Das Dresdner Schloss

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    • BautzenFan schrieb:

      Und noch auf eine weitere Formulierung im voranstehenden 2. Zitat möchte ich aufmerksam machen, dass nämlich die Dresdner Schlosskapelle „in moderner Fassung wiedererstehen wird“. Dies wie gesagt der Stand März 2008. Im Jahr 2009 begann dann aber der Einbau des historischen Schlingrippengewölbes. Offenbar hatten sich die Dresdner Denkmalpfleger mit ihrem Projekt durchsetzen können.
      Warum wird die Schlosskapelle eigentlich nicht endlich vollendet? Im Grunde müssen doch nur noch die Wände verputzt werden, oder liege da falsch? (vgl. aktuelles Bild)
    • Vor ca. 1 Jahr war hier im Forum über folgende Auftragsvergabe berichtet worden:

      Art und Umfang der Leistung:
      Sichten, Ordnen, Umlagern der histor. Sandsteinplatten des Großen Schlosshofs
      Zeitraum der Leistungserbringung:
      Lieferung/Ausführung ab: 21.08.2017
      Lieferung/Ausführung bis: 22.09.2017

      Heute nun wurde die Anschlussleistung ausgeschrieben (wörtliches Zitat aus dem Ausschreibungsanzeiger):
      Inhalt der Leistung ist die Lieferung von 1.000 m^2 gebrauchter Sandsteinplatten mit definierten petrografischen Eigenschaften und näher beschriebenen Anforderungen an die Maße und den Zustand für die Verlegung als Bodenplatten im Außenbereich. Die technischen Eigenschaften der Platten müssen denen des Postaer Sandsteins aus dem Elbsandsteingebirge wie folgt entsprechen:…(hier stehen dann diverse techn. Parameter).
      Als Liefertermin (also quasi Leistungsendtermin) ist genannt: 31/05/2019

      Hier hat mich erstmal sehr verblüfft, dass es auf dem Markt gebrauchte Sandsteinplatten geben soll – in diesem Umfang (1.000 m^2) und mit dieser Fülle an Prämissen (Plattengröße, technische Parameter), was das eventuell verfügbare Angebot weiter stark einschränken dürfte. Aber vielleicht ist das auch nur ein Versuch, so nach dem Motto – war zwar sowieso recht unwahrscheinlich, aber wir wollten nichts unversucht lassen (für eine homogene Patina des Hofbelags). Bin ich wirklich sehr gespannt, wie die Sache ausgeht.

      Es entsteht natürlich die Frage, wie groß ist die Fläche des Schlosshofs eigentlich und welchen Anteil haben folglich die fehlenden 1.000 m^2. Ich konnte das leider nur „Pi mal Daumen“ ermitteln (unter Verwendung eines Lageplanes mit angegebenen Maßlineal). Damit kam ich auf ca. 2.900 m^2. Das heißt also, etwas mehr als ein Drittel fehlt. Der kleine Schlosshof hat übrigens eine Fläche von 615 m^2 (offizielle Angabe).

      Die folgenden Fotos sollen eine Vorstellung über den Erhaltungszustand der Sandsteinplatten geben.

      Mai 1984: Nördlicher Teil des Großen Schlosshofs mit Blick auf den nordwestlichen Treppenturm – die „Platten-Fehlstelle“ im Bildbereich links unten interpretiere ich als zugeschütteten Bombentrichter:


      Von Erich Braun- Scan von Negativ, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27480390

      Mai 1984: Blick auf die Nordfassade


      Von Erich Braun- Scan von Negativ, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27480384

      Nördlicher Teil des Großen Schlosshofs mit Blick auf den nordöstlichen Treppenturm


      Von Erich Braun- Scan vom Negativ, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34046485

      Kurze Zeit nachdem die voranstehenden Bilder aufgenommen wurden, führte man umfangreiche archäologische Ausgrabungen im Schlossbereich durch. Der größte Teil des Hofareals wurde dabei „umgewühlt“ – die originalen Sandsteinplatten hat man natürlich vorher geborgen. Hier eine Aufnahme von Turmfundamenten, die bei den Ausgrabungen entdeckt worden sind (die zugehörige Bauphase wurde in das 2. Viertel des 13. Jhd. datiert, sie war vor den Untersuchungen völlig unbekannt):


      Bildquelle:
      Schnappschuss aus der filmischen Dokumentation *Von der Ruine zum Richtfest*, herausgegeben 1994 vom sächsischen Finanzministerium


      Das nachstehende Schlossmodell wurde vor einigen Jahren primär für die Entscheidungsfindung bezüglich der Weiterführung der Sgraffitto-Bemalung hergestellt (deshalb fehlt auch die Westfassade, denn die war ja schon lange fertig). Ob nun aber die hier dargestellte Verlegung (also die Verlege-Geometrie) der Sandsteinplatten tatsächlich so kommt, weiß ich nicht.



