Das Dresdner Schloss

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    • "saibo" schrieb:


      Kannst du vielleicht auch noch mal näher auf den Wiederaufbau des Übergangs vom Nordflügel des Schlosses zur Hofkirche 1896 eingehen? Wie gut war dieser Übergang erhalten? Und wie sah das Innere vor der Zerstörung aus? Was hat man wieder hergestellt und was hat man weggelassen?


      Antwort, Teil 1
      Die Informationen stammen von der Homepage einer der ausführenden Firmen. (Quelle kommt unten)
      Wie die gesamte Dresdner Innenstadt wurde auch die Brücke zwischen Schloß und Hofkirche am 13. Februar 1945 zerstört (Anmerkung: zum Glück nicht vollständig, siehe Foto unten). Die zwischen Kupferblech und dem genieteten Stahltragwerk befindliche Lattenkonstruktion verbrannte völlig, das Tragwerk und die Hülle glühten aus. Alle Stahlträger wurden durch die extreme Hitze und mechanische Einwirkungen durch abstürzende Teile der benachbarten Fassaden verformt. Nachdem das Bauwerk baubehördlich gesperrt wurde, bestand es als Ruine bis zum Herbst 1991.
      Hier ein Foto von etwa 1990 (Brücke ist leider nur angeschnitten):

      [img]

      Kurze Zeit nach der Demontage der Brücke:

      [img]http://www.onlinepictures.de/2/uploads/b2kccda7d34jpg.jpg[/img][img]

      Anläßlich der Rekonstruktion des unmittelbar benachbarten Hausmannsturmes am Dresdner Schloß mußte technologisch bedingt die Demontage der Brücke erfolgen. Eine Arbeitsgemeinschaft der Dresdner Kunstschlossereien war beauftragt worden, die Ornamenttafeln und Bauzier denkmalgerecht und zerstörungsfrei zu bergen und einzulagern. Durch das Architekturbüro Donath, Wilsdruff, wurden die Arbeiten begleitet und dokumentiert sowie ein verformungs- getreues Aufmaß angefertigt. Der Zerstörungsgrad der Dachtafeln war so groß, daß man sich für eine Bergung unter dem Aspekt der Wiederaufarbeitung nicht entschließen konnte. Bereits lange vor Abbau der Brücke waren große Partien herabhängender Bleche durch Handwerker im Auftrag des Freistaates Sachsens, vertreten durch das Staatshochbauamt Dresden I abgenommen und im Schloß eingelagert worden; geborgene Zierteile befanden sich in Ausstellungen.

      Eine denkmalpflegerische Verpflichtung, bei einer Rekonstruktion die [b]ursprünglich genietete Eisenkonstruktion[/b] nachzubauen, bestand nicht. Auch baustatische Gründe (Durchbiegung, thermische Dehnung, Brandverhalten) und bauphysikalische Gründe (Schäden durch elektrolytische Korrosion) sprachen dagegen. Der neue Entwurf des Architekten in Zusammenarbeit mit dem Staatshochbauamt Dresden I sah nun eine vorgespannte hölzerne Sprengwerkskonstruktion vor, die sich zum einen an historischen überdachten Fachwerkbrücken aus Holz, zum anderen an den modernsten Konstruktionsprinzipien der Leimholzbauweise orientierte. Zudem lassen sich die Kupferteile an relativ einfach anzupassenden formgebenden Unterkonstruktionen aus Holz bauphysikalisch einwandfrei befestigen. Es war ja davon auszugehen, daß die – [b]die bauliche Hülle bildenden – deformierten Kupferteile[/b] zunächst fernab des Einbauortes in der Werkstatt restauriert werden, eine idealisierte Formgebung erfahren und erst dann vor Ort angepaßt werden können.

      Im Jahr 1999 genehmigte der Freistaat Sachsen den Wiederaufbau des Überganges und stellte 1.932.000,00 DM bereit. Ende 1999 und Anfang 2000 wurden sämtliche Leistungen in Einzellose aufgeteilt und durch das zuständige VHBA Dresden vergeben. Dadurch waren am Wiederaufbau Handwerker aus Thüringen, Bayern und Sachsen beteiligt.

