Das Dresdner Schloss

  • @BautzenFan


    Der 11. Januar 1890 war ein Samstag, das dürfte wohl der wahrscheinlichste Wochentag für einen Hofball gewesen sein. Außerdem muß es vorgängig eine Staats- bzw. Hoftrauer gegeben haben, weil explizit erwähnt wird, daß die "Trauer" an seiner (Beamten-)Uniform abzulegen sei.
    Da Sie sicher ohnehin orientiert sind, um welchen Todesfall es sich 1889 gehandelt haben müsste, lese ich mich gar nicht erst lange ein...

  • Hallo BautzenFan,


    supertolle und sehr akribische Informationen, die Du hier zusammenträgst und präsentierst!
    Lese seit Ewigkeiten mit großem Interesse mit. Speziell all die Details machen mich stets neugierig auf neue Informationen. cclap:):thumbsup:


    Zur Thematik F.A.Z.-Artikel sende ich eine PN.

  • Auch im Turmzimmer (Porzellanzimmer; 2. OG im Hausmannsturm) scheint man mittlerweile auf die Zielgerade einzuschwenken. Gestern erfolgte die Bekanntmachung über die Auftragsvergabe von 2 Maßnahmen, die eindeutig der Endphase der innenarchitektonischen Rekonstruktion zuzuordnen sind. Damit will ich freilich nicht behaupten, dass das Turmzimmer ebenfalls am 28. September eröffnet wird.


    Vergabe 1: Malerarbeiten und Ölvergoldungen für das Turmzimmer

    Quote from SIB

    Gegenstand der vorliegenden Ausschreibung ist die Farbfassung der hölzernen Wandverkleidung aus Weißtanne, der vorgelagerten Podeste, des Fensters sowie Ölvergoldungsarbeiten von insgesamt 56 Stück Konsolen und Profilen aus Holz.
    Tag des Vertragsabschlusses: 28.06.2019
    Beauftragte Firma: Fuchs + Girke Bau und Denkmalpflege GmbH
    Gesamtwert des Auftrags (ohne MwSt.): 55.716,21 EUR


    Nur zur Erinnerung: Mit der *Farbfassung* ist der zinnoberrote Anstrich gemeint. Diese Arbeiten können logischerweise erst dann ausgeführt werden, wenn die Tischlerarbeiten entsprechend weitfortgeschritten sind. Und dies war im Falle des Turmzimmers ein Riesenbrocken, wie sich schon aus der vereinbarten Auftragssumme für das Gewerk Tischlerableiten lässt:
    Wert ohne MwSt.: 496 534.16 EUR
    Vereinbart war damals (bei Vertragsabschluss im Sommer 2018, wie gesagt für das Gewerk Tischler) folgender Leistungszeitraum:
    Beginn: 05.09.2018 Ende: 20.06.2019



    Vergabe 2: Vergoldung Kompositkapitelle

    Bei diesem Auftrag gibt es aber eine Option, die m.E. belegt, dass die Arbeiten an den Konsolen NICHT am 28. September fertig sein werden. Aber – in Analogie zu den Räumen im Westflügel – das muss ja nicht zwingend heißen, dass die Besucher Ende September noch nicht rein dürfen, vielleicht lässt man uns wenigstens einen Tag mal reinschauen und danach wird wieder geschlossen.


    Quote from SIB

    Beschreibung der Optionen:
    Der Auftraggeber behält sich die Möglichkeit vor, gem. VgV§14 (4) Nr. 9 innerhalb von drei Jahren nach Abschluss des ersten Auftrags ein Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb durchzuführen, bei der nachfolgend beschriebene Leistungen an das Unternehmen zu vergeben, das den ersten Auftrag für die Polimentvergoldung der Kompositkapitelle erhalten hat zu den gleichen Bedingungen. Vergoldungsarbeiten mit folgendem Leistungsumfang: -Polimentvergoldung von insgesamt 67 Stück Konsolen, unterteilt in 12 Konsoltypen teilweise mit zugehörigem Deckel. Der Kreidegrundschnitt/Kreidegrundgravur ist wie im ersten Auftrag NICHT Teil der zu vergebenden Leistung.


    @Jakob
    Vielen Dank für die hilfreichen Hinweise. Leider kenne ich für das Jahr 1889 kein Todesereignis im Hause Wettin. Es dürfte ja eine Person aus dem engeren Familienkreis gewesen sein.


    @Florentinus
    Ebenfalls vielen Dank für die PN. Sehr interessant, aber der Sachverhalt war schon enttäuschend – nur soviel zum Inhalt des FAZ-Artikels: Seitens offizieller Stellen der Bundesrepublik passiert derzeit offenbar nichts, um die vielen Kunststücke, die nach 1945 illegal in die USA gebracht wurden, zurück zu bekommen.
    Schau doch mal in Dein Postfach.

  • Bezieht sich auf den Großen Ballsaal (6. Juli):

    Die Zuordnung ist richtig, aber zwischen Entwurf und der Ausführung gibt es deutliche Abweichungen. Das würde ich schon so sagen. Es geht nicht nur um die Ränder, auch bei den Figurengruppen links und rechts der mittleren Gruppe sind Veränderungen vorgenommen worden. Das zeigt uns, dass eine Entwurfszeichnung im Kupferstichkabinett noch keine sichere Grundlage für eine Reko ist. insofern ist der Vergleich hier schon interessant für uns.


    Die Wirkung des Großen Ballsaals beruhte ja wirklich zum großen Teil auf den Wandmalereien. Das macht eine Rekonstruktion schwierig. Eine Teilreko ohne die Malereien würde einen völlig anderen Raumeindruck schaffen. Der Innenausbau dieses Saales wird noch eine spannende Angelegenheit.

  • Dresdner Schloss, Semperoper, Frauenkirche: die einzige Totalreko's D.? Von Innen & Aussen 100% rekonstruiert/ restauriert. Alle 3 auch wirklich WUNDERBAR!


