Das Dresdner Schloss

  • Ich hatte mich kürzlich mal wieder an den Bauherrn des Schlosses (Sächsisches Finanzministerium) gewendet und im Rahmen einer Bürgeranfrage 3 Fragen zum weiteren Schlossausbau gestellt. Die Antwort (nach meiner Bewertung sehr ausführlich und fundiert) erfolgte diesmal per email. Ich kann daher keinen "Beleg" in Form eines eingescannten Schreibens vorlegen. Nachfolgend zitiere ich meine konkreten Fragestellungen und die darauf gegebenen Antworten.


    Frage 1


    1. Fortführung der Sgraffito-Gestaltung an den Fassaden des Großen Schlosshofes


    In der genannten Pressemitteilung wurde hierzu formuliert:


    „Außerdem laufen bis zum Jahresende Fassadenarbeiten am Nordostflügel sowie Treppenturm Südost. Hier werden Schäden beseitigt und die für das Schloss bekannten Sgraffiti (Kratzputztechnik) aufgebracht.“


    Meine Frage lautet nun, wie es diesbezüglich mit den anderen beiden Treppentürmen (Nordost und Südwest) weitergeht. Ich vermute mal (think positive), dass der nordöstliche Treppenturm nur nicht explizit genannt wurde und möglicherweise Bestandteil der Einzelmaßnahme *Fassadenarbeiten am Nordostflügel* ist. Meine „Sorge“ gilt vor allem dem südwestlichen Treppenturm. Aus diversen Verlautbarungen von „Insidern“ (z.B. Buch von Dirk Syndram, Direktor Grünes Gewölbe) war zu entnehmen, dass dieser Turm in seinem rudimentären Fassaden-Zustand belassen werden soll. Können Sie das bestätigen? Und falls ja, verzichtet man nur auf die Rekonstruktion des plastischen Fassaden-„Schmucks“ oder nur auf die Sgraffito-Gestaltung oder auf beides?


    Antwort auf Frage 1 (übrigens eine Bestätigung der Aussage eines der Sgraffitto-Ausführenden, die ich vor einiger Zeit schon mal gepostet hatte)


    In diesem Jahr werden die Sgraffitiarbeiten an der Nordostfassade und dem Treppenturm Südost fortgeführt.


    Für die Sgraffitider beiden Treppentürme TTNO und TTSW liegen noch keine Entwürfe vor. Es gibt Überlegungen, einen der beiden Treppentürme im ruinösen Zustand zu lassen, um die Zerstörung des Hofes auch in Zukunft erkennbar zu lassen.


    Zur Gestaltung des Großen Schlosshofes hat es 2010 ein Kolloquium gegeben. In den Empfehlungen steht: "Darstellung der Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg als eigenständige Zeitschicht.Der süd-westliche Treppenturm sollte als Ganzes in seiner Versehrtheit erhalten bleiben und in dieser Form in das Gesamtkonzept des Großen Schlosshofes integriert werden."


    Ob man diesen Empfehlungen vollumfänglich folgt,wird in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege noch entschieden.


    Frage 2


    2. Decke Porzellanzimmer


    Nach früheren Planungen war vorgesehen, dass das Porzellanzimmer (2. OG Nordflügel im Bereich des Hausmannsturmes) bis etwa 2014 rekonstruiert werden soll. Zwischenzeitlich wurde dieses Vorhaben aus finanziellen Gründen zurückgestellt. Bei meinem Schlossbesuch im August vorigen Jahres (so genannte Schlössertour der sächsischen Zeitung) konnte ich die bis dahin erreichten Baufortschritte bewundern. Die rekonstruktive Wiederherstellung des kriegszerstörten Renaissance-Deckenstucks war nach meiner Schätzung zu etwa einem Viertel (einem Fünftel?) fertiggestellt. Meine Frage: Betrifft die Stornierung auch die Deckenrekonstruktion? Man muss kein kunsthistorischer Experte sein, um in diesem Fall „erkennbare Brüche“ zu befürchten (Stichwort: künstlerische Handschrift).


