Das Dresdner Schloss

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    • Und wieder war der SIB sehr fleißig und hat eine neue Ausschreibung veröffentlicht. Der Titel lautet: „Mauerwerk und Naturstein Vorraum“ (die Bezeichnung *Vorraum* wird gleich noch klar werden). Dieser Raum liegt im EG des Ostflügels östlich des nordöstlichen Treppenturmes, im nachfolgenden Grundriss mit VR (rosa Buchstaben) bezeichnet:




      Die Ausschreibung umfasst folgende Leistungen, die in dem betreffenden Raum zu erbringen sind (andere Arbeiten stehen dort natürlich auch noch aus):

      SIB schrieb:

      Ca. 60 m2 Sanierung Gewölbe- und Kreuzgratmauerwerk
      Ca. 150 St. Austausch Mauerwerkssteine im Bestandsmauerwerk
      Ca. 300 m2 Mauerwerksverfugung
      Ca. 8 m3 Ergänzungsmauerwerk
      Diverse Sanierungs- und Anpassarbeiten
      Natursteinarbeiten:
      Ca. 1,1 m3 Steinvierungen
      Ca. 2,3 m3 Neusteine Pilaster und Treppenbauteile
      Ca. 7 m Sandsteingewände Türöffnung
      Diverse Sanierungs- und Anpassarbeiten

      Der Ausführungszeitraum ist wie folgt benannt:
      Beginn: 22.10.2018 Ende: 04.02.2019


      Das nachstehende Zitat stellt eine Zusammenfassung der bauarchäologischen Untersuchungen für den Vorraum dar. Autor: Steffen Delang, veröffentlicht in: Zur Bauforschung im Ostflügel des Dresdner Residenzschlosses, Beiträge zur Denkmalpflege, Heft 1,1989

      Steffen Delang schrieb:

      Südlich schließt sich ein quergelagerter, die ganze Breite des Flügels ausfüllender Raum mit 2 kreuzrippengewölbten Jochen an. In Fragmenten sind die polygonal gebrochenen Wandvorlagen zur Aufnahme der Gewölberippen in der Mitte beider Längsseiten erhalten. An der Westwand zeichnen sich Reste einer Wendeltreppe ab [Anm.: im obigen Grundrissbild rosa eingekreist], die spätestens mit der Einwölbung dieses Raumes beseitigt worden sein muss, von der jedoch 4 Stufen in eine neuzeitliche gerade Treppe, die zu einem höher liegenden Renaissanceraum im Nordflügel [Anm.: das ist einer der vorgesehenen Gasträume, siehe Grundrissbild] führt, eingebunden wurden.
      Die folgende Aufnahme von besagter Treppe entstand 2009, das dürfte aber im Prinzip auch noch der aktuelle Zustand sein: Klick

      Was den Zustand der Natursteine im Vorraum betrifft, da hat man offenbar einiges vor, hier die detaillierte Benennung der Maßnahmen aus dem Ausschreibungstext:

      Sanierung /Rekonstruktion der historischen Fragmenttreppe - zeitabhängig zu Vorleistungen anderer Gewerke (Zugang Vinothek)
      Sanierung der Pilaster
      Wiederherstellung der Grate der Gewölbedecke

      Anhand des Grundrissbildes wird die Bezeichnung *Vorraum* nachvollziehbar – von hier aus gelangt man nämlich (in Richtung Norden) in den Gaststättenbereich und in Richtung Süden in die Ausstellung zur Schlossgeschichte. Diese Ausstellung umfasst 3 Räume: die Gotische Halle und 2 nördlich anschließende gotische Einzelräume.
      Der Vorraum wird 2 Zugänge erhalten: einen durch den nordöstlichen Treppenturm (Zugang also vom Großen Schlosshof aus) und einen weiteren Zugang von der Schlossstraße aus. Zur Herstellung des letzteren wurde die Bausituation straßenseitig gegenüber dem unmittelbaren Vorkriegszustand verändert. Das sind die neuen Türöffnungen an der Ecke Ostflügel/Georgenbau („richtige“ Türen kommen natürlich noch rein):




      Zum Vergleich hier der Vorkriegszustand (da waren das Fenster): Klick


      Hier eine rissliche Darstellung der Südwand des Vorraumes (durch die Tür im rechten Bildbereich geht es in die Ausstellung zur Schlossgeschichte – diese Tür ist im obigen Grundrissbild rot eingekreist):


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


      Der nördlichste Raum besagten Ausstellungsbereiches (also der Raum unmittelbar südlich des Vorraumes) ist hier zu sehen (konnte ich 2011 beim Tag der offenen Tür besichtigen):




      In dessen westlichen Joch blieb ein Schlussstein mit den Kurschwertern erhalten (von der Bauforschung datiert auf die Zeit vor 1485):



      Das obige Foto war Anhang einer Pressemitteilung des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, mit dem Verweis: "Das Foto ist rechtefrei verwendbar"

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    • In dessen westlichen Joch blieb ein Schlussstein mit den Kurschwertern erhalten (von der Bauforschung datiert auf die Zeit vor 1485):
      Da braucht man nicht unbedingt Bauforscher zu sein. Wenn das gotische Gewölbe sind, was ja unstrittig ist, dann muss der Stein von vor 1485 stammen, denn nach der Leipziger Teilung in eben jenem Jahr war dem albertinischen Hezogtum Sachsen im Gegensatz zum ernestinischen Kurfürstentum das Führen der Schwerter nicht mehr gestattet. Vorausgesetzt, es haben sich seinerzeit alle an die Spielregeln gehalten. :smile:
    • Fühle mich zwar jetzt als Klugscheißer, aber die Hochzeit 1719 war von August dem Starken für seinen SOHN so oppulent ausgestaltet worden. Maria Josepha war doch aus Österreich, oder? Nichtdestotrotz, der sehenswerte Film zeigt die immense Aufgabe, die vor den Restauratoren liegt!
      In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten
    • BautzenFan schrieb:

      Heute fand wieder einmal ein hochoffizieller Besuch im Schloss statt. Der MP des Landes besichtigte die aktuellen Baustellen. Tolle Bilder sind schon im Lokalfernsehen. Hier der Link:
      sachsen-fernsehen.de/barocke-p…loss-entsteht-neu-485672/
      Also ehrlich gesagt fehlt mir ein wenig der Glaube daran dass die Paraderäume bis zum September 2019 (Jubiläum der Hochzeit) fertig gestellt sein sollen. Der Filmbeitrag zeigt dass die allermeisten Raumfluchten derzeit noch im Rohbauzustand sind. Und diese sollen sich in nur 15 Monaten vollständig fertig dekorieren lassen? huh:) stickpoke:)

      :!: Zum Vergleich:
      Durchblick Paradekammern heute
      Durchblick Paradekammern zukünftig
      .
    • Kralle schrieb:

      Also ehrlich gesagt fehlt mir ein wenig der Glaube daran dass die Paraderäume bis zum September 2019 (Jubiläum der Hochzeit) fertig gestellt sein sollen. Der Filmbeitrag zeigt dass die allermeisten Raumfluchten derzeit noch im Rohbauzustand sind. Und diese sollen sich in nur 15 Monaten vollständig fertig dekorieren lassen?
      Die Terminstellung ist im Hinblick auf den aktuellen Bauzustand tatsächlich ziemlich „sportlich“, aber noch liegt alles „im grünen Bereich“.
      Optimistischerweise muss man eines sehen: Seit dem 6. Juni 2018 ist der Termin quasi nicht mehr „verschiebbar“, denn an diesem Tag wurde er – nennen wir das mal in letzter (=der hierbei maßgebenden) - Instanz abgesegnet und hochoffiziell verlautbart, nämlich durch eine Pressemitteilung des Sächsischen Finanzministeriums (und dies noch untermauert durch die Beteiligung sogar des Ministerpräsidenten beim zugehörigen Baurundgang):

      SMF schrieb:

      Die Bauarbeiten in den Paraderäumen unter der Regie der Niederlassung Dresden I des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien und Baumanagement (SIB) begannen im Jahr 2016 und sollen bis September 2019 zum 300-jährigen Jubiläum der Hochzeit von Kronprinz Friedrich August mit Maria Josepha fertiggestellt werden.
      Und das ist nun ein neuer Status, denn bislang handelte es sich bei der Terminbenennung *September 2019* immer um Statements der SKD (Staatliche Kunstsammlungen Dresden). Aber hierbei haben nun einmal Staatsregierung und Finanzministerium das letzte Wort. Bei aller Wichtigkeit der fachlichen Voraussetzungen – es muss das Geld freigegeben werden (bekanntlich nicht gerade wenig).

