Posts by madmellow

    Quote from "spacecowboy"

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    Und worauf ich kleiner Lokalpatriot am meisten Stolz bin, ist, dass ich einige - eigentlich sehr in ihre Stadt verliebte - Münchner kennengelernt habe, die nach einem ausgiebigen Besuch in der Stadt an der Pleiße der Meinung waren, dass Leipzig schöner sei als München.


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    Kann ich garnicht recht glauben, und halte es im Moment noch für ein Gerücht. Da ich beide Städte gesehen habe, finde ich Leipzig zum drin alt werden zu klein, zu unspektakulär, obwohl hier sicherlich viel passiert. Zum drin studieren jedoch ist in "LE" gemütlich, familiär und preiswert. München dagegen ist eine sehr stolze Stadt, die (den Amerikanern sei Dank) schon recht "zurecht gemacht" ausschaut. Um diesen Eindruck von Leipzig zu erfahren müssen noch viele Jahre ins Land streichen.



    Zu dem Kaufhaus vermute ich mal, dass es Lindenau ist (kenne mich in der Gegend nicht so aus).


    Da ich auch schon zwei-dreimal am Lindenauer Markt vorbeigefahren bin kann ich auch aus Überzeugung sagen, dass mir dieser Teil Leipzigs ebenso gut gefällt, wenn auch deren Einwohner anscheinend sozial nicht ganz mit dem Durchschnitt mithalten können, was sicherlich nicht als Vorwurf zu verstehen ist!

    Ich werde bei Gelegenheit und schönerem Wetter sicherlich gerne nochmal 3 Fotos von allen Seiten machen aber im Moment ist es noch teilweise eingerüstet und ausserdem sieht es mit frühlingshaft begrüntem Vorplatz weitaus besser aus.



    Es ist tatsächlich eine Schande, dass niemand an die Rekos unserer Vergangenheit denkt, nicht einmal, wenn dies ein so schöner Platz mit solch wunderbaren Bauten war. Aber man muss sich eben mit der Unvernunft unserer heutigen Zeit ausseinandersetzen und gegebenfalls eben alles so akzeptieren wie es ist. Vorallem dann, wenn es schon fertig gebaut ist. :weinen:


    Trotz aller Unkenrufe bin ich auf die Fertigstellung der Passage im Inneren des "modernen Klotzes" sehr gespannt. Man darf sie schon begehen, da sie auch der Zugang zur 3-etagigen Tiefgarage unterm Markt ist. In ihr wird noch fleissig gebaut, aber von Woche zu Woche wird mehr sichtbar und was ich da bis jetzt sehe, ist vielversprechend.


    Der Bau als solches passt wunderbar zum Vorplatz der Thomaskirche. Hier fügen sich die südliche (längste) Seite der Marktgalerie, der gegenüberliegende Bau von Hugendubel und das vor kurzem sanierte "Messehaus am Markt" zu einem modernen Ensemble um die grüne Wiese - geschlossen von zahlreichen Bäumen - zusammen. Der historische Punkt des Platzes wird von der Thomaskirche gesetzt, die nie zu kurz kommt und der vom Betrachter des Platzes immer ein Auge geschenkt wird.


    Ganz anders leider die Seite am Markt (es gibt zwei Plätze direkt nebeneinander). Hier stören sich sämtliche Neubauten mit den älteren Häusern. Jedes streitet um Aufmerksamkeit und der kritische Betrachter ist das Alte Rathaus, welches aber nicht als Schlichter einschreiten kann. Absolut misslungen, kann eventuell nur durch grossflächige Begrünung gerettet werden (welche aber nie kommen wird, da dort noch nie welche gebraucht wurde).


    Wenn doch nur mehr Wert auf Rekos gesetzt werden würde, was wären wir Deutschen wirklich stolz auf dieses Land. :weinen:

    Zur aktuellen Situation vor Ort zur bald fertig gestellten Marktgalerie. Diese spitzen Winkel an den äusseren Ecken des Hauses (wie auf dem unteren Bild zu erkennen) wurden so doch nicht umgesetzt






    Quote

    von Antiquitus
    ...nun ja, das gebäude hat seine guten seiten. die proportionen sind gut, die betonung der senkrechten auch. natürlich gefällt auch die existens eines daches. für mich ist das ding aber immer noch zu lieblos und dem dreieckigen ding kann ich schon gar nichts abgewinnen. da hätte ich mir schon lieber einen turm gewünscht...



