Das Dresdner Schloss

  • Liebe Freunde,

    aus Begeisterung möchte ich gerne dieses Video mit euch teilen.

    Es ist wirklich unglaublich faszinierend, wie die Boulle-Marketerie hergestellt wird:


  • Die Vitrine im Historischen Grünen Gewölbe hat wieder ein Glas und die verbliebenen Stücke sind wieder darin. Der klägliche Rest.

    Eine Tragödie. Jetzt braucht man die Fensterläden auch nicht mehr zumachen. Gibt kaum Licht drin. Also im Teil zur Straße.

    Ganz schön das so wenig los ist. Aber auch etwas traurig. Es waren mehr Wärter im Gewölbe als Besucher.


    Trotzdem ein schönes Wochenende. Mit der Empfehlung zum Besuch.

    Schöne Städte werden letztlich auch glückliche Städte sein.

  • Danke - trotz allem - für die Mitteilung.

    Hoffentlich ist nun echtes Sicherheitsglas und ne bessere Kamera drin!


    Und ich hoffe sehr, dass man hier mitgelesen hat, deine schönen Beitrage zur neuzeitlichen Diamentenherstellung gelesen hat und die Stücke eines Tages - wenn sie nicht mehr wieder auftauchen sollten - rekonstruiert...

  • Zwei Internet-Funde zum Reko-geschehen.


    1. Kaminleuchter im Kleinen Ballsaal

    Die Stücke waren aus der Ruine geborgen worden, natürlich ziemlich lädiert. Hier sieht man sie im Bergungszustand (Bilder können stark vergrößert werden, einfach nochmal draufklicken):

    Großer Kaminleuchter (Mitte)

    Kleiner Kaminleuchter links

    Kleiner Kaminleuchter rechts


    Und hier nun der restaurierte Zustand:

    Foto von eryngium



    2. Video (ca. 4 min) über die Rekonstruktion des Zierats für die Spiegel im 1. Vorzimmer

    Link zum Video

    Gemäß einer Textstelle im Video gehören die Stücke zu den Spiegeln im 1. Vorzimmer. Auf einem hochauflösenden historischen Foto des betreffenden Kaminspiegels kann ich die gezeigten Teile allerdings nicht finden. Aber das werden wir ja demnächst vor Ort sehen können.

  • Wie toll!

    Vielen Dank, liebe BautzenFan!


    Das müssen m.E. dekorative Aufsätze für den Spiegel im 2. VZ stadtseitig sein, da fehlt einiges. Ein Foto habe ich aber nicht davon. Vor Ort hängt dort jetzt eine größere Fotorepro davon, soweit ist weiß.


    Alles wird gut!

  • Das ist ja genial! Ich als Laie könnte zwar professionell gemachtes Rekonstruiertes meistens nicht vom Original unterscheiden, aber ich gehe mal von der Richtigkeit der Information aus. Das ruft auch in mir, obgleich sonst fast nur an Gebäuden interessiert - hässlichen kleinen Objekten kann ich entfliehen, dem Stadtgefüge jedoch nicht - Begeistung hervor.

    Kurz: Super !! <3<3<3

    Mich freut das ungemein, ich freue mich über jedes ORIGINAL dass der sinnlosen Zerstörung entkam. Als ich "Bergungszustand'" las , dachte ich, das wird ja kaum erkennbar sein. Bin überrascht, wie gut das teilweise noch erhalten war. Und ein Lob an die Herren (Herr*innen oder wie heisst das heute? Ironie off) Restauratoren die die wertvollen Objekte wieder in neuem Glanz erstrahlen ließen, Bravo!

    Alles wird gut!


    Monsieur: Ich stimme Ihnen zu! :daumenoben:

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Ein LV (Leistungsverzeichnis) für einen Bauauftrag des Residenzschlosses enthält quasi standardmäßig einen Passus zum Emmissionsschutz, üblicherweise recht kurz und allgemein gehalten. Nicht so im LV für die Arbeiten zur Gestaltung der Freianlagen im 1. BA des Großen Schlosshofs, hier gab es knallharte Grenzwertvorgaben und die Nachweispflicht ihrer Einhaltung:

    Diese stringenten Vorgaben waren dadurch begründet, dass in dem zu behandelnden Baufeld (grundhafter Ausbau) noch Fundamente im Boden waren (vielleicht von der ehemaligen Kranschneise?), die vor dem Entfernen natürlich erst zerkleinert werden mussten. Auf „normalen“ Baustellen hätte man in solchen Fällen zu Presslufthämmern (oder ähnlicher Brachialtechnik) gegriffen – aber genau das sollte im Großen Schlosshof vermieden werden (daher die oben genannten ziemlich niedrigen Grenzwerte).


