetragen hat ein Büro aus Berlin: Hascher + Jehle Architekten und Ingenieure. Es schlägt für die Städtische Galerie einen frei stehenden Würfel mit gläserner Ummantelung vor, der wie bisher über Freitreppen vom Fußgängerstrom umspült werden soll. Oberhalb wird ein neuer "Kleiner Schlossplatz" freigehalten, den im Norden ein ebenfalls in Glas gepackter lang gestreckter Riegel flankiert. Er ist über ein modisches "Galeria"-Dach auf ganzer Länge mit der Hauptpost verbunden. Diese neue "Fürstenpassage", zu verstehen als eine Art "Schleuse" parallel zur Hauptströmung über die Freitreppen, ist mit 9820 Quadratmetern Handelsfläche der "Geldesel", sprich: die Finanzierungsgrundlage für das 100-Millionen-Projekt, das dadurch zu 50 Prozent abgedeckt ist.


    Entscheidend für die Bewertung erweist sich weniger die Architektur als vielmehr der Beitrag zum Städtebau. Für Stuttgart ist der Kleine Schlossplatz, dessen Name schon allein einen Zynismus bedeutet, zu einem Trauma geworden: Pavillons aus Waschbeton türmen sich über Plattformen, monströsen Auf- und Abgängen, Brückenresten und Treppenabsätzen zu einem chaotischen Geschiebe, vor dessen Unansehnlichkeit selbst Efeu und Wilder Wein zurückzuschrecken scheinen: Alle Berankungsversuche der Nachkriegszeit sind gescheitert.


    Diese städtische Abseite, für die es nur in ganz wenigen deutschen Gemeinwesen heute noch etwas Vergleichbares gibt, befindet sich nicht etwa in einem Hinterhof, sondern markiert die Westseite des von dem Architekten und Haupt der "Stuttgarter Schule" Paul Bonatz einst so genannten "edelsten Bezirkes der Stadt": des Schlossplatzes. Es ist ein Un-Ort, der das Bild der Stadt beschädigt, der den benachbarten säulengeschmückten "Königsbau" ebenso deklassiert wie sein Gegenüber, das zumindest äußerlich in alter Pracht wieder erstandene Schloss.


    Vor allem aber ist durch diesen - wie es heute unumwunden heißt - "Schandfleck" die ganze Logik der Platzanlage zerrissen: Das Betonmassiv, das aussieht, als seien hier Reste früherer Gebäude zum Abtransport zusammengekehrt worden, füllt das Loch in der abschließenden Raumkante des Platzes nur mit einer Art Trümmerberg, schlecht kaschiert durch eine Freitreppe, die sich seit sechs Jahren zum Treff von Jugendlichen und von Skateboard-Fahrern entwickelt hat. Das Preisgericht erkannte darin eine schützenswerte Nutzungsform, die eine Reparatur des Platzes verbiete.


    Der jetzt prämierte Entwurf ändert an der Grundstruktur des im Westen aufgerissenen Platzes folglich nur wenig. Er stellt mit dem aus der alten Fluchtlinie zurückgesetzten Galeriebau lediglich einen Fels in die Brandung. Das zeichnet ihn zwar gegenüber dem zweitplazierten Entwurf von Hanno Chef (Berlin) aus, der die Treppe noch breiter aufgerissen und die Passage zu der dahinter liegenden Stadtautobahn (einst Rote Straße, heute Theodor-Heuss-Straße) noch zugiger gestaltet hat, führt aber vom einprägsamen Bild des einstigen Schlossplatzes weg.


    Doch der Gedanke der "Flutung" hatte das Preisrichter-Kollegium schon bei der ersten Stufe des Wettbewerbs im Februar derart fasziniert, dass es alle Alternativen unter den 341 eingereichten Arbeiten ausgesondert hatte. Selbst dem dritten und letzten in die Endrunde vorgestoßenen Entwurf (Johann Überlackner, Berlin), dem originellsten von allen, haftet dieser Gedanke noch an. Er schließt zwar als einziger die Raumkanten, bildet dafür aber die "Flutwelle" zwischen den parallelen Straßenzügen in der Gebäudeform ab - mit fragwürdigen Folgen für Funktionalität und Innenarchitektur.


    So hat zwar der beste der drei Entwürfe gesiegt, im Hinblick auf den jahrzehntelangen "Reifungsprozess" dieser Entscheidung ist das Resultat jedoch enttäuschend. Dabei hätte die Chance bestanden, eine Planungssünde ersten Ranges wieder gutzumachen. Denn der Kleine Schlossplatz ist ja keine Hinterlassenschaft des Krieges, sondern das Ergebnis eines mutwilligen Zerstörungsaktes, gegen den Bonatz und große Teile der Stuttgarter Öffentlichkeit in den fünfziger Jahren vergeblich Sturm gelaufen waren.


    An der Stelle, wo jetzt die Betonhalde starrt, stand noch zehn Jahre nach dem Krieg das Kronprinzenpalais - ein neoklassizistischer Bau von Ludwig Gaab aus dem Jahr 1850. In der Ära von Arnulf Klett, dem von der "Modernisierung" der zerbombten Stadt besessenen Oberbürgermeister, hatte die gut erhaltene Ruine des Gebäudes keine Chance. Als sie niedergelegt und durch die 5850 Quadratmeter große, 100 Millionen Mark teure Betonplatte ersetzt war, jubilierte das Stadtoberhaupt: "Ein imponierendes Ergebnis."
    An der Seite Kletts waren es damals vor allem die Verkehrsplaner gewesen, die den Abbruch des Palais gefordert hatten. Es stand einer tragfähigen Nord-Süd-Verbindung im Wege. Heute sind die Autos unter der Erde. Einer Reparatur des Platzes - auch mit "moderner" Architektur - hätte somit nichts mehr im Wege gestanden. "Wenn man das Kronprinzenpalais abreißt", so hatte Bonatz 1951 gewarnt, "verliert die Westseite des Schlossplatzes die Hälfte ihres Gesichts." Sie wird es auch jetzt nicht wiederfinden.


    Mit der Idee eines gläsernen Würfels gewann das Berliner Büro Hascher + Jehle den Stuttgarter Schlossplatz-Wettbewerb. Rechts im Modellfoto die lang gestreckte Kolonnade des Köngisbaus


    Was lange währt . . .


    Seit Jahrzehnten müht sich Stuttgart mit der Neugestaltung des westlichen Schlossplatzes. Die Ergebnisse eines Gutachtens aus dem Jahre 1987, bei der sich der Entwurf des Architekten Cobb vom Büro Pei & Partner durchgesetzt hatte, wurden nicht realisiert. 1993 war interimsweise eine Freitreppe errichtet worden.


    Das jetzt prämierte Projekt hat ein Volumen von 100 Millionen Mark, es umfasst eine Galerie von 12 000 und Handelsflächen auf 10 000 Quadratmetern. Das Büro Hascher + Jehle hat bisher unter anderem die Landesversicherungsanstalt in Schwaben, die Hauptverwaltung der Datenverarbeitungsgesellschaft in Hannover und das Klinikum Kröllwitz in Halle gebaut.


    Der Kommentar des Stuttgarter Oberbürgermeisters Wolfgang Schuster zum Wettbewerb: "Die Entwürfe zeigen, wie schwierig es ist, eine qualitätvolle Lösung zu erzielen."