    Hier die fertige Version (von mir fotographiert):




    MfG

    So hier die versprochenen Fotos von meinem kurzen Trip durch die westliche Vorstadt und dem westlichen Teil des Innenstadtringes:



    3 Villen direkt nebeneinander in der westlichen Vorstadt:








    Ein Kaufhaus in einer weniger schön sanierten aber viel befahrenen Gegend:






    Im Zentrum am westlichen Teil des Innenstadtringes:






    alle Häuser werden dort in weiss saniert (gerade das mittlere)


    Für mich ein fast perfektes Beispiel gut zusammenspielender Architektur aus der Historie und der Moderne:
    (zwischen beiden Häusern führt ein Fluss durch, der vor kurzem frei gelegt wurde - herrlich zum Spazieren geeignet)






    Bei allen Bildern hat mir die Sonne einen Streich gespielt, wobei ich auch mit der Kamera bei solcher Witterung nicht umzugehen wusste. Man möge mir verzeihen. :)




    Nachtrag zum Innenstadtring und Mädler-Passage:



    Die letzte Erkenntnis gefällt mir am besten: Man sollte manches einfach nicht so Ernst nehmen. Dieses Forum kann im Endeffekt jedenfalls lange nicht soviel bewegen, wie die ansässigen Vereine und Engagements vor Ort. Protestieren Sie doch vor dem Rathaus anstatt mich hier als Studenten mit Vorschulsniveau zu "dezidieren". Wieso soll ich mir solche Fragen stellen, wenn ich in Bezug auf die Jahnalle garkeine habe? Wenn ich von dem Bauvorhaben und deren Folgen positiv überzeugt bin? Die Jahnallee hat zu der eben ausgebauten westlichen Umfahrung der Innenstadt bis Westplatz überhaupt keine Beziehung und wird auch nicht im geringsten Maße dieser Strasse ähneln. Eventuell weil auf die Jahnallee besonderen Wert gelegt wird? Weil dort mit 24 Millionen Euro eine schöne Verbindung zwischen Innenstadt und Zentralstadion entworfen wird?


    Wieso sollte ich mir Gedanken um die Firmen und deren vermutlichem Profit machen, wenn man beim Umbau ebenso auf die kleinen Geschäfte der Jahnallee Acht gibt und die Strasse bewusst kundenfreundlich gestaltet? Überall, auf der ganzen Welt wird geschmiert, egal wo was gebaut wird. Zu denken Korruption sei zu verhindern ist altmodischer Schwachsinn.
    Und ob die Strasse nun mit 24 oder 22 Millionen fertig wird, ist mir solange egal, wie alles nach Plan abläuft. Wo die 2 Millionen dann bleiben dürfte klar sein. Irgendwo zwischen all den beteiligten Personen und Firmen. Aber ist das der Grundkern mit dem wir uns hier befassen wollen?
    Hier geht es um Architektur, um Erhalt denkmalgeschützter Gebäude. Und an diesem Diskurs beteiligen sich auch die Stadt und Baufirmen bis jetzt korrekt und "augenfreundlich" - wenn auch ein Haus dafür bluten muss. Darüber sollten wir diskutieren.
    Und ich tu dass seit über zwei heißdiskutierten Seiten über die Jahnallee und über keine andere Strasse von deren positivem Ende (in gestalterischer Hinsicht) ich weiter voll überzeugt bin.


    Mit freundlichen Grüssen.
    ;)





    PS.: Wenn mir der weihnachtliche Schwipps anzumerken ist, möge man mir das verzeihen. :D

    Quote from "spacecowboy"

    Ich finde den Ausbau der Jahnallee, so wie er geplant ist, völlig indiskutabel.
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    Stadtautobahnen oder Ausfallstraßen, wie die Jahnallee nach ihrem Umbau, zerstören städtisch gewachsene Strukturen, teilen Stadtviertel in zwei oder mehrere Hälften, zerstören urbanes Leben [..]


    Und ich glaube auch nicht, dass es sich auf einer vierspurig ausgebauten Jahnallee schön flanieren lässt.



    Zuallererst wünsch ich dir und allen anderen auch ein besinnliches Weihnachtsfest!


