Das Dresdner Schloss

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    Jahreshauptversammlung 2019: 1. und 2. Juni in Balingen/Zollernalb. Mach mit!

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      Ich frage mich nur, warum es im Veranstaltungskalender (siehe Link oben) immer heißt: "ehemaliges Residenzschloss"? Diese Bezeichnung habe ich noch nie gehört. Erstaunlicherweise kommt die Meldung sogar aus dem Landesamt für Denkmalpflege. Die Einladung wurde von Landeskonservatorin Pohlack unterschrieben. Wieso auf einmal "ehemaliges Residenzschloss" als scheinbar amtliche Bezeichnung? Die SKD haben das Residenzschloss in ihrer Öffentlichkeitsarbeit noch nie als "ehemalig" bezeichnet. Eine Veranstaltung findet in der Schlosskapelle statt. Warum fehlt dort dann der Zusatz "ehemalige"? Verbuchen wir das mal unter "Sprachtorheiten".

      Die Schlosskapelle hat das Zeug, ein schöner Veranstaltungsraum zu sein. Im konkreten Fall wird der Termin dort aber wohl unter "Baustellenbegehung" fallen. Die Kapelle dient bekanntlich den Freskanten als Werkstatt. Vor einigen Tagen habe ich aus dem Turmzimmer des ersten Obergeschosses (Ausstellungsbereich "Mode") durch die Glastür in die Kapelle geschaut. Wie schon im vorigen Jahr schützen sich die Handwerker vor neugierigen Blicken. Die Aussicht ist weitgehend verhängt. Nur der unmittelbare Gewölbebereich ist zu sehen. Der lohnt aber allemal den Weg zu diesem Aussichtspunkt und ist vor allem Besuchern zu empfehlen, die die Schlosskapelle noch nie von innen gesehen haben.

      Am Altan ist der Zustand unverändert. Das farbige Probefresko ist noch da, ebenso die schwarzweißen Testbilder mit Architekturmotiven. Das Baugerüst ganz links ist unverändert. Was sich hinter der Plane tut, bleibt neugierigen Blicken verborgen. Die Malsaison hat wieder begonnen. Vertrauen wir darauf, dass die Arbeit gut vorangeht!

      Die Hoffläche des Großen Schlosshofes ist weitgehend beräumt und abgesperrt. Hier wird man wohl die Verlegung der Sandsteinplatten in Angriff nehmen. Bei meinem letzten Besuch ist mir noch einmal bewusst geworden, welche Bedeutung der Bodenbelag für die Wirkung des Hofes hat. Am besten einsehbar ist der Große Schlosshof bei einem Museumsbesuch vom Riesensaal aus.

      Ein Veranstaltungsort des oben angekündigten Kolloquiums ist das Palais im Großen Garten. Das ist immer noch ein dekmalpflegerisches Dornröschen.

      Dresden, Palais im Großen Garten, Festsaal während einer Frühlingsausstellung
      (Foto: Jörg Blobelt, März 2006, CC-BY-SA-4.0)

      Am baulichen Zustand des Festsaals dürfte sich in den letzten 13 Jahren nichts verändert haben. Das liegt unter anderem daran, dass andere Projekte Vorrang hatten, allen voran das Residenzschloss. Wir sehen auf dem Bild die ältesten Stuckmarmorarbeiten Sachsens. Durch den Baumeister Johann Georg Starcke und die Entstehungszeit um 1680 besteht ein enger kunstgeschichtlicher Zusammenhang mit dem Residenzschloss. Von der Bauphase in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist dort später vieles wieder verschwunden. Das eindrucksvollste und mit Starcke (nicht mit Klengel) verbundene Zeugnis jener Zeit ist heute das folgende schöne Portal, das derzeit noch ein Schattendasein führt.


