Potsdams historische Mitte - Allgemeines und Stadtpolitik

  • Ich finde, wenn ein oder zwei kurze off-Topic Fragen / Statements kommen, ist das in Ordnung. Vor allem dann, wenn es zeitnah passiert, da derjenige der antworten kann, möglicherweise morgen oder 3 Stunden später nicht mehr online ist.


    Mich persönlich interessiert Halbertadt nicht so sehr (weiss ehrlich gesagt nicht mal wie die Stadt aussieht), aber ich finde es in Ordnung wenn Elbegeist hier nachfragt.


    Alles was moderat ist, ist in Ordnung,. Meine Meinung.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Der Exkurs zur "Neo-DDR" ist mal wieder mächtig ausgeufert.


    Zur Frage von Elbegeist:

    Wir haben zu Halberstadt einen eigenen Strang, zu finden unter "Sachsen-Anhalt". Es wäre schon besser, eine solche Frage dort zu stellen, wo der Kontext passt. Aber um kurz zu antworten: Ich weiß nicht genau, welche Straße gemeint ist. Doch allgemein kann man sagen, dass sich Halberstadt ähnlich entwickelt wie andere Städte in Sachsen-Anhalt.


    Um nun wieder auf Potsdam zurückzukommen:

    Potsdam hat sich nach 1990 sehr gut entwickelt, und zwar gerade weil es keine irgendwie geartete DDR mehr gibt. Es ist ja neben Leipzig die Boomtown im Osten.

  • Unify hatte hier vor einiger Zeit das Nauener Tor vorgestellt. Dazu eine Ergänzung:


    Potsdam, Nauener Tor (Foto: Kátai Gyuláné, Sammlung Fortepan, 1979, CC-BY-SA-3.0)


    Zu dieser Aufnahme von 1979 schrieb er:

    Später eher rötlich gestrichen, gefällt mir auch ganz gut.

    Der Eindruck täuscht. Die Farbe ist Gelb, ein schmutzig gewordenes Gelb. Ich war damals selbst dort und kenne Farbfotos des Tores bis in die sechziger Jahre zurück. Das Tor war früher gelb, was mir gut gefallen hat. Ein rötlicher Anstrich hätte auch nicht zu den Backsteinhäusern in der unmittelbaren Nachbarschaft des Tores gepasst.


    Der sicherlich historisch korrekte graue Anstrich verleiht dem Nauener Tor etwas Kulissenhaftes. Und der Bau ist ja auch eine neugotische Architekturfantasie. Das zu DDR-Zeiten verwendete Potsdamergelb sah nett aus, wurde aber der architektonischen Idee des Tores nicht gerecht. Die Änderung der Farbe von Gelb zu Grau erfolgte meines Wissens in den neunziger Jahren.


    Friedrich-Ebert-Straße und Nauener Tor (Foto: JoachimKohler-HB, 19. Februar 2017, CC-BY-SA-4.0)

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    Um nun wieder auf Potsdam zurückzukommen:

    Potsdam hat sich nach 1990 sehr gut entwickelt, und zwar gerade weil es keine irgendwie geartete DDR mehr gibt. Es ist ja neben Leipzig die Boomtown im Osten.

    In diesem Zusammenhang ist auch zu sehen, dass Potsdam von der Wirtschaftsförderung abgenabelt werden wird.
    Die einen sehen es als Bestätigung ihres Kurses - die anderen befürchten, dass zukünftig diverse Projekte und/oder Startups nicht mehr weiterbestehen werden können.
    Diesbezüglich sehe ich den Länderfinanzausgleich ebenfalls mit gemischten Gefühlen - niemand wird zurückgelassen aber Fleiß lohnt sich nicht wirklich, wenn mit den Ergebnissen des Fleißes die arm-aber-sexy-Gegend gepampert werden muss.

    Um den Bogen wieder zurückzuspannen: wenn man nur dann erfolgreich zu sein glaubt, wenn man mitFörderungen (also reduziertem Eigenkapitaleinsatz!!!!) gute Geschäftsergebnisse erzielt, dann gilt der anderenorts geschriebene Satz "Man muss sich seine Kunst auch leisten können" umso mehr.

  • Um nun wieder auf Potsdam zurückzukommen:

    Potsdam hat sich nach 1990 sehr gut entwickelt, und zwar gerade weil es keine irgendwie geartete DDR mehr gibt. Es ist ja neben Leipzig die Boomtown im Osten.