    Mit einigen Fotos möchte ich die elegante Alternativtechnologie verdeutlichen, die hier zum Einsatz gekommen ist. Die Bilder wurden zwar erst Ende Februar gepostet, es ist aber wohl davon auszugehen, dass die betreffenden Arbeiten schon im vorigen Jahr durchgeführt worden sind.


    Bohrarbeiten

    Foto 1


    Stückweises Aufbrechen mittels hydraulischer Presse

    Foto 2

    Foto 3




    Außerdem möchte ich noch über eine aktuelle Auftragsvergabe informieren:


    Gemäß Visualisierung wird die Aufstellung wohl im 2. Vorzimmer erfolgen:


    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Aktuelle Ansicht


    Foto von effndy


    Den Zuschlag für die Restaurierung der Kommode erhielt eine Fachfirma aus Wien:

    KOPP Restauratoren GmbH


    Folgende Fristen sind festgelegt:

    Fertigstellung der Restaurierung: bis zum 31.10.2021

    Einbringung, Aufstellung und Sicherung in den Paraderäumen sowie Abgabe der objektweisen Dokumentationen: bis zum 26.11.2021


    Die etwa zeitgleich veröffentlichte Ausschreibung für die Restaurierung eines *Bureau Mazarin* kam nicht zum Abschluss

    Begründung der Aufhebung

    Es ist kein Angebot eingegangen, das den Ausschreibungsbedingungen entspricht.


    Auf einem historischen Kupferstich aus der Serie von 1719 ist das Möbelstück im Paradeschlafzimmer zu verorten (rechts im Bild, neben der Tür):

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0150037.jpg

  • Ja, ich habe dieses Bureau Mazarin vor anderthalb Jahren in der Restaurierungswerkstatt der SKD gesehen.

    Selbst im halbzerstörten Zustand ein Prunkstück, geschweige denn, wie es sein wird, wenn es vollständig restauriert sein wird. Einfach herrlich.


    Das eine im Film gezeigte und rekonstrierte Teil


    .. gehört nach oben in die Ausnehmung des stadtseititgen Spiegels im 2. VZ.

    © SIB


    Bin gespannt, was dann noch an die Seiten kommt. Das sieht jetzt noch verdächtig leer aus. Mir gefällt das 2. VZ ja eigetnlich fast noch besser als das erste.


    Hoffen wir für dieses, dass die beiden angeblich kriegsverlustigen, in Wahrheit heute aber wohl in St. Petersburg, USA wohl verwahrten aufgestellten Silvestre-Gemälde wieder zurückkommen werden!

  • Quote from Resurrectus

    Hoffen wir für dieses, dass die beiden angeblich kriegsverlustigen, in Wahrheit heute aber wohl in St. Petersburg, USA wohl verwahrten aufgestellten Silvestre-Gemälde wieder zurückkommen werden!

    "Versteckt" werden die beiden Gemälde aber nicht gerade, das Museum of Fine Arts (St. Petersburg, Florida) fühlt sich offenbar als rechtmäßiger Besitzer:

    Perseus rettet Andromeda vor dem Seeungeheuer

    Thetis in der Schmiede des Vulkan


    Übeltäterin war eine Deutsche, die nach 1945 etliche Gemälde entwendete und nach Amerika verkaufte.

  • Irre!!! Und die originalen Rahmen sind, glaube ich, noch in DD, nicht wahr?!

    Kann man da nicht hochwertige Leinwand-Repos derweil reinmachen, bis St. Petersburg "weich" ist?


    Die hier mitlesenden Dresdner Resatauratoren mögen mir verzeihen.....

