Saint-Malo (Galerie)

  • Zur bretonischen Stadt Saint-Malo gibt es bisher nur einen Info-Strang, weitestgehend ohne Bildmaterial.

    Nun möchte ich zu dieser Stadt auch einige Aufnahmen aus dem Sommer 2023 beisteuern. Besonders interessant dürfte für uns der Wiederaufbau sein, der nach den Zerstörungen von 1944 stattgefunden hat.

    (...) Während des Zweiten Weltkriegs wurde Saint-Malo im Juni 1940 von den Deutschen besetzt. Im August 1944, nach der Landung der Alliierten in der Normandie, wurde die Innenstadt von Saint-Malo (intra muros) zu etwa 85 Prozent durch anglo-amerikanische Bombardierungen zerstört, da der damalige Festungskommandant Oberst Andreas von Aulock sich weigerte, zu kapitulieren. Im Gegensatz zu anderen stark zerstörten Städten wie Calais bemühte sich Saint-Malo aber um einen möglichst originalgetreuen Wiederaufbau zwischen 1945 und 1971, der europaweit als vorbildlich gilt. Man stützte sich dazu auf alte Pläne und Abbildungen der Stadt. (...)


    Der Stadt sieht man die Architektur des Wiederaufbaus durchaus an. Durch die konsequente Verwendung des typischen grauen Steinmaterials und Details, wie den oft erwähnten Sprossenfenstern, ergibt sich ein sehr harmonisches und angenehmes Stadtbild. Hier ist zunächst eine Luftaufnahme von 1949. Die zerstörten Häuser sind größtenteils weggeräumt und der Wiederaufbau ist im Gange.

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    Quelle: artphotolimited.com

    Nun folgen die ersten Bilder von Anfang Juli 2023.

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  • Vielen Dank! Die Stadt ist natürlich sehr sehenswert, und der Wiederaufbau kann sich sehen lassen. Er ist aber eher mit Donauwörth und teilweise Münster als mit Rothenburg vergleichbar. Weitere Infos hier: Der Wiederaufbau (in Französisch). Wie auch in Deutschland wurden hier die Innenhöfe vergrössert und Strassen erweitert und begradigt. Nur 3,5 Prozent der Häuser wurden originalgetreu rekonstruiert, der Rest ist angepasster Wiederafbau. Leider scheint es auch hier vermehrt PVC-Fenster zu geben (siehe Beitrag #5).

    Die Altstädt hat gerade enorme Probleme mit Airbnb weil die Bevölkerung verdrängt wird. Mehr als 3000 Wohnungen werden derzeit bei Airbnb angeboten (Quelle: Beitrag bei France 3)

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Manometer Hast Du noch nicht mitbekommen, dass es zu einem Ort jeweils zwei Stränge gibt, einen zum Baugeschehen und einen als Galerie? Neußer hat völlig richtig gehandelt, indem er einen Galerie-Strang geöffnet hat, und nicht einfach seine Galeriebilder im Baugeschehen-Strang eingestellt hat, der übrigens kein einziges Bild das heutige Gesicht der Stadt zeigt.

  • Man sieht oben ganz deutlich, dass der Wiederaufbau nicht 1:1 erfolgt ist. Natürlich immernoch schön, aber viele Details sind für immer verloren. So etwa hätte man in Nürnberg die Altstadt wiederaufbauen können.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Baugeschehen Strang? Das Bausgeschehen ist mittlerweile Geschichte , und liegt viele Jahrzehnte zurück. Ja das Drohnenvideo war vielleicht ein bischen wenig von der Aktuellen Ansicht der Stadt.

  • Zu Neußers Bildvergleich...

    Da könnte man viel drüber schreiben.

    Für und wider.

    Sind derartige höchst "ungefähre" Wiederherstellungen des alten Straßenraumes so völlig ohne Fleisch in der Suppe - dh konkrete Rekonstruktionen oder erhaltene Einzelobjekte überhaupt sinnvoll?

    Andererseits: liegt in diesem Wiederaufbau vielleicht nicht doch eine gewisse sui- generis-Qualität?

    Ist links hinten nicht doch etwas erhalten /rekonstruiert worden?

    Wären wir in Nürnberg und Würzburg nicht über derart qualitätsvolle Gassen froh?

    Liegt ein Makel oder ein Vorzug in dem Umstand, dass diese Gasse auf ersten Blick eigentlich recht "echt" aussieht?

    Wie oft sieht man diesen Fassadentypus:

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    Geht einem der nicht irgendwann mal auf die Nerven?

  • Baugeschehen Strang? Das Bausgeschehen ist mittlerweile Geschichte , und liegt viele Jahrzehnte zurück. (...)