      Den Zuschlag für die Leistungen des konstruktiven Ingenieurbaus (Beton- und Stahlbetonarbeiten zur Herstellung der Auflager, Vernadelungs- und Verpreßarbeiten des historischen Mauerwerks, Zimmererarbeiten des hölzernen Raumtragwerkes) erhielt die Firma Bennert GmbH aus Hopfgarten bei Weimar, während die Ausführung der kunsthandwerklich-künstlerischen Kupferarbeiten an eine Regensburger Firma vergeben wurde. Am 22. Februar 2000, also 55 Jahre nach der Zerstörung, begann der Wiederaufbau der Brücke. Bereits am 27. April wurden in einer spektakulären Aktion die beiden auf dem Abbundplatz der Fa. Bennert vorgefertigten raumhohen und ca. 57 Tonnen schweren Fachwerkwände mit 16,96 und 14,86 m Stützweite von einem Kran in ihre Auflager eingesetzt. Anfang November konnten die Kupferarbeiten mit der Montage der die Auflagerkonsolen verkleidenden Engel abgeschlossen und das Bauwerk als architektonisches Kleinod der Öffentlichkeit übergeben werden.
      Hier ein Foto von diesem Kran-einsatz:

      [url]http://www.bennert.de/justorange.cms/60_Ingenieurtechnischer%20Abbund/auswahl/inhaltgfx/60_3-060224161916_2_11407945863.jpg[/url][url]

      Für 2 weitere Fotos hier noch die Homepage der Firma Bennert:

      [url]http://www.bennert.de/justorange.cms/60_Ingenieurtechnischer%20Abbund/auswahl/60_3-060224161916.html[/url][url][/url][/img]
    • "saibo" schrieb:


      Kannst du vielleicht auch noch mal näher auf den Wiederaufbau des Übergangs vom Nordflügel des Schlosses zur Hofkirche 1896 eingehen? Wie gut war dieser Übergang erhalten? Und wie sah das Innere vor der Zerstörung aus? Was hat man wieder hergestellt und was hat man weggelassen?


      Antwort, Teil 2

      Nachfolgend eine Pressemitteilung der Sächsischen Staatsregierung vom November 2000 (enthält ergänzende Informationen hinsichtlich Teil 1, d.h. nicht alles ist doppelt)

      Übergang zwischen Dresdner Schloss und Kathedrale fertiggestellt

      Die Bauarbeiten zum Wiederaufaufbau der Brücke zwischen dem Dresdner Schloss und der Kathedrale wurden am 3. November 2000 abgeschlossen. Am 30. Oktober 2000 brachten Mitarbeiter der Fa. Haber und Brandner (Anmerkung: das ist die Regensburger Firma) als letzte wesentliche Leistung 4 Engelsfiguren als Untersichtabschluss auf Schloss- und Kathedralenseite an.

      Die nach Entwürfen des Architekten Gustav Fröhlich um die Jahrhundertwende als Stahlkonstruktion mit Kupferblechverkleidung errichtete Brücke wurde bei der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 stark beschädigt. Erst ab dem Jahr 1986, dem Beginn des Wiederaufbaus des Dresdner Schlosses, konnte auch an eine Wiederherstellung dieses neobarocken, repräsentativen Bauteiles gedacht werden.

      Der Rückbau und Abbruch der alten Konstruktion erfolgte bereits 1991 im Zusammenhang mit der Kranaufstellung für den Wiederaufbau des höchsten Schlossturmes (Hausmannsturm). Zu diesem Zeitpunkt wurden die voraussichtlich wiederverwendbaren Elemente (ornamentale Kupferverkleidung, figürlicher Zierrat nach Bildhauer Roch und Kupferklempner Beeg) kartiert, abtransportiert und zwischengelagert.

      Nach der Herstellung einer Probeachse konnten 1999 die bauvorbereitenden Maßnahmen abgeschlossen und im März 2000 mit der Wiedererrichtung begonnen werden. Die neue Tragkonstruktion besteht im Unterschied zur vorherigen Stahlkonstruktion aus Hauptfachwerkholzbindern mit verleimten Brettschichtholzober- und -untergurten.

      Die Hauptabmessungen des Bauwerks sind:
      Länge = 15,2 - 17,2 m
      Breite = 3,7 - 4,0 m
      Höhe = 4,3 m.

      Für die Erzielung eines homogenen Gesamteindrucks des Brückenbauwerkes wurden die alten und neu angefertigten Kupferverkleidungsteile insgesamt mit einem Spezialwachs behandelt und teilweise vorpatiniert. Nahezu alle ausgebauten Kupferblechteile der alten Brücke konnten im Zuge der Restaurierung für den Wiederaufbau wieder hergerichtet und eingebaut werden.

      Am Wiederaufbau des Überganges waren 13 Baufirmen aus Sachsen, Thüringen und Bayern beteiligt. Verantwortlicher Architekt war das Büro Donath aus Wilsdruff bei Dresden.
    • Pressemitteilung vom 26.06.2006

      Einbau der "Schönen Pforte" an der Schlosskapelle

      Derzeit erfolgt in der Werkstatt eine Laserreinigung des Gesteins und eine Restaurierung besonders geschädigter Bereiche. Im vierten Quartal 2006 wandert das „Schöne Tor“ wieder an seinen ursprünglichen Standort - der Schlosskapelle - zurück. In die Sanierung investiert der Freistaat Sachsen rund 992.000 Euro.
    • "Armin" schrieb:

      Wird eigentlich die Figurengruppe, die einst das Tor krönte rekonstruiert? Und was ist mit der eigentlichen Tür? Die war ja schon für sich ein Kunstwerk.


