Berlin - ehemaliges DDR-Staatsratsgebäude am Schlossplatz

  • ...

    Das Gebäude besteht aus dem Schlossportal und der belanglosen großflächigen Fensterfassade der 60er Jahre. Diese Fassaden gibt es so ähnlich an tausenden öffentlichen Gebäuden der 60er Jahren.

    A-Visit-to-Staatsratsgebaude-in-Berlin-_fotostrasse_013.jpg

    Sowas hat Walter Gropius im Jahr 1925 schon besser gekonnt:

    Das ist nicht fair ArturV.Aragon: Wenn schon, dann zeige zum Vergleich die Frontfassade zum Schloßpatz und nicht die Rückseite!

  • Ich empfinde das Gebäude als billig und pifieg. Als Turnhalle in einem 50er Jahre Neubauviertel ok, aber wurde dort nicht auch der Schießbefehl erlassen ? Ein Denkmal für den Schreibtischtäter ?

    Es gibt viele Probleme, am skurrilsten empfinde ich den Panzerparkplatz an der Straße des 17 Juni. Aber auch den Treptower Park, wo man über dessen Namensgebung nachdenken sollte.

  • Ich empfinde das Gebäude als billig und pifieg. Als Turnhalle in einem 50er Jahre Neubauviertel ok, aber wurde dort nicht auch der Schießbefehl erlassen ? Ein Denkmal für den Schreibtischtäter ?

    Wir stellen aus gutem Grund auch Bauten aus Geschichtsepochen unter Schutz, die autoritär und menschenverachtend waren, auch Bauten der Nazidiktatur übrigens. Wenn du diesen Bau als so wenig gelungen empfindest, dann nenne doch Beispiele der Ostmoderne, die besser geeignet wären, unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Dann kann man zumindest ernsthafte Vergleiche ziehen.

  • Bauaesthet Können wir gerne machen. Mir ging es nur darum, dass die Augen nicht auf das Schlossportal fallen, das hätte man meiner Meinung nach im Schloss einbauen sollen. Aber ich weiß, ging nicht wegen Denkmalschutz.

    tegula Ich verstehe es ja, dass man aus kultureller Sicht das Gebäude erhalten will, aber architektonisch ist das für mich eine 60er Jahre Turnhalle mit Schlossportal.

    dsc01950.jpeg

    "Moderne Architektur heißt seit über 50 Jahren: Rechtwinklig, weiß, kahl, leer, gebaut von immer schwarzgekleideten Architekten."

    -Gerhard Kocher

  • Aus der Frühzeit der 60iger hat es als Vertreter der Ostmoderne und der geschichtlichen Bedeutung mit Sicherheit Denkmalschutzcharakter. Eine Architekturikone von hoher Qualität ist es aber nicht.

  • Wo das Schloßportal historisch gesehen hingehören würde, ist in diesem Fall wirklich leicht zu beantworten. Der Denkmalstatus des Staatsratsgebäudes würde durch den Wiedereinbau des Schlossportals beeinträchtigt - solche Ansichten können wohl auch nur auf dem Mist dieses Landes gedeihen...

  • Zur Versachlichung mal der Eintrag in der Denkmaldatenbank des Landes Berlin:

    Das gesamte Areal zwischen Breite Straße und Spree sowie zwischen Neumanns-/ Sperlingsgasse und Schlossplatz nimmt das ehemalige Staatsratsgebäude, Schlossplatz 1, mit Kanzleiflügel und rückwärtiger Gartenanlage ein. Nach dem Tod des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, war 1960 ein Staatsrat als kollektives Staatsoberhaupt eingesetzt worden. Der Amtssitz für das höchste staatliche Gremium der DDR, 1962-64 vom Architektenkollektiv Roland Korn und Hans-Erich Bogatzky errichtet, war der erste Neubau eines Regierungsgebäudes im Zentrum Berlins nach dem Krieg. Wohnquartiere der Köllner Altstadt und der nördliche Teil der Brüderstraße, die ursprünglich bis zum Schlossplatz verlief, wurden für den Bau vollständig entfernt. (1) Der mit Sandstein und rotem Granit verkleidete dreigeschossige Stahlskelettbau ist in seinen Proportionen und seiner inneren Aufteilung ganz auf das ehemalige Portal IV der Lustgartenseite des Berliner Stadtschlosses (1706-13 von J. F. Eosander von Göthe) ausgerichtet. (2) Das Schlossportal wurde, mehr als zehn Jahre nach dem Abriss des Schlosses, in die Front des Neubaus eingefügt, weil von seinem Balkon aus Karl Liebknecht am 9. November 1918 die Sozialistische Republik ausgerufen hatte. Die Regierung der "ersten sozialistischen Republik auf deutschem Boden" stellte sich damit als Vollenderin der Ziele der Novemberrevolution und des Lebenswerks von Karl Liebknecht dar.

    Die Übernahme der Proportionen und der Geschosshöhen des Schlossrisalits am Außenbau bewirkte, dass auch das Gebäudeinnere Schlossdimensionen erhielt. Ein großzügiges Treppenhaus, weitläufige Foyers, große Säle und saalartige Funktionsräume bestimmen den Raumeindruck. Die Einrichtung ist in den Formen der 1960er Jahre bis ins Detail durchgearbeitet, das einheitliche gestalterische Konzept erstreckt sich bis auf Türklinken, Lampen, Möbel und Wandverkleidungen. Aufwändige Kunstwerke komplettieren die Einrichtung: Das Treppenhaus beherrschen monumentale, farbige Glasfenster mit Szenen "Aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" nach Entwurf des Malers Walter Womacka. Eine geätzte Stahlwand im Sitzungssaal stammt von Fritz Kühn und der Wandfries "Das Leben in der DDR" aus Meißener Porzellan im Bankettsaal wurde nach Entwurf von Günther Brendel hergestellt. Das ehemalige Staatsratsgebäude vermittelt das Wunschbild einer DDR-Identität mit zwiespältigen Traditionsbezügen: ein Portal des Hohenzollernschlosses als "Reliquie" der Novemberrevolution ist verbunden mit idealisierten Darstellungen des Arbeiterstaates und einer modernen Architektursprache, die sich an internationalen Strömungen orientierte.

    (1) Vorplanungen für das Gebäude durch das Institut für Marxismus-Leninismus von Heinz Mehlan und Harry Reichert, Fassadenentwurf für das Hauptgebäude mit dem sogenanntem Liebknechtportal vom Architekten Josef Kaiser von 1961. Das Kanzleigebäude wurde von Klaus Pätzmann entworfen.

    (2) Vorbild war das 1698-1706 ausgeführte Portal V von Andreas Schlüter. - Das Portal IV wurde 1950 vor der Sprengung des Schlosses geborgen und restauriert. Alle plastischen Teile sind Originale, die Plattenverkleidung wurde erneuert. Vgl. Volk 1973, S. 129.


    Natürlich spricht hier auch die Zeit durch die Zeilen des Verfassers. Nicht erwähnt, aber zur Vollständigkeit gehört, dass Bundeskanzler Schröder nach der Wiedervereinigung das Bundeskanzleramt in das Staatsratsgebäude verlegt hatte. Zusammen mit dem in der DDR rekonstruierten Kronprinzenpalais Unter den Linden, in dem der Einigungsvertrag unterzeichnet wurde, könnte man den Bau auch als Stätte des Einheitsprozesses unter Denkmalschutz stellen.

    Allerdings befindet sich auch ein derweil in der Geschhichtsschreibung korrigierter historischer Fehler in der Begründung: Liebkneckt hat nicht die "sozialistische Republik" vom Balkon des Portal 4 aus ausgerufen sondern von einem Autodach vor dem Schloß. Die DDR behandelte die Fensterachse seitdem als sozialistische Reliquie.