      Ihr erinnert Euch vielleicht noch daran, wie vor reichlich einem Jahr (Anfang April 2017) Frau Ackermann (Generaldirektorin der SKD) mit der Terminangabe 2021 für die Fertigstellung des Schlosses vorgeprescht war. Eine Dresdner Lokalzeitungformulierte dazu, Frau Ackermann hätte nun endlich einmal einen solchen Termin genannt, wovor sich die Bauverantwortlichen (also SIB) und das Finanzministerium „immer gedrückt hätten“.
      Eine richtige eindeutige Bestätigung dieses Termins durch den Finanzminister erfolgte allerdings nicht (ich verfolge das eigentlich sehr intensiv). Tja, und nun scheint es einen „neuen“ Termin zu geben. Die betreffende Information war nur in einer Zeitung zu finden, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich das der betreffende Journalist „ausgedacht“ hat (war vermutlich ein Zweimanngespräch während des Baurundgangs):

      Lausitzer Rundschau schrieb:

      Die Kosten für den 2013 auch vom Bund geförderten Wiederaufbau liegen nach Ministeriumsangaben bei rund 382 Millionen Euro. Er soll 2022 abgeschlossen werden.

      Quelle: Lausitzer Rundschau vom 6. Juni 2018
      https://www.lr-online.de/nachrichten/sachsen/praechtiger-als-die-schatzkammer_aid-23272705

      Wenn man über die Realisierbarkeit der noch anstehenden Arbeiten bis zum Kampftermin *September 2019* nachdenkt, darf man sich nicht von dem aktuellen Rohbauzustand „entmutigen“ lassen. Ein Großteil der Elemente der barocken Innenarchitekturentsteht ja unter Werkstattbedingungen und wird dann „nur“ noch vor Ort eingebaut. Außerdem sind schon jahrelange Vorarbeiten (in manchen Belangen jahrzehntelange) Vorarbeiten getätigt worden. Man denke nur mal an die von Bildhauern geschaffenen Modelle zum Beispiel für die stuckatierten Zonen in den Hauptgesimsbereichen. Diese Modelle dienen dann als Gußformen für die Stuckateure(auch das Gießen erfolgt in der Werkstatt).

      In einer Hinsicht habe aber auch ich „leichte Bauchschmerzen“ – so in dem Sinne: Hoffentlich reicht die Zeit. Und das sind die Deckengemälde im Paradeschlafzimmer und im Audienzgemach. Die sind immerhin jeweils 70 m2 groß.
    • Die Deckengemälde können doch "nachgeholt" werden, wenn drumherum alles fertig ist, oder? Das ist das langwierigste Gewerk vor Ort und braucht Zeit ohne Druck. Wobei die Szenerien wohl auch von den Vorlagen vergrößert über Rastersysteme oder Projektion auf die Decke "durchgepaust" werden dürften!? Dennoch geht es dann um die Skizzierung der Umrisse, die Untermalungen anlegen und dann Licht und Schatten modulieren , die Farbschichten... . Wird das Freskomalerei oder al secco oder integrierte Leinwände? Jedenfalls braucht das eine ruhige Hand und keinen Fertigstellungterminn im Nacken!
    • SchortschiBähr schrieb:

      Die Deckengemälde können doch "nachgeholt" werden, wenn drumherum alles fertig ist, oder?
      Nein das nun gerade nicht. Umgekehrt wird ein Schuh draus......
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Einige Anmerkungen zum Thema Deckengemälde im Paradeschlafzimmer und im Audienzgemach.
      Der Dokumentationsgrad ist gemäß Holger Krause (Projektleiter SIB) als sehr gut zu bewerten:

      Holger Krause schrieb:

      Von beiden Deckengemälden existieren jeweils 34 farbige Fotoaufnahmen, die in Folge des Befehls zur Dokumentation herausragender Deckenmalereien 1942/44 sehr gut ausgeleuchtet aufgenommen wurden. Diese hoch auflösenden Farbaufnahmen ließen sich entzerren und stellen damit eine sehr aussagefähige Rekonstruktionsgrundlage im Sinne einer Kopiervorlage dar.

      Quelle: Begleitartikel*Die Rekonstruktion des Paradeappartements im Westflügel des Dresdner Residenzschlosses: in: „Paradetextilien Augusts des Starken 1697 und 1719, herausgegeben 2013 von den SKD

      Und so sieht das Gesamtbild für das Paradeschlafzimmer im Ergebnis der digitalen Bildbearbeitung aus (Entzerrung, Zusammenfügung der Einzelfotos): Klick

      Wenn ich das Vorhandensein von diversen Schwarz-Weiß-Zonen richtig interpretiere, scheinen nicht alle Zonen der Decke und Hohlkehle durch die Farbdias erfasst worden zu sein (die wichtigsten aber natürlich schon).

      Dem ausführenden Künstler (ob der beide Gemälde herstellt?) werden projektbegleitend hochkarätige Fachberater zur Seite stehen. Der im nachstehenden Zitat genannte Harald Marx ist ein profunder, international anerkannter Experte für die Barockmalerei in Sachsen. Titel seiner Dissertation: „Zur dekorativen Malerei des 18. Jahrhunderts in Sachsen“.

      Sächsische Zeitung schrieb:

      Die Malereien hatte kein Geringerer als der Hofmaler Louis de Silvestre ausgeführt. Restaurator Dietrich Richter arbeitet seit zwei Jahren in Dresden daran, dem Meister die Geheimnisse abzulauschen. Auch hier sind es die alten Farben und die Technologien, die erforscht und ins Heute übersetzt werden müssen. Ihm liegen Fotografien aus den Jahren 1943/44 vor. Experten wie der frühere Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister, Harald Marx, und die Restauratoren der Gemäldegalerie geben ihr Wissen über de Silvestres Malweise weiter. Richter macht Studien, Skizzen, Proben. Kann man das Lebensgefühl eines Louis de Silvestre erlernen? Man kann ihm nur nahekommen.

      Quelle: https://www.sz-online.de/nachrichten/kultur/alles-gold-was-glaenzt-3950101.html


      Das nächste Zitat stammt ebenfalls aus dem Artikel der Sächsischen Zeitung vom 6. Juni. Dort hat mich aber eine Passage irritiert:

      Sächsische Zeitung schrieb:

      Im Schlafgemach ist reichlich einen Meter über dem Boden bereits die grundierte Leinwand für das Deckengemälde aufgespannt. Dietrich Richter wird auf einem Gerüst auf dem Bauch liegend malen. Das fertige Gemälde wird dann in dem Raum, den es fast ausfüllt, umgedreht und an der Decke platziert.