    Nur mit dem kleinen Unterschied das Leipzig im Gegensatz zu Potsdam keine massive Linke Gegenbewegung in Sachen Zentrumsgestaltung an der Backe hat. Wenn es nach den Linken und ihren Initiativen geht, soll die DDR zumindest Städtebaulich in Potsdam dauerhaft weiter existieren.Aber diese Linke Gegnerschaft mit ihrer starren und eigensinnigen Haltung, wird mit der Zeit keinen Rückenhalt aus der Bevölkerung mehr erhalten da ja jeder neutral und nicht politisch verblendet denkende Bürger sieht ,das die Gestaltung der Potsdamer Mitte bisher ein voller Erfolg war und weiter sein wird.

  • Nur mit dem kleinen Unterschied das Leipzig im Gegensatz zu Potsdam keine massive Linke Gegenbewegung in Sachen Zentrumsgestaltung an der Backe hat

    In Leipzig gibt aber auch keine Rekonstruktionen wie in Potsdam. Und es gibt die linke Hochburg Connewitz.

  • Nur mit dem kleinen Unterschied das Leipzig im Gegensatz zu Potsdam keine massive Linke Gegenbewegung in Sachen Zentrumsgestaltung an der Backe hat. Wenn es nach den Linken und ihren Initiativen geht, soll die DDR zumindest Städtebaulich in Potsdam dauerhaft weiter existieren.Aber diese Linke Gegnerschaft mit ihrer starren und eigensinnigen Haltung, wird mit der Zeit keinen Rückenhalt aus der Bevölkerung mehr erhalten da ja jeder neutral und nicht politisch verblendet denkende Bürger sieht ,das die Gestaltung der Potsdamer Mitte bisher ein voller Erfolg war und weiter sein wird.

    Und da sind wir schon wieder mitten in der Politik. Mich wundert es nur, dass die Potsdamer Linke in der "Stadt des preußischen Militarismus" keinen größeren Einfluss hat.

  • Die Linke und ihre linken Initiativen sehen die Stadtentwicklung der Potsdamer Mitte nur aus ihrer eigenen engen linkspolitischen Weltsicht.Dadurch provozieren sie ja immer wieder unnötige Diskussionen und Spannungen in der Stadt.Es ist gerade in Potsdam sehr gut zu beobachten, das die Partei die Linke die Geistig politische Nachfolgepartei der SED/PDS ist.Das erkennt man an ihren dogmatischen Ansichten und Haltungen insbesondere zur GK und Neugestaltung der Potsdamer Mitte.Die Linke kann ja auch durch ihr ständig demonstratives Dagegenhalten keinen großen Einfluss und Sympathien für sich in der Stadt somit erwirken.Und das ist ja auch gut so.

  • Die Linke und ihre linken Initiativen sehen die Stadtentwicklung der Potsdamer Mitte nur aus ihrer eigenen engen linkspolitischen Weltsicht.Dadurch provozieren sie ja immer wieder unnötige Diskussionen und Spannungen in der Stadt.Es ist gerade in Potsdam sehr gut zu beobachten, das die Partei die Linke die Geistig politische Nachfolgepartei der SED/PDS ist.Das erkennt man an ihren dogmatischen Ansichten und Haltungen insbesondere zur GK und Neugestaltung der Potsdamer Mitte.Die Linke kann ja auch durch ihr ständig demonstratives Dagegenhalten keinen großen Einfluss und Sympathien für sich in der Stadt somit erwirken.Und das ist ja auch gut so.

    Es ist aber zu berücksichtigen, dass Potsdam zum Speckgürtel Berlins gehörte. Daraus resultierten z.B. , in der Provinz neidisch beäugte, Vorteile in der Versorgung. Und daraus resultieren wohl die weniger kritische Sicht auf DDR und SED und damit die ca. 30 Prozent Linkswähler im Berliner Raum. Deshalb bin ich etwas verwundert.

  • Es ist aber zu berücksichtigen, dass Potsdam zum Speckgürtel Berlins gehörte. Daraus resultierten z.B. , in der Provinz neidisch beäugte, Vorteile in der Versorgung. Und daraus resultieren wohl die weniger kritische Sicht auf DDR und SED und damit die ca. 30 Prozent Linkswähler im Berliner Raum. Deshalb bin ich etwas verwundert.

    Es würde mich wundern, wenn Potsdam "früher" quasi um Westberlin herumfahrend als Sonderversorgungsgebiet mit dem gleichen Status wie Berlin gesegnet gewesen wäre. In der Familie kann sich keiner wirklich daran erinnern.