    Aber nun zum Thema Jahnallee:
    Aus dem Zitat aus der Ratsnachlese der CDU-Fraktion liest man doch eindeutig heraus, dass die Jahnallee keinesfalls durchgängig vierspurig ausgebaut wird. Ganz im Gegenteil wird sie eher ähnlich der Eisenbahnstrasse auf zwei Spuren (eine in jede Fahrtrichtung) beschränkt bleiben und anwohnerfreundlich großzügig begrünt. Der vordere Teil der Allee (direkt im Anschluss an den vor kurzem ausgebauten Knotenpunkt Goerdelerring) wird vierspurig auf Vordermann gebracht. Jedoch ist dieser Teil schon immer vierspurig gewesen.
    Die kleine Funkenburg muss vordergründig der geraden Ausrichtung der Allee und eben der Elsteröffnung weichen, die nicht nur irgendein Fluss sein wird, sondern die Möglichkeit bietet, bald vom Westen aus in die Innenstadt zu paddeln. Dafür wird (eventuell werden es die wenigsten in Erfahrung gebracht haben) mit dem Umbau des Waldplatzes dort ein grösserer Hafen mit Restaurant entstehen. Soweit ich die Pläne noch in Erinnerung habe, wird es nicht nur eine befahrbare Flussöffnung in Innenstadtrichtung geben, sondern auch an der Arena entlang Richtung Elstermühlgraben. Dieser Teil in stadtauswärtige Richtung bekommt einen von der Strasse abgesenkten Fußgängerbereich, sodass man nicht an der Strasse sondern am Wasser läuft.


    Die Gespräche um die Kleine Funkenburg kann ich verstehen, für mich wär ein Haus auf Stelzen die bessere wenn auch teurere Lösung gewesen. Aber zu denken, dass die Stadt dort alles wegreist nur um einen der Stadtautobahn ähnlichen Verkehrsweg zu bauen halte ich in diesem Zusammenhang für falsch.


    Ich bin der festen Übezeugung, dass sich nach dem Umbau der Jahnallee dort tausendmal besser und augenfreundlicher flanieren lässt als es jetzt der Fall ist (wenn man da momentan überhaupt entlang laufen möchte).


    Es ist wahr, dass ich nicht viel Hintergrundwissen um die in Leipzig ansässigen Vereine besitze (vielleicht auch die Schuld derer, die sich nicht mit der Kraft einsetzen die notwendig wär) aber kann es sein, dass manche hier einige Pläne der Stadt auch nicht so sonderlich durchleuchtet haben?


    In diesem Sinne.
    Frohes Fest!
    :zwinkern:

    Ich kann die Ambitionen der Stadt und ihr Handeln bezüglich der innerstädtischen Infrastruktur nachvollziehen. Mir ist bewusst, dass es dadurch in diesem Forum zu unausweichlichen Konfrontationen kommt, da hier eben der Schutz historisch wertvoller Immobillien im Vordergrund oder eben der thematische Aufreisser ist und man zuallererst immer Abriss, Rückbau oder anderweitige Ereignisse mit arg kritischem Auge betrachtet.


    Nur ist es für mich ein notwendiges Ziel, die Aufgaben unserer Zeit mit dem Erhalt historischer Substanz zu verbinden um eine Stadt attraktiv zu gestalten.


    Leipzig lebt in der Zwischenzeit genauso vom Touristenstrom wie Dresden oder Potsdam und es tut mir leid, wenn du nicht zur mobileren Fraktion der Stadt gehörst. Aber man muss endlich mal erkennen, dass die Stadt in saisonbedingten Hochzeiten nunmal eben aus fast allen Nähten platzt. Der Ausbau der Jahnallee ist ein unbedingtes Ereignis zur Verbesserung der innerstädtischen Lebensqualität.


    Aber nicht, dass wir aneinander vorbeireden möchte ich fragen, warum "Sie" (ach was solls)/ du dich anscheinend durch meiner Meinung nach völlig korrekter Aussagen meinerseits angegriffen fühlst.



    ___


    Ich bin darum bemüht sämtliche Differenzen mit in Kontakt stehenden Personen auszuräumen, jedoch kann ich bei solchen Sätzen wie


    Quote

    Es ist zwar schön, wenn Du bunte Bildchen zeigst oder man Anteil nehmen kann, wie Du Dich langsam an Gymnasialniveau herantastest, aber irgendwie nach 4 Jahren Studium an der Universität Leipzig kommen doch leise Zweifel...


    nur mit dem Kopf schütteln.

