Posts by Isidor

    Meine größte Sorge ist eigentlich, dass das Schloss zu einem typischen deutschen Großbauprojekt wird, dass sich also die Kosten vervielfachen, dass es zu langen Verzögerungen und Planungsfehlern kommt usw. Was die Spendenbereitschaft angeht, bin ich optimistisch. Aber was die Fähigkeiten der Bauunternehmen und Politiker betrifft, das alles ordentlich zu koordinieren und fristgerecht umzusetzen, eher nicht.

    Immerhin hat man die Häuser zumindest äußerlich komplett rekonstruiert. Da frage ich mich nur, warum ein Komplettabriss nötig war. Sicherlich hätte man die Gebäude auch gemäß der neuen Nutzung umbauen können. Hier sind noch recht aktuelle Bilder vom Rathausquartier. Sieht nicht ganz so schlimm aus wie auf der Visualisierung, finde ich.

    Eine Aktualisierung zum Hotel Ratskeller, das 2007 abbrannte. Leider haben sich die Hoffnungen auf eine Rekonstruktion nicht erfüllt. Man hat zwar Teile der alten Fassade in den Neubau (jetzt ein Ärztehaus), der dort nun steht, integriert. Sein Flachdach, das sich kein bisschen in die Umgebung einfügt, ist jedoch völlig missraten.
    Hier gibt es eine interessante Bildstrecke mit alten und neuen Ansichten - auch des Vorvorgängerbaus. 1906 brannte das Hotel schon einmal ab und wurde - besser gelungen als heute - im Stil der Zeit wieder aufgebaut.

    Was genau ist dieses Objekt am rechten Bildrand eigentlich? Ein dauerhaftes Gebäude steht da doch eigentlich nicht.

    Das ist die temporäre Bühne für die Domfestspiele, die jedes Jahr im Juli und August vor dem Westwerk der Stiftskirche stattfinden. Die ist jetzt Gott sei Dank schon lange wieder abgebaut und behindert nicht mehr die Sicht auf das Münster und seine Umgebung.

    Bad Gandersheim ist ein kleines Städtchen in Südniedersachsen, etwa 50 Km nördlich von Göttingen und 40 Km südlich von Hildesheim. Nachbarstädte sind Einbeck im Westen (20 Km) und Seesen im Osten (14 Km). Die Stadt ist heute vor allem für die mittelalterliche Dichterin Roswitha von Gandersheim sowie die alljährlich im Sommer stattfindenden Domfestspiele vor der romanischen Stiftskirche bekannt. Die Altstadt ist recht klein, besitzt aber einige bemerkenswerte Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert.


    Alte Gasse/Moritzstraße/Markt




    Rechts die obligatorische 70er-Jahre-Bausünde, glücklicherweise die einzige im Zentrum.




    Links die Rückseite des Rathauses im Stil der Weserrenaissance






    Die romanische Stiftskirche, davor die Aufbauten für die Domfestspiele. Leider kam ich nicht mehr hinein.





    Das "Rickesche Haus" von 1552 vor der Hauptfassade des Doms. Rechts im Bild temporäre Bauten für die Domfestspiele.





    Das Haus wurde in den letzten Jahren saniert. Ich habe dieses Bild aus dem Jahr 2008 gefunden, ebenfalls zur Zeit der Domfestspiele aufgenommen. Man kann sich streiten, ob die Fassade nicht besser hätte so bleiben sollen wie sie war.




    Quelle: Flickr
    Urheber: Ceiling


    Der Dom von Norden aus.





    Im Hintergrund ist der eingerüstete Rathausturm zu sehen.




    In der Nähe des Doms befindet sich die 1953 erbaute katholische Kirche Mariä Himmelfahrt. Ein gelungener Nachkriegskirchbau (mit Abstrichen beim Turm).





    Ebenfalls neben dem Dom: der alte Abteihof im Stil der Renaissance.






    Habe ich leider verpasst: Auf der Rückseite der Abtei die schöne Weserrenaissancefassade mit dem barocken Elisabethbrunnen.






    Die Rückseite des Rickeschen Hauses




    Der Markt. Links das Rathaus, rechts wird das Haus Markt 8, Nachbar des "Rickeschen Hauses" und eines der ältesten Fachwerkgebäude Südniedersachsens (1473) saniert.




    Markt 8









    Steinweg











    Außerhalb der Altstadt gegenüber dem Kurpark befindet sich eine Handvoll hübscher Gründerzeitvillen






    Gleich daneben das pittoreske Paracelsius-Klinikum




    Das wars.

    Was ich nur ein wenig schade finde, ist, dass es sich bei diesen klassizistisch anmutenden Neubauten sehr oft um Solitaire in Dörfern oder Vororten handelt, während sich dieser Stil in den Innenstädten (von löblichen Ausnahmen abgesehen) bisher so gut wie gar nicht etabliert hat. Gerade da wäre aber eine Stadtreparatur so wichtig.

    So sieht die ehemalige Brandstätte in der Mühlenstraße jetzt im August 2013 aus:



    Nachdem das Grundstück mehrere Jahre als zuwuchernde Brache daniederlag, wird es jetzt von der Gaststätte "Bremer Handelshaus" genutzt. Eine gute und dezente Lösung wie ich finde angesichts der Alternative eines das Stadtbild störenden Neubaus.