    Aus meiner Bernauer Zeit kann ich jedoch sagen, dass gelegentlich in den OGS-Verkaufsstellen unverblümt darauf hingewiesen wurde, dass die bessere Versorgung nur 3 S-Bahn-Stationen entfernt zu finden sei. Zur Erläuterung: Bernau liegt diagonal von Potsdam gesehen am oberen Ende von Berlin.

  • Wie weit reichte räumlich denn die Gehaltszulage für Ostberliner wegen höherer Lebenskosten (nicht zu verwechseln mit der Berlinzulage West)?

  • Man darf in Potsdame nicht Die Linke mit den Anderen verwechseln.


    Während die Linke der Umgestaltung des Alten Markt und Wiederaufbau des Stadtschlosses zugestimmt hat, hat es die Fraktion "Die Andere" abgelehnt. Die Diskussion kann man auf vorangegangenen Seiten sehen, einfach vorblättern oder Konstantindegeer fragen.

  • Man darf in Potsdame nicht Die Linke mit den Anderen verwechseln.


    Während die Linke der Umgestaltung des Alten Markt und Wiederaufbau des Stadtschlosses zugestimmt hat, hat es die Fraktion "Die Andere" abgelehnt. Die Diskussion kann man auf vorangegangenen Seiten sehen, einfach vorblättern oder Konstantindegeer fragen.

    Naja,die Linke und Die Andere sind schon sehr eng miteinander geistig politisch Verwoben Die Andere ist eine radikal linkspolitische Wählergruppe.Die Linke hat sicher nicht aus Überzeugung für die hist.Umgestaltung des Alten Marktes und den Aufbau des Stadtschlosses zugestimmt.Da waren sicherlich irgenwelche Stadtpolitischen Hintergründe der Grund für ihre Zustimmung.Wenn den Linken wirklich etwas an einer städtebaulichen Verbesserung der Potsdamer Mitte läge,würden sie nicht so für den abrissreifen Staudenhofblock kämpfen.In den Köpfen der Linken ist immer noch der politischeGeist der SED manifestiert.

  • @Herr Hermann


    Ich bin mir sicher, dass das Problem der Linken sich auf demographischem Weg erledigen wird. Wer weiß, ob diese Partei es überhaupt bei der kommenden Bundestagswahl überhaupt noch in den Reichstag schaffen wird. Regional wird sie noch eine Weile eine (unrühmliche) Rolle spielen wie zB in Thüringen, aber man sieht ja wie antidemokratisch dort der vom Volk ungewählte MP agiert. Alles wird gut.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Es sind doch wesentlich mehr Gebäude, die abgerissen wurden, wobei ich hier nur die in der Innenstadt erwähne

    Naja.

    Die Wilhelmsgalerie zählt in unserem Zusammenhang einmal überhaupt nicht, da es sich hier um kein Projekt im Zusammenhang von Mitteschön handelte, ja, nicht einmal um eine stadtbildmäßige Verbesserung, mE sogar um das Gegenteil. Dass moderne Bauten in die Jahre kommen und durch ebensolche substituiert werden, ist ein alltägliches Phänomen.

    Die Busüberdachung am Bassinplatz hat ebenfalls mit der Rekonstruktionsdebatte nichts zu tun. Die Teile des RZs sind bisher lediglich Stückwerk und die noch nicht gelöste GK-Debatte und das Forstbestehen des Hauptgebäudes an sich sind jetzt kein so überwältigender Erfolg, auch wenn alles auf nicht schlechtem Weg zu sein scheint. Man sieht halt, wie mühsam alles ist, wenn Vorbebauung besteht.

    Auch was die Plantage betrifft, ist dies eindeutig kein Rekoprojekt.

    Lediglich das Haus der Wasserwirtschaft muss in unserem Zusammenhang man gelten lassen. Aber es bleibt dabei: sehr viel an stadtbildmäßig nötigen Abrissen ist bislang nicht passiert, und damit steht Potsdam nicht alleine da. Stadtschloss samt Quartier Barberini, also das Herzstück der Mitte, und alles, was bisher wirklich fertig ist. Ohne die doch lang erfolgreich gewesene Verteidigung der FHS könnte der Alte Markt schon als Ensemble erlebbar sein.

    Bei dem, was jetzt ansteht, wird der Umstand, dass der Vorbestand aus schütterer Solitärbebauung bestand, im Ganzen sicher förderlich gewesen sein, jedenfalls im Vergleich zur Lage in westlich aufgebauten Städten. Man soll daher die jetzigen Wiederaufbauleistungen im Osten als das würdigen, was sie sind, nämlich großartig, aber dabei nicht über Gebühr verklären.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich bezog mich mit meiner Antwort auf den zweiten Abschnitt deines Textes, dass es nur drei DDR Gebäude in Potsdam gab, die abgerissen wurden. Das ist nun mal falsch und wird den jahrzehntelangen Bemühungen in Potsdam nicht gerecht.