      Dresden, Residenzschloss, Großer Schlosshof, Portal am Durchgang zum Kleinen Schlosshof
      (Foto: SchiDD, Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)

      Falls jemand aus unseren Kreisen bei der Veranstaltung Mäuschen spielen und berichten könnte ...
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      Rastrelli wrote:

      Ich frage mich nur, warum es im Veranstaltungskalender (siehe Link oben)immer heißt: "ehemaliges Residenzschloss"? Diese Bezeichnung habe ich noch nie gehört. Erstaunlicherweise kommt die Meldung sogar aus dem Landesamt für Denkmalpflege. Die Einladung wurde von Landeskonservatorin Pohlack unterschrieben. Wieso auf einmal "ehemaliges Residenzschloss" als scheinbar amtliche Bezeichnung? Die SKD haben das Residenzschloss in ihrer Öffentlichkeitsarbeit noch nie als "ehemalig" bezeichnet. Eine Veranstaltung findet in der Schlosskapelle statt. Warum fehlt dort dann der Zusatz "ehemalige"? Verbuchen wir das mal unter "Sprachtorheiten".
      Die Bezeichnung *EHEMALIGES Residenzschloss* für das Dresdner Schloss ist schon seit ca. 100 Jahren gebräuchlich – und zwar als quasi offizieller/amtlicher Terminus (verwendet durch die Administration). Hier zwei, vom Sächsischen Finanzministerium herausgegebene Broschüren aus den 1920er Jahren: Klick Klick

      Das Schloss diente in der Zwischenkriegszeit verschiedenen Nutzungen - es war aber eben keine RESIDENZ des Herrschers mehr. Im 3. und 4. OG befanden sich Wohnungen. 1922 war die Repräsentations- und Festetage für die Öffentlichkeit zur regulären Besichtigung freigegeben worden (das gesamte 2. OG im Kernbau - Flügel um den Großen Schlosshof). Außerdem residierten diverse Behörden des sächsischen Staates im Schloss.

      Im Jahr 1933 (200.Todesjahr von August dem Starken) fand die mit großem Besucherinteresse bedachte Ausstellung *August der Starke und seine Zeit* statt. Sie führte durch alle Räume im 2. OG, die seit 1922 besichtigt werden konnten, nun aber zusätzlich vielfältige Exponate zum Thema aufgenommen hatten. Aus diesem Anlass erschien folgender Ausstellungsführer: Klick
      Auch hierfindet man auf dem Titelblatt die Bezeichnung *EHEMALIGES Residenzschloss*.


      Schade dass Du keine Fotos von Schlosshof gemacht hast - oder doch?
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      Ich kenne mich als Dresden-Liebhaber und -Fan aus der Ferne mit der dortigen Terminologie zu den Schlössern nicht aus.

      Ich denke aber, dass Folgendes auch in Dresden gelten könnte. Es ist wahrscheinlich die zeitliche Nähe der erwähnten Schlossführer-Hefte zur Residenz, der die Erläuterung „ehemalige“ notwendig machte: 1922 lag die Zeit als wirkliche Residenz nur vier Jahre zurück - die Benennung nur mit Residenzschloss oder Residenz hätte missverstanden oder als politisch aufgenommen werden können. 1933 könnte das immer noch gelten oder aber doch auch ganz bewusst politisch eingesetzt worden sein.

      Als das Christentum im 4. Jhd. heidnische Tempel abgelöst hatte, hat man in Rom wohl auch einige Jahrzehnte lang noch vom ehemaligen Jupitertempel gesprochen oder vom ehemaligen Tempel Castor und Pollux. Heute würde es keinen Sinn mehr machen, in Athen vom ehemaligen Tempel der Athena Parthenon zu reden, wir sagen kurz Parthenon oder reden in Rom vom Pantheon, dem Tempel aller Götter, und nicht vom ehemaligen Pantheon, gerade weil kein Mensch mehr an alle Götter glaubt. Natürlich auch weil die meisten gar nicht mehr wissen, was Pantheon heißt - mit Residenz ist das wohl ähnlich, dass bei dem Namen Residenzschloss niemand mehr der Begriff des Sitzes einer tatsächlichen Macht-Dynastie mehr im Kopf herumspukt und schon gar kein Verdacht auf eine heutige.

