Potsdams historische Mitte - Allgemeines und Stadtpolitik

  • Man darf bitte nicht vergessen, dass es sich in Frankfurt im ein deutlich kleineres Areal handelt. In Potsdam betrifft die Fläche, auf der faktisch fast alles umgebaut wird, etwa 40 (!) Hektar und reicht von der Garnisonkirche bis zum Blücherplatz.
    Hier müssen:
    - alle Hauptstraßenbahnverbindungen verlegt,
    - zwei Bundesstraße umgelegt,
    - vier Großblöcke aus DDR-Zeiten abgebrochen (FH, Feuerwehr, Haus der Wasserwirtschaft, Haus des Reisens),
    - eine Havelbrücke neu gebaut werden.
    Umso einschneidender sind die Veränderungen für die Potsdamer. Im Vergleich zu Lübeck, Frankfurt und selbst Dresden ist das eine völlig andere Dimension.

  • In Potsdam ist das Areal des ehem. Hotels zum Einsiedler gegenüber dem Landtagsschloß im Rahmen einer Konzeptausschreibung vergeben worden. Den Zuschlag bekam die Bürgerstadt AG mit Dietz-Joppien-Architekten. Das Konzept ist eine Sparkassenfiliale.





    (C) Dietz-Joppien



    Der Vorgängerbau:





    (C) akg-images

  • Es handelt sich doch beim "Einsiedler" um einen Leitbau, bei den im wesentlichen der originalgetreue Wiederaufbau der Fassade gefordert wird...wie kann es denn DANN zu einem, meinem Empfinden nach, doch wesentliche abweichenden Entwurf von Dietz-Joppien kommen? Oder reicht zur Erfüllung der Vorgaben schon, wenn auf selbem Grundriß ein Haus mit den historischen Maßen mit einem Dreiecksgiebel entsteht? Kann doch nicht sein, oder?

    Edited once, last by wilmersdorfer: ES hat mir doch keine Ruhe gelassen, wieso Dietz-Joppien einen solchen banalen Bauentwurf abliefern konnten. Es handelt sich beim "Einsiedler" um: ein ein wieder zu erstehendes "Gebäude mit Gestaltelementen mit Leitfunktion im Sinne einer architektonischen Neuinterpretation entsprechend der Leitlinien" (54.Sitzung des Stadt Forums Potsdam zum Thema Leitbautenkonzept vom 11.2.16) ...Na ja, dazu kann man nur sagen...die Neuinterpretation ist echt in die Hose gegangen..(;- ().

  • so weit ich weiß war nur eine kritische Rekonstruktion gefordert und der Giebel. Das hat man jetzt auch bekommen. Ist eben dieser typisch deutsche Zwitter geworden. Um es jedem recht zu machen.

    APH - am Puls der Zeit

  • Der Bau ist eine Karikatur von Geschichte. Aber vielleicht war genau das gewünscht? Mit einer Sparkassefiliale wird die Alstadt an dieser Südlage mit Schlußblick sicher nachhaltig belebt.

  • Es besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass es an der einen oder anderen Stelle noch zu einer (positiven) Überarbeitung dieses Entwurfs kommt.

  • Der Alte Markt, wie er gerade in alter Schönheit wiederersteht.



    Und dann sehe ich mir die FH (mal aus anderem Blickwinkel) an.


    Und gleich nochmal, ein wenig versetzt. Und mir fällt auf: Ich kann mich drehen und wenden wie ich will. Ich kann diesem Ensemble an dieser Stelle der Stadt absolut nichts abgewinnen. Solange der Fremdkörper dort rechts steht, wird sich an der historischen Mitte kaum noch was verschönern lassen.

    Fotos: Autor, 28.05.2016

  • Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) hat sich am 01.06.2016 mit der Bürgerinitiative "Potsdamer Mitte - neu denken" befasst. Die Bürgerinitiative warnt vor weiteren Beschlüssen zur Entwicklung der Potsdamer Mitte. Konkret geht es um den am heutigen Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung anstehenden Beschluss zum Vorgehen mit dem Gelände, auf dem die dem Abriss geweihte Fachhochschule (FH) steht – die sogenannten Blöcke III und IV im Leitbautenkonzept.


    http://www.pnn.de/potsdam/1082091/


    "Die Rathauskooperation nehme mit dem Festhalten an alten Beschlüssen „bewusst ein Auseinanderbrechen des sozialen Zusammenhalts der Potsdamer Stadtgesellschaft“ in Kauf, teilte die Initiative mit und verwies auf mittlerweile mehr als 13 500 Unterschriften beim Bürgerbegehren „Kein Ausverkauf der Potsdamer Mitte“.


    Entschuldigt bitte für diesen Ausdruck, aber selten habe ich so einen Unsinn gelesen, wie in der obigen Passage. Ich muss mich schon fragen, wer seit geraumer Zeit versucht die Politik dieser Stadt, durch eine außerparlamentarische Oposition (APO), zu bestimmen und die Uhr zurückzudrehen. Sicher nicht der Bürgermeister oder die Rathauskooperation.