    Die Wilhelm-Galerie ist in meinen Augen eine Verbesserung, sie schließt den Platz der Einheit besser ab, das ist aber natürlich meine persönliche Ansicht.

    Die Busüberdachung hat sehr wohl was mit der Rekonstruktionsdebatte zutun, da sich mit deren Abriss dem historischen Erscheinungsbild ein Stück weit genähert wurde.

    Die Rechnerhalle war wesentlich größer als das Rechenzentrum und ermöglichte mit ihrem Abriss die Wiederherstellung der Plantage, zwar nicht mit ihrem historischen Aussehen, aber weitestgehend in ihren Ausmaßen. Zwar nur ein Teilerfolg auf dem Weg zum kompletten Abriss, aber dennoch sollte er nicht unbeachtet bleiben.

    In der Potsdamer Innenstadt wurde/ wird fast jeder störende DDR Bau abgerissen, der keine Wohnbebauung oder Schulen enthält und das ist dir nicht genug? Mehr ist einfach nicht derzeit vertretbar, auch wenn ich es mir selber wünschen würde. Nenn mir bitte ein Stadt, die nur ansatzweise so weit geht/ging.

    Ich denke niemand verklärt den Wiederaufbau im Potsdam, wenn man einfach mal anerkennt, was hier in den letzten 30 Jahren geleistet wurde.


    Achja, in meinem letzten Beitrag habe ich noch die Feuerwehrwache und den Anbau der Post vergessen, die ebenfalls abgerissen wurden.

  • Die Debatte um Abbrüche von Gebäuden aus den 1970er-Jahren als Anti-DDR-Debatte zu führen ist doch absurd, da es darum gar nicht geht. Diese These entspricht der Legende, die die Anderen und die Sozialisten verbreiten es gehe um eine systematisch Tilgung von Spuren der DDR durch zugezogene Westdeutsche und damit um eine Entwurzelung der Bevölkerung mit DDR-Vergangenheit.


    In den 1970er Jahren wollte die Staatsspitze die Bezirksstadt Potsdam zu einer autogerechten Stadt umbauen und ihr ein neues, damals für modern gehaltenes Zentrum geben. Nach diesem Programm wurde die Altstadt fast vollständig (bis auf die Nikolaikirche, das Alte Rathaus und das Lehmannsche Haus) abgerissen und neu gestaltet. So etwas gab es in den 1970er Jahren überall in Europa, der real existierende Sozialismus bot für solche Umgestaltungen durch die Aussetzung des Eigentumsrechtes nur die besseren Voraussetzungen.


    Die neuen Elemente waren im wesentlichen das Lehrerbildungsinstitut "Rosa Luxemburg", das durch Margot Honecker eröffnet wurde, das Haus des Reisens und das Interhotel. Paralell zu diese Umgestaltung wurden die beiden Fernverkehrsstraßen (heutige B1 und B2) kreuzförmig und mehrspurig mit Gewalt durch die historische Innenstadt gebrochen. Die Inennstadt sollte mit einem Kranz an Hochhäusern umgeben werden. Auch das ist in Westdeutscland nicht unüblich gewesen.


    Die erste frei gewählte SVV, in der naturgemäß kein "Wessi" saß, beschloß mit Blick auf diese Umgestaltung die "behutsame Wiederannährung an den historischen Stadtgrundriß" - dieser Beschluß wurde seitdem etwa 20 mal bestätigt. Die Großbauten der 70er wurden nicht aus architektonischen oder politischen Gründen abgebrochen, sondern wegen ihrer städtebaulich exekutierende Funktion auf die Altstadt. Das Leitbautenkonzept, das die Grundlage für diesem Umbau ist, hat seinerzeit die Stimmen von SPD, CDU, FDP, Grünen und der Linken bekommen - inklusive des Wiederaufbaus des Stadtschlosses als Landtag. Das wird immer gern vergessen.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • die Bezirkshauptstadt Potsdam

    Potsdam war Bezirksstadt ohne "haupt". Es gab in der DDR Kreisstädte und Bezirksstädte und nur eine "Hauptstadt", Berlin.


    das Lehrerbildungsinstitut "Karl Liebknecht"

    Institut für Lehrerbildung "Rosa Luxemburg". Das war die offizielle Bezeichnung. Nach Karl Liebknecht war die Pädagogische Hochschule benannt. Deren Gebäude befanden sich hinter dem Neuen Palais (jetzt Universität Potsdam).