Das Dresdner Schloss

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    • Oktavian schrieb:

      und ihr großartiges und mühsam wiedererrungenes Raumkunstwerk zerredet sehen müssen...
      Ich denke, das war eine Diskussion auf hohem Niveau (ausser dem Teetrinker), und die sollte doch erlaubt sein. Jedenfalls nehme ich persönlich aus jeder sachlich geführten Diskussion etwas mit, oder erinnere mich daran.

      Naumburg schrieb:

      Gut gepredigt ja und was nun? [...] aber etwas im Sinne eines Massnahmenplan greift nicht. Bleibt alles beim alten.
      Das ist nicht Sache unseres Forums, Massnahmenpläne oder dergleichen zu formulieren. Jeder, der hier mitliest, kann selber was für den eigenen Berufsweg mitnehmen. Ich jedenfalls mache es so. Weshalb sonst diskutiere ich hier über etwas, das 600 km entfernt ist, mit?
    • So sehr ich mich auch für die Details interesse, möchte ich betonen dass dies hier ein Forum für alle ist. Nicht jeder ist Architekt oder Kunsthistoriker, ich selber bin u.a. klassischer (und auch nichtklassischer) Musiker, habe von daher zwar einen Bezug zu den schönen Künsten und vor allem zur Architektur, von letzterer versteh ich auch (für einen Laien) eine ganze Menge. Allerdings , wenn ich die Herren Kunsthistoriker bitten dürfte, so zu sprechen dass auch ein Nichtexperte sie versteht ;)

      Was m.E. die Diskussion am Meisten hat entgleiten lassen, ist diese verbohrte Beharren auf Fachwissen und dies auch so plakativ allen zeigen müssen. Liebe Leute: Ich glaube Euch allen dass ihr Experten seid und wahnsinnig viel Ahnung von Kunstgeschichte habt. Aber mir will es einfach nicht gelingen den Eindruck loszuwerden, dass es einigen hier gar nicht um eine simple Diskussion (i.e. Erörterung = "wo ist der Ort") d.h. um die Sache geht, sondern mir scheint manchmal dass einige sich unter Druck fühlen sich unbedingt als die Experten darstellen zu müssen um sich wertvoll, akzeptiert und anerkannt fühlen zu können.

      Ich selber habe Euer Expertenwissen nicht, sondern habe von Kunstgeschichte auf gut Deutsch Null Ahnung (ausser Basics wie Dehio und Voluten etc.), aber fühle mich auch ohne Experte zu sein in diesem Forum und im realen Leben wertvoll, akzeptiert und anerkannt. Es ist alleine Eure Sache wie ihr Euch fühlt, aber wenn ihr in Euch geht und Euch besinnt, ich bin sicher ihr werdet feststellen dass Ihr Euer Wissen nicht benötigt um Euch wertvoll und anerkannt zu fühlen :)
      Denn hierzu reicht es einfach, zu sein.

      Oktavian ist einer der wenigen den ich hiervon ausnehme, er ist übrigens auch der einzige der mir oft schon Dinge so erklärt hat, dass ich sie tatsächlich sofort und ohne Probleme verstehe.- Alleine daran erkennt man, dass es ihm nicht um Selbstdarstellungen geht, sondern um die Sache.

      Tipp: Sprecht doch einfach auch so, dass ein Laie Euch versteht, und stellt Euch nicht hier, sondern im stillen Kämmerlein einmal die Frage ob Euch wirklich auch um Dresden geht oder um Euren Drang zur Selbstdarstellung. Ich bin sicher, wenn Ihr Euch selber diese Frage ehrlich beantwortet habt , wird auch die Diskussion dieses kindische "Ich hab Recht/ Nein, ich" etc. verlieren und etwas zivilisierter verlaufen. Ich finde diese Rechthaberei und Verbohrtheit, gelinde gesagt, hochgradig infantil.

