Das Dresdner Schloss

  • Kleine Korrektur zur Fotobeschreibung von bildindex: Der Brunnen wurde nicht Ende des 17. Jhd. geschaffen, sondern Ende des 18. Jhd. Dazu Henning Prinz in einem Artikel des Buches "Das Dresdner Schloss - Monument sächsischer Geschichte und Kultur".

    Quote from Henning Prinz

    Als eine kleine, jedoch interessante architektonische Bereicherung des Großen Schlosshofes ist der 1786 am Ostflügel entstandene Röhrtrog zu bewerten. Die plastischen Arbeiten zu diesem „Brunnen“ schuf der Bildhauer J.B.Dorsch. Erwähnenswert ist, dass das Wasserbecken aus einem einzigen Stein gearbeitet wurde.

    Besagter Johann Baptist Dorsch (* 1744 in Bamberg; † 29. November 1789 in Dresden) war einige Jahre (bis zu seinem recht frühen Tod) Hofbildhauer in Dresden. Von ihm stammen z.B. auch die beiden Sphinx-Figuren an der Anlegertreppe des Schlosses Pillnitz:


    Von Selbst fotografiert, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=308263

    Von SchiDD - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31842871


    Die Aufnahme, die VanWuerzburg freundlicherweise rausgesucht hat, hier noch mal in besserer Auflösung: Klick

    (Kann nochmals vergrößert werden - nach dem Öffnen draufklicken)


    Seebastian

    Vielen herzlichen Dank für Deine brandaktuellen briefings zum Baugeschehen am Schloss. :blumen:

    Kann ich nicht genug bekommen.

  • Warum war über dem Löwenkopf eine Art ,,Konsole''? Wird das auch rekonstruiert? Und wie wird die Wandgestaltung über/hinter dem Löwenkopf aussehen, auch Sgrafitti wie daneben oder gänzlich anders? Überhaupt finde ich die jetzige Einbindung in die Wand interessant, früher konnte man direkt erkennen, das dahinter ein Gewölbe war.

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • Vom Freitag.


    Im großen Ballsaal fiel mir auf, dass der Stuck an einigen Stellen recht systematisch entfernt ist. Evtl. zur Vorberitung der Rekonstruktion? Das ist aber glaube ich schon eine ganze Weile.


    Im EPS ist seit vor zwei Wochen die Goldbordürenaustattung vollständig. Leider sieht der ganze Saal rundherum begrabbelt aus. Überall Fingerspuren und auch kleine Fädchen, als wären diese Produktionsbedingt im Stoff enthalten, die auf der Wandbespannung herumliegen. Ich hoffe das wird demnächst nochmal gerichtet.


    Weitwinkel Blick in den Erker:



    Zur Freude noch ein Blick Bis zum Thron.



    Im Thronsaal ist mir dieses mal an den Spiegeln ein unschöner Riss aufgefallen der mir gefährlich aussieht. Bisher blieb der mir unbemerkt. Auf der Fensterseit rechts, linker Spiegelrand. Ich kenne diese Risse aus Porzellan. Die haben die unangenehme Eigenschaft zu wachsen. Ich hoffe das hier ist wirklich nicht neu und ggf. durch Wärmespannung oder Bauerschütterungen verursacht. Der Riss reicht von der Messing(niete) durch die 2. Blümchenreihe von rechts bis hinauf zu Blüte Nummer 5 von unten.


    Zu guter Letzt noch zwei neue Perspektiven auf den Hofbrunnen aus dem Fürstengang und dem PSZ. Gefährlich sehen sie ja aus die Muränen.

    Schöne Städte werden letztlich auch glückliche Städte sein.

  • Quote from kaffeesachse

    Und wie wird die Wandgestaltung über/hinter dem Löwenkopf aussehen, auch Sgrafitti wie daneben oder gänzlich anders?