    Was de Schiessbefehl datiert vom 28. Juni 1960, da stand das Staatsratsgebäude noch gar nicht. Gebäude haben jedoch keine Schuldfähigkeit, so steht das Reichsluftfahrtministerium von Herrmann Görung auch völlig zurecht unter Denkmalschutz.

  • Das Gebäude war in unzähligen Nachrichtensendungen mit Honey, usw. man könnte daher nach erfolgtem Abriss auf die Mediatheken der Welt zurückgreifen.

    Genau, reißen wir alles ab, was unter Denkmalschutz steht, denn wir können es ja in Mediatheken bewundern. Das Schlimmste daran ist, dass das nicht einmal Satire ist. Danke an Johan Maurits für die nüchterne Bestandsaufnahme.

  • Zusammengefasst gesagt, muss man sich als Rekobefürworter zwischen dem Schutz von Gebäuden der DDR, die sehr häufig die Altsadtstruktur zumindet stören, wenn nicht zerstören und der Altstadt entscheiden. Im Westen wäre es ähnlich dort befand sich jedoch kein Teil der Berliner Altstadt

    Hinzu kommt dann noch die Auseinandersetzung mit der autogerechten Stadt und deren Straßenführung

  • Zusammengefasst gesagt, muss man sich als Rekobefürworter zwischen dem Schutz von Gebäuden der DDR, die sehr häufig die Altsadtstruktur zumindet stören, wenn nicht zerstören und der Altstadt entscheiden.

    Schon wieder eine falsche Aussage. Was soll denn anstelle des Staatsratsgebäudes rekonstruiert werden? Hier gibt es doch nicht die geringsten Bestrebungen.

    Und könntest du bitte noch meine Nachfrage von oben beantworten:

    Wenn du diesen Bau als so wenig gelungen empfindest, dann nenne doch Beispiele der Ostmoderne, die besser geeignet wären, unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Dann kann man zumindest ernsthafte Vergleiche ziehen.

  • Das ufert hier leider schon wieder ins Bodenlose aus. Wer den Abriss des Staatsratsgebäudes fordert, verhält sich letztlich nicht anders als jene, die man hier so häufig kritisiert: Reko-Gegner, kompromisslose Verfechter der Moderne oder wie die DDR höchstselbst: ideologiegetriebener Abrisswahn.

    Die Alternative kann doch nicht sein, jedes Zeugnis der DDR aus dem Stadtbild zu tilgen – auch wenn diese Zeit unbestreitbar zu massiven Veränderungen und erheblichen Eingriffen in das historisch gewachsene Gefüge geführt hat. Aber gerade aus Respekt vor der Geschichte und dem Wandel, der zu unserer Gesellschaft nun einmal dazugehört, gehört auch der Erhalt solcher Bauten dazu. Das muss man doch erkennen.

    Und gerade weil das ehemalige Schlossportal in das Gebäude integriert wurde und sich die Architektur – laut Beschreibung – in ihren Proportionen offenkundig stark daran orientiert, ist der Bau für mein Empfinden erst recht kein Abrisskandidat.

  • Er steht aber mitten auf der ehemaligen Straßenführung ! usw....

    Das "reicht" wohl kaum als argumentative Grundlage, um das Gebäude zu vernichten. Von den architektonischen Qualitäten, die einen Abriss unmöglich machen, ganz zu schweigen. Was für eine absurde Diskussion hier.


  • So schlecht war die DDR dann doch nicht, Geplätscher und Tote Oma ! Alle waren dabei, haben die noch was über die Rossbändiger gesagt ?

    Sag mal, müssen solche Kommentare wirklich sein? ... Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Und dass die DDR ein Unrechtsstaat war ändert nichts an der Tatsache, dass zur Zeit ihrer Existenz bedeutende Bauwerke (Fernsehturm, Stalinallee) oder eben schöne Brunnenanlagen geschaffen wurden. Der Mosaikbrunnen im Stil von Jean Miro gehört gewiss in diese Kategorie.