Posts by Isidor

    In Kassel wäre nur eine Flächenrekonstruktion nach Frankfurter oder Dresdner Vorbild sinnvoll, um erst einmal ein Altstadtgrundgerüst zu schaffen. Aber wahrscheinlich ist das die letzte Stadt, in der so etwas geschehen wird. In den meisten anderen Städten wurden wenigstens die zerstörten Kirchen nach dem Krieg, zumindest äußerlich, wieder originalgetreu aufgebaut (wenn sie nicht in der DDR standen und gesprengt wurden). Doch selbst bei diesen wichtigen Landmarken mussten in der Documenta-Stadt die modernen Architekten noch Hand anlegen und ihren Stempel aufdrücken. Immerhin gibt es Richtung Wilhelmshöhe ein paar gründerzeitliche Straßenzüge...

    Welche kleineren Orte könnte man noch in der Gegend besuchen?

    Ist vielleicht nicht die allernächste Umgebung, aber wer in der Kasseler Gegend ist, sollte auf jeden Fall Hann. Münden, Witzenhausen, Bad Sooden-Allendorf, Eschwege und Fritzlar sich anschauen. Heilbad Heiligenstadt ist ganz nett, um mal eine halbe Stunde durchzuspazieren. Ich weiß nicht wie es mit Felsberg, Hessisch Lichtenau oder Bad Wildungen aussieht. Nordhessen ist eigentlich recht wohlhabend an hübschen kleinen Städten.

    Ja, Ölschlägern ist im Magniviertel. Man kann auf dem Foto gut erkennen, dass die Gebäude dort seit Jahren verfallen und dringend einmal saniert werden müssten. Braunschweigs Vorzeigefachwerkviertel erinnert leider immer mehr an Osterwieck, was den Zustand der Häuser angeht.
    Von der abgelichteten Seite aus betrachtet sieht das Schloss wirklich wie eine gelungene Rekonstruktion aus. Ich würde es aber nicht so bezeichnen, immerhin fehlt bekanntlich die komplette Ostseite samt Kuppel und der sich direkt anschließende Einkaufskomplex ist leider überdominant, sodass, je nach Perspektive, das Schloss davor unterzugehen droht.

    Das ist ein wunderbarer Vorstoß, der da in Anklam unternommen wird - vorbildlich für andere Städte! Ich hoffe, dass die Pläne auch letztendlich so umgesetzt werden. Leider war ich noch nie in Anklam und habe gar keine Vorstellung von dem Stadtbild. Vielleicht könntest du, Lupi, uns bei Gelegenheit mal ein paar Fotos zeigen, wie das neu zu bebauende Areal, dessen zukünftige Erscheinung wir schon in den Visualisierungen gesehen haben, momentan noch aussieht.

    Das Geld ist doch nur ein billiger und durchsichtiger Vorwand. Wäre das der wirkliche Grund für seine Abneigung gegen dieses Projekt, müsste Herr Abée ja gegen den BND-Neubau oder den neuen Berliner Flughafen Tag und Nacht Sturm laufen - macht er aber nicht. Denn die sind ja schließlich in einer "zeitgemäßen" Form gebaut. Hier geht es nicht um die Besorgnis über den Staatshaushalt, sondern wieder mal nur um ideologische Vorbehalte.

    Der Turm dieses Gebäudes erinnert mich, zumindest auf der Visualisierung, an das ehemalige World Trade Center in New York, doch aus Respekt vor dem heutigen Datum sehe ich davon ab, den Architekten irgendwelche diesbezüglichen Anspielungen zu unterstellen.


    Das Gotteshaus soll ja durch Spenden finanziert werden. Wenn sich also genug Menschen finden, die bereit sind, für diese multireligiöse Idee Geld auszugeben, soll es eben gebaut werden. Ich werde jedenfalls nicht dazu gehören, allerdings weniger aus politischen oder religiösen Gründen, sondern weil mir die Architektur nicht zusagt. Ein Haus, das allen Religionen offen steht, finde ich übrigens deutlich sympathischer als eines, das nur für eine, in unserer Kultur und Geschichte nicht verwurzelte Religionsgemeinschaft gedacht ist. Das eine führt zusammen, das andere parallelisiert.

    Für mich nicht gerade ein Ausbund an Innovation und Einfallsreichtum, aber na gut... Der in dem Video bei Sekunde 31 gezeigte Entwurf gefällt mir da deutlich mehr, aber war wohl wieder zu klassisch. Schade, wo doch Jurymitglied Hans Kollhoff eigentlich eher zu den Traditionalisten seiner Zunft gehört.

    Das ist eine sehr schöne Nachricht! Das Haus ist ein absolutes Schmuckstück in bester Lage. Damit dürften so allmählich die letzten unsanierten Gebäude in der ansonsten bereits gut sanierten Altstadt ihre ehemalige Schönheit zurück gewinnen.