      PS - ja, die Heizungsgitter sehen ein bischen "gelasert" aus. Na und? 21. Jahrhundert. Da können selbst die Modernisten nicht meckern, zeitgenössische Formensprache halt ;) Die Sphinx blickt komisch drein? Ihr Blick erinnert an den unserer Kanzlerin, also auch hier alles zeitgenössisch korrekt. Tipp: nicht alles so Ernst sehen.....bischen mehr Leichtigkeit und "savoir vivre" und alles geht besser. :daumenoben: :blumen:
      "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).
    • Ich sehe die ganze Kritik hier als konstruktiv, da sie ja einen Wink für künftige Besserungen geben kann. Und ich mache die Rekonstruktion per se nicht an Lasergittern und schlechten Putten fest. Abgesehen davon: man kann die Säle auch als Provisorien und Rohfassungen betrachten- insofern muss man noch nicht alles perfekt machen, sondern ein Gesamtbild schaffen. Alle Punkte, die wir ansprachen lassen sich auch noch nachträglich optimieren. Wichtig ist, dass der Raum an sich und als Ganzes steht, wie eine erste Skizze. Weil man sich auch klar machen muss, dass vorher nichts darin vorhanden war und erst bei Fertigstellung der ‚Skizze‘ der Feinschliff beginnen kann. Putten, Lasergitter (was mich am wenigsten stört), Kronleuchter und Sphinx betrachte ich daher eher von dieser Perspektive des Anfangs, der sich erstmal auf das große Ganze fokussiert (dass man sich hier nicht im Klein/Klein verlieren darf, verstehe ich ja- weil man sonst keinen Meter weit käme und sich verzettelt). Von dort an kann man die Details schrittweise und in mehreren Jahren immer noch nach und nach anpassen.
    • Nein, sie ist zum Teil deswegen nicht konstruktiv weil erstens alle auf ihrem Standpunkt beharren und das ist, wie gesagt, fast schon kindisch. Und zweitens wird übersehen dass hier einige an diesem Projekt beteiligt sind und bis zur Erschöpfung gearbeitet haben. Dass man dann solche Kritik eventuell in den falschen Hals bekommt, liegt auf der Hand. Dies verleiht der Diskussion dann etwas kampfartiges und unfaires.

      Bei dem Heizungsgitter schwingt tatsächlich etwas auf leicht unheimliche Weise perfektes und "modernes" mit (ich nenne das "Coselpalais-Syndrom"), aber das sieht in 100 Jahren sowieso ganz anders aus. Dann wird man möglicherweise sagen: "Korrekt rekonstuiert - mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln der Zeit".
      "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).
    • Ich beharre selbstverständlich auf dem Standpunkt, dass die Grisaille schlecht gemacht ist. Sie können von mir nicht erwarten, etwas zu loben, das nicht lobenswert ist und sämtliche ästhetische Prinzipien über Bord zu werfen, nur um niemandem auf die Füße zu treten. Ich benenne Arbeiten, die von schlechter Qualität zeugen, auch weiterhin als solche. Konstruktiv ist dies, da die Verantwortlichen es vielleicht zum Anlass nehmen, die Ausgestaltung zu hinterfragen und für die Zukunft andere Künstler zu engagieren. Sowas kann passieren, sollte aber nicht zur Regel werden. Wenn Besucher z.B. aus Florenz oder Paris einen Blick darauf werfen, werden sie schmunzeln und Anderen davon erzählen. Das Ziel sollte aber sein, bei Führungen stolz auf die Details verweisen zu können und nicht beschämt darauf zu hoffen, dass es von den Besuchern übersehen wird. Wie gesagt, als Rohfassung ist es akzeptabel.
    • Allmählich bekommt diese Diskussion eine Schieflage, wie mir scheint. Wir reden hier über Kunst, Architektur und Rekonstruktion und nicht über Personen, die in die verschiedenen Prozesse involviert sind.

