Posts by Restitutor Orbis

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!

    Tja, da fällt mir übrigens auch mal wieder die Heuchelei unserer Altmodernisten auf.... :zwinkern:


    Fall Historisches Museum, Frankfurt am Main
    Es hat einen Wettbewerb gegeben, darin wurde ein Sieger ermittelt, das Ergebnis steht fest, und unsere Mainstream-Architekten sind der Ansicht, dass man das jetzt daher auf gar keinen Fall mehr kritisieren darf (> unmoralisch)


    Fall Stadtschloss Berlin
    Es hat einen Wettbewerb gegeben, darin wurde ein Sieger ermittelt, das Ergebnis steht fest, und unsere Mainstream-Architekten sind der Ansicht, dass man das Ergebnis des Wettbewerbs nun auf jeden Fall verhindern muss, und machen daher dagegen Stimmung.


    :augenrollen:

    Auch schön....


    Auf baunetz.de regt sich ein Kommentator darüber auf, dass jetzt mit diesem Schloss ein Symbol der "habsburgischen (!!!) Diktatur (!)" wieder aufgebaut würde.... :lachen:


    Außerdem macht dort ein Kommentator namens "Palastbesetzer" Stimmung gegen "Stadtbild Deutschland":


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    liebe redaktion


    ich bitte sie, die unverschämte werbung in eigener sache von http://www.stadtbild-deutschland.de" onclick="window.open(this.href);return false;\r
    http://www.stadtbild-deutschland.de in diesen kommentaren zu löschen. schon die einleitenden sätze der homepage sind eine zumutung! abgesehen davon hat reklame in einem forum nichts zu suchen.


    Außerdem benutzt "Palastbesetzer" auch noch Philons "Lieblings-Argument": :zwinkern:


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    deutschland, und zwar das gesamte "deutsche volk", hat nunmal die welt in einen verheerenden krieg gesstürzt, und kann jetzt die bombennnächte nicht wieder ungeschehen machen, sondern muss sich heute immer noch -und auch oder gerade baulich- verantwortlich zeigen.

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    Wie nicht anders zu erwarten ist die Anti-Reko-Journalisten-Fraktion schon fleißig dabei, den Entwurf zu zerreißen:


    Das war bei den genannten Zeitungen in der Tat nicht anders zu erwarten.


    Christian Thomas von der Frankfurter Rundschau ist ein drittklassiger Architekturkritiker ohne Manieren, der immer mal wieder seine Pöbeleien unter die Leute bringt, wenn ihm die Argumente ausgehen. Verweise hierzu auf die Frankfurter Reko-Debatte...


    Die taz, oder wie sie mal vom Börnepreisträger Henryk Broder genannt wurde, der "Kinder-Stürmer aus Kreuzberg" (ich liebe den Mann für solche Aussprüche :lachen: ) führt die Debatte um das Schloss seit Jahren schon einzig und allein von einem rein ideologischen Standpunkt, während andere sich ja wenigstens um den Anschein einer architektonischen Fachdebatte bemühen.


    Die Zeit... ja, nu... :lachen:

    @ hildesheimer:


    Für mich ist schwer nachvollziehbar, wie du diese deine Aussage...


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    Der Marktplatz ist als Stadtreparatur im besten Sinne ein Gewinn für die Stadt.


    ... mit diesen deinen Ausführungen in Einklang bringen kannst:


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    Jedenfalls bin ich der Meinung, dass die mittelalterliche Stadt sich durch Rekonstruktionen nur bedingt zurückgewinnen lässt, weil einer Rekonstruktion eben die historische Dimension nicht zurückbringen kann. Die angesprochenen Zeitschichten machen eine Stadt aus, völlig richtig. Die Idee einer Rekonstruktion ist aber die Wiederherstellung irgendeines Zeitpunktes in der Vergangenheit aus einem Guss, ohne die Überlagerung der Zeitschichten, und muss zwangsläufig unvollständig sein, da die Bauwerke in der Vergangenheit nur partiell dokumentiert wurden.


    Deine Kriterien für "gute Reko contra böse Reko" leuchten mir nicht ganz ein...

