Das Dresdner Schloss

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Die Dresdner Räume sind nach Versailler Vorbild aus der Zeit Ludwigs XIV. konzipiert worden, dort sehen die Decken zumeist so aus. Malereien gab es / wird es wieder geben im Audienzgemach und im Paradeschlafzimmer, waren tatsächlich aber auch ursprünglich für die beiden Vorzimmer und den Eckparadesaal vorgesehen.
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Ich kann Euch mit großer Freude mitteilen, dass im Turmzimmer des Schlosses schon bald die heiße Phase der Reko-Arbeiten anbricht. Ganz aktuell wurde eine neue Ausschreibung mit folgender Leistungsbeschreibung veröffentlicht:

      SIB schrieb:

      Leistungsgegenstand sind Herstellung, Lieferung und Montage einer hölzernen, barock gegliederten Wandverkleidung als hinterlüftete, selbsttragende Vorsatzschale einschließlich Unterkonstruktion, eines Sockelpodestes mit Stufenanlage sowie einer Deckenverkleidung im Bereich des Korbbogens der Fensternische. Schmuckelemente wie Profilstäbe, Gesimse, Eckspiegelaufsätze, die Kaminarchitektur und ein mensaartiger Schautisch gehören ebenfalls zum Leistungsumfang.

      Der Ausführungszeitraum ist wie folgt angegeben:
      Beginn: 05/09/2018
      Ende: 20/06/2019

      Betrachten wir aber zunächst den Ausgangszustand. Das nachstehend verlinkte Foto entstand 1991 (Anfangsphase Wiederaufbau Hausmannsturm), es zeigt das 1. und 2. OG im Turm. Wie man sieht, waren im 2. OG (Lage des Porzellanzimmers - Raum oberhalb der Gerüstkonstruktion) sowohl die Decke als auch der Fußboden praktisch vollständig durchgebrochen: Klick

      Der Raum verblieb dann viele Jahre im Rohbauzustand und zeigte folgenden Anblick (Foto von 2014, hier schon mit der etwa 2009/2010 hergestellten Musterfläche der Renaissance-Stuckdecke (zur räumlichen Orientierung – das Fenster, übrigens das einzige des Zimmers, geht Richtung Norden auf die Kathedrale raus; gegenüber auf der Südseite/Seite zum Schlosshof befindet sich der Aufstellort des in Kaminarchitektur gestalteten Schautisches: Klick

      Besagte Stuckdecke wurde als erste größere Maßnahme der innenarchitektonischen Ausgestaltung vor einigen Monaten fertiggestellt und auch vom AG abgenommen. Die Qualität der Arbeit soll wohl sehr gut sein. Die federführende Künstlerin, Eva Backofen hat folgendes Foto auf ihrer HP eingestellt: Klick

      Wie geht es nun aber weiter? Ziel ist die rekonstruktive Herstellung des barocken Zustandes, der unter August dem Starken in der 1. Hälfte des 18. Jhd. hergestellt worden war. Damit wird es eine kleine Änderung der unmittelbaren Vorkriegssituation geben. Beim großen Schlossumbau Ende des 19. Jhd. (der Nordflügel mit dem Turmzimmer war 1896 dran) wurde ein zusätzlicher Türdurchgang in der Südmauer (Hofseite) geschaffen. Man wollte einen direktenZugang in den damals neu hergestellten Läufergang an der hofseitigen Außenfront (der natürlich ebenfalls nicht wieder kommt). Diese jetzt zugemauerte Tür sieht man hier recht gut (der durch die roten Ziegel farblich auffällige Bereich (Mitte Altan im 2. OG):


      VonSchiDD - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35322188


      Welche Rekonstruktionsarbeiten im Turmzimmer jetzt im Weiteren zu erwarten sind, erkläre ich am besten anhand einer Raumbeschreibung (Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen), unterlegt mit Abbildungen aus gleicher Quelle.
      SIB schrieb:

      SIB schrieb:

      Der Raum wurde 1718/19 von August dem Starken anlässlich der Hochzeit seines Sohnes mit der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha eingerichtet. Er diente als Prunk- und Paraderaum, als Präsentationsraum des großen Silberbuffets und seit 1728 der Präsentation des Porzellanbestandes [Anm.: siehe Bild 1].

      Bild1: Historisches Foto von 1894 (Aufnahme VOR Herstellung des neuen Türdurchgangs)




      SIB schrieb:

      Eine hölzerne Wandverkleidung umspannte die Wände komplett. Pilaster und auf hölzerne Wandpaneele aufgebrachte Spiegel gliedern die Wandflächen [Anm.: siehe Bilder 2 und 3].

      Bild 2: Pilaster



      Bild 3: Kapitell und Sockel der Pilaster




      SIB schrieb:

      In den Raumecken wurde die Wandverkleidung zur Aufnahme von Eckspiegeln diagonal und mit Abstand vor den gemauerten Wänden geführt. Ein der Wandverkleidung vorgelagertes, geschwungenes Holzpodest [Anm.: siehe Bild 4] sowie ein kräftiges, verkröpftes Hauptgesims [Anm.: siehe Bild 5] bilden die horizontale Gliederung. Blickpunkt des Raumes ist ein als Kaminarchitektur gestalteter Schautisch auf der Südseite, auf welchem besonders repräsentative Objekteausgestellt wurden [Anm.: siehe Bild 6].

      Bild 4: Sockelprofil



      Bild 5: Kranzgesims



      Bild 6: Kaminarchitektur





      SIB schrieb:

      Insgesamt befanden sich im gesamten Raum 356 Konsolen zur Aufnahme der Prunkobjekte. Konsolen, Schnitzereien und Profile waren vergoldet, die Wandverkleidung zinnoberrot gefasst.