      In der Vorkriegsversion gab es ein Gestaltungsdetail, das im obigen Modell fehlt. Durch entsprechend abgesetzte Verlegung hatte man nämlich eine Fahrtrasse abgebildet, die in geschwungener Linienführung das Starcke-Portal (östlicher Bereich Südfassade) mit der Durchfahrt unter dem Altan verband (die folgenden Fotos bitte vergrößern, sonst sieht man nicht viel): Klick Klick


      Abschließend möchte ich noch über 2 Vergaben informieren.

      1. Vitrinen für die Paradesuite:
      26 Vitrinen bestehend aus 18 freistehenden Vitrinen, 4 Tischvitrinen, 4 Wandvitrinen zur Präsentation hochwertiger Ausstellungsobjekte, maßgefertigt, unterteilt in Sockel und Vitrinenraum mit unterschiedlichen Öffnungsmechanismen und 1 Podestkonstruktion mit vierseitiger Barriere

      Den Zuschlag erhielt die Spezialfirma Artex Museum Services GmbH aus Wien.
      Vereinbarter Auftragswert(ohne MwSt.): 475 558.40 EUR
      Die Firma hat bereits Spuren im Residenzschloss hinterlassen (Vitrinen im Ausstellungsbereich *Auf dem Weg zur Kurfürstenmacht; 1. OG Ostflügel): Klick


      2. Tischlerarbeiten Turmzimmer
      Herstellung, Lieferung und Montage einer hölzernen, barock gegliederten Wandverkleidung als hinterlüftete, selbsttragende Vorsatzschale einschließlich Unterkonstruktion, eines Sockelpodestes mit Stufenanlage sowie einer Deckenverkleidung im Bereich des Korbbogens der Fensternische.

      Den Zuschlag erhielt eine renommierte Fachfirma aus der Nähe von Dresden (Osterzgebirge):
      Denkmalpflege Karsten Püschner
      Vereinbarter Auftragswert (ohne MwSt.): 496 534.16 EUR

      Auch dieser Betrieb hat beeindruckende Referenzen vorzuweisen, darunter die Rekonstruktion des Orgelprospektes der Dresdner Frauenkirche (Tischlerarbeiten und Holzbildhauerarbeiten), hier 2 interessante Fotos: Klick Klick

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    • Ende März diesen Jahres wurde folgende Leistung ausgeschrieben: „Fadengenaue Rekonstruktion der Goldtressen für das 1.Vorzimmer“ (231 m Goldtresse 4,50 cm breit sowie 139 m Goldtresse 2,50 cm breit). Bei diesen Goldtressen handelt es sich um eine Art Borte (= gewebtes, gemustertes Band, das als Verzierung auf Stoff aufgenäht wird). Zur Veranschaulichung hier ein bereits vorliegendes Musterstück:


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


      Und hier ein Beispiel für den Einsatz dieser Tressen (Detailbild von der Ostwand des 1. Vorzimmers):


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen (Ausschnitt)

      Diese Ausschreibung wurde vor einiger Zeit OHNE Vertragsabschluss beendet. Vorgestern informierte der SIB über die nunmehr auf anderem Verfahrensweg erfolgte Vergabe. Den Zuschlag erhielt die Firma * Heritage Trimmings Ltd. The Old Mess Room* aus Großbritannien (England). In der veröffentlichten Vergabeinformation heißt es dazu:

      SIB schrieb:

      Verfahrensart: Auftragsvergabe ohne vorherige Bekanntmachung eines Aufrufs zum Wettbewerb im Amtsblatt der Europäischen Union (für die unten aufgeführten Fälle)
      * Keine oder keine geeigneten Angebote/Teilnahmeanträge im Anschluss an ein offenes Verfahren