    Auf dem ehemaligen Gelände der alten Stadtbücherei wächst mittlerweile das "Stadthaus Petri" aus dem Boden. Der Vorgängerbau, ein Klinkergebäude im Bauhausstil aus dem Jahr 1928, stand, nachdem die Stadtbibliothek ins rekonstruierte Stadtschloss umgezogen ist, leer und wurde schließlich abgerissen. Die an der Fassade befindlichen Reliefköpfe des Bildhauers Jakob Hofmann wurden gerettet und sollten laut diesem Zeitungsbericht von 2010 in den Neubau integriert werden. Davon lässt sich allerdings auf der Visualisierung nichts erkennen.


    Alex und Potsdamer Platz sind die beiden Areale in Berlin, an denen sich die moderne Architektur von mir aus richtig austoben kann, denn zu einer Annäherung an den Vorkriegszustand wird es hier es nicht mehr kommen und jegliche Einzelrekonstruktion wäre doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der völlig im Umfeld untergehen würde. Also mir gefallen Kollhoffs Pläne aus den 90ern, die eine Einrahmung des Platzes mit modernen Hochhäusern vorsehen, eigentlich ziemlich gut. Jede europäische Weltmetropole, sei es nun Paris, London oder Moskau, besitzt ein solches modernes Geschäftszentrum und für Berlin würde sich der Alexanderplatz hervorragend dafür eignen. Aber wenn modern, dann bitte richtig! Die alten, verpekten DDR-Bauten passen einfach nicht in diese gläserne Hochglanzmoderne. Ihr langfristiger Erhalt, der ja faktisch mit dem Denkmalstatus beschlossen wäre, würde für die gesamte Stadtplanung eine riesige Hypothek darstellen.

    Einen Anbau hat es tatsächlich nicht gegeben. Bei dem Haus handelt es sich um die sogenannte Stockleffmühle, die schon seit einigen Jahren leer steht und verfällt. Das Gebäude stammt wohl aus der Zeit um 1600, wie eine Analyse der Dachbalken ergab. Die Stadt sucht jetzt nach einem Investor und will erst einmal, nachdem das Gebäude bereits entkernt wurde, den Denkmalschutz reinschicken, um zu klären, "was und wieviel von der Mühle erhaltenswert ist." Abrisspläne scheint die Stadt aber nach eigenen Aussagen nicht zu haben.


    Göttinger Tageblatt - Neue Mieter, leere Mühle
    Stadt sucht weiter Käufer für Mühle

    Danke für die Neuigkeiten! Warst du in der Georgstraße? Vor zwei Jahren war da in dem ansonsten vollständigen Ensemble eine größere Baulücke. Ich frage mich, ob sie schon wieder bebaut wurde.

    Ein unzerstörte, niedersächsische Fachwerkstadt?

    Von unzerstört kann man bei Göttingen nur sehr bedingt reden. Im Krieg hat die Stadt zwar keine nennenswerten Schäden davon getragen, das hat man dann aber in der Nachkriegszeit mehr als reichlich nachgeholt, so dass das Stadtbild heute letztlich dem einer zu 30-40 % im Krieg zerstörten Stadt gleicht. Die Ecke, in der sich jetzt das Quartier am Leinebogen befindet, ist ebenfalls eines der Opfer der 70er Jahre-Stadtplanung.

    Das Neubauprojekt "Quartier am Leinebogen" ist so gut wie fertig gestellt und hält, was es verspricht: Zugige, kühle Investorenarchitektur, die sich gut in diese verbaute, hässlichste Ecke der Göttinger Innenstadt einfügt.






    Hmm...Also 6 bis 8 Millionen Euro für die Rekonstruktion eines einzigen Paraderaums kommt mir doch irgendwie sehr viel vor. Worauf stützt du denn diese Einschätzung, Oktavian?


    Zum Vergleich: Im Braunschweiger Schloss hat man sieben der herzöglichen Gemächer, etwa 700 Quadratmeter Fläche, originalgetreu rekonstruiert, darunter auch den nicht unbedingt prunklosen Thronsaal. Das hat (samt Einrichtung!) drei Millionen Euro gekostet (Quelle). Das macht im Schnitt knapp eine halbe Million Euro pro Raum (etwa 430.000). Nun waren die Prunkräume im Berliner Stadtschloss ungleich größer und noch einiges prächtiger ausgestattet. Aber dass ihre Rekonstruktion mindestens 16 mal so teuer sein soll wie die der Braunschweiger Schlossräume, kommt mir etwas übertrieben vor.

    Die Sanierung des Brockeschen Palais wird Potsdam ein weiteres Juwel zurückgeben. Hoffentlich wird man dann auch die Skulpturen, die ehemals auf dem Dach standen, wieder an ihren angestammten Platz versetzen. Auf der Visualisierung tauchen sie jedenfalls nicht auf. Und hoffentlich wird man hier keinen Ruinenkult nach Berliner Vorbild betreiben und jedes Einschussloch konservieren...


    Die geplanten Nebenbauten machen einen ganz gefälligen Eindruck, obgleich die hintere Häuserfront für meinen Geschmack etwas zu sehr nach Ferienanlage aussieht, aber wir wollen uns mal nicht beschweren.