Posts by Ohrensesselexperte

    Mir scheint das ICC, als Hauptwerk des 70er-Futurismus architektonisch ansprechender als der danebenstehenden 08/15-Neoklassizismus, dem anbetrachts der Weite des Raumes die Ideen ausgegangen sind.
    Nach einem Abriß, vor allem von Ostlern gefordert, die sich für Abriß ihres deplazierten und verwanzten Hauses des Volkes rächen wollen, wäre mit 100%iger Sicherheit mit einer Verschlechterung der baulichen Situation durch einen weiteren flächenoptimierten Klotz zu rechnen.

    Brrr, es klingt mir schon im Ohren, wie die Überzeugungsarbeit der Architekturlobby laufen wird: Seid keine Reaktionäre, die coolen Kids in der großen Stadt bauen auch alle modern. Auch die Professoren Bauklotz und Schüttelfenstermann teilen diese Auffassung, und die sind ja Professoren und müssen es wissen: Den Genies unserer Zeit wird die Luft zum Atmen gekommen.


    So als ob diese nicht bei den 99,99% anderen Projekten tätig werden könnten, sondern nur, wo es darum geht, schöne Architektur vergangener Jahrhunderte zu verhindern. Neustrelitz ist schließlich als barockes Gesamtensemble mit Schloß, Schloßpark und sternförmiger Stadtanlage geplant und braucht in diesem Kernbestand keine ablenkende Anleihen aus dem Formenfundus eines "gerade in diesen Zeiten wichtigen" "demokratischen" Bauens à la Köln-Chorweiler.


    In der gutsortierten Stadt steht der (neo)barocke Turm im Schloßpark, das PH16 am Maxim-Gorki-Ring und das Getreidegroßsilo im Industriegebiet und nicht alles durcheinandergewürfelt in einer Permutation daraus.

    Realiter wirkt das Gebäude genauso wie das eine Straße spreeauf gelegene Nöfer-TU-Gebäude etwas zu massig, insbesondere von der Sichtachse der Cauerstraße aus gesehen.


    Eine Architektur, die auf das Umfeld individuell eingeht, statt denselben Entwurf zum 20sten Male zu verwirklichen, hätte die Art-Deco-Kubatur des 90er-Jahre(?)-Bürogebäudes in Kunststeinoptik auf der anderen Straßenseite wiederaufnehmen können, um eine Torsituation zu simulieren.

    Allein das Fehlen des Schönen zu bemängeln, greift zu kurz, wenn damit nur eine Erweiterung des Kriterienkatalogs des Funktionalismus gemeint ist.


    Es fehlt genauso das Erhebende, das Heimatliche, das Erzählende des natürlich Gewachsenen, das dem sinnlich Eindrucksvollen eine andere Ebene gibt. Das umgreift ja nicht allein die Architektur, sondern alle anderen Künste gleichermaßen, eine tiefe geistige Krise, ein auf die Außenwelt projizierter Selbsthaß, der im Negativismus der Dekonstruktion derer stehenbleibt, die selbst nicht wissen, warum sie auf der Welt sind. Wer sich selbst entfremdet ist, wie will der eine Welt bauen, in der sich die Menschen heimatlich fühlen können?

    Als Altstadt bezeichnet man hierzulande ja gemeinhin die im MA ummauerte Stadtfläche, für die erhaltenen Gebäude werden aber auch Renaissance (wovon Danzig und Nürnberg geprägt waren) und Barock (Breslau) erlaubt?


    Lübeck neben Regensburg von der ma. Substanz her?
    Prag (Alt, Neu, Kleinseite) als Stadt, die im relevanten Zeitraum eine dt. Bevölkerungsmehrheit hatte?