    Antwort auf Frage 2


    Das Turmzimmer oder Porzellanzimmer wird wieder historisch ausgebaut, bisher sind jedoch nur planerische Untersuchungen und Probeachsen vorgenommen worden. Da der Zeitpunkt des Ausbaus nicht eingeschätzt werden kann, sind gegenwärtig keine weiteren Aktivitäten geplant.


    Zur Decke im Porzellanzimmer erfolgten Untersuchungen des historischen Bestandes, sowie die Auswertung der überlieferten Quellen. Die von Ihnen gesehene Probe ist ein Teil des Planungsprozesses, da es hier um den Nachweis der erreichbaren Qualität und damit um die Bestätigung der Zielstellung für diese Decke ging. Die Probe ist tatsächlich so gut gelungen, dass diese in Zukunft weiter bearbeitet werden kann und nicht verloren ist bzw. verworfen werden musste.


    Frage 3


    3. Spiegelsaal


    In Reaktion auf Ihre o.g. Pressemitteilung war in diversen Zeitungsartikeln von einem *Spiegelsaal* die Rede, der sich (Zitat) „rechts“ des Riesensaales anschließt. Diese Bezeichnung ist mir neu. Handelt es sich dabei um das ehemalige *Audienzgemach der Königin* (im Georgenbau angrenzend an den Kleinen Ballsaal gelegen)?


    Antwort auf Frage 3


    Vom Riesensaal wird man rechts in Richtung Georgenbau in das ehemalige "Audienszimmer der Königin" kommen. Dieser Raum wird z.T. rekonstruiert, so dass der Besucher einen Eindruck von den ehemaligen Raum bekommen wird. Gleichzeitig wird in diesem eine Ausstellung der Rüstkammer zu sehen sein, in der herausragende Harnische, Reitzeuge und Blankwaffen gezeigt werden - daher wird von Seiten der Staatlichen Kunstsammlungen der Raum museal als "Silbersaal" bezeichnet.


    Die Bezeichnung Spiegelsaal ist uns nicht geläufig. Nach einer Recherche konnte festgestellt werden, dass es in dem Bereich tatsächlich mal einen Saal mit diesem Namen gegeben hat. Der Name wurde nach dem Umbau des sog. "Weißen Saales" im 1. OG des Nordflügels, unmittelbar an den Georgenbau anschließend, für den dort 1880- 1881 eingerichteten Saal verwendet. D.h. der Saal lag unterhalb des Riesensaals am nördlichen Ende des Ostflügels. Dieser Saal wurde nach Plänen des Hofbaumeisters Bernhard Krüger geschaffen und nach dessen Tod im Jahre 1881 durch den nachfolgenden Hofbaumeister Gustav Dunger fertig gestellt. Die Bezeichnung wurde von den großen, nach Vorbildern des Bronzenzimmers geschaffenen Spiegeln bestimmt.

  • Dein Wissen über das Schloß ist gewaltig! Hast Du Dir nicht einmal überlegt, einen Buch darüber zu schreiben?

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • BautzenFan hat mit diversen Informationen einmal mehr dafür gesorgt, dass das Interesse am Residenzschloss und vor allem dessen schrittweiser, teilweise neuer Ausstattung/Disposition wachgehalten wird.


    Erst wenn das Interieur vollständig mit den über die Zerstörung geretteten Mobilien ausgestattet ist, wird ein endgültiger Überblick
    über das noch Vorhandene möglich sein.
    Offenbar ist an Möbeln und anderen Ausstattungsstücken wohl doch noch mehr vorhanden, als bisher bekannt ?


    Vielleicht gelingt es über diese Dinge, die doch sicher von allgemeinem Interesse sind, genauere Aufklärung zu erhalten.


    "Tröpfchenweise" ist da einiges in Erfahrung zu bringen, so u. a. dass einige Teile von sog. "Blakern" aus den Festräumen 1942 abgenommen, ausgelagert und noch vorhanden sind.

  • Vielen lieben Dank für deinen gewohnt profunden Beitrag, BautzenFan.