      Diese Konsolen hatte Gurlitt in seinem Standardwerk übrigens explizit erwähnt („Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen“, erschienen um 1900):
      „Auf zahlreichen vorzüglich geschnitzten, vergoldeten Holzconsolen steht eine Auswahl hervorragender Erzeugnisse der Meissner Porzellanfabrik.“

      SIB schrieb:

      Ein Spiegelgewölbe aus der Zeit der Renaissance überspannte den nahezu quadratischen Raum stützenfrei. Diese Decke mit ihren feingliedrigen Stuckarbeiten blieb bei der barocken Umgestaltung des Raumes nahezu unverändert.
      […]
      Den Fußboden bildeten schachbrettartig diagonal verlegte Marmorplatten in weiß [Anm.: Kalkstein] und dunkelgrün [Anm.: Serpentinit].

      Für mich war es eine völlig neue und auch nicht erwartete Information, dass 3 Türflügel geborgen werden konnten (insgesamt waren es vier – für die beiden Türen in der Ost- und Westwand mit jeweils 2 Flügeln). Es handelte sich nämlich um Metalltüren. Die 3 erhaltenen Flügel werden restauriert und wieder eingebaut; der fehlende Flügel wird rekonstruiert.

      Bild7: Ostwand mit Tür in den Großen Ballsaal




      Bild 8: Türchambran




      Abschließend noch ein weiteres Detailbild mit einem durch Bildhauer bereits geschaffenen Modell.

      Bild9: Kompositkapitel mit Abakus



      Bildquelle für Bilder 1 bis 9: SIB, Ausschreibungsunterlagen

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    • Die im letzten Beitrag vorgestellte Ausschreibung für die Tischlerarbeiten im Turmzimmer beinhaltet auch interessante Informationen über den insgesamt vorgesehenen/geplanten Bauablauf. Die betreffenden Angaben waren auch notwendig, weil hier – technologisch bedingt - die Arbeit verschiedener Gewerke in einander greift (was natürlich von den Firmen bei ihrer Kalkulation berücksichtigt werden muss).

      Herstellung, Lieferung und Montage einer hölzernen Wandverkleidung als hinterlüftete, selbsttragende Vorsatzschale einschließlich
      - Unterkonstruktion
      - Sockelpodest
      - Deckenverkleidung im Bereich des Korbbogens der Fensternische
      - Schmuckelemente wie Profilstäbe, Gesimse, Eckspiegelaufsätze
      - Kaminarchitektur und ein mensaartiger Schautisch

      Die Ausführung dieser Tischlerarbeiten ist in folgenden Bauablauf einzubinden (im Sinne der stufenweisen Ausführung vor Ort im Turmzimmer):

      SIB schrieb:

      1.Arbeitsgang
      Der Einbau der Stützenfüße erfolgt bauseits auf der Rohbaudecke. Anschließend werden (bauseits) Fußbodenheizung und Estrich eingebaut.

      2.Arbeitsgang
      Tischler: Einbau Unterkonstruktion, danach erfolgt der Einbau des Marmorbodens, der Technik, der Stahltüren zu den benachbarten Räumen (Leistungsinhalt der Lose Naturstein u. Schlosser)

      3.Arbeitsgang
      Einbau Türgewände, Einbau Wandverkleidung mit kurzer Unterbrechung durch Einbau von Folien (Gewerk Sicherheitstechnik, separat), Probebefestigung Bildhauerarbeiten. Danach erfolgen Beschichtungs- und Vergoldungsarbeiten (nicht Leistungsinhalt Gewerk Maler). Anschließend sind in Zusammenarbeit mit Bildhauern Schmuckelemente und Konsolen zu montieren.

      4.Arbeitsgang
      Tischler: Montage Schmuckelemente u. Konsolen, Montage des Mensatisches, Montage der Sockelpodeste,
      anschließend werden die Spiegel und die vergoldeten Spiegelleisten (nicht
      Leistungsinhalt) montiert.
      Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass mit Fertigstellung der Arbeiten des Gewerks Tischler (nach Terminstellung in der Ausschreibung wäre das Ende Juni 2019) nur noch eine größere Maßnahme anzuschließen ist, nämlich der Einbau der Wandspiegel. Die Herstellung der Spiegelrahmenleisten gehört zum Lieferumfang der Tischler, nicht aber der Einbau. Das erledigt das Gewerk Spiegelbauer.


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

      Der Beauftragungsprozess für die Herstellung der Spiegel dürfte sich übrigens relativ „überschaubar“ gestalten, denn im Prinzip wird es hier lediglich um die üblichen Preisverhandlungen gehen (ohne das ansonsten gängige Auswahlverfahren einer fachlich geeigneten Firma, bei dem zum Beispiel auch vorgegebene Arbeitsproben abzuliefern sind). Es gibt nämlich nur eine Werkstatt, die heute noch (oder genauer gesagt: heute wieder) barocke Spiegel herstellen kann – und zwar weltweit.