    Wikipedia hat als größte Städte um 1500:
    Prag 70.000
    Köln 45.000
    Nürnberg 38.000
    Augsburg 30.000
    Danzig 30.000
    Lübeck 25.000
    Breslau 25.000
    Regensburg 22.000
    Wien 20.000
    Straßburg 20.000
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_größten_deutschen_Städte


    Ohne den prinzipiellen Anspruch der Objektivierbarkeit von Ästhetik kann man das Forum hier auch gleich auf eines für Politik, Geschichte und Bauhandwerk reduzieren. Im systematisierenden abendländischen Denken ist Schönheit ja oft als Einheit aufgefaßt worden, in der Thomasischen Aristotelesrezeption etwa als Einheit von Stoff- und Formursache, die sich in der Einheit des Künstlers als causa efficiens und seines künstlerischen Willens als causa finalis widerspiegelt oder bei Hegel als Einheit von Idee und Erscheinung (der absolute Geist in der Form subjektiver Anschauung) bis hin zum pragmatistischen form follows function, das in der vorherrschenden utilitaristischen Interpretation den Menschen allerdings aufs Materiell-Konsumistische reduziert.
    Zur Definition der Schönheit bedarf es kategoriellen Denkens, wonach sich das Was der Einheit bestimmt. Nun ist mit der Einführung von Kategorien aber immer schon eine bestimmte ideologische Prädisposition gegeben, der kulturwissenschaftliche Mainstream folgt aber, wie richtig bemerkt worden ist, einem Nihilismus. Das Problem dieser Art des skeptizistischen Dekonstruktivismus (geistesgeschichtlich ein uralter Hut, der als der letzte Schrei verkauft wird; gab's schon bei den Sophisten und systematisiert bei Pyrrhon und der mittleren Akademie) ist, daß er seine eigenen Prinzipien nicht auf sich selbst anwenden kann. Wenn es ohnehin keine Objektivität gibt, warum dann die bekämpfen, die diese für sich in Anspruch nehmen? Der Dekonstruktivismus, der sich in Schüttelfenstern, gesprengten Sehgewohnheiten, Disproportionen äußert, erhält nur als Gegenstück zum Affirmativ-Identitären des in der Geschichte durch Anverwandlung der Umwelt Gewachsenen Gewicht; er ist der Geist, der verneint. Wenn die Kunsttheorie aber nun dies zur Norm für gute Architektur erheben will, nimmt sie dann nicht selbst einen doktrinären Standpunkt ein, und wenn alle Meinungen gleichwertig sind, warum nimmt sie dann nicht den rein quantitativen Standpunkt ein, daß gebaut wird, was allg. gefällt?


    Was zudem ggü. dem Schönen immer etwas zu kurz kommt, ist mM die Empfindung des Erhabenen, des einzelnen sub specia aeternitatis, das romantische Unendlichkeitsempfinden, das vom einzelnen entgrenzend fortweist, der sich aber gerade darin aufgehoben fühlt. Das ist die Einbindung des einzelnen in übergeordnete Ganzheiten und Geschichtlichkeit als Individuationsprinzip des Absoluten. Die Aufhebung von geschichtlicher Einbettung und Streben nach heimatlicher Anverwandlung der Welt führt zu der Art geistiger Leere, die die moderne Architektur ausstrahlt. Sie als unschön anzusehen, entspricht nicht nur repräsentativen Umfragen, sondern auch dem inneren Anspruch ihrer ideenlosen Schöpfer, die ja gerade in der Leugnung der objektiven Möglichkeit des Schönen das Schöne von vornherein verbannen.


    Würde Musik denselben Mechanismen unterliegen wie Architektur, würden die Herren Professoren und Politiker einen zwingen, nur noch Zwölftonmusik und Karl-Heinz Stockhausen zu hören, und erzählen, dies sei die einzig zulässige moderne Ausdrucksweise.

    Der Bund (der an Liverpool erinnert) wird wohl selbst nicht abgerissen werden, aber so ziemlich alles andere, wie man sich bei Google Earth anschaulich machen kann. Insbesondere die Shikumen-Reihenhäuser stehen immer isolierter in der Stadtlandschaft da:
    https://www.nytimes.com/2017/0…itecture-homes-china.html
    Vor ein paar Jahren hat man auch das komplette Areal östlich der halbabgerissenen Altstadt plattgemacht und nur eine Jesuitenkirche stehen lassen. Auch das Areal westlich der Altstadt ist akut gefährdet:
    https://supchina.com/2017/12/1…ion-of-laoximen-shanghai/
    Ein Problem in China stellt dar, daß es kein eigentliches Bürgertum gab und nur Tempel und Gebäude, die zum Kaiser und seiner Verwaltung gehörten, besonders ausgezeichnet waren. Zudem hat man über die Jahrhunderte ziemlich ähnlich gebaut, sodaß alte, erhaltungswürdige Gebäude nicht besonders ausgezeichnet erscheinen und, sobald sie abgewohnt sind, erneuert werden.
    Wer sich erschrecken möchte, kann die Google-History-Fkt. in Tianjin benutzen.

