Das Dresdner Schloss

  • Quote from "Oktavian"

    Es ging Hubert Ermisch 1924-36 darum, möglichst originalgetreu den barocken (zugegebenermaßen fiktiven Ideal-)Zustand des Zwingerhofes wiederherzustellen, so wie er durch die Stiche Pöppelmanns dokumentiert ist. Und dort stand an der Stelle natürlich kein FAI-Denkmal, sondern da gab es/waren vorgesehen die jetzt dort befindlichen Brunnen und Gartenanlagen.


    Danke für die Erläuterung, lieber Oktavian! :-)

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehenbleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Anlässlich der Wiedereröffnung des Hist. Grünen Gewölbes erschien am 26./27. August 2006 (Wochenendausgabe) eine 16-seitige Sonderbeilage der Sächsischen Zeitung. Sehr interessant, wobei zwischenzeitlich vieles davon immer mal wieder in diversen Artikeln/Reportagen auftauchte. Ich habe aber mal 3 Auszüge aus obiger Quelle zusammengestellt, von denen ich glaube, dass die meisten diese Informationen noch nicht oder noch nicht vollständig kennen. Es geht um Geschichten rund ums Schloss, vor allem aber um Menschen, die sich mit viel Herzblut für das Schloss verdient gemacht haben. Auszug Nr. 1 handelt von Gerhard Glaser, ab 1982 Chef des Dresdner Instituts für Denkmalpflege, ab 1990 Sächsischer Landeskonservator.




    Im nächsten Auszug geht es um Joachim Menzhausen, von 1960 bis 1992 Direktor des Grünen Gewölbes, also der Vorgänger von Dirk Syndram. Zum nachstehenden Text sind einige Vorbemerkungen erforderlich, weil das vielleicht nicht allgemein bekannt ist (ansonsten sorry).
    Die Ausstellung „Der Menschheit bewahrt“ war am 8. Mai (Staatsfeiertag – Tag der Befreiung) 1959 in Dresden eröffnet worden. Sie zeigte den Dresdnern die 1958 zurückgegebenen Kunstschätze des Grünen Gewölbes. Schon im Titel der Ausstellung artikulierte sich die Geschichtslüge – die offizielle Version lautete nämlich so: Die Kunstschätze waren von der Roten Armee – zumeist aus feuchten Stollen u. ä. (stimmt schon mal gar nicht) - geborgen und vorsorglich aus dem kriegszerstörten Dresden in die Sowjetunion gebracht worden (also gerettet worden). Nach ihrer Restaurierung wurden sie dann „planmäßig“ zurückgegeben.
    Nach dieser Ausstellung verschwand erst mal alles im Depot, verständlicherweise, es gab in der zerstörten Stadt keinen adäquaten Ausstellungsort. Die Dauerausstellung im Albertinum wurde dann 1974 eingerichtet.




    Abschließend noch eine kleine interessante Story, wie die Franzosen halfen, das Wappenzimmer im Grünen Gewölbe historisch möglichst exakt zu rekonstruieren. Das Wappenzimmer gehörte ja zu den drei hofseitigen Räumen, die 1945 vollständig ausgebrannt waren. Der Textauszug stammt aus einem Bericht, in dem ein Rundgang durch das G.G. geschildert wird (dies nur zur Erklärung, damit man den Anfang versteht).


  • Quote from "saibo"

    Ich verstehe nicht, wieso Kunsthistoriker die Bauten aus der Kaiserzeit immer dermaßen diffamieren müssen. Meiner Meinung nach war das Zentraltheater ein außerordentlich schönes Gebäude.
    Was soll diese Aufzählung diverser Bausünden? Muss man solche Fehler denn wiederholen? Oder will man neue Bausünden durch alte entschuldigen?


    Sorry Ihr Leute: Aber einfach nur viele Schnörkel an der Fassade (das gilt auch übrigens für heutige sog. "traditionelle" Neubauten") sagt noch lange nichts über die künstlerische Qualität aus. Die Dresdner (Spät-)Barockbauten zählten gerade in ihrer unverwechselbaren Schlichtheit zum Elegantesten, Besten und Schönsten, was ganz Europa zu bieten (gehabt) hatte. Aus diesem Grunde möchte ich den Wiederaufbau am NM (und gerne auch anderswo).
    Das meiste, was an ihre Stelle kam (v. a. an der Brühlschen Terrasse) was schlichtweg nur Schwulst und Gründerzeitplunder....