      Hier zunächst ein Vorkriegsbild der „Schönen Pforte“:

      dresden-und-sachsen.de/dd2/xpics_dd/goldpforte.jpg[url]

      Zitat (Beitrag vom 22.06.2006)
      "Dieses Portal hat einen außerordentlich hohen kunsthistorischen Wert. Schon der Kunsthistoriker Wilhelm Lübke sagt, dass es sich um die weitaus edelste Portal-Komposition der deutschen Renaissance handelt."
      Hier der Zustand 1946, man hatte als erste Sicherungsmaßnahme bereits die Skulpturen abgebaut.

      [url]http://www.bildindex.de/fotos/MI/095/43/a/MI09543a08a.jpg[/url][url]

      Zu deiner Frage noch mal ein Auszug aus der DNN
      Artikel aus der DNN (Dresdener Neueste Nachrichten, Lokalzeitung), ??.01.2004
      Titel: Portal nimmt Abschied vom Jüdenhof
      Von Genia Bleier
      Wie Berthold Dresel, stellvertretender Niederlassungsleiter des Sächsischen Immobilien- und Baumanagement - SIB (das ist so eine Art „Behörde“ für Baumanagement/Vermarktung bei Maßnahmen an landeseigenen Immobilien), erklärt, sind 95% des Originals noch vorhanden. Plastischer Schmuck und die reich geschnitzte Eichentür befinden sich im Depot.
      Nach langer Zeit der Ungewissheit (???) steht nun fest, dass das Portal seine alte Schönheit wieder erhält. (Anmerkung: dass deute ich so, dass man zum Beispiel die kleinen Fehlstellen ergänzt, was vorab heiß umstritten war, ist aber nur eine Deutung).
      (weiteres in den 2 Beiträgen vom 22.06.2006)

      Die Eichentür ist tatsächlich in einem sehr guten Zustand und wurde auch schon in diversen Ausstellungen zum Schlossaufbau gezeigt. Das nächste Foto stammt von einem Flyer zur Ausstellung von 1994. Man sieht rechts neben der Fensterfront diese Tür. Der Raum liegt übrigens im 1. Obergeschoss des Georgenbaus. Die 3 Fenster (Blickrichtung zur Elbe) gehören zum erkerartig betonten Mittelteil der Nordfassade. (Gehört jetzt nicht zum Tehema: links neben der Tür hatte man das Baumodell für den historischen Innenaufbau der Schlosskapelle aufgestellt. Aber das war eben 1994, vor dem öffentlichen "Zoff")

      [img]

      Ob alle Skulpturen wieder kommen, war (wie im obigen Artikelausschnitt angedeutet) einer dieser vielen kleinen Detailstreitpunkte. Ich denke aber ja (...schönstes Renaissanceportal = ethische Verpflichtung). "Aufgemalt" wurde es so:

      [url]http://www.dresden-und-sachsen.de/dd2/xpics_dd/schloss_hof3.jpg[/url][url][/url][/img][/url]
    • "Armin" schrieb:

      Wo hast du eigentlich die Farbaufnahme aus der Vorkriegszeit her? Oder ist die nur coloriert?


      Du hast recht, ich habe die Quellenangabe vergessen:

      http://www.dresden-und-sachsen.de">www.dresden-und-sachsen.de

      Eine gut gemachte Seite über Sachsens und Dresdens Sehenswürdigkeiten. Dort sind viele solche - ich nenn's mal - graphisch bearbeiteten Fotos zu finden. Zum Beispiel auch das hier:

      dresden-und-sachsen.de/dd2/xpics_dd/hofki_br.jpg[url]

      [/url]
    • Nachfolgend ein paar Informationen zum Thema: „Der Ostflügel und Kulka“ oder „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Was im Bereich Ostflügel abläuft, bestätigt exemplarisch, dass die wichtigen Detailentscheidungen zum weiteren Innenausbau (und auch zu den strittigen Punkten in der Außengestaltung) nach wie vor nicht entschieden sind. Es ist ein erbitterter Kampf, der da hinter den Kulissen tobt.

