Potsdams historische Mitte - Allgemeines und Stadtpolitik

  • Sagen wir mal so, der Neubau einer Fachhochschule hatte nach dem Krieg seine Berechtigung (wenn auch nicht unbedingt an dieser zentralen Stelle, trotz zentraler Bedeutung des Wiederaufbaus).
    Die Arbeiter sollten zu gebildeten Ingenieuren werden und das Land aufbauen.
    Die früheren Strukturen hatten ja geistig und moralisch abgewirtschaftet.
    Deshalb erschien es logisch: großflächiger Abriss und Neugestaltung.


    Ähnlich im Westen: Hier waren es nicht die Kommunisten, sondern die Modernisten.


    Nach 40 Jahren aber zeigte sich, dass sowohl Kommunisten als auch Modernisten keine überzeugenden Konzepte mehr hatten. Wird man nun in einer solchen Epoche groß und identifiziert sich mit seiner Stadt, so sollte man sich als Mensch auch weiterentwickeln und erkennen, dass beständige Veränderung das einzig Konstante auf unserem Planeten ist. Das setzt aber Offenheit gegenüber Neuem voraus. Dazu ist es aber genauso wichtig, die Formensprache der damaligen Zeit nicht komplett zu tilgen, denn ohne Herkunft keine Zukunft. Und deshalb ist es um so schöner, dass ein Architekt das FH-Kreuz in einen Fassadenentwurf der Neubebauung integriert hat. Somit bleibt ein Identifikationssymbol erhalten. Beim Warenhaus am Alexanderplatz wurde dieses zum Beispiel nicht berücksichtigt, weshalb der Modernistenkasten absolut belanglos wurde.


    Wenn man also einen Weg findet, um Uraltes, Altes, Junges und Neues in Potsdam zu einem identitätsstiftenden Ganzen zu formen, dann findet jeder seinen Platz und das schafft Lebensqualität. Verletzte Seelen sind wie verletzte Städte, sie brauchen Beistand, Heilung und eine Zukunft. Und Beistand heißt, dass man ihrem Anliegen genauso wie dem eigenen versucht, gerecht zu werden.

  • Ich würde Herrn Effenberg nicht unbedingt ein verstecktes Motiv unterstellen wollen. Vielleicht will er einfach das sagen, was er sagt: dass sein Potsdam verschwindet. Dazu hat er doch auch ein Recht, oder?

  • Goldstein,wie könnte ihrer Meinung nach dieser Weg aussehen um Uraltes,Altes,Junges und Neues in Potsdam zu einem Indentitätsstiftenden Ganzen zu formen wo letztendlich jeder seinen Platz findet?

  • Ur Potsdamer,wenn Herr Effenberg vielleicht im Terrassenrestaurant Minsk ständig essen gegangen ist und Tanzveranstaltungen besucht hat,in der Schwimmhalle am Brauhausberg schwimmen gelernt hat,an der FH studiert hat,dann im RZ über Jahre gearbeitet hat und im Staudenhof wohnte, dann kann ich ihn verstehen,das es für so einen "Alteingesessenen" ein"Heimatverlust",zumindest was Gebäude betrifft verstehen.
    Aber das trifft wohl für die aller,aller wenigstens Potsdamer zu.Höchstens beim Minsk und Schwimmhalle.
    Hier wird schnell mal der Begriff"Heimatverlust"leichtvertig in den Mund genommen.Was sollen die Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten sagen oder Heimatvertrienbene Flüchtlinge in Syrien,Vertriebene in Afrika usw.....Und dann schreibt ein Potsdamer in einem sehr ausführlichen Gastkommentar in einer großen Potsdamer Zeitung über"Heimatverlust"in Potsdam.Schon stark!!

  • Hier wird schnell mal der Begriff"Heimatverlust"leichtvertig in den Mund genommen.Was sollen die Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten sagen oder Heimatvertrienbene Flüchtlinge in Syrien,Vertriebene in Afrika usw.....Und dann schreibt ein Potsdamer in einem sehr ausführlichen Gastkommentar in einer großen Potsdamer Zeitung über"Heimatverlust"in Potsdam.Schon stark!!