  • Am 28.05.2008 meldete das Finanzministerium:



    Zunächst eine kurze Randbemerkung:
    Die Formulierung
    * Die Projektleitung obliegt der Schlosskommission unter Leitung des Finanzministeriums und dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB).*
    ist mir zum ersten Mal in der großen Pressemitteilung des SMF vom 21.01.2008 aufgefallen. Diese Angabe (Wem obliegt die Projektleitung) war analog (fast) immer in diesbezüglichen Pressemitteilungen des SMF enthalten gewesen. Aber vor dem 21.01.2008 hieß es da:
    *…erfolgt unter Projektleitung des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB)…*, keine Rede davon, dass die Schlosskommision (die gibt es schon länger) in der Projektleitung „mitmischt“.
    Hier scheint eine Umstrukturierung im „Entscheidungsmanagement“ stattgefunden zu haben. Aufgrund des Datums könnte man vermuten, dass das mit der damaligen Benennung von Tillich als Finanzminister zu tun hat.


    Zu dieser Schlosskommission finden sich in der SMF-Broschüre Darlegungen auf Seite 53.



    Nun ein paar Überlegungen zu den obigen Kostenangaben.
    Ich habe unter Verwendung der neuen „Stützstellen“ mal das Kostendiagramm aktualisiert:



    In Bezug auf die (bisher) zugesagte „Gesamt“-bausumme von 337 Mio € sind zum aktuellen Zeitpunkt etwa zwei Drittel realisiert. Es verbleiben immerhin noch 115 Mio €. In voran gegangenen Statements des SMF wurde außerdem immer das Jahr 2013 als Fertigstellungstermin genannt (diesmal fehlt diese Angabe freilich, was aber nichts heißen muss). Ich habe die Zahl 337 Millionen deshalb im Diagramm fiktiv auf den 31.12.2013 gesetzt. Mit dieser Prämisse ergibt sich für die folgenden Jahre im Durchschnitt eine jährliche Bausumme von knapp 21 Mio € - und soviel Geld pro Jahr gab es eigentlich noch nie (sieht man auch am jeweiligen Anstieg der einzelnen Kurvenäste, wenn ihr mal ein Lineal anhaltet). In den „besten“ Jahren beinhaltete das Bauvolumen einen Kostenumfang von 18…20 Mio €.
    Aber egal, ob man daraus nun auf zeitliche Verzögerungen schließen muss oder ob es bei Ende 2013 bleibt – die Bausummen, die hier pro Jahr verausgabt wurden und werden, sind gigantisch, da gibt es überhaupt nichts zu „meckern“. Ich wollte die Sache nur mal analysieren.


    Nun noch ein kurzer Nachtrag zum Gardesaal. Bei meinen kürzlichen „Spekulationen“ über dieses Thema hatte ich noch nicht die aktuellen Grundrisse zur Verfügung. Auf den Umschlagseiten der SMF-Broschüre sind nämlich endlich mal die tatsächlich realisierten bzw. vorgesehenen Planrisse veröffentlicht, und dies in sehr detaillierter Darstellung (übrigens sogar für das 3. OG – für diese Etage hatte ich überhaupt noch nie einen Plan gesehen, egal ob historisch oder aus neuerer Zeit). Nun vergleicht bitte mal die Situation im Bereich des Gardesaales (1. OG, Raum unmittelbar nördlich der Englischen Treppe) wie sie sich historisch, d.h. um 1830, darstellte (gemäß dem fotothek-Grundriss) mit der aktuell hergestellten Situation (gemäß Darstellung in der Broschüre).
    Hier noch einmal der Pfad zum fotothek-Plan (Beitrag vom 18.04.2008):
    http://www.aphforum.de/forum/v…0&postorder=asc&start=600