    Die Sgraffitti-Künstler hatten vor längerer Zeit mal ein Modell für die Süd-, Ost- und Nordfassade erstellt (die Westfassade war da schon fertig) – dies quasi als Diskussionsgrundlage für die Entscheidungsfindung. Demnach sieht der Brunnenbereich wie folgt aus:



    Ob besagte Version in bestimmten Details zwischenzeitlich noch geändert wurde, ist mir allerdings nicht bekannt.


    Quote from Seebastian

    Im großen Ballsaal fiel mir auf, dass der Stuck an einigen Stellen recht systematisch entfernt ist. Evtl. zur Vorbereitung der Rekonstruktion? Das ist aber glaube ich schon eine ganze Weile.

    Das ist tatsächlich nicht neu. Hier ein Foto von 2011:



    Nur zur Erinnerung: Im Februar 2009 war offiziell bekanntgegeben worden, dass nunmehr die Rekonstruktion der beiden großen Säle im Nordflügel beginnt (Propositionssaal und Großer Ballsaal). Das Projekt wurde dann aber aus finanziellen Gründen Anfang 2011 erst mal storniert. Aber bestimmte vorbereitende Arbeiten waren sicher schon erfolgt (wie eben die Abnahme verschiedener Stuckpartien - vermutlich für Abgüsse).


    Etwas Neues habe ich auch noch entdeckt: Im 2. Vorzimmer sind die vergoldeten Supraportenrahmen angebracht. Okay, man sieht auf dem aktuellen Foto von Seebastian nur die Südwand, aber ich gehe mal davon aus, dass jetzt auch die Supraporte an der Nordwand mit einem -Rahmen ausgestattet ist:


    Foto von Seebastian (Bildausschnitt)

  • Liebste BautzenFan,


    weißt du (sicher doch, oder), wann genau das Schlosscafé und dieser eine Abschnitt des Großen Schlosshofes eröffnet werden sollen? Wäre das noch diesen September oder Oktober?

    Danke und Gruß!

    R.

  • Ein offizieller Eröffnungstermin für das Restaurant wurde noch nicht benannt, also ich denke mal, das hätte ich mitbekommen. Es wird aber m.E. definitiv noch nicht im Herbst (September, Oktober) der Fall sein, vermutlich dieses Jahr nicht mehr. Anfang Juli hatte eine Baufirma, die im Restaurantbereich tätig ist, einige Fotos gepostet, zum Beispiel diese hier:

    Foto A

    Foto B

    Der Begleittext zu den Fotos enthielt sinngemäß die Aussage: Unsere Arbeit neigt sich dem Ende zu, vielleicht können wir in wenigen Monaten hier ein kühles Bier genießen. Die Fotos belegten, dass doch noch einiges zu tun ist – „wenige Monate“ heißt wohl doch eher ein knappes halbes Jahr (und selbst das wäre sehr optimistisch gesehen) als September oder Oktober 2020.


    Außerdem ist Folgendes zu berücksichtigen. Die Öffnung des Schlossrestaurants für die Öffentlichkeit bedingt zwingend die bauliche Fertigstellung weiterer Bereiche. Das ergibt sich ganz logisch aus der „Zuwegung“ ins Restaurant. Der Eingang in das Restaurant liegt an der nordöstlichen Hofseite. Das heißt, der zur Zeit in Arbeit befindliche Bauabschnitt A des Großen Schlosshofs müsste entweder in seiner gesamten Länge fertig sein (Bauabschnitt A = Streifen entlang des Ostflügels). Dann könnten die Besucher durch das Starcke-Portal (also vom Kleinen Schlosshof kommend) den Großen Schlosshof betreten und entlang der Ostfassade zum Restaurant gelangen. Alternativ wäre es theoretisch auch denkbar, dass der Eintritt in den Großen Schlosshof von der Schlossstraße aus erfolgt, durch den so genannten Vorraum. Bei dieser Variante würde es reichen, dass erst der nördliche Teil der Freiflächen im Baufeld A fertiggestellt ist.