    Leider scheinen sich damit die im letzten Jahr gekeimten Vermutungen zu erhärten. Der Große Schlosshof darf nicht als ein Gesamtkunstwerk der Renaissance wiedererstehen, sondern soll durch einen inflationär oft vorkommenden und damit vollkommen wertlosen Bruch, einer Mahnstätte an die Zerstörung, entwertet werden. Das ist nicht nur wegen der damit stark eingeschränkten Erlebbarkeit zu bedauern, sondern auch insofern eine besondere Chuzpe, da der Große Schlosshof als Denkmal des Erblühens Sachsens und seiner Dynastie schon eine gewisse Tradition in Sachen Rekonstruktion aufwies.

  • Ich möchte noch einige Anmerkungen zu meinem letzten Beitrag anschließen. Der dort zitierte Frageteil zur Weiterführung der Sgraffito-Ausgestaltung bezog sich auf eine Pressemitteilung des SMF (Sächs. Finanzministerium) vom 22. August 2012. In diesem Schreiben wurde explizit benannt, welche Arbeiten am Schloss aktuell laufen bzw. unmittelbar bevorstehen. Wörtliches Zitat daraus:


    Außerdem laufen 2012 bis zum Jahresende Fassadenarbeiten am Nordostflügel sowie Treppenturm Südost. Hier werden Schäden beseitigt und die für das Schloss bekannten Sgraffiti (Kratzputztechnik) aufgebracht.


    Mit dem Nordostflügel (für nicht ganz so Kundige: das ist der Abschnitt „rechts“ vom Altan bis zum angrenzenden Treppenturm) wird der – mit Ausnahme der Rückfront des Altans - letzte „gerade“ Fassadenbereich also entsprechend gestaltet. Einer der vier Treppentürme (TT NW) ist bereits seit mehreren Jahren fertiggestellt. Als zweiter wird nun also der südöstliche folgen. Der sah bislang so aus:




    Übrigens: Alle hellen Abschnitte der Pilaster wurden gänzlich neu geschaffen, also fast alles bis auf die Erdgeschosszone:




    Die Aussage zum südwestlichen Treppenturm löst bei mir großes Unverständnis aus – Wie kann man nur auf so eine krude Idee kommen. Dies wäre dann also nach Meinung auserwählter Experten die dauerhafte Fassadenansicht an der südwestlichen Hofecke (bis auf die Giebelfiguren, die hoffentlich noch kommen):




    Diese Empfehlung kann man nur „ideologisch“ erklären – Sie konnten die Sgraffiti nicht per se verhindern, also dann wenigstens spürbar die Wirkung stören. Der südwestliche TT ist ja bekanntlich ein „eineiiger Zwilling“ des südöstlichen. Und bei letzterem hat die Quellenlage offensichtlich für eine vollständige Fassadenrekonstruktion ausgereicht (siehe Ausführungen und Fotos im Beitrag weiter oben). Das ist also definitiv kein Argument, am TT SW eine rudimentäre Fassade zu belassen. In dem SMF-Schreiben (email auf meine Anfrage) hieß es aber immerhin:


    „Ob man diesen Empfehlungen vollumfänglich folgt, wird in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege noch entschieden.“


    Aus dieser Formulierung lässt sich – bei optimistischer Sichtweise – durchaus ableiten, dass es unter denjenigen, die hierbei zu entscheiden haben, auch eine „Gegenfraktion“ gibt.


    Nun zu einem weiteren Bauvorhaben, das in o.g. Pressemitteilung (22.08.2012) explizit thematisiert wurde: dem Ausbau des Riesensaales. Die SKD (Staatl. Kunstsammlungen Dresden) vermelden übrigens auf ihrer Homepage, dass der Riesensaal am 18. Februar 2012 eröffnet werden soll.
    Zu dessen Ausgestaltung enthält besagte Pressemitteilung folgende interessante Detailinformationen:

    Als weitere Einzelmaßnahme wurde in der Pressemitteilung der Einbau des Schlingrippengewölbes in der ehemaligen Schlosskapelle genannt. Die wichtigsten Passagen habe ich nachfolgend zitiert (Baubeginn war im Frühjahr 2010):


    Zum Abschluss noch ein positiver Fakt (war bislang nur eine sehr vage Ankündigung), den Ihr in meinem letzten Beitrag hoffentlich nicht überlesen habt: Das Audienzzimmer der Königin (2. OG Georgenbau) wird zum Teil rekonstruiert, so dass der Besucher einen Eindruck von dem ehemaligen Raum bekommen wird.