      Und weil wir hier einzig über Sachthemen reden, nehme ich mir selbstverständlich die Freiheit heraus, über Kunst und Rekonstruktion offen zu urteilen - und zwar auf dem fachlichen Niveau, das ich für angemessen halte. Und wenn ich eine Position für begründet halte, dann äußere ich sie, ganz gleich, wer in der Sächsischen Staatskanzlei mitliest, egal, wer dann meint, das persönlich nehmen zu müssen. Niemand ist hier bislang tatsächlich persönlich angegriffen worden.

      Ich bin kein Freund davon, Dinge aus diplomatischer Rücksichtnahme schönzureden. Und ich halte es für unnötig, wenn manche sich hier zum Apologeten bestimmter Personen aufschwingen und meinen, anderen sagen zu müssen, worüber und wie diese sich zu äußern haben und was sie besser nicht sagen sollten. Nicht zuletzt erwarte ich auf einem Forum wie diesem geistige Offenheit und keine Wagenburg-Mentalität. Hin und wieder müssen wir auch einmal unsere mentale Comfortzone verlassen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Seinsheim ()

    • Seinsheim schrieb:

      Ich bin kein Freund davon, Dinge aus diplomatischer Rücksichtnahme schönzureden. Und ich halte es für unnötig, wenn manche sich hier zum Apologeten bestimmter Personen aufschwingen und meinen, anderen sagen zu müssen, worüber und wie diese sich zu äußern haben und was sie besser nicht sagen sollten
      Ich glaube ich bin sogar noch viel weniger Freund unsinniger Diplomatie oder übertriebener Höflichkeit. Wegen mir musste schon so manch Dresdner Bauherr sein Gästebuch schließen, da er meine Kritik nicht vertrug. (Jedenfalls war am Tag nach meinen Kommentar geschlossen und blieb es für immer). Für solche Aktionen bin ich bekannt, und ich nehme auch in real kein Blatt vor den Mund. Ich beschimpfe bei Veranstaltungen im Dresdner Rathaus auch schon mal einen Politiker der es verdient hat. (Hat gewirkt - Gewandhaus wurde nicht gebaut). Also ausgerechnet mich nun zum "Apologeten" oder gar zur Inkarnation übertriebener diplomatischer Rücksichtnahme zu erklären ist schon sehr gewagt ;)

      Es ist aber ein Unterschied ob ich einen Bauherrn kritisiere der Treppen-Glasdächer an der Frauenkirche baut mit der Begründung, da könne man beim Friseurbesuch beim Haarewaschen die Frauenkirche sehen, oder ob ich jemanden kritisiere der ganz andere Dinge für Dresden will.

      Es geht hier auch weniger um Apologetik, sondern, ich kann es ja gerne noch mal wiederholen: Einige hier diskutieren nur aus Selbstdarstellungsdrang um ihr Können und Wissen zu zeigen. Respekt. Aber entsprechend unsinnig und infantil verläuft die Diskussion dann eben auch. Sorry, aber ich finde es peinlich wie einige hier sich zum Chef der Denkmalpflege aufspielen. Dass die Heizungsgitter und die Sphinx nicht toll aussehen kann sogar ein dummer Laie wie ich erkennen.

      Ausserdem versteh ich kein Wort von dem was ihr da babbelt. Bitte so erklären, dass es auch Laien verstehen! Nicht jeder ist Kunsthistoriker. Hoffe das war jetzt - wie das auch meine Art ist und wer mich kennt weiss das - undiplomatisch genug.
      "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).
    • Eigentlich hatte ich mit dem Thema abgeschlossen, aber nun muss ich doch mal nachhaken.

      Ich habe die Gitter, die beiden Kandelaber, den Sphingenkopf und die Grisaillemalerei kritisiert und betont, dass man so etwas besser machen müsste, gerade an derart prominenter Stelle. Einige haben sich dieser Meinung ganz, andere in Teilen angeschlossen, andere haben es anders gesehen. Stets aber wurde die Gesamtleistung der Schlossrekonstruktion und auch der Wiederherstellung des Kleinen Ballsaals anerkannt und gelobt - ausnahmslos von allen!!