    Wenn nun die nächste Grossstädte in D. für 1 oder sogar 2 Totalreko's entschliessen würden.......welche sollten dann entstehen in Berlin, Hamburg, München, Köln, Leipzig, Frankfurt, Hannover, Magdeburg und Kassel??

  • Muss auch mal ein dickes Lob an die Protagonisten dieses Strangs (v.a. BautzenFan und eryngium) loswerden. Was man hier an architektonischen und historischen Details über ein einzelnes Gebäude erfährt, sucht seinesgleichen im Netz. Man könnte glatt einen eigenen Blog daraus machen.


    Leider fehlt mir die Zeit (und auch die Geduld), um alle Informationen aufzunehmen. Zu meinem Glück sprechen die meisten Bilder bereits für sich.

  • Zu den Fresken der Loggia


    (Alle Links gehen auf die italienische Wikipedia.)


    Annäherung an den kunsthistorischen Kontext der Fresken unter Nutzung der Bilder, die eryngium bei einem Vortrag im Rahmen der Tagung gemacht hat (Zitat vom 24. Juni):


    Auf der Grafik im ersten Bild sieht man die Annäherung an das künstlerische Umfeld. Ich habe den schlecht lesbaren Text entziffert. Es gibt drei Kreise.


    Der obere Kreis hat den Text: "Vorbilder und Ähnlichkeiten in bildthematischer Hinsicht, im Kleidungsstil der Darstellungen, hinsichtlich der figürlichen Gestik."


    Der linke Kreis hat den Text: "Zeitgenossen der Thola-Brüder, die der unmittelbaren Lehrer-Generation angehören bzw. gleichaltrig sind und dem kulturellen, regionalen Umfeld von Brescia entstammen oder nahe stehen."


    Der rechte Kreis hat den Text: "Freskanten, von denen eine nennenswerte Zahl an freskierten Malereien erhalten geblieben ist für Studien am Original zur Maltechnik, zur Palette, zur Bildauffassung an Fassaden."


    Die Namen sind links: Alessandro Bonvicino, Giovanni Battista Moroni, Agostino Galeazzi, Francesco Ricchino, Luca Mombello sowie ganz links Giovanni Gerolamo Savoldo, der als einziger nur dem linken Kreis zugeordnet ist, die anderen auch, wenigstens teilweise, dem oberen.


    Die Namen rechts: Paolo Veronese, Giulio Campi, Antonio Campi, Romanino (ab hier nicht mehr im oberen Kreis), Domenico Brusasorzi, Paolo Farinati, Felice Brusasorzi sowie im Zentrum und rot hervorgehoben Lattanzio Gambara.

    Auf dem zweiten Bild sehen wir Fresken aus dem Mittelschiff des Domes zu Parma. Sie wurden 1567-1573 von Lattanzio Gambara geschaffen. Konkret sind die folgenden beiden Szenen zu erkennen:



    Parma, Dom, Szene aus dem Leben Jesu (Auferweckung des Jünglings zu Nain), von Lattanzio Gambara
    (Foto: Sailko, Juli 2017, CC-BY-3.0)



    Parma, Dom, Szene aus dem Leben Jesu (Sturm auf dem See Genezareth), von Lattanzio Gambara
    (Foto: Sailko, Juli 2017, CC-BY-3.0)


    Auf dem dritten Bild sehen wir unser bekanntes "Testbild", das als erstes die Wand der Loggia zieren durfte, aber wieder verschwinden muss:



    Das "Testbild" für die Fresken der Loggia (Foto: SchiDD, Januar 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Das Vorbild kann nun identifiziert werden. Es findet sich im Palazzo piccolo Maggi in dem kleinen Ort Calino, der zur Gemeinde Cazzago San Martino der Provinz Brescia gehört. Im Innern mythologische Fresken von Lattanzio Gambara aus der Zeit um 1565.


    Calino (Cazzago San Martino), Palazzo piccolo Maggi (auch Palazzo Calini-Maggi genannt)
    (Foto: Moliva, August 2010, CC-BY-SA-3.0)


    Das letzte Bild des Zitats oben zeigt eine Anbetung der Könige, die als Fresko probeweise ausgeführt wurde und zum endgültigen Bildprogramm der Loggia gehört. Dazu auch die folgenden beiden Bilder aus dem Vortrag. Auf dem Modell der Loggia finden wir die Anbetungsszene im zweiten Obergeschoss links.


  • Quote from Rastrelli

    Die Wirkung des Großen Ballsaals beruhte ja wirklich zum großen Teil auf den Wandmalereien. Das macht eine Rekonstruktion schwierig. Eine Teilreko ohne die Malereien würde einen völlig anderen Raumeindruck schaffen.


    Auch dafür hatte man schon eine (Zwischen-)Lösung gefunden. Zum tieferen Verständnis des weiter unten folgenden Zitats sei noch an Folgendes erinnert. Redaktionsschluss für die zitierten Sätze war der 9. November 2010. Zu diesem Zeitpunkt galten noch die im Februar 2009 getroffenen Festlegungen (Pressemitteilung des Sächsischen Finanzministeriums) für die beiden Säle des Nordflügels:


    - Für den Großen Ballsaal und den Propositionssaal ist eine Verbindung von Rekonstruktion (nach der Fassung des 19. Jahrhunderts) und moderner Ausstellungsgestaltung vorgesehen. Dabei sind sowohl die Belange der Denkmalpflege, wie auch die musealen Belange (Licht, Sicherheit, Konservierung) zu berücksichtigen.
    - Eine Fertigstellung der Räume ist für 2013 vorgesehen.