    Quelle: Das Dresdner Schloss - Sicherung der Bausubstanz, herausgegeben 1989 vom VEB Gesellschaftsbau

    (farbige Eintragungen von mir)


    Bezüglich „Fertigstellung der Freiflächen im Bauabschnitt A“ gibt es neue Info und zwar die Lampen betreffend (Kandelaber). Gemäß offizieller Angabe im Ausschreibungsanzeiger (vor kurzem veröffentlicht) führte die betreffende Ausschreibung NICHT zu einer Vergabe (üblicher Formulierungsbaustein: Es gingen keine Angebote ein oder es wurden alle Angebote abgelehnt. Heißt also, die Beleuchtungskörper sind noch nicht einmal beauftragt, geschweige denn in Arbeit.


    Ein User hatte übrigens angefragt, warum die Gewölbe verputzt werden. Darauf kam von der Baufirma die Antwort, dass das vor allem aufgrund denkmalpflegerischer Vorgaben erfolgte – die Gewölbe wären früher halt verputzt gewesen. Man hätte aber eine Vielzahl von Varianten geprüft und sich die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht.

  • Das neue Schlossrestaurant mit Gewölbedecke sieht schon erst einmal ganz interessant aus.Mal abwarten wie es dann nachher im Detail aussieht.Hoffentlich nicht alles in weiß und im modern langweiligen Cafeteriastil.

  • Das neue Schlossrestaurant mit Gewölbedecke sieht schon erst einmal ganz interessant aus.Mal abwarten wie es dann nachher im Detail aussieht.Hoffentlich nicht alles in weiß und im modern langweiligen Cafeteriastil.

    Wollen wir wetten?;)

  • Ich möchte einen sehr interessanten, ganz aktuellen Artikelfund vermelden, der Auskunft darüber gibt, was denn nun eigentlich mit den Supraportenrahmen für den Eckparadesaal los ist (die fehlen bekanntlich noch). Zur Erinnerung: Im November 2019 hatte ich an einer der Spezialführungen teilgenommen, die anlässlich der Eröffnung der Paraderäume stattfanden. Thema meiner Führung: *Die Supraporten der Paradesuite*. Auf dieser Veranstaltung kam die Information, dass die 3 Rahmen für den EPS derzeit in Bayern gefertigt werden und ihre Fertigstellung „Anfang des nächsten Jahres“ zu erwarten ist (also Anfang 2020). Bei der endgültigen Auftragsvergabe scheint es dann aber noch eine Änderung gegeben zu haben. Im Artikel ist dazu ausgeführt, dass die ursprünglich ins Auge gefasste Firma sich „nicht so richtig an die Aufgabe getraut hätte“ und den Auftrag an einen Fachkollegen weitervermittelt hätte. Gegenstand des besagten Zeitungsartikels ist eben dieser Kunsthandwerker/Holzbildhauer (Arnold Hein aus Altmühldorf) und seine Arbeit an den drei Rahmen.


    Der Begriff *Eckparadesaal* wird im Text nicht genannt, aber wenn man die einzelnen Informationen im Zeitungsartikel mit den aus anderen Quellen (Ausschreibungstexte, Sonderführung) bekannten Angaben abgleicht, kommt man eindeutig zu dieser Zuordnung. So ist beispielsweise die Rede von einem Set aus drei Rahmen. Bei einem davon handelt es sich um ein historisches Stück (vergoldet), das restauriert und ergänzt werden muss, die beiden anderen sind Neuanfertigungen nach dem Muster des originalen Rahmens. Es gibt nur noch einen weiteren (noch nicht mit den Rahmen ausgestatteten) Raum in der Paradesuite, der genau 3 Supraporten aufweist – nämlich die 2. Retirade (hofseitig gelegen, unmittelbar angrenzend an den Eckparadesaal). Die 3 Rahmen der 2. Retirade müssen aber allesamt vollständig rekonstruiert werden.