      Wirklich hochgekocht und einen scharfen Ton in die Debatte eingebracht haben einige wenige. Auch meine mehrfachen Ansätze, die ganze Thematik aus einer übergeordneten Perspektive zu betrachten und auf diese Weise in andere Bahnen zu lenken (Stichwort Kunstgewerbeschulen) wurden von ihnen nicht aufgegriffen.

      Nun frage ich mich: Wie ist es möglich, die sachliche Kritik an vier Details, eingebettet in viel Lob für die Gesamtleistung, als "Fundamentalkritik an den Schlossräumen (Plural!)" zu interpretieren? Haben wir es hier mit einer generellen Kritikunfähigkeit zu tun? Zumal die betreffende Person selbst ganz gerne austeilt (Stichwort "Blobelbude" - eine Wortschöpfung, die ich durchaus witzig finde, die aber doch auch recht pauschal ist).

      Fazit: Ich muss zugeben, dass ein solches Verhalten mich ratlos zurücklässt.
    • Gestern gab es offenbar einen weiteren Pressetermin bzgl. der Paraderäume. Etliche Medien berichteten, die meisten aber leider nur in Kurzfassung. Den umfangreichsten Artikel habe ich in der Sächsischen Zeitung gefunden. Hier ein Auszug:

      Sächsische Zeitung schrieb:

      Aurora reitet Helios schon wieder voraus, umspielt von Putten und ihren Söhnen, den Winden. "Sie wäre die Erste, die beim Aufwachen in den Blick gerät", sagt Gemälderestaurator Dietrich Richter. Die Gruppe steht im Zentrum desriesigen, mit der Architektur verschmelzenden Deckengemäldes, das er und seine Kollegen im Paradeschlafzimmer des Dresdner Residenzschlosses rekonstruieren -nach dem Original von Hofmaler Louis de Silvestre (1675-1760). Während eine Restauratorin vorsichtig mit dickem Pinsel Schatten am Gewand der Göttin der Morgenröte aufträgt, zieht ihr Kollege an der geputzten Wölbung der Decke einen dünnen Strich mit Goldfarbe. Die Plattform mehrere Meter über dem Boden gleicht einem Atelier. Die Künstler arbeiten dort über Kopf, zwischen aufgehender Sonne und untergehendem Mond in roter Grundierung und Bleiweiß. Sie haben Bilder von Silvestre, Malweisen und Material seiner Zeit sowie Raumaufnahmen von 1943 studiert, bevor es im Mai 2018 ernst wurde. "Die Arbeit entspricht der der Künstler von damals", sagt Ute Matuschek. So wurde die 70 Quadratmeter große Leinwand aus schmalen Streifen zusammengenäht und im Metallrahmen aufgespannt.

      Quelle:
      saechsische.de/schritt-fuer-sc…-und-opulenz-5033225.html

      Einige Berichte enthalten ein Foto von dpa, das den aktuellen Stand des Deckengemäldes im PSZ zeigt. Hier die größte
      Bild-„Erstreckung“ (damit meine ich das, was von der Decke im Bild erfasst ist): Klick

      Und hier die größte Fotoauflösung, die ich gefunden habe: Klick

      Und die historische Aufnahme aus dem Farbdiaarchiv zum Vergleich: Klick
    • Das aktuelle Foto ist sehr klein und in der Bildqualität komprimiert, was ein Grund darstellen kann, warum alles so kontrastarm und unscharf erscheint, aber ich wage schon jetzt absehen zu können, dass auch hier wieder die neue Malerei die historische nicht gut wiedergibt, und das auf einem Blick, da muss man erst gar nicht Details vergleichen, was ich aber auch noch ansprehen möchte.
      Der Stil und die generelle Wirkung der Malerei erscheint ganz anders. Die neue Malerei wirkt leicht, wattig und pastellig wie im Rokoko, die alte Malerei wirkt schwerer, kontrastreicher und schärfer im Detail wie im frühen Barock.
      Bevor nun jemand sagt, die alte Malerei war aber bereits abgedunkelt und verschmutzt und wirkte dadurch wahrscheinlich dunkler und schwerer: Ja, aber normalerweise legt sich dieser Schmutzfilm wie ein gräulicher/bräunlicher, difuser Film über die Malerei. Renoviert sehen Malerien dann eher wieder schärfer im Detail, kontrastreicher und knalliger in den Farben aus, nicht weicher, kontrastärmer und zarter in den Farben:


      Quelle: epicpew.com/amazing-photos-sistine-chapel/

      Abgesehen davon sehe ich, dass im Detail einiges nicht exakt kopiert wurde: An vielen Stellen der Faltenwurf zum Beispiel. Direkt unter der Brust der Morgenröte fehlt eine komplette, diagonale Faltenlage, was ihren Oberkörper nun gestauchter, breiter und weniger dynamisch gedreht erscheinen lässt. Der große Stoffbausch über dem Kopf des einzelnen, rechten Putto hat nun eine andere Form und bedeckt den Himmel hinter dem Putto komplett, während er im Original den Himmel hinter dem Putto frei lässt, ihn somit stärker und plastischer vor dem Hintergrund hervortreten lässt und der gesamten Figurengruppe einen stärkeren, detailierteren und interessanteren Umriss gibt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Treverer ()

    • Neu

      Ich möchte voranstellen, dass ich mir nicht anmaße, die Qualität solcher 1:1-Kopien barocker Wandgemälde zu bewerten. Ich bin kein Kunsthistoriker, habe auch sonst keinerlei berufliche Querbezüge zum Sektor Kunst (also Ausbildungsgrundlagen), sondern ordne mich in die Kategorie *interessierter Laie* ein. Mit diesem Hintergrund seien mir aber einige grundsätzliche Anmerkungen gestattet.

      Es ist zugegebenermaßen etwas vereinfachend formuliert, aber ich will es trotzdem mal so zusammenfassen: Es gibt beim Projekt *Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlosses“* 2 „Lager“ (in Bezug auf die involvierten Fachexperten und die Entscheider). Da wären zum ersten diejenigen, die das Schloss eher als „Hülle“ für die herausragenden Kunstexponate der Dresdner Kunstsammlungen ansehen. Ihnen gegenüber steht die Fraktion, die das Schloss selbst (und eben auch seine verloren gegangenen Innenräume) als Ausstellungsobjekt ansehen und mit dem Wiederaufbau des Gebäudes ein „Monument sächsischer Geschichte und Kultur“ als Zielbild im Visier haben. Maßgebend geprägt wurden diese Vertreter durch den jahrzehntelangen Kampf um die Rettung der Ruine.

      Im Jahr 2003 erschien ein längerer Fachartikel von Dirk Syndram (Direktor Grünes Gewölbe) im Jahrbuch der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, aus dem ich nachfolgend zitiere:

      Dirk Syndram schrieb:

      Nach der friedlichen Revolution des Jahres 1989 und dem Wiedererstehen des Freistaates Sachsen 1990 kam es zu einem zügigen, nicht auf die Kosten achtenden Wiederaufbau, der bald zur Verunsicherung führte. [Anm.: Diese Formulierung hätte einen expliziten Beitrag verdient, aber ich will jetzt nicht abschweifen.] So wurde schließlich in einem aufwendigen und zeitraubenden Gutachterverfahren zum Thema Museumskonzeption Dresden. Wiederaufbau Dresdner Schloss im Auftrag des Finanzministeriums 1995 und 1996 die Nachkriegsdiskussion zur Einrichtung von Museen im Dresdner Schloss von namhaften Architekten, Denkmalpflegern und Kunsthistorikern ausführlich neu diskutiert. Am 16. Dezember 1997 beschloss dann das Kabinett des Freistaates Sachsen, nach Prüfung anderer Nutzungsvarianten, das Schloss langfristig als Zentrum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden einzurichten und dort neben dem Grünen Gewölbe die Rüstkammer, das Kupferstich-Kabinett und das Münzkabinett mit ihren Ausstellungsräumen und Verwaltungsbereichen sowie die Generaldirektion, die Verwaltungsdirektion und die Kunstbibliothek unterzubringen.