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    (mei) Hildesheim. Einige sind bereits Architekten [...] Auch der wiederentstandene historische Markt sei im Gesamtkonzept gute denkmalpflegerische Arbeit. Mit dem Wettbewerbsentwurf und -modell für den neuen Zuckerhut zeigen sie sich aber gar nicht einverstanden [...] "Altes muss nicht neu gebaut werden."


    Ja, das ist mal wieder typisch: Die Rekonstruktion, die bereits 20 Jahre alt ist (der Marktplatz) ist natürlich ganz wunderbar und geht völlig in Ordnung, weil sie ja schon wieder selbst mittlerweile historisch geworden ist. Die neue Reko (Zuckerhut) muss hingegen verhindert werden, weil man "Altes nicht neu" bauen müsse.


    Ob diesen Leuten klar ist, dass sie in den 80ern vermutlich gegen die Marktplatz-Reko polemisiert hätten, die sie jetzt so toll finden?

    Das war doch mal wieder einen Eintrag auf dem Blog von "Stadtbild Deutschland" wert:


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    Christian Thomas blamiert sich, so gut er kann


    Ihnen wäre es lieber, man würde an einem zentralen Platz in Ihrer Heimatstadt im Krieg zerstörte Fachwerkhäuser rekonstruieren, anstatt einen Lokschuppen zu bauen? Dann sind sie vermutlich ein Rassist. Die Schlussfolgerung hat zwar nichts mit Logik zu tun, aber viel mit dem journalistischen Niveau der Frankfurter Rundschau. Dort findet Architekturkritiker Christian Thomas, man dürfe einen Architekten nicht dahingehend kritisieren, dass sein Entwurf "nicht aus Frankfurter Bewusstsein" stamme.
    Muss man es sich eigentlich als gefallen lassen, von einem Mann als Rassist beschimpft zu werden, dessen intellektuelle Fähigkeiten sich darin erschöpfen, bei einer Podiumsdiskussion kleine fiese Seitenhiebe auf die vermeintlich anspruchslosen, alles knipsenden japanischen Touristen zu verteilen? Vermutlich nicht.


    Tatsächlich ist Thomas schon in der Vergangenheit immer wieder durch flache Pöbeleien aufgefallen, die er anscheinend für einen ausreichenden Ersatz für mangelnde fachliche Fähigkeiten hält. Während aber bei einem Marcel Reich-Ranicki oder einem Henryk Broder verbale Bissigkeit in intellektueller wie in humoristischer Hinsicht hohen Unterhaltungswert aufweist, wirkt Thomas' beleidigtes Geblaffe allenfalls anödend. So bezeichnet Thomas den Architekten Wolfgang Ranz als "Impertinenzler", um zu beweisen, dass er einen Begriff verwenden kann, den jeder zweite Rundschau-Leser erst im Wörterbuch nachschlagen muss - wo er allerdings lediglich das Wort "Impertinenz" finden wird, da "Impertinenzler" eine alternative Wortschöpfung auf dem sprachlichen Niveau von "Unverschämtler" oder "Frechler" darstellt. Substanziell jedenfalls hat Thomas' Rekonstruktivistenschelte wenig zu bieten. Und ganz ehrlich: Man würde sich auch nicht mehr wundern, wenn er die Befürworter des Wiederaufbaus eines historischen Treppenhauses als "behindertenfeindlich" bezeichnen würde.


    http://www.stadtbild-deutschland.de/rubriken/blog/index.php\r
    http://www.stadtbild-deutschland.de/rub ... /index.php

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    Erinnert mich stark an die Sprache der Arbeitszeugnisse: "Er hat sich stets bemüht..." Kann man ein schöneres rhetorisches Eigentor schießen?


    Das Gegenteil von "gut gemacht" heißt "gut gemeint"... :zwinkern:

    Quote from "HalleLuja"

    ich frage mich: wenn das "Historische Museum der Stadt Frankfurt" kein "Heimatmuseum" sein soll, welches Museum ist dann eigentlich eins? :lachen:



    Gute Frage. Wikipedia definiert "Heimatmuseum" folgendermaßen:


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    Ein Heimatmuseum oder Stadtmuseum ist ein Museum, welches die historische Entwicklung eines Ortes und seiner oft als "Heimat" charakterisierten Region anhand von zusammengetragenen Exponaten und Dokumenten darstellt.