    Saint-Malo hat ungefähr 47.000 Einwohner. Die leben natürlich nicht alle innerhalb der Altstadt (intra muros), die nur 20% der Stadtfläche ausmacht. Selbstverständlich gibt es auch in Saint-Malo noch bauliche Veränderungen. Beispielsweise ist da das Kulturhaus von 2014:

    https://www.buildnews.it/storage/media/2222/conversions/la-grande-passerelle_AP-medium.jpg

    Aber selbst innerhalb der Festungsanlagen gibt es vereinzelt Bautätigkeit. Keine Stadt ist für immer fertiggebaut.

  • Geht einem der nicht irgendwann mal auf die Nerven?

    Diese Frage ist nicht von der Hand zu weisen. Ich habe mal ein 360°-Panorama mit einer typischen Strassenkreuzung herausgesucht, die von solchen Wiederaufbauten mit diesen prägnanten Gurtsimsen, kräftigen Fenstereinfassungen und Natursteinquaderwänden geprägt ist: Google maps

    Trotzdem empfindet man keine Eintönigkeit. Ganz im Gegensatz zur Nürnberger Steppe: Beide Städte haben einen Grundtyp eines Hauses entwickelt, den unregelmässigen Strassenraster beibehalten und eine Dachlandschaft geschaffen. In Saint-Malo sind es wohl die hochwertigen Materialien und die Zentrumslage mit vielen individuellen Geschäften, die eine urbane Stimmung erzeugen, im Gegensatz zur Steppe, die abseits des Zentrums liegt und nicht durch hochwertige Materialien besticht.

    Auf dieser Vogelschauansicht blickt man auf die Dachlandschaft von Saint-Malo und kann die Wiederaufbauten mit immer demselben Fassadenmuster leicht ausmachen. Und trotzdem muss ich sagen "Französischer geht es fast nicht mehr".

  • Die Altstadt von Saint-Malo wirkt wie aus einem Guss. Es gibt diesen Häusertyp, der aber in verschiedenen Varianten und Abwandlungen, sowie unterschiedlichen Größen ausgeführt wurde. Aber stets im einheitlichen Farbton. Auch die vielen Schornsteine und Gauben hat man konsequent umgesetzt. Die Straßen sind durchgehend gepflastert. Das macht viel aus.

    In Nürnberg verlief der Wiederaufbau im Anfangsstadium, meines Wissens, zunächst recht vielversprechend und kleinteilig. Doch leider hat er wohl zu lange gedauert. In den folgenden Jahren wurden immer mehr große Strukturen mit unpassendem Fassadenmaterial dazugesetzt. Daher bietet sich heute kein harmonisches Bild. Aus heutiger Sicht eine klare Fehlentscheidung.

  • Es steht außer Frage, dass St. Malo eine gewisse Ortspezifität und Aufenthaltsqualität aufweist. Ob das auch architektonisch-künstlerische Qualitäten aufweist, ist ein anderers (aber auch nicht so vom grünen Tisch zu entscheiden, immerhin etwas!)

    Ich persönlich finde den Sinn solcher Gassen in der Einbettung erhaltener Reste oder hochwertiger Rekonstruktionen.

    Etwa hier zu sehen:

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    In Nürnberg mit seinem Bestand an etlichen verstreuten Altbauten (abseits der Steppe natürlich) hätte dies viel genützt.

    Von der gewählten Aufgabestellung scheint mir St Malo eher Rothenburg zu entsprechen: makrostrukturelles Denken durch adäquate Ergänzung ganzer verlorener Stadträume, um den Stadtorganismus in toto wiederherzustellen.

    Immerhin gibt es ja auch noch solche Fluchten:

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    Neussers historisches Bild zeigt dennoch einen erschreckenden Verlust, denn offensichtlich war die Stadt nicht so barock, wie sie sich heute gibt, sondern sehr wohl noch mittelalterlich. Auf diese Facette scheint der Wiederaufbau nicht sehr viel Wert gelegt haben.

  • Alles in allem gefällt mir der Wiederaufbau sehr gut , vor allem die die Entwicklung des Haustypus mit dem typischen grauen Steinmaterial , den Hohen Schornsteinen und Dächern finde ich sehr Edel. Und es ist so gekonnt gemacht das man von See aus Denken könnte nichts war Kaputt , auch das dass Mittelalterliche gepräge der Stadt nicht in der Form wiederherstellbar war ist verständlich 6,7,800 Jahre Wachstum kann auch ein noch so Sensibler Architekt im Heimatschutzstil nur bedingt nachahmen bzw.wiedergutmachen.