      „Arbeitsproben“ sind bereits vorhanden – im Historischen Grünen Gewölbe. Wie zur Erbauungszeit sind dort sechs der acht Räume verspiegelt. Die Gesamtfläche der Spiegel beträgt 550 Quadratmeter. Davon sind 490 Quadratmeter neu, nur 60 Quadratmeter der originalen Spiegel konnten wieder eingebaut werden. Alle anderen waren zerstört oder zu stark lädiert. Hier ein Blick in den Pretiosensaal im Jahr1957: Klick

      Einige Räume des Grünen Gewölbes mit der belassenen Ausstattung waren ja bekanntlich nicht ausgebrannt, aber auch dort kam es in den Nachkriegsjahren aufgrund völlig unzureichender Sicherungsmaßnahmen (dies trotz unzähliger Bittgänge der Dresdner Denkmalpfleger, allen voran Hans Nadler) noch zu weiteren relevanten Verlusten (Diebstahl, klimatische Bedingungen).
      Als dann die Rekonstruktion des Grünen Gewölbes anstand, machten die Bauverantwortlichen die ernüchternde Feststellung, dass niemand mehr solche barocken Spiegel herstellen kann. Wie die Geschichte weiterging, erzählte der Focus in einem Artikel vom 18. September 2006 (die Quadratmeterangabe 600 im Zitat ist nicht exakt, meine oben genannten Zahlen stammen aus der Baubroschüre des SMF und damit aus der diesbezüglich genaueren Quelle):

      Focus schrieb:

      Der Handwerker Steffen Noack verfügt über ein weltweit einzigartiges Wissen: Er produziert Quecksilber-Spiegel.
      Die Geschichte beginnt mit einer Absage. „Das mach ich nicht.“ So reagierte der Handwerker Steffen Noack auf die Anfrage des sächsischen Landesamts für Denkmalpflege, ob er Spiegel aus Quecksilber herstellen könne. Das Zeug sei extrem giftig, begründete Noack, damit arbeite er nicht.
      Sein striktes Nein hat der 43-jährige Glasexperte dann doch widerrufen. Für das Grüne Gewölbe in Dresden produzierte er mehr als 600 Quadratmeter Spiegel. Mit dieser Arbeit avancierte Steffen Noack aus Weißwasser zu einem Spezialisten mit weltweit einmaligem Fachwissen. Der Handwerker aus dem östlichsten Zipfel Deutschlands ist ein gefragter Mann geworden [Anm.: Firma Spiegelart in Weißwasser].

      In ganz Europa hatten die Restauratoren nach einem Experten gefahndet, der die 1945 zerstörte Pracht wieder herstellen kann. „Ich will dabei sein“, entschied Noack und erlernte die in Vergessenheit geratene Methode. Bis zum 19.Jahrhundert wurden Spiegel aus Quecksilber plus Zinn hergestellt und nicht wie heute aus Silbernitrat. Da die alten Objekte das Licht nur zu 60 Prozent reflektieren, ließen sie Frauen so erscheinen, wie sie sich nach damaliger Mode sehen wollten: in blasser, makelloser Schönheit.

      „Beschäftigt hat mich auch die Frage, welcher Gefahr ich mich aussetze“, erzählt der fünffache Vater. In seiner Firma Spiegelart installierte er ein Labor mit Abluftanlage und Notrufsystem, er kaufte Schutzanzüge und Atemmasken, bei Ebay ersteigerte er eine kleine Menge des giftigen Quecksilbers.

      Die ersten Versuche endeten in „purer Verzweiflung“. Die historischen Anleitungen „halfen ungefähr so viel wie eine Gebrauchsanweisung zum Radfahren für jemanden, der noch nie ein Fahrrad gesehen hat“.

      Noack studierte, probierte, testete -und scheiterte. Immer wieder. Zwar kannte er alle Arbeitsschritte, aber das Gespür für das Material erwachte langsam. Zinn und Quecksilber sollten sich zu Amalgam verbinden. Die Glasplatten mussten haften, ohne dass Einschlüsse den Glanz beeinträchtigen.

      Quelle: https://www.focus.de/politik/deutschland/karriere-die-giftige-schoenheit_aid_213564.html

      Und es glückte. In einer eigens erstellten wissenschaftlichen Expertise vom März 2005 kam das Fraunhofer-Institut zu einem eindeutigen Ergebnis: Es gibt keinen Unterschied zu den noch vorhandenen Originalen.

      Steffen Noack bei der Herstellung eines barocken Spiegels (im Vollschutzanzug): Klick
    • Der SIB hat eine neue Ausschreibung veröffentlicht, und zwar für die Herstellung der Vitrinen in den 4 Räumen der Paradesuite, die – laut offizieller Formulierung –„mit einem reduzierten Ausbau in zeitentsprechender Formensprache wiederhergestellt werden“.
      Ich möchte heute einige Ansichten für die beiden Retiraden vorstellen. Hier werden in den Vitrinen originale Stücke der königlichen Garderobe des 18. Jhd. gezeigt werden.
      Zunächst eine rissliche Darstellung, die die Lage der einzelnen Räume veranschaulicht. Nicht über den roten Pfeil wundern, der soll den (recht langen) Weg für Materialtransporte verdeutlichen (über den Lastenaufzug an der Nordfassade nahe Georgentor, dann durch Großen Ballsaal, Turmzimmer und Propositionssaal bis zum Eckparadesaal, dem ersten Saal der Paradesuite).


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


      Beginnen wir mit der nördlichen der beiden Retiraden, hofseitig gelegen und angrenzend an den Eckparadesaal. Hier der Vitrinenplan:


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

      Der Raum ist baulich hochinteressant, weil hier noch einige architektonische Relikte früherer Ausstattungen vorhanden sind, darunter sogar aus der Erbauungszeit dieses Traktes (Mitte 16. Jhd.). Ich habe daher den Grundriss noch separat in vergößerter Ansicht raus kopiert:


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen (Bildausschnitt)

      Die Mauer links (=Nordmauer des Raumes) bildet die Trennmauer zum Eckparadesaal, gut zu erkennen eine der beiden markanten Rundnischen (wo die Öfen standen und auch wieder hinkommen). Von dem Türdurchgang in dieser Mauer habe ich 1991 folgendes Foto gemacht, allerdings von der anderen Seite aus (Standort des Fotografen war also der Eckparadesaal), auch hier ist eine der Ofennischen zu sehen (im Foto rechts):