      Quelle: https://www.sz-online.de/nachrichten/kultur/alles-gold-was-glaenzt-3950101.html

      Es ist für mich schwer vorstellbar, dass besagte Arbeitsplattform für die Herstellung des Deckengemäldes tatsächlich im Schlafzimmer selbst aufgestellt wurde. Das würde ja alle anderen Gewerke für sehr lange Zeit „ausbremsen“ (schon allein aus Platzgründen). Hier ist dem Journalisten wohl ein kleiner Formulierungsfehlerunterlaufen (naja, auch im Pressewesen herrscht immer großer Zeitdruck). Von einer anderen Internetzeitung wurde ein aktuelles Foto des Raumes veröffentlicht, offensichtlich auch im Rahmen der Berichterstattung über den Baurundgang am 6. Juni entstanden:
      Klick

      Also ich sehe dort keine aufgespannte Leinwand. Ich vermute jetzt mal, dass hierfür ein ganz anderer Arbeitsraum vorgesehen ist, nämlich der Propositionssaal. In den beiden großen Sälen im Nordflügel sind seit geraumer Zeit Werkstattbereiche eingerichtet worden (mit abgetrennten relativ schmalen Transportwegen für die Materialzuführung in die Paraderäume). Der Werkstatt-Zweck des Großen Ballsaales hatte sich recht eindeutig durch die kürzliche Berichterstattung erschlossen: Hier werden die Näharbeiten für die Fertigstellung der Paradetextilien durchgeführt. Die einzelnen Bestandteile, angeliefert aus verschiedenen Manufakturen, müssen ja noch zusammengefügt werden (zum Beispiel Aufnähen der Applikationen). Was sich im Werkstattbereich des Propositionssaals abspielt, konnte ich wie gesagt nur vermuten. Der Platz für die vollständige Aufspannung der Leinwand des Deckengemäldes würde jedenfalls reichen:


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

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    • Ich hab mal ne Frage zum Grenzbereich PSZ und GRBK - wo "Technik" im Plan verzeichnet ist.

      Gab es dort nie einen Durchgang? Wurde er auch nie geplant? Bisher war dort ja (wenigstens fürs Personal) immer ne Tür.

      Es wird also kein "Paraderaum-RUNDgang" werden, sondern nur ein Durchgang zur Türckischen Cammer? So wie es ausschaut müssen die Besucher immer wieder "zurück" um alles zu sehen oder "doppelt" ablaufen. Ich dachte, es sollte eine aufeinander aufgebaute Raumfolge werden? Jedenfalls ist mir die Besucherleitung noch nicht ganz schlüssig.
    • SchortschiBähr schrieb:

      Das Deckengemälde wird auf Leinwand angefertigt und ist kein Fresko! Also nur der "flache" Deckenspiegel. In den Hohlkehlen ist es klassische Wandmalerei al secco!?
      Also m.W. handelt es sich im Bereich der Voute um klassische Wandmalerei. Zum Tag der offenen Tür 2011 hatte man ein entsprechendes Muster aufgestellt, um den Aufbau zu demonstrieren:





      Wie bei der Berichterstattung über den aktuellen Baurundgang zu erfahren war, laufen auch für diese Malarbeiten (letzte?) Tests an Musterflächen in der Schlosskapelle. Mehrere Zeitungen brachten dazu Bilder, die den Kunstmaler André Voltére beim Malen eines Eckbereiches zeigen. Das betreffende Motiv gehört übrigens zum Audienzgemach (Südwand):

      Klick

      Klick

      Und hier das historische Vergleichsbild aus dem Farbdiaarchiv: Klick

      In der Schlosskapelle werden aktuell Malarbeiten für 3 Objekte durchgeführt: Paraderäume. Gewehrgalerie und Altan. RobBerg hatte uns ja schon im Januar 2017 darüber informiert, dass hier die 1:1-Kartonagen für die Altan-Fresken entstehen werden (incl. der zugehörigen Vorarbeiten). Die Bildfelder sind 5 m hoch. Dazu folgendes schöne Foto, man beachte die große Malfläche im Hintergrund (mit dem kleinen Arbeitsgerüst davor): Klick

      Die schon erkennbaren Konturen sind dem westlichen Bereich des Altans zuzuordnen (bei Draufsicht auf den Altan ist das links): Klick


      RobBerg schrieb:

      Ich hab mal ne Frage zum Grenzbereich PSZ und GRBK - wo "Technik" im Plan verzeichnet ist.
      Gab es dort nie einen Durchgang? Wurde er auch nie geplant? Bisher war dort ja(wenigstens fürs Personal) immer ne Tür.
      Es wird also kein "Paraderaum-RUNDgang" werden, sondern nur ein Durchgang zur Türckischen Cammer? So wie es ausschaut müssen die Besucher immer wieder "zurück" um alles zu sehen oder "doppelt" ablaufen. Ich dachte, es sollte eine aufeinander aufgebaute Raumfolge werden? Jedenfalls ist mir die Besucherleitung noch nicht ganz schlüssig.
      Nach dem historischen Grundriss von 1719 gab es hier eine Tür. Aber wie die gestaltet war (als „richtige“/auffällige Tür oder kaschiert, nur erkennbar aus der Nähe durch dünne Schlitze) ist mir nicht bekannt. Der Kupferstich des Paradeschlafzimmers von 1719 erfasst ausgerechnet diesen Bereich (Abschnitt der Südwand links – also östlich des Bettes) leider nicht.

      Grundriss 1719

      Was die Besichtigungslenkung in der Paradesuite betrifft, da gibt es eine grundlegende Prämisse. Die Besucher sollen ja das Raumgefühl der Entstehungszeit maximal nachempfinden können. Und folglich wird die Tour zwingend von Norden nach Süden verlaufen: Langer Weg bis zum Herrscher, konfrontiert und beeindruckt mit immer größerer Pracht und so in die bezweckte respektvolle (devote) Stimmung gebracht.
      Für eine mehrjährige Übergangszeit wird der Zutritt in die Paraderäume nicht über den Nordflügel erfolgen können (weil die beiden Säle dort noch nicht fertig sind). Man wird also in dieser Phase (meiner Meinung nach) über den nordwestlichen Treppenturm eintreten.




      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

      Durch diese Tür in der Ostwand der nördlichen Retirade wird man aus dem TT NW kommend eintreten.
      Angekommen in der nördlichen Retirade geht es dann entlang der einen Wand in die südliche Retirade und schließlich entlang der anderen Wand (an beiden Wandfronten sind ja Vitrinen zu besichtigen) zurück in den Eckparadesaal. Von dort aus schließlich über die beiden Vorzimmer in das Audienzgemach und in das Paradeschlafzimmer. Ist natürlich nur meine Spekulation.

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    • Wieder einmal gibt es gute Neuigkeiten über den anstehenden Baufortschritt in den Paraderäumen: Der Rohbauanblick im Audienzgemach und im Paradeschlafzimmer ist nämlich bald Geschichte. Der SIB hat eine neue Ausschreibung gestartet, betitelt *Tischlerarbeiten AG und PSZ*. Der Leistungszeitraum ist wie folgt angegeben:
      Beginn: 10.09.2018 Ende: 14.06.2019

      Kurzbeschreibung gemäß Ausschreibungstext:
      Die vorgesehenen Leistungen dienen dem Einbau der hölzernen Wandverkleidungen für das Audienzgemach und dem Paradeschlafzimmer, bestehend aus Paneelen, den Fensterleibungsverkleidungen, Supraporten- und Spiegelrücklagen sowie Unterkonstruktionen für die textilen Wandbehänge.

      Nachfolgend möchte ich mit einigen Bildern die Art der ausgeschriebenen Leistungen veranschaulichen.