    Weitere Info aus dem Artikel: Der erhaltene Rahmen (Im Rokoko-Stil) stammt aus dem Jahr 1880. Hierzu die ergänzende Angabe während der Sonderführung: Man geht aufgrund der wissenschaftlichen Untersuchungen davon aus, dass es sich dabei um eine Kopie des originalen Rahmens handelt (hergestellt wird jetzt also die Kopie der Kopie von 1880).


    Herr Hein bei der Arbeit an einem der Rahmen:   Klick


    Nachfolgend die wichtigsten Textstellen aus dem Artikel (Quelle: ovb-online; Oberbayrisches Volksblatt, Lokalzeitung aus der Region Rosenheim):

    Quote

    Der fast zwei Meter breite Bilderrahmen gehört zu einem Set aus drei Rahmen im Stil des späten Rokokos. Ein Stück aus dem Jahre 1880 existiert noch, hier musste Hein Teile ergänzen. „Vom vollständigen Rahmen gibt es nur Fotos“, erklärt der Holzbildhauer. Anhand dieser habe er dann die fehlenden Blüten und Verzierungen ergänzt.

    Den zweiten und dritten Rahmen baut Hein nun selbstständig, der vervollständigte Originalrahmen dient dabei als Vorlage. Doch die beiden neuen Rahmen sind nicht einfach Kopien des ersten, da die Maße sich unterscheiden. „Die Bilder, die in den Rahmen kommen, sind nicht genau gleich groß, somit ist jeder Rahmen wieder eine Aufgabe für sich.“

    Bis auf die Stichsäge zum Ausschneiden der ungefähren Form kommen bei der Fertigung des Rahmens keine elektrischen Geräte zum Einsatz, jeder Schritt ist Handarbeit. Deshalb hat jeder Rahmen einen Wert von etwa 35 000 Euro.


    Bisheriger Zustand:



    Foto von eryngium


    Visualisierung Eckparadesaal


    Noch ein paar sonstige Angaben:

    Maße des originalen Rahmens: ca. 130 x 195 cm


    Titel und Größe der Gemälde:

    Tür zum Propositionssaal (Ostwand)

    Bildtitel: "Blumenstillleben mit Kartenspiel", Öl auf Leinwand, 108,8 cm x 179,0 cm

    Maler: Peter van Kessel, flämischer Stilllebenmaler, um 1635 -1668

    Tür zur Retirade (Südwand, „links“ des Kamins)

    Bildtitel: Blumenstillleben mit Orangenbaum", Öl auf Leinwand, 113,5 cm x 181,8 cm

    Maler: Jean-Baptiste Monnoyer (1636 - 1699), französisch-flämischer Maler, der sich auf Blumenstücke spezialisierte hatte

    Tür zum 1. Vorzimmer (Südwand, „rechts“ des Kamins)

    Bildtitel: „Blumenstillleben mit Papagei, Meerschweinchen und Affe", Öl auf Leinwand, 114,8 cm x 183,6 cm

    Maler: Jean-Baptiste Monnoyer (1636 - 1699), französisch-flämischer Maler, der sich auf Blumenstücke spezialisierte hatte

  • Im EPS ist seit vor zwei Wochen die Goldbordürenaustattung vollständig. Leider sieht der ganze Saal rundherum begrabbelt aus. Überall Fingerspuren und auch kleine Fädchen, als wären diese Produktionsbedingt im Stoff enthalten, die auf der Wandbespannung herumliegen. Ich hoffe das wird demnächst nochmal gerichtet.

    Ich frage mich, warum man nicht die gesamten kostbaren Wandbespannungen zumindest in den Teilen, an die die Besucher herankommen mit Glas verkleidet. Das ist in anderen Schlössern schon lange üblich.

    Auf die Vernunft der Besucher zu bauen, ist dagegen geradezu lächerlich.

    Der Mensch neigt nun mal dazu, alles, was er interessant findet antatschen zu wollen.

    Um das zu unterbinden, müsste man den Besuchern der Ausstellungen wahrscheinlich schon in der Garderobe die Hände hinter dem Rücken mit Handschellen fixieren.