    Sehr interessanter Artikel! Ebenso interessant ist die Idee, mit dem "stelzernen Haus", so dass Strasse als auch Fluss "durch" das Haus geleitet wird. Zwar eine sehr gewöhnungsbedürftige Lösung aber spannend allemal. Ansonsten finde ich es eine Selbstverständlichkeit, dass sämtliche innenarchitektonisch wertvolle Ausstattung des Hauses gerettet und eventuell an anderer Stelle wieder mit verbaut wird.

    Ihr solltet euch mal ein Bild davon machen, wie die kleine Funkenburg hinter diesem lang gezogenen DDR-Bau wirkt. Deplaziert, herausstehend wie eine alte Narbe. Die Funkenburg steht und ist komplett saniert. Und die Strasse (Jahnallee) platzt aus allen Nähten, wenn schon nur ein Konzert von Phil Collins oder Den Ärzten in der Arena (Mehrzweckhalle) mit 15.000 Plätzen stattfindet.


    Warum eine Träne verlieren? Die Strasse wird mit vielen Millionen aufwendig neu gestaltet, mit einem Fluss (der Elster) die wieder ans Licht geholt wird, Bootsanlegestellen, Flanieren am Wasser und der dichten Bepflanzung hoher schmaler Bäume, wie es in einer richtigen Allee Gang und Gäbe ist. Die Funkenburg mit dem Denkmal gefallener Opfer des Ersten Weltkrieges wird in dieser Strasse erst richtig zur Geltung kommen! Ausserdem ist die kleine Funkenburg von aussen lange nicht so detailliert beschmückt wie viele andere unsanierte Gebäude in der Stadt. Solch ein Treppenhaus kann in fast jedem beliebigen anderen Gründerzeithaus nachgebildet werden. Lieber sollte sich die Stadt um Viertel kümmern, in denen der grossflächige Rückbau von Gründerzeithäusern unaufhaltsam vollzogen wird!


    Für die Stadt ist die Sanierung und Verbreiterung der Strasse immens wichtig. Heutzutage kann man mit dem Auto da gut und gerne 15 Minuten für 200 Meter stehen (dichter Berufsverkehr). Die Moderne verlangt eben auch Opfer. :weinen:

    Ja, der Standort des alten "Concerthauses" (so hieß es glaub ich), war früher gegenüber der Albertina. Heute steht da ein vor kurzem neu errichteter Fakultätszweig der Universität Leipzig. Der Bau wirkt von der äusserlichen Gestalt zwar wie ein Klotz bietet aber durch seine großzügigen komplett aus Glas bestehenden Lichthallen ein spannendes Arrangement für den Betrachter.



    Bin mal in der westlichen Vorstadt (hinter dem Elstermühlbecken) und in der Innenstadt unterwegs gewesen und hab mal paar Fotos von fantastischen Fassaden geschossen, die ich versuche nächste Woche online zu stellen.


    Eventuell werde ich aber endlich auch mal die Schandflecke dieser Stadt zeigen, die hier noch zu wenig Betrachtung gefunden haben (obgleich sie auch keiner sehen möchte). :?



    Die Funkenburg wird übrigens auch abgerissen, um dem Zugang zum Stadion entgegen zu kommen. Die Strasse ist heute nämlich noch viel zu eng und würde in dem Zustand höchst wahrscheinlich zu einem Verkehrskollaps zur WM 2006 führen. So gesehen kann ich die Befürwörter des Abrisses auch verstehen. :weinen:

    Gut, wohl niemand kann wirklich sagen, wie Herr Tiefensee fühlt und nach dem letzten Artikel in der LVZ (über die Kosten einer Sicherung einsturzgefährdeter Gründerzeithäuser) bin ich mir auch nicht mehr so sicher, ob nur das Geld fehlt oder andere gründe dahinter stecken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Oberbürgermeister einen so gründerzeit-feindlichen Kurs fährt. Eventuell stecken wirklich nur andere dahinter (wie LWB zBsp). Auf jeden Fall tut sich etwas in der Stadt, die täglichen Artikel in der Leipziger Volkszeitung beweisen das ja. Ich bin gespannt, wie der Diskurs die nächsten Wochen weitergeht.