      Einleitend eine kurze Passage aus der Sächsischen Zeitung vom 7. Februar 2004
      Titel: Die Aura des Riesensaals
      Untertitel: Peter Kulkas Ideen für den Wiederaufbau des Ostflügels am D. Residenzschloss
      …Das Architekturbüro Kulka & Partner gewann das Auswahlverfahren, an dem sich 78 Büros beteiligt hatten. Der Freistaat hat sich damit für Kulkas Können, aber nicht zwangsläufig auch für seine im Wettbewerb vorgestellten Ideen entschieden. Mag sein, dass sich noch manches ändert an den Planungen, die Kulka dieser Tage im Südflügel des Schlosses zeigt.
      Zitat Ende

      Die zitierte (übrigens sehr zutreffende) Formulierung erfordert eine „Übersetzung“. Ich sprach oben von einem Kampf. Die eine Partei (die „Unseren“) wird maßgeblich – und das ist sehr erfreulich – von der „Chefetage“ der Dresdener SIB (=Bauleitung) gestellt. Die andere Partei, das sind gewisse Leute mit viel politischem Einfluss.
      Die Wahl von Kulka war in gewisser Hinsicht schon eine erste Niederlage für die „Maximalisten“, aber man einigte sich zunächst auf die oben zitierte Kompromisslösung, dass nämlich der Zuschlag für Kulka nicht zwingend bedeutet, dass dieser seine „Ideen“ vollständig umsetzen darf.
      Es wurde hier im Forum schon genannt, dass die SIB „händeringend“ Fotos von der Englischen Treppe sucht. Das hat folgenden sehr ernsten Hintergrund. Dazu ein Ausschnitt aus einem Videobeitrag eines Dresdener Lokalsenders:

      Ton Video (im Wechsel Sprecherin / Ludwig Coulin = NL-Leiter der Dresdener SIB

      Sprecherin:....Nun befindet sie sich (sie - die Treppe) mitten im Neuaufbau, doch der birgt einige Probleme. Zwar gibt es viele Originalfunde wie alte Putzreste oder Stuckteile, das reicht aber nicht jedem (!!!).
      Coulin: Es gibt also in der Denkmalpflege (das alte Thema) Auseinandersetzungen, wo dann die Architekten zum Beispiel sagen (die Architekten? - na nennen wir sie doch beim Namen: Kulka) die 5 Prozent, die man nicht gesichert hat (im Sinne von: gesichert dokumentiert hat), da kann ich keine Kopie machen, sondern da möchte ich dann eine leere Stelle belassen (das gänge ja noch) oder ein modernes Element einfügen (O Gott, erspare uns das).
      Sprecherin: Damit wäre die Bauleitung (soll heißen - SIB mit ihrem „Frontmann“ Coulin) aber alles andere als zufrieden, denn das große Ziel ist, so nah wie möglich am Original zu bleiben.
      coulin: Entscheidende Elemente, insbesondere in Blickrichtung auf die Schloßstraße, also wenn sie sozusagen die Treppe wieder beim Hinabschreiten sehen, die fehlen uns, so dass wir einige Teile der Englischen Treppe nur aus Analogieschlüssen und Beispielen rekonstruieren können und nicht ganz 100%-ig originalgetreu.
      Sprecherin: Um aber die Architekten zu befriedigen, und um eine 100%-ige Genauigkeit erreichen zu können (genauer gesagt, um Kulka seine „Argumente“ zu nehmen), wählt die Bauleitung jetzt ungewohnte Wege.
      Coulin: Bei der Deckeneinwölbung, da fehlen uns noch ein paar ähm ja Fotos, das wäre sehr toll, wenn wir das finden könnten (O bitte nicht noch eine Deckenkreation a la Kulka). Denn wir haben jetzt auch schon eine Resonanz, wir haben ja angefragt in der Öffentlichkeit, ob der eine oder andere noch etwas hat und wir haben schon einen kleinen Rücklauf.
      Sprecherin: Trotzdem reichen die Fotos für eine 100%-ige Nachbildung noch nicht ganz aus. Sollte also jemand im Familienalbum noch Bilder eines Museumsbesuches im Dresdener Schloss oder Zeichnungen der Treppe vor der Zerstörung haben, das Sächsische Immobilien- und Baumanagement ist weiter auf der Suche…..

