Potsdams historische Mitte - Allgemeines und Stadtpolitik

  • Pläne der Potsdamer Verwaltung zur Wiedergewinnung der Potsdamer Mitte


    In der heutigen PNN konnte man lesen, dass der Kopfbau der Fachhochschule hinter der Simulation des einstigen Knobeldorff-Hauses "Alter Markt 17" verschwinden soll, damit sich die Bürger ein Bild davon machen können, wie der Markt mit diesem Leitbau (MIT historischer Fassade) wieder aussehen soll.


    Also..im Grunde die gleiche Initiative, die auch v. Boddien ganz zu Anfang mit dem Berliner Schloß startete.


    Ich finde die Idee ganz ausgezeichnet und frage mich nur, wieso die Stadtverwaltung nicht schon längst auf diese Idee gekommen ist!
    http://www.pnn.de/potsdam/1099342/

  • Wirklich eine tolle Idee, auf die man schon längst hätte kommen können! :thumbsup:


    Allerdings kann die endgültige Platzwirkung nur angenähert zu erleben sein, weil die FH ja viel weiter in den Platz und an das Schloss ragt als die historische Bauflucht, zumal da dann ja auch noch das Haltegerüst davorkommt. Hauptsache, man muss den scheußlichen Kasten dann nicht mehr sehen. :thumbup:


    Das hätte man in noch größerem Umfang machen müssen, dann wären bestimmt nicht so viele Unterschriften zusammengekommen.

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Keine dieser Genossenschaften hat in den letzetn 20 Jahren ein Neubauprojekt mit einer Kaltmiete von weniger als 13 Euro /qm initiieren können - insofern ist der Vorschlag zwar nachvollziehbar aber kaum zielführend. Zudem gehören den genannten Genossenschaften doch schon die Mehrheit der Alstadt - warum sollte man den größen Großgrundbesitzern noch mehr Grundstücke geben?

  • Stimmt nicht. DIe Karl Marx baut neu an der Saarmunder Str. für 9́€/qm. Und für "Mehrheit der Altstadt" hätte ich gern mal belastbare Zahlen. Zumal es eine Altstadt in Potsdam nicht gibt. Es gibt eine Kernstadt innerhalb der Kanalgrenzen, und es gibt drei barocke Stadterweiterungen. Wenn diese ursprüngliche barocke Anlage insgesamt als "Altstadt" gezählt wird, also bis zu den Stadttoren, gehören den Genossenschaften doch wohl kaum >50% der Grundstücke, oder?

  • Also im Netz ist einiges zum "Quartier Waldgarten" zu finden. Da erklärt in der Tat ein Genosseschaftsprecher, man wolle "ohne Fördermittel" für 9 Euro/qm vermieten (http://www.pnn.de/potsdam/1060840/http://www.pnn.de/potsdam/1060840/). Ob das wirklich der Wert im Schnitt über alles ist, steht da nicht. Ich kann mir das nur vorstellen, wenn das Grundstück entweder schon im Bestand war (Nachverdichtung). Das wäre ja beim Alten Markt anders.


    Die eher vergleichbaren Holländerhäuser am Bassinplatz liegen bei rund 13 Euro/qm NKM.


    Und natürlich gibt es eine Altstadt. Diese ist im Süden von der Havel und sonst vom Verlauf des Stadtkanals begrenzt. In diesem Gebiet gehört die weitaus überwiegende Zahl der WE den Genossenschaften. Darüber hinaus ist das gesamte Quartier Wilhelmplatz/Charlotten-/Französische Straße um Am Kanal in genossenschaftlichem Besitz (oder gibt es ein paar wenige Privatwohnungen?). Auf der anderen Seite der Französischen Straße stellt sich das nicht anders dar. Das Hochhaus an der Charlottenstraße/Am Kanal (mit dem Fahrradladen unten drin): genossenschaftlich.


