Berlin - Hauptbahnhof, Humboldthafen & Umfeld

  • Auch wenn sich meine Begeisterung über moderne Architektur generell in Grenzen hält, finde ich doch dass der "Cube" ein ziemlich cooles, optisch ansprechendes Ding ist. Das ist wirklich mal was Außergewöhnliches. Zumal die Umgebung des Cube mehr oder weniger nur aus öden Rasterfassaden besteht.

  • optisch ansprechendes Ding

    Ding. Ich sehe das insofern ähnlich, als es sich eigentlich nicht um ein gewöhnliches Haus, sondern um ein nutzbares skulpturales Gebilde handelt. Als solches ist es als solitärer Blickpunkt durchaus interessant. Es hätte in dieser Solitär-Funktion vielmehr ein Museumsbau (anstatt der geplanten "Kultur-Scheune") oder eine Art Gedenkstätte (wie das Märtyrer-Monument in Bagdad) werden sollen, als ein schnödes Bürogebäude.


    Jedenfalls aber interpretieren sie im Marketing enorm viel in das Gebäude. Es böte Inspiration und urbanen Raum für Visionäre. Zwischen Mensch und Raum entstünde eine "eine inspirierende Wechselbeziehung". "Cube" böte "smarte Räume" für "kreatives Denken". (alles hier) Es stünde für "Open space. Open mind.". (hier) Und es sei das "das intelligenteste Gebäude Europas". (hier)


    An letzterem mag etwas sein, wenn man die Intelligenz nicht auf die Baugestaltung, sondern die Technik bezieht. Denn "Cube" sammelt offenbar Daten.


    Zitat:

    "Hinter der eleganten Fassade des cube berlin bündelt das sogenannte »Brain« verschiedene smarte Technologien zu einem selbstlernenden System.

    Eine App ermöglicht die Navigation durch das Gebäude, die Buchung von Arbeitsplätzen, Essens - oder Produktbestellungen, die individuelle Einstellung von Licht und Temperatur und erleichtert sogar die Parkplatzsuche. Zurückhaltend und intuitiv erkennt das »Brain« die Gewohnheiten und Wünsche seiner Nutzer. Konzentration und Produktivität werden neu definiert."


    Zitat 2:

    "Das wirklich Innovative und Neue am cube berlin ist jedoch, dass wir die gesamte Technik miteinander in einem sog. Brain - also einem Gehirn - vernetzen. Das Brain macht den cube berlin erst wirklich "smart". Das Brain ist eine künstliche Intelligenz, die nicht nur einen vorher definierten Betrieb des Gebäudes regelt, sondern das Verhalten seiner Nutzer, Umweltfaktoren und Betriebsvorgaben beständig analysiert und interpretiert. Dadurch optimiert es den Betrieb des Gebäudes fortwährend und ist in der Lage, den Nutzern und Betreibern Vorschläge zu unterbreiten, wie man zum Beispiel Räume effizienter oder energetisch sinnvoller Nutzen kann. Die Idee ist, dass dies sowohl dem Betreiber der Immobilie zu Gute kommt als auch und vor allem dem Nutzer, der über ein Cockpit jederzeit selbst die Daten einsehen kann. Mit Hilfe des Brains kann er sein Verhalten in der Mietfläche verändern und verbessern. Mit diesem Konzept betreten wir in der Immobilienbranche absolutes Neuland."

  • Sowas kann man auch Totalüberwachung nennen. Mal sehen, was passiert, wenn das "Brain" mal anderer Meinung ist als der Nutzer. Wird spannend :biggrin:

  • Also der Cube ist hier wahrlich nicht da Problem, den finde ich tatsächlich recht spannend. Schlimm ist allerdings diese Rasterhölle drumherum. Was hat man sich dabei nur gedacht...? Ein Stadtraum zum Davonlaufen oder weitmöglichster Meidung.