      Hier ist die Adresse des Videobeitrags (knapp 3 Minuten), einfach eingeben, damit wird das Video heruntergeladen. Zum Ansehen reicht zum Beispiel Windows Media Player. Lohnt sich für Schlossinteressenten auf jeden Fall, weil man u. a. aktuelle Innenansichten vom Treppenbereich und den dort laufenden Bauarbeiten zu sehen bekommt.

      kanal8-dresden.de/MediaFrontend/7/ds_060614_engl-treppe.wmv
    • Die Internetseite der „Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)“ beinhaltet eine Präsentation zur „Zukunft des Schlosses als Museumskomplex“. Die einzelnen Museen werden darin kurz vorgestellt und zwar mit jeweils grundrissbezogener Veranschaulichung der Lage innerhalb des Schlossensemles.
      Mit Blick auf den Diskussionsgegenstand des Forums (Bauaspekte / Rekonstruktionen) möchte ich folgenden Punkt herausheben:

      Barocke Paraderäume (2. Obergeschoss Westflügel)
      Da es sich bei den SKD um eine landeseigene und damit höchstoffizielle Institution handelt, sind die betreffenden Darlegungen von – sagen wir mal - besonderem Aussagewert (weil sie als offiziell „abgesegnet“ gelten können).
      Zitat (Menüfenster Rundgang):
      Das Audienzgemach und das Paradeschlafzimmer im traditionell als Repräsentations- und Festetage dienenden 2. Obergeschoss werden in ihren ursprünglichen Glanz zurückversetzt. Vergoldete Möbel, geschnittene und prächtig hinterlegte Spiegel und nicht zuletzt die aus Silber getriebenen Parademöbel zeigen in der Rekonstruktion des Zustandes von 1719 einen Höhepunkt absolutistischer Repräsentationskunst. Die Vorzimmer der 2. Raumreihe werden museal genutzt: Hier wird man all die Kleidung des Kurfürsten und Königs, sowie die Requisiten seiner Macht von allen Seiten betrachten können.

      Hier die Adresse:

      skd-dresden.de/media/presentation/entrance.htm[url][/url]

      Die ebenfalls integrierte Videosequenz (reichlich 3 Minuten) zeigt verschiedene jeweils aber sehr kurze historische Aufnahmen. Kann man sich durchaus "reinziehen".
    • Ich habe nachfolgend 2 Berichte gegenüber gestellt, deren Erscheinungsdatum 10 Jahre auseinander liegt und die damit im Vergleich sehr interessante Rückschlüsse zulassen. Der 1. Artikel stammt aus der Sächsischen Zeitung vom 24.11.1995, da war gerade der „Zoff“ um die denkmalpflegerische Konzeption des Schlosses „hoch gekocht“. Der 2. Beitrag wurde Mitte 2005 aufgezeichnet. Es zeigt sich exemplarisch, dass wichtige Entscheidungsträger über das „wirtschaftliche Argument“ durchaus zu gewissen „Einsichten“ kommen können.

      Sächsische Zeitung, 24.11.1995
      Titel: Nur ein Glaubenskrieg um ein Geschichtsmonument?
      Untertitel: Hochkarätig besetztes Kolloquium soll Dresdner Schloss-Konzepte beraten
      Von Bernd Klempnow

      Bedroht sehen sie (Anmerkung: sie = die Dresdner Fachleute) das Lebenswerk vieler Menschen, die die Ruine hartnäckig vor dem Abriss retteten. Der Grund für solche Annahme: Die Kritik an einer angeblichen „Disneyland“-Schlosskonzeption findet in maßgeblichen Regierungskreisen durchaus Gegenliebe. Wer sich die Kolloquium-Papiere ansieht, versteht die Ängste. Im Finanzministerium erdachte man völlig neue Vorstellungen, die die Museumslandschaft in der Region Dresden gehörig durcheinander wirbeln würden….(es gab die Diskussion), ob in der Schlosskapelle die Unterbringung der Zentralbibliothek der Staatlichen Kunstsammlungen eine denkbare Alternative ist. Wer am wohl authentischsten Ort einer Heinrich-Schütz-Musikpflege Bücherregale für eine „denkbare Alternative“ hält, muss wohl ein ganz eigenes Verständnis vom Umgang mit Historie haben. Dieses Denken bezeichnet Landeskonservator Prof. Heinrich Magirius als Konfrontation. „Man spricht nicht mit uns, wischt aber viel von unseren Überlegungen vom Tisch……
      Es geht nur bedingt um den Glaubenskrieg, das Schloss modern oder rekonstruktiv zu gestalten. Aufklärend wirken da vielleicht Äußerungen eines dem Finanzminister sehr nahe stehenden Ministerialbeamten: „Die Kulturleute müssen endlich begreifen, dass sie nicht immer Vorrang haben“. Die Freistaats-Verwaltung braucht Platz, meint der Mann und hält Büroflächen anstelle des Riesensaals für „effektiv“.


      Schauen wir nun mal 10 Jahre weiter. Mitte 2005 wurde folgender Bericht veröffentlicht (einer der vielen Medienbeiträge zur Denkmalpflege-Ausstellung „Zeitschichten“).