    Dann, Anfang 2011, kam die große Zäsur: Die Mittel für den Schlossbau wurden erheblich gekürzt, Sachsen musste sparen (Stichwort: Finanzkrise, Trudeln der Sächsischen Landesbank). Mit Mittelkürzung war aber nur gemeint, dass das Tempo verlangsamt wird, nicht dass diverse Vorhaben ganz wegfallen (zumindest wurde das immer so kommuniziert), wie beispielhaft folgender Zeitungsartikel belegt (Leipziger Volkszeitung vom 06.03.2011):


    Quote from LVZ

    “Alle geplanten Maßnahmen werden umgesetzt, versichert Gößl [Anm.: Finanzministerium], „nur etwas langsamer“. Die Schlossvollendung hänge von der Haushaltsituation ab. „Ich hoffe, es wird noch dieses Jahrzehnt“, sagt Syndram.


    Schon ab etwa 2014/2015 entschärfte sich die Situation wieder. Es gelang, zweckgebundene Mittel beim Bund locker zu machen, und das in erheblicher Größenordnung. Es blieb aber dabei, dass die beiden Säle im Nordflügel zurückgestellt werden. Nun also das oben angekündigte Zitat:


    Quote from Hans-Christoph Walther

    Man hat wegen der geplanten Nutzung der beiden Säle als Ausstellungsräume für die Rüstkammer beschlossen, auf die Rekonstruktion der Bendemannschen Ausmalung zu verzichten. Dafür ist geplant, das Bildprogramm unter Verwendung der vorhandenen Darstellungen mit grafischen Mitteln an den rekonstruierten Wänden sichtbar zu machen [Anm.: gemeint ist mittels Bildprojektor]. Erste Proben dazu sind bereits angefertigt worden. Die geplante Wiederherstellung der Architektur im Großen Ballsaal unter Erhaltung der zu restaurierenden Stuckbereiche schafft eine organische Verbindung der historischen Raumflucht. Die authentische Wiederherstellung der Architektur hält damit prinzipiell die Möglichkeit einer späteren Rekonstruktion des Bildprogramms offen.


    Quelle: Restauratorische Arbeit und Neuschöpfung am Dresdner Schloss, in Dresdner Hefte Nr. 104

  • Zu den Entwürfen für die Fresken der Loggia


    In meinem vorigen Beitrag zeigte das letzte Bild das aktuelle Arbeitsmodell der Freskanten. Im Zitat unten verweist der Link "Modellbild 2" auf einen farbigen Entwurf der Loggienrückwand. Nach meiner Einschätzung handelt es sich dabei um eine Farbstiftzeichnung.


    Das Modell mit den Arkaden der Loggia (oben, voriger Beitrag) weist in der Darstellung der Fresken geringfügige Unterschiede auf. Der Entwurf entstand zudem in einer anderen Technik: wahrscheinlich Aquarell, eventuell mit Deckfarben. Dadurch leuchten die Farben stärker.


    Ich bringe hier den Link zum Originalbild von eryngium, über den wir uns das Foto auch in deutlicher Vergrößerung ansehen können (praktischerweise sollte man ihn in einem neuen Tab öffnen, wie externe Links):
    https://www.stadtbild-deutschl…ges/fd/24276-fd743409.jpg


    In der mittleren Arkade des zweiten Obergeschosses entdecken wir eine dunkle menschliche Figur als Maßstabgeber.


    Das unten folgende Bildzitat zeigt das ältere Modell des Großen Schlosshofs. Die Schrägansicht der Loggia auf dem Foto beruht darauf, dass alle vier Flügel des Schlosshofs zu diesem Modell gehören und der Fotograf nur vom Himmel aus an die Loggia herankam - eine Perspektive, aus der in der Realität niemand die Loggia sehen wird. Dieses Modell begleitete den Wiederaufbau des Schlosses. BautzenFan hatte auch schon andere Aufnahmen des Modells gezeigt, die wir aber hier im Moment nicht benötigen, da es uns ja nur um die Fresken geht. Es ist sinnvoll, die drei Darstellungen zu Vergleichszwecken dicht beeinander zu haben.


    Das ältere Modell unten hat Ähnlichkeit mit dem 1989 geschaffenen Nachbau des verlorenen historischen Schlossmodells aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. Es ist aber nicht mit diesem identisch (schließlich waren spätere Umbauten zu berücksichtigen). Das historische Modell, das den Zustand des Moritzbaus vor der Erweiterung um den Kleinen Schlosshof unter Christian I. abbildet (also etwa Stand 1590), zeigt die Schäfte der toskanischen Säulen der Loggia farbig marmoriert. Dem folgt das Modell für den Wiederaufbau des Schlosses, in dem die Fresken erst skizzenhaft angedeutet sind. Das aktuelle Arbeitsmodell der Freskanten zeigt die Säulen weiß, so wie sie sich momentan auch real präsentieren. Das deutet darauf, dass die Künstler von der Farbpalette der Fresken ausgehen, die sie sich mühsam erarbeiten mussten. Die Farbfassung der Säulen wird sich dann später nach der Farbwirkung der Fresken richten. Wenn sie denn kommt. Mir scheint, dass eine farbige Behandlung der Säulen die Wirkung der Fresken vom Hof aus verunklaren könnte. Denkbar ist aber auch, dass die Fresken erst mit farbig marmorierten Säulen davor richtig gut wirken.


    Ohne die architektonischen Rahmungen in den äußeren Arkaden bestehen die szenischen Fresken aus jeweils drei Bildfeldern - mit Ausnahme des dritten Obergeschosses, wo besonders schlanke Säulen ohne Arkadenbögen vorgesetzt wurden, die das Wandbild nur wenig verdecken. In den beiden unteren Geschossen nimmt dagegen die Freskomalerei der Rückwand die architektonische Gliederung des Arkadenvorbaus auf. Die Säulen verdecken also nicht Teile der szenischen Darstellung, sondern die Szene wird wirklich in drei getrennten Bildfeldern vermittelt. Was idealtypisch freilich nur für die frontale Ansicht gilt.


