Posts by Isidor

    Dieser Abriss ist blanke Idiotie. Da bietet ein Investor an, dieses bedeutende klassizistische Denkmal, das fest zum Stadtbild gehört, zu sanieren, Arbeitsplätze zu schaffen, dem Ort Steuergelder zu bescheren etc. - und es wird abgelehnt. Dafür nimmt die Stadt lieber Schulden auf, um sich selbst einer Sehenswürdigkeit zu berauben... Vom erneuten Versagen des Denkmalschutzes müssen wir gar nicht erst reden.
    Was sind das eigentlich für Menschen, die heute in den deutschen Stadtverwaltungen sitzen? Spielen da vielleicht auch Vorbehalte gegen große, kapitalistische und deswegen böse Unternehmen eine Rolle?

    Dass große Architekturbüros mit einem ganzen Stab an Mitarbeitern gerne prächtige Fassaden entwerfen würden, aber einfach keine Zeit dafür haben, bezweifle ich doch ganz stark. Zudem fordern wir ja hier keine barocken, ausschweifenden Verzierungen, sondern sind meistens schon mit einer dezenten, gut gegliederten Fassade zufrieden, die nicht versucht, mit jeder Tradition zu brechen und sich von ihrer Umgebung mit aller Macht abzuheben. Ich denke, Architekten wie Patzschke und auch ein paar andere zeigen, dass, wenn der Wille nur da ist, eine klassisch gestaltete, ästhetisch anspruchsvolle Fassadenkonzeption auch in unserer Zeit durchaus möglich ist. Wie Jaro sagt: Der Modernismus ist Erziehungssache. Und nur die Wenigsten sind stark genug, nach mehreren Jahren Indoktrination im Studium trotzdem ihren eigenen Kopf zu benutzen und gegen die heiligen Bauhaus-Gebote zu verstoßen. Zur Ausbeutung vieler durch wenige Reiche hat Heimdall schon gut geantwortet. Ich wusste ja gar nicht, dass Staatsbürgerkunde heutzutage Bestandteil des Architekturstudiums ist!

    Was für eine über Jahrzehnte sich streckende Kette des politischen Versagens! Man möchte verzweifeln, angesichts der Tatsache, dass eine architektonische Umweltverschmutzung wie das Telekom-Gebäude bewahrt und unter Denkmalschutz gestellt wird, während man zum Beispiel in Nienburg ein wunderbares altes Bürgerhaus einfach sang- und klanglos vernichtet! Dass ein Gründerzeit-Gebäude mit der Begründung, es sei Massenware, abgerissen wird und zugleich ein 08/15-60/70er-Jahre-Zweckbau, der von seinem Schöpfer eh nur für ein paar Jahrzehnte ausgelegt wurde, vor dem Abriss bewahrt und als besonders erhaltungswürdig erachtet wird - reinster Zynismus...

    Auf lange Sicht muss das Marx-Engels-Forum, meiner Meinung nach, wieder bebaut werden, um an dieser zentralen Stelle die urbane Struktur zurückzugewinnen. Doch es stimmt leider, dass dieses Unterfangen unter Frau Lüschers Verantwortung mit aller Wahrscheinlichkeit zu einem ähnlichen Desaster werden würde, wie die Bebauung des Schinkelplatzes, wenn nicht gar noch schlimmer. Also ist es wohl tatsächlich gut, noch zu warten. Allerdings gibt es keine Garantie dafür, dass Lüschers Nachfolger aus unserer Sicht besser sein wird.

    Mit diesem Projekt kann man, denke ich, wirklich zufrieden sein, auch wenn die Realisierung von Patzschkes Entwürfen natürlich noch einiges besser gewesen wäre. Besonders positiv überrascht bin ich, dass sogar Ornamentik in der Passage zum Einsatz kommen wird - zumindest laut der Visualisierung. Allerdings wird die elegante Passage wie in einen schmutzigen Hinterhof münden, solange die Gegend zwischen Gertrud-Kolmar-Straße und Wilhelmstraße weiterhin eine Plattenbausiedlung bleibt. Ich hoffe, dass man die Architektur dort in den nächsten Jahren anpassen wird.