      Sendung auf Deutschland-Radio
      Datiert: 25. Juli 2005
      Dresden und sein Schloss – von Harald Selke

      …Abteilungsleiter Staatsvermögen des Freistaats - Wolf Karl Reitner. Gelernter Diplomingenieur, Architektur hat er studiert, er weiß, wohin das Geld fließt…Und der Bauboom in Sachsen ist ungebrochen. Dennoch - die Mittel werden knapper…

      Reitner (Finanzministerium): „Es ist auf jeden Fall genug Geld da. Die Staatsregierung hat sich 1990 entschlossen: Das Schloss wird wieder aufgebaut, und damit ist auch die Finanzierung sichergestellt. Inzwischen kann man natürlich sagen, fällt einem das nicht mehr so leicht, aber
      inzwischen (!) ist auch jedem klar, wie wichtig die Kultur für dieses Land ist! Das Dresdener Schloss mit seinen Exponaten muss sich hinter keiner Stätte der Welt verstecken. Jetzt kann man sich natürlich vorstellen, ich komm' aus dem Finanzministerium, so dumm sind wir auch nicht, wir erkennen das auch als Wirtschaftszweig, sag ich jetzt mal.“

      Spätestens jetzt erinnert man sich an die verheerende Flut vor 3 Jahren (Anmerkung: Sommer 2002)…Die Stadt wurde touristisch gemieden - Kultur und in deren Gefolge die Wirtschaft litten, Arbeitsplätze waren gefährdet…Doch wenn die Kultur läuft in Elbflorenz, dann rollen auch die Buskarawanen aus aller Welt ins leuchtende Herz der Stadt …Insofern eine klare kulturelle Investition auch in eine gute wirtschaftliche Zukunft - wie viel kostet der Wiederaufbau des Schlosses konkret?

      Reitner (Finanzministerium): „337 Millionen Euro. Rechnen wir: Da ist noch nicht drin die Schütz-Kapelle, da ist noch nicht drin die Belletage (Anmerkung: barocke Paraderäume, 2. Obergeschoss, Westflügel)… Da hat Milbradt (Anmerkung: als damaliger sächsischer Finanzminister und folglich „Bauherr“) schon vor vielen Jahren verkündet, das ist eine Generationenaufgabe! Es ist inzwischen verbaut die Summe von rund 180 Millionen Euro, es stehen in diesem Jahr 19 Millionen bereit (Anmerkung: also 2005), und im nächsten Jahr (also 2006) 20 Millionen“.
      ......
      Den weisen Spruch am Ende dieses 2. Artikels möchte ich euch nicht vorenthalten:
      "Die Welt, die dreht sich um die Achse, und an der Kurbel sitzt ’n Sachse."

      Der ganze Beitrag:

      Denkmal Dresden und sein Schloss | Länderreport | Deutschlandradio Kultur


      Wie man am Beispiel der Englischen Treppe sieht, wird über die Details der Ausführung (die aber extrem wichtig sind für das jeweilige Gesamterscheinungsbild) noch in der Bauphase erbittert gestritten. Aber immerhin hat man sich offiziell festgelegt, dass Audienzgemach und Schlafzimmer Augusts des Starken 1 : 1 rekonstruiert werden. Zum Audienzgemach habe ich noch einige Bilder. Zuerst ein Grundrissausschnitt zur räumlichen Zuordnung.
      Das Bild ist „eingenordet“ (also Norden ist „oben“, Süden „unten“). Der rote Strich markiert die Fenster, die im 2. Foto zu erkennen sind. Das rote Rechteck zeigt die „Thron“-Position.

      [img]

      Im nächsten Foto (von Oktober 1991) erkennt man den Rohbauzustand, wie er sich weitgehend auch heute noch darstellt. Standort des Fotografen: Audienzgemach, Blickrichtung nach Süden. Der als Besucher-Gag aufgestellte „Thron“ steht etwa an der historischen Stelle, also dort, wo zu Augusts Zeiten der barocke Paradesessel aufgestellt war; am Südkopf der theaterplatzseitigen Enfilade – in der „Tür-Fluchtlinie“. Im Rücken des Thrones liegt die „Südwand“, die wie die Mittelwand des 2. OG im Westflügel beim Wiederaufbau in Stützen „aufgelöst“ worden ist (siehe Grundriss). Das hatte ich schon in einem früheren Beitrag beschrieben.

      [img]http://www.onlinepictures.de/2/uploads/Schlosstest4b73747ejpg.jpg[/img]

      Zum Vergleich der „historische“ Blick auf die Südwand des Audienzgemaches.