    Erinnern wir uns an die Fresken im Dom zu Parma aus meinem vorigen Beitrag! Dort brauchte der Künstler bei der Erarbeitung der Bilder keinen Vorbau zu berücksichtigen, der sich sowohl gliedernd als auch verdeckend auf die Wahrnehmung der Darstellung auswirkt. Solche Wandbilder, die wir unverstellt betrachten können, finden wir viel häufiger. Sie sind einfacher zu handhaben als die Dresdner Fresken.

    Auf dem hier abgebildeten Modell für den Wiederaufbau des Schlosses sehen wir hinter der ersten Arkade des ersten Obergeschosses rechts von der Tür das Kurwappen mit den roten Kurschwertern und der Schildteilung Silber über Schwarz. Auf den beiden späteren Entwürfen für die Fresken ist die Schildteilung hingegen Schwarz über Silber. Diese Gestaltung des Kurwappens ist wesentlich gebräuchlicher als die Teilung Silber über Schwarz. Das rekonstruierte Modell des 16. Jahrhunderts zeigt aber die Schildteilung Silber über Schwarz, wobei Kurwappen und Herzogswappen an den sgraffitogeschmückten Giebeln monochrom, also ebenfalls als Sgraffiti dargestellt sind. In den ersten Jahren der Rekonstruktion der Sgraffitodekoration des Schlosshofs waren die Wappendarstellungen an den Giebeln ebenfalls in Sgraffitomanier ausgeführt, aber das Kurwappen mit der Schildteilung Schwarz über Silber. Später entschloss man sich dazu, die Wappen polychrom darzustellen, also offenbar als Fresko.

  • Inhalt meines heutigen Beitrags sind 2 Empfehlungen bzgl. der Rekonstruktionsprojekte im Schloss, zum ersten ein TV-Tipp und zum zweiten eine Literaturempfehlung.


    Kommen wir zu Punkt 1.
    Laut einer aktuellen Ankündigung wird der mdr am 24. August (18.15 Uhr) eine Reportage über das diesjährige Großereignis in Dresden *Jubiläum der Hochzeit 1719*ausstrahlen:


    Quote from mdr

    "Unterwegs in Sachsen"-Moderatorin Beate Werner wirft einen Blick 300 Jahre zurück - in die Zeit, als Kutschen durch die Residenz rumpelten und der Zwinger Gestalt annahm. Natürlich wandelt sie auch durchs Schloss - wie einst Maria Josepha - und entdeckt Prunkgemächer, die gerade wieder in neuem Glanz erstrahlen.
    Quelle: https://www.mdr.de/unterwegs/s…residenz-dresden-100.html

    Vorab, quasi zum Appetit-machen – wurde dazu eine Bilderstrecke veröffentlicht (offenbar Szenen aus der Reportage). Die beiden für mich interessantesten Fotos habe ich nachfolgend verlinkt:


    Audienzgemach


    Im Vergleich mit den Fotos, die eryngium (Stand 20. Juni) gepostet hatte, ist ein wesentlicher Punkt bzgl. des zwischenzeitlich erreichten Baufortschrittsfestzustellen: Im Audienzgemach liegt nunmehr das Parkett (man beachte – in der vergrößerten Ansicht – den Bereich rechts unten, dort ist es am besten zusehen).
    Ihr Begleiter/Führer durch die Paraderäume war der Chefrestaurator Hans-Christoph Walther, das wird sicher sehr informativ.


    Figurine


    Das Foto zeigt die neu hergestellte Figurine Augusts des Starken mit dem Krönungsornat, das er1697 zur Krönung in Polen trug. Das Exponat ist noch nicht ganz fertig.



    Kommen wir nun zur zweiten Empfehlung. Ich besitze seit kurzem das neue Arbeitsheft des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen: *Die Paradesäle unter König Friedrich August II*. Gemeint sind die Säle im Nordflügel (Propositionssaal und Großer Ballsaal).
    Es handelt sich um die letzte Großtat von Frau Pohlack, der vor kurzem in den Ruhestand verabschiedeten Landeskonservatorin. Die Broschüre ist ein MUSS für jeden Liebhaber des Dresdner Residenzschlosses. Ich bin mit dem Inhalt noch längst nicht durch, möchte aber schon mal die, argumentativ hervorragend dargestellte Hauptaussage wie folgt zusammenfassen (mit meinen eigenen Worten): Ohne die beiden Säle – und zwar im rekonstruierten Zustand, mitsamt den Malereien von Bendemann - ist das Schloss nicht fertig. Sie sind für das Gesamtbild, das das Dresdner Schloss in kulturhistorischer Hinsicht für Sachsen zum Ausdruck bringen soll (und muss), schlichtweg unverzichtbar.


    Einige Zitate, die es wirklich in sich haben:


    Quote from Frau Pohlack

    Für die Paradesäle des 19. Jahrhunderts im Nordflügel, deren architektonischeGestaltung und museale Präsentation lagen die Wettbewerbsergebnisse bereits 2010 vor. Die Planungsleistungen waren ausgeschrieben, die restauratorischen Untersuchungen und Dokumentationen erfolgt. Mit dem bisherigen Gesamtkonzept und der denkmalpflegerischen Zielstellung wurde mit der Restaurierung bzw. der Rekonstruktion der Innenarchitektur Otto von Wolframsdorf gefolgt, eine spätere Ergänzung der Bilderzyklen von Eduard Bendemann blieb möglich, auch andere technische Präsentationsmöglichkeiten wurden besprochen [Anm.: mir ist noch eine Visualisierung erinnerlich, auf der diese Präsentation mittels Bildprojektor dargestellt war]. Alles war auf gutem Wege – bis der Bauherr 2011 eine „Entschleunigung“ der Baustelle beschied. Das betraf auch die genannten Paradesäle im Nordflügel. [eigene Anm.: An dieser Stelle enthält der Originaltext die Anmerkung Nr. 6, und diese lautet: Was wohl Prof. Dr. Martin Roth als Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen nicht „bremste“, am 1.September 2011 dem Ruf an das Victoria and Albert Museum London zu folgen. Die Anführungsstriche für das Verb *bremste* stehen so im Original.]
    Es ist zu konstatieren, dass mit dem Ausscheiden von Martin Roth als Generaldirektor die Kontinuität, das seit 1962 gewahrte einvernehmliche Herangehen an dieses Monument, sei es zur Sicherung der Ruine oder der schrittweisen Wiederherrichtung, nun von Seiten der Staatlichen Kunstsammlungen abbrach.