    Der Vergleich macht deutlich, dass der Gardesaal genau mit seinem historischen Grundriss wiederhergestellt wird! Auch die bereits realisierte Fenstergliederung dieses Raumes entspricht dem historischen Zustand. Zu letzterem Aspekt sind noch einige Erläuterungen erforderlich.
    Unter August dem Starken waren die Fenster im 2 OG des Kernbaus (und damit auch die des Ostflügels) barockisiert worden. Unter weitgehender Beibehaltung der Fensteranordnung erfolgte eine Vergrößerung der Fenstergröße (vor allem der Fensterhöhe, sie wurden aber auch etwas verbreitert).
    1760 wurden dann im Zuge der innenarchitektonischen Umbaumaßnahmen im 1. OG des Ostflügels (Schaffung der Galaräume von August III.) die straßenseitigen Fenster dieses Traktes im 1. und auch im 2. OG völlig verändert. Dabei wurden hohe barocke Einzelfenster realisiert (anstatt der bis dahin paarigen Anordnung). Ich hatte bislang immer geschrieben: Die Fenster auf der Hofseite des Ostflügels blieben davon unberührt. Das ist aber nicht ganz exakt formuliert. Der Gardesaal hat zur Hofseite zwei Fenster und die sind genauso gestaltet wie die Fenster im 1. und 2. OG auf der Straßenseite (d.h. als hohe barocke Einzelfenster). Der Grund ist einfach. Der Gardesaal ist nämlich der einzige Raum im betreffenden Trakt, der Fenster sowohl zur Straße als auch zum Hof hin hat. Nördlich des Gardesaales lagen hofseitig die so genannte Galerie, straßenseitig die Galaräume. Dort „störte“ es nicht, wenn die Fenster auf der Hof- und Straßenseite unterschiedlich angeordnet waren.



    Foto von Hyade

  • Pressemitteilung des SMF von heute:


  • Wie immer vielen Dank für die Bilder! :)

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Geht's nur mir so oder würde sich manch anderer auch manchmal wünschen das eine oder andere Vergleichsbild der Situation vor 20 Jahren zu haben, nur um zu sehen welch außerordentliche Leistung da gerade vollbracht wird? Ich kann mich irgendwie gar nicht mehr recht erinnern wie dieser Bereich des Schlosses Ende der 80er aussah.

  • Quote

    Geht's nur mir so oder würde sich manch anderer auch manchmal wünschen das eine oder andere Vergleichsbild der Situation vor 20 Jahren zu haben, nur um zu sehen welch außerordentliche Leistung da gerade vollbracht wird? Ich kann mich irgendwie gar nicht mehr recht erinnern wie dieser Bereich des Schlosses Ende der 80er aussah.


    Eine Vergleich mit älteren Bildern ist immer gut, da man so auch die Leistung des Wiederaufbaus richtig würdigen kann.


    Hier mal ein paar Bilder des betreffenden Bereichs von Inger Sørensen:


    1980:


    1967:



    Quellen:
    Historische Farbphotographien von Dresden im Jahr 1980
    Historische Farbphotographien von Dresden im Jahr 1967 und 1980

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehenbleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Das Portal an der Schlossgasse war offen und ich bin bis zum kleinen Schlosshof durchgegangen, leider ist durch das Gerüst, welches dort steht nicht viel zu erkennen.

  • Hier mal ein paar Bilder des betreffenden Bereichs von Inger Sørensen:


    1980:


    Rechts sieht man noch ein Stück der Baubaracke vom VEB Gesellschaftsbau Dresden, dessen Logo darauf prangt.


    Wir bauen auf Ideen!

  • Ich habe gerade die kurzfristig von Exilwiener (unter tv-Tipps) empfohlene Sendung des mdr genossen:
    „Die Türken kommen - Einzug ins Dresdner Schloss“
    Es ging um die laufenden Vorbereitungen für den Einzug der Türkenkammer ins Schloss. Das ist die Sammlung der SKD, die fast aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit entschwunden ist, weil die Bestände seit 60 Jahren im Depot liegen. Die Sendung war Spitze, leider konnte ich keinen Hinweis auf einen Wiederholungstermin entdecken. Der folgende Auszug stammt aus der Programmvorschau:


    Quote

    Ein Zelt so groß wie ein Haus: 20 mal acht Meter, sechs Meter hoch. Davor lebensgroße geschnitzte Pferde mit 500 Jahre altem Rüstzeug, das nie für einen Kampf getaugt hat, dafür ob seiner Opulenz aber umso mehr Respekt einflößte. Prächtige Säle ganz in Dunkelblau und Gold, Edelsteine an den Wänden. Prunk und Politik, Geschichte und Grauen, Kunst und Klunkern - auf 750 Quadratmetern entsteht im Dresdner Schloss eine Märchenwelt aus 1001 Nacht. Keine Illusion, sondern Ergebnis einer Mode und der Sammelleidenschaft Augusts des Starken, der vor 300 Jahren mit Geschick, Geld und Tricks alles nach Dresden bringen ließ, dessen er aus der sagenumwobenen Herrschaftszeit des türkischen Sultans Süleyman habhaft werden konnte. Die Depots der Rüstkammer sind voll: Allein auf 150 Quadratmeter lagern Waffen und Säbel aus dem 16. Jahrhundert allesamt in höchster Qualität, von den Rüstungen, Satteln, Schmuck, Fahnen und Zelten ganz zu schweigen. Der Versicherungswert gleicht dem des Grünen Gewölbes.


    Seit mehr als 60 Jahren hat niemand mehr die orientalisch-mystische Schatzkammer, die Dresdner Türkenkammer, gesehen. Restauratoren, Bauleute und Künstler lassen sie in den kommenden zwei Jahren wiederauferstehen. Ein Ereignis, das im November 2009 ein Staatsakt sein wird.


    Textquelle:
    http://www.mdr.de/sachsenspiegel-extra/5521438.html


    In der Endphase der Sendung war übrigens in einer längeren Einstellung der Wirtschaftshof in Großaufnahme zu sehen. Dort hat man ja nun doch die Dunger/Frölich-Fassaden aus der Zeit um 1900 rekonstruiert. In der DDR-Fassung der denkmalpflegerischen Zielsetzung hieß es dazu nämlich:


    Quote

    Auf die Erhaltung der Fassaden des Wirtschaftshofes von 1891 wird kein Wert gelegt.


    Sah toll aus, einschließlich der dortigen Überdachung (ebenes Glasdach).

  • Es wurde wieder Zeit für neue Bilder vom Schloß:


    Hauptportal Ostfassade:


    Der Pelikan am Hauptportal hat immer noch keine Flügel aber es wird an ihm "gearbeitet":




    Großer Schloßhof/Altan





    Großer Schloßhof/Richtung Süd-Ost:


    Portal/Zugang zum kleinen Schloßhof:





    Kleiner Schloßhof, Blickrichtung zum großen Schloßhof:


    Freigelegte Farbreste im kleinen Schloßhof:


    Die gewünschte Aufnahme des Brunnens im kleinen Schloßhof:



    Im Durchgang vom kleinen- zum großen Schloßhof liegt diese interessante Wand (Blickrichtung West):


    Nord/Ost Wendelstein:


    Südfassade des großen Schloßhof's:



    Standort des Brunnens?


    Westfassade:


    Ostfassade:


    Kulkas Membrandach:



  • Vielen Dank für die wunderschönen Bilder vom Schloss!!!


    Zum Standort des Brunnens kann BautzenFan uns doch bestimmt aufklären. :-)

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehenbleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Auch von mir ein Dankeschön für die interessanten Einblicke ins Schloß.
    Der Große Schloßhof wird sicher prächtig.

    Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.


    Oscar Wilde (1854-1900)

  • Vielen Dank Hyade für den tollen Fotoservice. Infolge der kontinuierlich eingestellten Bilder (natürlich auch von anderen aph-„Reportern“) lässt sich zum Beispiel ableiten, dass der Wiederaufbau des Altans unmittelbar bevorstehen muss. Das möchte ich mal anhand einer Bauchronologie für die Nordfassade des Großen Schlosshofes belegen.


    Mit dem Nordwestflügel war schon zur DDR-Zeit begonnen wurden, allerdings mit ziemlich „gemächlichen“ Tempo (im Vergleich mit dem Westflügel besonders langsam, weil der Nordwestflügel als Lehrlingsbaustelle realisiert wurde).
    Nach der Wende kam es erfreulicherweise zu einer drastischen Forcierung des Baufortschritts. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass dieser Temposprung – abgesehen von den erforderlichen Finanzmittelzuweisungen - nur deshalb möglich war, weil die Baupläne „fertig in der Schublade lagen“. Man hatte hier enorme Vorarbeit geleistet, es fehlte ja nicht an versierten Projektanten für solche anspruchsvollen Wiederaufbauprojekte (Stichwort: Semperoper), sondern an Wirtschaftskraft.
    Über diese Zeit unmittelbar nach der Wiedervereinigung findet sich ein entsprechender Passus in [L1]:


    Quote

    In dieser sehr intensiven Bauzeit waren täglich zirka 80 bis 100 Arbeitskräfte auf der Baustelle – ein kaum noch zu steigerndes Maximum – sollten die Handwerker noch effizient arbeiten und sich nicht gegenseitig behindern. Vom 1. Juli 1990 (Anm.: Tag der Währungsunion) bis zum 31. Dezember 1991 wurden bereits 40 Millionen DM ( = 20,4 Mio. €) für die Baumaßnahme ausgegeben. Diese hohe Summe hat der Freistaat unbürokratisch zur Verfügung gestellt. Andere Baumaßnahmen benötigten noch einen erheblichen planerischen Vorlauf, während beim Schloss dank der jahrzehntelangen Vorarbeit bereits fertige Pläne existierten. So konnte das vom Landtag bewilligte Geld zügig für die Baumaßnahme Residenzschloss verwendet werden.


    Die folgenden beiden Fotos veranschaulichen den im Bereich Nordflügel erreichten Baustand vom Oktober 1991 (jeweils Blick auf die Hoffassade des Nordflügels):



    eigenes Foto



    eigenes Foto


    Ende 1993 (Abschnitt westlich des Hausmannsturmes) bzw. 1994/95 (Bereich östlich des Hausmannsturmes) war der „erweiterte“ Rohbau im Bereich des Nordflügels im Wesentlichen abgeschlossen (also incl. Fenster, Verputz, Dacheindeckung und Sandsteinzierat an den Giebeln). Zeitlich parallel erfolgte hier sukzessive die Sgraffiti-Ausmalung.
    Zuerst wurden Ende 1993 die beiden Giebelbereiche östlich und westlich des Hausmannsturmes gestaltet. Danach folgte im Frühjahr 1994 der Bereich unterhalb des Hauptsimses, aber nur im Abschnitt westlich des Hausmannsturmes (Bereich Schlosskapelle). Hier die genaue Chronologie der Sgraffiti-Arbeiten an der Nordfassade:


    September 1993: Treppenturm Nordwest (nur oberer Teil) und Giebelbereich westlich des Hausmannsturmes
    November 1993: Giebelbereich östlich des Hausmannsturmes
    Mai 1994: Bereich unterhalb Hauptsims westlich des Hausmannsturmes
    November 1995: Treppenturm Nordwest (unterer Teil) und Anschlusszone zum Nordwestflügel


    Dass der Treppenturm Nordwest seine Sgraffiti in zwei Phasen erhielt, verdeutlicht die folgende Aufnahme vom Mai 1994. Das dort ersichtliche Gerüst (Abschnitt westlich des Hausmannsturmes unterhalb Hauptsims) war übrigens für die Sgraffiti-Ausmalung neu aufgestellt worden (das ist nicht mehr das von den Rohbauarbeiten, wie ihr gleich noch sehen werdet):



    Bildquelle: abfotografiert von einem Ausstellungsposter


    Die folgende Aufnahme muss einige Monate vor dem voran stehenden Mai94-Foto entstanden sein. Der Giebel an der Nordwestseite hat bereits seinen Sgraffiti-Schmuck (der wurde ja im September 1993 aufgebracht), aber das Gerüst im Höhenbereich darunter (das wir im Mai94-Foto sehen), steht noch nicht:



    Bildquelle: Filmische Dokumentation „Von der Ruine zum Richtfest“, herausgegeben vom Sächsischen Finanzministerium



    Der – seit Ende 1995 – an der Nordfassade vorliegende Zustand (incl. der Sgraffiti) blieb dann erst einmal für eine lange Zeit weitgehend unverändert, das Baugeschehen erfasste in den Jahren danach andere Schlosstrakte. Abgesehen natürlich von der Rekonstruktion des Treppenturmes Nordost, aber das gehört ja zum gegenwärtig laufenden Teilprojekt *Wiederaufbau Ostflügel*.