    Es fehlt im Holländischen Viertel dann nur noch die Baulücke in der Gutenbergstr. 81.


    Gibt es egtl. aktuelle Überlegungen, die Glorietta auf dem gegenüberliegenden Bassinplatz wiederzuerrichten? Da man den dort befindlichen russischen Friedhof kaum verlegen wird, müßte man sie etwas translozieren, ein in diesem Fall aber eher minderer Hinderungsgrund, da sie keine direkte Umgebungsbebauung hatte und die einstige Hauptsichtbeziehung in Richtung der Brandenburger Straße durch die Errichtung von St. Peter und Paul ohnehin zugestellt wurde.
    Man könnte sie aber immer noch in die Sichtachse der Benkertstr. setzen, etwa 52°24'6.41"N 13° 3'39.44"E, was auch den Eindruck zugiger Öde auf dem Bassinplatz abzuschwächen hülfe.

    Vielleicht hätte man sie Waisenhauskirche taufen sollen...
    Zu einer Diskussion gehört egtl, daß man die Argumente der Gegenseite gedanklich verarbeitet hat und darauf eingeht. Weil linksaußen aber die geistige Höhe fehlt, wird von dort ständig noch ein neuer Neuanfang gefordert, wo alle genervt sich argumentativ im Kreis drehen und jeder am Ende bestätigt fühlen darf.
    Vor 100 Seiten oder so habe ich hier auch einen ellenlangen Beitrag dazu geschrieben, warum die Gegenargumente zur Garnisonkirche keine sind, den könnte ich auch copy&pasten, ohne daß jemand den Diskussionsstand für veraltet halten würde.

    Stralau war exponiert als erstes Dorf auf der Berliner Feldmark, wornach auch Stralauer Tor, Stralauer Vorstadt, Spandau als erste Stadt des Havellandes, Festungsstadt zur Sicherung der Westflanke Berlins etc. Außerdem fällt die Umbenennung 1878 in die Zeit des Kulturkampfes.


    Ein umgekehrter Fall ist übrigens Olpenitz auf Schwansen/Schleswig, das auf dän. -nis (zu Nase in der Bed. Landzunge) zurückgeht. Wahrscheinlich erschien diese zackige, aus dem Osten gewohnte Schreibweise für einen gerade eingerichteten Marinestandort passender.

    Die Behandlung erfolgte meist einheitlich, etwa fügte die sächsische Kanzlei allenthalben den Ortsnamen ein vollautendes -a an, wie man es wohl aus dem Lateinischen gewohnt war, dem vielerorts ein -ow zugrundeliegt. In Berlin hat man, um die Stadt nach der Reichsgründung herauszuputzen, die damals noch nicht eingemeindeten Stadtteile Stralow und Spandow eingedeutscht, wobei mir nie jemand untergekommen ist, der, der alten Aussprache folgend, noch Spandoooh sagen würde.

    Der altslawische Teil Deutschlands läßt sich ja grob in zwei große Stammesgebiete scheiden, deren nördlicher Teil zum lechischen Dialektgebiet gehört (altpolabisch, Stammesgebiet der Wilzen, Liutizen, Pomoranen, Abodriten usw.), während der südliche Teil stärker mit dem Tschechischen zusammenhängt (neben dem Sorbischen u.a. auch die slawische Sprache in Schlesien vor 1241), letzterer dem Laien auch erkennbar durch die vielen tsch-Laute wie in Delitzsch oder Crimmtischau bis hinauf ins Amt Neuhaus. Im allgemeinen ist die Namensgebung mit ihren typischen Endungen -ow, -in, (w)itz sehr einheitlich und für weite Teile der frühmittelalterlichen slawischen Siedlung üblich; ältere Bildungsarten finden sich vor allem in der alten Urheimat in der NW-Ukraine.