      Kommen wir nun zur Ostmauer der nördlichen Retirade, im obigen Grundrissbild ist das die Mauer „oben“. Der Durchgang in die zeichnerisch angedeutete Treppe führt in den nordwestlichen Treppenturm. Die Situation wird anschaulicher anhand des folgenden Planes. Allerdings hatte ich hierfür nur die alten Rissdarstellungen aus der DDR-Planung zur Verfügung und deshalb sind kleinere Modifikationen zu beachten. So wird es – im Gegensatz zum DDR-Konzept - keine Türen zwischen der nördlichen Retirade und dem 1. Vorzimmer bzw. zwischen der südlichen Retirade und dem 2. Vorzimmer geben (es waren im unmittelbaren Vorkriegszustand jeweils zwei). Man will ja konsequent den Zustand zur Barockzeit rekonstruieren, und diese Türdurchgänge sind erst viel später eingebaut worden. Ein weiterer Unterschied sind die im DDR-Plan fehlenden Kamine in den beiden Retiraden, die wiederum existierten aber im 18. Jhd. und kommen jetzt folglich wieder.



      Der Durchgang von der nördlichen Retirade in den Treppenturm wird mit einer „richtigen“ Tür versehen werden, hier der betreffende Ausschnitt für die Ostwand aus dem Vitrinenplan:


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

      Links neben dieser Tür befand sich früher eine weitere Durchgangsöffnung, durch die betrat man einen schmalen Gang als direkte Verbindung zum heutigen Propositionssaal (damals, Mitte des 16. Jhd., als der Gang gebaut wurde, hieß dieser Saal der *Steinerne Saal*). Bei der späteren Umgestaltung der Innenarchitektur wurde diese Öffnung zugemauert, die Türgewandung – im typischen Renaissance-Stil – blieb aber erhalten. Unser leider nicht mehr aktives Mitglied dresdenbild hatte dazu mal einen schönen Film in youtube eingestellt (aufgenommen 1991 zum Tag der offenen Tür – der Westflügel war gerade rohbaufertig). Der folgende Link springt gleich an die richtige Stelle (man sieht für einige Sekunden die Öffnung und kurz auch in den Gang hinein): Klick

      Anhand des aktuellen Grundrissbildes zeigt sich, dass die Zutritte in den Gang beidseitig zugemauert werden.


      Kommen wir nun zur südlichen Retirade. Im Rahmen des großen Schlossumbaus Ende des 19. Jhd. hatte man diesen Raum als so genanntes *Wettinzimmer* ausgestaltet: Klick

      Der zugehörige Vitrinenplan aus den Ausschreibungsunterlagen verrät uns die aktuelle Gestaltung:


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

      Daraus vergrößert die Ansicht der Südwand (mit der Tür zum Paradeschlafzimmer):


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

      Das dort befindliche Gemälde dürfte den meisten bekannt sein. Es zeigt August den Starken und den Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. (Soldatenkönig): Klick

      Und hier die Ansicht der Westwand der südlichen Retirade (hinter der betreffenden Mauer liegt das 2. Vorzimmer):


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

      Das Gemälde zeigt die Kaiserintochter Maria Josepha. Ihre Hochzeit im September 1719 mit dem Sohn Augusts des Starken war bekanntlich der Anlass für die Entstehung der Paradesuite. Hier eine größere Abbildung des Gemäldes:
      Klick

      Auf verschiedenen Zeichnungen weiter oben war auch die Türgestaltung zu erahnen. Eine dieser Türen (von denen in den vorgelagerten Räumen) hatte man im Zuge der schon vor Jahren hergestellten Musterachsen fast fertig. Hier ein Foto von 2011:



      Ein von mir bereits gepostetes Foto für ein Musterexemplar, das 2011 ebenfalls schon bewundert werden konnte, belegt, dass die Türen im Paradeschlafzimmer und im Audienzgemach noch wesentlich aufwändiger gestaltet waren (und natürlich auch wieder werden):




      Im Teil 2 folgen dann einige analoge Ausführungen zu den beiden Bilderkabinetten.

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    • BautzenFan - du bist spitze! vielen Dank wieder einmal für die tollen Fotos und Berichte.
      Das wird fantastisch werden, das Residenzschloss!!
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Vor den angekündigten Darlegungen zu den beiden Bilderkabinetten möchte ich noch ein herausragendes Exponat vorstellen, das in der nördlichen Retirade zu bewundern sein wird – dort ausgestellt in einer Vitrine in der Raummitte. Es handelt sich um die Garderobe (Staatskleid), die August der Starke bei dem Krönungsbankett im September 1697 getragen hat und die eigens für diesen Zweck angefertigt worden ist. Die SKD formulierten dazu, dass die Kostbarkeit dieses Kleides alle Kleider im bisherigen Besitz der sächsischen Kurfürsten übertraf.


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)

      Hier eine größere Ansicht: Klick


      Kommen wir nun aber zu den beiden Bilderkabinetten. Zur Lageorientierung hier noch einmal der Lageplan:


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)

      Ein paar Bilder zur Ausgangssituation, wie sie nach Herstellung des Rohbauzustandes vorlag:


      Bildquelle: Schnappschuss aus der filmischen Dokumentation *Von der Ruine zum Richtfest*, herausgegeben 1994 vom Sächsischen Finanzministerium

      Standort des Kameramanns (ist ja ein Schnappschuss aus einem Film) war im Audienzgemach. Der (fototechnisch „reingebastelte“) Thron steht an seiner richtigen Stelle. Direkt hinter dem Thron verläuft die Trennmauer zu den Bilderkabinetten. Diese Mauer fehlt hier noch, ihre statische Funktion wurde durch Betonstützen übernommen.

