Dresden, Neumarkt - Quartier VI - Patrizia Immobilien

  • Aktueller Stand nach persönlicher Inaugenscheinnahme:


    Die Eck-Kartusche Elimeyer sieht noch so aus, wie von unseren "Fotoreportern" weiter oben präsentiert. Die Ergänzung der Farben Schwarz und Grün beim Wappen steht noch aus. Die Plastik finde ich hinsichtlich der künstlerischen Ausformung wie der Materialität absolut überzeugend. Die goldene Krone über dem Wappen kommt in der Wirklichkeit stärker zur Geltung als auf den Fotos. Insgesamt eine gelungene Eckbetonung oberhalb der prächtigen Ladenzone von ehemals Hofjuwelier Elimeyer und heute A. Lange & Söhne, Uhrenmanufaktur.


    Beim Regimentshaus fehlt die Tür immer noch. Im Erdgeschoss tut sich nichts.


    Das anschließende moderne Wohnhaus von Stellwerk Architekten ist inzwischen bewohnt. Abends sieht es sehr schön aus, wenn in einigen Zimmern Licht brennt. Das Gleiche lässt sich vom gegenüberliegenden, zum Quartier VII gehörenden Eckhaus sagen, dass ebenfalls von Stellwerk entworfen wurde. Bemerkenswert ist, dass beide Eckhäuser völlig verschiedene Fassadengestaltungen zeigen. Die beiden Neubauten vermitteln in vorbildlicher Weise zwischen den historischen Fassaden am Jüdenhof und dem Kulturpalast. Insbesondere zeichnen sie sich durch die bewusste Gestaltung der Ecksituation aus. Sie fügen sich gut in die kleinteilige Bebauung der Neumarktquartiere ein. Die hier im Strang geäußerte Ablehnung seitens einiger Foristen teile ich ganz und gar nicht.

  • Bilder vom heutigen Rundgang. Das Gelände vorm Regimentshaus ist wieder eingezäunt.


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    Letzte Woche hing an der Tür folgendes Schild:


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    Ich habe die Angaben mal geschwärzt. Hier kann man nur spekulieren, dass die bestellte Tür wohl nicht rechtzeitig oder gar nicht geliefert wurde.

    Die Tischlerei hatte auch Türen für die Frauenkirche hergestellt, hat aber wohl eine turbulente Unternehmensgeschichte.

  • Die Türe kommt aber...der Ein-Mann-Betrieb hat wohl mächtig um die Ohren und wenn der mal krankheitsbedingt ausfällt, geht's eben nicht weiter.


    https://www.tag24.de/nachricht…-one-frauenkirche-1354898

  • Ich spielte mich vor sehr langer Zeit einmal mit den Gedanken, eine alte und ziemlich abgeschlagene Doppelfügeltüre gegen eine neue auszutauschen...und mein Haus- und Hof-Tischler meinte, dass ich das besser nicht machen solle und dass es ihm im Herzen weh täte, wenn er das neu herstellen müsste, weil die alten Meister noch zu bestimmten Mondphasen das Holz schlugen und es danach sehr lange trocknen ließen, da sie noch ressourcenschonend und für die Ewigkeit gebaut haben...damals habe ich erst angefangen zu verstehen, dass der geistige Horizont unserer Vorfahren in manchen Wissensgebieten sehr viel weiter war als wir es heute sind und sie nicht nur qualitativ um Welten hochwertiger bauten, sie lebten auch rundum ökologisch einwandfrei in den von ihnen geschaffenen Häusern!


    ...ich glaube mittlerweile wirklich schon, dass die richtigen "Umweltsäue" bei uns als Lobbyisten oder deren Handlangern im Parlament sitzen und mit ihrer nur symptombekämpfenden "Umweltpolitik" dafür sorgen, dass Neubauten heute mit Sondermüll eingepackt werden müssen, Holzfenster durch Kunststoffmist ausgetauscht werden...