      1. Rekonstruktion der Wandverkleidung in der Paneelzone einschließlich aller Profilleisten, Sockelbretter, Deckleisten,
      Die Paneelzonen im AG und im PSZ sind besonders aufwändig gestaltet (Vergoldung, künstlerische Bemalung) – im Vergleich mit allen anderen Räumen der Paradesuite. Der Ablauf ihrer Rekonstruktion wird sich so gestalten, dass die Tischler diese Teile vollständig herstellen und auch schon mal einbauen (damit keine nachträglichen Formanpassungen notwendig sind). Danach werden die Teile, die vergoldet und/oder bemalt werden (Paneelfüllungen, Rahmungsleisten), wieder vorsichtig ausgebaut und den entsprechenden Gewerken (Vergolder, Kunstmaler) zur Bearbeitung übergeben. Den endgültigen Einbau übernehmen dann natürlich wieder die Tischler. Das erklärt übrigens auch den relativ späten Abschlusstermin des ausgeschriebenen Gesamtauftrags (relativ spät meine ich in Bezug auf den Kampftermin September 2019). Das nachstehende Beispielfoto entstand 2011, es zeigt die Paneelzone im Bereich der Probeachse im PSZ:



      Etwas verschwommen das vorige Foto, deshalb hier noch ein Ausschnitt vom Türblattdaneben (ist ähnlich gestaltet):




      2. Rekonstruktion der Wandverkleidungen in den Fensternischen

      Das folgende Bild (Planbestand Paradeschlafzimmer) verdeutlicht exemplarisch die Optik dieser Verkleidungen:


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

      Zur besseren Sichtbarmachung der Details folgender Ausschnitt aus dem voranstehenden Bild in vergrößerter Abbildung (der Ausschnitt gehört zur linken Leibungsfläche):


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

      Den betreffenden Ausschnitt der „linken Leibungsfläche“ sieht man hier in natura (Aufnahme von 2011, war Bestandteil der Probeachse):



      Für den Rekonstruktionsprozess der Wandverkleidungen in den Fensternischen gilt analog das unter Punkt 1 genannte Vorgehen, hier in Anwendung auf die vergoldeten Leisten (Vormontage, danach Ausbau, Vergolden, Endeinbau).


      3. Rekonstruktion der Unterkonstruktion (Gitterrahmen) für die textilen Wandbespannungen

      Dazu beispielhaft ein Planausschnitt für die Ostwand des Audienzgemachs.


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

      In natura sieht das dann so aus (Foto von 2011, Teil der Probeachse für das Paradeschlafzimmer):




      Soviel zur neuen Ausschreibung. Die betreffenden Unterlagen lieferten aber auch interessante Informationen zum Thema *kaschierte Türen*. In Bezug auf die kürzliche Frage von RobBerg, wie die Zuwegung in den nördlich von Audienzgemach und Paradeschlafzimmer befindlichen Technikraum gestaltet wird, kann ich nunmehr einen detaillierten Grundrissplan vorstellen:


      Bildquelle: SIB. Ausschreibungsunterlagen (farbige Eintragungen von mir ergänzt)


      Betrachten wir im Folgenden mal die Situation im Paradeschlafzimmer. Hier gibt es 2 solcher Türen – an der nördlichen Schmalseite und an der hofseitigen Wand. Es handelt sich um so genannte „Tapetentüren“. Heißt: die Türfläche ist genau so gestaltet wie die jeweils angrenzende Wandfläche. Die genannte Tür (Tür 1) an der Hofseite des PSZ führt in einen Mini-Technikraum, der das Volumen der Fensternische eines der Fenster des PSZ einnimmt (im obigen Grundrissbild rot umrandet).



      Wir blicken hier auf die Hoffassade des Westflügels. Mit grün habe ich den Bereich des Paradeschlafzimmers gekennzeichnet. Der Raum hat also AUSSEN 5 Fenster. Das Einzelfenster (mit einem roten Kreuz markierte) wird aber ein „Blindfenster“, weil dessen Raumnische wie gesagt zur Unterbringung von Technik genutzt werden soll. Und hier die Plandarstellung für die betreffende Wand innen:


      Bildquelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


      Zur bildlichen Vorstellung solcher Türen habe ich ein Vorkriegsfoto verlinkt. Es zeigt den Gobelinsaal (im südwestlichen Teil des Schlosses gelegen, heute Teil der Türckischen Cammer). Das Foto sollte aber unbedingt vergrößert werden (per Plus-Button). Man beachte den Wandbereich unmittelbar links neben dem am weitesten linksstehenden Stuhl:
      Klick


      Abschließend noch ein Blick zurück – wie alles begann.

      1986 –Enttrümmerung / Abbrucharbeiten in der Paradesuite:


      Bildquelle: Schnappschuss aus der filmischen Dokumentation *Von der Ruine zum Richtfest*, herausgegeben 1994 vom Sächsischen Finanzministerium

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    • Kaiserpalast schrieb:

      Was war denn ursprünglich in diesem Technikraum hinter der kaschierten Tapetentür? Eine Toilette
      zufällig ?
      Wie andere Plandarstellungen belegen, gab es mal einen Gang (und zwar innerhalb der Mauer) als direkten Zugang vom PSZ in den Treppenturm SW.
      So ist die Situation neu - der betreffende Bereich ist als massive Mauer dargestellt (der Gang wurde offenbar zugemauert):




      Die Vorkriegssituation:


      Und hier die Situation, wie sie gemäß DDR-Planung ausgesehen hätte:




      Dort eine Toilette zu vermuten ist übrigens gar nicht abwegig. Beim Wiederaufbau wurde nämlich im 1. OG des Westflügels ein kleiner Raum entdeckt, der als Toilette diente. Überlassen wir Kathleen Berger die Beschreibung, sie hatte über dieses Objekt ihre Diplomarbeit geschrieben:

      Kathleen Berger schrieb:

      Im ersten Obergeschoss des Westflügels / innerhalb der zum großen Schlosshof weisenden Außenwand / ist 1986 ein winziges Räumchen entdeckt worden, in dem sich eine aufwendige Innendekoration aus der Regierungszeit Kurfürst Johann Georgs II. ganz ohne nachträgliche Überarbeitungen erhalten hat. Der Fund bedeutet trotz seiner geringen Ausmaße für das Dresdner Schloss einen Glücksfall, weil Ausstattungsbeispiele dieser Zeit hier kaum noch vorhanden sind. Die Nischendekoration / bestehend aus einem Steinfußboden, Wandmalereien und farbig gefasstem Deckenstuck / wurde überdies sehr kunstvoll, vermutlich unter Beteiligung eines italienischen Künstlers ausgeführt.

      Quelle: https://www.romoe.com/de/artikel/residenzschloss-westfluegel-1-og-stucknische-secretraum_e4606n2z.html
      Hier dazu noch ein Grundrissbild:



      Dieser Miniraum war etwa 1m x 1m groß. Man betrat ihn durch die seitliche Fensterleibung. Er war bis zur Wiederentdeckung völlig in Vergessenheit geraten (weil zugemauert, dies wahrscheinlich im Rahmen der barocken Umgestaltung).

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    • Eine gute Nachricht zum Turmzimmer. Bis vor kurzem galt hierfür – was öffentliche und gleichzeitig offizielle Verlautbarungen betrifft – als geplanter Fertigstellungstermin *Ende 2019* (gemäß Pressemitteilung des Sächsischen Finanzministeriums vom 17.01.2017). Nun haben die SKD aber Folgendes mitgeteilt:

      SKD schrieb:

      Im September 2019 werden Turmzimmer und Paradeappartement aus Anlass des 300-jährigen Jubiläums der Hochzeit Friedrich August II. mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha wiedereröffnet.