      Erläuterung zur Verfahrensart:
      Im Verfahren gab es keine Angebote. Die Leistungen dieses Auftrages betreffen die Rekonstruktion von vergoldeten Silbertressen nach Originalen des 18. Jh. zur Wiederherstellung der verlorenen textilen Ausstattung aus dem Ersten Vorzimmer. Für die Nachfertigung der textiltechnischen Handwerkskunst des frühen 18. Jahrhunderts ist höchste Fachkunde sowie traditionelle Erfahrungen erforderlich. Die anhand von überlieferten Originalstücken nachgewiesene Fertigungsart sieht eine manuelle Herstellung der einzelnen Elemente der textilen Wandausstattung vor. Für diese sehr spezielle Leistung kommt nur die Firma Heritage Trimmings Ltd, Derby, Großbritannien in Betracht.
      Gesamtwert des Auftrags(ohne MwSt): 84 759.06 EUR

      Der Auftrag beinhaltet auch folgende Option für eine Leistung im Eckparadesaal (optionale Auftragserweiterung):

      SIB schrieb:

      Beschreibung der Optionen:
      Der AG behält sich vor beim Bieter das Herstellen von vergoldeten Silbertressen nach Originalen zur Wiederherstellung der verlorenen textilen Ausstattung aus Eckparadesaal112 m Tressenborte Seide, Silber vergoldet, B= 5 cm zu denselben fachlichen und qualitativen Konditionen wie in der Ausschreibung zu beauftragen. Leistungserbringung in 2018/Anfang 2019.

      Die folgenden beiden Vergleichsbilder (Standort des Fotografen im 1. Vorzimmer, gleiche Blickrichtung in den Eckparadesaal) zeigen die in Arbeit befindliche Metamorphose der Nordwand des 1. Vorzimmers:


      eigenes Foto, aufgenommen 1991


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen (Ausschnitt)

      Bleibt abschließend festzuhalten, dass nun auch eine englische Fachfirma zum Team gehört (neben Deutschen, Österreichern, Spaniern, Italienern, Franzosen…). Wie schon das – über Jahrhunderte entstandene und immer wieder umgebaute – historische Schloss wird auch das wiederaufgebaute Gebäude von der Meisterschaft vieler Künstler und Kunsthandwerker aus dem europäischen Ausland profitieren.


      Und noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Sandsteinplatten im Großen Schlosshof. Das zwischenzeitlich veröffentlichte Leistungsverzeichnis für besagte Ausschreibung beinhaltete auch die offizielle Größenangabe des Hofs. Die von mir ermittelte Zahl (2900 m²) ist demnach zu hoch. Das lag nicht nur an der ungenauen Planunterlage - ich hatte nicht daran gedacht, die Fläche der 4 Treppentürme „abzuziehen“. Hier ein Auszug aus dem LV:

      SIB schrieb:

      Der Große Schlosshof umfasst eine Fläche von ca. 2.630 m². Dessen Oberfläche soll einen Bodenbelag aus großflächigen Sandsteinplatten nach dem historischen Vorbild des18.Jhd erhalten. Dazu werden nach einem bestimmten Gesamtschema bahnenweise Platten im historischen Format von ungefähr 1 x 2 Sächsischen Ellen (entspricht 0,56 x1,13 m) verlegt.
      Für den Belag sind überwiegend die noch vorhandenen historischen Sandsteinplatten vorgesehen […]. Der Anteil der wiederverwendbaren Originalsubstanz an der Gesamtfläche beträgt jedoch nur ca.60%. Die fehlende Menge an Platten soll über die im Anschluss beschriebene Lieferleistung beschafft werden.
      Die Oberflächen und der allgemeine Zustand der vorhandenen historischen Platten ist entsprechend ihrem Alter und der damit zusammenhängenden Abnutzung unterschiedlich ausgeprägt. Die Lauf- und Stirnseiten (Begriffsdefinition unter Pkt. 2 der Vorbemerkungen) sind ausgetreten, die Kanten abgerundet und teilweise ausgeplatzt. Die Steine besitzen eine schwarze, für Sandstein typische, Patina. Dieses "gebrauchte" Aussehen ist sowohl bei der Originalsubstanz wie auch bei den zu liefernden Platten gewünscht; eine Reinigung ist nicht vorgesehen. Vor Einbau werden lediglich leicht zu entfernende Anhaftungen entfernt, große Ausbrüche mit Vierungen aus Originalsubstanz geschlossen und steinmetzmäßig begradigt.
    • Herrlich, Bautzenfan, herllich.
      Danke für diese absolut professionelle Recherche und dann auch noch fachgerechte Kommentierung der vorgänge ums Schloss.