    Soll die Rathauskooperation und der Bürgermeister warten, bis die Bürgerinitiative ihre Unterschriften gesammelt hat? Man könnte meinen die Bürgerinititiative hätte Torschlusspanik (siehe Flugblatt). Bitte wartet bis wir die 14.000 Unterschriften gesammelt haben, denn wir möchten den Städteumbau auch zukünftig bestimmen.

  • Und dann sehe ich mir die FH (mal aus anderem Blickwinkel) an.

    Da ist Dir aber ein sehr gutes (?) Bild gelungen. Noch nie hat mich die FH so wenig im Stadtbild gestört wie auf diesem Bild. Aber das zweite zeigt dann doch wieder warum die FH von dieser Stelle irgendwann weg muss.

  • Meiner Meinung nach arbeitet diese überflüssige Initiative gegen das eigene Stadtbild. Kein normaler Mensch tritt für den Erhalt von Bausünden ein.

    Diese Leute sind eben hoffnungslos obstinat und verbohrt, stur bis dort hinaus, anders kann man das wohl nicht ausdrücken.

  • Schon klar, wenn die Stadtverordneten konsequent bleiben und erneut das beschliessen, was sie seit 25 Jahren in 17 Beschlüssen dokumentiert haben ist das "ein Auseinanderbrechen des sozialen Zusammenhalts der Potsdamer Stadtgesellschaft".
    Dieser schwachsinnige Satz zeugt zwar von gesundem Selbstbewußtsein der Initiatoren, bleibt aber Unsinn. Wenn man jetzt nach der langjährigen, stets bestätigten Beschlußlage die Richtung wechselte wäre das schwierig und schwer erklärbar, nicht umgekehrt.
    Trotzdem fährt die Sache durch das mehr als unglückliche Agieren des OBs immer mehr vor die Wand. Im Fussball nennt man so ein Verhalten "den Gegner aufbauen".

  • Beim "Einsiedler"-Nachfolgebau fehlt der Dreiecksgiebel über dem Obergeschoss im Dach. Damit hätte das Gebäude Ähnlichkeit mit dem Neuen Museum.

  • Die Nutzungsideen klingen ja auch wieder sehr verzweifelt. "Austauschort für Wissenschaft und Gesellschaft" hä? Dass Bibliothek und Volshochschule das marode Gebäude als Erweiterung brauchen oder sich auch nur dafür interessieren möchte ich doch stark bezweifeln.


  • Trotzdem fährt die Sache durch das mehr als unglückliche Agieren des OBs immer mehr vor die Wand. Im Fussball nennt man so ein Verhalten "den Gegner aufbauen".

    Das ist wohl wahr. Vor allem hätte man mit den Abrissplanungen für das Mercure noch ein paar Jahre warten sollen. Dennoch glaube ich nicht dass sich diese reaktionären Typen in der zu erwartenden Bürgerbefragung durchsetzen werden.

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Auch in diesem Bericht oder auf dem Flugblatt der Bürgerinitiative "Potsdamer Mitte - neu denken" habe ich konstruktive Ideen wieder einmal vermisst.


    War denn jemand heute bei der Stadtverordnetenversamnlung und kann berichten?

  • Das ist wohl wahr. Vor allem hätte man mit den Abrissplanungen für das Mercure noch ein paar Jahre warten sollen. Dennoch glaube ich nicht dass sich diese reaktionären Typen in der zu erwartenden Bürgerbefragung durchsetzen werden.

    Der Fehler bestand wohl darin, den Eindruck zu erwecken, der Abriss des Mercure stünde kurz bevor. Die Abrissgegner haben an dieser Legende ja auch kräftig mitgestrickt. Trotzdem halte ich es für richtig, dass die Stadt planungsrechtlich die Hand darauf hält, bevor der Hoteleigentümer eine Rundumsanierung durchführt. Bis es tatsächlich zum Abriss kommt, dürften ohnehin noch etliche Jährchen ins Land ziehen.

  • Bis es zum Abriss des Mercures kommt,werden in diesen dann noch ettlichen Jährchen diese Neudenker die Stadtverantwortlichen und die Bürger die das Begehren nicht unterschrieben,weiter nerven und verbissen für dessen Erhalt kämpfen .Darauf muß sich die Stadt einstellen.

  • Der OB hat aber berichtet, dass er mit den Eigentümern über einen Ankauf verhandelt und im Juli erklären will, wie weit er mit dem Plan ist. Dann braucht man sich nicht zu wundern.


    Wenn aber die rund 40 Grundstücke der historischen Mitte - bis auf die drei Leitfassade - alle in dem "Sparkassenstil" des neuen Einsiedlers oder der neuen Alten Post errichtet werden, wird die Altstadt eine Geisterbahn. Böblingen 3.0.


    Das Leitbautenkonzept inkl. FH-Abriss ist im übrigen nochmals von der SVV beschlossen worden - mit großer Mehrheit über die Rako hinaus. Nur die beiden Linksparteien haben dagegen gestimmt.