      [img]

      Quelle: [url=http://www.bildindex.de]bildindex der Kunst und Architektur[/url]

      Jetzt noch 2 Fotos aus dem Farbfotoarchiv.
      Quelle: [url=http://www.www.zi.fotothek.org]http://www.www.zi.fotothek.org[/url]

      1. Bild: südliche Schmalseite (Standort des Thrones) mit demontierten Supraporten und Thronbaldachin. Darüber Ausschnitt des Deckengemäldes 'Herkules stützt die Laster'
      Aufnahme color: Nehrdich, Rolf Werner, 1943/1945

      [img]http://www.zi.fotothek.org/Bilder/FMLAC3306_66.jpg[/img][img]

      2. Bild: Wappenkartusche in der Voute der südlichen Schmalseite (Standort des Thrones)
      Aufnahme color: Nehrdich, Rolf Werner, 1943/1945

      [img]http://www.zi.fotothek.org/Bilder/ZI0760_0795.jpg[/img][img]


      Schließen möchte ich mit einer optimistisch stimmenden Information. Auch mich beunruhigte die in einem früheren Beitrag von jemanden im Forum sinngemäß geäußerte Frage: Warum nur hört man absolut nichts vom Altan??? Ich bin kürzlich auf die Homepage eines Planungsbüros gestoßen:

      Eigendarstellung des Profils (Zitat):
      Co-operate solutions ist ein Beratungs- und Planungsunternehmen mit dem Schwerpunkt museumsspezifische Bedarfsplanung.

      Auf der Homepage findet sich folgende Information:

      Auszug Liste Referenzobjekte: Dresdner Schloss (mit der integrierten Angabe: Stand 2004)
      Als unterster Anstrich:
      [b]Altan 200 qm Baukünstlerisches Einzelbauteil - Sanierungskonzept[/b]

      Mit nachstehender Adresse öffnet sich ein zweiseitiges PDF-Dokument. Die genannte Info steht auf Seite 1, links unten.

      [url=http://www.co-operate-solutions.de/pdf/ProjektdetailSchloss.PDF]http://www.co-operate-solutions.de/pdf/ProjektdetailSchloss.PDF[/url]

      Na, das lässt doch hoffen (Sanierungskonzept klingt wirklich besser als zum Beispiel Machbarkeitsstudie). Der Dokumentationsstand zum Altan dürfte so schlecht nicht sein. Der Altan war sehr schwer zerstört, aber nicht vollständig. Noch 1957! waren die verbliebenen Rudimente nicht beräumt worden, wie das nachfolgende Foto belegt. Das wiederum ist aber ein Zeitpunkt, für den man eine „gesittete“ Beräumung annehmen kann. Also im günstigsten Fall Einlagerung der Restteile (zur Geometrie- und Materialauskunft), zumindest aber genaue Dokumentation und Aufmessung. In der Dehio-Ausstellung waren übrigens Fragmente des Skulpturen-Schmucks ausgestellt.

      [img]http://www.bildindex.de/bilder/MI09540c09b.jpg[/img][img]

      Quelle: [url=http://www.bildindex.de]bildindex der Kunst und Architektur[/url][/img]
    • @wolfsheim_jena

      Man sieht immer, wie arm die DDR wirlich war, wenn man Dresden-Bilder aus den fünfziger und sechziger Jahre sieht! Da fand teilweise nicht mal eine Gebäudesicherung oder Enttrümmerung historisch wertvollster Stätten statt!!


      Stimmt, aber nicht nur das. Es fehlte vor allem der politsche Wille dazu. Berühmte Dresdner Denkmalpfleger haben unter schwierigsten Bedingungen eigenhändig Fragmente sichergestellt. Ein besonderes Exempel hat die Stadt bei der gotischen Sophienkirche statuiert. Nur weil Sie Herrn Ulbricht nicht gefallen hat, wurde die älteste unter den Dresdner Kirchen gesprengt (ähnlich wie in Leipzig die Uni-Kirche). Ganze bauhistorisch wichtige Straßenzüge wurden extra abgerissen um Platz für eine sozialistische Großstadt zu machen (Große Meißner Straße, Rampische usw.).

      Sehr interessant ist das Buch des Dresdner Stadtplaners Matthias Lerm "Abschied vom alten Dresden". In diesem wird detailliert dokumentiert, welche Chancen nach 1945 vertan wurden. Beispielsweise wurde den Eigentümern der Häuser verboten, diese wieder aufzubauen. Viele stadtbildprägende Bauten wurden beseitigt, weil sie nicht in das gesellschaftliche Bild der damals herrschenden Politiker paßte. Der Denkmalschützer Fritz Löffler hat sich durch die Publikation seines Bestsellers "Das alte Dresden. Geschichte seiner Bauten" den Haß Weidauers zugezogen, weil er erstmals für die Nachwelt festhielt, wann welches Gebäude aus dem Stadtbild verschwand. Da viele damals (heute auch noch) im Glauben waren, daß allein der Krieg alles vernichtet hat. Dadurch wurde erstmals schwarz auf weiß festgehalten und eindeutig zugeordnet, wer für den großen Verlust wertvollster aufbaufähiger und kaum zerstörter Gebäude verantwortlich war. Nur Dank des damaligen Engagements einiger weniger, gibt es heute noch genaue Aufmaßzeichnungen, die darauf warten wieder eine Verwendung zu finden...
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Interessant ist hierbei das Buch "Dresden aus der Luft", das 1995 erschienen ist und Aufnahmen aus dem Jahr 1994 enthält - da wird deutlich, in welch extrem schlechten Zustand viele Gebäude waren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Kunstakademie mit fehlendem Dach und Baumwuchs mitten in Gebäude... da ist wohl seit 1945 nichts mehr getan worden.