      Sehen wir uns bei der Wiedereröffnung des Kleinen Ballsaals? Weißt du,wann das nun ist?
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • ^
      In einem Beitrag vom 16. August hatte ich mal die Informationen aus den Sächsischen Haushaltsplänen in Bezug auf das Schlossbauprojekt durchleuchtet (Plan 2017/2018 im Vergleich zum Entwurf 2019/2020):

      BautzenFan schrieb:

      Dann beachtet bitte mal den Textpassus jeweils unter *Veranschlagt sind in den Ansätzen*, und zwar den dritten Anstrich. Da gibt es Unterschiede. Die für 2017/2018 aufgeführte Maßnahme *Musealer Ausbau 1. und 2. OG Georgenbau* fehlt bei den Entwurfsangaben (für 2019/2020) – logisch, das ist ja fertig. Dafür taucht für 2019/2020 eine neue Maßnahme auf, nämlich die beiden Säle im Nordflügel (Propositionssaal und Großer Ballsaal). War zwar zu erwarten, aber jetzt haben wir es „schwarz auf weiß“: Spätestens 2020 beginnt der Ausbau der genannten Räume im 2. OG des Nordflügels (vielleicht auch schon ab Ende 2019, also direkt nach Fertigstellung von Paradesuite und Turmzimmer).
      Eine Angabe macht mich ziemlich ratlos – auch der Kleine Ballsaal ist unter den Maßnahmen für 2019/2020 aufgeführt. Das heißt, der Raum wird offenbar 2018 NICHT fertig. Also dort muss irgendwas „klemmen“.
      Wenn ich jetzt mal alle diesbezüglichen Info-Fragmente zusammenfasse, fehlte zuletzt noch der Einbau der Fußbodenheizung und des Parketts, die Dekorationsmalereien im Bereich Decke und Voute waren weit fortgeschritten – Stand Mitte vorigen Jahres!). Die Parkettfirma steht seit September 2016 „Gewehr bei Fuß“, hatte also vermutlich ausreichend Zeit, die betreffenden 4 Holzarten zu beschaffen (das wurde freilich als große Herausforderung deklariert, weil die originalen Sorten wohl teilweise nicht mehr gehandelt werden dürfen). Diese beiden Gewerke (Heizungsbauer und Parkettleger) können natürlich erst vor Ort arbeiten, wenn das große Raumgerüst abgebaut ist. Falls das Gerüst aktuell immer noch steht, muss wohl irgendwas mit der Dekorationsmalerei noch nicht fertig sein. Denn alle anderen Arbeiten, für die das Gerüst benötigt wird, sind schon seit geraumer Zeit abgeschlossen. Mit eventuell einer Ausnahme: Über was ich nämlich noch nie irgendetwas in Erfahrung bringen konnte, ist dieses Oberlichtglas – hier zu sehen in der Visualisierung von Andreas Hummel: arte4d.de/tl_files/bilder/proj…lsaal/SIB_Ballsaal_01.jpg

      Langer Rede, kurzer Sinn: Den endgültigen Eröffnungstermin wüsste ich auch gerne.
    • Danke für die Info, george-orwell. Aber hier muss ich jetzt mal nachhaken, denn das eröffnet ein gewisses „Spekulationspotential“ bezüglich des Kleinen Ballsaals. Ich habe auch mal im Internet recherchiert, aber auf die Schnelle nichts darüber gefunden, WO GENAU diese Sonderausstellung eingerichtet wird (außer der Angabe *im Residenzschloss*). Dazu möchte ich Folgendes in Erinnerung rufen. Das Münzkabinett befindet sich im 2. OG des Georgenbaus, perspektivisch in insgesamt 5 Räumen. Vier davon sind bereits für die Besucher freigegeben, dort befindet sich die 2015 eröffnete Dauerausstellung des Münzkabinetts. Der 5. Raum soll dann mal die wechselnden Sonderausstellungen des Münzkabinetts aufnehmen. Dieser Raum 5 ist baulich noch nicht fertig gestellt, denn er ist Bestandteil der einzigen noch möglichen Bau-Zuwegung (Materialtransporte etc.) in den Kleinen Ballsaal. Man denke hier an den Abtransport des Baugerüsts, die Anlieferung des Parketts und des Installationsmaterials für die Fußbodenheizung. Außerdem diente der Raum 5 als zeitweiliger Abstellort für die Felder des Galeriegeländers (diente? oder dient noch?).