    Das wäre natürlich auch eine Alternative und würde die bestimmt weltweit für Aufsehen sorgen und evtl. auch zur Nachahmung führen.

  • Zur Diskussion: Vielleicht ist das sogar gewollt. Im Sinne eines "used look". Auf den Böden sind bislang nach den Fotos zu urteilen auch noch keine Läufer ausgelegt. Vielleicht möchte man ganz bewusst, dass die Räume in 50 Jahren nicht auch noch wie "frisch aus dem Ei gepellt" daherkommen, sondern "benutzt"?

    Wäre das keine Absicht, hätte man solchen Schutz schon längst angebracht, oder? Gerade weil es ja absoluter Standard ist. Oder ist man wirklich so naiv und vertraut darauf, dass die Besucher schon nicht.... Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

  • Zur Diskussion: Vielleicht ist das sogar gewollt. Im Sinne eines "used look". Auf den Böden sind bislang nach den Fotos zu urteilen auch noch keine Läufer ausgelegt. Vielleicht möchte man ganz bewusst, dass die Räume in 50 Jahren nicht auch noch wie "frisch aus dem Ei gepellt" daherkommen, sondern "benutzt"?

    Wäre das keine Absicht, hätte man solchen Schutz schon längst angebracht, oder? Gerade weil es ja absoluter Standard ist. Oder ist man wirklich so naiv und vertraut darauf, dass die Besucher schon nicht.... Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

    Genial! Dass ich kleiner dummer Lümmel da nicht selbst drauf gekommen bin!

    Dann könnte man ja die Besucher in Zukunft an der Kasse schon fragen, ob sie wahlweise die Ausstellung vielleicht mit Inlineskatern oder Schlittschuhen besuchen möchten.

    Auch könnte man dann ja "Graffiti-Tage" einführen, bei denen die Besucher die Wände nach eigenen Ideen noch schöner gestalten könnten.

    Ich sehe das Schloss jetzt mit ganz anderen Augen!

    Danke!

  • Also ich finde das eine Glaswand fürchterlich aussehen würde. Das Problem ist, dass die ganzen Besucher keine Ahnung haben was sie dort sehen. Hinzu kommt die völlig fehldende Kinderstube sich im Griff zu haben und nichts anzugreifen.

    Allerdings fehlt vor den Räumen ein Hinweis. Es steht ein kleiner Text da aber den liest niemand.

    Es müsste eine Schleuse mit einer medialen Präsentation geben die den Wert der Stoffe erklärt und nochmal in Wort und Bild darauf hinweist nichts zu berühren. Dann setzte bei den Meisten vermutlich auch der Anstand ein. Zumindest liese es sich so reduzieren.

    Schöne Städte werden letztlich auch glückliche Städte sein.

  • Mit Vernunft wird man leider bei vielen Besuchern rein gar nichts ausrichten. Denn wenn etwas verboten ist, dann wird es erst recht gemacht. Das nennt man den Reiz des Verbotenen. Die durch das Berühen und das mit den Fingern darüber streichen und betatschen der kostbaren Textilien entstehenden Schäden sind diesen Leuten, meist aus bildungsfernen Schichten, völlig egal. Man kann evtl. mittels Kordeln Bereiche so absperren, dass diese bei der Besichtigung zwar nicht betreten werden können, aber man doch alles sehen kann. Solche Absperrungen werden von den meisten Besuchern respektiert. Wenn die Wände zuweit weg sind, um diese zu berühren, kann man durch diese Absperrungen Vieles vermeiden. Dort, wo dies nicht möglich ist, z. B. unmittelbar neben den Türen, bleibt m. E. nur die Möglichkeit die Wandbespannungen mittels Glas, Plexiglas oder etwas anderes, was durchsichtig ist, zu schützen.