    Dieser Raum befindet sich „zwischen“ Riesensaal und Kleinem Ballsaal. Hier ein Foto:



    Bildquelle: www.bildindex.de
    Die im Foto erkennbare Tür rechts führt in den Kleinen Ballsaal.

  • Eine SZ - Nachricht ( 10./11.November ) vermeldet, dass für den Ausbau des Schlosses in 2013 zehn Mill. Euro fließen. Während der Bund fünf Mio eingeplant hat, wird der Freistaat weitere 5 Mio zur Kofinanzierung beisteuern.


    "Diese Mittel stehen zum zügigen Ausbau des Georgenbaus zur Verfügung", versicherte der sächsische Ministerpräsident.

  • Vielen Dank an Bernd Ludwig für die Nachricht, das ist mir doch glatt durch die Lappen gegangen. Ich habe gleich mal recherchiert und denke, die Sache ist noch positiver als Du sie formuliert hast. Es gibt diese 10 Mio Euro im nächsten Jahr ZUSÄTZLICH - zu den bislang im sächsischen Haushalt eingestellten Betrag von 4,6 Mio Euro. Das lese ich zumindest aus dem konkreten Wortlaut der Sächsischen Zeitung. In der Pressemitteilung der Staatskanzlei wird Folgendes ausgeführt:


    Quote

    Ministerpräsident begrüßt Bundesunterstützung für den weiteren Ausbau des Dresdner Schlosses


    Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich begrüßt die Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, ein neues Denkmalschutz- und Sanierungssonderprogramm für bedeutende Kulturbauten aufzugelegen und die Mittel dafür im Bundeshaushalt 2013 um über 30 Millionen Euro aufzustocken. "Ich bin sehr optimistisch, dass mit diesem Programm der Ausbau des Georgenbaus am Dresdner Residenzschloss bereits ab kommendem Jahr zügig durchgeführt werden kann." Damit werde die herausragende Stellung Dresdens als Kulturstadt einmal mehr gewürdigt und gefördert. "Ich habe mich persönlich für eine Unterstützung des Bundes stark gemacht. Über die jetzt eingeplanten fünf Millionen Euro für den Georgenbau freue ich mich sehr", so Tillich. Die notwendigen Kofinanzierungsmittel in gleicher Höhe werden im Sächsischen Landeshaushalt ebenso vorgesehen.


    Es steht zwar nicht explizit da, aber zügiger Ausbau des Georgenbaus heißt für mich: Ab nächstem Jahr geht die Rekonstruktion des Kleinen Ballsaales weiter. cclap:)

  • Vom Datum wäre eine mehr als passende Gelegenheit gewesen, auch die Reko von Gottfried Fritzsches Schloßkirchenorgel von 1612, die in den 1990er Jahren schon einmal in konkrete Planungen gesteckt wurden, anzugehen. Obwohl in dieser Angelegenheit in den letzten Jahren nicht mehr viel neues zu erfahren war, ist nur zu hoffen und zu wünschen, daß der Status quo nicht der Weisheit letzter Schluß sein soll. Nachdem die Werkstatt Wegscheider in den letzten Jahren sowohl die Fritzsche-Treutmann-Orgel in Harbke als auch die grandiose Orgel vom Fritzscheschüler Friedrich Stellwagen in St. Marien Stralsund restaurierte, kann man sicherlich sagen, daß diese Dresdner Werkstatt eigentlich auch mit der Reko der Dresdener Schloßkirchenorgel betraut werden sollte. Wenn man es doch nur endlich bald anginge...!

  • In den DNN vom 10./11. November 2012 hat man sich bezüglich der eingeplanten Mittel für den Ausbau des Dresdner Stadtschlosses etwas glücklicher ausgedrückt. So sind für die Jahre 2013/2014 zu den bisher eingeplanten 4,6 Mio. Euro 10 Mio. Euro hinzugekommen, die sich Bund und Land paritätisch teilen. Die Mittel sollen nun gezielt im Georgentor verbaut werden.