    An dieser Stelle ein passendes Zitat von Henryk M. Broder:


    "Man kann keinen Akademiker dazu zwingen, täglich mindestens eine Tageszeitung zu lesen, man muss ihn nur daran hindern, seine eigenen Wahrnehmungsstörungen als wissenschaftliche Erkenntnis auszugeben."


    :zwinkern:

    Hatte jemand schon auf den Artikel hier hingewiesen:



    Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/Architektur-Alexanderplatz;art270,2600864\r
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/Archi ... 70,2600864

    Quote

    Lässt die Quellenlage keine seriöse Rekonstruktion zu, ist das Zitat erwünscht, der Neubau in den alten Proportionen, die Wahrung des Parzellenzuschnitts. Die Architekten Jo. Franzke, Stefan Forster, Michael Landes und Karl Dudler haben einen Stadtraum der Erinnerung entworfen, ein Innenstadtquartier, das sie anhand alter Pläne und historischer Fotos entwickelten. Es soll keine Ansammlung von Knusperhäuschen werden, sondern eine Annäherung an die Geschichte. Vielleicht wird es die neue Mitte.


    Bei solchen Formulierungen kriege ich schon gleich wieder offene Füße :augenrollen: Forster, Landes und die restlichen Jungs von der "Wir sind die Superschlauen"-Truppe arbeiten schon am Geniestreich, der die Altstadt-Reko überflüssig machen soll.

    Vielleicht, zur Verdeutlichung, ein Auszug aus dem Streitgespräch zwischen Gerkan und Ingenhoven aus der genannten SPIEGEL-Ausgabe:


    Gerkan: [...] Ich baue in China vor allem aus baukulturellen Gründen, denn es ist ja unbestritten, dass das Land mit Abstand den größten Freiraum für avantgardistische Architektur bietet.


    Ingenhoven: Das ist ein Punkt, auf den ich gerne antworte. Man kann doch nicht sagen: Weil man sich in Ländern wie China nicht so wie in Deutschland mit Bezirksvertretungen oder Senatsbaudirektoren herumschlagen muss, repräsentiert das, was dann dabei rauskommt, gleich die bessere Qualität und die größere Freiheit.


    Gerkan: Aber Herr Ingenhoven, wenn wir nun ausgerechnet nicht für China und nicht für Vietnam bauen dürften, dann dürften wir für die halbe Welt nicht bauen. Denn so viel blütenweiße Demokratien gibt es gar nicht. Und sollen deutsche Architekten - und zwar nur die, weder die Industrie noch der Handel, noch der Mittelstand, noch Ingenieure - sollen die sich allen Ernstes die Hälfte der Erdkugel versagen? Ist diese Forderung nicht absurd?


    Ingenhoven: Man kann nicht einfach sagen, was die Industrie macht, das machen wir auch. Man kann nicht sagen, die Hälfte der Welt besteht nicht aus ganz lupenreinen Demokratien, und deswegen bauen wir dann gleich für die ganz Schlimmen. Lassen Sie uns mal wegkommen von China: Es kann doch nicht wahr sein, dass deutsche Architekten in Libyen die neue Regierungshauptstadt Gaddafis bauen...


    [...]


    Gerkan: [...] Meiner Meinung Meinung nach gibt es in China heute den höchsten Grad der freien Entfaltung für jedes Individuum seit Menschengedenken, trotz aller noch verbliebenen unschönen Dinge.


    Ingenhoven: Ja, aber wir müssen jetzt aufpassen. Ich wollte mich nicht hergeben zu einer Anti-China-Debatte, und Sie müssen auch keine Pro-China-Debatte führen. Es geht doch nicht darum, ob man in China einen Wohnblock bauen kann. Es geht doch darum, ob man für nichtdemokratische Staaten Repräsentationsbauten errichtet. Ich muss nicht unbedingt das Parlament eines diktatorisch regierten Landes wie Vietnam bauen, und ich muss auch nicht unbedingt am Platz des Himmlischen Friedens das chinesische Nationalmuseum bauen, wie Sie das tun, Herr von Gerkan. Ich glaube, dass man sich bei gewissen Projekten entscheiden muss. Ich weiß, dass Vietnam viel Sympathie genießt, viele Menschen machen da tolle Urlaube. Trotzdem ist es ein Einparteien-Regime, es gibt keine freie Presse, es gibt nur eingeschränkte Religionsfreiheit - das sind keine Kleinigkeiten!