    Ich habe auch das Internet durchkämmt und keine Informationen dazu gefunden - sehr seltsam. Man kann und mag sich selbst in unserer Zeit nicht vorstellen, dass so ein Gebäude einfach abgerissen wird und dann auch noch ohne größere Aufmerksamkeit.

    Man kann nur hoffen, dass die im Text angedrohte Abrisswelle ausbleiben wird, ich würde jedoch nicht meine Hände dafür ins Feuer legen, dass die Stadt in den nächsten Jahren keine weitere Altbausubstanz verliert. Deren Erhalt und notfalls auch Wiederherstellung sollte eigentlich allerhöchste Priorität bei der Stadtverwaltung haben, was jedoch nicht unbedingt der Fall zu sein scheint.
    Quedlinburgs Altstadt ist zwar größer und verwinkelter als die von Görlitz, aber auch nicht so intakt, was vor allem DDR- und Nachwendeabrissen, aber auch den unzähligen Bränden geschuldet ist, die die Stadt fast jährlich heimsuchen (neulich haben wieder ein paar hirnrissige Jugendliche ihr Glück versucht). Ich glaube, dass der Umgang mit dem eigenen Bauerbe in Görlitz teilweise etwas sensibler ist. Hinzu kommt natürlich noch das Glück, einen großzügigen Gönner zu haben, der jedes Jahr eine stattliche Summe für die Sanierung der Altstadt spendet. So eine Persönlichkeit könnte Quedlinburg auch dringend gebrauchen!

    Wirklich schön zu sehen, wie diese Gegend reurbanisiert wird mit ansprechenden Neubauten! Auf die Fertigstellung der Fellini-Residenz freue ich mich besonders, es scheint mir momentan eines der verheißungsvollsten Projekte in der Stadt zu sein.

    Die Altstadtfreunde setzen sich dafür ein, die im 2. Weltkrieg zerstörten Dürer-Malereien im alten Rathaussaal zu rekonstruieren. Die Gegenargumente der Politik zielen entweder auf die finanzielle Situation der Stadt ab oder sind gänzlich irrational und ideologisch motiviert:

    Quote

    "Mit „Buhs“ wurde Prölß-Kammerers Hinweis quittiert, dass man für eine Wiederausmalung des Rathauses Dias verwenden müsse, die von denen aufgenommen wurden, die schuld an der Zerstörung des Rathaussaales seien."

    Wieso war irgendein Photograph in den 40ern an der Zerstörung des Rathauses schuld?


    http://www.nordbayern.de/nuern…struiert-werden-1.2442133

    Ach, so schlecht kommt Ulm hier gar nicht weg. Ich habe bisher so viel Negatives über die Stadt gehört, dass ich geradezu angenehm überrascht davon bin, wie sie sich hier auf den Fotos darstellt. Das scheint mir doch eine andere Kategorie als Frankfurt/Dortmund/Kassel... zu sein.

    Mal wieder eine große Schande und ein weiterer Beweis für die Nutzlosigkeit des Denkmalschutzstatus. Die anderen Preisträger sehen allerdings mindestens genauso schrecklich aus, das Projekt selbst ist das Problem. Man kann nicht verstehen, wie so etwas genehmigt werden kann.

    Damit eröffnet Zittau also nach Görlitz und Bautzen ein weiteres Kapitel im Ausverkauf Ost. Scheinbar hat man in der ehemaligen DDR das Bedürfnis, nun auch endlich all die Fehler zu machen, die in der BRD schon in den Siebzigern gemacht wurden, wobei die nachhaltige Zerstörung historischer Stadtbilder durch seelenlose Kaufhauskolosse und ähnliches an erster Stelle auf dem Wunschzettel zu stehen scheint. Hoffentlich lehnen sich die Zittauer gegen diesen Irrsinn auf und kippen dieses verhängnisvolle Projekt noch.