      Etwa gleiche Blickperspektive ab voraussichtlich September 2019: Klick

      Ein Foto mit ähnlichem Aufnahmestandort, aufgenommen zum Tag der offenen Tür im September 1991. Das Podest (gedacht als Gag für die Besucher), markiert wieder die Position des Thrones. Der rote Pfeil weist auf den Eingang in das kleine Turmzimmer (südlicher Turm der beiden äußeren Ecktürme des Westflügels).



      Bei der Aufnahme des nächsten Fotos stand der Fotograf im Bereich der beiden Bilderkabinette und blickte in Richtung Westen (Richtung Theaterplatz). Die Trennmauer zwischen Kleinem und Großen Kabinett fehlt ebenfalls noch:




      Die bislang einzige, mir zugängliche Beschreibung über das in den Bilderkabinetten geplante Ausstellungskonzept fand sich in dem Begleitbuch zur Ausstellung der SKD *Paradetextilien Augusts des Starken 1697 und 1719* (Sonderausstellung im Residenzschloss vom 13. November 2013 bis 24. Februar 2014). Die dort kurz vorgestellte Ausgestaltungsplanung scheint aber für die beiden Kabinette zwischenzeitlich geändert worden zu sein. So sollte die Königliche Statue mit dem Krönungsornat im kleinen Kabinett zur Aufstellung kommen, wie wir gleich sehen werden, steht die nun aber im Großen Kabinett. Insgesamt werden folgende Exponate/Inhalte präsentiert:
      - Königliche Statua (Krönungsornat), umrahmt von den anderen in Dresden vorhandenen königlichen Insignien (Krone, Zepter, Reichsapfel)
      - Internationale Beziehungen der sächsischen Herrscher (Schwerpunkt natürlich August der Starke) durch Ausstellung diplomatischer Geschenke und beeindruckender Ordensornate

      Das nächste Bild zeigt den Vitrinenplan für das Kleine Bilderkabinett:


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)

      In der folgenden Abbildung blicken wir auf die Ostwand des Kleinen Bilderkabinetts. Die Tür führt in das Große Bilderkabinett:


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)

      Das Gemälde rechts neben der Tür zeigt ein Porträts Augusts III., den Sohn Augusts des Starken und dessen Nachfolger auf dem polnischen Königsthron. Hier eine vergrößerte Ansicht: Klick

      Sehr gespannt bin ich auf die Deckengestaltung des kleinen Turmzimmers. Dort haben nämlich einige Relikte des ursprünglichen Bestands überlebt (Foto kann stark vergrößert werden, Plus-Icon): Klick

      Im unmittelbar darunter liegenden Raum (gehört zum Neuen Grünen Gewölbe) sieht das so aus:






      Nun zum Großen Bilderkabinett. Hier zunächst der Vitrinenplan:


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)

      Die große Vitrine in der Raummitte enthält das Krönungsornat:


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)

      Das nächste Bild zeigt die Südwand des Großen Bilderkabinetts, durch die Fenster blickt man auf das Taschenbergpalais:


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)

      Einige der dort (in den Vitrinen der Südwand) ausgestellten Exponate in vergrößerter Ansicht:

      Krone

      Reichsapfel

      Stiefel

      Und zum Schluss noch ein Blick auf die Westwand des Großen Bilderkabinetts:


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)

      Die Tür führt in das Kleine Bilderkabinett. Das Gemälde links neben der Tür zeigt August den Starken als Reiter: Klick
    • Wow, klasse! Bei all deinem Fachwissen: Publizierst du schon zum Thema Dresdner Schloss, BautzenFan?
      Bzw. steuerst zu entsprechender Literatur etwas bei? Das würde sich ja anbieten und ggf. auch einen Obulus für die tolle Recherche bringen.

      Der Wikipedia-Artikel ist angesichts dessen auch noch zu dünne mE, der gehört ausgebaut:

      de.wikipedia.org/wiki/Residenzschloss_Dresden
    • erbse schrieb:

      Publizierst du schon zum Thema Dresdner Schloss, BautzenFan? Bzw. steuerst zu entsprechender Literatur etwas bei?
      Der Wikipedia-Artikel ist angesichts dessen auch noch zu dünne mE, der gehörtausgebaut
      Ich habe mal einen Beitrag im Jahrbuch des Vereins verfassen dürfen (2014).
      Am wikipedia-Artikel bin ich dran. Da kämpfe ich u.a. noch mit ein paar Editier-Problemen.


      george-orwell schrieb:

      Kannst Du noch sagen, was das für Kunstwerke sind an der Nordwand des Großen Bilderkabinetts?
      Kann ich leider nicht. Aber ich habe Dir zumindest mal die entsprechende Abbildung vergrößert:


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)

      Offenbarhandelt es sich nicht um Gemälde, sondern um textile Exponate. Ich würde auf Fahnen tippen. In Ableitung aus der thematischen Ausrichtung des Raumes (Krönung als quasi Besiegelung der sächsisch-polnischen Union) wäre weiter zu vermuten,dass ein Exemplar mit Sachsen, das andere mit dem polnischen Königreich zu tun hat.
      Im Vitrinenplan sind übrigens die Inventarnummern der SKD-Listung angegeben (Inv.-Nr. D 22 und Inv.-Nr. D 23), aber ohne Inventarverzeichnis nützt das natürlich nichts.

      Als „Trostpflaster" kann ich Dir aber noch eine Information zur Westwand des Großen Bilderkabinettsbieten.