      Wenn besagte Sonderausstellung tatsächlich in diesem Raum 5 eröffnet wird (und das eben im April 2019), dann heißt das: VORHER oder kurz danach dürfte auch der Kleine Ballsaal fertig sein.
    • Es gibt wieder eine neue Ausschreibung für die Paradesuite. Inhalt sind die Tischlerarbeiten für den Eckparadesaal und die beiden Vorzimmer mit folgenden wesentlichen Leistungspositionen:

      • Rekonstruktion der Paneelverkleidungen
      • Rekonstruktion der Fensternischenbekleidungen oberhalb der Paneelzone
      • Herstellung, Lieferung und Montage der Unterkonstruktionen der Wandbespannungen einschl. aller Befestigungsmittel und vollflächiger Auflageeiner Sperrholzplatte Dicke 3mm.
      • Herstellung, Lieferung und Montage der Unterkonstruktion und Wandverkleidung für 7 Stück Supraportenrücklagen oberhalb der Türen.

      Was uns im 1. und 2. Vorzimmer erwartet, ist ja durch die Visualisierungen schon einigermaßen bekannt. Deshalb möchte hier nur auf den Eckparadesaal eingehen. Beginnen wir mit der „attraktivsten“ Wand in diesem Raum, nämlich der Südwand (mit dem Kamin und den 2 angrenzenden Ofennischen). Die folgende Aufnahme entstand 1980: Vorher noch eine kurze Vorbemerkung zu diesem und weiteren analogen Bildern. Die Fotos der betreffenden Serie (bei der fotothek eingeordnet unter Messbildstelle Dresden) glänzen mit einer relativ guten Auflösung, haben aber oft eine eigenartige Verzerrung. Das gleich folgende Foto zeigt den rechtwinkligen Raum in Blickrichtung der schmaleren Distanz (Richtung Süden), man hat aber den Eindruck, das wäre die Längsrichtung. Die betreffenden Bilder können übrigens alle vergrößert werden, nach dem Öffnen einfach nochmal draufklicken. Hier also die Südwand im Jahr 1980:

      Südwand EPS im Jahr 1980

      Die Vorkriegsansicht: Klick

      Und nun ein Ausschnitt der Wandabwicklung (Planunterlagen für die Rekonstruktion) für die Südwand. Der Ausschnitt umfasst den Bereich des Kamins sowie die westlich anschließende Ofennische und die Tür in das 1. Vorzimmer:


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen (Bildausschnitt)


      Nun zur Westwand – die Fenster dort weisen in Richtung Theaterplatz. Hier der Zustand im Jahr 1980 – man beachte bitte die Zahl der Fenster, es sind drei, wobei zwei davon paarig angeordnet sind:

      Westwand im Jahr 1980

      Die nächste Abbildung zeigt die Wandabwicklung für den nördlichsten Teil der Westwand. Dazu gehört die Durchgangsöffnung in den nordwestlichen Außenturm. Dort kommt also, wie man sieht, keine Tür hin (was der historischen Situation entspricht). Als sehr erfreulich ist zu erwähnen, dass der Stuck über dem Öffnungsbogen offensichtlich rekonstruiert wird:


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen (Bildausschnitt)

      Das südlichste der 3 Fenster wird übrigens als Blindfenster gestaltet, das heißt es wird verkleidet. Auch das entspricht der historischen Situation: Klick


      Betrachten wir nunmehr die Nordwand. Hier der Zustand im Jahr 1980:

      Nordwand im Jahr 1980

      Ganz links der Duchgang in den nordwestlichen Außenturm. Bei der kleineren Öffnung ganz rechts (direkt neben der Trennmauer zum Propositionssaal) handelt es sich um den Zugang in den kleinen Runderker. Dieses Element war eine schmückende Zutat des großen Schlossumbaus Ende des 19. Jahrhunderts. Vorher befand sich dort ein Doppelfenster, worauf auch der gemauerte Bogen über dem ehemaligen Fenstersturz hinweist. Dieser Zugang wird innen als so genannte Tapetentür gestaltet (kaschierte Tür, deren Oberfläche genauso gestaltet ist wie die Oberfläche der angrenzenden Wand). Das folgende Foto belegt den analogen Zustand vor der Zerstörung (Blick in Richtung Osten, man beachte den Bereich unmittelbar rechts des Fensters). Klick


      Verbleibt nun noch die Ostwand. Auch hierfür zunächst der Zustand 1980 (im folgenden Foto ist das die Wand in Draufsicht):

      Ostwand im Jahr 1980

      Beim Wiederaufbau wurde diese Wand vollständig abgebrochen. Sieht man auf dem nächsten Bild (man beachte links oben das große „schwarze Loch mit Fenster“ – unter dem Giebel):


      Von Erich Braun- Scan vom Negativ, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34064014

      Nach Fertigstellung des Rohbaus sah die Wand dann so aus (Blick nach Osten auf den Durchgang in den Propositionssaal, Aufnahme von 1991):



      Die Gestaltung erinnert an die Mittelmauer im Westflügel, auch die war ja vollständig abgebrochen und durch Stützen ersetzt worden. Wenn ich die DDR-Pläne richtig interpretier, sollte auch die Ostmauer des Eckparadesaals – zumindest bereichsweise - Technik aufnehmen. In den aktuellen Grundrissen ist diese Mauer aber massiv dargestellt.