  • Nachdem der südöstliche Wendelstein noch immer unter Planen verborgen ist, wurden weitere Gerüstteile im großen Schlosshof abgestellt. Wofür mögen sie dienen? Haben sie etwas mit den Fassadenmalereien am Altan oder den anderen zwei Wendelsteinen (Nordost und unser "Sorgenkind" Südwest) zu tun? Wir werden sehen!


    Kennt ihr übrigens schon diese interessante Baudokumentation des SIB?


    http://www.sib.sachsen.de/file…broschuere_Auflage_II.pdf


    Die sollte man sich gerade am Wochende einmal zu Gemüte führen!

  • Auf mehreren alten Fotos ist mir aufgefallen, dass die kupfergedeckten Ecktürmchenhauben nach dem Bombenangriff vom Februar 1945 noch intakt waren. Grünfarben oxidiert.


    Auf späteren Fotos aus den 1950er Jahren fehlt diese Kupfereindeckung jedoch - was ist da passiert? Wurde sie gezielt abgenommen? Weshalb? Wurde das Turminnere doch so völlig Schnee und Regen ausgesetzt ... und so einem verstärkten Verfall preisgegeben.


    Angeblich wurde ja auch die verbliebene Turmhaube der Sophienkirche gezielt gesprengt, um an die Platten der Kupfereindeckung heranzukommen ...


    Ein weiteres Thema: Es sollen Augenzeugenberichte existieren, dass die brennende Turmhaube des Hausmannsturms während des Infernos zur Seite wegsackend in sich zusammenstürzte - direkt auf das Dach, das sich über dem großen Ballsaal befand. Gibt es hierzu genauere Erkenntnisse? Wurde dieser Umstand bei der Enttrümmerung untersucht?


    Auffällig ist auf Fotografien aus den 1980er Jahren, dass die Eisenträger der Deckenkonstruktion über dem großen Ballsaal in der Nähe des Hausmannsturms fehlen und Trägereisen der Empore nach unten verbogen sind bzw. größtenteils komplett herausgerissen sind ... - während im gegenüberliegenden Saal die eiserne Deckenkonstruktion des Propositionssaals, die sich direkt an den Hausmannsturm anschloss, sehr gut erhalten schien.


    Vielleicht ein Indiz für die herabgefallenen Trümmer der Turmhaube, die auch die Dachkonstruktion heruntergerissen haben?


    Von älteren Dresdnern kann man zudem hören, dass die Turmhaube des Hausmannsturms vor 1945 eine leichte West-Ost-Neigung aufgewiesen haben soll - wahrscheinlich aufgrund jahrhundertelanger Windeinwirkung. Dies könnte einen Einsturz in diese Richtung begünstigt haben? Zumal Hinweise auf detonierte Sprengbomben im Nordflügel fehlen, denn sonst wären sicherlich die Außenmauern der Gebäude viel stärker in Mitleidenschaft gezogen worden.


    Gibt es Belege, wann die Turmhaube des Hausmannsturms vor 1945 zuletzt saniert wurde? Oder hatte die originale Holzkonstruktion die Jahrhunderte überdauert?


    Vielleicht weiß jemand näheres hierzu? Vielen Dank vorab.

  • Willkommen Architekturstudent!


    Interessante Fragen und Aspekte wirfst Du hier auf! Ich denke, BautzenFan wird Dir Deine Fragen beantworten können!


    Bist Du Architekturstudent in Dresden? Wenn ja, wie sehen Deine Kommilitonen den Wiederaufbau des Neumarktbereiches?

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Auf späteren Fotos aus den 1950er Jahren fehlt diese Kupfereindeckung jedoch - was ist da passiert? Wurde sie gezielt abgenommen? Weshalb? Wurde das Turminnere doch so völlig Schnee und Regen ausgesetzt ... und so einem verstärkten Verfall preisgegeben.


    Meines Wissens erfolgte die Demontage des Kupfers auf Befehl der Sowjets.
    Der Buntmetallschrott wurde als Reparationsleistung in die Sowjetunion verbracht.