      Quelle: Pressemitteilung der SKD vom 26.07.2018
      skd.museum/presse/2018/verlore…orzellansammlung-zurueck/

      Anlass dieser Meldung war eine weitere gute Nachricht, dass nämlich eine seit 1945 vermisste Porzellanvase aus dem ursprünglichen Aufstellungsbestand des Raumes nach Dresden zurückgeholt werden konnte.
      Dazu berichte das Lokalfernsehen:

      sachsen-fernsehen schrieb:

      Eine Turmzimmervase aus der Sammlung Kurfürst August II., die seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst wurde, ist wieder in Dresden. In Unkenntnis ihrer Herkunft wurde diese im Dezember 2017 aus privatem Besitz einem Londoner Auktionshaus angeboten.
      Dort konnte sie in Zusammenarbeit mit den hinzugezogenen Expertinnen der Dresdner Porzellansammlung zweifelsfrei identifiziert werden. Nach Verhandlungen mit dem kanadischen Besitzer Lung Chuan Chien konnte schlussendlich eine gütliche Einigung erzielt werden. Nun kehrt das Stück nach 75 Jahren in die Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zurück
      […]
      Bis etwa 1940 war die Vase mit rund 450 weiteren Porzellanen aus der königlich-kurfürstlichen Sammlung im Turmzimmer des Dresdner Residenzschlosses ausgestellt. Um die Vase vor den Kriegseinwirkungen zu schützen, wurde sie mit vielen weiteren Stückender Sammlung sicher verpackt und im Schloss Schleinitz in Nossen ausgelagert. Was der sogenannten Turmzimmervase zwischen ihrem Verschwinden und der Rückkehrwiderfuhr, ist ungewiss. Möglich ist, dass sie im Frühjahr 1945 unberechtigt aus dem Depot entnommen wurde. Bis heute gelten viele Stücke der Porzellansammlung als vermisst.
      In das Auktionshaus wurde sie mit einem nicht zugehörigen Meissener Deckeleingeliefert, der wiederum zu einer weiteren Turmzimmervase gehört, die bereits 2010 nach Dresden zurückgekehrt war.

      Quelle: https://www.sachsen-fernsehen.de/verloren-geglaubte-vase-kehrt-zurueck-nach-dresden-504651/


      Aber zurück zu der Ansage: Fertigstellung des Turmzimmers bis September 2019. Ich habe mir diesbezüglich nochmal die Terminstellungen der aktuellen Ausschreibungen angeschaut. In einem früheren Beitrag hieß es dazu:

      BautzenFan schrieb:

      Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass mit Fertigstellung der Arbeiten des Gewerks Tischler (nach Terminstellung in der Ausschreibung wäre das Ende Juni 2019) nur noch eine größere Maßnahme anzuschließen ist, nämlich der Einbau der Wandspiegel. Die Herstellung der Spiegelrahmenleisten gehört zum Lieferumfang der Tischler, nicht aber der Einbau. Das erledigt das Gewerk Spiegelbauer.
      Wer den Arbeitsablauf nachlesen will, schaue hier:
      stadtbild-deutschland.org/foru…&postID=293332#post293332

      Die Spiegel werden ja in der Werkstatt hergestellt, also in möglicher Zeitparallelität zu den Arbeiten IM Raum. Ab Ende Juni 2019 müsste dann folglich nur noch der reine Einbau der Spiegel erfolgen.
      Mein Fazit, was die Terminstellung September 2019 für das Turmzimmer betrifft: Es wird zeitlich eng, ist aber nach aktuellem Arbeitsstand noch möglich/realisierbar.


      Und noch auf einen weiteren Aspekt möchte ich hinweisen. Wie wird eigentlich die Zuwegung in das Turmzimmer gestaltet werden (für die Besucher)? Beide angrenzenden Säle sind noch im Rohbau. Könnte ich mir jetzt nur so vorstellen, dass der Weg zunächst durch den Propositionssaal führt (während die Ausbauarbeiten im Großen Ballsaal durchgeführt werden). Danach erfolgt der Zugang (vom Riesensaal kommend) über den Ballsaal – oder natürlich entsprechend umgekehrt. Auf alle Fälle können die beiden Säle im Nordflügel wohl nicht gleichzeitig ausgebaut werden, sondern nur nacheinander. Da erscheint mir doch der genannte Fertigstellungstermin 2021 (Schloss insgesamt außer Schlosskapelle) zumindest fraglich. Bei dem kürzlichen Baustellen-Rundgang des Ministerpräsidenten hatte ja ein Journalist auch schon das Jahr 2022 erwähnt.

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    • Seit einigen Wochen hat die sächsische Regierung den Entwurf zum Haushaltsplan für 2019/2020 vorgestellt. Nur zum Verständnis, Sachsen agiert mit so genannten Doppelhaushalten, das heißt die Haushaltspläne beziehen sich immer auf 2 Jahre. Ich habe nachfolgend mal die Daten für das Schlossprojekt herausgezogen – im Vergleich des Planes 2017/2018 und des Entwurfs 2019/2020. Zum Status *Entwurf* der Zahlen für 2019/2020 ist anzumerken, dass es hier mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu relevanten Änderungen kommen wird, so jedenfalls meine diesbezügliche Erfahrung das Schloss betreffend.

      Hier nun die Angaben für 2017/2018 (die Zahlen sind in der Einheit T€ aufgeführt):



      Und jetzt zum Vergleich die analogen Daten für 2019/2020:




      In punkto Auswertung bleibt zunächst festzuhalten, dass die Gesamtkosten nunmehr mit 387,1 Mio € beziffert werden – gegenüber 380,3 Mio € vor knapp 2 Jahren. Mir ist natürlich klar, dass man ab und zu die Baukosten anpassen muss(Preissteigerungen für Löhne und Material, Inflationseffekte), aber ca. 7 Mio im genannten Zeitraum erscheint mir doch etwas happig.

      Dann beachtet bitte mal den Textpassus jeweils unter *Veranschlagt sind in den Ansätzen*, und zwar den dritten Anstrich. Da gibt es Unterschiede. Die für 2017/2018 aufgeführte Maßnahme *Musealer Ausbau 1. und 2. OG Georgenbau* fehlt bei den Entwurfsangaben (für 2019/2020) – logisch, das ist ja fertig. Dafür taucht für 2019/2020 eine neue Maßnahme auf, nämlich die beiden Säle im Nordflügel (Propositionssaal und Großer Ballsaal). War zwar zu erwarten, aber jetzt haben wir es „schwarz auf weiß“: Spätestens 2020 beginnt der Ausbau der genannten Räume im 2. OG des Nordflügels (vielleicht auch schon ab Ende 2019, also direkt nach Fertigstellung von Paradesuite und Turmzimmer).
      Eine Angabe macht mich ziemlich ratlos – auch der Kleine Ballsaal ist unter den Maßnahmen für 2019/2020 aufgeführt. Das heißt, der Raum wird offenbar 2018 NICHT fertig. Also dort muss irgendwas „klemmen“.

      Des Weiteren möchte ich noch auf die beiden Zahlen hinweisen, die in den tabellarischen Darstellungen jeweils ganz unten aufgeführt sind: ab 2019 (bzw. ab 2021) noch zu veranschlagen. Hier ist gemeint: *ab EINSCHLIESSLICH der jeweiligen Jahreszahl*. Die Differenz zwischen beiden Werten (52,4 Mio € und 31,9 Mio €) ergibt die Kosten, die aktuell innerhalb von 2 Jahren insgesamt aufzuwenden sind. Will ich jetzt hier nicht langatmig erklären, aber in diesen Zahlen sind auch die vom Bund ausgereichten Fördermittel enthalten (jedes Jahr seit 2014? / 2015? ca. 4 – 5 Mio €). Besagte Differenz beträgt 20,5 Mio € (Bezugszeitraum wie gesagt 2 Jahre). Daraus folgt eine jährliche Ausgabe von reichlich 10 Mio € (was in der langjährig üblichen Größenordnung liegt). Und wenn man sich damit die Angabe *ab einschließlich 2021 noch zu veranschlagen = 31,9 Mio €* zu Gemüte führt, ergibt sich daraus ein weiteres Indiz, dass der von den SKD im April 2017 erstmalig genannte Fertigstellungstermin 2021 wohl zwischenzeitlich Geschichte ist (wurde kurz nach der SKD-Verlautbarung von Tillich in einer Rede bestätigt, mit der Präzisierung *alles außer der Schlosskapelle*).

      In der nachstehenden Abbildungen habe ich mein Kosten-Diagramm mit den neuen Zahlen aktualisiert:


      Nach dem trockenen „mathematischen“ Exkurs noch ein kleiner Bildbonus. Ich habe eine schöne Detailaufnahme von der Stuckdecke im Turmzimmer entdeckt. Das erste Foto zeigt die Position.