  • immer wenn ich am " Hauptbahnhof Berlin" ankomme, versuche ich diesen unwirtlichen Ort so schnell wie möglich zu verlassen. Das ganze Umfeld ist nicht gerade für einen längeren Aufenthalt geschaffen und ich denke wehmütig an vergangene Zeiten des Lehrter Bahnhofs zurück. Berlin hat mit dem Abriss der alten städtischen Bahnhöfe eine Chance verpasst, was wäre zum Beispiel ein wieder aufgebauter Anhalter Bahnhof ein schöner Veranstaltungsort ohne gleichen. In der Umgebung dieser Betonklötze kann niemals ein urbanes Leben entstehen, da haben die Architekten sich kein Denkmal gesetzt.

    Quelle: pinterest.de

  • Das ganze Umfeld ist nicht gerade für einen längeren Aufenthalt geschaffen und ich denke wehmütig an vergangene Zeiten des Lehrter Bahnhofs zurück.

    Ich möchte die jetzige Bebauung gewiss nicht loben, aber ehrlich gesagt, war das Umfeld auch damals schon nicht für einen "längeren Aufenthalt" geschaffen. (Für die Insassen des nahegelegenen Zellengefängnisses vielleicht...)


    Panorama ca. 1900

    Quelle: Axel Mauruszat


    Washingtonplatz 1932 (Die Fläche links, wo das ehemalige Deutsche Kolonialmuseum stand, schon planiert - irgendwann zwischen der Schließung aus finanziellen Gründen 1915 und 1932)

    Quelle: Wikimedia


    Was gab es in der Nähe? Wirtschaftlich genutzte Kaianlagen entlang der Spree, den Humboldthafen, 2 Güterbahnhöfe, das Zellengfängnis, eine Kaserne, das Deutsche Kolonialmuseum, das von Gleisanlagen eingeschlossene Ausstellungsgebäude und -gelände.

    Am Spreebogen gegenüber das Alsenviertel mit Kaimauern, Generalstabsgebäude und diversen Botschaften.

    Moltkebrücke 1900

    Quelle: Wikimedia


    Generelle Frage: Wo gibt es schöne Bahnhofsumfelder?

  • Das schöne Bahnhofsumfeld in Köln ist aber schon seeehr lange her. Heutzutage ist es doch außer dem Dom fast nur Tristess. Und für den Dom war es auch kein Segen, den Hauptbahnhof so nah dran zu bauen.

  • Alles etwas zu modern gestalltet in dieser Gegend. Ich erwarte noch immer auf sensationelle traditionelle Neubauten des Post Modernismus, so häufig jetzt gebaut in der Niederlanden. Wir sind hier in eine Zentrale Lage nicht im Aussenviertel Berlins!!!

  • Köln hatte / hat den umstrittenen "Vorteil", dass der Bahnhof in unmittelbarer Innenstadtnähe gebaut wurde.

    In der Umgebung des Lehrter Bahnhofs gab es nichts zum sich aufhalten und schlendern. Weshalb auch, um auf einen Anschlusszug zu warten? Das auf dem gegenüberliegenden Spreebogen befindliche Alsenviertel wurde größtenteils schon vor dem Krieg abgetragen für die gigantische Große Halle der Welthauptstadt Germania und ist dann großräumig bundespolitisch umgestaltet worden für das Regierungsviertel, ich meine: höher angebunden als nur unter regional städtebaulichen Aspekten.

    So entstand eben dieser Unort. Da wird auch keine beliebte Wohngegend mehr draus...


    Sind irgendwo Fotos vom Inneren des Bahnhofs? Bald hier: Die alten Fernbahnhöfe Berlins?

  • eigentlich wäre die Lage optimal, für eine beliebte Wohngegend. Wenn daraus ein "Unort" wurde liegt dies allein an Arcitektur und Stadtplanung.

    Noch nicht einmal für die Gruenanlagen zwischen Hauptbahnhof und Reichstag/Kanzleramt gibt man sich Mühe.