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)


      Das Gemälde links hatte ich im vorigen Beitrag schon vorgestellt. Das Gemälde rechts zeigt den Einzug von August III. (Sohn Augusts des Starken und dessen Nachfolger auf dem polnischen Königsthron) in Warschau. Das war am 25. November 1734. Hier ist eine etwas größere Ansicht: Klick

      Der monumentalen Festarchitektur und den geordneten Reihen der Ehrenformation im Bildzentrum ist rechts die Stadtarchitektur (die Bernhardinerkirche) und das Gedränge des einfachen Volkes um die besten Sichtplätze konfrontiert. Anknüpfend an die seit der Antike tradierte politische Ikonographie des Triumphbogens, verherrlichen emblematische und allegorische Darstellungen auf der Ehrenpforte den Ruhm und die Tugenden des Herrschers. So sollte August III. nicht nur als neuer Machthaber in die Stadt, sondern auch »in die Herzen der Reichsbevölkerung« einziehen, wie es in der Inschrift oberhalb der Kronenkartusche heißt.

      https://www.deutscheundpolen.de/frames/bild_lang_jsp/key=1734_uek_354_mock_js_augustusiii_warschau.html


      Und noch eine kleine Meldung vom Ausschreibungsgeschehen. Dieser Tage wurde der Auftrag für die Vergoldungsarbeiten der plastischen Zierteile der Holzdecke vergeben.

      SIB schrieb:

      Vergoldung von plastischen Zierteilen für die Rekonstruktion der Holzkassettendecke:
      - Ölvergoldung von 24 Zapfen aus Lindenholz, bestehend aus großem und kleinem Blütenkelch sowie mittlerem gedrechselten Blütenstab,
      - Ölvergoldung von ca. 950 freihändig gedrehten Abdeckkappen aus Lindenholz in drei verschiedenen Größen,
      - Herstellen von gesandelten Oberflächen und Farbfassungen auf Teilbereichen der Zapfen,
      - Verpackung und Transport ins Dresdner Schloss und Einbau der Zierteile in die Kassettendecke.


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)


      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)

      Der vereinbarte Preis für die oben genannte Leistung (ca. 950 Abdeckkappen, 24 Zapfen) beträgt 20.183,60 EUR (ohne Mehrwertsteuer). Es ist anzumerken, dass die ca. 950 Abdeckkappen die Gesamtmenge der betreffenden Teile umfassen, während die 24 Zapfen nur für die Musterachse „reichen“, die ja im Sommer hergestellt werden soll. Danach sind nochmals 105 Zapfen herzustellen und zu vergolden.

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    • Vor etlicher Zeit beschäftigte uns hier die Frage über den Ausbau des NO-Flügels im Residenzschloss (EG und Keller). Öffentlich bekannt war ja eigentlich bislang nur, dass hier eine gastronomische Nutzung vorgesehen ist. Dank einer ganz aktuellen Ausschreibung des SIB kann ich nunmehr erste Informationen liefern. Der Ausschreibungstext wurde wie folgt betitelt: *Rohbau Gastronomie NO*, mit dem Leistungszeitraum: Beginn: 03.09.2018 Ende: 29.03.2019.

      Angaben zum ausgeschriebenen Leistungsumfang:

      SIB schrieb:

      Bei der Baumaßnahme Dresdner Schloss | Ausbau III | 3.BA - Rohbau Gastronomie handelt es sich um Bauleistungen im Erd- und Kellergeschoss im Nord-Ost-Flügel des Dresdner Schlosses sowie teilweise im angrenzenden Außenbereich.
      […]
      Vorbereitende Arbeiten:
      begleitend Kampfmittelsondierung im Außenbereich mit 50 m Tiefgründungen mit Mikrobohrpfählen;
      60 m² Baugrubenverbau mit Trägerbohlenwand;

      Erdarbeiten:
      100 m³ Baugrubenaushub Außenbauwerke;

      Rückbauarbeiten
      […]
      Mauerwerksarbeiten
      […]
      Beton- und Stahlbetonarbeiten:
      […]
      diverse Arbeiten zu Abwasseranlagen im Außenbereich im Zusammenhang mit dem Unterfluraufzug

      Aus den Planunterlagen der Ausschreibung geht hervor, dass die Gasträume im NO-Flügel durch 2 Eingänge betreten werden können (vom Großen Schlosshof aus), ein Eingang (Nr. 2) wird eine Rampe für Rollstuhlfahrer erhalten:



      Das im obigenBild mit einem roten Kreuz markierte Portal stellt ein Baurelikt aus der Erbauungszeit des NO-Traktes dar, die aufgehenden Wände im EG und 1. OG des NO-Flügels wurden nämlich in die Zeit um 1400 datiert (das so genannte „Alte Haus“).



      Die aus den Plandarstellungen der Ausschreibung ersichtlichen Funktionsangaben der Räume habe ich mal in folgenden Grundrissausschnitt eingetragen. Zu Grunde liegt freilich eine Rissdarstellung aus der DDR-Planung, daher sind gewisse dort enthaltene Details überholt (geändert). Zum Beispiel wird der Treppenaufgang (Eingang 1) zwischen Westkanten und Südkanten der Treppe nicht eckig wie im DDR-Plan, sondern abgerundet.




      Es wird also 3 Gasträume geben (hellgrün umrandet) – und die werden urig. Die Deckeneinwölbung ist noch original erhalten (heißt bei der Bombardierung nicht durchgebrochen).Der mittlere Gastraum weist zum Beispiel ein Ziegelstein-Kreuzgrat-Gewölbe auf(wie gesagt stammen die aufgehenden Wände hier aus der Zeit um 1400, die Einwölbung der EG-Decken entstand aber später (zum größten Teil aus der Renaissance – Umbauphase des Schlosses unter Kurfürst Moritz, Mitte 16. Jhd).
      Der roteingekreiste Bereich trägt in einem Plan die Anmerkung: "Durchgang in die Ausstellung zur Schlossgeschichte".