    Und dann möchte ich unbedingt noch die Anmerkung 13 zitieren (sie bezieht sich auf die Mitarbeiter im Landesamt für Denkmalpflege):


    Quote from Frau Pohlack

    2019 scheiden alle bisher am Residenzschloss tätigen Kollegen ruhestandsbedingt aus.

    Für weitere Ausführungen brauche ich noch etwas Zeit (insbesondere zu den wirklich akribisch von Frau Pohlack beschriebenen Reko-Grundlagen). Aber vielleicht haben ja auch andere unter uns diese Broschüre schon erworben und können sich hier einbringen.

  • Pressemittelung des Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
    05.08.2019




    Endspurt für den Ausbau des Langen Ganges im Dresdner Schloss


    Heute informierten Finanzminister Dr. Matthias Haß und der Leiter der Niederlassung Dresden I des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Dr. Ulf Nickol, über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen im Langen Gang des Dresdner Residenzschlosses.


    Finanzminister Dr. Matthias Haß betonte: „Der Lange Gang wird in zweifacher Hinsicht eine neue Attraktion. Der Raum wird weitgehend historisch hergerichtet. Und die Gewehrgalerie kann an diesem Ort erstmals wieder besichtigt werden. Sachsens reiche Geschichte wird dadurch angemessen bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.“


    Die Baumaßnahme des Langen Ganges umfasst den musealen Ausbau für die Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Außerdem den Umbau des Treppenhauses, der sogenannten „Jagdtreppe“, die die beiden Gebäudeteile des Schlosses „Langer Gang“ und „Georgenbau“ miteinander verbindet.


    Der Lange Gang wird in seiner historischen Fassung von 1733 wiederhergestellt. Dabei erfolgt unter anderem die Rekonstruktion der farbigen Renaissance-Holzdecke. Die Malerei in den Fensternischen und –leibungen wird restauriert und mit illusionistischer Malerei ergänzt. Der Raum verwandelt sich so selbst zum Ausstellungsstück und lässt vergangene höfische Pracht wiedererstehen.


    Fünf Restauratoren und Theatermaler arbeiteten mit Temperafarben an den 84 Kassettenplatten der Decke. Eine vollständige farbige Fotodokumentation aller Kassettentafeln von 1943/1944 diente als Vorlage. Dargestellt werden u. a. Obst- und Gemüsearrangements, Löwen, Hunde, Kriegerbildnisse und Blüten.


    Der Raum erhält neue Fenster, auch die mundgeblasenen Butzenglasscheiben werden wieder eingebaut. Anstelle der historischen Gewehrschränke kommen 18 Einbauvitrinen, die die hohen technischen Anforderungen für die Ausstellungsobjekte erfüllen.


    Die auszuführenden Leistungen sind handwerklich besonders anspruchsvoll. Sie werden eng durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement sowie das Landesamt für Denkmalpflege begleitet.


    Die Bauarbeiten zur Wiederherstellung begannen im Jahr 2016. Eine Fertigstellung ist für Ende dieses Jahres vorgesehen. Ab Frühjahr 2020 werden rund 500 der besten und prachtvollsten Feuerwaffen aus dem Besitz der sächsischen Kurfürsten gezeigt. Es handelt sich um die größte Sammlung an königlichen Jagd- und Sportfeuerwaffen des Barocks in Europa.


    Die Baukosten betragen rund 11 Millionen Euro. Sie werden von Bund und Land finanziert. Die Baumaßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.


    Der Lange Gang als Verbindungsbau zwischen dem Residenzschloss und Johanneum war einst der Zuschauerraum für die höfischen Turniere und Hetzjagden. Später waren hier die Ahnengalerie der Wettiner und danach die Gewehrgalerie August des Starken und seines Sohnes August III. untergebracht.
    Nach der Zerstörung 1945 wurde er wieder aufgebaut und bis 2015 durch das Verkehrsmuseum genutzt.


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    Bilder hier:
    https://www.dnn.de/Mehr/Bilder…schloss-Dresden#n31028469

  • Folgend bewegte Bilder zum aktuellen Ausbaustatus des Langen Gangs



    https://www.sachsen-fernsehen.…resdner-schlosses-645204/



    Man sieht auch sehr gut wie mit den Fensternischen umgegangen wird, wo noch Farbreste erhalten sind.



    Die Technik ist soweit drin. Es folgen noch MAlerarbeiten und das Verlegen des Fußbodens. Es fehlen auch noch einige goldene Zapfen an der Holzdecke.



    An der Außenfassade wurden auch alte Malereien gefunden, die wieder freigelegt werden. Es wird aber nicht weiter darauf eingegangen.

    Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder von mir.

  • @Treverer
    Etwa 100 Meter. An der Außenseite zur Augustusstraße befindet sich der Fürstenzug mit 102 Meter Länge. Eryngium berichtete am 23. Juni ausführlich über die Restaurierung des Langen Ganges. Ich zitiere hier noch mal die Bilder, die Teile von dem zeigen, was am Ende zu sehen sein wird.
    Bild 1: Kassettendecke der Renaissance.
    Bild 2: Eine der hellgrauen Vitrinen, die die Prunkwaffen der Gewehrgalerie aufnehmen werden.
    Bild 3 und 4: Durch thermische Schädigung stark veränderte Reste von Wandmalereien werden monochrom ergänzt.
    Bild 4: Das Schwarze sind die Rückwände der Vitrinen.