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    • Neu

      Ich habe kürzlich einen Originaldruck mit der Abbildung des Großen Ballsaals erworben, den ich nachfolgend vorstellen möchte. Dargestellt ist der festliche Hofball am 25. November 1891 anlässlich der Hochzeit des Thronfolgers Friedrich August mit der Erzherzogin Luise von Toskana:



      Bei der Dame ganz vorn dürfte es sich um die damalige Königin Carola handeln (Gemahlin von König Albert), links daneben das Brautpaar. Besagte Luise, die Braut, wurde übrigens nie Königin, denn sie sorgte für einen großen, europaweit beachteten Skandal – sie brannte ihrem Mann (der zu diesem Zeitpunkt noch nicht König war) Ende 1902 durch, schwanger und dies angeblich vom Hauslehrer ihrer Kinder.

      Aber hier soll es ja vorrangig um Architektur gehen und da möchte ich auf einige Details aufmerksam machen. Zunächst ein Auszug von der im Gesamtbild dargestellten Längswand, das ist die Front zur Hofkirche (Nordseite des Raumes):



      An den Fensterschäften sieht man hier 3 Frauenfiguren, dabei handelt es sich um allegorische Darstellungen der bildenden Künste (aus dem Malprogramm von Bendemann). In der Mitte die „Baukunst als feste ernste Gestalt mit der Thurmkrone auf dem Haupte“ (so die Formulierung in einer zeitgenössischen Beschreibung), entsprechend ihrer Symbolik trägt sie in der rechten Hand das Modell eines Gebäudes:



      Links von der Baukunst ist die Malerei dargestellt (gekennzeichnet durch die Farbenpalette, einem typischen Utensil von Malern), rechts die Skulptur.
      An den gegenüber liegenden Fensterschäften (also an der hofseitigen Südwand) befanden sich Allegorien der darstellenden Künste: Tonkunst (Musik), Schauspielkunst und Tanzkunst.

      Wie die meisten wissen dürften, wurde der Große Ballsaal 1846-1848 von dem Architekten Otto von Wolframsdorf geschaffen, die Ausmalung besorgte Eduard Bendemann, ein Vertreter der damals in Deutschland führenden Düsseldorfer Malschule. 1882 erfolgte ein großer Umbau des Raumes. Auslöser war wohl der Wunsch, auch hier eine Musikempore zur Verfügung zu haben, wie sie in dem 1868 entstandenen Kleinen Ballsaal vorlag. Die wichtigsten Maßnahmen dieses Umbaus umfassten folgende Punkte:
      Einbau einer wesentlich höheren Decke mit großer Voute und Deckengemälde
      Einbau einer Musikempore
      Umgestaltung der Sockelzone (vorher Holzpaneele – danach Marmorverkleidung)
      Austausch der Kronleuchter

      Zum Vergleich hier ein Foto von 1860 (vor dem Umbau): Klick

      Es gab dann aber noch einen 2. Umbau, der erfolgte im Rahmen des großen Schlossumbaus (der Nordflügel des Schlosses – mit dem Großen Ballsaal, war so um 1895 an der Reihe). Dabei wurde an der Südostecke des Raumes ein Türdurchgang als Zutritt in den neuen Läufergang hergestellt.

      In mehreren früheren Ausstellungen zur Schlossgeschichte war ein Ausstattungsobjekt zu sehen, das aus der Ruine geborgen werden konnte. Die eisernen Fenstergitter, ehemals angebracht im obersten Bereich der Fensterleibungen hatten nämlich zum großen Teil überlebt. In etlichen Ruinenbildern sieht man sie auch. „Irregeführt“ durch eine Bildkommentierung in einem Ausstellungsflyer von 1994 („die eisernen Fenstergitter entstanden um 1880“) war ich immer davon ausgegangen, dass diese Gitter beim ersten (dem großen) Raumumbau eingefügt worden sind. Die Saaldarstellung aus dem Jahr 1891 belegt nun aber, dass sie zu diesem Zeitpunkt (1891) noch fehlten:



      Hier ein Ruinenbild mit Fenstergitter: Klick


      Der Große Ballsaal soll in der Ursprungsfassung (1846-1848, Architekt Otto von Wolframsdorf) rekonstruiert werden, nach meinem letzten Kenntnisstand aber (erstmal?) ohne die Ausmalung von Bendemann.