    Reicht's erstmal - das müssten in der Innenstadt etwa 7-9000 Wohnungen sein, allein im Zentrum Süd (östlich des Alten Rathauses) sind es etwa 5.000 Einheiten).

  • Wenn man Altstadt = Kernstadt innerhalb der Kanalgrenzen setzt, dann stimmt das mit der genossenschaftlichen Mehrheit. Je weiter innen wir sind, desto weniger Altbausubstanz und desto mehr genossenschaftlich errichtete Nachkriegs-Neubaublöcke gibt es. Für den Rest der barocken Innenstadt stimmt es nicht. Aber das ist eine Marginalie, mir ging es mit dem Beitrag darum, dass die nicht unreale Gefahr einer erfolgreichen Volksabstimmung gegen den FH-/Interhotel-Abriss durch Aussicht auf eine genossenschaftliche Bebauung geringer wird. Weil Genossenschaften in dem Ruf stehen, einigermaßen sozialverträglich zu bauen. Denn sie sind, anders als die üblichen Bauunternehmer, nicht primär auf die Erziehlung von Gewinn ausgelegt.

  • Richtig, in den barocken Stadterweiterungen stimmt es nicht mehr mehr mit der Dominanz der Genossenschaften. Im fragelichen Altstadtbereich ist es aber eben augenfällig und - wie ich finde - keine Marginalie, da die ehem. kleinteilige Eigentümerstrauktur auf diese Weise hingerichtet wurde.


    Sollte es zu einer Übereignung eines Blockes der FH an die Genossenschaften kommen, werden sich die Gegener schnell die letzten Projekte (Holländerhäuser am Bassinplatz) der Genossenschaften anschauen, wo fast 13 Euro pro qm verlangt werden - und dann wäre der Argumentationvorteil dahin. Anders als gedacht ist natürlich auch eine Genossenschaft dazu gezwungen wirtschaftlich zu arbeiten und Gewinn zu erwirtschaften - schliesslich muss irgendjemand auch den Apparat, die Instandhaltung und die Neuacquise von Projekten bezahlen.

  • Ja, da kann ich mitgehen. Viele Abrissgegner (bzw. entsprechende Ankreuzer bei einer Volksabstimmung) sind allerdings selbst Wohnungsgenossenschaftler. Der prototypische Stern/Schlaatzbewohner, der die Innenstadt nur einmal im Jahr zum Weihnachtsmarkt besucht, aber reflexartig gegen jeden Abriss von DDR-Architektur und nachfolgenden Verkauf an die bösen Kapitalisten ist. Genau die Leute, die schon bei den Unterschriftensammlungen am einfachsten zu mobilisieren waren. Wenn jetzt die eigene Genossenschaft dort tätig werden will, werden viele zumindest einmal darüber nachdenken, worüber sie eigentlich abstimmen. Es wird natürlich auch darauf ankommen, wie gut die Genossenschaften ihren Mitgliedern die Projekte intern vermitteln können. Das halte ich für nicht ganz unbedeutend, weil im Ernstfall jede Stimme zählen wird.

  • Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) und Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) haben sich am 04.08.2016 mit der "historischen Mitte" beschäftigt und beide Tageszeitungen stimmen ein positives Echo an, nachdem bekannt geworden war das die vier großen Wohnbaugesellschaften in die neuen Quartiere investieren wollen.


    http://www.maz-online.de/Lokal…len-auf-FH-Gelaende-bauen
    (Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, 04.08.2016)


    http://www.pnn.de/potsdam/1101224/
    (Quelle: Potsdamer Neuste Nachrichten, 04.08.2016)

  • Handelt es sich wirklich um Genossenschaften? Also werde ich Miteigentümer als Mitglied durch den Genossenschaftsanteil und erhalte einen Dauernutzungsvertrag für meine Wohnung?

  • Ja, den genannten Genossenschaften gehöhren schon jetzet zusammen etwa 70 Prozent des Wohnungsbestandes in der Postdamer Altstadt. Beim letzten Neubauprojekt (kleines holländ. Viertel an der Franzsischen Kirche) kamen Nettokaltmieten von 13,0 Euro/qm raus.

  • Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) hat sich am 10.08.2016 mit der Verhüllung der ungeliebten Fachhochschule (FH) am alten Markt beschäftigt. Stadtsprecher Markus Klier dementierte Ende Juli Pläne zur Verhüllung der im Potsdamer Rathaus ungeliebten alten Fachhochschule – frei nach Christo, rechtzeitig vor der Eröffnung des Kunstmuseums im wieder aufgebauten Palast Barberini am anderen Ende des Alten Marktes. Nun wird bekannt, dass es im Rathaus schon 2015 erste Gespräche gab.


    http://www.maz-online.de/Lokal…viel-laenger-im-Gespraech

  • @ Konstantindegeer: Heimdall ist dafür dankbar das ich den Bericht eingestellt habe, wenn dieser Bericht auch für dich uninteressant sein sollte.

  • Kehren wir zum Thema "historische Mitte" zurück, denn die Wohnbaugesellschaft ProPotsdam hat einen Überraschungscoup gelandet und möchte mit dem Bau von Sozialwohnungen den Gegnern die Luft aus den Segeln nehmen.


    Neben vier Wohnungsbaugenossenschaften will nun auch die kommunale Immobilienholding Pro Potsdam in der Mitte bauen – das Grundstück gehört ihr schon. Hintergrund ist offenbar das laufende Bürgerbegehren gegen den Abriss des Staudenhofs.


    http://www.maz-online.de/Lokal…ll-den-Staudenhof-bebauen
    (Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, 12.08.2016)

  • Na, ein "Überraschungscoup" ist das nun wirklich ist. Da es für sozialen Wohnungsbau nur Zinsverbilligung als Fördermittel gibt rechnet sich das für niemanden, wenn die Stadt selbst mit ihrer Wohnungbaugesellschaft keinen Grundstückspreis zahlen muss aber geht es.


    Insgesamt sind jedoch Zweifel angebracht ob die Altstadt unter der Bauherrschaft der Pro Potsdam und der Genossenschaften hier wirklich qualitätvoll wird. Von keiner der genannten Gesellschaften habe ich bis dato einen guten, differenzierten und hochwertigen Bau gesehen. Von dem ursprünglichen Konzept "Bürger, kauft Eure Stadt" ist jedenfalls nichts mehr übrig geblieben. Urbanität in staatlicher Regie - bis dato ist das immer schiefgegangen.

  • Hier sollte man sich wirklich überraschen lassen. Aber da der Staudenhof bis 2023 noch Bestandschutz hat, wird sicher noch einige Male darüber berichtet.


    Wichtiger ist auf jeden Fall erstmal das die Fachhochschule (FH) im Dezember 2017 zurückgebaut wird um Platz zu schaffen für das neue Quartier. Bei der Online- Petition sieht es ja nicht so gut aus, also wer noch nicht unterschrieben hat sollte es jetzt tun.

  • Der Staudenhof hat soll bis 2021 bleiben, so haben es die Stadtverordneten beschlossen. Das sind ja bloß noch 5 Jahre. Es werden ja in jedem Fall Altmieter mit Dauerverträgen übrigleiben, denen man ein gutes Angebot machen muss. Ob das der Pro gelingt? Na, abwarten.


    Die Online-Petition hat in Potsdam keine Wirkung. Hier muss sich nun die Stadt gegenüber dem Bürgerbegehren verhalten. Die rechtliche Prüfung ist sicher abgeschlossen. Am 14. September muss sich die SVV positionieren. Z.Zt. sieht ja alles danach aus, dass man das Mercure stehen (Aufreger rausnehmen) und über die FH-Frage abstimmen läßt. Wenn die Genossenschaften und die Pro Potsdam mit der Umsetzung betraut werden müssten die Bürger dann gegen sozialen Wohnungsbau stimmen.