    Hier noch eine Aufnahme der gesamten Stallhofseite des Langen Ganges von Dr. Avishai Teicher aus Israel:


    Stallhof, Langer Gang mit Blick zum Georgenbau (Foto: Avi1111, Juni 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Das Bild zeigt alle 18 Fensterachsen des Langen Ganges. Rechts ist es ein kleines Stückchen vor dem Übergang zum Johanneum abgeschnitten. Die Sgraffiti wurden in den 70er Jahren rekonstruiert, da ohne sie die die Fenster architektonisch in der Luft hängen würden. Das war eine wichtige Vorarbeit zur Rekonstruktion der Sgraffitodekoration des Großen Schlosshofs. Die figürlichen Darstellungen zwischen den Fenstern wurden damals jedoch nicht rekonstruiert.

  • Am Langen Gang handelt es sich nicht um Sgraffiten, sondern um eine Malerei in Kalktünsche. Wie schon am Original der Renaissance. Aber natürlich war die ähnliche Wirkung wichtige Grundlage für den Großen Schlosshof.

  • Ich möchte in thematischer Anbindung an die letzten Beiträge noch darauf hinweisen, dass die Arkadenreihe im Stallhof beim großen Schlossumbau unter König Albert etwas verkürzt wurde:


    Quote from TU Dresden

    1899 mussten 1¾ Bögen außerdem dem Anbau eines Seitenflügels am Georgenbau weichen, so dass die Arkaden seitdem nur noch aus 20 Säulen bestehen.
    Quelle: http://schloss-dd.mz.test.tu-dresden.de/menue-1/stallhof


    Das folgende Foto zeigt den betreffenden Abschnitt (Jagdtorbereich):



    Man verlängere gedanklich die beiden roten Pfeile ins Innere des Gebäudes, bis sie sich schneiden. Der Baukörper, der VOR diesen (verlängerten) roten Linien liegt, umfasst den von 1899-1901 angebauten Teil. Mit dem roten Kreuz habe ich den Bogen markiert, der zu ¾ weichen musste, ein weiterer Bogen fehlt ganz.
    Auf dem nachfolgend verlinkten Kupferstich (Weck, um 1680) sieht man den historischen Zustand; ganz links das Jagdtor, ganz rechts das Stalltor (dieses ist realiter aber in „abgeknickter“ Lage zur Arkadenreihe).
    http://www.deutschefotothek.de…5/df_hauptkatalog_0017157


    Und hier ein historisches Foto, das wenige Jahre vor dem Umbau des Georgenbaus entstand:
    http://www.deutschefotothek.de…1/df_hauptkatalog_0041530



    In der von eryngium verlinkten Fotostrecke aus den Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN, Dresdner Lokalzeitung) war auch ein Foto enthalten, das eines der rekonstruierten Kriegermedaillons zeigt: Klick


    Auf dem folgenden Foto seht ihr zum Vergleich die historische Aufnahme aus dem Farbdiaarchiv:
    http://www.deutschefotothek.de…bj/70700484/df_wm_0004880


    Mir ist übrigens immer noch nicht klar geworden, ob diese Kriegerköpfe alle kommen oder nur einige. Die von eryngium gepostete Pressemitteilung (gestriger Beitrag) enthält eine Bildanlage, nämlich die überarbeitete Visualisierung der rekonstruierten Gewehrgalerie. Angemerkt ist: Das Foto ist rechtefrei verwendbar, also hab ich es hier mal gepostet:


    Bildquelle: Pressemitteilung SMF
    Entwurf: Arte4d Andreas Hummel/ HeineMildner Architekten
    Rechte: SIB Niederlassung Dresden I


    Die Kriegerköpfe sind hier nicht dargestellt, das wäre vermutlich in der grafischen Realisierung zu aufwändig gewesen und damit zu teuer geworden. Anmerken möchte ich, dass mir die aktuelle Farbfassung des Raumes wesentlich besser gefällt als der erste Entwurf. Diese erste Visualisierung war in einer Pressemitteilung des SIB vom 02.12.2016 als Anlage enthalten (auch dort die Anmerkung: Das Foto ist rechtefrei verwendbar).


    Quelle: Pressemitteilung SIB
    Entwurf HEINEMILDNER ARCHITEKTEN und Staatsbetrieb SIB



    Quote from Chris1988

    An der Außenfassade wurden auch alte Malereien gefunden, die wieder freigelegt werden. Es wird aber nicht weiter darauf eingegangen.

    Chris1988 legt hier mit eigenen Worten eine Hammermeldung aus dem von ihm verlinkten Videobeitrag zu den laufenden Arbeiten am Langen Gang dar. „Außenfassade“ – völlig legitime Formulierung, hätte ich üblicherweise wohl ebenso ausgedrückt – ABER: im vorliegenden Fall muss man doch den genauen Wortlaut verwenden:


    Quote from Ulf Nockol

    Besonders überraschend war, dass wir an der Außenwand, die auch nicht kriegszerstört war, Malereien gefunden haben, Malereien aus dem 16. Jahrhundert, die tatsächlich wertvoll sind und die wir jetzt so restaurieren wollen, dass sie auch wieder für die Bevölkerung sichtbar werden.
    Quelle: https://www.sachsen-fernsehen.…resdner-schlosses-645204/


    Bei dem Wort Außenfassade denkt man unwillkürlich an die straßenseitige (Fürstenzug) oder hofseitige Fassade. Dort ist aber meines Wissens in letzter Zeit nirgends ein entsprechend großer Bereich „bearbeitet“ worden in einer Art, dass man Malereien entdecken hätte können. Abgesehen davon wäre es wohl nicht vorstellbar, dass man in das relativ neuzeitliche Bildprogramm des Fürstenzugs „alte Malereien“ aus dem 16. Jahrhundert integriert. An der hofseitigen Fassade wären integrierte Originalmalereien aus dem 16. Jahrhundert sicher reizvoll (und eine wunderbare Ergänzung der in den 1970er Jahren rekonstruierten Malereien), aber wie schon gesagt, wie hätte man so etwas in letzter Zeit entdecken können, wenn dort gar nichts freigelegt worden ist. Um von Malereien zu sprechen, reichen ja nicht ein paar freigelegte Quadratzentimeter, das müsste schon eine etwas größere Fläche sein.