  • Vor einigen Tagen wurde der Auftrag zur Rekonstruktion der historischen Kandelaber für den Großen Schlosshof vergeben. Nachfolgend im Zitat einige Passagen aus den Ausschreibungsdokumenten zur Verdeutlichung des Auftragsumfangs und zum Aspekt der vorgesehenen Fassadenanstrahlung:

    Quote

    Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung des historischen Hofbelags im Großen Schlosshof soll auch die Beleuchtung im Stile des 19. Jhds. ausgeführt werden. Bei den hier ausgeschriebenen Leistungen handelt es sich um die Lieferung von 13 Kandelaber-Leuchten nach historischem Vorbild aus Aluminiumguss für den Außenbereich. Die Leuchten sind voll elektrifiziert und besitzen als Haupt-Leuchtkörper ein LED-Modul in Form einer historischen Gasbeleuchtung. Im Dach (Baldachin) befinden sich zusätzliche Anstrahlungsmodule, mit Hilfe derer besondere Bereiche der Fassade eine lichttechnische Akzentuierung erhalten.

    […]

    Einige Kandelaber sollen mit Anstrahlungsmodulen im Baldachin ausgestattet werden, zur Anstrahlung der beiden reich verzierten Toreinfassungen des Grossen Schlosshofes. Die geeignete Ausstrahlcharakteristik sowie der Platzbedarf zum Einbau der Module sind vorab an einem funktionsfähigen Muster zu testen.

    […]

    Im ersten Bauabschnitt (1. BA) werden fünf der insgesamt 13 historischen Kandelaberleuchten hergestellt und betriebsfertig angeschlossen. Die übrigen 8 Leuchten werden zeitgleich fix-und-fertig - d.h. einbaufertig mit allen elektr. Einbauteilen, Lichtmodulen, Verkabelungen etc. - hergestellt und im Lager des AG eingelagert. Der Transport nach Dresden, die Montage und der betriebsfertige Anschluss der eingelagerten 8 Stück erfolgt dann im zweiten Bauabschnitt (2. BA). Dies ist aber nicht Teil dieses LVs.


    Vereinbarter Gesamtpreis (ohne MwSt.): 328.640,60 EUR


    Der Zuschlag ging an die sächsische Firma *AKH Paul Lorenz / Inhaber: Mario Lorenz*


    Terminliche Vorgaben

    Es erfolgte keine Datumsangabe (im Sinne des Fertigstellungstermins), sondern die Fertigungsdauer, nämlich 108 Tage. Je nachdem, ob hier Kalendertage oder Arbeitstage gemeint sind, ergeben sich ca. 4 – 5 Monate.



    Ein paar Abbildungen:


    Historische Ansicht - oberer Bereich:

    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Rissliche Darstellung lt. Reko-Planung - oberer Bereich


    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Historische Ansicht - unterer Bereich

    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Rissliche Darstellung lt. Reko-Planung - unterer Bereich


    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen



    Das nachstehend verlinkte Foto entstand 1889 und ist wie folgt untertitelt:

    „Donadini, Ermenegildo Antonio: Residenzschloß. Großer Schloßhof vor dem Umbau, um 1889“

    Wie man sieht, sind unsere Kandelaber schon da.

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0041528.jpg


    Die Vorgänger sind auf dem nächsten Foto zu erkennen, aufgenommen um 1870:

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0081423.jpg


    Der gleiche Typ war auch im Stallhof aufgestellt (gemäß Untertitelung aufgenommen vor 1889):

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0400246.jpg

  • Die Frage habe ich mir auch schon mal gestellt. Auch die anderen großen Kandelaber in der Stadt... wo sind die alle hin?

    Heute wären die ein Vermögen wert...


    Mein Vater erzählte mir mal, dass Dresden die in den 80er Jahren um auch den Wiederaufbau der Semper Oper zu finanzieren nach Schweden verkauft haben soll. Stimmt das?

  • Wie hier schon mehrfach behandelt, laufen aktuell Restaurierungsarbeiten an diversen barocken Möbeln für die Paraderäume. Ich kann nun für 2 Möbelstücke, das Bureau Mazarin (PSZ) und eine Kommode (2. VZ) Fotos vorstellen. Beide Exponate wurden kriegs- (und nachkriegs-)bedingt schwer beschädigt und waren daher nach 1945 noch nie ausgestellt. Die nachstehend verlinkten Fotos zeigen den Vorkriegszustand.


    Kommode

    Vorkriegsfoto


    Aktueller Zustand / Beschreibung der Zielstellung:

    Quote from SKD

    Boulle-Marketerie in contre partie, Gesamtmaße 1,31m x 0,85m.