      Je weiter der Gebrauch eines Gebäudes zurück liegt, desto überflüssiger ist die Bezeichnung ehemalig. Nötig nur, wenn Verwechslungen möglich wären: Volkshochschule im ehemaligen Rathaus. Bei musealem Status eines Gebäudes wird die Bezeichnung ehemalig selten sinnvoll sein.

      Möglicherweise wurde die Bezeichnung in der DDR aus politischen Gründen noch gebraucht, worüber ich aber nichts weiß.
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      Ich kann mir auch vorstellen, dass sich neben der politischen Konnotation das "ehemalig" eingebürgert hat, weil das Schloss eben über 50 Jahre als weitgehende Ruine dastand. "Schlossruine" habe ich im Bezug auf das Dresdner Residenzschloss auch schon gelesen und die Verbindung von der Schlossruine zum "ehemaligen Residenzschloss" ist so weit auch nicht hergeholt, zumal die Ruine ja stets bedroht war.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
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      Gute Nachricht vom Großen Schlosshof – Es geht los. Der SIB hat ganz aktuell eine Ausschreibung veröffentlicht, die wie folgt betitelt ist: Großer Schlosshof, Tiefbau 1.Bauabschnitt.

      SIB wrote:

      Auszug aus dem LV:
      Die Ruine wurde in den Nachkriegsjahren beräumt und gesichert. In den 80er Jahren des 20. Jhds. hat man dann schrittweise mit dem Wiederaufbau begonnen, der sich noch bis heute fortsetzt. Im Rahmen dieses Wiederaufbaus soll auch der Große Schlosshof im Sinne seiner ursprünglichen Entstehungszeit baulich wiederhergestellt werden. Dies betrifft sowohl die Fassaden als auch die Hoffläche. Durch die umfassende Rekonstruktion der Sandsteinarchitekturen an den Fassaden, Treppentürmen und der 4-geschossigen offenen Loggia (Altan) und die Wiederherstellung der Sgraffito-und Frescodekorationen soll die Gestaltungwirkung des 16. Jhd. wieder erlebbar werden.
      Im Großen Schlosshof wird nun in einem ersten Bauabschnitt die historische Oberfläche aus Sandsteinplatten wiederhergestellt, der ca. 1/3 der gesamten Hoffläche entspricht.
      […]
      Bei der nachfolgend beschriebenen Leistung handelt es sich um Tiefbau- und Erschließungsarbeiten mit Entwässerung.

      Es geht hier also noch nicht um die Verlegung der Sandsteinplatten, vielmehr wird der Untergrund in besagtem 1. Bauabschnitt (zu dieser Fläche gleich mehr) so weit vorbereitet, dass anschließend, im nächsten Schritt, die Sandsteinplatten verlegt werden können. Folgende Teilleistungen sind genannt:

      SIB wrote:

      200 m Bauzaun aufbauen, vorhalten, abbauen, H 1,20 m und H 1,75 m,
      525 m^2 bituminöse Tragdeckschicht aufnehmen, entsorgen,
      26 m^3 Kies 16/32 aufnehmen, entsorgen,
      1 St. monolithisches Entwässerungsbauwerk umbauen,
      4 St. Schachthälse umbauen,
      135 m^3 Boden Verkehrsflächen lösen, entsorgen,
      360 m^3 Leitungsgraben, Schutzrohrgraben, Blitzschutz, Bodentanks,
      345 m^3 Leitungsgraben Entwässerungsleitungen, Trinkwasserleitungen, Schächte,
      115 m^3 Frostschutzmaterial,
      250 m^2 Asphaltdeckschicht und bituminöse Tragdeckschicht einbauen,
      80 m Entwässerungsrohrleitung DN 100 bis DN 200,
      4 St. auslegbare Schachtabdeckungen, quadratisch, teilweise mit Öffnungshilfen,
      8 St. Sickerboxen als Doppelbox,
      1 St. Abluftschacht als Fertigteil, rechteckig,
      1 St. Brunnenschacht als Fertigteil, rechteckig.