    Naja, es gibt halt großen und kleinen Heimatverlust, wie es schwere und leichte Krankheiten gibt. Natürlich sollte man nicht übertreiben, aber Verlustgefühle sind etwas sehr subjektives und dürfen durchaus artikuliert werden, sonst dürfte man ja gar nicht mehr beschweren,trauern, jammern, kritisieren, was auch immer, denn man findet immer jemanden, dem es schlechter geht. Aber ja, ab und an mal ein Abgleich mit anderen Realitäten schadet nicht.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • Indem die identitätsstiftenden Merkmale geachtet werden.
    Beispiele: FH-Sterne, öffentlich zugängliche Mitte (Teilhabemöglichkeit), gleichzeitig Rückkehr der Schönheit der Altstadt und durch Teilhabe und Erlebnismöglichkeit neue positive Besetzung dieser Quartiere als Weiterentwicklung der Stadt (damit keine Ausgrenzung von Ur-/DDR-Potsdamern)


    Identifizierung absolut erhaltenswürdiger DDR-Bauten (hier wird meist die fehlende Schönheit durch die Authentizität des Ortes aufzuwiegen sein)


    Ermöglichung der Einbeziehung von Teilen des Rechenzentrums in den Langen Stall. Hier ist die Kreativität der Künstler gefragt.


    Insgesamt keine feindliche Negierung der DDR-Realität, sondern Akzeptanz und Implementierung in die sich weiter entwickelnde Stadt. Nur durch diese Achtsamkeit würde vermutlich sogar der 3-Kirchen-Blick wiederkommen, da sich alle in der Stadt wiederfinden und ihre Lebensgeschichte an den für sie bedeutsamen Orten erzählen können und sich dann Mehrheiten für Projekte bilden, die sonst undenkbar waren.

  • Quote from karou

    Naja, es gibt halt großen und kleinen Heimatverlust, wie es schwere und leichte Krankheiten gibt. Natürlich sollte man nicht übertreiben, aber Verlustgefühle sind etwas sehr subjektives und dürfen durchaus artikuliert werden, sonst dürfte man ja gar nicht mehr beschweren,trauern, jammern, kritisieren, was auch immer, denn man findet immer jemanden, dem es schlechter geht. Aber ja, ab und an mal ein Abgleich mit anderen Realitäten schadet nicht.

    Ja, so ungefähr. Jeder muss laufend "Heimatverluste" in Kauf nehmen - eine Stück Autobahn oder auch nur eine neue Stadtumfahrung durch ein vormaliges Naherholungsgebiet, den Abriss eines liebgewonnenen Hauses in der Umgebung, diverse Umgestaltungen der näheren Umgebung...
    alles in heutiger Zeit eher traurig und eine Wendung zum Schlechteren.
    Allerdings den Verlust einer "Fachhochschule" oder eines "Rechenzentrums" zu beweinen, noch dazu im gegenständlichen Zusammenhang, hat schon etwas sehr bemüht Skurriles und ist mit Recht der Lächerlichkeit preiszugeben.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich weiß nicht ob, die Potsdamer wirklich so an den DDR Gebäuden hängen und einen Heimatverlust dadurch empfinden das sie abgerissen werden,wie es immer so dargestellt wird.Man muss da vorsichtig sein.
    Mir kommt es langsam vor,hier wird von bestimmten Kräften der Stadt eine Bürgermeinung konstruiert und den Leuten etwas eingeredet.Am Ende glauben sie noch daran.
    Welchen Heimatlichen Bezug hatt ein Potsdamer der am Stern,Drewitz,Babelsberg oder Waldstadt wohnt zur FH,RZ und ,Staudenhof ?!
    Wenn diese Gebäude nicht mehr da sind,ist dann Potsdam gleich nicht mehr Heimat für die aPotsdamer(Alteingesessenen)bzw.nicht mehr lebenswert?!
    Ich denke das Problem liegt darin das viele nur eine Scheu vor Veränderungen haben.Wenn sie auch zum besseren führt.Aber nach diesen Leuten mit diesem Denken, kann sich die Stadtmitte zukünftig städtebaulich nicht ausrichten.