    Wie auch immer, ich freue mich schon auf das neue Vollholztor dieses Tischlers für das Regimentshaus! Der Dresdner Neumarkt mit seinen (richtigen) Rekonstruktionen ist Modellbeispiel für ganz Deutschland, wenn man ökologische Nachhaltigkeit wirklich ernst meinen würde ;-)!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Dumme Aktion vom Bauherrn. Hätten Sie die kurze Stellungnahme von Herrn Schulz an die Wand gepinnt, hätten Sie mehr gekonnt, denn dafür hat jeder normale Mensch Verständnis. Hoffentlich lässt er sich bei der Tür trotzdem Zeit. Allein der Satz "Wenn SIe keine Tür brauchen [...]" zeigt ja schon, welche Wertschützung für die Handwerkskunst hier vorliegt.

  • Ich kann den Bauherren schon verstehen, er wartet und es tut sich nichts. Nur sollte der Bauherr auch die Handwerksleut versuchen zu verstehen.....aber gut, die gehässige Bemerkung gegen die Tischlerei ist ja wenigstens noch humorvoll.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Bilder vom gestrigen Neumarkt-Rundgang.

    Ich wünsche allen einen entspannten und hoffentlich nicht zu verregneten Sonntag. :smile:


    Da ist sie, die lang erwartete Tür... Zwar noch zugestellt, aber es dürfte nicht mehr lange dauern, bis wir sie in voller Schönheit bewundern dürfen. :biggrin:

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    Im Erdgeschoss wird mittlerweile fleißig gewerkelt, weiß jemand, was oder wer dort einzieht?

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  • Ich vermute: deutsche Küche. Wäre ja auch nicht unpassend. Deutsche Küche gibt es zum Glück an anderen Stellen des Neumarktes schon. "Dresden 1900" (herrlich sächsisch), Freiberger Brauhaus, Augustiner an der Frauenkirche, Hofbräuhaus in der Frauenstraße (sehr urig), "Am Pulverturm" im Coselpalais (besonders für größere Tourigruppen geeignet). Ich glaube, die Aufzählung ist noch nicht vollständig. Japanische Küche fehlte am Neumarkt noch.


    Die Tür ist übrigens sehr schön. Das Warten hat sich gelohnt. Wird das Holz noch gestrichen? Der Fensterrahmen daneben sieht jedenfalls anders aus.

  • Diese Holztür , fast noch mehr als das Portal, ist ein Traum! Für mich war Barock schon immer "zeitlos", und gleichzeitig immer noch aktuell. Wie sagt man bei der GHND? "Das Schöne ist zeitlos gültig", oder so ähnlich.


    Barock ist modern.


    Die Kulka-Knerer'sche Altherrenriege tobt im Dreieck wenn sie das sieht, und stellt sich vor welch wunderschönen sterilen Glas-Kubus mit Kassenbon-Strichcode Fenstern sie dort hätten hinpflanzen können......Tja, liebe Pseudomodernisten:

    Es hat nicht sollen sein - die Jugend wollte nun mal etwas anderes als Sie und ihre veralteten Dogmen. Get over it.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • In der jüngsten Ausgabe des Neumarktkuriers gibt es einen Beitrag über den Blobel-Bau, der noch einmal die Schwächen dieser Fassade analysiert.

  • Ich weiß nicht was man insbesondere an diesem Gebäude ständig herumkritisiert?Klar, Fachleute finden an der einen oder anderen Rekofassade immer etwas ,was nicht dem Orginal im Detail entspricht.Aber ich als Laie empfinde den sogenannten Blobel-Bau gut gelungen.Man kann letztendlich doch froh sein das sich in wenigen deutschen Städten einige Rekos durchsetzen konnten und das bei dem starken gegnerischen Wiederstand heutzutage.

  • Nur dass es eben keine Reko ist, sondern eine freie Neuschöpfung nach Motiven des Vorgängerbaus. Das ist meiner Meinung nach das Problem: Wer ausschließlich Rekos haben will, ist mit diesem Bau selbstverständlich nicht zufrieden.

    Es ist, wie wenn ein moderner Regisseur eine Aufführung inszeniert: "Faust! Nach Motiven von J.W. von Goethe". Und der Besucher schimpft nach der Vorstellung: was hat der aus Goethes Faust gemacht! Keine Werktreue! Moderner Mist!