    Herr Nockol (Niederlassungsleiter SIB, Niederlassung Dresden I) spricht in dem Video aber von „Außenwand“, und das klingt nun freilich etwas neutraler. Es gibt nämlich einen Bereich, in dem aktuell umfangreiche Bauarbeiten erfolgen (bis hin zur teilweisen Rückführung auf den Rohbauzustand), und das ist der gesamte Baukörper des Jagdtores. Bei der dort befindlichen Tordurchfahrt könnte man im weiteren Sinne von Außenwänden sprechen (im Unterschied zu Wänden „richtiger“ Innenräume).


    Auf dem folgenden historischen Foto ist diese Tordurchfahrt zu sehen:
    http://www.deutschefotothek.de…618/df_pos-1993-a_0000014


    Der nördlicheAbschnitt der Durchfahrt gehört zum Baubestand des 16. Jahrhunderts, dersüdliche Abschnitt entstand erst mit der Umbaumaßnahme um 1900.


    Das letzte Foto (gepostet 2008 von Hyade) zeigt einen Teil der Tordurchfahrt von der Schlossstraße in den Kleinen Schlosshof. Auch dort wurden unter späteren Farb-?/Putz-?schichten alte Schmuckrelikte entdeckt (kunsthistorisch vermutlich nicht besonders wertvoll). Ich möchte damit nur zeigen, dass die Ausschmückung von wichtigen Eingängen offenbar in früheren Zeiten nicht unüblich war. Und das Jagdtor war ja ursprünglich der Hauptzugang in den Stallhof.


    Foto von Hyade


    Ich würde mich sehr freuen, wenn hier jemand weitere „Interpretationsideen“ zur Lage der Malereien beisteuert; Ergänzungen, Korrekturen sind natürlich ebenfalls gern gesehen.

  • Zum Foto von Hyade:
    Die Reste der Wandmalereien wurden im Zuge der Restaurierung der Durchfahrt wieder zugedeckt. Die Wände sind jetzt weiß. Auf dem folgenden Bild können wir sehen, wo sich die Stelle befand.


    Kleiner Schlosshof, Ostseite (Foto: SchiDD, September 2015, CC-BY-SA-4.0)


    Die Arkaden sind eine Zutat des großen Schlossumbaus von 1889 bis 1902. Dahinter befindet sich die Hofseite des unter Christian I. errichteten Torhauses (1590). Die Hoffassade war von Heinrich Göding d. Ä. bemalt worden. Illusionistische Architekturmalerei und polychrome Figuren vor schwarzem Hintergrund. Mindestens ein Entwurf dazu blieb erhalten (Staatsarchiv). Auf dem Foto hier sehen wir in der mittleren Arkade eine Glastür, hinter der die linke Wand der Durchfahrt zu sehen ist. Gut zu erkennen (über den Bildlink kann man sich auch eine Vergrößerung einstellen) ist das Rundbogenportal und darüber die Kugelnische, die auf dem Bild von Hyade zu sehen sind. Rechts davon befand sich an dieser Wand das Malereifragment. Auf dem Bild von Hyade sehen wir oberhalb der Malerei einen Gewölbeanfänger und rechts von ihr ein Stück vom Gewände eines größeren Portals. Alles sehr schöne Renaissanceformen. Meistens rennt man daran achtlos vorbei.


    Tor zur Schloßstraße, Torhaus von 1590 (Foto: Kolossos, Juli 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Hier haben wir die Ansicht des gleichen Tores mit gutem Blick in die Durchfahrt von der Schloßstraße aus. Wir sehen nun die andere Wand der Durchfahrt. Hinter dem Torflügel das Gewände eines großen Portals, dann ein Gewölbeanfänger und dahinter eine Kugelnische, soweit alles wie auf der gegenüberliegenden Seite. Nur das Rundbogenportal unterhalb der Kugelnische fehlt hier.


    Auf dem vor 10 Jahren entstandenen Foto fehlen noch die pompösen Leuchter beiderseits des Tores, die inzwischen rekonstruiert wurden. Sie waren aber eine Zutat des späten 19. Jahrhunderts, sodass dieses Foto einen besseren Eindruck vom Torhaus der Renaissance vermittelt als der gegenwärtige Anblick von der Schloßstraße. Wir müssen uns jetzt noch die wappenhaltenden Löwen oben wegdenken. An ihrer Stelle standen vier allegorische Figuren. Bei dem Pelikan über dem Tor kommen noch die ausgebreiteten Schwingen hinzu (waren zum Aufnahmezeitpunkt noch nicht rekonstruiert). Dann haben wir das Torhaus der Renaissance vor uns. Die Chronik von Anton Weck (1680) zeigt die ganze Straßenfassade in der Rustizierung, die wir im Bereich der Halbsäulen finden, und somit nicht bemalt. Wenn wir uns den Anblick eines vollständig bemalten Schlosses vorstellen, dann wird klar, dass die Wände der Durchfahrt nicht einfach weiß waren. Die Fachleute vermuten, dass Entwürfe von Göding für eine Bemalung des Torhauses nur teilweise ausgeführt wurden.


    Die Pracht des Torhauses wurde noch durch ein Tempietto mit Justitia oben drauf gesteigert, dass sich hinter der Balustrade, die oben im Bild noch zu sehen ist, erhob. Auf der Balustrade an den Ecken Engelsfiguren. Die DDR-Planungen für den Wiederaufbau sahen eine Rekonstruktion des renaissancezeitlichen Torhauses vor. Wäre sicher hübsch geworden, aber es gab gute Gründe, an der Gestaltung aus dem späten 19. Jahrhundert festzuhalten.