    Erst im Sommer 2007 – also fast 12 Jahre später – tat sich hier wieder etwas. Dank eines Fotos von Hyade (August 2007) konnten wir registrieren:
    Hurra, es steht ein Gerüst an der hofseitigen Wand des Hausmannsturmes, und das kann nur eines bedeuten: Es geht mit dem Altan los. Hier das betreffende Foto:
    http://img108.imageshack.us/img108/9281/spa55372qy8.jpg


    Die Freude wurde allerdings bald getrübt (also was mich betrifft), denn ein späteres Foto von Hyade (Ende Dezember 2007) belegte, dass das Gerüst wieder abgebaut war, aber von relevanten Veränderungen an der Fassade sah man – scheinbar – nichts:
    http://img89.imageshack.us/img89/2746/22662388pw3.jpg


    Erst eine Aussage von Coulin am 21. Januar 2008 (Interview im Lokalfernsehen) brachte Klärung (ja und danach „sah“ ich es dann auch). Man hatte bauvorbereitend den Putz abgehackt.
    Die nächste Veränderung zeigte sich Ende März 2008, wieder anhand eines Fotos von Hyade. Es waren „seltsame“ Mini-Gerüste aufgestellt worden:



    Foto von Hyade (Ausschnitt)


    Eine fundierte Erklärung dafür lieferte Riegel:


    Quote

    Es fällt auf, dass diese Gerüste genau dort aufgestellt wurden, wo noch spärliche Säulenreste des Altans bestehen. Kann es sein, dass diese jetzt genau ausgemessen werden? Dafür könnte nämlich sprechen, dass sich der rechte Gerüstturm wirklich auf die Säule bis ins 1. Obergeschoss bezieht. Eine exakte Ausmessung der Basis ist die Grundvoraussetzung für die Erstellung der Ausführungspläne des Altans. Für eine Restaurierung der Reste vor Ort müssten die Gerüste wohl auch vor diesen stehen...


    Hier ist nun allerdings etwas anzumerken, ein Aspekt, der mir auch jetzt erst durch die vorgestern eingestellten Fotos von Hyade klar geworden ist.
    Diese Säulen, deren Reste man auf obigen Foto sieht, stammen aus dem Umbau von Dunger/Frölich (1896). Sie werden im Zuge des Wiederaufbaus nicht wieder hergestellt. Bei der großen Umbaumaßnahme des Schlosses Ende des 19. Jahrhunderts war der Altan baulich verändert worden. Er erhielt dabei eine größere Tiefenerstreckung (wegen dem Läufergang). Aus diesem Grund waren wohl zusätzliche Abstützungen an der Wandseite erforderlich, die in Form der Säulen erfolgten.
    Ich habe auf dem voran stehenden Foto Buchstabenmarkierungen eingetragen (die unterschiedliche Farbe, weiß bzw. schwarz, hat nichts zu bedeuten, das ist nur der jeweiligen Bildhelligkeit geschuldet). Nun zum Vergleich die aktuelle Aufnahme von Hyade (vorgestern gepostet):



    Man sieht, dass die Säulenreste mitsamt ihren Einbindungszonen entfernt und danach die „ausgespitzten“ Streifen mit Ziegelmauerwerk wieder aufgefüllt worden sind - letzteres mit ebenem Abschluss zur Wandfläche.


    Wie der „neue“ Altan entsprechend der ursprünglichen Fassung aussehen wird (nämlich ohne wandseitige Säulen), sieht man anhand des ganz aktuellen Modells (Ende Januar 2008 vorgestellt):
    http://www.sz-online.de/bilder…/gr_1721985_932211813.jpg


    Fazit:
    Der Baubeginn zur Wiederherstellung des Altans dürfte unmittelbar bevorstehen. Solche Maßnahmen, wie sie in den letzten Monaten durchgeführt worden sind, macht man nicht Jahre vorher. Deshalb werte Dresdner, bitte in der nächsten Zeit ab und zu mal „spionieren“ gehen (am besten natürlich mit Kamera).



    Noch ein Hinweis zur Nordostfassade des Hofes. Ihr erinnert euch vielleicht noch an das gotische Portal, das ich vor einiger Zeit beschrieben hatte:



    Bildquelle: [L2]


    Anhand eines der aktuellen Hyade-Fotos kann ich nun endlich mal die Position verdeutlichen (blauer Pfeil):



    Nun zu den diversen Brunnen in den Schlosshöfen. Im Großen Schlosshof gab es zwei Wandbrunnen, die beide wieder aufgestellt werden sollen. Einer befand sich im Mittelbereich der Ostfassade, der andere im Mittelbereich der Südwand. Hier sieht man sie schon mal im Modell:
    http://www.sz-online.de/bilder…/gr_1721985_614493618.jpg