      Ausschnitt der Musterachse Stuckdecke Turmzimmer (eigene Aufnahme 2011)

      Und hier das Detailfoto: Klick

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    • Es gibt Neuigkeiten zum weiteren Baufortschritt in der Gewehrgalerie. Zur gedanklichen Anbindung hier noch einmal die offizielle Visualisierung des Raumes:


      Bildquelle:

      Diese Visualisierung wurde als Anlage einer Pressemitteilung des sächsischen Finanzministeriums vom 12.02.2016 veröffentlicht, versehen mit der Anmerkung:

      „Agentur: Entwurf HEINE MILDNER ARCHITEKTEN und Staatsbetrieb SIB. Dieses Foto ist rechtefrei verwendbar.

      Hier kann man das Bild runterladen (sehr gute Auflösung, stark vergrößerungsfähig): Klick

      Wie nachfolgend noch klarwerden wird, ist die Detailgenauigkeit der Visualisierung zweigeteilt: Sehr präzise für die Decke, während die Darstellung der Wände doch mehr als gute „Prinzipskizze“ aufzufassen ist. Das liegt ganz einfach daran, dass relevante Gestaltungsdetails für die Wände erst baubegleitend im Rahmen von Tests am Objekt endgültig festgelegt werden.

      Ganz aktuell hat der SIB nun eine neue Ausschreibung für die Gewehrgalerie veröffentlicht,betitelt: „Illusionistische Wandbemalung“.
      Der Ablauf wird iterativ so erfolgen, dass die Maler zunächst Probekartons herstellen (dies natürlich in der Werkstatt) u. a. für verschiedene Farbfassungen und diese Kartons anschließend auf einem temporär per Dübeln angebrachten Lattengerüst befestigt werden. Dann wird entschieden, welche Endfassung jeweils auf den Putz gemalt wird.
      Das folgende Zitat aus dem Ausschreibungstext benennt den Leistungsumfang wie folgt („Nebenarbeiten“ wie zum Beispiel Dokumentation) habe ich hier mal weggelassen):

      SIB schrieb:

      - Musterflächen für Probeachse auf Karton / Kabak-Platten mit illusionistischer Malerei (Wandspiegel, Leistenprofile, Licht- und Schattenkanten) sowie feinmarmorierten Flächen
      - Musterflächen / Werkproben auf Kabak-Platten für Farbtechnologie
      - Auftragen der illusionistischen Raumgliederung auf der verputzten Wand
      - Farbfassung / illusionistische Wandbemalung (Wandspiegel, Leistenprofile, Licht- und Schattenkanten) der Raumflächen nach vorgegebenen Farbangaben und nach Freigabe der Musterachse

      Unter dem ersten Anstrich im voranstehenden Zitat „verblüffte“ mich der Terminus *feinmarmorierte Flächen*. War mir auf historischen Fotos noch nie aufgefallen, dass es in der Gewehrgalerie marmorierte Flächen gab. Wenn man es aber weiß, findet man sie schnell – die befanden sich nämlich im Bereich der Fensterleibungen. Exemplarisch habe ich das am nachstehenden Ausschnitt aus der eingangs gezeigten Visualisierung sichtbar gemacht:


      Bildquelle: siehe erstes Foto im vorliegenden Beitrag

      Und hier ein historisches Foto zum Vergleichen (sollte man vergrößern, dann sieht man die Marmorierung besser):
      deutschefotothek.de/documents/obj/70700484/df_wm_0004888


      Eine Frage, die mich ganz besonders beschäftigt, hat sich nun anhand der Unterlagen der aktuellen Ausschreibung etwas „erhellt“, aber eben nur etwas: Wie wird man mit den erhaltenen Fragmenten der historischen Ausmalung verfahren?
      Dazu im Ausschreibungstext (Fettmarkierung und Unterstreichung von mir):

      SIB schrieb:

      In den bodentiefen Fensternischen auf der Nordseite sind größere Befundreste von Malereien auf den Schildwänden und den Fensterleibungen erhalten geblieben. An der Südwand finden sich nur noch wenige kleinere Befundreste in den Fensterleibungen. Im Rahmen der Musterachse ist die Klärung des Restaurierungsumfanges bzw. die Einbindung in die illusionistische Wandbemalung mittels Beprobung durch Musterkartons vorgesehen. Die Umsetzung der Bemalung in den Fensterleibungen selber ist nicht Bestandteil der Leistungen! Die Schnittstelle zu den Leistungen AN Restaurierung bildet die Kante Fensternischen zur Wandfläche.

      Hier einige Beispiele von der Nordseite:

      deutschefotothek.de/documents/obj/90017202/df_dat_0007082

      deutschefotothek.de/documents/obj/90017190/df_dat_0007070

      deutschefotothek.de/documents/obj/90017210/df_dat_0007088


      Ihr erinnert Euch sicher, dass ein kleinerer Teil des Raumes umfassender rekonstruiert werden soll. Auf eine Anfrage meinerseits, was von der Ausstattung der Gewehrgalerie noch erhalten ist, hatte ich folgende Antwort erhalten (Auszug):

      SKD schrieb:

      Eine Rekonstruktion der Gewehrgalerie wird damit kaum möglich sein. Wir werden allerdings einen Teil des Raumes - soweit dies noch möglich ist - so wiedereinrichten, dass er die ursprüngliche Struktur der Gewehrgalerie den Besuchern vermittelt.

      Hier ist der damalige Beitrag im Forum, wer es nochmal vollständig nachlesen will: Klick

      Eine Anlage der aktuellen Ausschreibung zeigt die Wandabwicklung für den betreffenden Abschnitt des Raumes (der liegt übrigens im östlichsten Teil, direkt benachbart zum Johanneum). Sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite umfasst der betreffende Bereich 4 Fensterachsen, also auch 4 Fensternischen. Ihr erinnert Euch sicher, in der Dresdner Gewehrgalerie wechseln sich immer eine „zugestellte“ Nische (mit den Vitrinen der Gewehre) und eine Nische mit „richtigen“ Fenstern ab. Auf jeder Seite sind demzufolge von den jeweils 4 Nischen nur in jeweils 2 von ihnen die Stellen der betreffenden Malereien nicht verdeckt. Für die Nordseite sieht die Darstellung für die zugehörigen 2 Fenster so aus:


      Bildquelle: Ausschreibungsunterlagen SIB (Bildausschnitt)


      Bildquelle: Ausschreibungsunterlagen SIB (Bildausschnitt)

      In den beiden Nischen der Südseite sind keine Malereien dargestellt.
      Aus den Informationen insgesamt ist aber erst mal die sehr positive Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Malereien an der Nordseite sichtbar sein werden (natürlich nur dort, wo keine Vitrinen davor stehen). Ob man hier allerdings die Fehlstellen vollständig ergänzen wird, erscheint mir fraglich. Eine Rekonstruktion der Malereien an der Südseite wird offenbar nicht erfolgen.