    Bei dem Möbel handelt es sich um eine bedeutende dreischübige, höfische Kommode des frühen 18.Jhs., die durch kriegsbedingte Verluste heute nur fragmentarisch erhalten ist. Zwei der drei Schubladenfronten sowie deren Blindholzkonstruktion sind nicht erhalten. Ziel der Maßnahmen ist die Konservierung der Marketerie unter Erhalt der altersbedingten Oxydationsfarbigkeit. Die Rückformung stark deformierter Messingbleche sowie die behutsame Freilegung der Oberflächenbeschichtung des 19.Jhs. sind ebenso Teil der Maßnahmen. Die Originalbeschläge sind durch Weichstrahlverfahren zu reinigen. Die optisch notwendigen Ergänzungen der beiden Schubfronten mit dazugehörigen Beschlägen sind als detailgetreue Kopien des Originals auszuführen. Das Ausmaß der Schäden wird als sehr hoch eingestuft.


    Bureau Mazarin

    Vorkriegsfoto


    Aktueller Zustand / Beschreibung der Zielstellung:

    Quote from SKD

    Boulle-Marketerie in première-partie und a double jeux. Gesamtmaße 1,49m x 0,79m.


    Bei dem Objekt handelt es sich um ein bedeutendes höfisches Möbel des frühen 18.Jhs., dass allerdings durch Restaurierungen des 19.Jhs. sowie durch kriegsbedingte Schäden stark verändert wurde. Der heutige Gesamtzustand ist schadhaft und fragmentarisch, vom Fußgestell sind nur Einzelteile vorhanden. Ziel der Maßnahmen ist die Konservierung der Marketerie und Erhalt der altersbedingten Oxydationsfarbigkeit. Die Rückformung stark deformierter Messingbleche sowie die behutsame Freilegung der Oberflächenbeschichtung des 19.Jhs. sind ebenso Teil der Maßnahmen. Die statisch notwendigen Ergänzungen beschränken sich auf die detailgetreue Rekonstruktion der Blindholzpartien. Der Anschluss von Original und Ergänzung muss als Anfügung ohne jegliche Substanzentnahme erfolgen. Zur besseren Lesbarkeit sind auch die fehlenden Beschläge zu rekonstruieren. Alle Ergänzungen sind mit einer neu definierten Oberfläche im Sinne einer Neutralergänzung zu gestalten. Das Ausmaß der Schäden wird als sehr hoch eingestuft.

    Als Fertigstellungstermin wurde jeweils Ende November 2021 angegeben.

  • Kleine Schmunzeleinlage.


    Ihr kennt doch sicher den Lastenaufzug am Südflügel für Kunstguttransporte:

    Unterflurkonstruktion, Tragkraft 5 t

    Förderhöhe: 14,83 m

    Geschwindigkeit: 0,1 m/sek in Normalfahrt

    Quote

    Den oberen Abschluss von Aufzugskabine und -schacht bildet eine etwa 19 Tonnen schwere Straßenplatte, welche überfahrbar ist und der vorhandenen Straßenoberfläche angepasst wurde. Entwässerung von Oberflächenwasser und Abdichtung des Schachtes gegenüber dem Außenklima wurde in die Straßenplatte integriert.

    Aus Sicherheitsgründen erfolgt die Bedienung neben dem Aufzugsführer nur mit einem zusätzlichen Sicherheitsposten, der über ein Tableau im Bereich Fußweg ein Freigabesignal erteilen muss. Beim Fahrvorgang über das Straßenniveau erhält der Aufzugsführer über 4 Bildschirme Sicht auf alle Seiten außerhalb der Kabine.


    Quelle:  https://www.dtp-planung.com/Bu…at_id=&p=&search=#ontitle


    Hier die Straßenplatte:


    Von Z thomas - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38781844


    Ausgefahren sieht das Teil so aus: Klick


    Und das Foto hier entstand gestern Klick

  • Eine neue und seltene Ansicht der Toilette-Koffer aus dem Paradeschlafzimmer.

    Quote from Christiane Ernek-vanderGoes

    Et Voila - hier sind sie - die Boulle Toilette-Koffer auf Ständen nach der Konservierung. Unglaublich!

    Und eine Einsicht, die nur selten zu sehen ist: das Innere einer der Koffer. Gefüttert mit einer fantastischen hellblauen Seide. Aber verzeihen Sie, es ist nicht nur ein gewöhnliches Blau. Wie Dr. Sabine Schneider herausfand, ist es mit "Coeruleum Saxonicum" (auch als Sächsisch Blau / Sächsisches Blau bezeichnet) gefärbt. Eine Farbe, die 1744 in Sachsen erfunden wurde und für ihre Schönheit und Haltbarkeit bekannt ist.