    Nebenbei gesagt, hatte man in der Würzburger Residenz vor vielen Jahre ein ähnliches Problem. Die Massen an Besucherschaaren berührten die Basen der mit Blattgold belegten Säulen des Kaisersaales regelmäßig, Dies hatte zur Folge, dass das Blattgold innerhalb kurzer Zeit stark berieben bzw. abgerieben wurde. Man löste das Problem dort damals dadurch, dass die Basen der Säulen des Kaisersaales nicht mehr mit Blattgold vergoldet wurden. Statt dessen hat man diese dann mit einem Metall verkleidet, ich meine es war poliertes Messing. Das tat der Pracht dieses grandiosen Saales keinen Abbruch. Aber dieses Metall übte, gegenüber der früheren Vergoldung, keinen Reiz des Berührens auf das "erlauchte Publikum" aus.

  • Vielleicht sollte man den Besuchern ein Stück Stoff in einem Schaukasten zum Anfassen präsentieren.

    Um so weniger versuchen dann noch die Wände "anzutatschen". Könnte funktionieren.

  • Am nächsten Freitag sind warten schöne Bilder auf uns. Das SMF (Sächs. Finanzministerium) meldete gestern:

    Quote

    Einladung zum Pressetermin zur Übergabe des Langen Ganges im Dresdner Schloss

    [...]

    nach fünf Jahren Bauzeit ist der Lange Gang im Dresdner Residenzschloss für die Gewehrgalerie, einem Teil der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, fertiggestellt. Gemeinsam mit dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) möchten wir Sie zu einem Pressetermin anlässlich der Übergabe des Langen Ganges an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) einladen.

    Termin: Freitag, 28. August 2020, 14 Uhr

    Übergabe an die SKD bedeutet noch nicht: Übergabe an die Öffentlichkeit. Die SKD brauchen ja auch noch etwas Zeit, um die Vitrinen zu bestücken etc. Aber wie gesagt, freut Euch auf schöne Bilder und Berichte.


    Dank eines Hinweises von unserem Mitglied Florentinus kann ich mitteilen, dass die von eryngium erwähnte Baubroschüre zum Schloss erhältlich ist (als Druckexemplar und Download). Sehr schöne Dokumentation, incl. Paraderäume. Eines allerdings verwirrt mich ziemlich: Die beiden Säle im Nordflügel kommen eigentlich nicht vor. Alle anderen noch ausstehenden Maßnahmen sind benannt.

    Hier der Link (Bestellung kostenloses Druckexemplar und Download):

    Klick

  • Vielleicht sollte man den Besuchern ein Stück Stoff in einem Schaukasten zum Anfassen präsentieren.

    Um so weniger versuchen dann noch die Wände "anzutatschen".

    Du, so etwas habe ich in verschiedenen Schlössern tatsächlich auch schon gesehen......

  • Eine – erst einmal grundsätzlich – gute Nachricht von der Schlosskapelle: Auf die Fertigstellung werden wir wohl nicht mehr „Jahrzehnte“ (oder so) warten müssen. Ganz aktuell wurde mitgeteilt, dass die Objektplanung für den Ausbau des Raumes vergeben worden ist. Daraus wiederum ergibt sich m.E. die Schlussfolgerung, dass die Entscheidung darüber, WIE der Raum gestaltet wird, nunmehr feststeht. Leider geht dieses WIE nicht aus dem Bekanntmachungstext hervor. Aber heute ist ja großer Pressetermin (14:00 Uhr) anlässlich der Übergabe der Gewehrgalerie an die SKD und da wird dazu vielleicht auch etwas mitgeteilt.

    Noch können wir träumen:   Klick

  • Heute wird der Lange Gang vom Sächs. Immobilien- und Baumanagement (SIB) als Bauherr an den Nutzer SKD offiziell übergeben.

    Wir werden nun endlich schöne Fotos, finale Zahlen zu den Kosten und einen Ausblick in die nähere Zukunft bekommen.