      Abschließend zum Thema noch einige Fotos von den Stuckpartien, die im Großen Ballsaal in doch bemerkenswertem Umfang erhalten geblieben sind (aufgenommen von mir 1991):










      Ansonsten ist noch von einer aktuellen Ausschreibung zu berichten. Gemäß Ausschreibungstext umfassen die zu vergebenden Leistungen die Entwicklung, Herstellung und Lieferung von 128 geschnitzten Bildhauerkonsolen eines Typs mit zugehörigen Deckeln (3 Typen) inkl. Kreideschnitt.
      Terminstellung für die zu erbringende Leistung: 29/03/2019

      Insgesamt gab es im Turmzimmer 356 solcher Konsolen. Ihre Rekonstruktion wird also offenbar in mehreren Losen vergeben, denn die aktuelle Ausschreibung benennt ja eine Zahl von 128 Stück.
      Den folgenden Fotolink hatten wir wohl ich noch nicht. Das Bild zeigt in hervorragender Auflösung die Ostwand des Raumes, mit dem Durchgang in den Großen Ballsaal: Klick
    • Neu

      Und schon wieder gibt es eine Ausschreibung. Diesmal geht es um die REKONSTRUKTION der 8 Kronleuchter für das Paradeschlafzimmer und das Audienzgemach (je 4 pro Raum). Rekonstruktion heißt, die werden vollständig neu erschaffen.

      SIB schrieb:

      Die auszuschreibenden Leistungen umfassen die Rekonstruktion von 8 Kronleuchtern. Größe/Abmessung: Durchm. 820 mm, Höhe: 840 mm zzgl. Abhängung, je 24 Lichter, Gewicht: ca. 52kg. Material: Messingguss und Messingblech, feuervergoldet;
      Aufgaben: Leuchter fachgerecht rekonstruieren mit bereitgestellten Holzmodellen, abgießen, schleifen, ziselieren, polieren, elektrifizieren, liefern und einbauen; Elektrifizierung mit LED-Kerzen, Feuervergoldung, Konservierung, Einbau und Funktionstüchtigkeit herstellen, alle Transporte, Dokumentation derRekonstruktion (Text und Fotos)


      Ende: 30/06/2019

      Es werden übrigens nicht die Kronleuchter sein, wie sie zuletzt in den beiden Räumen hingen, sondern die vorherigen Modelle. Die anderen waren "neu" beim großen Schlossumbau, bei dem auch eine Renovierung der Paraderäume erfolgte, hergestellt worden. Hier der Vergleich:

      Paradeschlafzimmer Vorkriegsversion
      Paradeschlafzimmer Visualisierung

      Audienzgemach Vorkriegsversion
      Audienzgemach Visualisierung


      Ein Passus im Ausschreibungstext ist sehr interessant. Es gibt nämlich eine Option:

      SIB schrieb:

      Option:
      Der Auftraggeber behält sich die Möglichkeit vor, gem. VgV §14 (4) Nr. 9 innerhalb von 3 Jahren nach Abschluss des ersten Auftrags ein Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb durchzuführen, bei der nachfolgend beschriebene Leistungen an das Unternehmen vergeben werden, das den ersten Auftrag für die Kronleuchter im Audienzgemach und Paradeschlafzimmer erhalten hat.

      Umfang der Leistungen:
      Rekonstruktion von 8 Kronleuchtern Größe/Abmessung: Durchm. 820 mm, Höhe: 840 mm zzgl. Abhängung, je 24 Lichter, Gewicht: ca. 52 kg. Material: Messingguss und Messingblech, feuervergoldet;
      Aufgaben: Leuchter fachgerecht rekonstruieren mit bereitgestellten Holzmodellen, abgießen, schleifen, ziselieren, polieren, elektrifizieren, liefern und einbauen; Elektrifizierung mit LED-Kerzen, Feuervergoldung, Konservierung, Einbau und Funktionstüchtigkeit herstellen, alle Transporte, Dokumentation der Rekonstruktion (Text und Fotos).

      Bedingungen:
      Wie die des ersten Auftrags; Leistungszeitraum 2019/2020
      Das kann doch eigentlich nur ein Auftrag für die Säle im Nordflügel sein (Großer Ballsaal und Propositionssaal).