      Auch die erfolgten Reparaturen erfolgten teilweise sehr unsachgemäß, beispielsweise an der Hofkirche (Dachgewölbe nicht nur undicht, sondern auch mit erheblichen Spannungen), so daß nochmals neue Reparaturen erforderlich waren.
    • Auf jedem Fall: unterm Strich geht's voran - nur eben viel zu langsam und viel zu inkonsequent.
      Im Ganzen kann man über die Entwicklung beim Schloss, trotz einiger Ausreißer, nicht klagen. (Man muss auch bzgl. des Zeitrahmens fair bleiben; z.B. in der Münchner oder Würzburger Residenz wird nun schon seit Jahrzehnten saniert und rekonstruiert. Der Osten muss erstmal mehr erwirtschaften, bis er (noch) mehr verbauen kann.)
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Ich möchte Euch mit nachstehender Adresse eine interessante Fotoserie zur Schlosskapelle empfehlen. Die Fotos zeigen u. a. eine Gesamtansicht des „Innenraumes“ während der Bauarbeiten 1988 (westlicher Nordflügel noch ohne Dach) und den seit April 1991 vorliegenden Rohbauzustand (praktisch noch der Istzustand).

      enberg.nu/chapel/mileu.htm[url]

      Die Dehio-Ausstellung „Zeitschichten“ (2005) hatte u. a. auch die rohbaufertige Schlosskapelle als Ausstellungsraum belegt, davon noch folgende Ansicht:

      [url]http://dehio.org/zeitschichten/downloads/dehio_presse_07.JPG[/url][url]

      Bei Bildindex gibt’s übrigens keine Fotos vom Innenzustand des Bereiches Schlosskapelle, wie er in den unmittelbaren Vorkriegsjahren bestand. Das liegt ganz einfach daran, dass in diesem Gebäudebereich auch schon vor der Bombardierung keine kunsthistorisch relevante Innenarchitektur erhalten geblieben war, so dass hier offensichtlich nicht die Notwendigkeit einer offiziellen fotografischen Dokumentation gesehen wurde. Zur baulichen Veränderung der Schlosskapelle nach der Auflassung als lutherischer Kirchenraum schreibt Dirk Syndram:
      Im Jahr 1737 wurde die für das Luthertum ausgesprochen symbolhafte evangelische Hofkapelle im Nordwestflügel des Schlosses aufgelöst. Der Raum, den die Schlosskapelle eingenommen hatte (A: reichte vertikal über das Erdgeschoss und das 1. OG), wurde im Obergeschoss in ein Appartement für eine Prinzessin und im Erdgeschoss in ein Archiv des geheimen Kabinetts umgebaut.

      Und hier noch ein Foto vom ehemals gültigen Baumodell.
      Quelle:
      Informationsbroschüre zum Wiederaufbau des Schlosses: „Sicherung der Bausubstanz“;
      Herausgegeben 1989 vom „VEB Gesellschaftsbau Dresden“ (damaliger Ausführungsbetrieb)

      [img]

      Bereits seit den frühen achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bestehen Bestrebungen, beim Wiederaufbau des Residenzschlosses den Bauzustand des Nordflügels vor der Aufhebung der evangelischen Schlosskapelle mit der Renaissance-Orgel Gottfried Fritzsches von 1612 und den beiden Musikeremporen zu rekonstruieren (siehe Baumodell).
      Dazu gibt es eine wissenschaftliche Arbeit von Prof. Greß (Musikwissenschaftler an der Musikhochschule Dresden, hochachtungsvoll auch „Silbermann-Papst“ genannt)
      Greß, Frank-Harald: Die Gottfried-Fritzsche-Orgel der Dresdner Schloßkapelle. Untersuchungen zur Rekonstruktion ihres Klangbildes
      Tenor der Arbeit soll wohl sein: Es wäre technisch möglich.
      Aber wer die Beiträge zum Palais im GG gelesen hat, erinnert sich vielleicht, dass man im Finanzministerium sogar die Bezeichnung Schützkapelle ablehnt (zu einseitig).[/img][/url]