      An der Nordfassade des Schlosses wird ein Unterfluraufzug eingebaut werden. Die Lagerräume der Gaststätte befinden sich nämlich im Keller. In diesem Zusammenhang wird man den dort durch Sandstein-Poller geschützten Bereich auf etwa die doppelte Längserstreckung vergrößern. Der im nachstehenden Bild mit einem roten Kreuz markierte Poller muss dafür abgebaut und weiter westlich wieder eingebaut werden. In der Fluchtlinie der anderen 4 Poller werden 4 weitere Poller gesetzt: Klick

      Ein Prinzip-Bild, wie ein solcher Unterfluraufzug aussieht (die sind in der Regel nur für Lasttransporte gedacht, nicht für die Personenbeförderung): Klick

      Mein Fazit im Hinblick auf die Terminangaben. Die betreffenden Rohbauarbeiten sollen ja Ende März 2019 abgeschlossen sein. Dann ist wohl frühestens Anfang 2020 / Frühjahr 2020 mit der Inbetriebnahme der Gaststätte zu rechnen (Bei der Spekulation*Frühjahr 2020* denke ich an die Freisitzgelegenheiten – der Betrieb muss sich schließlich für den Pächter rechnen). Anfang bzw. Frühjahr 2020 passt aber, denn dann dürfte auch der Altan fertig sein (dann steht dort kein Gerüst mehr, welches m.E. die Nutzung der Gaststätte aus Sicherheitsgründen ausschließt – man denke nur an die Rampe).


      Abschließend noch ein paar Bilder zu den Leuchten für den Kleinen Ballsaal. An der Wiederherstellung waren mehrere Firmen beteiligt. Hier im Forum wurden bislang2 genannt: für die wissenschaftliche Recherche und die Planung (Firma Historische Leuchten Jacob aus Leipzig) und die Leuchtenbauer (Firma Paul Lorenz aus Chemnitz). Nun habe ich eine dritte Firma gefunden: w3 e-candle aus Deventer/Niederlande. Deren Part umfasst die Herstellung und den Einbau (incl.Verkabelung der Leuchtmittel (speziell entwickelte LED-Kerzen mit ihrer historischen Versailles-Kerzenfarbe).

      Und nun zu den Fotos. Zunächst eine Aufnahme des Grundkörpers von einem der beiden Kronleuchter(Gesamthöhe jeweils 4,5 m, Durchmesser ca. 2 m) – noch ohne die Kerzen und ohne den Glasbehang.
      Klick

      Detailbild(alle Leuchten des Kleinen Ballsaals erhalten eine 24 Karat feuervergoldete Oberfläche): Klick

      Die 3 Kaminleuchter des Kleinen Ballsaals hatte man bergen können (als einzige der vielen Leuchtkörper dieses Raumes). Sie waren natürlich ziemlich lädiert, sind aber mit großem Auswand restauriert worden. Und so sehen sie jetzt (fast fertig) aus: Klick

      Fast fertigbedeutet, dass der Glasbehang noch fehlt. Den endgültigen Anblick vermittelt diese Visualisierung:
      Klick

      Das folgende Bild zeigt einen der Kaminleuchter im Bergungszustand (Bild ganz links): Klick
    • Heute fand wieder einmal ein hochoffizieller Besuch im Schloss statt. Der MP des Landes besichtigte die aktuellen Baustellen. Tolle Bilder sind schon im Lokalfernsehen. Hier der Link:
      sachsen-fernsehen.de/barocke-p…loss-entsteht-neu-485672/

      Und hier kann man Visualisierungen in guter Auflösung finden:
      Klick
      (Nach dem Öffnen des Links etwas nach unten scrollen).

      Ich habe das gerade gefunden, muss das jetzt erst einmal in Ruhe genießen.
    • BautzenFan schrieb:

      Heute fand wieder einmal ein hochoffizieller Besuch im Schloss statt. Der MP des Landes besichtigte die aktuellen Baustellen. Tolle Bilder sind schon im Lokalfernsehen. Hier der Link:
      https://www.sachsen-fernsehen.de/barocke-pracht-im-residenzschloss-entsteht-neu-485672/

      Und hier kann man Visualisierungen in guter Auflösung finden:
      Klick
      (Nach dem Öffnen des Links etwas nach unten scrollen).

      Ich habe das gerade gefunden, muss das jetzt erst einmal in Ruhe genießen.
      Vielen Dank für die Info und Links. :) Leider sind die Visualisierungen nur im Winzformat vorhanden.
    • Treverer schrieb:

      Leider sind die Visualisierungen nur im Winzformat vorhanden.
      Ich war in freudiger Hocherregung und habe dann auch erst später geschnallt, dass die winzigen Vorschaubilder nicht vergrößert werden können. Aber ich habe die Visualisierungen jetzt doch gefunden (mit den kleinen Punkten unter dem ersten Foto kann die Galerie durchgeklickt werden):
      radiodresden.de/beitrag/die-re…oss-liegt-im-plan-539546/
    • Ein paar Infos zu den im Filmbericht gezeigten Räumen. Zunächst noch einmal der Link: Klick

      0:26
      Wir blicken in das Große Bilderkabinett, dazu gehören die 4 Fenster. Zu sehen ist aber auch der östliche Streifen des Kleinen Bilderkabinetts (der Bereich mit den blauen Säcken rechts unten im Bild bei 0:26). Die Trennmauer zwischen den beiden Kabinetten existiert noch nicht. Man beginnt aber offenbar gerade mit dem Aufbau– man beachte die Basisschiene, die schon verlegt ist („hinter“ den blauen Säcken).
      Die Ständerkonstruktion am linken Bildrand wird ein schmaler Hohlraum zwischen dem Audienzgemach/Paradeschlafzimmer und den südlich davon anschließenden beiden Bilderkabinetten. Hier wird man die Technik unterbringen.