    Es ist jedoch nicht das ursprüngliche Innenfutter, da das Inventar von 1768 purpurroten Samt auflistet. Das blaue Futter muss eine Veränderung des späten 18. Jahrhunderts sein.

    Koffer geöffnet


    Hauptakteurin bei der Restaurierungsarbeiten an den beiden Koffern war Frau Irmela Breidenstein aus Berlin. Hohes fachliches Können in der Ausführung reicht bei solchen Aufgaben nicht, notwendig sind auch Erfindungsreichtum und Kreativität. Seien wir glücklich und dankbar, dass es solche Meister noch gibt.

    Quote from Christiane Ernek-vanderGoes

    Während der Konservierung stellte Irmela Breidenstein, die für das Projekt zuständige Restauratorin, eine ziemliche Herausforderung dar: Die Messingelemente der Intarsien waren stark korrodiert. Diese dunklen und fleckigen Korrosionsschichten verdeckten die goldene Farbe der Messinginlays und verschleierten so das ursprünglich beabsichtigte Design und Erscheinungsbild der Boulle-Marketerie. Was tun, wenn Sie einerseits die Schönheit der Objekte enthüllen möchten, andererseits aber die Oberfläche nicht mit abrasiven Materialien verschlechtern möchten? Irmela Breidenstein fand eine sehr intelligente und innovative Lösung: starre Agargele mit Lösungsmitteln und Chelatoren zum Auflösen von Schmutz und Korrosion. Bei Verwendung von Mikropipetten wurde das Gel nur auf das Messing aufgetragen, wodurch die historische Lackschicht auf den Schildkrötenpanzerelementen unberührt blieb.

    Arbeit mit der Mikropipette


    Koffer unrestaurierter Zustand


    Koffer unrestaurierter Zustand


    Detailansicht Koffer nach der Restaurierung



    Das nächste Projekt von Frau Breidenstein ist offensichtlich schon in Arbeit.

    Titel des Auftrags:

    Restaurierung und Konservierung von 2 Pendulengehäusen und zugehörigen Piedestalen in Boulle-Technik

    Beschreibung des Auftrags:

    Quote from SKD

    Bei den Objektpaaren handelt es sich um reich gestaltete französische Prunkuhren des 18. Jahrhunderts von enormer räumlicher Dimension (Gesamtmaße eines Piedestals und des darauf befindlichen Pendulengehäuses ca. 280x 80x 45 cm). Sämtliche Oberflächen sind mit Boulle-Marketerien in première-partie (Schildpatt und Messing) dekoriert und mit plastisch ausgeformten Messinggussbeschlägen versehen. Die Pendulengehäuse sind verglast, die Zifferblätter enthalten Email-Plaketten.

    Eine ausführliche Voruntersuchung und Vorzustandskartierung sind erfolgt.

    Das Restaurierungskonzept ist festgelegt.

    Die beiden Objektpaare weisen unterschiedliche Zustände auf (unrestauriert/ altrestauriert). Im Fall der unrestaurierten Objekte sind neben der großflächigen Festigung loser Marketeriebereiche vereinzelt Ergänzungen im Bereich des Schildpatts und der Messingeinlagen vorzunehmen. Sämtliche Objektoberflächen sind in unterschiedlichen Verfahren zu bearbeiten (Reinigung, kontrollierte Endoxidierung von Messingeinlagen, Beschichtung). Die Messinggussbeschläge sind mittels Weichstrahlverfahren zu entschichten. Im Fall der altrestaurierten Objekte ist neben einer partiellen Festigung der Marketerie eine Entschichtung der Beschläge (gegebenenfalls mit anschließender Neubeschichtung) durchzuführen.

    Das Ausmaß der Schäden wird als hoch eingestuft.

    Ein weiterer Auftrag, über den ich allerdings (noch?) keine Vergabeinformationen habe, umfasst die Restaurierung eines analogen Objektpaares (französische Prunkuhr, Piedestal und Pendulengehäuse). Das sei hier nur ergänzend genannt, weil ich den begründeten „Verdacht“ habe, dass die nachfolgend verlinkten Fotos zu einem dieser beiden Aufträge gehören.


    Pendule unsaniert


    Detail zerlegter Zustand


    Detail zerlegter Zustand


    Piedestal unsaniert