      Ungeklärt blieb bis zum Ende der 1990er Jahre die Frage, ob das wieder aufzubauende Residenzschloss ein Schlossmuseum oder ein Museumsschloss werden solle: ob es als architektonischer Rahmen für die Präsentation von kunst- und kulturgeschichtlich bedeutenden, konservatorisch sehr anspruchsvollen Kunstwerken primär eine dienende Funktion haben würde, oder ob es selbst das bedeutendste Ausstellungsobjekt wäre, das nur durch ausgewählte Kunstwerke auszustatten sei. Es geht also um die Grundsatzfrage, ob das Residenzschloss ein Präsentationsort von Kunst oder ein Denkmal sächsischer Geschichte werden wird. Dies betrifft grundsätzlich das Ausmaß der Rekonstruktion der Räume.
      […]
      Nach langen und lebhaften Diskussionen einigte sich die sächsische Denkmalpflege mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der staatlichen Bauverwaltung darauf, einen Kompromiss zu verwirklichen.
      [Anm.: Jetzt folgt im Artikel die Darlegung – Stand 2003, was rekonstruiert werden soll]
      […]
      Die Räume des Westflügels werden in Anlehnung an ihre Einrichtung des 18. Jahrhunderts rekonstruiert, wobei die Wiederherstellung der vernichteten Deckengemälde noch der Diskussion bedarf.

      Quelle:
      docplayer.org/65882723-Jahrbuc…n-berlin-brandenburg.html


      Ich habe die voranstehenden Ausführungen so weitschweifend gestaltet, um zu verdeutlichen, dass die an der Ausführung Beteiligten hier wirklich mit Herzblut bei der Sache sind – die Deckengemälde müssen einfach gelingen. Und dafür wird alles getan, was möglich ist.
      Dem im PSZ federführend wirkenden Künstler Dietrich Richter (ob der beide Gemälde herstellt?) werden projektbegleitend hochkarätige Fachberater zur Seite stehen. Der im nachstehenden Zitat genannte Harald Marx ist ein profunder, international anerkannter Experte für die Barockmalerei in Sachsen. Titel seiner Dissertation: „Zur dekorativen Malerei des 18. Jahrhunderts in Sachsen“.

      Sächsische Zeitung schrieb:

      Die Malereien hatte kein Geringerer als der Hofmaler Louis de Silvestre ausgeführt. Restaurator Dietrich Richter arbeitet seit zwei Jahren in Dresden daran, dem Meister die Geheimnisse abzulauschen. Auch hier sind es die alten Farben und die Technologien, die erforscht und ins Heute übersetzt werden müssen. Ihm liegen Fotografien aus den Jahren 1943/44 vor. Experten wie der frühere Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister, Harald Marx, und die Restauratoren der Gemäldegalerie geben ihr Wissen über de Silvestres Malweiseweiter. Richter macht Studien, Skizzen, Proben. Kann man das Lebensgefühl eines Louis de Silvestre erlernen? Man kann ihm nur nahekommen.

      Quelle:
      sz-online.de/nachrichten/kultu…-was-glaenzt-3950101.html

      Und jetzt komme ich endlich zu den Anmerkungen von Treverer. Ich kann mir schlichtweg nicht vorstellen – bei all der geballten Fachkompetenz, bei all dem Aufwand, der betrieben wird, dass zum Beispiel solche „Schnitzer“ wie fehlende Faltenwürfe passieren.