    Klingt nach einem klassischen Fall von "Solange verfallen lassen, bis der Denkmalschutz aufgehoben wird, um das alte, olle Haus endlich abzureißen und etwas wirtschaftlich Ertragreicheres hinzusetzen"

    Die Schlösser Ludwigs II. sind auf der Welterbeliste längst überfällig, ansonsten fällt mir aber in Deutschland nicht mehr allzu viel ein, was zwingend zum Weltkulturerbe erklärt werden müsste. Die Unesco täte gut daran, diese besondere Auszeichnung nicht zu inflationär zu vergeben. Bereits jetzt befindet sich m.E. einiges auf der Liste, was diesen Status nicht verdient.

    Vielen Dank für die aktuellen Eindrücke aus Stralsund! Dass die Milchbar endlich saniert wird, freut mich besonders. Was das Quartier 14 angeht, hätte es sicherlich schlimmer kommen können, wenn auch die Fenster als Wermutstropfen bleiben. Ansonsten erwecken deine Bilder den Eindruck, dass in der Stadt derzeit mehr neu gebaut als saniert wird. Stimmt das? Als ich vor drei Jahren das letzte Mal in Stralsund war, fielen mir die doch recht zahlreichen unsanierten Häuser mehr ins Auge als die Brachen und der Sanierungsbedarf dürfte nach wie vor recht hoch sein.

    Zerstörung von Schlössern hat es ja auch schon vor dem 2. Weltkrieg gegeben.

    Das ist zweifellos richtig, aber ein Blick auf die (unvollständige) Wikipedia-Liste zeigt doch, dass ein Großteil der dort aufgeführten Schlösser im 2. Weltkrieg oder in der Nachkriegszeit zerstört wurde. Außerdem sind die Konsequenzen freilich andere. Viele Schlösser, die in früheren Jahrhunderten zerstört wurden, wurden danach wieder im zeitgemäßen Stil aufgebaut. Das ist natürlich bei den Verlusten des letzten Jahrhunderts nicht der Fall. Abgesehen von den wenigen Rekonstruktionen, die es gab und gibt, wird von den meisten dieser Schlösser nicht mehr als eine hässliche Lücke oder ein unansehnlicher Nachfolgebau bleiben.
    Wenig verwunderlich ist auch, dass in der DDR deutlich mehr Schlösser, die den Krieg unbeschadet überstanden hatten, aus ideologischen Gründen oder aus Gleichgültigkeit vernichtet wurden. Allerdings gibt es auch aus der BRD einige Beispiele dieser Art.

    Schlösser sind neben Kirchen und Rathäusern sicherlich die Einzelgebäude, die für eine Stadt oder Region am ehesten eine identitätsstiftende Funktion einnehmen. Es sind die Sitze der Familien, die oft viele Jahrhunderte lang über ein Gebiet geherrscht und den Orten und Landschaften sogar ihre Namen gegeben haben. Nicht selten war erst der Herrschaftssitz und dann der dazugehörige Ort da. Von dieser historischen Bedeutung abgesehen, gehören Schlösser meistens auch architektonisch und künstlerisch zu den wertvollsten Bauwerken einer Stadt oder ganzen Region. Ihr Verlust durch Krieg oder Abriss ist daher besonders schmerzlich. Es wäre schön, wenn wir hier eine Liste mit allen im letzten Krieg und danach zerstörten Schlössern zusammentragen könnten, um einen Überblick darüber zu gewinnen, wie viele dieser bedeutenden Bauwerke uns verloren gegangen sind. Ich schlage vor, dass wir nur solche aufnehmen, die wirklich nicht mehr existieren.


    Ich fange einmal an mit den Beispielen, die mir bekannt sind:


    - Schloss Schönhausen in Schönhausen (Elbe) (Sachsen-Anhalt) 1958 abgerissen - Otto von Bismarcks Geburtshaus
    - Schloss Putbus in Putbus, Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) 1960-1964 abgerissen
    - Schloss Hildburghausen in Hildburghausen (Thüringen) 1945 zerstört, 1947-1950 abgerissen
    - Schloss Seidingstadt in Seidingstadt (Thüringen) Ende der 1970er abgerissen
    - Schloss Monbijou in Berlin, 1943 zerstört, 1959 abgerissen
    - Stadtschloss in Berlin, 1945 zerstört, 1950 abgerissen
    - Stadtschloss in Potsdam (Brandenburg), 1945 zerstört, 1959-1960 abgerissen
    - Stadtschloss in Braunschweig (Niedersachsen) 1944 zerstört, 1960 abgerissen, 2005-2007 teilweise rekonstruiert
    - Schloss Herrenhausen in Hannover (Niedersachsen) 1943 zerstört, wird 2011-2012 rekonstruiert


    Ich fürchte, es gibt noch viele andere Beispiele.