    In diesem Zusammenhang ein paar Bilder:


    Historischer Ausgangszustand:


    df_hauptkatalog_0017157.jpg

    (C) Fotothek


    df_hauptkatalog_0129274.jpg

    (C) Fotothek


    Bauliche Änderungen in den folgenden 300 Jahren im Äußeren:


    df_hauptkatalog_0097630.jpg

    (C) Fotothek


    Beginnende bauliche Rückführung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

    Langer Gang um 1935

    df_hauptkatalog_0148596.jpg

    (C) Fotothek


    Nachkriegszustand.

    Ein Teil der Arkade war eingestürzt. Das ganze Bauwerk komplett ausgebrannt. Von der Innenausstattung war kaum noch etwas erhalten.

    Langer Gang


    df_dat_0007101.jpg

    (C) Fotothek


    Der Lange Gang wurde bereits in den 1950-ern (Zusammen mit dem Johanneum) wieder aufgebaut.


    Bilder 1958:

    df_hauptkatalog_0137611.jpg

    (C) Fotothek


    df_hauptkatalog_0137613.jpg

    (C) Fotothek


    1979 hatte er dann hofseitig die historischen Malereien (ohne figürliche Darstellungen) rekonstruiert.


    df_hauptkatalog_0193496.jpg

    (C) Fotothek


    Im Inneren waren nach Befunden von der Augustusburg (bei Chemnitz) erste Wandmalereien in einer Probeachse ergänzt worden.

    df_dat_0007062.jpg

    (C) Fotothek


    Damals waren weder die Farbdias von 1944 bekannt, noch wusste man, dass sich brandbedingt die Farbpigmente komplett verändert hatten.

    Diese Restaurierung entspricht also heute nicht mehr dem Stand der Wissenschaft.

    Sie wurde jetzt hinter einem Gewehrschrank erhalten.


    -----


    Seit Ende der 50-er Jahre nutzte das Verkehrsmuseum den Gang als Ausstellungsfläche für Schifffahrt.

    (im Hintergrund die Probeachse)


    Langer Gang



    Im Verkehrsmuseum war man ab 2015 über das Ansinnen eines Entzugs dieser Ausstellungsfläche (immerhin fast 500qm) verärgert.


    Trotzdem wurde entschieden, den Langen Gang entsprechend seiner historischen Nutzung zukünftig wieder als Ausstellungsfläche für die höchst bedeutende Gewehrsammlung der Wettiner (Teil der Rüstkammer) zu nutzen.

    Für die Rekonstruktion wurde der Raum auf den historischen Bestand zurückgeführt. Viel war nicht mehr da...


    Die erhaltenen originalen Fresken-Reste in den straßenseitigen Fensternischen wurden geschützt, während man die Decke der Gewehrgalerie (aus Nachkriegs-Beton-Hohldielen) abbrach. Diese moderne Deckenkonstruktion entsprach nicht der historischen Raumhöhe (zu niedrig) und war für den Einbau der sehr komplexen Klimatechnik* im darüberliegenden Spitzboden ungeeignet.

    Fenster zur Augustusstraße wurden geöffnet, Zum Stallhof geschlossen.


    Für eine Wiederherstellung der exakten Raumgeometrie hätte es auch des Rückbaus des Fußbodens bedurft. Doch man verzichtete letztlich aus Kostengründen auf die Tieferlegung um ca. 10cm, denn dadurch hätte auch das nachkriegszeitliche Rabitzgewölbe der darunter befindlichen Arkade abgebrochen und neu hergestellt werden müssen.


    Langer Gang


    Der 101 m lange und nicht ganz 5m breite Raum wurde in starker Annäherung an seine historische Form rekonstruiert.

    Maßgebliche Zeitschicht war dafür der Zustand, wie er in den 1720-er und 30-er Jahren unter August dem Starken hergestellt worden war.

    Die Kassetten-Decke aus der Entstehungszeit um 1590 wurde nach historischen Farbdias und SW-Fotos von 1944 neu geschöpft.