    Weiss übrigens jemand etwas über die Blechbüchse (ehemals Horten jetzt Karstadt, nähe Goerdellerring)? Ich habe gehört, dass sich hinter der Blechfassade ein über 100 Jahre altes und mit einer reich verzierten Fassade ausgestattetes Haus befindet, dass im Krieg teilweise beschädigt wurde. Ist da was dran?



    Einige weitere Bilder aus Leipzig:


    Zooologischer Garten (Gebäude mit innerem Festsaal vor kurzem saniert und restauriert)
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    Szene aus Goethes Faust vor Auerbachs Keller in der Mädler-Passage
    +
    Alte Börse hinter dem Alten Rathaus


    Porsche Haupteingangshalle im Norden der Stadt


    Fassadenausschnitt aus einer Häuserzeile im Waldstrassenviertel


    Innenansicht der Bibliotheca Albertina (Universitätsbibliothek)

    Zur Situation in Leipzig:
    Ein aufregender Erfahrungsbericht durch eine zerissene Stadt



    Ich studiere seit 4 Jahren in Leipzig und wohne in einem schönen Viertel im Süden Leipzigs, der Südvorstadt. Ich habe euch sehr interessiert zugehört und möchte allen, die nicht aus Leipzig kommen, nun einmal schildern, wie ich die Situation und das Leben in der Stadt empfinde:



    Es ist wahr: Leipzig bietet zum einen Grauen und Faszination gleichzeitig. Manchmal Tür an Tür. Und es ist auch wahr: Leipzig hat (meines Wissens nach) zumindest vier fantastische und grundsanierte Viertel zu bieten: Die Südvorstadt, das Viertel rund um den Waldplatz, Musikerviertel und das meiner Meinung nach schönste Viertel am grössten innerstädtischen Park Deutschlands: dem Waldstrassenviertel.


    Die (wichtig: zuhauf sehr sehr stolzen) Menschen hier in Leipzig kommen aus allen Schichten, natürlich gibt es auch viele Arbeitslose und Obdachlose (wo gibts sie nicht) aber schön ist eben, dass man auch viele Schwarze trifft, Japaner, Italiener, Spanier, viele westdeutsche Zugereisten und meist alle Studenten. Leipzig hat seit vielen Jahren einen unglaublichen Zustrom an Studenten, die von anderen gehört haben, dass es sich hier zu leben lohnt, obgleich des schlechten Rufes des "Ostens".



    Aber Leipzig hat ein grosses Problem: Sie ist zu gross. Die Stadt wurde im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, zur wichtigsten Stadt Deutschlands: hier gab es alle grossen Verlage. Viele Industriezweige gründeten Firmen zuerst in dieser Stadt, Leipzig hatte die einzige Messe Deutschlands und wuchs mit Frankfurt und Berlin gleichauf schnell an die Ein-Millionen-Grenze heran.
    Bis der Krieg kam. Die Amerikaner hatten ihre Grenze zu Russland hinter Leipzig (das heisst Leipzig wäre westdeutsches Gebiet geworden, wenn die Amerikaner nicht Gebiete mit Russland getausch hätten). Dann DDR - architektonischer Verfall und Wegzug vieler Menschen. Eine Stadt gebaut für knapp 900.000 Menschen beherbegt jetzt nurnoch 500.000 Menschen. Meiner Meinung mit fast katastrophalen Folgen, da das Geld nicht so schnell reinkommt wie für Sanierung leestehender Häuser ausgegeben werden kann.



    In den letzten 4 Jahren ist mir eines klar geworden: Leipzig und seine Einwohner haben immernoch das gleiche Blut in sich wie vor 100 Jahren: Sie wollen die Besten sein, können es aber heute einfach nicht mehr glauben, dass sie es nicht mehr sind. Eingestehen wollen und können sie es sich nicht (irgendwo macht das ja auch die Herzlichkeit dieser Stadt aus). Deshalb versucht die Politik mit gigantischen Massnahmen Aufmerksamkeit zu bekommen (Stichwort Olympia), nicht nur deutschlandweit, nein: gleich weltweit (vor 100 Jahren kannte jeder zweite Ausländer die Stadt Leipzig). Aber irgendwie greift es nicht so, wie man sich das vorgestellt hat.