  • In diesem Artikel arbeitet Herr Effenberg seine Vergangenheit auf. Er spricht aus seinen Erinnerungen als Kind und wie er, als Erwachsener, Potsdam heute erlebt. Hier handelt es sich um die Meinung eines Einzelnen, die Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) aber perfekt in Szene gesetzt hat.

  • Jetzt ist ja schon häufiger darauf hingewiesen worden, dass es ja völlig ok sei wenn der Mann in Erinnerungen schwelgt und wir ihne nicht für die emotionale Komponente, die solch eine Stadtentwicklung hat, verurteilen sollten.
    Das ist auch alles komplett richtig und ich verurteile den Mann auch nicht, weil er das Gefühl hat, dass die Orte seiner Jugend verschwinden.
    Ich verurteile den Mann, weil er die Dinge total undifferenziert darstellt. Er erzählt nur wie schön es war in den Dreckecken der DDR-Provisorien zu spielen, ist aber nicht mal in der Lage zu sagen, dass die Veränderungen auch positive Effekte haben. ICh erwarte auch nicht, dass der Mann diese Veränderungen zu 100% als positiv wahrnimmt. Das liegt ja im Ermessen jedes Einzelnen. Aber wirklich kein nettes Wort für Potsdam zu finden und stattdessen so zu tun als währe Potsdam nun für zukünftige Generationen weniger lebenswert ist einfach nur erbärmlich.

  • Bei mir funktioniert die Webcam auf dem PC. Lösch doch mal deinen Browser Cache.
    Auf dem Ipad/ Iphone zeigt der bei mir das Bild immer nur als Teilbereich. Scheinbar kann der Safari Browser das Bild nicht raus zoomen.

  • Das ist gut so. Endlich Ist die Nikolaikirche einen über vierzigjährigen architektonisch unangenehmen Nachbarn los. cclap:):foto:
    "Jetzt werden ja so nach und nach"viele" "AltPotsdamer" ihrer Heimatstadt den Rücken kehren,und die "AltPotsdamer"die bleiben,nur noch ungern in Potsdam wohnen.Denn das ist ja bald nicht mehr "ihr Potsdam" was sie aus ihren"Kinder und Jugendtagen"kennen.Zukünftig ein Potsdam ohne FH,altem Schwimmbad,RZ ,Staudenhof usw ist für diese Leute dann sicher schwer zu ertragen."

  • Heute sollen mal Fotos vorgestellt werden, die aus einer neuen Perspektive aufgenommen wurden. Viel Zeit bleibt ja nicht mehr. Allerdings wurde heute wohl nichts gebaggert, denn die Maschine stand vormittags mit offener Motorhaube auf dem Platz.


    Blick aus dem Landtags-Schloss über die Ringerkolonnade und den Steuben-Platz auf das Baufeld


    Aus einem kleinen Beratungsraum geschaut: Alter Markt.


    Da musste man sich aber weit aus dem Fenster lehnen...


    Alter Markt mit Obelisk, Altem Rathaus, Fortunaportal und Schloss


    Hier ist der Standort der Balkon der Kantine des Landtages.


    Im Hintergrund der "Staudenhof"



    Von der Schloßstraße aus gesehen.




    Fotos: Autor, 10.08.2018

  • Von der Schloßstraße aus gesehen.

    Fotos: Autor, 10.08.2018

    Vorgeschlagene Bildüberschrift: "Auferstanden aus Ruinen..."


    (Danke für die schönen Bilder!)

    _______________________________________
    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Wir haben vor geraumer Zeit über den Gastbeitrag in Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) von Herrn Effenberg diskutiert. Nun haben Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) einige Leserbriefe zum Artikel gedruckt und dort gehen die Meinungen sehr weiter auseinander.


    http://www.pnn.de/potsdam/1309764/
    (Quelle: Potsdamer Neuste Nachrichten, 10.08.2018)


    Was mir als Leser direkt auffällt, hier soll Stimmung gemacht werden, gegen den "bösen" Wessi und es fallen auch wieder Begriffe wie "Disney Land". Ich habe das Gefühl, dies sind Meschen die einfach die Vergangenheit zurückhaben wollen.