    Bei der Westexpansion trafen die slawischen Stämme auf Reste der zuvor dort siedelnden ost- und elbgermanischen Stämme, wie auch jüngere aDNA-Untersuchungen für die Oxhöft-/Willenberg-Kultur und Oder-Warthe-Gruppe (Przeworsk) bestätigen. Obwohl diese im slawischen Volkstum aufgingen (in Polen ca. 15% Anteil, obwohl das Signal von der deutschen Ostkolonisation nicht klar unterscheidbar ist), haben sich dort nur vereinzelt germanische Ortsnamen, insb. in der Hydronymie erhalten, in BB etwa Havel, Elde (diese beiden noch in germ. Lautung, im Westslawischen Woblitz (vgl. Woblitzsee) bzw. Lade mit Metathese), Finnow, Nuthe, Notte, Dahme, Dosse etc., ebenso wie wohl Saale, Oder, Wipper und Weichsel, welche aber noch einen spätidg. Zustand widerspiegeln.


    Mit der deutschen Ostsiedlung wurde die gesamte Siedlungsstruktur umgepflügt, im Ortsnamenbestand war man auffallend konservativ. Selbst Neugründungen aus wilder Wurzel wie Berlin wurden nach slawischen Flurnamen benannt. Davor gaben es ja nur einzelne Weiler mit Hudewald, Zeidlerei, ergänzender Landwirtschaft und Orientierung zum Wasser hin; Handelsorte wie Reric, Wollin waren eher mit großen Schaustellerprovisorien vergleichbar, und selbst große Siedlungen wie Danzig, Prag, Krakau wurden im Hochmittelalter planmäßig völlig neu angelegt und, mit den entsprechenden Stadtrechten ausgestattet, auch in ihrer Sozial- und Stadtstruktur umgewandelt (Typus Arx-Conurbium gegen Markt-Marktgemeinde).


    Für kleinere Orte sind die dahinterstehenden Prozesse noch immer strittig, etwa in den ersten Stufen der Ostsiedlung die Zusammenlegung slawischer Weiler zu Rundlingsdörfern, die im Ggs. zu den etwas später einsetzenden Angerdörfern nahezu durchgängig slawische Namen aufweisen.


    Systematischer Überblick über die germanischen Toponymie Deutschlands:
    https://books.google.de/books?…%20namenkundliche&f=false

    Letzter Spendenstand war vor drei Monaten m.W. 100k € + 4,3 Mio. Förderzusagen aus diversen Landes- und Bundestöpfen, also politisch gewollt, aber resonanztechnisch ein völliger Schuß in den Ofen.


    Benötigt werden 10 Mio. für die Fundierung mit Besucherzentrum und 45 Mio. für den Gesamtbau.


    Ohnehin ein Affront, ausgerechnet den Standort der Altstadtpfarrkirche Cöllns so zu überbauen. Da gehört eine Rekonstruktion der heimeligen ersten, gotischen Petrikirche auf den alten Fundamenten hin.


    Gegen Dialog der Religionen hätte ich ja prinzipiell nichts, aber die Beteiligten stellen doch nur einen sehr kleinen Ausschnitt dar, und alle drei sind aus jeweils unterschiedlichen Gründen nicht diskursfähig. Und wenn nur Liberalala-Vetreter diskutieren, die ihre theologischen Segel von vornherein gestrichen haben und genausogut zum Bahaismus konvertieren oder bei Küngs Stiftung Weltethos mitwirken könnten oder, wie die Gülenleute, Kreide gefressen haben, bringt das auch keinen Erkenntnisgewinn. Dafür brauchte man Verteter einer philosophisch-theologisch versierten Orthodoxie.

    Ich halte das weniger für eine Lobby, da sich funktionierender Städtebau und schöne/erhebende Architektur nicht schlechter verkaufen ließen, als für eine Ersatzreligion, die ideengeschichtlich in der neuen Linken wurzelt(Antitraditionalismus, Dekonstruktivismus, Strukturalismus-Funktionalismus, pseudoemanzipatorisches Fortschrittsdenken) und die jedes höhere Streben, jedes Transzendente, jedes Sperrig-Identitäre und Jenseits-des-Zeitgeistige als Herausforderung ihres negativistischen Absolutheitsanspruches ablehnt und nach der Altenpfleger-Maxime "satt und sauber" ein Heer entindividualisierter Konsumzombies schaffen will.
    Der Mensch lebt aber nicht vom Brot allein. Deshalb halte ich den Modernismus in seinem totalitären Anspruch für inhärent böse.