    Der Leipziger Oberbürgermeister will seinen Menschen eine Perspektive geben, er ist freundlich, herzlich und sehr verliebt in die Stadt (Für sie hat er einen für ihn reservierten Ministerposten abgelehnt). Würde es nach ihm gehen, wär die Stadt sofort grundrestauriert. Aber der Stadt fehlt einfach das Geld (man bedenke was 400.000 Einwohner mehr für die Stadtkasse ausmachen würden).
    Sie versucht Investoren zu holen, was teilweise auch gelingt (Porsche, BMW, DHL) baut gleichzeitig aber viel zu grosse Immobillien um einen späteren Nutzen daraus zu ziehen (Flughafen - hier wird übrigens gerade ein HollywoodFilm gedreht, der Leipziger Flughafen stellt den zu unmodernen Berliner Flughafen dar -, Stadion, Uni, erster Freizeitpark Ostdeutschlands - übrigens inmitten einer wirklich schönen Seenlandschaft ganz im Süden Leipzigs - City-Tunnel, mit 4 riesigen unterirdischen Haltestellen, für die extra ein europaweiter Architekturwettbewerb ausgelobt wurde).



    Man versucht anscheinend durch solche Aktionen der Abwanderung entgegenzuwirken und mehr Menschen für Leipzig zu gewinnen. Gelingt ja auch, ansatzweise aber anscheinend nicht schnell genug. Das Geld fehlt immernoch und es wird nicht saniert, da ein saniertes aber leerstehendes Haus nur mehr Kosten verursacht. Irgendwo tut mir Leipzig leid, es gibt immernoch zu viele Menschen, die Leipzig als hässliche Plattenbetonwüste sehen und nie im Leben daran denken würden, einmal hier vorbeizuschauen. Und wenn sie dann kommen und drei Platten in der Innenstadt sehen sofort schreien: "SIEHSTE!"



    Leipzig bräuchte überregionale Unterstützung, viele Leipziger haben andere Sorgen als 400 einsturzgefährdete Gründerzeithäuser zu retten (pro Jahr kommen nochmal 400 dazu, insgesamt sollen mehr als 12.000 Häuser betroffen sein).
    Man müsste einen riesigen Verein gründen aus dem so schon jeder einen kleinen Betrag spendet und vorallem auf die Misere deutschlandweit aufmerksam macht! Deutschland war vor 100 Jahren, das wohl schönste Land überhaupt, die architektonischen Meisterleistungen sind doch zu sehen! Auf Fotoschauen, Plakaten, dokumentierenden Kalendern. In Leipzig steht noch ein Grossteil davon herum und es macht mich traurig, dass viele Leipziger sich nicht verantwortlich fühlen.


    Der Oberbürgermeister versucht alles: Selbst die Strassenzüge waren früher königlich hergerichtet! In der Innenstadt gab es 6 km freien Flusslauf, direkt in der Innenstadt. Das wird nach und nach (vorallem durch einen kleinen Leipziger Verein "Neue Ufer" unterstützt) wieder ausgegraben und neu angelegt. Dies verschlingt aber Millionen und ich bin mir sicher, dass sich die Stadt fragt, wer das alles finanzieren soll, wenn doch keiner Geld hat (schliesslich geht eine Komplettsanierung nach Originalzustand inklusive Stuck an den Decken der Wohnungen in die Millionen - für ein Haus!).







    Beim Durchlesen eurer Beiträge konnte ich ganz kurz mal einen kleinen Funken revolutionärer Energie spüren, der Funke um letzendlich etwas Grosses zu bewegen.
    Hier geht es nicht nur um eine kleine Grossstadt, die einfach vor zuvielen Aufgaben steht (Man vergleiche es mit einem prunkvollen schwergewichtigen Kaiser, der durch zuviel Stress 200 Kilo abgenommen hat, dem die Haut schlaff und ekelerregend herunterhängt und der doch so gerne wieder dick sein möchte, es von alleine aber nicht schafft soviel zu essen ;) ). Hier geht es um das letzte Stück zusammenhängende Geschichte Deutschlands, eventuell sogar Europas, die uns alle beschäftigt, den einen mehr den anderen weniger. Viele interessiert das NULL aber ich weiss, dass ich hier eventuell Gleichgesinnte finden kann, die mit mir die gleiche Trauer und vielleicht auch den gleichen Mut teilen.



    In diesem Sinne, ein verliebter Leipziger Student mit seinem ersten Post!
    :)