    5337718.jpg



    Bei der Ergänzung der Wandmalereien in den straßenseitigen Fenster-Nischen entscheid man sich für eine Grisaille-Malerei, um dem Betrachter den ursprünglichen Form-Zusammenhang zu verdeutlichen. Eine farbige Reko war hingegen nicht möglich, weil sich die Pigmente der originalen Malereien (Metalloxide) durch den Brand komplett - beispielsweise von weiß nach schwarz (Blei) oder von gelb-ocker nach rostrot (Eisen) - verfärbten.



    Schwierig war wie immer auch die Frage, wie man bei der Reko nach Fotos mit späteren Restaurierungen und Übermalungen umgehen sollte.

    Man entschied sich dafür, auch offensichtlich unzulängliche spätere Übermalungen nach Foto-Dokumentation wieder - und damit den Zustand vor der Zerstörung - wieder herzustellen.

    "Schönere" Gesichter und andere "Verbesserungen" der Malerei abweichend von der dokumentierten Quellenlage wurden nicht umgesetzt.


    Langer Gang


    Langer Gang


    Nun darf man gespannt sein, wie sich in den nächsten Monaten die Bestückung der Vitrinen und die ergänzende Einrichtung der Räume darstellen wird.

    Insgesamt ist Herr Syndram als maßgeblich verantwortlicher auf Nutzerseite wohl wieder derjenige, der nicht an einer Vervollständigung der Reko des historischen Raumes interessiert ist.

    Vielmehr werden mit weiteren Vitrinen in den straßenseitigen Fensternischen moderne Einbauten hinzukommen, während man auf die Präsentation von auf uns überkommenen originalen Ausstattungsgegenständen des Raumes wohl weitgehend verzichtet.


    Lediglich auf den hintersten 3 (?) Fensterachsen wird man wohl ein paar der im Raum historisch verbürgten Fürstenbildnisse (Ahnengalerie) aufhängen.

    Ob Jagdtrophäen (Hirschköpfe, gezeigt in Hubertusburg im letzten Jahr), Kartuschen-Schilde aus Holz (heute im Riesensaal) wieder kommen werden? Unter Syndram (heute 65 Jahre alt) wohl eher nicht.


    Besonders unerfreulich finde ich dabei folgenden Umstand:

    Die originalen Fürstenbildnisse aus dem Langen Gang sind wohl weitgehend Kriegsverluste. Allerding wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts für die Festung Königstein die Originale aus dem Langen Gang (in leicht verkleinertem Format) kopiert.

    Diese 300 Jahre alten "Kopien" sind auf uns überkommen und wurden (nach der durch großzügige Unterstützung der Getty Foundation Los Angeles erfolgten Restaurierung) im Jahr 2006 im Rahmen der Sonderausstellung „Die Ahnengalerie der Wettiner“ auf dem Königstein zum Besuchermagneten.

    Leider befinden sich diese überlebensgroßen Fürstenbildnisse seither im Depot. Sie werden wohl auch zukünftig im Langen Gang nicht präsentiert werden, obwohl dadurch der Raumeindruck aus der Zeit August des Starken vervollständigt werden könnte.


    Quelle:

    https://www.schloesserland-sac…ba74f5921413932611bab9003


    Da arbeiten nun also Generationen von Denkmalpflegern seit den 1950-ern am Langen Gang.

    Und dann wird man wohl noch ein paar weitere Jahre warten müssen, bis auch innen das Maximum erreicht worden ist.


    df_hauptkatalog_0140010.jpg

    (C) Fotothek


    df_hauptkatalog_0139952.jpg


    (C) Fotothek


    Zustand Gewehrgalerie um 1935



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    * Der Raum der Gewehrgalerie ist raumklimatisch eine Herausforderung für die planenden Ingenieure, die Museumsleute und die Haustechniker.

    Um Feuchteschäden im Mauerwerk hinter dem Fürstenzug (Taupunkt) auszuschließen, wird im Raum selbst nur eine bedingte Klimatisierung mit großer Amplitude bei Luftfeuchte und Temperatur erfolgen. Dadurch muss jede Vitrine einzeln klimatisiert werden.