      Der Ausführungszeitraum ist wie folgt benannt:
      Beginn: 19/08/2019
      Ende: 15/11/2019

      Die betreffenden Arbeiten sollen also bis vor dem Wintereinbruch abgeschlossen werden. Vermutlich wird dann ab Anfang 2020 (wenn die Witterung es wieder zulässt – kein Frost) mit der Verlegung der Platten begonnen.
      Interessant ist nun natürlich die Frage, welche Fläche dieser erste Bauabschnitt umfasst. Gemäß den Ausschreibungsunterlagen (Lageplan) beinhaltet sie den östlichen Streifendes Hofes (entlang des Ostflügels). An der Nordfassade endet sie VOR dem Altan (also östlich davon). Das habe ich in folgendem Foto mal gekennzeichnet:



      An der Südfassade reicht der 1. BA bis einige Meter westlich des Starcke-Portals.

      Primärer Zweck dieser vorgezogenen Maßnahme ist ja die geplante Eröffnung des Schlossrestaurants – ich verweise nochmals auf den von Chris1988 verlinkten Zeitungsartikel: Klick

      Wenn man sich die Flächenerstreckung der fertigen/begehbaren/vorfristig für Besucherfreigegebenen Fläche anschaut, wird deutlich, dass der Haupteingang des Restaurants(siehe Foto oben) INNERHALB des Bereiches liegt – nicht aber der 2. Eingang. Dort soll ja eine Rampe für Rollstuhlfahrer gebaut werden:



      Ist mir noch nicht ganz klar, wie Menschen mit Mobilitätseinschränkungen dann ins Restaurant kommen sollen. Durch das Grüne Tor (Mitte Nordflügel) erscheint mir unwahrscheinlich, weil dieser Durchgang weiterhin als „Baustraße“ genutzt wird.
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      Der Zugang zum Schlosshof unter dem Hausmannsturm ist ja auch noch nicht mit im 1.BA.
      Also gehe ich davon aus das der öffentliche Zugang über den kleinen Schlosshof erfolgt?

      Man wird wohl eine provisorische behindertengerechte Lösung an der Treppe am Haupteingang anbringen. Sie ist ja breit genug.
      Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder von mir.

      Da das Einbinden externer Bilder nicht mehr im Forum gestattet ist, leidet etwas die Quaität meiner Bilder. Sorry :(
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      Bei meinem letzten Besuch dort war das Starcke-Portal bereits für das Publikum gesperrt. Der Zugang zum Hausmannsturm erfolgte über eine Tür vom Foyerbereich vor dem Historischen Grünen Gewölbe aus. Von dort braucht man nur an der Westwand des Großen Schlosshofes entlangzuschleichen und stört die Bauarbeiten nicht.

      Unter der "bituminösen Tragdeckschicht" im Osten des Hofes liegen Teile der frühgotischen Burganlage, darunter ein Teil der geheimnisumwitterten Kemenate. Ob man sie dereinst wird betreten können, ist mir unklar. Weiß das jemand? Auf dem letzten Foto von BautzenFan sieht man auch ein halb im Boden versunkenes Portal, das zu dieser Bauepoche gehört (mit einen roten x bezeichnet).

      Zum Audienzgemach und Paradeschlafzimmer: Wir hatten hier mal eine Diskussion über die Kronleuchter. Rekonstruiert werden nicht die Kronleuchter, die vor 1945 dort hingen, sondern kleinere. Es gibt historische Innenraumaufnahmen mit beiden Arten von Leuchtern. Mir ist beim Vergleich sofort klar geworden, dass die kleineren Kronleuchter diejenigen sind, die zur ursprünglichen Raumausstattung gehören. Ich finde es gut, dass man bei der Rekonstruktion der Paraderäume so auf Detailgenauigkeit achtet und nicht einfach die pompösen Kronleuchter der Jahre vor der Zerstörung nimmt, die viele Besucher sicherlich beeindrucken würden, stilistisch aber nicht passen.