    Für den an der Ostseite befindlichen Brunnen (im voran stehenden Link im Bildhintergrund) braucht man freilich gute Augen. Aber im Gegensatz zu dem anderen können wir uns den östlichen anhand historischer Fotos betrachten:
    http://www.bildindex.de/bilder/MI09540d13a.jpg


    Nun war ja die Frage aufgetaucht, ob es sich bei dieser halbkreisförmigen „Fundamentzone“ (Foto von Hyade):
    http://s1.directupload.net/images/080711/u7n4ft8r.jpg
    um die Aufstandsfläche des Wandbrunnens an der Südfassade handelt.
    Jawohl, sie ist es. Man vergleiche dazu die Position des Brunnens, die das Modellbild der SZ erkennen lässt (nämlich im Bereich unterhalb des mittleren Giebels an der Südseite, diese Südseite liegt im verlinkten Modellbild rechts):
    http://www.sz-online.de/bilder…/gr_1721985_614493618.jpg


    Und hier nun zum Vergleich die Südfassade im aktuellen Zustand (der Brunnenstandort befindet sich rechts neben dem roten Ziegelhaufen – und damit unterhalb des mittleren Giebels):
    http://s6.directupload.net/images/080711/ccv6pbzr.jpg



    Kommen wir nun zum Brunnen im Kleinen Schlosshof. Sein Standort: schräg unterhalb des Runderkers am rechten Bildrand (nächstes Foto). Der Fotograf stand im Durchgang des Torhauses, mit dem Rücken zur Schlossstraße und blickte in Richtung Westen:



    Bildquelle: bildindex der Kunst und Architektur


    Es handelt sich um den so genannten Georgs-Brunnen (Darstellung des Hl. Georg), eine Schöpfung des Bildhauers Arthur Volkmann von 1904. Hier eine Nahaufnahme von 1928:



    Bildquelle: bildindex der Kunst und Architektur


    Der Brunnen einschließlich der Marmorplatte hatte die Bombennacht relativ glimpflich überstanden. Anhand eines Nachkriegsfotos (kann ich leider nicht ins Netz stellen) hatte ich den Zustand schon mal wie folgt beschrieben:
    Als wesentliche Fehlstellen an der eigentlichen Skulptur erkenne ich lediglich folgende: Dem Reiter fehlt(-e?) der linke Arm, dem Pferd das linke Bein. Ansonsten sieht man auch kleinere flächige Abplatzungen an den glatten Marmorflächen, dies vermutlich aufgrund der Hitzeeinwirkung beim Brand.


    Das einstmals gesetzte Fragezeichen (bei fehlte) kann nunmehr weggelassen werden, denn Hyade hat uns eine Nahaufnahme geliefert. Es ist eindeutig zu erkennen, dass dem armen Pferdchen nach wie vor ein Bein fehlt (und dem Reiter sicher auch ein Arm, aber letzteres ist wegen dem Gerüst schlecht zu sehen):



    An dem Marmorrelief ist folglich noch nichts passiert, wobei ich natürlich nicht weiß, ob man die Fehlstellen überhaupt ergänzen will (Stichwort: Spuren der Geschichte belassen) oder ergänzen kann (geht so etwas bei Marmor?).



    Literatur:


    [L1] - Baudokumentation „Der Wiederaufbau des Dresdner Schlosses“, 2008; Herausgegeben vom Sächsischen Finanzministerium


    [L2] - Ausstellungsführer „Das Dresdner Schloss - Monument sächsischer Geschichte und Kultur“, erschienen Ende 1989 (beinhaltet Aufsätze verschiedener Autoren)

  • Pressemitteilung des Sächsischen Finanzministeriums von heute:



    Dazu - super passend - hier noch einmal die aktuellen Dach-Fotos von Hyade (gepostet am 11. Juli):
    http://s6.directupload.net/images/080711/3beb6mnq.jpg
    http://s6.directupload.net/images/080711/orkqaan2.jpg


    Im Text hieß es, dass das Foyer Ende diesen Jahres fertig gestellt wird. Das dürfte die Fertigstellung des Torhauses einschließen (an dem ebenfalls gearbeitet wird; Stichwort: Brüstung, Stichwort: Pelikan), denn das wird ja der Haupteingang.