      0:44 bis 0:47
      Wir blicken in den Eckparadesaal – links sehen wir die Westwand, rechts die Nordwand (letztere die Front zur Kathedrale). In der Mitte liegt der Durchgang in das kleine Turmzimmer (nördlicher Eckturm des Westflügels, das ist der nahe der Kathedrale an der Ecke Westflügel/Nordflügel).

      0:48
      Hier befinden wir uns in der Schlosskapelle, zur Zeit das „Großatelier“ für die Kunstmaler. Dort entstehen die Malereien für die Deckenplatten der Gewehrgalerie. Es sind 84 dieser Holzplatten zu bemalen. Ihre Abmessungen betragen ca. 183 cm x 133 cm
      Etwas später erzählt der Sprecher, dass für die Bemalung einer Platte ca. 14 Arbeitstage erforderlich sind. Also rechnen wir mal: 84 mal 14 Arbeitstage macht 1176 Arbeitstage. Der Auftrag wurde ja an 5 Künstler ausgereicht: 1176 durch 5 ergibt also für jeden Künstler 235 Arbeitstage (okay, die Arbeitslose sind nicht ganz gleich im Umfang, aber es geht ja hier nur um die Größenordnung der erforderlichen Zeit). 235 Arbeitstage sind etwa 10,5 bis 11 Monate.
      Zur Erinnerung, wie die Platten aussehen: Klick

      Außerdem sind in der Schlosskapelle aber auch die Künstler zu Gange, die die Deckenmalereien im Audienzgemach und im Paradeschlafzimmer durchführen, wie mehrere aufgehängte Farbausdrucke vermuten lassen.

      1:03
      Diese Aufnahmen entstanden in der „Textilwerkstatt“ im Nordflügel. Im Propositionssaal und im Großen Ballsaal sind schon seit geraumer Zeit etwa jeweils 2 Drittel der beiden Räume als Werkstattbereiche abgegrenzt. Bei (genau) 2:17 erkennt man anhand der Wandstruktur den Großen Ballsaal.


      Auch die Sächsische Zeitung berichtete, u. a. findet sich in diesem Artikel folgende zusätzliche Information:

      Sächsische Zeitung schrieb:

      Im Schlafgemach ist reichlich einen Meter über dem Boden bereits die grundierte Leinwand für das Deckengemälde aufgespannt. Dietrich Richter wird auf einem Gerüst auf dem Bauch liegend malen. Das fertige Gemälde wird dann in dem Raum, den es fast ausfüllt, umgedreht und an der Decke platziert. Wie hat Louis de Silvestre das einst gemacht? Vermutlich lag er rücklings auf einem Gerüst dicht unter der Decke. Oder er hat stehend über Kopf gemalt. Wie lange kann man in so einer Haltung malen, ein Kunstwerk erschaffen?!

      Quelle: https://www.sz-online.de/nachrichten/kultur/alles-gold-was-glaenzt-3950101.html
    • Da der kürzliche offizielle Baustellenrundgang natürlich mit großer Pressebeteiligung erfolgte, waren entsprechende Berichte darüber in etlichen Gazetten zu finden. Ich habe mal einige interessante Fotos verlinkt. Zunächst 2 Bilder vom Eckparadesaal. Wir blicken auf die Südwand, das ist die Wand mit dem Kamin und den daneben befindlichen Ofennischen.

      EPS Südwand westlicher Teil

      EPS Südwand östlicher Teil

      In einem Artikel stand hierzu die Information, dass im Eckparadesaal gerade mit dem Einbau der Fußbodenheizung begonnen wurde. Naja, entsprechende Installationselemente sind noch nicht zu sehen, aber ich interpretiere mal die auf dem Fußbodenausgelegte Baufolie als Basisschicht für die darauf zu montierenden Heizungsrohre.
      Ansonsten sind erste Arbeiten an den Ofennischen zu sehen. Hier das Vergleichsbild vom Ausgangszustand:


      Bildquelle: Schnappschuss aus der filmischen Dokumentation *Von der Ruine zum Richtfest*, herausgegeben 1994 vom Sächsischen Finanzministerium

      Eine Frage an die Bauexperten. Wofür sind diese rechteckigen Einschlitzungen im oberen Bereich der Mauer (eine aber auch im Inneren des Kamins) gedacht? In dem vorgestern verlinkten Filmbericht des Lokalfernsehens war kurz ein Teil der West- und der Nordwand des EPS zu sehen (bei 0:44 bis 0:47). Hier gibt es solche Einschlitzungen ebenfalls.
      Klick


      Kommen wir nun zum Paradeschlafzimmer. Hier zunächst die Visualisierung – Blickrichtung nach Norden, die Fenster links gehen auf den Großen Schlosshof raus.

      Visualisierung

      Das nächste Foto zeigt mit ähnlicher Blickperspektive den aktuellen Zustand des Raumes: Klick

      Die Wand rechts (die Kaminwand, mit 2 Türen in das Audienzgemach) ist zum Schutz vollständig mit einer Folie zugehangen. Hier war ja im Zuge der Herstellung der Musterachsen schon vor Jahren einiges passiert, wie die folgende Aufnahme von 2011 belegt:



      Es bleibt festzuhalten, dass man im PSZ offenbar schon am weitesten ist. So scheint die Stuckatierung im Hauptgesimsbereich fertig zu sein, ebenso die Konturierung der Hohlkehle.


      Und zum Schluss: Special Service for Treverer ;)
      (eine der Visus gaaanz groß, kann nach dem Öffnen durch Draufklicken weiter vergrößert werden): Klick