      Die Kriegerköpfe, die in den Medaillons der Fensterleibungen dargestellt waren, sind im Ausschreibungstext mehrfach erwähnt – nämlich dann, wenn es um das technologische Zusammenspiel der verschiedenen Gewerke geht (in einem weiter oben stehenden Zitat ist ja das Gewerk * AN Restaurierung* genannt). Ich konnte allerdings nicht erfassen, ob diese Köpfe im gesamten Raum wiederkommen, oder nur im besagten östlichsten Abschnitt.
      Hier ein Beispiel, wie man sich diese Medaillons vorstellen muss: Klick


      Noch kurz zur Ausstattung im östlichsten Teil. Man wird dort insgesamt 4 Bildnisse aufhängen. An der Nordseite: Friedrich der Streitbare, mitsamt der einzigen erhaltenen Inschriftentafel, die ist auf folgendem historischen Foto zu sehen: Klick

      An der Südseite: Willekin (fiktive Gestalt), Wiedekind („angesippt“, auch nicht gerade echt, was die Ahnenreihe der Wettiner betrifft), Harderich (fiktive Gestalt).
      Bei diesen Bildnissen handelt es sich um Kopien der originalen Gemälde von Göding, die August der Starke vor 1728 für den Heldensaal in der Festung Königstein herstellen ließ. Sie waren bis etwa 2000 in einem jämmerlichen Zustand, wurden dann aber aufwändig restauriert. Ich habe leider keine farbigen Abbildungen im Netz gefunden, aber das Titelblatt eines Ausstellungsführers zeigt eine andere dieser Kopien (die wird aber nicht in der Gewehrgalerie ausgestellt werden):
      Klick
      Dargestellt ist Markgraf Albrecht II (gest. 1314), auch genannt *Albrecht der Stolze* (dies die Bezeichnung im Fürstenzug) oder auch *Albrecht der Entartete*.

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    • Kleines update zu den aktuellen Bauaktivitäten in der Paradesuite.
      Vor einigen Tagen wurde der Auftrag für die Stuckarbeiten im Eckparadesaal und in den beiden Vorzimmern vergeben. Die Aufgabe besteht darin, die Stuckteile für den Simsbereich herzustellen (Herstellung der Abgussformen nach bereits vorliegenden Modellen sowie Guss) und dann vor Ort anzusetzen.
      Den Zuschlag erhielt eine renommierte Fachfirma (Fuchs + Girke Bau und Denkmalpflege GmbH) aus der Nähe von Dresden (Ottendorf-Okrilla). Der vereinbarte Auftragswert beträgt 80 637,93 EUR (ohne MwSt.).

      Im Einzelnen betrifft das folgende Elemente:

      Eckparadesaal
      Oberer Gesimsabschluss (Wulst) mit Blattgirlande, mittleres großes Blattstabmotiv, unterer Eierstab180 m;
      Optional ist die Erweiterung des Auftrags vorgesehen, und zwar Fertigung und Ansatz der 5 Stuckrosetten im Eckparadesaal.

      Hier das Modell:

      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)


      1.Vorzimmer

      Oberer ornamentales Simsprofil, Profilstab am Wasserkasten, Blattstabkarnies oberhalb der Frieszone, Fries mit Blumenkorbmotiven Kehlstabprofil 200 m;

      Hier das Modell:

      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)


      2.Vorzimmer

      Oberer ornamentaler Karnies, mittlerer ornamentaler Kehlstab, Fries mit Maskaronen und Palmetten, Architravmotiv 160 m.

      Hier das Modell:

      Bildquelle: SIB (Ausschreibungsunterlagen)


      Gemäß Ausschreibungstext soll der Auftrag im Oktober 2018 abgeschlossen sein, der oben genannte optionale Teil (Stuckrosetten an der Decke – diese im Bereich der Aufhängung der 5 Kronleuchter des Raumes) auch noch im Jahr 2018.

      Gerhard Glaser (früherer Landeskonservator) hatte vor geraumer Zeit in einem Fachartikel mal erwähnt, dass sich vom 1. Vorzimmer ein Hauptsimsabschnitt erhalten hat (leider ohne weitere Angaben – zum Beispiel bezügl. der Größe). Die folgenden Fotolinks zeigen den betreffenden Raum im Zustand von 1980 (es sind alle 4 Wände sichtbar). Offenbar war zu diesem Zeitpunkt das Teil schon abgenommen worden (zum Schutz vor weiteren witterungsbedingten Schäden).

      Blick nach Süden (Richtung 2. Vorzimmer und Audienzgemach)

      Zukunftsbild mit ähnlicher Blickrichtung

      Blick auf die Ostwand (Kaminwand)

      Blick nach Norden (Richtung Eckparadesaal)


      Eine weitere Auftragsvergabe umfasst die Restaurierung der 5 Kronleuchter für den Eckparadesaal.
      Hier der Leistungsumfang gemäß Ausschreibungstext:
      Aufgaben: fachgerecht reinigen und restaurieren, Fehlteile ergänzen incl. Guss, Ziselierung und Feuervergoldung, Elektrifizierung erneuern mit LED Kerzen, neue Abhängung mit textiler Umwicklung und Quasten, Konservierung, Einbau und Funktionstüchtigkeit herstellen
      Der Auftragswert beträgt 42 756,49 EUR (ohne MwSt.).

      Verblüffend ist hierbei, dass offenbar alle 5 Leuchter geborgen werden konnten. Auf dem Objektblatt der Leuchtenplaner ist einer davon abgebildet: Klick

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    • Am nächsten Sonntag (9. September) findet der Tag des offenen Denkmals statt. Ich bin an diesem Tag leider anders ausgebucht, müsste zudem extra anreisen. Aber wir haben ja einige sehr aktive Dresdner hier im Forum und da möchte ich unbedingt einen Tipp loswerden. Zu den diesjährigen Besichtigungsobjekten gehört das Dresdner Ständehaus. Einladende Institution ist dabei das Sächsische Landesamt für Denkmalpflege (deren Diensträume befinden sich im Gebäude). Ein (oder vermutlich DER) Höhepunkt der angebotenen Führungen wird die Restaurierungswerkstatt der Denkmalpfleger sein. In einer heutigen Pressemitteilung des Amtes kann man nun Folgendes lesen (Ausschnitt):

      LfD schrieb:

      Die Restauratoren des LfD präsentieren einen Schatz aus der Dresdner Schlosskapelle: Fragmente des zweiten, aus verschiedenfarbigen, meistsächsischen Gesteinen bestehenden Altars von 1662. Eine Besonderheit sind hier die grünen Säulen, die aus einem Steinbruch in Thessalien (Griechenland) stammen, der schon in der Antike betrieben wurde. Das hochgeschätzte Material verwendete man auch für die Säulen in der Hagia Sophia in Istanbul. Die Säulen des Dresdner Altars soll Herzog Albrecht schon 1476 von seiner Pilgerfahrt nach Jerusalem mitgebracht haben. Angeblich stammen sie vom Tempel Salomos. Auf Anweisung des Kurfürsten Johann Georg II wurden sie in den neuen Altar in der Schlosskapelle eingebaut. Nach deren Auflösung [Anm.: 1737] stand der Altar bis1945 in der Busmannkapelle der Sophienkirche in Dresden. Der schwerkriegsbeschädigte Altar wurde aus den Trümmern geborgen und eingelagert. Glücklicherweise haben sich wesentliche Teile – auch die wertvollen Säulen mit fein geschnittenen Kapitellen– erhalten.
      Der Altar in der Busmannkapelle der Sophienkirche: Klick

      Einige Fotos der erhaltenen Teile:


      Bidquelle:
      Anlage der o.g. Pressemitteilung mit der Anmerkung:
      Fotograf: Julia Maitschke
      Agentur: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen
      Dieses Foto ist rechtefrei verwendbar.


      Bildquelle:
      Anlage der o.g. Pressemitteilung mit der Anmerkung:
      Fotograf: Julia Maitschke
      Agentur: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen
      Dieses Foto ist rechtefrei verwendbar.