    BautzenFan erwähnte das Jagdtor neben dem Langen Gang. Hier ein recht neues Foto der dortigen Durchfahrt:



    Jagdtor am Schlossplatz, Blick in die Durchfahrt (Foto: Stefan Kühn, 30. Mai 2019, CC0)


    Links das Gewände eines Rundbogenportals der gleichen Art wie in der Durchfahrt des Torhauses an der Schloßstraße. Die Feinheiten der Ausarbeitung der Gewände lassen sich bei Vergrößerung der Bilder (jeweils über den Link) ganz gut vergleichen. Torhaus, Jagdtor und Langer Gang gehören kunstgeschichtlich zusammen (Schlosserweiterung unter Christian I.). Hier in der Durchfahrt gibt es offenbar keine Wandmalereien. Oder verdeckt gleich hinter dem vorderen Bogen? (Das graue Ding hinten links oben an der Wand lässt sich auch bei Vergrößerung nicht deuten. Ein alter Stein?) Vielleicht sind die Wandmalereien ein Stockwerk höher.


    Oberer Teil des Jagdtores und östlicher Seitenflügel des Georgenbaus (Foto: Timur Y, November 2010, CC-BY-3.0)


    Auf diesem Foto könnt ihr bei Vergrößerung jedes Detail erkennen. Die bärtigen Krieger erinnern ein wenig an die Figuren der Sgraffiti im Großen Schlosshof, die Löwen an ähnliche Schildhalter auf einem Tor im Schloss Augustusburg, das unter Christians Vorgänger, Kurfürst August, errichtet wurde. Sie sind ganz anders stilisiert als die Löwen über dem Tor in der Schloßstraße. Am Jagdtor finden wir eben echte Renaissance vor.


    Hier noch ein ganz aktuelles Foto vom 2. August:


    Jagdtor, links das Baugerüst vor dem Ende des Fürstenzuges (Foto: PantheraLeo1359531, 2. August 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Der Fürstenzug wird natürlich nicht angetastet. Das Gerüst dient der Erschließung der Baustelle im Langen Gang und vielleicht auch im Jagdtreppenhaus daneben. Ich vermute, dass die Wandmalereien irgendwo im Innern sind, an einer ehemaligen Außenwand. Die Stallhofseite des Langen Gangs (siehe BautzenFans erstes Bild) kann es nicht sein. Die Räume in der Erweiterung des Georgenbaus sind ja fertig und werden genutzt (1. Stock - Weltsicht und Wissen um 1600, 2. Stock - Sonderausstellungsraum des Münzkabinetts). Bei Vergrößerung sieht man in der Durchfahrt an der linken Wand unter der Decke dunkle Flecken, wie auch bei der Aufnahme vom 30. Mai. Ich denke, dass da keine Wandmalereien in der Durchfahrt sind. Die müssten ja auch gegen die Witterung geschützt werden.

  • Zu den Textilien in den Paraderäumen


    Hier ein Filmbericht zur Rekonstruktion der Goldstickereien für das Paradeschlafzimmer an der Burg Giebichenstein (Stand: Dezember 2017):
    https://www.mdr.de/sachsen/dre…c8c59624_zs-8b18b853.html


    Wahrscheinlich wurde das hier schon präsentiert. Zuletzt hatten sich eryngium und BautzenFan ausführlich zu den Raumtextilien in den Paraderäumen am 19. Juli, Beiträge 2150 und 2151, geäußert. Da war dieser Filmlink aber nicht dabei.


    Bei solchen aufwendigen historischen Stoffen und textilen Kunstwerken (Kleider wie Raumausstattungen) ist es wichtig, sie mit eigenen Augen zu sehen. Auf Fotos und in Filmen kommen die Feinheiten der Details und die geweblichen Strukturen nicht richtig rüber.


    Ilona Fitzner, Leiterin der Textilmanufaktur, sagt in dem Film: "Das ist das textile Bernsteinzimmer."

  • Es gibt Neuigkeiten vom Ausschreibungsgeschäft. Sehr interessant ist dabei eine brandneue Ausschreibung der SKD – vor allem was die zugehörige Terminstellung betrifft. Die Arbeiten (Restaurierung von 2 historischen Möbelstücken aus dem Paradeappartement/PAP) sollen sofort nach Vergabe begonnen werden (voraussichtlich am 9. September). Dann folgt eine Unterbrechung der Arbeiten, weil beide Exponate vom 26. September bis 5. November 2019 interimsweise in den Paradegemächern aufgestellt werden. Die endgültige Fertigstellung ist danach bis Ende Juni 2020 zu realisieren.



    Eine weitere Ausschreibung betrifft den Großen Schlosshof. Eryngium hatte ja schon berichtet (dies eine Info des Bauleiters), dass die Sandsteinplatten im 1. Bauabschnitt (knapp 1.000 m² entlang der Ostfassade des Hofs) im nächsten Frühjahr verlegt werden. Genauso ist es. Besagte Ausschreibung ist betitelt: Freianlagen 1. BA.


    Angaben zum Leistungsumfang und -Zeitraum:


  • Die SKD informieren kurz über das Eröffnungswochenende:


    https://ruestkammer.skd.museum…dresdner-residenzschloss/


    Am 28. und 29. September freier Eintritt im Residenzschloss sowie Abendöffnungszeiten in den Paraderäumen mit vorgebuchten kostenlosen Zeittickets. Wer sich das antun will, bitte schön.


    Ansonsten enthält der Ankündigungstext zu den Paraderäumen nichts Neues.


    Beim Porzellankabinett steht zwar weiterhin "Eröffnung am 28. September 2019", aber nichts von einem Eröffnungswochenende.


    https://porzellansammlung.skd.…ankabinett-im-turmzimmer/


    Was hat das nun zu bedeuten?