      Treverer schrieb:

      Direkt unter der Brust der Morgenröte fehlt eine komplette, diagonale Faltenlage
      Ich habe mir den betreffenden Bereich mal extrem vergrößert – meiner Meinung nach ist das noch gar nicht fertig ausgemalt.
      Bezüglich der Farb- und Kontrastwirkung, die Treverer ebenfalls angesprochen hat, ist zusätzlich zu berücksichtigen (neben dem Arbeitsstand), dass die beiden Aufnahmen (historische aus dem Farbdiaarchiv vs. aktuelles Foto) unter völlig anderen Lichtverhältnissen entstanden sind. Für die Herstellung der historischen Farbdias wurde das Deckengemälde speziell für den Fotografen ausgeleuchtet, teilweise hat man dafür Flakscheinwerfer verwendet. Demgegenüber erfolgte die Beleuchtung desaktuellen Fotos ausgerichtet auf die Arbeit der Künstler, die auf einem Gerüst stehen (der Fotograf stand unten).

      Hoffen wir also das Beste – spätestens im September wissen wir mehr.
    • Neu

      Na, dann lasst uns mal auf ein gutes Endergebnis hoffen. Es ist ja noch bis September zeit.
      Was sich im Moment jedoch nicht ganz erklären lässt, warum der Faltenwurf falsch vorgemalt wurde, nur um dann später mit viel Aufwand korrigiert zu werden? Zumindest der Faltenwurf um den angesprochenen Putto weicht ziemlich stark vom Original ab, und das hätte den beteiligten Profis vom Fach von Anfang an auffallen müssen, wenn es uns im Forum auf einem einzelnen, kleinen Bild bereits auffällt...
    • Neu

      Ich habe mir das auch überlegt. Aber kann es sein, dass die diversen Faltenwürfe in einer bestimmten Reihenfolge bei der Entstehung des Gemäldes gemalt werden? Es gibt Faltenwürfe, die durch Schatten begrenzt sind, aber es gibt auch solche, die durch eine helle feine Kontur begrenzt sind.

      Ich habe keine Ahnung, wie ein solches Gemälde angegangen wird. Beim Bildervergleich hatte ich den Eindruck erhalten, dass zuerst die hellen Farben aufgetragen werden, und dann etappenweise die nächst dunkleren, und am Schluss die ganz dunkeln. Vielleicht weiss jemand einen Link dazu.
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      Zuerst wird eine Umrisszeichnung angefertigt, dann die Untermalung. Dabei kommen zu den Konturen Licht und Schattenmodulierung, alles einfarbig, danach kommen lasierend die Farbschichten darüber und Licht und Schatten werden vertieft. So ist ganz grob wiedergegeben die Technik bei der klassischen, altmeisterlichen Ölmalerei. Bei einem Fresko ist es ähnlich, nur daß dabei, wenn in den feuchten Putz gemalt wird so ziemlich alles gleich stimmen muß, weil man da fast nichts korrigieren kann. Bei sehr alten Fresken, die einmal übertüncht worden sind und Jahrunderte später vielleicht auch unsachgemäß wieder freigelegt worden sind, bleiben oftmals nur Umrisse und wenig Farbflächen übrig. Da wurde der Malprozeß sozusagen wie umgekehrt.
      Ist die Reko nun Fresko (in den feuchten Putz), al secco (auf trockenen Putz) oder auf Leinwand? Ich meinte was von Leinwand gelesen zu haben. Ach, unser Clint weiß es bestimmt. Mein Metier ist eher die Bildhauerei, als die Malerei!

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von SchortschiBähr ()

    • Neu

      dnn.de/Dresden/Lokales/Schritt…ischer-Pracht-und-Opulenz

      Ein sehr interessanter Artikel zu den Paraderäumen.

      DNN schrieb:

      „Die Stoffe kamen damals aus den Pariser Werkstätten von Ludwig XIV., nur sie durften mit Gold arbeiten.“ Für August den Starken wurden sie zu über 3,70 Meter hohen Wandvorlagen in Säulenform verarbeitet, bestickt und posamentiert. „Das ist einmalig, das gibt es nicht nochmal auf der Welt.“
      :koenig: :koenig: :koenig:

      Und der Link zu einer kleinen Galerie:
      dnn.de/Mehr/Bilder/Bilderstrec…Residenzschloss#n30139043