      Von Paulae -Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9771851


      Über das Nachkriegsschicksal des Altars berichtet Wikipedia:

      wikipedia schrieb:

      Nach der Bombardierung Dresdens wurde der Altar bereits nach Kriegsende 1945 vermessen und der zu dem Zeitpunkt vermutlich weitgehend unbeschädigte Aufbau des Altars geborgen. Altartisch und Mensa verblieben in der Busmannkapelle, wo sie beim Einsturz der Gewölbe erheblich beschädigt wurden. Sie sind heute nicht mehr erhalten. Das Kruzifix konnte geborgen werden, jedoch ist sein derzeitiger Standort unbekannt.
      Der Altaraufbau wurde vermutlich bei Umlagerungen beschädigt. Seine Überreste lagern derzeit im Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Erhalten sind neben den vier Säulen die Zwischenglieder und Kompositkapitelle aus Alabaster, weite Teile des verkröpften Gebälks und einzelne Ab- und Anschlussplatten. Nicht erhalten haben sich die Postamente und die zwischen den Säulen befindliche Platte. Es wird vermutet, dass sie, entgegen den Angaben Cornelius Gurlitts, nicht aus rotem Marmor bestand. Die Fläche der Platte wäre zum Einen ungewöhnlich groß gewesen. Zum Anderen lassen fehlende Überreste im Gegensatz zum sonst weitgehend erhaltenen Aufbau darauf schließen, dass die Platte nur gemauert und verputzt gewesen ist bzw. eine Marmorierung aufgemalt wurde. Der Altar soll auf Grundlage der 1945 vorgenommenen Vermessungen rekonstruiert und anschließend in der derzeit entstehenden neuen Schlosskapelle aufgestellt werden.

      Soviel zum zweiten Altar der Schlosskapelle. Der erste, entstanden Mitte des 16. Jhd., existiert ebenfalls noch. Seine Geschichte (in der Zeit ab 1945) ist noch spannender. Er wurde im 17. oder 18. Jhd. – da variieren die Quellen - in die Torgauer Schlosskirche umgesetzt und stand dort unversehrt bis 1945. Was dann in den letzten Kriegstagen oder in den ersten Nachkriegswochen passierte, ist immer sehr nebulös beschrieben. Er kam jedenfalls nicht durch direkte Kriegseinwirkungen (Beschuss, Straßenkämpfe, Bombardierungen etc.) zu Schaden. Löffler formulierte: *wurde zerschlagen*. Dann war er verschwunden. Ende der 1980er Jahre fand man Kisten mit den Bruchstücken.

      Das folgende Bild zeigt das bereits zusammengesetzte Retabel (mit Darstellung des Abendmahls):


      Bildquelle: Schnappschuss aus der filmischen Dokumentation: *Von der Ruine zum Richtfest*, herausgegeben 1994 vom Sächsischen Finanzministerium.

      Im Oktober 2004 erschien dann folgende Pressemitteilung des Landesamtes für Denkmalpflege:

      Dr. Kiesewetter schrieb:

      Ein besonderer Fund

      Einen besonderen Fund machte ein Ehepaar aus Mecklenburg-Vorpommern beim Kauf eines älteren Hauses. Auf dem Dachboden fanden sie zwei kleine kunstvolle Säulchen aus Alabaster. Bei einem Besuch der Dresdner Schlossausstellung erkannte das kunstinteressierte Ehepaar, dass die Säulchen zu dem fragmentarisch erhaltenen Altar aus der ehemaligen Dresdner Schlosskapelle gehören.
      Das um 1550 in den Niederlanden entstandene kostbare Altarwerk aus Alabaster und Sandstein stand seit dem 18. Jahrhundert in der Schlosskapelle in Torgau. 1945 wurde es schwer beschädigt und galt lange als verschollen. Ende der 80er Jahre fanden sich in Torgau in vergessenen Kisten Relieffragmente und zerbrochene Teile des Kunstwerkes wieder. Die Teile wurden im Landesamt für Denkmalpflege Sachsen mühevoll konserviert und zusammengefügt. Leider blieben aber etwa 40% des Altars verloren - darunter auch das feinplastische mittlere Alabasterrelief.
      Umso erfreulicher ist der von dem Ehepaar übergebene Fund der zwei Säulenteile, die eine weitere Komplettierung des Altars erlauben. Sie lassenhoffen, dass sich vielleicht noch weitere Fragmente des bedeutenden Renaissancekunstwerkes finden.

      Dr. Arndt Kiesewetter
      Abteilung Restaurierung

      Die nächste Sensation folgte im Jahr 2008: In einem Dresdner Auktionshaus tauchte das filigrane, aus Alabaster gefertigte Mittelrelief auf. Eine Lokalzeitungberichtete am 1.3.2008 wie folgt:

      moz.de schrieb:

      In einem Dresdner Auktionshaus ist das seit 1945 vermisste Alabaster-Mittelteil desersten Altars der Schlosskapelle entdeckt worden. Schlossdirektor Dirk Syndram sprach am Samstag von einem "Sensationsfund" und bestätigte entsprechende Zeitungsberichte. "Das war purer Zufall, ein Sechser mit Superzahl im Lotto", sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Staatlichen Kunstsammlungen hätten das aus Privatbesitz stammende Fragment, das am 8. März versteigert werden sollte, sofort zum Aufrufpreis gekauft. Kunsthändler Stefan Günther verzichtete nach eigenen Angaben auf die Provision. Das 46 Zentimeter breite und 63 Zentimeter hohe Relief soll nun konserviert und restauriert sowie möglicherweise vor der Rückkehr an den ursprünglichen Platzausgestellt werden, so Syndram.
      Das Kunstwerk war Mitte vergangener Woche von einer Mitarbeiterin der Galerie Alte Meister in dem Auktionshausentdeckt worden. "Da mussten wir schnell handeln", sagte Syndram. Das Relief wurde aus der Auktion genommen. "Die Altartafel ist seit 63 Jahren verschollen, keiner wusste etwas von ihrer Existenz", so Syndram. Aber man habe immer auf Reste gehofft.

      Quelle:
      https://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/6618/

      In dem Zeitungsbericht ist aber noch ein anderer Passus sehr interessant:

      moz.de schrieb:

      Zwar könne die 1737 zerstörte evangelische Schlosskapelle nicht rekonstruiert werden, da kaum Ansichten von ihr erhalten seien. "Sie wird aber in moderner Fassung wiedererstehen, die an das Alte erinnert", sagte Syndram. Geborgene Teile wie das "SchöneTor", der sehr stark beschädigte Taufstein und der erste Altar würden dann an ihren alten Platz zurückkehren.

      Quelle:
      https://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/6618/

      Dirk Syndram spricht hier davon, dass der erste Altar in der Dresdner Schlosskapelle aufgestellt werden wird (Sachstand 2008). Jetzt meldeten sich aber die Torgauer zu Wort – die wollten ihren Altar zurück - logisch, mitsamt dem aufgefundenen Alabasterrelief war das Objekt ja noch viel wertvoller. Am 5. März titelte die Torgauer Zeitung: „Holen Sie den Altar wieder nach Torgau“. Und so kam es dann auch.
      Zwischenzeitlich wurde der Altar fachmännisch restauriert. Seit Ende 2017 sieht er so aus: Klick

      Und noch auf eine weitere Formulierung im voranstehenden 2. Zitat möchte ich aufmerksam machen, dass nämlich die Dresdner Schlosskapelle „in moderner Fassung wiedererstehen wird“. Dies wie gesagt der Stand März 2008. Im Jahr 2009 begann dann aber der Einbau des historischen Schlingrippengewölbes. Offenbar hatten sich die Dresdner Denkmalpfleger mit ihrem Projekt durchsetzen können. Dass das Gewölbe bereits ab 2009 wieder erschaffen wurde, lag an einer in dieser Hinsicht sehr günstigen Zeitschiene. Die Planung sah nämlich vor (so offiziell verkündet in einer Pressemitteilung des Sächsischen Finanzministeriums vom25.02.2009), ab 2009 bis 2013 die Säle im Nordflügel zu rekonstruieren. Das aber bedingte nun, vorab die endgültige Deckengestaltung in der Schlosskapelle zu realisieren (im Hinblick auf den Propositionssaal, weil dafür dessen Fußbodengeöffnet werden musste). Das Vorhaben Nordflügel wurde dann zwar wieder storniert (Sparmaßnahmen), aber die Entscheidung für das Gewölbe war gefallen und der Bau auch schon entsprechend fortgeschritten.

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