      Noch ein Tipp an unsere DD-Fotografen. Die Leistung zur Herstellung der neuen Fenster für die Gewehrgalerie sollte ursprünglich am 31.08.2018 abgeschlossen sein (gemäß Ausschreibung). Dort müsste also schon was zu sehen sein - oder eben sehr bald.

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    • Neu

      Also bei meinem Rundgang vor 2 Wochen waren schon "neue" Fenster in der Gewehrgalerie eingebracht. Allerding sahen die für mich eher "normal" aus und noch längst nicht alle. Kommen die übrigen mit diesen "Bullaugen"? (Der Name dafür ist mir akut nicht geläufig). Ich weiss grad ob des Zustandes und des angestrebten zu wenig. Aber ich kann das Foto beisteuern.

    • Neu

      Vielen Dank für die Info, RobBerg. Zur Auffrischung will ich erst nochmal kurz beschreiben, wie sich der Zustand VOR der aktuellen Ausbaumaßnahme darstellte (im Ergebnis des DDR-Wiederaufbaus, der ja innen eine ganz andere Nutzung beinhaltete – nicht die Gewehrgalerie). Die Fenster auf der Stallhofseite waren allesamt „richtige“ Fensteröffnungen. Die straßenseitigen Fensteröffnungen hatte man aber fast alle zugemauert.
      Zustand innen 1958 nach Fertigstellung des Rohbaus: Klick

      Jetzt erfolgt der Umbau bezogen auf die Nutzung durch die Gewehrgalerie. Und das bedeutet: Jede zweite Fensternische (mit jeweils einem Doppelfenster) wird durch die Vitrinen zugestellt. Auf der Straßenseite bleiben die Fenster, wo sich die Vitrinen befinden werden, zugemauert – die anderen Öffnungen wurden bereits aufgebrochen und voriges Jahr mit Interimsfenstern versehen. Auf der Stallhofseite gab es keine zugemauerten Fenster. Hier wird nun aber jede zweite Nische so genannte Scheinfenster erhalten, die sich nach außen öffnen lassen.

      Alle Fenster (auch die auf der Straßenseite) werden mit Butzenscheiben ausgestattet. Dabei sollen die vorhandenen Bleiglaselemente für eine Wiederverwendung am Objektaufgearbeitet werden.
      Die auf der Stallhofseite innen „zugestellten“ Fenster werden als so genannte „Scheinfenster“ gestaltet (mit der expliziten Angabe in der Legende: „Drehflügel, Öffnung nach außen zu Reinigungszwecken“).

      Hier noch 3 Zeichnungen aus den Ausschreibungsunterlagen (Quelle: SIB, jeweils Ausschnitte):





      Bezüglich dieser „Butzenscheiben“ gibt es 2 Ausführungsvarianten (es gibt ja jetzt mehr Fenster als vorher, wegen der Situation auf der Straßenseite) – so formuliert im Ausschreibungstext:
      - Außenflügel verglast als Bleiverglasung mit mundgeblasenen Butzenscheiben. Umbau und Anpassung der Blei-Verglasung aus historischen Bestand
      - Neuherstellung der äußeren Bleiverglasung mit mundgeblasenen Butzenglas

      Und noch eine historische Ansicht: Klick
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      Das mit den Paradezimmern geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Man kennt ja die alten Postkartenansichten und den darauf sichtbaren üppigen Kronleuchtern. Ich glaubte auch anfangs, das seien die originalen Kronleuchter aus der Barockzeit. Aber auf den Kupferstichen von den Hochzeitsfeierlichkeiten 1719 sind auch diese schlichten Kronleuchter wie auf den Visualisierungen zu sehen. Trotzdem die Frage: Ich weiß, das alles wie 1719 wiedererschaffen werden soll. Sind trotzdem die neobarocken Kronleuchter nicht viel besser dokumentiert um neu erschaffen zu werden? Wie kann man aber die möglichst originalen ursprünglichen Kronleuchter schaffen, wenn davon nur Kupferstichansichten exestieren?
      In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten
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      Soviel ich weiß hatte sich irgendwo noch ein einzelner erhalten bzw. es gibt definitiv auch noch Fotos von den alten Leuchtern (d. h. vor der Aufhängung der üppigen historistischen, um 1890), die zusammen mit Analogiebeispielen ausreichen dürften....
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
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      Nein, die sind nicht gemeint. Das sind die ursprünglichen von Wolframsdorf ausm Ballsaal... Aber es gibt auch noch ein paar Krone-Fotos von den Barocksälen
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)