Das Dresdner Schloss

  • Für alle, die es noch nicht wissen: ab heute ist die Englische Treppe für die Öffentlichkeit zugänglich. Werde sie mir nachher mal anschauen. Groß genug ist sie ja für die Menschenmassen, die heute bestimmt vor Ort sind.

  • Quote from "Oktavian"

    ätsch... ich war aber schon drin ;-))))


    Ich jetzt auch, selber ätsch! Der knallrote Teppich ist nicht nur farblich aufdringlich, er ist anscheinend nicht von der besten Qualität. Die roten Fusseln und Flusen sind auf dem Marmorboden unübersehbar. Ansonsten ist das Treppenhaus traumhaft schön.

  • Ja und wo sind die berühmten Vitruv-Bilder - oder muß ich doch noch meine hier reinstellen? ;)

  • Der beleuchtete Stern, den die Figur in der Hand hält, ist ja knorke. Tanzt son bisl aus der Reihe ggü. den Lampen auf dem Geländer.

  • Besonders erfreulich ist, dass die Englische Treppe wieder zentrale Zugangsfunktion übermehmen soll. Barocke Schlosstreppenhäuser wie das Dresdner sind faszinierende Rauminszenierungen, deren starkes Raumerlebnis sehr bewusst geplant wurde, am genialsten vermutlich bei Balthasar Neumanns Treppenhäusern in Würzburg, Bruchsal und Brühl sowie bei Schlüters Gigantentreppe. Als strahlende "Ouvertüre" eines Schlossbesuchs und Vermittler zwischen Außen- und Innenbereich sind sie unverzichtbar. In Dresden hat man dies richtig erkannt.

  • Na wenn sonst keiner macht, muß ich's eben tun.


    Frohe Ostern allerseits!











  • Quote from "erbsenzaehler"

    Ein traumhaftes Resultat.


    Ja schon, aber es gibt leider trotzdem auch hier wieder was zu meckern.
    Das Vestibül, von dem es gerade mal (aber immerhin) ein tolles Foto gibt, wurde nicht mitrekonstruiert:



    (Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)


    Stattdessen sind dort jetzt nur die Pfeiler ohne Hermen. Das Schlimmste ist aber die Decke, die ohne Hohlkehle und Stuck platt nach oben abschließt.
    Wird hoffentlich in 10-20 Jahren mal noch nachgereicht.


  • Was sind das hier eigentlich für weiße Flecken an der Wand. Sind es Reste des ursprünglichen Putzes?

    APH - am Puls der Zeit

  • Genau. Aber nur bei einem bestimmten Streiflicht zu sehen.

  • Es ist tatsächlich schön zu sehen, dass diese, im Vergleich mit Balthasar Neumanns Würzburger Treppenhaus (man kann und muss sich nicht immer mit dem Besten messen!), doch recht einfache Anlage rekonstruiert worden ist. Ich muss mir die nächsten Tage auch einmal Zeit nehmen um diesen Raum auf mich wirken zu lassen.


    Dabei habe ich allerdings noch eine Frage! Hat man die letzte Fassung aus dem späten 19. Jahrhundert aufgrund ihrer bestimmt vergleichsweise guten Dokumentation rekonstruiert? Eine frühere Variante (Ursprungsfassung?) wäre sicherlich wertvoller gewesen.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Quote from "bilderbuch"

    Eine frühere Variante (Ursprungsfassung?) wäre sicherlich wertvoller gewesen.

    So, wäre sie das? Warum kannst Du das schon im vornherein mit dieser Bestimmtheit sagen? Der Historismus hat durchaus auch positive Modifikationen hervorgebracht - keine Ahnung, wie das hier in diesem speziellen Fall ist.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Quote

    Hat man die letzte Fassung aus dem späten 19. Jahrhundert aufgrund ihrer bestimmt vergleichsweise guten Dokumentation rekonstruiert? Eine frühere Variante (Ursprungsfassung?) wäre sicherlich wertvoller gewesen.


    Ad 1) Ja genau.
    Ad 2) Nein. Es gibt von der Barockfassung lediglich ein Stich (von Dunger & Frölich hingegen immerhin 3 Fotos) und man muss sagen, daß die Barockfassung recht dürftig und nackt war. Man hätte die letzten Reste von Dunger & Frölich beseitigen müssen und das wäre unverantwortlich gewesen.


    Die Dunger & Frölich-Version halte ich in ihrer opulenten und intelligenten Verarbeitung des Wiener Barock in Verbindung mit dem Dresdner Barock für genial und kunsthistorisch bedeutend wertvoller als die Barockversion. August dem Starken hätte die Treppe sicherlich total gut gefallen!

  • Also hatten wir es hier schlussendlich mit einem recht spartanischen Treppenhaus zu tun, dessen Einfachheit wahrscheinlich auf die andauernden Neubaupläne für eine moderne Dresdner Stadtresidenz während des 18. Jahrhunderts zurückzuführen ist?! Das ist eine interessante Information, deren Gehalt in einer noch einzurichtenden Ausstellung zur Schlossgeschichte vertieft werden sollte.
    Wann wird dieser Museumsteil denn eigentlich kommen?

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Quote

    Also hatten wir es hier schlussendlich mit einem recht spartanischen Treppenhaus zu tun, dessen Einfachheit wahrscheinlich auf die andauernden Neubaupläne für eine moderne Dresdner Stadtresidenz während des 18. Jahrhunderts zurückzuführen ist?


    Ja - ziemlich genau so war es.
    Ich dachte, es wäre allgemein bekannt, daß diese barocke Englische Treppe nichts vergleichbares war zu denen in Würzburg oder Bruchsal, Mannheim oder Berlin.


    Anbei der erwähnte Stich, der die Schlichtheit des oberen Treppenraumes anschaulich zeigt:



    Ich denke, da ist es müßig darüber zu diskutieren, welcher Zustand der kunsthistorisch wertvollere war. Wie gesagt: Die Treppe von 1899 war ein Meisterstück von Dunger & Frölich, da man ja mit dem vorhandenen Raum etwas machen mußte und nicht die Treppe per se abreißen konnte....

  • Wer drischt hier erstmal wieder pauschal ein?
    Man (konkret bilderbuch) wird doch noch fragen dürfen, überhaupt in Anbetracht der, vorsichtig formuliert, nicht immer positiven Erfahrungen, die man mit dem Historismus und dessen Umgang mit Vorsubstanz, machen musste.
    An der gegenständlichen Vorgangsweise, wie auch an der historistischen Überformung gibt s natürlich nichts zu meckern, dies umso weniger, als meinen am Wiener Barock geschulten Augen dieses Treppenhaus äußerst unhistoristisch erscheinen muss.
    Auch von mir ein Frohes Ostern.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.