  • @ Architektur-Student


    Deine Fragen kann ich dir leider auch nicht wirklich beantworten. Bezüglich der Sophienkirche bin ich allerdings im Stadtarchiv auf ein Dokument gestoßen, das sich mit der "Kupfer-Problematik" befasste. So verlangte der Rat der Stadt von der Kirche die Abnahme der verbliebenen Turmstümpfe, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Dies sollte aufgrund der "komplizierten Statik" mittels einer gezielten Sprengung durchgeführt werden. Allerdings war die Kirche aufgrund der eklatanten Materialknappheit durchaus an dem Kupferblech interessiert, das durch eine Sprengung natürlich vernichtet worden wäre, und suchte einen entsprechend todesmutigen Handwerker, der diese Aufgabe manuell durchführen sollte. Ein solcher wurde gefunden - noch heute existiert der Kostenvoranschlag.


    Lange Rede kurzer Sinn: du brauchst jemanden, der die Dokumente kennt oder musst sie selbst einmal sichten.


    @ miwori


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Sowjets eine Demontage befohlen hätten. Immerhin haben "die Befreier" wichtige Kulturgüter - so auch Gebäude und Denkmäler - inventarisiert und diese unter ihren Schutz gestellt. Das verhinderte allerdings nicht, dass in Einzelfällen die Freunde der Gruppe Ulbricht schneller waren und Tatsachen schufen. So wurde das König-Albert-Denkmal trotz anders lautender Befehle über Nacht demontiert. Die eigentlich wenig wichtigen Löwen vor der Goldenen Pforte hätten auch fast dran glauben müssen.
    Kurzum: ich glaube nicht, dass da die Sowjets ihre Hände im Spiel hatten. Die Urheber werden wohl - mit welchen Absichten auch immer - auf deutscher Seite zu finden sein.

  • @ Architektur-Student


    Die Kirche wollte das Kupferblech für die Kreuzkirche verwenden, für die man es dringend brauchte. Das Bauaufsichtsamt verbot ein für die Abtragung erforderliches Gerüst und verfügte die Sprengung. Am 11 August 1950 wurde durch die "Baugruppe Enttrümmerung Altmarkt" der Helm unter großem Materialverlust gesprengt. (Matthias Lerm "Abschied vom alten Dresden")


    In der jungen DDR gab es eine Anordnung das Buntmetallaufkommen drastisch zu erhöhen. So musste das Denkmalpflegeamt Bronzebildwerke für die Verschrottung benennen. Auch die "aufmerksamen Bürger" hatten Vorschläge ... (Matthias Lerm "Abschied vom alten Dresden")

  • Auf Fotos der Schloßruine ist zu erkennen, dass die kupferne Verkleidung des Dachreiters vom Georgentor das Inferno überdauert hatte. Später wurde die gesamte, Kupferverkleidung des Dachreiters entfernt. Vielleicht aus " Sicherheitsgründen ? "


    Arno Helzel, Meister der Kupferkunst, wirkte u. a. bei der Wiedergewinnung von Masken, Kapitellen und Zierspitzen des Dachreiters mit.
    Dieser entstand aufs neue, als das Georgentor als Baustelleneinrichtung für den "Kulti" eingerichtet wurde.
    1981 legten Helzel ( Fotos ) und Textautor Rehbein einen sehenswerten Bildband vor : "Über den Dächern Dresdens" ( erschienen im VEB Verlag der Kunst Dresden ). Im Bildband sind zahlreiche Dresdner "Dachlandschaften" zu sehen.

  • Das Dresdner Schloss - Von der Ruine zur Residenz
    Wie das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Monument gerettet wurde und was jetzt noch geplant ist.


    heute
    20:45 - 21:15
    MDR
    Wdh. um 2.25 Uhr
    Doku, 30 Min.

  • Der sogenannte Riesensaal ist fertig.


    http://www.dresden-fernsehen.d…09&showNews=1280607#video


    Und er gefällt mir als Ausstellungsraum richtig gut. Es bleibt zu hoffen, dass die Rüstkammer durch den Ausbau der angrenzenden Räumlichkeiten zeitnah erweitert wird. Vielleicht kann ich mich dann ja auch mit der martialischen Umnutzung der ehemaligen Ballsäle anfreunden.